04 - Kapitel X - XII (S.274 - S.363)

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  • Ich habe die Stelle gefunden (S. 38):
    Ihr Vater war ein angesehener Mann, ein Krieger, der Hand und Waffen mächtigen Fürsten geliehen hatte.


    Dankeschön! Jetzt weiß ich auch, warum ich einen Fürsten im Hinterkopf hatte... :-[


    LG, Mobi

  • Hallo, Katja!



    Uff! Das wußte ich nicht. Man liest und hört diese Geisel-Geschichte allenthalben, sodaß ich dachte, das sei einigermaßen gesichert...
    Für Laien ist es wirklich schwierig einzuschätzen, auf welche Informationen man sich nun verlassen kann.


    Nicht nur für Laien! Es gibt sogar einige Wissenschaftler, die Arminius' Anwesenheit in dieser "Prinzenschule" im Hause des Augustus auf dem Palatin (für die es in den Quellen keinen validen Nachweis gibt!), bezeugen. Es ist Velleius Paterculus, der in seiner Römischen Geschichte über Arminius schreibe, er habe "im vorhergehenden Feldzug ein beständiger Gefährte gewesen" (lat. "adsiduus militiae nostrae prioris comes", und Cassius Dio benennt die Einheiten, die Arminius führt ausdrücklich mit einem Fachterminus für reguläre Truppen (griechische Buchstaben gibt 's hier leider nicht :( ). Beide Texte machen deutlich den Eindruck, dass die Kenntnis um Arminius' bisherige militärische Karriere seinerzeit beim interessierten Leser durchaus als bekannt vorausgesetzt werden konnte.


    Zitat

    Nun stellt sich mir natürlich die Frage, warum Arminius nach Rom ging, wenn es denn nicht als kindliche Geisel war? Einfach nur, weil er eine militärische Ausbildung wollte? Iris, ist etwas darüber bekannt?


    Über einen Aufenthalt des Arminius in Rom sagen die Quellen überhaupt nichts! Einigermaßen gesichert ist nur, dass er als Truppenführer in römischen Diensten an der Niederschlagung des Aufstands in Pannonien (6 n.Chr. - 8/9 n.Chr.) beteiligt war. Angesichts seines Alters (* vorauss. ~17 v.Chr.) nehme ich an, dass er das Vermögen, das man damals vorweisen musste, um in den römischen Ritterstand aufgenommen zu werden, durch Beutezüge und Belohnungen für spezielle Operationen während dieses doch sehr heiklen Kriegszuges verdiente; das Bürgerrecht war wahrscheinlich bereits seinem Vater verliehen worden und von diesem auf die Söhne übergegangen.
    Latein konnte man auf jedem Stützpunkt lernen, ich gehe sogar davon aus, dass Lateinkenntnisse bei den Germanen schon für die Generation von Arminius' Großvätern nötig und sinnvoll waren. Es war in West- und Zentraleuropa seit der Zeitenwende die wichtigste Verkehrssprache -- allerdings handelte es sich dabei weniger um die Literatursprache Ciceros und Caesars, sondern um das Volkslatein der italischen Legionäre, Mischformen daraus mit den Herkunftssprachen der Hilfstruppensoldaten und der jeweiligen Region sowie "Amtslatein".


    Lehrer waren üblicherweise Sklaven -- und da auch die Germanen Sklaven hielten, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich der eine oder andere germanische Fürst einen Unfreien zulegte, der Latein konnte, damit dieser es seinen Kindern beibrachte.


    Die Gebiete zwischen Rhein und Elbe hatte Drusus, der früh verstorbenen Bruder des späteren Kaisers Tiberius, schon vor der Zeitenwende mehr oder weniger erobert. Seither lief dort das klassische Rekrutierungsprogramm ab, mit dem die Bevölkerung auch zu ihrem eigenen Schutz entwaffnet wurde: Vorhandene Heere wurden aufgelöst, die waffenfähigen Männer in Hilfstruppen zusammengeschlossen, wo sie eine militärischen Grundausbildung erhielten (vermutlich eine Mischung aus ihren eigenen Kampftechniken, die die römische Armee ja nutzen wollte, und römischem Kriegshandwerk); als Führungsoffiziere dienten teils verdiente römische Mannschaftsoffiziere; regionale Adlige konnten in eingegliederten Kontingenten ebenfalls Führungspositionen einnehmen; junge Adlige wurde auf eine Offizierslaufbahn hin ausgebildet.
    Eine solche Ausbildung hat wohl auch Arminius durchlaufen, und die hat sicherlich nicht in Rom (da standen außer den Praetorianern keine Truppen) stattgefunden, sondern "herkunftsnah", evtl. in einem der großen Legionslager am unteren Rheinabschnitt (Xanten, Neuss, Köln, evtl. Bonn).



    Zitat

    Das bedeutet Arminius stand unter Eid? War die Bedeutung eines Eides vergleichbar mit heute?


    Soldaten standen und stehen immer unter Eid. :)


    Legionäre schworen auf ihre Legionsadler, Angehörige der Hilfstruppen auf die jeweilige Hauptstandarte (vexillum, dt. "Fähnchen"). Diesen Feldzeichen hatten quasi göttliche Aspekte, sie verkörperten nicht nur die militärischen Tugenden der Truppe (Tapferkeit, Treue, Standhaftigkeit, Mut, Disziplin etc.), sondern bildeten quasi die Verbindung zu denjenigen Göttern, die diese Tugenden beförderten.


    Diese besonderen Standarten wurden in jedem Lager in einem Heiligtum (sacellum) gesammelt aufbewahrt, und es war ein besonders ehrenvoller Dienst, wenn ein verdienter Feldzeichenträger am Ende seiner Dienstzeit (20 Jahre) zum "Adlerträger" (aquilifer) befördert wurde. (Ein schönes Foto, wie ein Adlerträger ausgesehen hat, findet ihr hier.)


    Bekam ein Feind diese Standarten oder Legionsadler in seine Gewalt, wurde sehr viel darangesetzt, sie wieder zurückzuholen: das war auch eine der Hauptziele, die sich Jahre später Germanicus für seine Feldzüge setzte.


    Gegen den Schwur zu verstoßen (Meuterei, Verrat, Fahnenflucht etc.) galt nicht nur als Eidbruch und als Verbrechen, sondern auch als ein Frevel gegen die Götter. Es war das Schlimmste, was ein Soldat oder Offizier anstellen konnte.

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus

  • Hallo zusammen!


    Nochmal danke für euer Verständnis, was meine kleine Zwangspause anging. Wie versprochen jedoch, poste ich noch der Vollständigkeit meine Meinung zu den noch ausstehenden beiden Abschnitten. :)


    Gestern und heute habe ich dann diesen Abschnitt gelesen und habe oft so vor dem Buch gesessen: :o
    Das es zu einer Schlacht und zu einer letzten Auseinandersetzung kommen würde war mir ja schon klar, aber das gleich mehrere mir dann doch irgendwie liebgewonnene Personen sterben..ja, darauf war ich irgendwie nicht gefasst: erst Caelius, Vala und dann Varus.
    Das sich Varus umbringt, nun, damit kann ich doch irgendwie schon leben; dieses Handeln passt zu seinem Charakter und ich denke, er war davon überzeugt, dass sein tot den Soldaten hilft...naja, ich bin davon noch nicht so überzeugt.


    Das Annius nach dem Kampf, als Aufpasser des Gefangenen herangezogen wird und man ihm dann auch noch vorwirft, seine Kameraden im Stich gelassen zu haben fand ich schon ein ganz starkes Stück und hat mich auch ziemlich geärgert. Annius hat die ganze Zeit nur nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Ich kann mir gar nicht richtig vorstellen wie schlimm es wohl für ihn gewesen sein muss, als Aufpasser zu enden und nicht mehr an den Kämpfen teilzunehmen...


    Richtig entsetzt war ich übrigens zu lesen, dass Arminius die Gegner Opfern will. Ich bin ja davon ausgegangen, dass es ihm reichen würde, wenn er die Römer bezwingt.
    Aber wenn ich es richtig gelesen habe, waren solche Opferungsversprechen wohl damals doch sehr üblich..?


    Eine weniger wichtige Rolle spielen ja Rufilla und die Frauen.
    Ich bin gespannt wo sie auskommen werden und sich retten können? Und ich bete ja immernoch dafür, dass sie Annius wiederfindet...


    Dass Annius und einige andere Soldaten fliehen konnten hat mich auf der einen Seite gefreut, allerdings ging mir das dann doch irgendwie zu einfach. :-\ Ich denke, da wird noch etwas kommen...


    So, richtig gespannt wie es allen noch ergehen wird, mache ich mich jetzt auf zum letzen Abschnitt! :lesen:

  • Hallo zusammen!




    Eigentlich kein Wunder, dass sich Varus lieber selbst umbringt, anstatt in die Hände der Feinde zu fallen. Ich hab so etwas den Verdacht, dass er nicht wirklich seine Soldaten retten wollte (ich glaube eh nicht, dass da sein Tod was nützt), sondern dass er Arminius nicht in die Hände fallen will. Wer weiß, was der schließlich mit ihm anstellen würde?


    Mhm, so habe ich das gar nicht gesehen. Und irgendwie trau ich ihm das auch nicht so ganz zu..mhm, vielleicht ist sein Selbstmord eine Kombination aus beiden: Flucht vor Arminius und eine leise Hoffnung, dass seine Soldaten doch verschont bleiben...




    Dass Annius und Co. unbehelligt fliehen konnten, fand ich leicht unrealistisch. Wenn es wirklich so viele Germanen waren, dass sie die Römer besiegt haben, dann müsste es doch von denen gewimmelt haben? Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass sie sich da noch rausschleichen konnte, vor allem wenn die Germanen sich als Ziel gesetzt haben, alle zu töten.


    Damit habe ich auch so meine Probleme gehabt und kann mir sehr gut vorstellen das da noch etwas auf die Gruppe zu kommt.



    Das Caldus der Meinung ist, die germanischen Barbaren wollten ihn nur lebendig, um Lösegeld zu erpressen ist doch mal wieder sehr fahrlässig von ihm bedacht.


    Mag sein, aber er hat sicherlich nicht daran gedacht, dass die Barbaren alle Offiziere opfern wollen...



    (Ich finde "Heldinnen", die immer und überall, sogar in den aberwitzigsten Situationen patent bleiben, extrem unglaubwürdig und albern -- auch wenn das im HR gerade so richtig Mode ist. Das taugt m.A.n. nicht einmal als Wunschvorstellung. ;) )


    Daher bin ich ja dankbar, dass Rufilla ist wie sie ist :)

  • Hallo nerolaan.


    Mag sein, aber er hat sicherlich nicht daran gedacht, dass die Barbaren alle Offiziere opfern wollen...


    Stimmt.
    Er und Varus, wie wohl auch die anderen Römischen Kämpfer dachten wohl alle eher an einen "geordneten" Verlauf einer Schlacht.
    So auch, dass der Besiegte nach einer offiziellen Kapitulation einfach dann den Rückweg antreten könne und die höheren Offiziere dann von ihren Eltern
    ausgelöst (freigekauft) würden. Mit dem barbarischen Verhalten einer heidnischen Opferungszeremonie hat hier wohl keiner gerechnet.



    So, richtig gespannt wie es allen noch ergehen wird, mache ich mich jetzt auf zum letzen Abschnitt! :lesen:


    Viel Spannung und Spaß dabei... :)


    Liebe Grüssle
    Marion :)

    &quot;Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.&quot; Mahatma Gandhi

  • Hallo Ihr Lieben,



    Richtig entsetzt war ich übrigens zu lesen, dass Arminius die Gegner Opfern will. Ich bin ja davon ausgegangen, dass es ihm reichen würde, wenn er die Römer bezwingt.
    Aber wenn ich es richtig gelesen habe, waren solche Opferungsversprechen wohl damals doch sehr üblich..?


    Ja, da war ich auch sehr entsetzt. Ich hatte gedacht, die fangen halt die hohen Offizieren, um Lösegeld zu erpressen und v. a. die Soldaten zu schwächen, da sie führungslos sich nicht zurecht finden, aber dann kam diese Eröffnung... :o



    Das Annius nach dem Kampf, als Aufpasser des Gefangenen herangezogen wird und man ihm dann auch noch vorwirft, seine Kameraden im Stich gelassen zu haben fand ich schon ein ganz starkes Stück und hat mich auch ziemlich geärgert. Annius hat die ganze Zeit nur nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Ich kann mir gar nicht richtig vorstellen wie schlimm es wohl für ihn gewesen sein muss, als Aufpasser zu enden und nicht mehr an den Kämpfen teilzunehmen...


    Das muss für Annius wirklich sehr hart gewesen sein. Obwohl ja seine Rolle als Aufpasser, so weit ich das verstanden habe, dann von Varus gar nicht als Strafe gedacht war, sondern um ihn zu schonen, da er schon stark gehinkt hat... :-\ Aber der Vorwurf, dass er quasi flüchten wollte, fand ich schon übel. Er hat ja versucht Caldus zu retten und wollte nicht fliehen, aber wer die Kampfordnung verlässt, lässt seine Kameraden im Stich... Disziplin über alles! ::) ;)


    Liebe Grüße
    Tammy

  • Hallo, ihr Lieben!


    Ich muss mich jetzt mal entschuldigen ... :-[ Ich hatte mich nämlich voll auf das Benachrichtigungssystem verlassen, und das hätte auch prima funktioniert, wenn, ja wenn mein "serverseitiger" Spamfilter diese Benachrichtigungen nicht aus heiterem Himmel als Spam eingestuft und im die Tonne versenkt hätte ... Zuerst dachte ich, die Diskussion sei zu Ende, zumal ja auch eine neue Leserunde angelaufen war, aber dann habe ich jetzt doch mal vorbeigeschaut...
    Und dann fand ich die Benachrichtigungen auch in der Spam-Tonne ... ::)



    Ja, da war ich auch sehr entsetzt. Ich hatte gedacht, die fangen halt die hohen Offizieren, um Lösegeld zu erpressen und v. a. die Soldaten zu schwächen, da sie führungslos sich nicht zurecht finden, aber dann kam diese Eröffnung... :o


    "Sehr üblich" sicherlich nicht, aber bei besonders schweren Kämpfen -- und von einem solchen mussten Arminius und die Seinen ausgehen -- kam es vor.
    Ich habe in einer kurzen Recherche in Vergleichenden Kulturwissenschaften, Völkerkunde, Religionswissenschaften und Anthropologie bemerkt, dass das kein "spezifisch germanisches" Phänomen ist, sondern Menschenopfer offenbar immer ein Ausdruck dessen sind, dass man bereit ist, das Äußerste, Wertvollste zu opfern, um etwas schier Unerreichbares zu erlangen.




    Das muss für Annius wirklich sehr hart gewesen sein. Obwohl ja seine Rolle als Aufpasser, so weit ich das verstanden habe, dann von Varus gar nicht als Strafe gedacht war, sondern um ihn zu schonen, da er schon stark gehinkt hat... :-\ Aber der Vorwurf, dass er quasi flüchten wollte, fand ich schon übel. Er hat ja versucht Caldus zu retten und wollte nicht fliehen, aber wer die Kampfordnung verlässt, lässt seine Kameraden im Stich... Disziplin über alles! ::) ;)


    Ich muss mal eine Lanze brechen: ;)
    Wenn Soldaten in einer Gefechtssituation aus Panik die Linie verlassen, dann ist die Gefahr verdammt groß, dass diese Linie dann zusammenbricht und nicht nur einer, sondern alle zu Schaden oder gar zu Tode kommen. Es geht da nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um Leben und Tod. Panik ist etwas, das im Massennahkampf (d.h. wenn zwei Schlachtreihen aufeinandertreffen und von den hinteren Reihen massiver Druck ausgeübt wird, um den Gegner vom Feld zu schieben) verdammt leicht ausbrechen kann. Deshalb waren vorn auch immer die ganz harten Kerls, die schon einiges mitgemacht hatten, dahinter die jüngeren, weniger Erfahrenen, und ganz hinten die alten Hasen, die Ruhe in den Laden bringen und nach vorn nachrücken konnten, wenn Not am Mann war.


    Nichts ist in Gefechtssituationen nun einmal gefährlicher für Leib und Leben als Verwirrung, und ein Venturio, also quasi ein Hauptmann, hat nicht zuletzt auch Verantwortung für Leib und Leben seiner Leute!


    Ziel einer Hit-&-Run-Taktik, wie sie für die Varusschlacht angenommen wird, ist, diese Verwirrung zu verursachen (ebenso wie psychologischer Terror und das gezielte Ausschalten von Offizieren und wichtigen Funktionsträgern in der Befehlskette (Standartenträger, Hornisten, Boten, Kundschafter etc.). Ist die Truppe erst einmal verunsichert, braucht man keine Übermacht mehr, sondern nur noch günstige örtliche Verhältnisse, um ein großes Truppenkontingent aufzureiben.


    Allerdings dürfte beim letzten "Aufmischen", nach der Beseitigung des gesamten Stabes und der meisten Offiziere, dermaßene Verwirrung und Unordnung geherrscht haben, dass etlichen die Flucht gelang. Aus den Quellen wissen wir auch, dass der Kampf um Aliso zwischen anrückenden germanischen Truppen und der um Flüchtlinge vergrößerten Garnison des Lagers geführt wurde und Überlebende der Varusschlacht fünf Jahre später Germanicus zum Ort dieses Gemetzels führten.

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus

  • Hallo Iris,



    Ich muss mal eine Lanze brechen: ;)
    Wenn Soldaten in einer Gefechtssituation aus Panik die Linie verlassen, dann ist die Gefahr verdammt groß, dass diese Linie dann zusammenbricht und nicht nur einer, sondern alle zu Schaden oder gar zu Tode kommen. Es geht da nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um Leben und Tod. Panik ist etwas, das im Massennahkampf (d.h. wenn zwei Schlachtreihen aufeinandertreffen und von den hinteren Reihen massiver Druck ausgeübt wird, um den Gegner vom Feld zu schieben) verdammt leicht ausbrechen kann. Deshalb waren vorn auch immer die ganz harten Kerls, die schon einiges mitgemacht hatten, dahinter die jüngeren, weniger Erfahrenen, und ganz hinten die alten Hasen, die Ruhe in den Laden bringen und nach vorn nachrücken konnten, wenn Not am Mann war.


    Nichts ist in Gefechtssituationen nun einmal gefährlicher für Leib und Leben als Verwirrung, und ein Venturio, also quasi ein Hauptmann, hat nicht zuletzt auch Verantwortung für Leib und Leben seiner Leute!


    Ziel einer Hit-&-Run-Taktik, wie sie für die Varusschlacht angenommen wird, ist, diese Verwirrung zu verursachen (ebenso wie psychologischer Terror und das gezielte Ausschalten von Offizieren und wichtigen Funktionsträgern in der Befehlskette (Standartenträger, Hornisten, Boten, Kundschafter etc.). Ist die Truppe erst einmal verunsichert, braucht man keine Übermacht mehr, sondern nur noch günstige örtliche Verhältnisse, um ein großes Truppenkontingent aufzureiben.


    Ok, das stimmt. Wenn ich die Stelle, in der Annius angeschrien wird, nochmal lese, kann man auch heraus lesen, dass sich da auch eine gute Portion Sorge mit ausgeschrien wurde. Wir als Leser wissen natürlich, dass Annius nicht fliehen wollte und in dem Moment einfach nur daran gedacht hat Caldus zu retten, was ja an und für sich nichts Verwerfliches ist, aber für den Verantwortlichen muss das wirklich nach Flucht aussehen und natürlich auch für die anderen Soldaten, die neben Annius gestanden sind. Von daher ist das schon verständlich...


    Übrigens finde und fand ich es auch während dem Lesen total spannend über die Kampftaktik der Römer zu lesen und wie gezielt die Germanen genau diese Taktik ausgehebelt haben. Mein Wissen über das Kämpfen der Römer bezieht sich ja eher auf Comics von Asterix ("Und jetzt Formation Brombeere!" ;D), von daher fand ich das hier zu lesen super interessant!


    Meine Frage wäre dann aber: Dass Annius dann aber von Varus nicht mehr in den Kampf geschickt wird, war aber nicht als Strafe gedacht, oder? :-\


    Liebe Grüße
    Tammy

  • Hallo, Tammy!



    Meine Frage wäre dann aber: Dass Annius dann aber von Varus nicht mehr in den Kampf geschickt wird, war aber nicht als Strafe gedacht, oder? :-\


    Nein, das sagt er ja sogar, dass er ihn schonen wollte (S. 312 und S. 339). :)



    Lass mich überlegen ... War das die Formation, die im Film Asterix in Amerika vorkommt? Dieser Hüpfball aus Legionären? ;D
    Was den Detailreichtum der Zeichnungen angeht, ist Uderzo schlicht grandios -- schade, dass die letzten Storys nicht mehr viel taugten.

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus

  • Hallo zusammen,


    endlich komme ich mal wieder etwas länger an den Computer...


    mohan


    Ich glaube, dass dies der Normalfall ist: Widerstand wird von oben geschürt, oder er entwickelt sich in der Bevölkerung und wird von Menschen nutzbar gemacht, die so ihre Interessen für besser durchsetzbar halten.


    Das ist sicher beides richtig. Letzteres haben wir ja höchstpersönlich schon erleben dürfen. Und auch für ersteres findet man in der deutschen Geschichte genügend Beispiele.



    Was mich an dieser Verratsgeschichte besonders interessiert, ist die Frage, welche Qualität Begriffe wie "Freundschaft" und "Vertrauen" zur Zeit des Varus hatten. Vielleicht können wir uns die Schwere des Verrats, den Arminius an Varus beging, heute nur schwer vorstellen.


    Um sich das vorstellen zu können, ist es sicher hilfreich, so viele Fakten und Geschehnisse aus einer Epoche zu kennen wie möglich. Ich habe die Hoffnung, daß man es dann vielleicht doch schafft, sich in die Denkweise der damaligen Menschen einigermaßen hineinzuversetzen, ohne allzuviel "Heutiges" hineinzuprojizieren.
    Mich interessieren vor allem Fragestellungen wie die nach den Beweggründen: warum hat der und der soundso gehandelt? Was waren die Ziele? Und was ist am Denken, Fühlen und Handeln der Menschen zeitlos? Ich denke damit bin ich durch das Lesen des Romans schon ein bißchen weitergekommen.


    Grüße
    Katja

  • Liebe Iris!


    Herzlichen Dank für dein ausführliches Eingehen auf meine Fragen! Diese Hintergrundinformationen (über Arminius´ Vorgeschichte/über das Militär) machen alles wirklich sehr viel verständlicher für mich und ich bewundere, wieviel Zeit du dir für uns nimmst!



    Soldaten standen und stehen immer unter Eid. :)


    Legionäre schworen auf ihre Legionsadler, Angehörige der Hilfstruppen auf die jeweilige Hauptstandarte (vexillum, dt. "Fähnchen"). Diesen Feldzeichen hatten quasi göttliche Aspekte, sie verkörperten nicht nur die militärischen Tugenden der Truppe (Tapferkeit, Treue, Standhaftigkeit, Mut, Disziplin etc.), sondern bildeten quasi die Verbindung zu denjenigen Göttern, die diese Tugenden beförderten.
    ...
    Gegen den Schwur zu verstoßen (Meuterei, Verrat, Fahnenflucht etc.) galt nicht nur als Eidbruch und als Verbrechen, sondern auch als ein Frevel gegen die Götter. Es war das Schlimmste, was ein Soldat oder Offizier anstellen konnte.


    Vor den römischen Göttern brauchte Arminius ja nun keine Angst mehr zu haben, nachdem die germanischen Götter sich als so viel mächtiger erwiesen haben, und nachdem sich gezeigt hat, daß er ihr Günstling ist. (Aber anfangs war der Aufstand aus seiner Sicht gewiß ein einigermaßen hohes Wagnis...)
    Und so wird auch verständlich, warum Arminius so viele Römer wie möglich töten und den Göttern opfern wollte.


    Viele Grüße
    Katja

  • Hallo Iris,



    Lass mich überlegen ... War das die Formation, die im Film Asterix in Amerika vorkommt? Dieser Hüpfball aus Legionären? ;D
    Was den Detailreichtum der Zeichnungen angeht, ist Uderzo schlicht grandios -- schade, dass die letzten Storys nicht mehr viel taugten.


    ;D In welchem "Asterix" es genau war, weiß ich nicht mehr, aber ja es ist dieser Hüpfball, wo man nur so die Speerspitzen heraus blitzen sieht! :D ;)
    Und mir fällt gerade ein, es hieß "Formation Stachelbeere"! :D


    Liebe Grüße
    Tammy *winken*

  • Suse

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