05 - Kapitel XIII - Ende (S.364 - Ende)

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  • Hallo zusammen,


    ich habe das Buch gestern abend noch beendet und weil morgen schon die nächste LR anfängt, will ich meine Gedanken schon mal festhalten (sonst vergesse ich die Hälfte).


    Ich war echt sprachlos, als ich gelesen habe was mit Caldus und den anderen Offizieren passiert. Was für eine Grausamkeit, ich konnte es zuerst garnicht glauben. Wenigstens konnte sich Caldus durch seinen Selbstmord noch vor diesem Ende 'retten'.
    Es ist doch immer wieder unglaublich, was Menschen einander mit der Rechtfertigung ihrer Religion antun können.


    Schade fand ich, dass Aliso nicht auf der Karte eingezeichnet ist, ich hätte Thiudgifs Weg dann doch gerne mitverfolgt. Zum Glück sind sie im Wald nur auf die Frauen gestoßen, die ihnen dann sogar noch geholfen haben. Das hätte auch echt ins Auge gehen können!


    Bei Annius und Sabinus ist es auch spannend, dem Schicksal ihrer beiden Gefährten sind sie ja auch nur ganz knapp entronnen. Was für eine Verletzung hat Sabinus denn wegen dem Gerangel mit Annius davongetragen? Irgendwie sind ein Fausthieb und ein blöder Sturz zu wenig, um gleich daran zu sterben oder?


    Thiudgifs Entscheidung, nach Aliso zu gehen obwohl die Stadt belagert wird, konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Zwar erwähnt später jemand, dass genügend Vorräte vorhanden sind, aber das konnte sie ja nicht wissen. Und man weiß ja nie, wie lange so eine Belagerung dauert und ob die Vorräte nicht doch irgendwann ausgehen. Ich habe erst letztens so eine Belagerungsgeschichte gelesen, das muss wirklich nicht sein!
    Oft denkt man ja auch, dass Verstärkung kommt (was Thiudgif ja auch nicht wusste) und dann kommt die eventuell doch nicht.
    Man sieht ja, wie gefährlich der Plan ist, daran dass die zwei Männer bei der Flucht in die Stadt ums Leben gekommen sind.


    Auch bei Annius' Entscheidung die Hütte anzuzünden, konnte ich nur den Kopf schütteln. Es war doch so klar, dass noch jemand in der Nähe ist! Aber selbst wenn es nur die Jungen gewesen wären, hätte er es mit den Sachen, die er bei sich hat, eigentlich nicht riskieren dürfen. Komischerweise denkt er genau darüber nach und zündet dann im nächsten Augenblick die Hütte an.


    Das Ende hat mir sehr gut gefallen, wirklich schön ohne kitschig zu werden. Ich fand es auch total süß, dass Thiudgif die Initiative ergreift und ich glaube, dass die beiden echt glücklich miteinander werden können.
    Ich fand es echt rührend, als Thiudgif vor ihrem alten Dorf steht und merkt, dass sie dorthin nicht mehr zurück kann. Trotzdem hatte die Szene etwas von einer Entscheidung, also so als ob sie sich gegen ihr Dorf und für Annius entscheidet.


    Ist eigentlich rausgekommen, was mit Amras Mann ist, hat er überlebt? Vielleicht habe ich es ja überlesen, aber sonst wäre es schon schade, wenn wir das nicht mehr mitgekriegt hätten.


    Insgesamt hat mir das Buch trotz meiner Kritikpunkte gut gefallen, eine Rezi kommt natürlich noch. Und zum Diskutieren bin ich natürlich auch noch ein Weilchen da.


    LG, Mobi

  • Hallo! :)


    Ich bin auch gerade eben fertig und auch noch ganz gefangen von der Lektüre...



    Ich war echt sprachlos, als ich gelesen habe was mit Caldus und den anderen Offizieren passiert. Was für eine Grausamkeit, ich konnte es zuerst garnicht glauben. Wenigstens konnte sich Caldus durch seinen Selbstmord noch vor diesem Ende 'retten'.
    Es ist doch immer wieder unglaublich, was Menschen einander mit der Rechtfertigung ihrer Religion antun können.


    Komisch, ich war mir beim Lesen gar nicht so sicher, ob Caldus es wirklich geschafft hat, sich umzubringen! Es könnte sein, dass er durch den Aufprall nur betäubt / ohnmächtig war... "Hart traf sein Kopf auf und zerbarst in gleißendem Licht" (S. 373) ist für mich nicht so eindeutig (bei Kopfverletzungen hat man doch schnell mal Sterne vor Augen, etc.), aber da der Faden nicht mehr weiter verfolgt wird, denke ich, dass er wohl wirklich sofort tot war, ich würde es mir wünschen für ihn.



    Schade fand ich, dass Aliso nicht auf der Karte eingezeichnet ist, ich hätte Thiudgifs Weg dann doch gerne mitverfolgt. Zum Glück sind sie im Wald nur auf die Frauen gestoßen, die ihnen dann sogar noch geholfen haben. Das hätte auch echt ins Auge gehen können!


    Gut, dass du das sagst, ich dachte schon, ich wäre zu blöd zum Kartenlesen ;D



    Bei Annius und Sabinus ist es auch spannend, dem Schicksal ihrer beiden Gefährten sind sie ja auch nur ganz knapp entronnen. Was für eine Verletzung hat Sabinus denn wegen dem Gerangel mit Annius davongetragen? Irgendwie sind ein Fausthieb und ein blöder Sturz zu wenig, um gleich daran zu sterben oder?


    Das dachte ich auch! Wie kann der sich bei einem Sturz ein Loch in die Brust reißen, von dem Annius nichts mitbekommt? ??? Um Sabinus tut es mir leid, aber die ganze Szene mit diesen beiden Jungen ist mir nicht ganz klar geworden. Die wollten Annius doch helfen? Und am Schluss, kamen dann andere, die das Gegenteil bezweckten? Haben sie ihm das Pferd gebracht oder hat er es ihnen entwendet? Aber vielleicht sind diese Spekulationen hier gar nicht so schlecht, denn Annius wusste wohl selbst nicht genau, woran er war....



    Man sieht ja, wie gefährlich der Plan ist, daran dass die zwei Männer bei der Flucht in die Stadt ums Leben gekommen sind.


    Oh, da hab' ich mich geärgert! Das war ein unnötiges "Bauernopfer" - möchte ich fast sagen, obwohl ich mich mit Schach nicht wirklich auskenne und deshalb nicht weiß, ob der Begriff komplett zutreffend wäre - also besser ein mir völlig unverständliches Opfern zweier Nebenfiguren (Thiaminus und Privatus), weil es keinen Unterschied gemacht hätte, ob die beiden mit ihnen ins Lager gekommen wären oder nicht. Naja, vielleicht wäre dann ein Problem entstanden, weil welche Rolle hätten sie dann spielen sollen? Ach, die beiden tun mir Leid... (Irgendwie fühle ich mich erinnert an Harry Potter, aber da es hier ja keine Spoiler gibt, lasse ich den Vergleich lieber)...



    Ist eigentlich rausgekommen, was mit Amras Mann ist, hat er überlebt? Vielleicht habe ich es ja überlesen, aber sonst wäre es schon schade, wenn wir das nicht mehr mitgekriegt hätten.


    Ich dachte der wäre schon viel weiter vorne gefallen, da war doch diese Schlachtszene, von der Thiudgif Amra und Sura wegführt. Ich dachte daraufhin er wäre tot, aber vielleicht konnte ich das zu dem Zeitpunkt gar nicht wissen... :-\


    LG,
    Yklamyley

    Man ruft einen Namen am Halbengelsee: / &quot;Yklamyley! Yklamyley!<br />Sie ist die Mächtigste von uns allen!<br />Ihr Zauber muss selbst den Sternen gefallen!&quot;<br />&quot;Weshalb? Hat denn eines Gedichts sie entbunden?&quot;<br />&quot;Nein, besser: Sie hat ihren Namen erfunden!&quot; (Tobias O. Naheanrilke, 7. 1. 2011)

  • Hallo Yklamyley,



    Komisch, ich war mir beim Lesen gar nicht so sicher, ob Caldus es wirklich geschafft hat, sich umzubringen! Es könnte sein, dass er durch den Aufprall nur betäubt / ohnmächtig war...


    Stimmt natürlich, mir war es vor allem wichtig, dass er das Ganze nicht bei vollem Bewusstsein miterleben muss. Aber du hast schon Recht, es steht nicht da, dass er an dem Aufprall gestorben ist.



    Die wollten Annius doch helfen? Und am Schluss, kamen dann andere, die das Gegenteil bezweckten? Haben sie ihm das Pferd gebracht oder hat er es ihnen entwendet? Aber vielleicht sind diese Spekulationen hier gar nicht so schlecht, denn Annius wusste wohl selbst nicht genau, woran er war....


    Ich glaube auch, dass sie ihm helfen wollten, aber warum? Schließlich hat er das Haus ihrer Herren angezündet. Ich bin mir allerdings recht sicher, dass er das Pferd entwendet hat. Versucht nicht einer der Junge noch, ihn daran zu hindern?



    Oh, da hab' ich mich geärgert! Das war ein unnötiges "Bauernopfer" - möchte ich fast sagen, obwohl ich mich mit Schach nicht wirklich auskenne und deshalb nicht weiß, ob der Begriff komplett zutreffend wäre -


    *G* ich hatte ganz kurz den Begriff Kanonenfutter im Kopf... :-[



    Ich dachte der wäre schon viel weiter vorne gefallen, da war doch diese Schlachtszene, von der Thiudgif Amra und Sura wegführt. Ich dachte daraufhin er wäre tot, aber vielleicht konnte ich das zu dem Zeitpunkt gar nicht wissen... :-\


    Hm, Amra fürchtete, dass er tot ist, aber sie wusste doch nichts Eindeutiges, oder?


    LG, Mobi

  • Liebe Leserunde,


    dramaturgisch haben mir die Schlusskapitel gefallen.




    Komisch, ich war mir beim Lesen gar nicht so sicher, ob Caldus es wirklich geschafft hat, sich umzubringen! Es könnte sein, dass er durch den Aufprall nur betäubt / ohnmächtig war... "Hart traf sein Kopf auf und zerbarst in gleißendem Licht" (S. 373) ist für mich nicht so eindeutig (bei Kopfverletzungen hat man doch schnell mal Sterne vor Augen, etc.), aber da der Faden nicht mehr weiter verfolgt wird, denke ich, dass er wohl wirklich sofort tot war, ich würde es mir wünschen für ihn.



    Stimmt natürlich, mir war es vor allem wichtig, dass er das Ganze nicht bei vollem Bewusstsein miterleben muss. Aber du hast schon Recht, es steht nicht da, dass er an dem Aufprall gestorben ist.



    Ich bin zwar kein Mediziner, glaube aber, dass sich mit mit einem zerborstenen Schädel schlecht leben lässt. :)




    Das Ende hat mir sehr gut gefallen, wirklich schön ohne kitschig zu werden. Ich fand es auch total süß, dass Thiudgif die Initiative ergreift und ich glaube, dass die beiden echt glücklich miteinander werden können.
    Ich fand es echt rührend, als Thiudgif vor ihrem alten Dorf steht und merkt, dass sie dorthin nicht mehr zurück kann. Trotzdem hatte die Szene etwas von einer Entscheidung, also so als ob sie sich gegen ihr Dorf und für Annius entscheidet.



    Mir hat das Ende auch gefallen, nicht zuletzt, weil es, wie du schreibst, nicht kitschig ist. Schön auch, dass nicht geklärt wird, ob Thiudgif aus Liebe zu Annius geht, oder weil ihr die Rückkehr zum Vater nicht mehr möglich ist. Oder glaubt ihr, dass sich Thiudgif und Annius, die sich sehr kurze Zeit kennen und kaum gesehen haben, lieben? Ich bin mir hierüber nicht im Klaren, weshalb mich eure Sicht besonders interessiert.


    Liebe Grüße,
    mohan :)

  • Guten Morgen allerseits! :)



    Gut, dass du das sagst, ich dachte schon, ich wäre zu blöd zum Kartenlesen ;D


    Aliso ist deshalb nicht namentlich eingezeichnet, weil bis heute nicht endgültig geklärt ist, ob es sich dabei um Haltern handelt oder nicht. Wir kennen die genaue Lage von Aliso also nicht. Ich habe das im Text deshalb auch etwas in der Schwebe gehalten.


    Auf der Karte sind allerdings alle Stellen gekennzeichnet, wo Reste römische Feldlager aus dieser Zeit festgestellt wurden. Man kann die Kette entlang der Lippe und des Rheins sowie die durch Nidderau und Wetterau (nördlich des heutigen Frankfurt bis annähernd zum heutigen Gießen) bei einem Vergleich mit einer modernen Landkarte eigentlich gut erkennen. Und auch, dass die Region, in der die Schlacht stattfand, ziemlich ab vom Schuss lag -- kein dauerhaft belegtes Lager weit und breit ... ;)




    Das dachte ich auch! Wie kann der sich bei einem Sturz ein Loch in die Brust reißen, von dem Annius nichts mitbekommt? ???


    Okay, ich stelle mal die Hinweise im Text zusammen: Auf Seite 388 - 390 ist die Rauferei, bei der sich Sabinus verletzt: Er fällt rücklings, hält sich danach den Rücken und dann sind seine Hände blutig. Als Sabinus später zurückbleibt (S. 409 ff.), stellt Annius fest, dass Sabinus Fieber hat, und er schaut sich der angeblichen Kratzer an, der sich offenkundig entzündet hat. In der Hütte (S. 414 ff.), als Annius die Wunde notdürftig versorgt, stellt er fest, dass er diese tiefe und inzwischen brandige Verletzung nicht ausreichend versorgen kann.


    Nebenbei bemerkt: Bis zur Entwicklung hochwirksamer Antiseptika und Desinfektionsmittel war die größte Gefahr für verwundete Soldaten nicht die Wunde selbst, sondern Wundbrand. Ich denke schon, dass das auch ohne ein ausführliches medizinisches Bulletin deutlich herauskommt. ;)




    Oh, da hab' ich mich geärgert! Das war ein unnötiges "Bauernopfer" - möchte ich fast sagen, obwohl ich mich mit Schach nicht wirklich auskenne und deshalb nicht weiß, ob der Begriff komplett zutreffend wäre - also besser ein mir völlig unverständliches Opfern zweier Nebenfiguren (Thiaminus und Privatus), weil es keinen Unterschied gemacht hätte, ob die beiden mit ihnen ins Lager gekommen wären oder nicht. Naja, vielleicht wäre dann ein Problem entstanden, weil welche Rolle hätten sie dann spielen sollen?


    Ich töte keine Figuren "aus dramaturgischen Gründen", sondern verweise mal auf eines der wichtigsten archäologischen Zeugnisse zur Varusschlacht: den Kenotaph des Marcus Caelius.


    *spoiler*Die beiden sollten m.A.n. wenigstens die Chance bekommen, dass ihr Tod einen Sinn hatte.*/spoiler*



    Ich dachte der wäre schon viel weiter vorne gefallen, da war doch diese Schlachtszene, von der Thiudgif Amra und Sura wegführt. Ich dachte daraufhin er wäre tot, aber vielleicht konnte ich das zu dem Zeitpunkt gar nicht wissen... :-\


    Es dürfte unmöglich gewesen sein, die genaue Zahl der Toten in dieser Schlacht festzustellen; möglicherweise gerieten einige, wenige Männer auch "nur" in Gefangenschaft - sprich: Sklaverei. Amras Mann hat in der Geschichte keine große Rolle gespielt; Amra gehört demnach zu den vielen Soldatenfrauen, die am Ende nicht wussten, ob ihr Mann tot oder "nur" gefangen war. Das war noch im Zweiten Weltkrieg kein seltenes Schicksal von Soldatenfrauen.


    Muss man in einem Roman wirklich *ALLES* aufklären, um Leser zufriedenzustellen? :o Ich persönlich empfinde beim Lesen Rundumauflösungen und -erklärungen nämlich als extrem unrealistisch und trivial. Bücher, in denen der Erklärbär tanzt, landen schnell auf dem Stapel "Wer 's haben will". ;)

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus

  • Hallo zusammen.


    Hui, dramatisch war es ja nun wirklich. Vor allem Caldus und seine letzten Stunden waren doch ein harter Brocken. Dieses Schicksal war schon grauenhaft hart, vor allem, da er noch so einiges mit ansehen musste. :o


    Das Ende in sich fand ich ganz gut. Nicht zu kitschig und nicht zu überschwenglich.


    Das Annius seinen Freund auf diese Weise verlor, war für ihn selbst schon sehr tragisch. Doch hätte ich ihn auch schon gut durchschütteln mögen, als er die Dreistigkeit, Unüberlegtheit oder wie immer man es nennen möchte, besaß, Sabinus einfach so weg zuschubsen, wo doch völlig logisch sein sollte, dass er ihn vor einer Gefahr oder etwas ähnlichem fernhalten wollte. ::)
    Und dann zündet er auch noch die Hütte an. :o Also Glaube hin oder her, doch sollte dies der Dank dafür sein, dass die beiden Jungen sie nicht verraten hatten? Ja die beiden hatten sogar noch ihre Hilfe aus dem Dorf angeboten... Hier habe ich Annius nun wirklich nicht verstanden. :(


    Noch etwas war mir völlig unschlüssig. Wer begibt sich schon freiwillig (und aus welchen Gründen) innerhalb eines Belagerungringes?
    Zuerst setzt man sein Leben aufs Spiel um hinein zu gelangen. Ja man muss sogar damit rechnen, dass die Turmwächter es für eine List halten und einem erst gar keinen Einlass gewähren. Dann könnte man doch eigentlich davon ausgehen, dass es ziemlich knapp mit den Vorräten werden könnte und die Belagerten um erneuten, unnützen Balast nicht gerade erfreut sind. Oder?
    Klar kennt sich Thiudgif in der Gegend um ihr Dorf gut aus. Doch so einfach, nur mit der List leise zu sein, dann einfach aus einer Seitentür der besetzten Burgstadt hinauszuschlüpfen? Also Entschuldigung, wir sprachen hier auch nicht von ein oder zwei wagemutigen Kriegern, sondern von einer halben Stadt samt Pferden und Co. :-\ Oder habe ich vielleicht etwas falsch verstanden, überlesen?
    Thiaminus hat mir ja nun richtig leid getan. Aber irgendwie auch realistisch, dass es nicht alle aus der Gruppe schaffen werden...


    Eine Szene war mir hier auch überhaupt nicht klar. Vielleicht kann mir hier jemand helfen. Es geht um die Szene kurz nachdem Thiudgif mit den Besetzten ihre Belagerungsstätte verlassen haben. Sie liefen leise durch den Wald, Thiudgif sprach gerade mit Lucius Caedicus, offenbarte ihm, dass sie in Vetera auf Annius warten werde... und dann, ganz plötzlich kommt ein wild gestikulierender Reiter. "Jetzt ist der Augenblick, da sich zeigen wird, ob Lucius Caedicus eine kläffende Töle ist oder ein bissiger Molosser!" ... und wusch weg war er... :-\ Ok, nach dem dritten Lesen habe ich dann kappiert, dass der Reiter kein Germane war und Lucius wohl jener war, der da etwas ausgerufen und zur Schlacht gerufen hatte. :-[ Der Reiter war von der Verstärkung?


    Ein wenig viel Zufall empfand ich, dass es ausgerechnet Thiudgif war, die Annius auf der Wiese fand, aber dafür war die Abschlussszene wieder gut gelungen. ;)


    Realistisch und passend fand ich die Reaktion des Legaten Asprenas, Varus Neffen. Klar musste er zunächst denken, Annius hätte sich mit dem Ring des Statthalters aus dem Staub gemacht. Zum Glück konnte Annius ihm aber dann die Situation recht plausibel erklären.


    Alles in allem doch ein Schluss, der sich gut in das Gesamtkonzept des Buches eingefügt hat. Die stärken dieser Geschichte waren für mich vor allem die Beschreibung der Schlachen und der unglaublichen Organisation wärend des Zuges. Ebenso haben mir die parallelen Handlungsstränge zwischen Thiudgif und Annius sehr gut gefallen und vor allem aber das freundschaftliche Band zwischen Annius und dem jungen Caldus. Ich werde die beiden wohl noch oft am Brunnen sitzen sehen...


    Liebe Grüssle
    Marion :)

    &quot;Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.&quot; Mahatma Gandhi


  • Muss man in einem Roman wirklich *ALLES* aufklären, um Leser zufriedenzustellen? :o Ich persönlich empfinde beim Lesen Rundumauflösungen und -erklärungen nämlich als extrem unrealistisch und trivial. Bücher, in denen der Erklärbär tanzt, landen schnell auf dem Stapel "Wer 's haben will". ;)


    Ok, das ist natürlich eine Einstellung. Und ich gehöre sicher nicht zu den Lesern, die bis ins letzte Detail alles noch ausgetüfftelt haben wollen. Doch auch mir war nicht restlos klar (vielleicht auch nur, da ich es nicht wahrhaben wollte) dass Caldus es tatsächlich noch geschafft hatte, sich selbst umzubringen. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass in sehr vielen anderen Büchern die Leute im nächsten Kapitel immer wieder (lebendig) auftauchen. ;D Da stirbt bei mir als Leserin die Hoffnung natürlich zuletzt. ;)
    Amras Mann hatte ich hingegen schon abgeschrieben. Er war für mich nur eine angedeutete Nebenfigur und hat (für mich) die Schlacht nicht überlebt.



    Das dachte ich auch! Wie kann der sich bei einem Sturz ein Loch in die Brust reißen, von dem Annius nichts mitbekommt?


    Tja, dumm gelaufen. Ich habe hier auch überlegt, ob er vielleicht in einen abgeknickten, spitzen Ast oder so gefallen ist. Zumindest muss er sich ja irgendwie schwerer verletzt haben, dann aufgerissen. Dass dies dann bei den tollen Hygienebedingungen rund um die Schlacht und dem Erschöpfungsgrad der Soldaten dann anfängt sich zu infizieren und zu eitern ist nur normal. Da hatte Annius mit seiner Tat wohl kein so glückliches Händchen.


    Liebe Grüssle
    Marion :)

    &quot;Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.&quot; Mahatma Gandhi

  • Kurz vor der zeremoniellen Opferung versucht Caldus sich selbst tödlich zu verletzten. Ob ihm das gelingt, wird nicht ganz klar - auch im Verlauf des letzten Buchabschnitts nicht. Aber im Prinzip ist das wohl auch nicht wirklich wichtig, da anzunehmen ist, dass Caldus in jedem Fall sein Leben verliert, so oder so. :'(


    Doch was die Germanen dem junge Tribun antun, machen sie (gewissermaßen) an Thiudgif und ihren Begleiter(inne)n wieder gut, indem Frauen ihnen helfen den Weg nach Aliso zeigen.
    Dort kommen Thiudgif, Amra und Sura dann auch heil an. Nur wird die Festung (Stadt?) von Germanen belagert und ihre beiden männlichen Begleiter müssen ihr Leben zum Wohl der Frauen opfern, bevor diese - vorerst - in Sicherheit sind.
    Doch auch in Aliso dürfen die Frauen nicht lang verweilen. Angeführt von Einheimischen, die ebenfalls in Aliso Schutz gesucht haben, versucht der Lagerkommandant den Ausfall nach Vetera. Unter Thiudgifs tatkräftiger Mithilfe gelingt dies auch. Doch zuvor darf Thiudgif noch einmal ihre alte Heimat wiedersehen und feststellen, dass diese für immer für sie verloren ist und ihre Zukunft Annius ist.
    Es ist eine rührige Szene, als sie sich dazu entschließt in Vetera auf ihn zu warten. :herz:


    Auch Annius und Sabinus bekommen auf ihrer Flucht Hilfe von germanischer Seite (irgendwie fand ich, dass das nun ein wenig zu viel der Hilfe durch den "Feind" war... Aber das mag nur meine Meinung sein...). Trotzdem stirbt Sabinus an seinen Verletzungen und Annius muss sich allein nach Vetera durchschlagen. Wenigstens hat Sabinus vor seinem Tode Annius noch das Versprechen abgenommen, unbedingt nach Thiudgif zu suchen. :herz:
    Dass muss Annius dann aber letzten Endes nicht mehr, denn Thiudgif findet ihn. Eine schööööne Szene!!! :herz: :herz: :herz:


    Und zu guter letzt findet sich auch für Varus' (Arminius') Dolch noch einen Platz, denn Annius erhält ihn als Belohnung dafür, dass er Varus' Ring und Briefe nach Vetera gebracht hat. So hatte sich Arminius das sicherlich nicht gedacht...


    Schön fand ich, dass das Ende des Buches recht unaufdringlich war. Zwar haben sich Annius und Thiudgif am Ende wiedergefunden, doch war dies dezent inszeniert und keineswegs kitschig. So gefallen mir Liebesgschichten und ich finde, Iris hat das an dieser Stelle richtig tol gemacht! 8)


    Auszusetzen habe ich - von der übermäßigen Hilfe durch die zivilen Germanen (s.o.) - nichts weiter. Auch nicht, dass das Schicksal einzelner (Amras Mann und gewissermaßen auch das des Caldus) nicht eindeutig geklärt wurde. So ist es wohl nach einer solchen Schlacht - manch einer bleibt verschollen. Warum sollte das nicht auch in einem Roman so sein?`


    Ich bin jetzt jedenfalls sehr gespannt auf eure Meinungen...


    Geez,
    Imlammenien


  • Komisch, ich war mir beim Lesen gar nicht so sicher, ob Caldus es wirklich geschafft hat, sich umzubringen! Es könnte sein, dass er durch den Aufprall nur betäubt / ohnmächtig war... "Hart traf sein Kopf auf und zerbarst in gleißendem Licht" (S. 373) ist für mich nicht so eindeutig (bei Kopfverletzungen hat man doch schnell mal Sterne vor Augen, etc.), aber da der Faden nicht mehr weiter verfolgt wird, denke ich, dass er wohl wirklich sofort tot war, ich würde es mir wünschen für ihn.


    So sehe ich das auch. Es ist nicht eindeutig klar, dass Caldus der versuchte Selbstmord gelingt. In seiner Situation ist ihm das sicher zu wünschen. Aber am Ende spielt es vermutlich eine untergeordnete Rolle, denn am Ende der Geschichte ist er - für mich - auf jeden Fall tot.
    (Und ehrlich gesagt bin ich froh, dass uns Iris seine Opferung bei mehr oder weniger vollem Bewusstsein erspart hat!)



    Das dachte ich auch! Wie kann der sich bei einem Sturz ein Loch in die Brust reißen, von dem Annius nichts mitbekommt? ??? Um Sabinus tut es mir leid, aber die ganze Szene mit diesen beiden Jungen ist mir nicht ganz klar geworden. Die wollten Annius doch helfen? Und am Schluss, kamen dann andere, die das Gegenteil bezweckten? Haben sie ihm das Pferd gebracht oder hat er es ihnen entwendet? Aber vielleicht sind diese Spekulationen hier gar nicht so schlecht, denn Annius wusste wohl selbst nicht genau, woran er war....


    Ich habe es so verstanden, dass Sabinus letztendlich an einer Infektion (vielleicht gar an einer Blutvergiftung) gestorben ist. Dazu bedarf es nicht unbedngt einer schweren Wunde...
    Das mit dem Pferd war mir allerdings auch nicht ganz klar... :-[



    Mir hat das Ende auch gefallen, nicht zuletzt, weil es, wie du schreibst, nicht kitschig ist. Schön auch, dass nicht geklärt wird, ob Thiudgif aus Liebe zu Annius geht, oder weil ihr die Rückkehr zum Vater nicht mehr möglich ist. Oder glaubt ihr, dass sich Thiudgif und Annius, die sich sehr kurze Zeit kennen und kaum gesehen haben, lieben? Ich bin mir hierüber nicht im Klaren, weshalb mich eure Sicht besonders interessiert.


    Ich denke, dass es - vielleicht auch bedingt durch die zusammen durchgestandenen Ereignisse - zumindest ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen den beiden gibt. Ob das Liebe ist? Thiudgif könnte glauben, dass es Liebe ist, vielleicht ist es das tatsächlich. Und Annius? Er will sie beschützen und ihr ein Heim geben.
    Es haben schon Menschen aus schlechteren Beweggründen ihr Leben zusammen verbracht... ;)



    Bücher, in denen der Erklärbär tanzt, landen schnell auf dem Stapel "Wer 's haben will". ;)


    Ganz meine Meinung, Iris! 8) Aber so lustig, wie du es ausdrückst, habe ich diesen Standpunkt bisher noch nie vertreten gehört. ;D



    Ebenso haben mir die parallelen Handlungsstränge zwischen Thiudgif und Annius sehr gut gefallen und vor allem aber das freundschaftliche Band zwischen Annius und dem jungen Caldus. Ich werde die beiden wohl noch oft am Brunnen sitzen sehen...


    Dass gerade Caldus die Schlacht nicht überlebt hat, tut mir wirklich leid. Er hat mir als Charakter (neben Annius und Thiudgif) sehr gut gefallen. Schade, dass er so ein schlimmes Schicksal erleiden musste.
    (Das ist jetzt aber absolut kein Vorwurf, Iris!)


    Geez,
    Imlammenien

  • Hallo miteinander,


    Das Schicksal, das Caldus und die anderen gefangenen Offiziere erwartet, ist schlimmer als der Tod in der Schlacht. Caldus muss mit ansehen, wie die anderen Gefangenen zu Tode gefoltert werden. Immerhin kann er sich dem entziehen, indem er versucht Selbstmord zu begehen.

    Stimmt natürlich, mir war es vor allem wichtig, dass er das Ganze nicht bei vollem Bewusstsein miterleben muss. Aber du hast schon Recht, es steht nicht da, dass er an dem Aufprall gestorben ist.


    Hier stimm ich Mobi zu: selbst wenn Caldus nicht erfolgreich war, so hat es ihm das Folgende bestimmt erleichtert, indem er nicht mehr alles wahrnahm. Und er hatte die Genugtuung, dass er Arminius Plan einen kleinen Stich verletzt hat, immerhin war er mit das höchste Opfer!



    Bei Annius und Sabinus ist es auch spannend, dem Schicksal ihrer beiden Gefährten sind sie ja auch nur ganz knapp entronnen. Was für eine Verletzung hat Sabinus denn wegen dem Gerangel mit Annius davongetragen? Irgendwie sind ein Fausthieb und ein blöder Sturz zu wenig, um gleich daran zu sterben oder?


    Ich hatte es so verstanden, dass Sabinus auf eine spitze Wurzel gefallen ist. Er hat doch auch gesagt "Hättest du nicht besser aufpassen können?" und dann auf Annius nachfrage "Irgendeine verdammte Wurzel." (Seite 389) Die "Stichwunde" durch die Wurzel hat sich dann infiziert und hat Sabinus immer weiter geschwächt, bis er dann in der Hütte gestorben ist.
    Annius folgende Handlungen mögen taktisch unsinnig gewesen sein, da der Rauch der Hütte alle in der Gegend alarmiert haben muss, aber Annius hatte in den vergangenen Tagen so viel erlebt und keine Zeit es zu verarbeiten. Wahrscheinlich hat es bei ihm einfach irgendwie ausgesetzt und er dachte nur noch daran, wie er seinem besten Freund, der indirekt durch seine Hand gestorben ist, die letzte Ehre erweisen konnte.



    Thiudgifs Entscheidung, nach Aliso zu gehen obwohl die Stadt belagert wird, konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Zwar erwähnt später jemand, dass genügend Vorräte vorhanden sind, aber das konnte sie ja nicht wissen. Und man weiß ja nie, wie lange so eine Belagerung dauert und ob die Vorräte nicht doch irgendwann ausgehen. Ich habe erst letztens so eine Belagerungsgeschichte gelesen, das muss wirklich nicht sein!


    So ganz nachvollziehen konnte ich es auch nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass sie einfach nur noch raus aus der Wildnis wollten und zurück in die römische Zivilisation. ???
    Dass sie allerdings so einfach wieder aus Aliso flüchten konnten, ist mir unbegreiflich. Auch die von apassionata zitierte Szene fand ich ziemlich unübersichtlich. Ist denn nun tatsächlich Verstärkung gekommen oder nicht?


    Dass Annius und Thiudgif sich letztendlich wiedergefunden haben, war ein versöhnlicher Abschluss nach so viel Leid und vor allem triefte die Romantik nicht aus den Seiten. Das war genau das richtige Maß für meinen Geschmack! :)


    iris :
    Ist denn eigentlich wissenschaftlich bewiesen, dass Arminius tatsächlich die Offiziere gefangen nahm und geopfert hat?


    LG Myriel

  • Hallo, Marion!



    Noch etwas war mir völlig unschlüssig. Wer begibt sich schon freiwillig (und aus welchen Gründen) innerhalb eines Belagerungringes?


    In solchen Situationen wählt man noch immer das geringere Übel -- wenn der Feind, der obendrein (im Gegensatz zu den Flüchtlingen) schon so weit vorgerückt ist und obendrein aller Wahrscheinlichkeit nach ortskundig ist, dann ist eine feste Burg immer noch ein sicherer Ort als freies Gelände.



    Zitat

    Klar kennt sich Thiudgif in der Gegend um ihr Dorf gut aus. Doch so einfach, nur mit der List leise zu sein, dann einfach aus einer Seitentür der besetzten Burgstadt hinauszuschlüpfen? Also Entschuldigung, wir sprachen hier auch nicht von ein oder zwei wagemutigen Kriegern, sondern von einer halben Stadt samt Pferden und Co. :-\


    Tja, diese Geschichte ist allerdings doppelt überliefert als Heldentat des Herrn Lagerpraefecten Caedicius. Offenbar haben die Belagerer ihren Sieg schlicht zu früh gefeiert. Außerdem befand sich in dem Lager (trotz seiner Größe! Aliso war eigentlich ein Stützpunkt, der mehreren Legion Platz bot) abgesehen von Flüchtlingen vermutlich nur eine Notbesatzung.



    Zitat

    Ein wenig viel Zufall empfand ich, dass es ausgerechnet Thiudgif war, die Annius auf der Wiese fand,


    Es gab nicht viele Möglichkeiten, wo jemand den Rhein überqueren konnte. Damals bestand der Verlauf des Rheins aus vielen unterschiedlich breiten und tiefen Flußarmen (auch vielen "toten" Nebenarmen), die etliche Inseln umspülten. Trotzdem gab es bestimmte Stellen, Furten, Stellen mit ruhige Strömung etc., an denen eine Überquerung wahrscheinlicher war als an anderen Stellen.
    Thiudgif hatte sich entschieden, auf Annius zu warten. Es werden in diesen Tagen dann und wann weitere versprengte Flüchtlinge eingetroffen sein, die alle irgendwie und irgendwo über den Fluss mussten, um in Sicherheit zu kommen. Ich denke, ein kluges Mädchen wie sie fragt sich schnell durch, wo der wahrscheinlichste Ort ist.
    Und Tiere haben, wie wir wissen, auf der Suche nach Furten und ruhigerer Strömung etc. einen sechsten Sinn. ;)



    Bei der Schilderung dieser Ereignisse habe ich mich an Flüchtlingsschicksale, die ich recherchieren konnte, gehalten. Die Schilderungen gleichen sich in aller Welt und in jeder Zeit, und Logik sucht man da vergebens. Es kommt nicht selten vor, dass Flüchtlinge, wenn sie erkennen müssen, dass ihr Ziel versperrt ist, sich einfach niederlassen, wo sie sind, und alles einfach geschehen lassen. Wenn man verzweifelt ist, bringt man nicht mehr die Kraft auf, ein neues Ziel zu verfolgen.

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus

  • Hallo liebe Iris,


    danke für deine Ausführung der verschiedenen Punkte. Sie konnten mir jetzt doch noch etwas weiterhelfen in meiner Vorstellung.
    Beim Lesen selbst macht man sich wohl dann doch nicht so viele Gedanken wie du sie dir nun doch beim Schreiben gemacht hast und stolpert
    dabei dann doch auch mal über die eigene Phantasiebegrenzung. (Also ich meine jetzt meine ;))
    Um so schöner zu hören, dass du dir doch schon im Vorfeld so viele Gedanken in deiner Ausarbeit gemacht hast. Dies werde ich mir dann
    auch beim Lesen einer deiner anderen Romane vergegenwärtigen. Solch ein Vertrauen auf diverse Tatsachen ist für mich als Leserin immer sehr wichtig.
    Und eben jenes hast du dir dann auch meinerseits durch diese Leserunde erringen können. ;)


    Trotzdem ist es sicher auch für dich interessant, die verschiedensten Eindrücke deiner Leser, beim ersten Lesen und ohne zusätzliche Informationen zu
    erfahren.


    Liebe Grüssle
    Marion :)

    &quot;Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.&quot; Mahatma Gandhi

  • Liebe Marion,


    vorab: Ich fühle mich nicht auf den Schlips getreten. :) (Ich trage eh nie einen)


    Wenn ich einen Roman entwickele, dann möchte ich wissen, wie es den Figuren in der jeweiligen Situation ergeht. Von daher recherchiere ich nicht nur historisch, sondern such auch nach ähnlichen Erfahrungen. Und da haben sich im Falle des Varus z.B. Veröffentlichungen von Menschenrechtsorganisationen und Flüchtlingshilfswerken wirklich bewährt.


    Mir ist bewusst, dass vieles, was in solchen Situationen geschah und geschieht, uns (mich ausdrücklich eingerechnet) heimischen Sesselfurzern nicht logisch erscheint, ja zutiefst befremdet. Es ist halt immer etwas ganz anderes, ob man eine solche Situation aus sicherer Entfernung beobachtet oder ob man drinsteckt.


    Ich versuche nicht, die Handlungen meiner Figuren so "logisch" wie möglich zu gestalten, sondern so wahrscheinlich wie möglich. Das bedeutet natürlich, dass Leser dann gelegentlich mit Handlungen konfrontiert werden, die zunächst befremdlich wirken. Da ich nicht lang und breit als Autor erklärend eingreifen will, bleibt das auch einfach so stehen.


    Der/die eine oder andere mag das irritierend finden oder falsch, weil es nicht dem eigenen Gefühl entspricht, aber ein bisschen hoffe ich immer darauf, dass Leserinnen und Leser einem Autor zutrauen, dass er (oder sie) weiß, was er tut, und klug genug sind, ihr eigenes Unbehagen ggf. zu hinterfragen. :)


    Selbstverständlich ist es interessant zu sehen, wie ein Roman wahrgenommen wird. Die Reaktionen auf meine Bücher sind so vielfältig wie die Menschen, die sie gelesen haben. Und da ich es meinen Lesern nicht immer ganz leicht mache, muss ich auch mit Kritik rechnen und sie aushalten.


    Allen recht machen kann man es ohnehin nicht. :)

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus

  • Huhu, bin fertig!



    Thiudgifs Entscheidung, nach Aliso zu gehen obwohl die Stadt belagert wird, konnte ich nicht ganz nachvollziehen.


    Wo sollte sie denn sonst hin? Aliso ist der nächste logische Sammelpunkt, sie hofft dort Annius zu finden. Außerdem hatte sie sich ja schon Gedanken über ihre Zukunft gemacht und war sich darüber im Klaren, dass sie auf ein "normales" Familienleben unter ihren Landsleuten nicht zählen könnte.


    Zitat

    Auch bei Annius' Entscheidung die Hütte anzuzünden, konnte ich nur den Kopf schütteln. Es war doch so klar, dass noch jemand in der Nähe ist! Aber selbst wenn es nur die Jungen gewesen wären, hätte er es mit den Sachen, die er bei sich hat, eigentlich nicht riskieren dürfen. Komischerweise denkt er genau darüber nach und zündet dann im nächsten Augenblick die Hütte an.


    Klang für mich ganz logisch. Er fühlte sich für Sabinus' Tod verantwortlich und konnte es durch nichts wiedergutmachen. Er konnte seinem Freund nichts weiter geben als eine halbwegs ordentliche Feuerbestattung.
    Mir tat es nur um die beiden Jungen leid, die hat er mit seiner Tat wohl in Schwierigkeiten gebracht.



    Doch so einfach, nur mit der List leise zu sein, dann einfach aus einer Seitentür der besetzten Burgstadt hinauszuschlüpfen?


    Also die Seitentür-Methode funktionierte auch schon im "Herrn der Ringe" ;) .
    Stell dir vor, du stehst einem Feind gegenüber und es ist dunkel. Der Feind sieht nicht, ob du dich bewegst, genau das tust du aber. Und dann sagst du ihm ins Ohr BUUHHH!



    Kurz vor der zeremoniellen Opferung versucht Caldus sich selbst tödlich zu verletzten. Ob ihm das gelingt, wird nicht ganz klar - auch im Verlauf des letzten Buchabschnitts nicht. Aber im Prinzip ist das wohl auch nicht wirklich wichtig, da anzunehmen ist, dass Caldus in jedem Fall sein Leben verliert, so oder so. :'(


    Ich denke schon, dass er diese angedeutete Kopfverletzung nicht überlebt hat.
    Ein paar Seiten lang habe ich gefürchtet, dass Iris uns die Menschenopfer detailliert schildert und war heilfroh, dass das nicht der Fall war. Mir reichte es auch so schon :o


    Im Großen und Ganzen hat mir das Buch gut gefallen. Mich hat nur ein wenig irritiert, im titelgebenden Varus "nur" eine Nebenfigur vorzufinden.


    ***
    Aeria

    Realität ist nur etwas für Menschen mit zu wenig Phantasie.

  • Hallo Iris,


    ich denke du hast deine Sichtweise sehr gut herüber gebracht. Und mir wird langsam auch verständlich, dass ich mich in Zukunft bei deinen Werken auf deine Fähigkeiten und Abwägungen verlassen kann. ;)
    Als Leser macht man es sich vielleicht auch immer etwas zu leicht. Man möchte Spannung, Autenizität, historisch Korrektes, Witz, Liebe, Unterhaltung und und und... ;D Das nicht immer eins ins andere passen kann, lässt man dann natürlich auch schon mal außen vor.
    Manchmal ist es dann wie im realen Leben, man möchte hier und da plötzlich selbst am Schicksalsrad mitdrehen. Doch dies gelingt ja auch nicht immer. ;) Im übrigen macht ihr Autoren euch sicher stets ungemein viel Arbeit in der Ausarbeitung, während der gewöhnliche Leser eure Werke dann nur "runterliest". Um so schöner ist es dann, dass es Foren wie Leserunden.de gibt, in denen man sich herrlich austauschen kann. Vor allem, wenn eine Autorin so bemüht ist wie du uns ihre Sichtweise der Dinge klarzustellen. :)


    Also die Seitentür-Methode funktionierte auch schon im "Herrn der Ringe" ;) .
    Stell dir vor, du stehst einem Feind gegenüber und es ist dunkel. Der Feind sieht nicht, ob du dich bewegst, genau das tust du aber. Und dann sagst du ihm ins Ohr BUUHHH!


    Tja, nur ist "Herr der Ringe" doch um einiges fiktiver. Du möchtest doch nun keinen Fantasy Roman zur Begründung eines gut recherchierten Historischen Romanes herbeiziehen. :o ;) "Dumbo" konnte auch fliegen... ::)
    Abgesehen davon sprach Iris von einem Belagerungsring. Ups, und solch einer ist in der Regel wohl eher geschlossen oder zumindest annähernd. Also hinkt zumindest deine Argumentation. Iris hat ja mitlerweile ein tatkräftiges Argument zur Begründung vorgelegt, welches mir bei weitem besser gefällt. ;)


    Liebe Grüssle
    Marion :)

    &quot;Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.&quot; Mahatma Gandhi

  • Hallo Ihr Lieben,


    die Erlebnisse von Caldus vor seinem Tod sind ja furchtbar! :o Ich gehe jetzt einfach davon aus, dass er es geschafft hat, sich selber umzubringen! Oh man! Wie grausam! Warum konnten sie die Überlebenden nicht einfach kurz und schmerzlos ofpern, sondern müssen sie auch noch so quälen??? Der Gott will doch nur ein Opfer und keine Folterung, oder? :( Ganz schlimm! Ich hatte ja noch so die kleine Hoffnung, dass Caldus trotz aller Unwahrscheinlichkeit vielleicht doch noch irgendwie entkommt, aber das hat sich wohl nicht erfüllt! Aber wenigstens musste ich nichts über seine Folterung lesen... :o :o :o


    Thiudgif schafft es sich und alle anderen in Sicherheit zu bringen, nur Thiaminus und Privatus müssen ihr Leben lassen! :(
    iris : Wenn ich das im Personenverzeichnis richtig gesehen haben, gab es Thiaminus und Privatus wirklich. Ist bekannt wie sie gestorben sind? Haben sie sich wirklich quasi "geopfert" oder ist nichts über ihr Schicksal nach der Schlacht bekannt?


    Die List, dass die Römer heimlich aus dem Lager abziehen und sich von Einheimischen führen lassen, fand ich sehr gelungen. Ich habe nur nicht so ganz verstanden, ob sie jetzt angegriffen wurden und von wem der Jubel dann kam? :-\ Haben die Römer gejubelt, weil sie den Germanen dann doch noch ein Schnippchen geschlagen haben oder umgekehrt? :-\


    Schlimm, dass Thiudgif's Vater von den Aufständischen umgebracht wird. Aber aus den Gedanken von Thiudgif wird klar, dass sie eh keine besondere Beziehung mehr zu ihrem Vater hatte und der Verlust der Mutter immer noch viel schlimmer sich anfühlt!


    Annius schafft es auch seinen Auftrag auszuführen, jedoch verliert er alle seine Kameraden und Sabinius auch noch aus eigener Schuld! Ach je, das wird ihm wohl noch zusätzliche Alpträume bescheren... Auch wenn er ja versucht es insoweit wieder gut zu machen, dass er wenigstens Sabinius verbrennt. Obwohl er sich selber damit natürlich eigentlich unnötig in Gefahr bringt, aber ich hatte so das Gefühl, dass Annius da eh an einem Punkt war, wo ihn nur das Versprechen gehalten hat, dass er die Sachen von Varus überbringen muss!
    Aber zumindest er und Thiudgif finden sich wieder und es sieht doch ganz danach aus, dass es zumindest für sie beide ein Happy End gibt! Das ist schön! Und nach den ganzen Gräueltaten und brutalen Szenen, war das richtiger Balsam für meine Seele, dass es zumindest für die Beiden noch gut ausgegangen ist.


    Amra und ihre Tochter werden wohl hoffentlich auch Unterschlupf finden, auch wenn sie jetzt ohne Mann bzw. Vater da stehen... :(


    Schön gefällt mir übrigens das Nachwort! Ich liebe so ausführliche Erklärungen am Ende, wo nochmal genau dargestellt wird, was Fiktion und was Tatsachen entspricht! Das ist immer super! 8)
    Mich würde nur interessieren: Warum wurde Arminius im Laufe der Geschichte in "Hermann" umbenannt? :-\


    Liebe Grüße
    Tammy

  • Hallo Ihr Lieben,



    Ich töte keine Figuren "aus dramaturgischen Gründen", sondern verweise mal auf eines der wichtigsten archäologischen Zeugnisse zur Varusschlacht: den Kenotaph des Marcus Caelius.


    Ah, super, das beantwortet doch gleich meine Frage, ob und wie Thiaminus und Privatus ihr Leben in der Schlacht gelassen haben. Finde ich dann eine schöne Idee, dass ihr Tod etwas "heldenhaftes" hatte! ;)



    Tja, diese Geschichte ist allerdings doppelt überliefert als Heldentat des Herrn Lagerpraefecten Caedicius. Offenbar haben die Belagerer ihren Sieg schlicht zu früh gefeiert. Außerdem befand sich in dem Lager (trotz seiner Größe! Aliso war eigentlich ein Stützpunkt, der mehreren Legion Platz bot) abgesehen von Flüchtlingen vermutlich nur eine Notbesatzung.


    Ha, was ich hier nicht noch so alles erfahre. Das ist ja super, dass diese List wirklich so geschehen ist und eine nächste Frage von mir ist beantwortet, wer da jubelt. Das waren wohl die Römer, denen es gelungen ist den Germanen vorzugaukeln, dass Unterstützung kommen würde! Super! 8)



    Ein paar Seiten lang habe ich gefürchtet, dass Iris uns die Menschenopfer detailliert schildert und war heilfroh, dass das nicht der Fall war. Mir reichte es auch so schon :o


    Ja, da war ich auch sehr froh. Erst als ich das Buch schon beendet und beiseite gelegt hatte, ist mir eingefallen, dass ich nichts mehr von Caldus gelesen habe und bin einfach nur erleichternd aufatmend davon ausgegangen, dass er es geschafft hat, sich selber zu töten!


    Liebe Grüße
    Tammy

  • Hallo zusammen.



    Ganz schlimm! Ich hatte ja noch so die kleine Hoffnung, dass Caldus trotz aller Unwahrscheinlichkeit vielleicht doch noch irgendwie entkommt, aber das hat sich wohl nicht erfüllt!


    Diese Hoffnung hatte ich auch bis zum Schluss dieser Szene. :'(



    Die List, dass die Römer heimlich aus dem Lager abziehen und sich von Einheimischen führen lassen, fand ich sehr gelungen. Ich habe nur nicht so ganz verstanden, ob sie jetzt angegriffen wurden und von wem der Jubel dann kam? :-\ Haben die Römer gejubelt, weil sie den Germanen dann doch noch ein Schnippchen geschlagen haben oder umgekehrt? :-\


    Na, nun bin ich dann doch froh, dass es mir nicht alleine so erging.
    Iris hat dies ja mitlerweile für uns aufgeschlüsselt. ;)


    Liebe Grüssle
    Marion :)

    &quot;Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.&quot; Mahatma Gandhi

  • Hallo, Tammy!



    Mich würde nur interessieren: Warum wurde Arminius im Laufe der Geschichte in "Hermann" umbenannt? :-\


    Umbenannte hat ihn höchstwahrscheinlich Martin Luther, weil Ulrich von Hutten, der ihn darauf gestoßen hatte, ihn noch Arminius nennt. "Hermann" (= "Heer-Mann", also ein anderes Wort für "Heerführer", ein schon im Mittelalter bekannter Name anderen Ursprungs) hat sich dann durchgesetzt.
    Der Grund war wohl, dass Luther ebenso wie von Hutten in Arminius eine Gallionsfigur im Kampf der Reformatoren und der reformierten Landesherren gegen Kaiser und Papst sah. Luther verpasste ihm dafür einen deutschen Namen anstelle des römischen.


    Arminius wird gelegentlich auch mit dem sagenhaften Drachentöter Siegfried gleichgesetzt (dann steht der Drache für die römischen Legionen), aber das ist wohl eher sehr frei interpretiert.


    Ich habe auf meiner Website einen Artikel dazu abgelegt und Literaturhinweise. Im Artikel findet ihr auch das Luther-Zitat, das der früheste Beleg für die Bezeichnung Hermann ist.

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus