1 – Anfang bis Seite 60 (bis einschl. Kapitel IV)

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  • Hallo Ihr Lieben,

    mit leichter Verspätung beginnt nun unsere Leserunde zu Der Lavagänger und ich begrüße alle TeilnehmerInnen und ganz besonders Reinhard Stöckel, der uns begleiten wird. Danke, daß Sie uns bei dieser Runde zur Seite stehen und sich unseren Fragen stellen :)

    Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Leserunden FAQs durch. Postet hier bitte erst, wenn Ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge „Buch liegt bereit, ich fange heute abend an“ ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.

    Hier könnt Ihr vom Anfang bis Seite 60 schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

    Ich wünsche uns allen wieder viel Spaß! :lesen:

    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Hallo liebe Mitleser,
    hallo Herr Stöckel,


    schön, dass Sie uns begleiten!


    Noch bin ich etwas ratlos und weiß nicht so recht, was ich zum ersten Leseabschnitt schreiben soll. Ein Buch mit einem Nachspiel zu beginnen gefällt mir gut, allerdings hatte ich im Ganzen eher Anlaufschwierigkeiten. Vielleicht liegt es am Stil - viele kurze Sätze, teils eine ungewohnte Konstruktion - doch ich kann es nicht genau benennen. Genauso kann ich Helder noch nicht recht einschätzen. Das schwarze Schaf der Familie, das gerade von seiner Frau verlassen und am Arbeitsplatz wegrationalisiert wird? Und zu allem Überfluss Fragen zu einem ungeliebten Ahnen stellt? Wir werden sehen. Auf jeden Fall bin ich neugierig, wie es weitergehen wird und vor allem, was wir noch alles aus der Familienvergangenheit erfahren werden. Außerdem hoffe ich auf weitere Skurrilitäten, nicht nur seitens der Protagonisten, bisher gefällt mir Tante Erdmuthe sehr gut, sondern auch im Handlungsverlauf. Dem Weg der Schuhe zu folgen erscheint mir zumindest vielversprechend. ;)


    Viele Grüße
    Breña

    "It is not true that we have only one life to live; if we can read, we can live as many more lives and as many kinds of lives as we wish."  S.I. Hayakawa

  • Hallo liebe Leserundenbegleiter,
    hallo Herr Stöckel,


    mir erging es genauso wie dir Brena noch bin ich etwas irritiert und ratlos. Mir bereitet es auch etwas Schwierigkeiten richtig in die Geschichte zu finden und mich stören auch diese vielen kurzen Sätze, aber ich gehe davon aus, dass sich das im Laufe der Geschichte ändert und das eher lange, viel beschreibende Sätze die Geschichte weiterführen.
    Helder ist wohl eher ein sehr spiesiger, langweiliger Typ der nicht viel Aufregung in seinem Leben erfährt. Jetzt droht ihm auch noch die Wegrationalisierung seines Jobs und seine Frau muss aufgrund einer neuen Aufgabe die Stadt verlassen. Und nun...?
    Jetzt erbt er vom schwarzen Schaf der Familie ein paar ausgelatschte Lederstiefel in denen am Schaft etwas eingeritzt ist. Was hat es damit auf sich?? Seine Eltern wollen ihm dazu eher nichts erzählen, da der Großvater nicht sehr beliebt in der Familie war. Was soll das bedeuten- der Mann der angeblich über Lava ging?


    Tante Erdmuthe finde ich auch witzig und ich erwarte natürlich auch noch einiges kurioses im Laufe der Geschichte.


    Was mich interessiert ist, warum es gerade Hawaii und Polynesien als Länder sind - evtl. Länder mit denen Sie Herr Stöckel etwas spezialles verbinden?? Oder etwas doch nicht. Ergibt sich das alles evtl. im Laufe der Geschichte?


    Bin schon sehr auf die nächsten Abschnitte gespannt. :lesen:

  • Lieber Herr Stöckel, Liebe Mitleser!
    So wie Brena schon gesagt finde auch ich das Nachspiel als Vorwort sehr toll denn da kommt man gleich richtig in das Buch rein und man wird neugirig wie es zu diesem Punkt kam.
    Der Anfang zeigt für mich einfach einen Normalen Mann in der Mitlifecrisses der mit sich und der Welt nicht wircklich so zufrieden ist. Seine Frau zieht wegen der Arbeit in eine andere Stadt, in der Arbeit wird er quasi wegrationalisiert und dann bekommt er auch noch alte ausgelatschte Tretter von seinem Opa geschenkt.
    Bleibt es bei einem ganz normalen Leben in dem man sich hin und wieder selbst entdeckt oder was passiert mit Henri weiterhin?
    Tante Erdmuthe eine alte Frau die es meiner Meinung fausdick hinter den Ohren hat.
    Also ich freu mich darauf weiter zulesen was ich jetzt auch tun werde ^^

  • Ich hatte zwar vorgestern schon die ersten paar Seiten gelesen, aber wegen Müdigkeit aufgegeben, und deshalb habe ich gerade ncoh einmal frisch begonnen.


    Auch ich tue mich bislang mit der Sprache noch etwas schwer. Ich habe nichts gegen kurze Sätze als Stilmittel, vor allem in Dialogen (das Phänomen, daß auch halbe Sätze reichen, kennt innerhalb der Familie oder im Freundeskreis vermutlich jeder) oder auch in den Gedanken einer Person (wer denkt schon immer in vollständigen Sätzen?), aber außerhalb davon lasse ich mich eigentlich gerne durch längere Sätze tragen, das geht hier – bislang zumindest – nicht. Nichtsdestotrotz bin ich schon sehr gespannt, was Henri über die Schuhe und in Verbindung damit über seinen Großvater herausfinden wird, zumal diese Schuhe ja eine beträchtliche Anhänglichkeit an Henri entwickeln :D Es hat mich auch gar nicht gewundert, daß sie Henri perfekt passen ;) Jedenfalls haben wir schon zwei oder eher drei geographische Anhaltspunkte: Anatolien und Bagdadbahn, Arabien, Hawaii – die Mischung klingt jedenfalls sehr vielversprechend!


    Was das Schweigen in der Familie angeht und was möglicherweise auch einen Grund für Hans Kaspars Verschwinden darstellt, da hätte ich eine Vermutung, wenn ich mir den Stammbaum hinten ansehe. Übrigens finde ich das ein wunderbares Extra, ich stöbere furchtbar gerne durch Stammbäume und sortiere mir die Verwandtschaftsverhältnisse. Jedenfalls zeigen die Linien doch m. E. an, daß Henris Mutter Rosa die Tochter von Hans Kaspar und Erdmuthe ist, während aus Hans Kaspars Ehe mit Henriette „nur“ der Orangen schickende Onkel Willi hervorgegangen ist. Hat Hans Kaspar Erdmuthe für Henriette sitzenlassen? Das würde ja durchaus erklären, warum auch Erdmuthe über ihn keinesfalls reden will. Bemerkenswert wäre dann auch, daß nicht nur Rosa ein uneheliches Kind ist, sondern Henris Vater Bertram auch, da dieser den Geburtsnamen seiner Mutter als Nachnamen führt. Da hätten sich also zwei „Gezeichnete“ gefunden.


    Überhaupt finde ich diesen Stammbaum sehr faszinierend, auch wegen der Berufsbezeichnungen. Grenadier, Tuchfabrikant, Näherin und Eisenbahner sind alle als normal zu bezeichnen, aber König rechts oben, noch dazu mit diesem merkwürdigen ? im Namen hat mich aufmerken lassen. Eine kurze Recherche ergab, daß dieser Buchstabe im Lettischen gebräuchlich ist (da würde ich aber für diese Zeit mal keinen König dieses Namens ansiedeln) sowie in polynesischen Sprachen, z. B. im Hawaiischen. Und einfach mal nach diesem Namen zu suchen, bringt dann tatsächlich einen Wikipedia-Eintrag für David Kal?kaua zum Vorschein. War also Hans Kaspars Fahrt nach Hawaii eine Art Heimkehr?


    Etwas irritiert hat mich zum Ende des dritten Kapitels der Abschnitt, wo die Erzählstimme quasi mit Helder spricht und ihn auffordert, den Telefonhörer abzunehmen, oder dies und jenes zu tun. Es paßt für mich einfach nicht recht in das textliche Umfeld und hat mich aus dem Erzählfluß gerissen, genauso wie übrigens schon zuvor der Wechsel der Erzählzeit innerhalb der Szene des Kornblumenpflückens, zumal ich für diesen Wechsel von Präteritum zum Präsens keinen besonderen Grund ausmachen kann. Es ist mir auch vor allem deshalb aufgefallen, weil ich Präsens als Erzählzeit nicht besonders leiden mag, das ist einfach eine persönliche Aversion.


    Ich lasse mich jedenfalls mal überraschen, wie sich die Familienbande auflösen und erklären werden.


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Liebe Leserinnen und liebe Leser,


    ich freue mich über die Gelegenheit eines solchen Gesprächs. Da ich mich bisher nicht in Online-Foren aufgehalten habe, ist das Neuland für mich. Es kann also passieren, daß mir der eine oder andere Fehler unterläuft. Hoffentlich nicht inhaltlich. Daß Sie hier sozusagen zusammen ein Buch lesen, d.h. sich abschnittsweise austauschen und nicht allein über das fertig gelesene (oder auch nicht fertig gelesene) Buch, finde ich bemerkenswert. Für mich, der ich diesen Roman geschrieben habe, ist natürlich sehr interssant, wo für Sie die Tücken im Fortgang der Geschichte liegen. Das gerade der Anfang Schwierigkeiten macht, habe ich schon von verschiedenen Seiten gehört. Ich möchte Sie trotzdem ermutigen, geben Sie der Geschichte und ihrem etwas verschrobenen Helden Zeit. Ansonsten hoffe ich, es ist ok, wenn ich Ihre Kommentare nicht meinerseits kommentiere, es sei denn, ich lese daraus eine direkt an mich gerichtete Frage, so wie die von Jane Eyre zu Polynesien: Also, um es (fast) mit Udo Jürgens zu sagen: ich war noch niemals auf Hawaii. Der Name war für mich eher Inbegriff von Südseekitsch. Jenseits dieses Klischees haben mich aber schon als Student Thor Heyerdahls Berichte interessiert. Im Übrigen haben die Recherchen zu diesem Buch so manches meiner Vorurteile korrigiert. Den Anfang machte eine Reportage über einen echten "Lavagänger" auf Hawaii. Das Bild, der um die Schuhsohlen züngeltenden Flämmchen, war so eindringlich, daß ich mit Hans Kaspar dorthin musste.
    So viel für heute: Folgen Sie also weiter Hans Kaspars Spuren !


    Mit besten Grüßen
    Reinhard Stöckel

  • Liebe Leserunde, lieber Herr Stöckel,


    ich freue mich aufs Gemeinsam-Lesen und finde es klasse, dass Sie uns dabei begleiten!


    Das Nachspiel zu Beginn ist ungewöhnlich, hat aber etwas – ich fand es jedenfalls interessant genug, um mehr über die Schuhe und ihren Besitzer erfahren zu wollen. Und diese Schuhe werden in den nächsten Kapiteln ja wirklich zur Herausforderung und gewinnen ein Eigenleben, so dass der Großvater Henri noch über Raum und Zeit dazu auffordern kann, in seine Fußstapfen zu treten.


    Da ich eigentlich so gar nicht wusste und weiß, was mich erwartet, war ich ganz erleichtert, gleich auf der ersten Seite einen Hinweis darauf zu finden, dass hier nicht ein Loblied auf die Eisenbahn gesungen werden wird: „Er hatte sich verspätet, obwohl er ein Taxi genommen hatte und nicht, wie es sich für einen Eisenbahner gehörte, den Zug.“ ;)


    Was mir seltsamerweise gar nicht aufgefallen ist, sind die von euch genannten kurzen Sätze. Ich hab gerade noch einmal nachgelesen, und im Nachspiel findet man sie tatsächlich noch nicht so – aber dann. Für mich passt es zu der Perspektive Helders, der ja (zumindest momentan) nicht so den ganz komplexen Blick auf die Wirklichkeit hat. Den Bruch in der Erzählperspektive habe ich allerdings als ähnlich störend empfunden wie Aldawen. Während wir bisher nur Helders Perspektive wahrgenommen haben, mischt sich jetzt noch eine andere (Erzähler-)Instanz ein und urteilt gleich stellvertretend mit für den Leser. Noch unwohler habe ich mich gefühlt mit der Aufforderung an Helder durch das Telefon (und/oder durch einen Traum), zu erzählen. Das war mir an dieser Stelle wirklich zu metapoetisch, und ich war froh, als das Geschehen durch Tante Erdmuthe wieder deutlich geerdet wurde. Aber gerade das Erzählverhalten lässt sich ja manchmal erst aus der Rückschau auf den Gesamtroman wirklich beurteilen – mal abwarten, wie es sich hier weiterentwickelt.


    Unser Held scheint in der Midlife-Crisis zu sein, ist nicht wirklich interessiert an seiner Susanne oder daran, dass sie ihn verlässt. Die Mutter- und die Vater-Familie stehen sich ziemlich kontrastiv gegenüber (à la Thomas Mann): der abenteuerliche, „nutzlose“ Großvater und die Mutter mit ihrem „undichten Drall“ auf der einen Seite, und der plangebundene, pedantische Vater auf der anderen. – Dass letzterer wohl gar nicht der leibliche Vater ist, war mir gar nicht klar. Vielen Dank für den interessanten Hinweis auf den Stammbaum, Aldawen! Wenn man immer nur stur von vorne nach hinten blättert, entgeht einem wohl doch einiges. :-[ – Zunächst scheint Henri in die Fußstapfen seines Vaters getreten zu sein (wenn auch mit ziemlich falschen, abenteuerlich-exotischen Erwartungen), aber wer weiß, was da noch in ihm schlummert?


    Henri selbst ruft in mir momentan eher Ungeduld hervor als Mitgefühl. Trotz seines Alters hat er sich von seinen Eltern immer noch nicht ansatzweise gelöst und gesteht sich die verpassten Gelegenheiten in seinem Leben noch nicht einmal selber wirklich ein. Seine Naturferne wird auf ziemlich witzige Art beschrieben, aber auch die gleichzeitige Sehnsucht nach der Natur ist spürbar. Ziemlich bitter ist das ungewollte „Wiederfinden“ der Schuhe. Ihr obdachloser Träger ist erfroren – schon, als Helder seine Füße erspäht oder erst hinterher? Hätte er ihn retten können? Diese naheliegenden Fragen stellt sich unser Held gar nicht – eine gut gemachte Enthüllung seiner Befangenheit, seines Kreisens um die eigene Situation und Befindlichkeit und der daraus resultierenden Abstumpfung gegenüber anderen, die sich ja auch schon in der Beziehung zu Susanne gezeigt hat.


    Was ich besonders gelungen fand: Vor allem in Henri und seinem Vater werden in meinen Augen über-individuelle Befindlichkeiten deutlich gemacht. „So muss man leben, Junge, als ob einer zusieht“, sagt der Vater zu Henri, und so gruselig mir das als Lebensmotto erscheint, ist es doch nach dem, was ich in meiner Umgebung erfahren habe, ziemlich typisch für (fast) eine ganze Generation. Für Henris Generation oder zumindest einen Teil davon scheint mir seine Haltung ähnlich typisch zu sein: sich immer unbestimmt schuldig fühlen, immer eine Aufgabe und eine Pflicht haben zu müssen.


    Und meine ganz persönliche Lieblingsstelle bisher war das Loblied auf das alte Telefon. Die Möglichkeit, den Hörer auf die Gabel zu knallen, habe ich sehr lange sehr schmerzlich vermisst. ;D

  • Hallo allerseits,


    ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, also beginne ich einfach mit meinem ersten Eindruck: Ich bin begeistert! Zu meiner eigenen großen Überraschung, denn der Klappentext bot schon gleich zu Anfang mehrere rote Tücher für mich:
    Henri Helder ::) - bei Protagonisten mit alliterativen Namen unterstelle ich dem Autor sofort, er wolle mit dem "besonderen" Namen Leser anlocken und über Schwächen des Buches hinwegtäuschen. Dass dieser stabgereimte Held dann auch noch einer Eisenbahnerdynastie entspringt, machte die Sache noch schlimmer (für mich). Ich assoziierte Obere Zehntausend, die Reichen, Schönen, Klugen mit jeder Menge Sex Appeal, vermutlich noch gar in Amiland angesiedelt. Alles Sachen, über die ich nicht lesen mag und entschied schnell, dafür kein Geld auszugeben. Weil aber Titel und Cover mich doch reizten, wollte ich andere dafür blechen lassen und machte der hiesigen Stadtbücherei einen Einkaufsvorschlag, zum Glück erfolgreich.


    Die Eisenbahnerdynastie, so stellte ich schnell fest, lebt nämlich nicht in den USA, sondern in Cottbus und gehört auch nicht zu den Besitzern der Bahn, sondern ist ganz banal bei ihr angestellt. Ich lese viel lieber über ostdeutsche Fahrkartenverkäufer als über amerikanische Millionäre. Und der Name? An dem ist nicht der Autor schuld - den haben Henris Eltern verbrochen. ;)


    Der Einstieg über das Nachspiel hatte mich dann gleich für das Buch gewonnen. Wie kann eine ganze Gesellschaft wegen eines Paars Schuhe die Fassung verlieren? Sehr interessante Frage, die zum Weiterlesen zwingt.
    Helder selbst gefällt mir als Person. Er ist so wunderbar normal, unheldenhaft, unspektakulär. Arbeitet (noch?), lebt in einer ruhigen, aber nicht sehr gelungenen Beziehung*, hat seine Jugend hinter sich und könnte eigentlich auch die nächsten Jahrzehnte wie die meisten Menschen auch so dahindümpeln, wenn die Schuhe nicht wären.
    *Toll, wie in einem einzigen Absatz mit dem Brief des Anwalts deutlich gemacht wird, wie es um die Ehe steht. Da braucht nicht ausführlich erzählt werden, dass die beiden sich auseinandergelebt haben - es reicht, dass Helder bei dem Anblick des Briefes erwartet, es handele sich um einen Scheidungsbrief.
    Helders Gedanken zum Beispiel zum Wählscheibentelefon gefallen mir sehr gut. Ich erkenne mich darin wieder ;D . Ein Telefon soll nicht piepsen oder gar Melodien dudeln, sondern "richtig", also durchdringend klingeln und einen Hörer auf die Gabel knallen zu können ist tatsächlich viel befriedigender als auf ein Minitästchen zu drücken. Ich sehe, Helder ist tatsächlich meine Generation.


    Mir gefällt es, wenn ich Informationen indirekt und peu à peu bekomme und sie selbst zusammenpuzzeln muss. Dabei hilft hier der Stammbaum hinten im Buch, auf den ich auf der Suche nach einem Personenverzeichnis, Glossar oder anderen Extras gestoßen war. Auch mir sind die Berufsbezeichnungen, die eher selten in Stammbäumen auftauchen, positiv aufgefallen. Sie (allen voran natürlich der König) reizen meine Phantasie. Aufgefallen ist mir auch gleich ein Widerspruch zwischen dem Stammbaum und den im Buch bisher genannten Verwandtschaftsverhältnissen. Ich bin gespannt, wann und wie das aufgelöst wird. Erst vermutete ich ja einen Fehldruck im Stammbaum, denke jetzt aber, dass der doch stimmt und demnächst ein Familiengeheimnis aufgedeckt werden wird.


    Ebenfalls fiel mir beim Studium des Stammbaumes auf, dass es sich nicht lohnt, nach dem ganz am Anfang zitierten Buch und seinem Autoren zu googeln. "Hans K. Brügg", aus dessen "Von der Kunst des Lavagehens" zitiert wird, ist natürlich der Großvater mit den Schuhen. Was dessen Leben angeht, frage ich mich gerade, wie er 1944, also mitten im Krieg, Europa verlassen konnte. War er nicht Soldat? Gut, vielleicht war er mit seinen da immerhin schon 46 Jahren nicht eingezogen worden oder war in seinem Beruf unabkömmlich, aber wie hat er es rein praktisch geschafft, auszureisen. Das war unter den herrschenden Bedingungen doch wohl nur sehr schwer möglich. Oder war er vielleicht als Soldat in Afrika und ist dort desertiert? Ich denke mal, wir werden genaueres noch erfahren.



    Den Anfang machte eine Reportage über einen echten "Lavagänger" auf Hawaii. Das Bild, der um die Schuhsohlen züngeltenden Flämmchen, war so eindringlich, daß ich mit Hans Kaspar dorthin musste.


    Ich wollte sie schon fragen, wie man auf die Idee eines Lavagängers kommt, aber es gibt sie also wirklich? Wo kann ich diese Reportage finden? Oder mehr Information darüber?

  • Einen wunderschönen guten Morgen an meine Mitleser/inner und an Herrn Stöckel!


    Leider konnte ich gestern erst mit dem Buch anfangen, bin also noch nicht so weit gekommen, wie ich eigentlich wollte.


    Derzeit habe ich ganz massive Probleme mit der Sprachform und mit der Geschichte. Die Erzählweise sagt mir nicht so zu, es fällt mit derzeit schwer, der Geschichte und dem Protagonisten zu folgen.


    Der Klappentext hat mir etwas anderes versprochen, als derzeit im Verlauf des Buches zu folgen scheint - zumindest lässt der Aufbau des Buches den Schluss zu. Das Nachspiel zum Anfang hat mich eher verwirrt statt begeistern können.


    Einige Beschreibungen laden zum Schmunzeln ein, einige zum Nachdenken und bei einigen ein zustimmendes Nicken. Das Buch könnte also noch ganz interessant werden - wir werden sehen.

  • Hallo Saltanah und hallo die anderen,


    die von mir erwähnte Reportage über einen "Lavagänger" habe ich schon seit längerem vergeblich versucht ausfindig zu machen. Sie muß irgenwann 2003 auf arte gelaufen sein. An einen Titel erinnere ich mich leider auch nicht mehr, da ich sie nicht von Anfang an gesehen habe. Damals ahnte ich nicht, dass ich das Lavagänger-Motiv mal verwenden werde ...
    Die zweite Sache, auf die ich eingehen möchte, ist das Jahr in dem Hans Kaspar emigrierte: wenn da irgendwo 1944 stehen sollte, muß das ein Fehler sein. Er wird 1940 verschwinden. Damit ist m.E. unwahrscheinlich, daß er mit 42 und als (kriegswichtiger) Stellwerksarbeiter zu der Zeit einen Einberufungsbefehl bekommen hätte.


    Beste Grüße
    Reinhard Stöckel


  • die von mir erwähnte Reportage über einen "Lavagänger" habe ich schon seit längerem vergeblich versucht ausfindig zu machen. Sie muß irgenwann 2003 auf arte gelaufen sein. An einen Titel erinnere ich mich leider auch nicht mehr, da ich sie nicht von Anfang an gesehen habe.


    Schade. Ich hätte sp gerne mehr darüber erfahren.



    Die zweite Sache, auf die ich eingehen möchte, ist das Jahr in dem Hans Kaspar emigrierte: wenn da irgendwo 1944 stehen sollte, muß das ein Fehler sein. Er wird 1940 verschwinden. Damit ist m.E. unwahrscheinlich, daß er mit 42 und als (kriegswichtiger) Stellwerksarbeiter zu der Zeit einen Einberufungsbefehl bekommen hätte.


    Es steht nirgendwo 1944, aber es heißt auf S. 26

    Zitat

    dass der Großvater kurz nach den vierzehnten Geburtstag nicht nur das Land sondern gleich auch den Kontinent verlassen hatte.


    Da Rosa laut Stammbaum 1930 geboren ist, müsste er also 1944 verschwunden sein.

  • Ach, Aldawen & Saltanah, den Stammbaum wollte ich doch bewusst noch eine Weile ignorieren. Zwar war er mir beim Durchblättern schon aufgefallen, aber schließlich muss es einen Grund haben, dass er hinter der Geschichte abgedruckt ist und nicht davor. ;) Nun musste ich ihn mir nach euren Ausfühungen doch genauer anschauen.


    So ratlos ich anfangs noch war den ersten Leseabschnitt betreffend - als ich eure Kommentare gelesen habe musste ich ständig nicken und dachte andauernd "Na klar!" oder "Sehe ich genauso, warum hab ich das nicht geschrieben?!". ;D


    Viele Grüße
    Breña

    "It is not true that we have only one life to live; if we can read, we can live as many more lives and as many kinds of lives as we wish."  S.I. Hayakawa

  • Liebe Saltanah und Stammbaumfreunde,


    Sie haben recht, da ist ein Widerspruch zwischen Stammbaum und Text.
    Solche aufmerksamen Leser wünschte ich mir vor der Drucklegung des Manuskripts. Allerdings, das ist keine Rechtfertigung nur Erklärung, den Stammbaum hatte ich auf Empfehlung nachgereicht und, mein Fehler, nicht mit der letzten Textfassung abgeglichen. Für die kommende Taschenbuchausgabe läßt sich das hoffentlich korrigieren. Einen Stammbaum anzufügen, der dem Leser manches vorab verrät, ist dennoch keine die ideale Lösung.


    Beste Grüße
    Reinhard Stöckel

  • Was ich auch ganz toll fand ist der Einband denn jedesmal wenn ich das Buch in die Hand nehm kommt bei mir ein Urlaubsgefühl auf.
    Was ich genau so empfinde ist die Stelle mit dem Astronaut der erzählt hat er würde die Bahnhaltestelle vom Mond erkennen. Denn ich hab auch immer wieder im Kopf was ist wenn mich jetzt in dieser Stuation jemand sehen würde was würde er denken?!
    Ich find es aber total schade das Henri sich nicht mehr um Susanne bemüht und nicht mal Ansatz weise um sie kämpft. Warum eigtl ? Sind sie schon so weit auseinander gelebt oder hat er einfach schon soviele verkorkste Beziehungen gehabt das er denkt es lohnt sich nicht zum kämpfen.
    Was ich interessant finde aber noch nie so gelesen hab ich das dazwischen geschobene erst liest man von dem einen dann kommt was dazwischen wo den Standpunkt erklärt und dann geht es von vorne weiter. Wisst ihr was ich mein? Aber ich finds net schlecht sondern einfach interesannt.


  • Was ich interessant finde aber noch nie so gelesen hab ich das dazwischen geschobene erst liest man von dem einen dann kommt was dazwischen wo den Standpunkt erklärt und dann geht es von vorne weiter. Wisst ihr was ich mein? Aber ich finds net schlecht sondern einfach interesannt.


    Damit hab ich so meine Probleme ... überhaupt habe ich derzeit noch keinen richtigen Draht zu dem Buch gefunden und komm in die Geschichte nicht so richtig rein. Es erscheint derzeit alles verworren. Daher bin ich etwas ratlos.


    Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich irgendwie doch noch in die Geschichte reinkomme, denn vom Grundsatz her ist es eigentlich ein interessantes Thema.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen