Was macht ein Buch zu einem guten Buch?

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  • Hallo!


    Könnt Ihr sagen, was für Euch ein Buch zu einem guten Buch macht?
    Das ist natürlich eine sehr generelle Frage und jede Regel hat 1.000 Ausnahmen, aber dennoch: Im Großen und Ganzen kann man ja vielleicht eine Aussage zu seinem eigenen Lesegeschmack treffen.


    Beispielsweise habe ich mal die Definition gelesen, dass gute Trivialliteratur Bilder im Kopf des Lesers entstehen ließe. Gute Literatur dagegen ließe beim Leser neue Gedanken entstehen, die er ohne die Lektüre nicht gehabt hätte.
    Wäre das ein Kriterium, auf Grund dessen Euch ein Buch gefiele?


    Gespannt auf Antworten,


    Bernard

  • Für mich ist ein Buch dann gut, wenn es mich richtig fesseln kann, ich es am liebsten gar nicht aus der Hand legen mag. Das ist dann richtig gute Unterhaltung.
    Aber wirklich gut ist ein Buch, wenn es mich zusätzlich beim Lesen noch berührt. Ich auch nach dem Lesen noch daran denke. Wenn ich es gern ein zweites und drittes Mal lese.


    Das bezieht sich jetzt auf die Unterhaltungsliteratur. Klassiker lese ich normalerweise nicht; in der Schule habe ich oft genug Bücher lesen müssen, die ich so nicht mal in die Hand genommen hätte, so dass ich nun nur noch Bücher lese, die ich lesen will.

  • Hallo Bernard,


    Das ist eine schwierige Frage :). Irgendwie ist das bei mir persönlich auch immer von der momentanen Stimmung abhängig, aber pauschal würde ich folgendes sagen: Ein Buch ist dann ein gutes Buch, wenn es Emotionen in mir hervorruft, mich lachen, weinen, hassen, lieben läßt. Optimalerweise habe ich nach dem Lesen Lust, es erneut zu lesen und empfehle es gerne weiter.


    LG
    Bianca

  • Hallo zusammen!


    Könnt Ihr sagen, was für Euch ein Buch zu einem guten Buch macht?


    Ich würde sagen, ein gutes Buch ist es dann, wenn sich mir bei jeder erneuten Lektüre immer noch neue Aspekte eröffnen. Dazu gehört der "Plot" ebensosehr wie die Sprache.


    Beispielsweise habe ich mal die Definition gelesen, dass gute Trivialliteratur Bilder im Kopf des Lesers entstehen ließe. Gute Literatur dagegen ließe beim Leser neue Gedanken entstehen, die er ohne die Lektüre nicht gehabt hätte.


    Gute Literatur lässt immer Bilder im Kopf des Lesers entstehen, finde ich. Das mit den neuen Gedanken ... ich weiss nicht ... Einerseits riecht das für mich stark nach der germanischen Mode, Literatur in U und E zu unterteilen (und somit bei jedem "Klassiker" das Belehrende in den Vordergrund zu stellen und hiedurch an den Schulen den Schülern die Klassiker gründlichst zu vergällen) - andererseits müsste da jede Menge philosophischer oder theologischer Texte (ja streng genommen sogar die Gebrauchsanweisung für meinen Videorecorder!) ebenfalls mit eingerechnet werden, und ich nehme an, Du sprichst hier von Belletristik, nicht von Fachtexten im weiteren Sinn.


    Grüsse


    Sandhofer

  • Hallo ihr!


    Auch für mich ist ein gutes Buch eines, das mich fesselt, das ich nicht mehr aus der Hand legen möchte und das bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.
    Außerdem möchte ich mich in die Protagonisten hineinversetzen können, also finde ich es gut, wenn der Autor zahlreiche Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Figuren gewährt.

  • Ein gutes Buch fordert mich heraus. Es zeigt mir mit bekannter Sprache neue Gedanken. Es muß einen guten Verbalismus haben, den ich nachvollziehen und verstehen kann. Es darf ruhig nah an mir dran sein. Es muß in mir Gefühle erzeugen, meinentwegen auch negative. Es muß grooven, swingen, rocken, was ja normalerweise Musikvokabular ist, aber ein gutes Buch muß wie eine gute Platte sein, man muß nicht nach einmaligem Lesen schon keinen Bock mehr auf die Story haben. :lesen:


    Gute Bücher begleiten mich. Im Schlaf, in Gedanken, im Alltag. Ein gutes Buch fesselt mich und wenn es mich gefangen nehmen kann, kann es mich auch emotionalisieren.


    :anbet: Anbetungswürdig war lange nichts mehr für mich. Hesses Werke üben einen solchen Reiz auf mich aus.



    an ein gutes Buch!!!


    Gutes Buch, fick mein Gehirn
    und laß den Leib versinken
    ich will mich in Dir verlieren
    dich essen und auch trinken


    Gutes Buch, begleite mich
    auf zukünfigen Pfaden
    den Gedanken sicherlich
    wirst Du bestimmt nicht schaden


    Gutes Buch, Du bist ein Freund
    in asozialsten Stunden
    ich hätte viel, viel mehr geweint
    hätt ich Dich nicht gefunden ...


    Gutes Buch in dem Regal
    da stehst Du jetzt und glänzt
    wahrscheinlich les ich Dich nochmal
    weil Du mich ergänzt ...



    Dirk Bernemann

    ... der kleine personifizierte Mittelfinger gewidmet den umgebenden Umständen ...

  • Ein gutes Buch muß mich in irgendeiner Art und Weise überraschen, mir etwas neues erzählen. Natürlich sind Themen ähnlich, schließlich können Autoren nicht bei jedem Buch das Rad neu erfinden, aber ein gutes Buch hat für mich immer irgend etwas ganz Besonderes. Seien es eine schöne Beschreibungen, Sprachwitz, besondere Charaktere, o.ä.


    Bilder erzeugt bei mir jedes Buch, deshalb ist es noch nicht unbedingt sehr gut. :-)


    Liebe Grüße - Inge

  • Hallo,


    Für mich ist ein Buch ein gutes Buch, wenn ich richtig tief eintauchen kann und nichts anderes mehr mitbekomme, wenn ich am liebsten nicht mehr aufhören wüde zu lesen, bis es fertig ist und mich jede Unterbrechung richtig nervt. Außenstehende erkennen, dass ich ein gutes Buch lese daran, dass ich nicht reagiere, wenn man mich anspricht.

  • Hallo!


    Ich würde da nochmal unterscheiden, weil Gute Bücher gibt es ja doch glücklicherweise recht viele.
    Also Bücher die einen fesseln, gute Unterhaltung bieten. Die einfach schön sind und die ich voll genieße. Das kann durchaus ein Buch sein, das ich vielleicht nicht nochmal lesen muss und das mich auch nach dem Lesen nicht mehr weiter beschäftigt.
    Ich es aber trotzdem sehr gut fand und auch weiterempfehlen würde.


    Dann gibt es aber da noch die ganz besonderen Bücher. Davon fallen einem ja immer nur wenige in die Hand. Die man gleich wieder und wieder lesen möchte. Die Emotionen in einem freisetzen, die einem nicht mehr loslassen.


    Viele Grüße
    Sabrina

  • Gute Bücher fesseln einen meist. Das mit dem nochmals Lesen kann ich nicht bestätigen. Ich lese viele Bücher ein zweites Mal, aber gleich nach dem Weglegen will ich es meist nicht noch mal lesen.


    Gute Bücher erkenne ich auch daran, wenn sie mir bei ganz normalen Dingen einfallen. Wenn man etwas hört oder etwas sieht und dann denkt man sich: Das habe ich dort schon mal gelesen oder wenn ich Gefühle mit einem Buch verbinden kann.
    Ich denke nicht, dass man Kriterien aufstellen kann, da für jeden etwas anderes ein gutes Buch ist.


    Katrin


  • Ich denke nicht, dass man Kriterien aufstellen kann, da für jeden etwas anderes ein gutes Buch ist.


    Ich vermute auch, dass die Wirkung eines Buches mehr vom Leser abhängt als vom Schreiber.


    Trotzdem gibt es ja Bücher, die einfach einschlagen. "Die Asche meiner Mutter" zum Beispiel, ein Erstlingswerk mit einer Auflage von über 100 Millionen. Oder "Harry Potter", dessen Autorin mittlwerweile die reichste Frau der Welt ist.
    Es gibt andere Bücher über sozial schwache Familien und auch über Zauberlehrlinge.
    Warum sind die nich alle ebenso erfolgreich?
    Ich glaube auf diesem Niveau nicht mehr an "handwerkliche" Kriterien wie "verwende wenige Adjektive" oder "vermeide Wortwiederholungen". Hemingway zum Beispiel würde bei jedem "Creative Writing"-Kursleiter eine Gänsehaut verursachen, Stephen King wohl auch.


    Könnte es sein, dass die meisten besonders erfolgreichen Bücher auf einer literarischen Ebene "wahr" sind? Für den Leser relevante Gedanken transportieren?
    "Auch Kinder verdienen Respekt" - Harry Potter.
    "Auch im tiefsten Elend soll man beständig leben" - Die Asche meiner Mutter.
    "Es gibt das Übersinnliche" - Stephen King.
    "Männer sind Gefühlsmenschen" - Ernest Hemingway.


    Ich stelle das mal als These in den Raum und freue mich auf Kommentare.

  • Erfolgreiche Bücher werden nicht von Autoren gemacht, sondern von den Medien.


    Schön finde ich die Essenzen, die Du, lieber Bernhard aus den einzelnen Werken gezogen hast, "Die Asche meiner Mutter" ist ein wunderbares Buch, zaubernde Kinder hingegen interessieren mich nicht.


    Aber Erfolg, gerade auf "sich-auszahlender Ebene" lenkt meist ein wenig von der Kunst ab.
    Da werden dann, auch gute, Bücher gelesen, nur weil sie grad im Gespräch sind oder hip oder top oder whatever.




    Dirk


    p. s. es ist zu warm, um eine Meinung zu haben....

    ... der kleine personifizierte Mittelfinger gewidmet den umgebenden Umständen ...


  • Ich mache mir keine Gedanken darum, wieviel Wahrheit in einem Buch steckt. Mir geht es darum, dass mir das Buch gefällt; da ist es völlig egal, ob es um eine Frau geht, die in die Vergangenheit geschleudert wird und sich in einen starken Schotten verliebt oder ob es ein wirklich auf historischen Geschehnissen basierendes Werk ist. Ich lese zwar sehr gern historische Romane, aber ebenso mag ich Fantasy und Liebesromane. Und lese, was mir interessant erscheint.
    Und ich wähle meine Lektüre ganz sicher nicht danach aus, ob sie auf den Bestsellerlisten steht oder irgendwelche Auszeichnungen bekommen hat. Die Bestseller, die ich hab, hätte ich mir zum allergrößten Teil auch dann gekauft, wenn sie nicht auf den Bestsellerlisten gestanden hätten.


    zu den von Dir aufgeführten Werken:


    "Auch Kinder verdienen Respekt" - Harry Potter.
    Und der klassische Gut gegen Böse-Kampf, dazu eine leicht zu lesende, oft humorvolle und schöne Geschichte mit liebenswerten Charakteren.


    "Auch im tiefsten Elend soll man beständig leben" - Die Asche meiner Mutter.
    Habe ich bisher noch nicht gelesen.


    "Es gibt das Übersinnliche" - Stephen King.
    King steht für spannende Unterhaltung; Übersinnliches kann man auch in anderen Büchern finden. Ich mag Kings Werke gern, aber um zu meinen Lieblingsbüchern gezählt zu werden, reicht es bisher bei keinem, was ich von ihm gelesen habe.


    "Männer sind Gefühlsmenschen" - Ernest Hemingway.
    Ich kann mit Hemingways Werken absolut nichts anfangen, da spricht mich rein gar nichts an und ich mag nichts von ihm lesen.
    Botschaften sehe ich in seinen Werken keine und frage mich, wo seine Texte so literarisch wertvoll und toll sein sollen...


  • Ich mache mir keine Gedanken darum, wieviel Wahrheit in einem Buch steckt.


    Ich auch nicht.
    Ich kenne auch niemanden, der das macht.
    Das funktioniert auch umso besser, umso weniger es einem bewusst ist, nehme ich an. Wie bei Werbung. Niemand kauft einen Ferrari, weil sich eine Blondine auf der Kühlerhaube räkelt. Trotzdem wird das auf jeder Automobilmesse gemacht. Die unterbewusste Verbindung funktioniert.


    Wenn Hemingway Dich nicht anspricht, könnte das daran liegen, dass die enthaltenen "Wahrheiten" für Dich eben nicht relevant sind.


    Genauso kann ich mir vorstellen, dass Du die Bücher, die Du "interessant" findest, eben aus bestimmten Gründen interessant findest. Ob die Dir bewusst sind, ist eine ganz andere Frage.


    Es gibt ja auch Bücher, die zu Klassikern werden und andere, die nur zur Zeit ihrer Entstehung erfolgreich sind. Manche Themen sind "allgemein menschlich" interessant und andere zielen eher auf aktuelle Fragestellungen.

  • Was macht ein Buch zu einem guten Buch?


    Das Buch muß gutes Kopfkino liefern, eindeutig. Ein entscheidendes Kriterium für mich sind Emotionen.
    Ein Buch welches Gefühle in mir hervorruft ist ein gutes Buch. Dabei sind die Emotionen je nach Genre sehr unterschiedlich:
    Ein Buch kann mich zum Lachen oder zum Weinen bringen, mich gruseln oder gar einfach ein "gutes" Gefühl hinterlassen.


    Aber ein richtig gutes Buch muß mich persönlich berühren, es muss meine eigenen Gefühle oder Gedanken ansprechen. Ich muss mich darin (wie auch immer) wieder erkennen, z.B. spiegelt es von mir persönlich Erlebtes wieder. Das ist jetzt sehr subjektiv aber ich hoffe trotzdem verständlich.



    Zitat von Dirk Bernemann

    p. s. es ist zu warm, um eine Meinung zu haben....


    Stimmt

  • Für mich ist ein gutes Buch ein Buch, dass mich entweder fesseln kann, so dass ich bis tief in die Nacht lese, um zu wissen, wie es weitergeht, außerdem ein Buch, dass so spannend ist, dass sich mir die Fussnägel hochrollen (das war z.B. bei Der Knochenjäger von Jeffrey Deaver oder bei Beladonna von Karin Slaughter der Fall) oder ein Buch, dass mich einfach zum lachen bringt (die Bücher von Mary Scott oder Mit dem Kühlschrank durch Irland von Tony Hawkes).


    Aber ich denke, dass die Aussage "gutes Buch" sehr sehr sehr subjektiv ist. Ich z.B. kann mit unserer Weltliteratur oder den Klassikern gar nichts anfangen. Ich möchte mich beim lesen entspannen, und das kann ich eher mit dem, was man wohl als Trivialliteratur bezeichnet.


  • Ich möchte mich beim lesen entspannen, und das kann ich eher mit dem, was man wohl als Trivialliteratur bezeichnet.


    Ich wollte gar nicht die Diskussion lostreten, was Literatur und was Trivialliteratur ist.
    Diese Einteilung halte ich ohnehin für künstlich.


    Nehmen wir Goethes "Faust".
    In der Geschichte führt jemand ein satanistisches Ritual aus, um anschließend mit dem Leibhaftigen auf Reise zu gehen. Das fällt in das Genre "Horror".
    Goethe hat ein Drama geschrieben, weil zu seiner Zeit das Theater das gängige Medium war. Heute wäre es vermutlich eher das Kino.
    Würde Goethes "Faust" heute geschrieben, würde es vielleicht ein Drehbuch für einen Horrorfilm werden.
    Solches Schrifttum wird aber meines Wissens in universitären Germanistik-Seminaren stiefmütterlich behandelt.


    Lassen wir also die Schubladen weg. Ich möchte wissen: Könnt Ihr Gemeinsamkeiten erkennen, die Bücher aufweisen, die Ihr gut findet/ die Euch interessieren?
    Und da gibt es ja schon so manches hilfreiche Posting in diesem Thread. Vielen Dank soweit und ich bin immer noch neugierig auf weitere Stimmen.

  • Okay:


    Also ich würde sagen, ein gutes Buch macht für mich bei Humorvoller Lektüre aus, dass ich mich in die Hauptperson hineinversetzen kann und denke "Au ja, das würd ich auch gerne erleben wollen".


    Bei Thrillern macht für mich ein gutes Buch aus, dass nicht allzuschnell zu ersehen ist, wer der Bösewicht ist, und dass die Handlung so aufgebaut ist, dass ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann, weil ich unbedingt wissen muss, wie es weitergeht. Ach ja, und Thriller dürfen für mich ruhig ein bißchen blutrünstig sein, ich mag das ;)

  • Hallo Bernard,


    nach kurzem Grübeln: nein! Es gibt für mich keine fest definierten Gemeinsamkeiten, die (für mich) gute Bücher ausmachen. Jedes gute Buch ist auf seine Weise gut, ich kann das nicht an der Erzählperspektive, dem Genre, dem Schauplatz oder an den Hauptfiguren festmachen. Auch nicht am sprachlichen Stil, mir gefallen die unterschiedlichsten Bücher der unterschiedlichsten Autoren.


    Ich würde so sagen: die Chemie zwischen dem Leser und dem Buch muß stimmen.


    Für dich als Autor natürlich eine unbefriedigende Antwort, weil sie dir bestimmt beim Schreiben nicht gerade weiterhilft... ;)


    Ach, und um auf dein Eingangsposting noch einzugehen: perfekt finde ich es, wenn ein Buch in mir Bilder und neue Gedanken erzeugt.


    Viele Grüße
    Miramis