Allgemeine Fragen an Reinhard Stöckel

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  • Hier ist Platz für Fragen an Reinhard Stöckel, die nicht direkt etwas mit dem Buch Der Lavagänger zu tun haben.

  • Hallo Herr Stöckel, hallo Mitleserinnen,


    mit diesem Abschnitt der Leserunden habe ich bislang gar keine Erfahrung und hoffe einfach, dass meine Fragen so in Ordnung sind. Sie haben zwar grundsätzlich etwas mit dem Roman zu tun (deshalb interessieren sie mich ja), passen aber nicht so richtig in einen der Abschnitte. Nach dem, was ich bisher gelesen habe, würde ich zu gerne wissen:


    [li]Im Klappentext steht, dass Sie am Leipziger Literaturinstitut studiert haben. Können/mögen Sie uns dazu etwas mehr erzählen? Muss man sich das wie ein „heutiges“ literaturwissenschaftliches Studium vorstellen? Haben Sie daraus irgendeinen Nutzen für diesen Roman gezogen?[/li]
    [li]Im „Lavagänger“ geht es ja sehr viel um Familienstrukturen, -geheimnisse, -geschichte. Sind da autobiographische Aspekte mit eingeflossen?[/li]
    [li]Gibt es eine Figur im Roman, an der Sie besonders „hängen“? Und wenn ja: warum?[/li]

  • Liebe ink-heart,


    [li]Im Klappentext steht, dass Sie am Leipziger Literaturinstitut studiert haben. Können/mögen Sie uns dazu etwas mehr erzählen? Muss man sich das wie ein „heutiges“ literaturwissenschaftliches Studium vorstellen? Haben Sie daraus irgendeinen Nutzen für diesen Roman gezogen?[/li]


    Wie ein literaturwissenschaftliches Studium aussieht, weiß ich nicht. Es gab am Literaturinstitut Fächer wie Ästhetik, Stilistik, Deutsche Literaturgeschichte, Weltliteratur, Dramatik und Philosophie. Es gab wie überall gute und weniger gute Dozenten. Wir haben dort im Seminar eigene Texte diskutiert und in den Pausen Gorbatschows Perestroika. Alles in allem war es eine Horizonterweiterung, das war in der DDR relativ, wobei es am Institut wiederum relativ frei zuging. Einen konkreten Nutzen für diesen Roman, mit dem ich ja viele Jahre später begonnen habe, kann ich nicht anführen. Im Übrigen denke ich, schreiben lernt man durch schreiben.


    [li]Im „Lavagänger“ geht es ja sehr viel um Familienstrukturen, -geheimnisse, -geschichte. Sind da autobiographische Aspekte mit eingeflossen?[/li]


    Nichts konkretes, außer die Erfahrungen, die wohl jeder mit Familie macht, im Roman natürlich zugespitzt und ausgesponnen.

    [li]Gibt es eine Figur im Roman, an der Sie besonders „hängen“? Und wenn ja: warum?[/li]


    Ich teile die Vorliebe vieler Leser für Erdmuthe. Sie hat mir am Meisten Spaß gemacht.


    Mit besten Grüßen
    Reinhard Stöckel

  • Lieber Herr Stöckel,



    Ich teile die Vorliebe vieler Leser für Erdmuthe. Sie hat mir am Meisten Spaß gemacht.


    Das kann ich gut verstehen. Erdmuthe finde ich auch klasse. :) Sie hat so eine gewisse würdevolle Komik und gleichzeitig eine Bodenhaftung, die es mir etwas leichter macht, die etwas "abgehobeneren" Charaktere zu verarbeiten. Ich kann mir vorstellen, dass es Spaß gemacht hat, Erdmuthe zu "schreiben". ;)


    Eine etwas laienhafte Frage habe ich noch: Wie haben Sie die historischen Hintergründe recherchiert und wie muss man sich den Zeitaufwand für solche Recherchen (z. B. verglichen mit dem reinen 'Schreiben') vorstellen?


    Liebe Grüße


    ink-heart

  • Liebe/r ink-heart


    Eine etwas laienhafte Frage habe ich noch: Wie haben Sie die historischen Hintergründe recherchiert und wie muss man sich den Zeitaufwand für solche Recherchen (z. B. verglichen mit dem reinen 'Schreiben') vorstellen?


    Die Recherchemethode läßt sich für diesen Roman vereinfacht so beschreiben: Ich nahm Hans Kaspar wie eine historische Figur, von der ich nur einige fixe Fakten hatte: u.a. letzte Nachricht aus Hawaii. Daraus ergab sich zwangsläufig die Frage, was ist wann und wo geschehen, daß es ihn von A nach B verschlug. So musste ich mich "nur noch" mit dem jeweiligen Ort und der jeweiligen Zeit vertraut machen.
    Die Frage, die man sich als Autor wahrscheinlich oft stellt: Reicht das, was ich recherchiert habe? Mir geht es so, daß der Stoff einen Sog entwickelt, daß man sich zu dieser Frage noch ein Buch besorgt oder jene Fakten noch einmal durchguck(el)t. Und nach jeder Lektüre weiß man, daß man nichts weiß. Irgendwann muss ich mich disziplinieren und fragen: Brauche ich das für diese Geschichte wirklich? Grundsätzlich aber, denke ich, sollte ein Roman, wenn man ihn mit einem Pflänzchen vergleicht, auf einem gut versorgten Acker wachsen, auch wenn es zur Not auf einer handbreit Erde ginge.
    Der Zeitaufwand zwischen Recherche und Schreiben läßt sich schwer vergleichen, weil abgrenzen, beides geht m.E. in einander über, d.h. zwischen die eben aufgenommenen Fakten spinnt sich nicht selten schon diese Episode oder jenes Bild steigt auf, unabhängig davon, ob es dann in die Geschichte einfließt.


    Beste Grüße
    Reinhard Stöckel

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen