Allgemeine Fragen an Ute Haese

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  • Hier ist Platz für Fragen an Ute Haese, die nicht direkt etwas mit dem Buch "Holsteiner Blut" zu tun haben.

  • Hallo Ute,


    was mich ganz besonders interessiert ist deine Tätigkeit als Autorin von Liebesromanen für Frauenzeitschriften.


    Wo kann ich eine solche Geschichte von dir lesen?
    Wie viele Seiten hat so eine Geschichte?
    Gibt es Vorgaben, an die du dich halten musst?

  • Hallo Ute,


    an die Fragen von SheRaven schließe ich mich an.
    Und mich interessiert auch noch: was hat dich zum Krimischreiben bewogen?


    Grüße von Annabas :winken:

  • Wow, ist das ein Einstieg in den Montagmorgen! Ich finde Eure gesammelten Spekulationen, wer nun welche Motive haben könnte, klasse – zumal einige für mich dabei neu sind. Aber für mich als Autorin bedeutet das ja, dass ich offensichtlich gut im (auch falschen ...) Fährtenlegen bin ... Und das geht nun einmal runter wie Öl. Und auch dass Euch die Figuren durch die Bank weg gefallen, finde ich natürlich großartig. Denn klassische Krimikost ist Hanna eben nicht, die romanhaften Züge der Reihe sind ja unüberlesbar, was übrigens einige Leute gar nicht so gern haben: Die stehen mehr auf: Tod – Kommissar – Lösung.
    Bei Kommissar fällt mir ein: Ihr habt moniert, dass Julias Tod nicht jedenfalls einmal von der Polizei untersucht wird (doch, wird er ganz am Rande, die kommt aber sofort zu dem Schluss, dass es ein Unfall war). Ich habe es überlegt, wollte aber Hanna möglichst völlig polizeilos lassen (deshalb auch die ungewöhnlichen Mordmethoden, die eben immer auch ein Unfall sein könnten, die ich allerdings aber auch an sich peppiger fand als den Schuss in den Kopf). So kann sie dann gleich ohne amtliche Störungen auf ihre Weise ermitteln. Außerdem sollte sie sich von der Persönlichkeit her gegen ihre gesamte Umwelt stemmen müssen, um zu „reifen“. Deshalb ist also auch Julias Tod für alle anderen außer der plietschen Heldin klar als Unfall angelegt.


    So, und zu dem Liebesgeschichtengewerbe:
    Lesen könnt Ihr einen der echten Haese’schen Schmalzheimer (die unter mehreren Pseudonymen erscheinen) auf der Homepage von Hanna Hemlokk (http://www.hanna-hemlokk.de). Dort auf die Tür klicken, dann bei Hanna klingeln, im Büro im Regal auf den Ordner „Liebe“ mit deutscher Flagge klicken. Eine zweite Story findet sich im „Love“-Ordner - die (Rück-)Übersetzungen dort mittels eines Übersetzungsprogramms sind natürlich reiner Nonsens, aber der Ausgangstext ist ebenfalls ein altes Original.
    Beim Umfang der Liebesgeschichten wird nicht in Seiten-, sondern in Anschlagzahlen (Buchstaben plus Leerstellen) gerechnet. Das wechselt immer wieder, aber zur Zeit reicht die Spannbreite von 3000 bis 16.000 Anschlägen.


    Vorgaben gibt es direkt ausgesprochen nur die eine: Camilla und Richard MÜSSEN sich am Ende kriegen, sonst braucht man gar nicht zum Stift zu greifen. Aber bei manchen Zeitschriften ist zum Beispiel ein Held mit Bart nicht gern gesehen. Ich vermute mal, da ist die Leserschaft älter, und Bart, zumal Dreitage-, wirkt auf die lesenden Ömchen ungepflegt, meint die Redaktion. Konflikte – und sei es noch so unwahrscheinlich – lösen sich nach spätestens 16.000 Anschlägen völlig auf, und übrig bleiben Friede, Freude und Eierkuchen. Aber ich habe solche, wohlgemerkt nirgends klar ausgesprochenen, Richtlinien in die Hanna-Reihe mit eingebaut, die Liebesgeschichten-Sache also zum durchlaufenden Thema aller drei Bände gemacht. Da erfährt man also auch noch einiges über solche unausgesprochenen Vorgaben (Sex auf Küsse beschränkt; Ehebruch nicht im eigenen Haus ...).


    Den Ausschlag zum Krimischreiben hat zum einen gegeben, dass ich selbst gern welche lese – und außerdem wollte ich einmal ausprobieren, ob ich noch etwas anderes schreiben kann als Schmalzheimer und Wissenschaft (habe ich jahrelang gemacht), Denn es ist ja etwas anderes, ob man in der Wissenschaft gerade Sätze rauskriegt, bei den Liebesgeschichten mit Klischees arbeiten kann, oder ob es einem gelingt, Figuren Persönlichkeit zu geben, sie zum Leben zu erwecken und dem Ganzen obendrein noch eine Prise Spannung zu verleihen.
    Uff, das wäre es dann erst einmal, oder? Ach nee, kollernde Väter soll ich noch erklären. Also, das sind solche, die leicht gereizt und ein bisschen wichtigtuerisch an ihrem Nachwuchs rumerziehen (männliche Truthähne kollern ...)


    An alle die schönsten Grüße
    Ute

  • Hallo Ute,


    vielen Dank für die wirklich ausführliche Beantwortung der Fragen!


    Das du selbst gerne Krimis liest, hatte ich mir schon gedacht. Denn wer Dorothy L. Sayers erwähnt, ist meist Krimifan,
    ansonsten wäre Agatha Christie geläufiger. :)


    Drei Hanna-Hemlokk-Bücher gibt es inzwischen? Da muss ich noch mal kucken, mir waren nur zwei aufgefallen.


    Eine Frage, die du mit Sicherheit bei jeder Lesung gestellt bekommst, muss ich aber auch noch loswerden:


    Wie bist du zu dem Verlag gekommen? Hast du deinen ersten Hemlokk-Krimi an viele Verlage geschickt oder hat es
    sofort geklappt?

  • Hallo Ute,


    ich bedanke mich auch ganz herzlich. :winken:


    Inzwischen ist in mir aber noch eine neue Frage aufgetaucht:
    Die Geschichte wird ja aus Hannas Sicht erzählt, und das in ihrer ganz eigenen, lockeren und sehr individuellen Sprache. Ist es nicht sehr schwer, dies über ein ganzes Buch hinweg durchzuhalten? Ich stelle mir vor, dass du beim Schreiben Hannas Persönlichkeit richtig überstülpen musstest, um nicht in die Ute-Sprache zurückzufallen. Merkt man es denn selbst, wenn man sprachlich "aus der Rolle fällt" oder ist das etwas, was die Lektorin dann anmahnt?


    Viele Grüße von Annabas :lesen:

  • Ihr Lieben oder auch Moin, wie man hier zu sagen pflegt,


    also ja, es gibt bislang erst 2 Hemlokk-Bücher auf dem Markt, das dritte erscheint im März 2011 zur Leipziger Buchmesse. Ich lese da gerade Korrektur, deshalb ist es wohl dermaßen präsent, dass es für mich einfach dazugehört. Hanna 3 erscheint aus verkaufstechnischen Gründen (die Wirtschaftskrise schlägt im Hardcoverbereich doch spürbar zu) gleich als Taschenbuch im Sutton-Verlag, wahrscheinlich unter dem Titel „Drachenhatz“.
    Und wo ich beim Thema Verlag bin, hier die Antwort auf die zweite Frage: Es hat ziemlich lange gedauert (und war dementsprechend frustig!), bis sich ein Verlag für Hanna erwärmen konnte. Einigen hat sie einfach so nicht gefallen, was nun einmal vorkommt, aber ich denke, es lag auch daran, dass die Reihe nicht in die normale Regionalkrimischiene hineinpasst. Dafür ist zu viel Roman in Hanna, was die Lektoren gar nicht so „schlimm“ fanden, scheitern tat sie dann mehrmals an den Verkaufsleuten, d.h. an den Verlagsvertretern, die gegenüber den Buchhandlungen jedes Buch mit einem ganz bestimmten Etikett versehen wollen (Regiokrimi, Golfkrimi, Genusskrimi ...). Deshalb habe ich in der Wartezeit auch eine andere Krimi-Reihe angefangen, die konventioneller ist.
    Zum Schreibstil: Nein, es fällt mir nicht schwer, den durchzuhalten, und ich merke meistens, wenn es mir nicht gelingt. Dann lege ich den Text weg und hoffe auf den nächsten Tag, denn erfahrungsgemäß bringt es überhaupt nichts, wenn man dann weiter daran herumwürgt. Es klingt dann alles furchtbar gestelzt. Aber sollte mir doch einmal etwas durchrutschen, was Hanna nie im Leben so sagen würde, dann merkt das bestimmt mein Mann, der hier im Haus als Erstlektor fungiert (und ziemlich pingelig ist).


    So weit erst mal und liebe Grüße
    Ute

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen