09 - Seite 498 bis Ende

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  • Ich musste es zu Ende lesen, ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen...


    Mina zerstört das Gewächshaus und lässt die Schwäne frei. Aua, mir tat es beim Lesen regelrecht weh, als ich mir vorgestellt habe, wie Mina mit bloßer Hand die Glasscheiben durchschlägt!


    Der kleine graue Schwan, den sie schon beim letzten Mal gesehen hat, gibt Peter irgendwie sein Leben zurück.
    Und die großen Schwäne bekämpfen den Doktor und die Hunde und helfen dann Mina und Peter durch die Taterkuhle zurück. Auf dem Weg zurück bekommt Mina ihre Stimme zurück, wie schön!


    Und dann bleibt Mina noch eine letzte Aufgabe, sie holt Karol der schon kurz davor ist, völlig zu verblassen, zurück in die Welt. Sie bietet dem Bach ihre Stimme an, um sie Karol zu geben, aber ihr Opfer wird nicht angenommen, sondern beide können plötzlich sprechen


    Und im Epilog offenbart sich dann, was wir schon vermutet hatten. Die Großmutter ist Mina, sie ist nach Hause zurückgekehrt, hat dann aber nach langen Verhandlungen mit ihrem Vater Karol zum Mann genommen - aber irgendwann in den Kriegen musste er wieder gehen...


    Ein bittersüßes Ende, über das ich nun erst einmal etwas nachdenken muss!

  • @ Spatzi, nur noch bissl zur Klärung: Der kleine graue Schwan "ist" sozusagen Peter, also, die Verkörperung seiner Seele. Wie bei den anderen Jungen auch, die der Doktor für seine Zwecke missbraucht hat. Die beiden Brüder wollen nicht mehr zurück in ihre "normalen" Körper, das ist ja klar geworden, denke ich; und die anderen drei Jungen von der Liste sind tot, deshalb können sie nicht mehr zurück (ich stelle es mir aber so vor, dass sie vielleicht ja in den Schwänen weiterleben, nicht ... Und dass es deshalb eben insgesamt auch sechs sind. Sonst ist alles einfach zu trostlos.) Jedenfalls, nur Peter ist noch jung und lebendig genug, um sozusagen eine Chance zu haben, wieder ein halbwegs glückliches Leben zu führen. Deshalb kehrt seine Seele in seinen Menschenkörper zurück, als der kleine Schwan ihn berührt, und der Schwan verschwindet.


    Und zum Abspann, naja, Karol ist natürlich nicht einfach gegangen, sondern er ist im Zweiten Weltkrieg umgekommen. Er wollte den anderen Zigeunern helfen, und ich stelle es mir so vor, dass er zB versucht hat, Zigeuner zu befreien, Partisanen zu helfen, sie im Alten Wald zu verstecken und so weiter. Aber er konnte diese ungeheure Welle von Grauen natürlich letzten Endes nicht aufhalten und sein Volk nicht vor dem Holocaust bewahren.


    Dass Du "bittersüßes" Ende schreibst, gefällt mir gut, genauso ist auch meine eigene Empfindung.

  • Danke für diese Erklärungen, das hilft mir sehr weiter!


    Jedenfalls, nur Peter ist noch jung und lebendig genug, um sozusagen eine Chance zu haben, wieder ein halbwegs glückliches Leben zu führen. Deshalb kehrt seine Seele in seinen Menschenkörper zurück, als der kleine Schwan ihn berührt, und der Schwan verschwindet.


    Aber leider wird er ja trotzdem nicht alt - war das einfach zu viel für ihn, um ein wirklich unbeschwertes "normales" Leben führen zu können?



    Und zum Abspann, naja, Karol ist natürlich nicht einfach gegangen, sondern er ist im Zweiten Weltkrieg umgekommen. Er wollte den anderen Zigeunern helfen, und ich stelle es mir so vor, dass er zB versucht hat, Zigeuner zu befreien, Partisanen zu helfen, sie im Alten Wald zu verstecken und so weiter. Aber er konnte diese ungeheure Welle von Grauen natürlich letzten Endes nicht aufhalten und sein Volk nicht vor dem Holocaust bewahren.


    Ja, so im Nachhinein kam mir dieser Gedanke auch, als ich nochmal über den zeitlichen Rahmen nachgedacht habe. Im Buch stand ja nur, dass Karol während der Kriege weggegangen ist, um zu helfen - ich hatte die gedankliche Brücke zu den Weltkriegen und inbesondere zum 2. Weltkrieg und dem Schicksal der Zigeuner in diesem nicht so recht hinbekommen beim Lesen.
    Aber wie gesagt, das fiel mir dann im Nachhinein auf und da gingen meine Gedanken dann in eine ähnliche Richtung wie von dir geschildert!


    Mina ist eine tolle Gestalt - dass sie nach diesem schweren Weg und den vielen Verlusten so ein positiver Mensch geblieben ist, einfach wunderbar! Ich glaube, ihre Enkelin wäre ich auch gerne!

  • Spatzi, oh, ich hätte auch gern eine Oma wie Mina! Obwohl sie bestimmt für ihre Tochter nicht ganz unanstrengend war. Aber als Enkelin macht es bestimmt Riesenspaß, all diese alten Geschichten erzählt und gelegentlich vielleicht sogar etwas wie kleine magische Dinge vorgeführt zu bekommen. Ich drücke Minas Enkelin jedenfalls die Daumen, dass sie sich auch auf den Weg machen wird, um den Wald und alles andere zu entdecken ...


    Wegen Peter, ja, so denke ich es mir. Er hat einfach zu viel durchgemacht. Es muss ja auch bissl realistisch bleiben. Aber wenigstens hat er so noch ein paar schöne Jahre, das ist schon viel wert, finde ich.


    Zum Zweiten Weltkrieg, weißt Du, ich wollte es den Lesern auch nicht so mit der Faust aufs Auge klatschen - diese trostlosen Zeiten, die da auf die Tater zukommen, und nicht nur auf sie. Die Tater sind insofern auch ein bisschen ein Symbol - deshalb sind sie in den Zinken und in der Märchenstruktur die Sterne. Die Sterne, von denen Mina im Abspann sagt, dass sie alle im Krieg vom Himmel gefallen sind.
    Na, jedenfalls, man kommt natürlich schon irgendwann zu entsprechenden Gedanken, so ging es Dir ja auch. Aber ich hoffe, die Hoffnung bleibt Dir trotzdem erhalten - dass sie alle nicht wirklich fort sind, meine ich.
    Abgesehen davon, auch gerade für jüngere Leser wollte ich es nicht so arg offensichtlich machen. ich erinnere mich, wie ich als Kind dieses wunderbare "Mond Mond Mond" gelesen habe, was unterschwellig auch sehr viel vom schrecklichen Los der Zigeuner handelt. Man kann das durch die Zeilen spüren, auch als Kind, und es hat mich sehr beunruhigt und traurig gemacht. Andererseits aber auch dazu geführt, dass ich einige Fragen gestellt habe. Und das ist ja eigentlich genau das Richtige!

  • Lilach, ich finde es total schön, dass du (wie du auch anfangs irgendwo geschrieben hast) Deinen Lesern etwas zutraust und sie auch ein bisschen forderst, nicht alles bis ins letzte Detail vorgibst und Raum für eigene Fragen, Gedanken (und Träume?) lässt!!

  • @ Seychella, hey, es ist schließlich EUER Kopf. Wir sind als Autoren nur zu Gast darin. Dürfen ein paar Anregungen geben und hoffen, dass Eure Träume und Vorstellungen sich damit verflechten und sie weiterweben, zu einem ganz eigenen Stoff. Damit die Geschichte in Euch LEBT und nicht nur eine Weile da liegt wie ein toter Fisch. ;-)

  • Ich habe das Buch nun auch gerade beendet, bin noch ganz erschüttert *seufz*


    "Bittersüß" kann ich nur unterschreiben... einerseits ein schönes Ende (Mina und Karol...), andererseits aber auch sehr sehr traurig - denn das Schicksal der Tater im 2. Weltkrieg steht ja noch bevor und lässt Minas Liebe kein glückliches Ende nehmen.
    Genauso bei den Schwänen: Ich freue mich für Minas Brüder, dass sie ihre Freiheit als Schwäne genießen können, doch ist es furchtbar, dass ihr Menschenleben so verwirkt ist. Und der kleine Peter überlebt zwar, doch richtig gesund kann er nie mehr werden.


    Zum Tod des Doktors: verdient hat er den Tod ja, und ich hatte auch das Gefühl, dass all den Schwänen nun endlich Gerechtigkeit widerfährt. Trotzdem fand ich sein Ende sehr grausam - gelernt hat er daraus bestimmt nichts. Allerdings kann er nun auch keinem Kind mehr Schaden antun.


    Interessiert hätte mich noch die erste Begenung zwischen Mina und ihren Eltern, als sie wieder nach Hause kommt. Wie sind die Eltern mit ihrer erwachsen gewordenen Tochter umgegangen? Für ein 14jähriges Mädchen wird es damals nicht leicht gewesen sein, sich gegen die Gutbürgerlichkeit der Eltern durchzusetzen. Wie hat Minas schwache Mutter dies wohl aufgenommen? (es wird ja angedeutet, dass Mina es nicht leicht hatte, ihr Liebe zu Karol durchzusetzen, da wird es wohl noch einige Probleme mehr gegeben haben...)


    Wie lange war Mina denn jetzt eigentlich weg? Mir kam es schon wie ein paar Wochen vor, aber im Buch wird ja von "Tagen" gesprochen... allerdings könnte die Zeit für Mina auch einfach nur wie im Fluge vorbeigegangen sein, so dass es sich für sie viel kürzer angefühlt hat?!


    Am letzten Kapitel hat mir sehr gut gefallen, dass wir noch einmal zu Großmutter Mina zurückkehren und erfahren, was aus all den Leuten geworden ist - da hat sich der Bogen für mich geschlossen.
    Dass Minas Tochter es nicht immer leicht mit ihrer Mutter gehabt hat, ist inzwischen auch deutlich geworden. Nun kann ich auch ihre abwehrende Haltung gegenüber Minas Geschichten im ersten Kapitel viel besser verstehen - es muss sehr anstrengend gewesen sein, ein Leben lang von diesen Fabelwesen zu hören, sie aber doch nie sehen zu können. Aber dies wird sich ja vielleicht ändern?


    So ihr Lieben, morgen geht es für mich in den Urlaub und ich bin erstmal abgeschnitten vom Internet. Am kommenden Mittwoch bin ich aber wieder da und ganz gespannt, was ihr bis dahin alles so geschrieben habt! Ich hoffe ja, über die Feiertage finden noch einige Zeit zum Lesen, so dass hier noch mehr diskutiert wird ;-)
    Ich werde auch noch ein bisschen über das Buch nachdenken, vieles muss sich, glaube ich, erst einmal setzen - wie gesagt, bin irgendwie immer noch ganz dabei und von Mina gefangen genommen... mit ein bisschen mehr Abstand diskutiert es sich dann auch wieder leichter ;-)


    Lasst es euch gutgehen, Eure Bücherdiebin

  • @ Bücherdiebin, ja, das Ende des Doktors ist wirklich grausam, er tut mir selbst ein bisschen leid. Aber es musste ein richtiges "Märchenende" für den "Bösen" geben, nicht? Und Märchen sind halt grausam. Man muss ja auch mal ein richtiges Statement abgeben und nicht immer nur "wischiwaschi, alle hatten eine schwere Kindheit, war ja nicht böse gemeint, usw. etc. pp." ...


    Zu Minas erstem Wiedersehen mit ihren Eltern: ich hatte das tatsächlich mal vorgesehen, ein Teil war auch schon geschrieben. Aber es hat sich letztlich als verzögernd herausgestellt. Man muss das Buch irgendwann einfach wirklich enden lassen, so schwer es einem auch fällt. Deshalb kam es wieder raus. Aber: leicht war's bestimmt nicht, das sehe ich auch so.


    Wie lange sie weg war? Ich denke, wirklich nicht so ewig, maximal zwei Wochen oder so. Natürlich kommt es einem viel länger vor, weil ja einiges passiert, aber eigentlich vergeht gar nicht so viel Zeit.


    So, viel Spaß im Pfingsturlaub!

  • Alle Achtung, am Ende konnte man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Ich zumindest nicht ;)


    Das Ende gefällt mir insgesamt sehr gut, kein reines Happy-End, aber definitiv ein schöner Ausgang für die Geschichte. Auch klasse, dass es mit einer tanzenden Mina aufhört - das passt einfach zu ihr und zeigt, dass sie trotz aller Strapazen doch nicht zerbrochen ist.
    Bücherdiebin: Minas Verhältnis zu ihren Eltern hätte mich auch interessiert, allerdings eher ihre Reaktion und ihr Verhalten nach ihrer Rückkehr: Immerhin ist sie einfach weggelaufen und mit Sicherheit hatte der Doktor auch Schauermärchen von ihrer Verrücktheit erzählt. Da wundert es mich dann doch ein bisschen, dass ihre Eltern sie einfach wieder akzeptiert haben.
    Lilach: Andererseits hast Du natürlich Recht, die eigentlich Geschichte muss mit Minas Rückkehr enden. Immerhin geht es auch nur um ihre Reise und Erlebnisse. Aber interessiert hätte es mich trotzdem - zum Heiratswerben Karols erfährt man ja auch einiges im Epilog.


    Klasse fand ich übrigens die paar koketten Bemerkungen Minas - bei dem Pferdekommentar musste ich glatt loslache ;) Da sieht man schön, wie sie sich weiterentwickelt hat.
    Nur das mit dem goldenen Schlüssel habe ich nicht ganz verstanden: Für ihre eigentliche Reise hat er Mina de facto nichts gebracht (ich war auch davon überzeugt, dass er die Glastüren öffnet und genau wie Mina ziemlich überrascht, als er es nicht tat), richtig? Und am Ende gibt ihn ihr Karol sozusagen als Unterpfand dafür, dass er auf sie warten wird?


    Was das Ende des Doktors angeht: Eigentlich kam nur sein Tod in Frage. Er hätte Mina mit Sicherheit nicht einfach in Ruhe gelassen, besonders nachdem sie die anderen befreit hat. Und dass die Schwäne die Ausführenden sind ist saubere ausgleichende Gerechtigkeit. Bei der Szene musste ich auch unwillkürlich an das Letzte Einhorn denke: Da wird die böse Hexe letztendlich auch von der Harpye getötet, die sie jahrelang gefangen gehalten hatte.
    Und ähnlich ist es mit dem Doktor: Mal ganz davon abgesehen, was er den Kindern angetan hat, das ist schlimm genug. Aber seine Begründung, warum er die Schwäne eingesperrt hält ist doch wohl lächerlich >:(


    Ansonsten muss ich das Ende erst einmal wirken lassen.
    Einerseits passt es absolut - ein reines Happy-End wäre aufgesetzt gewesen und nicht sehr realistisch. Andererseits kommen Karol und Mina zusammen und haben eine glückliche Zeit miteinander. Und ich schätze, dass gerade die Tater in der Lage sind, die Zeit, die sie haben, gut zu nutzen und voll auszuleben. Insofern bereut Mina mit Sicherheit nichts... Und Karol ist nun mal der Taterkönig, mit der Verantwortung, die damit einhergeht - zumindest würde ich das so verstehen. Er kann einfach nicht nichts tun...
    Andererseits... fällt mir gerade nichts ein ;) Es führt einem noch einmal ganz besonders vor Augen, was in der Geschichte alles schlimmes passiert ist, wenn liebgewonnene Charaktere es durchleiden müssen. Aber ich fand es sehr positiv, dass es nicht detailliert beschrieben wurde, sondern nur andeutungsweise erzählt wurde. Das erlaubt dem Leser finde ich auch, sich eher auf den positiven Ausgang der Geschichte zu konzentrieren, als auf die schlimmen Zeiten, die danach noch kamen.

    Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.

  • Dies ist nun der letzte Abschnitt...


    Mina zerstört unter all ihr zur Verfügung stehenden Kräfte den Glaskäfig und befreit die Schwäne ! Dabei verliert sie das am Anfang erwähnte Fingerglied ihres Ringfingers....Ist das vielleicht der Preis den sie an das Wasser zahlen musste ?


    Und noch immer weiss ich nicht genau, was der Doktor da eigentlich gemacht het. Hat er die Seelen der Kinder in die Schwäne "verpflanzt", mal lax ausgedrückt ;D ? Weil der kleine graue Schwan, der doch Peter sein sollte, hat das Kind Peter, doch wieder erwachen lassen, oder ? War er vielleicht vorher ohne Seele und bei dem Kontakt Schwan/Peter ist die Seele wieder in den Kinderkörper zurück geschlüpft, oder so ähnlich ?
    Und als die Schwäne, die Minas Brüder waren, wegflogen, starben die beiden Brüder in den Betten....Das war sooooo traurig, ach Lilach, wie schön du das geschrieben hast. Mir kamen hier richtig die Tränen :'(


    Als Mina dem Wasser dann nochmals alles anbot, um Karol zu erwecken, hab ich mich kurz gefragt : Was kommt jetzt ? Aber ich war froh darüber, dass das Wasser nichts mehr von Mina wollte und ihr den Taterkönig am Leben erhielt. Sehr schön fand ich die Stelle, wo er ihr vernünftiger Weise sagte, warte und lass uns die Probleme klären, dann können wir zusammen sein. Klingt in meinen Worten zwar überhaupt nicht schön, aber im Buch fand ich es ganz toll :D


    Sehr gerührt hat mich am Ende auch die Stelle, wo Minas Tochter ihrer Mutter zu vergeben schien und versuchte sich auf die Geschichte ihrer Mutter einzulassen. Offenbar hat sie ihren Vater nie kennen gelernt, weil der im Krieg umgekommen war...Sie war ein letzter Gruß...Sehr hübsch, Lilach !


    Am Anfang hatte ich meine Schwierigkeiten, die zum Glück in der zweiten Hälfte des Buches besser wurden. Das schöne Ende hat mich mit dem schwierigen Anfang versöhnt :)

  • @ simmilu, Du hast doch alles ganz richtig verstanden! Nur, der Doktor hat die Kinderseelen nicht in die Schwäne "gehext" oder so, sie haben sich halt dahin geflüchtet, nicht? Weil sie doch besondere Fähigkeiten haben/hatten, so wie Mina, und die Quälereien so leichter ertragen konnten.


    Was den Finger angeht, nun, das ist wieder eine Referenz an das Grimmsche Märchen - da muss die Schwester, die ihre Brüder sucht, den Glasberg mit einem "Fingerknöchelchen" aufschließen. Insofern, ja, es ist halt das letzte große Opfer, das Mina bringen muss.


    @ Llyren, zum Schlüssel, naja, es ist ein kleines Augenzwinkern dabei, wenn Du so willst: Natürlich "nützt" er am Ende doch etwas, denn Mina und Karol lassen irgendwann ihre Eheringe aus ihm herstellen - im Epilog gibt es einen kleinen Hinweis darauf. Der Schlüssel führt Mina in diesem Sinne wirklich zu einem "Schatz", zu dem, was sie tatsächlich gesucht und gebraucht hat, ohne es so genau zu wissen: eine Familie. Und weil ihre Familie nun mal kaputt ist bzw. die Brüder nicht wieder lebendig werden können, muss sie eben eine eigene Familie gründen - mit Karol. Das ist ihr "Schatz", und dafür hat sie den Schlüssel bekommen, wenn man so will.
    Das Augenzwinkern besteht darin, dass Karol sagt, der Schlüssel wäre ja im Prinzip nie mehr als ein Zeichen, ein Symbol gewesen. Das sind ja letztlich all diese Dinge in Märchen, all diese magischen Gegenstände etc - nur Symbole. Und Karol erinnert den Leser kurz daran, deshalb das Ganze nicht zu wörtlich zu nehmen, sondern eben hinter diese Symbole zu schauen. Nu ja, so hatte ich es mir jedenfalls gedacht ;-)


    Es freut mich dolle, Ihr beiden, dass Ihr Euch mit dem Buch dann doch gut vertragen habt!!!

  • Lilach : Das ist ja noch schlimmer, als in Schwäne verhext zu werden - die Seelen flüchten sich, weil sie das Leid so besser ertragen können....wie furchtbar :'( :'(
    Ich bin auch ganz froh darüber, das ich letztendlich doch noch Zugang zu deiner schönen Märchenwelt erhalten habe. Dank deiner tatkräftigen Unterstützung ! Hat viel Spaß gemacht mit dir, danke :-*

  • @ simmilu, naja, es ist schon furchtbar, aber so hatten sie doch wenigstens innerlich eine Art Ausweg ... - Ansonsten, da nicht für, habe doch sehr gerne geholfen! Und mich arg gefreut, dass Du trotz Anfangsschwierigkeiten noch so super mit eingestiegen bist.


  • @ Llyren, zum Schlüssel, naja, es ist ein kleines Augenzwinkern dabei, wenn Du so willst: Natürlich "nützt" er am Ende doch etwas, denn Mina und Karol lassen irgendwann ihre Eheringe aus ihm herstellen - im Epilog gibt es einen kleinen Hinweis darauf. Der Schlüssel führt Mina in diesem Sinne wirklich zu einem "Schatz", zu dem, was sie tatsächlich gesucht und gebraucht hat, ohne es so genau zu wissen: eine Familie. Und weil ihre Familie nun mal kaputt ist bzw. die Brüder nicht wieder lebendig werden können, muss sie eben eine eigene Familie gründen - mit Karol. Das ist ihr "Schatz", und dafür hat sie den Schlüssel bekommen, wenn man so will.
    Das Augenzwinkern besteht darin, dass Karol sagt, der Schlüssel wäre ja im Prinzip nie mehr als ein Zeichen, ein Symbol gewesen. Das sind ja letztlich all diese Dinge in Märchen, all diese magischen Gegenstände etc - nur Symbole. Und Karol erinnert den Leser kurz daran, deshalb das Ganze nicht zu wörtlich zu nehmen, sondern eben hinter diese Symbole zu schauen. Nu ja, so hatte ich es mir jedenfalls gedacht ;-)


    Das mit den Eheringen muss ich glatt noch mal nachlesen :lesen: ;)
    Und das mit der Familie lasse ich mir eingehen... ;) Und als Symbol macht er ja durchaus auch Sinn.

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  • Der letzte Abschnitt hat mich ja ziemlich aufgewühlt zurückgelassen, besonders am Ende der Tater habe ich noch zu knabbern. :'( Das ist umso schwerer, wenn man sie so liebgewonnen und einfach viele sehr lebendige Bilder von ihnen im Kopf hat. Andererseits passt es aber auch zu der Geschichte, die für mich neben dem märchenhaften auch viel reales hatte - was sich spätestens im Nachwort dann ja auch bestätigt hat.


    Mina befreit die Schwäne, indem sie das Glashaus zerstört - der Schlüssel des Schlangenkönigs will nicht passen! Diese Szene hatte für mich eine ganz eigene Atmosphäre, man spürt den Schmerz, die umherfliegenden Glassplitter und die einsetzenden Zerstörung sehr intensiv. Und wo erst nur wenige Schwäne waren, fliegen auf einmal sehr viele weg - alle Schwäne, die es gibt. Waren "unsere" Schwäne Symbole für alle - besondere Schwäne, die für viele standen?


    Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, lösten sich die Seelen von den gequälten Körpern und verbanden sich mit den Schwänen, die ganz in ihrer Nähe waren. Nachdem Peters Seele wieder in seinem Körper war, löste sich der kleine graue Schwan ja auf - darüber grübele ich noch ein wenig nach. Waren sie so verbunden, dass nur einer von ihnen überleben kann? Oder ist das einfach ein Symbol? Es ist eine schöne Vorstellung, dass Peter noch viele glückliche Momente hatte, bevor er so früh gestorben ist. Vielleicht hatte er ja sogar mehr davon, als manch einer der länger lebt aber nicht glücklich ist?


    Die vertrockneten Feenblumen haben mich ja völlig kalt erwischt, irgendwie hatte ich nach der Befreiung der Schwäne darauf gehofft, dass Karol wieder mehr Kraft haben würde. Aber Mina kämpft um ihn, und diese Szenen haben mich sehr berührt. Und auch um die Hochzeit mit ihm, als sie ihre Reise zu Hause beendet. 10 Jahre, was für eine lange Zeit - wieviel Stärke und Kraft man dafür haben muss! Die beiden haben eine glückliche und sicherlich sehr intensive Zeit, bevor es dunkler wird und Karol schließlich gehen muss, um seinem Volk im Zweiten Weltkrieg zu helfen. Hoffnungslos, wir kennen ja das Ende... Alle Sterne sind vom Himmel gefallen. :'(


    Minas Tochter kennt ihren Vater, die Tater und den Wald nicht. Nur die Geschichten... Aber sie könnte die Feenblumen sehen und in den Wald gehen, wenn sie es wirklich will. Und da sie nun ihren Frieden mit ihrer Mutter gemacht hat, könnte das ja durchaus passieren...
    Der Schlüssel des Schlangenkönigs hat doch noch eine große Bedeutung bekommen, wenn auch ganz anders als gedacht. Er hatte also doch recht, irgendwie - und Mina hat so auch ihren Schatz gefunden. :)
    Die letzte Szene fand ich sehr schön - so offen, dass sich jeder selber ausmalen kann, wie Mina "geht". Und wer sie abholt... Ein sehr stimmiges Ende, das perfekt zum Buch passt und einen sehr runden Eindruck hinterlässt!

  • Hallo ihr Lieben,


    jetzt hatte ich gerade eine schön lange Antwort geschrieben, dann eine falsche Taste erwischt und alles war wieder weg. :'( Zuersteinmal muss ich mich entschuldigen, weil ich mich erst jetzt wieder melde, aber der Umzug hat doch sehr an meinen Nerven gezerrt und die letzten Tage/Wochen waren etwas ... anstrengend. :(


    Deswegen bin ich auch erst gestern mit dem Buch fertig geworden. Leider war mein Eindruck vom Ende dadurch, dass ich die letzten Abschnitte mit großen Unterbrechungen gelesen habe, nicht so intensiv, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich glaube, das Schwänchen ist ein Buch, das man an einem Wochenende in einem Rutsch durchlesen muss, damit es seine volle "Wirkung" entfaltet. Und man muss sich ganz drauf einlassen, mehr als auf andere Bücher, was mir vor allem beim letzten Abschnitt durch die Umstellung im realen Leben doch irgendwie schwer gefallen ist.


    Nichtsdestotrotz hat mich das Ende wirklich sehr mitgenommen. Auch wenn ich kein Fan von Hollywoodenden bin, wünsche ich mir doch trotzdem irgendwie immer einen guten Ausgang. Und auch wenn es viele positive Aspekte gab, wie zum Beispiel, dass Mina Karol tatsächlich heiraten durfte, dass Peter ein glückliches, wenn auch kurzes Leben, haben durfte und dass Mina sich am Ende mit ihrer Tochter versöhnt, war ich am Schluss einfach nur noch traurig. Irgendwie hatte ich auch verdrängt, dass zwischen Minas Suche nach den Schwänen und dem Prolog ja der zweite Weltkrieg stattfand und die Tater davor wohl auch nicht verschont bleiben konnten... :'(



    Der Schlüssel des Schlangenkönigs hat doch noch eine große Bedeutung bekommen, wenn auch ganz anders als gedacht. Er hatte also doch recht, irgendwie - und Mina hat so auch ihren Schatz gefunden.


    ... und erst nachdem ich das hier gelesen habe, ist mir das mit dem Schlüssel so richtig aufgegangen. Die ganze Zeit hab ich rumgerätselt, was er denn für einen Sinn hat, wenn er nicht einmal die Tür zum Schwanenhaus aufschließen kann...
    Wie Mina und Karol am Anfang nur gleichzeitig sprechen können, das hat mich sehr berührt, irgendwie - eine wunderschöne Szene. *seufz*


    Was mir auch noch aufgefallen ist (ich weiß leider nicht mehr genau, ob das im vorletzten oder letzten Abschnitt war :-[ ), ist die Ironie, dass der Doktor in dem Augenblick, in dem er seine Brille verliert, auch seine gesamte Macht einbüßt, irgendwie. Die spiegelnde Brille war ja vorher die ganze Zeit über ein Ausdruck seiner Macht und Überlegenheit gewesen, weil die Hunde ihn an ihr erkannten und man ihm nie richtig in die Augen sehen konnte. Sobald er sie verliert, ist er jedoch verwundbar und kann Mina nicht mehr aufhalten - er sieht sie ja nicht einmal mehr.



    Mina befreit die Schwäne, indem sie das Glashaus zerstört - der Schlüssel des Schlangenkönigs will nicht passen! Diese Szene hatte für mich eine ganz eigene Atmosphäre, man spürt den Schmerz, die umherfliegenden Glassplitter und die einsetzenden Zerstörung sehr intensiv. Und wo erst nur wenige Schwäne waren, fliegen auf einmal sehr viele weg - alle Schwäne, die es gibt. Waren "unsere" Schwäne Symbole für alle - besondere Schwäne, die für viele standen?


    Das ist mir auch aufgefallen, dass es auf einmal so viele waren...


    Und die Stelle, als das Glashaus über Mina einstürzt - da hab ich echt den Atem angehalten, das war sehr bildhaft und spannend geschildert! Und grausam, vor allem das Ende des Doktors... auch wenn er es vielleicht nicht besser verdient hat...


    LG,
    Sookie

  • Sookie,
    mir hat der Doktor auch leid getan - aber es musste eben auch gerecht zugehen, gerade, weil es ja eine Art Märchengeschichte ist. Das half nun alles nix. Und wenn man sich überlegt, was aus den kruden Hirnen solcher Leute wie dem Doktor später noch alles Fürchterliches erwachsen ist - dann schwindet auch das Mitleid ein bisschen. Bei mir jedenfalls ...

  • So, nun bin ich auch durch ...


    Das Ende, das nicht ganz so happy ist, ist schon passend.


    mir hat der Doktor auch leid getan - aber es musste eben auch gerecht zugehen, gerade, weil es ja eine Art Märchengeschichte ist.


    Ich finde ja nicht, dass der Tod eine gerechte Strafe ist, aber im Märchen ist das eben so. Das Ende des Doktors war für mich daher sehr stimmig und ich habe nichts anderes erwartet. Gerecht, finde ich, wäre es gewesen, wenn er erkannt hätte, was er getan hat und darüber so verzweifelt wäre, dass er in seiner eigenen Anstalt gelandet wäre und für den Rest seines Lebens Papierblumen gefaltet hätte ...
    Das Ende für die Schwäne/die Brüder fand ich traurig, aber sehr stimmig. Und der kleine Peter ist ja zu seiner Mutter zurückgekehrt! Wie gut! Schön fand ich auch das Bild der Schwäne, die Mina stützen und ihr auf ihrem Weg helfen, weil sie einfach nicht mehr kann.
    Aber warum müssen sie noch einmal durch die Unterwelt? Ich hätte es völlig passend gefunden, wenn durch die Zerstörung des Schwanenhauses auch das Tor gesprengt worden wäre. Beim Lesen fand ich den Weg zurück durch das Reich der Unterirdischen ein wenig zu lang und auch nicht so einleuchtend, denn Mina, Peter und eine Menge Schwäne werden doch Krach machen ... Im Nachhinein finde ich allerdings, dass es eben doch sehr gut passt. Was hast Du Dir dabei gedacht, Lilach?
    Es schön beschrieben war die Szene, wie Mina feststellt, dass sie wieder eine Stimme hat und dann dass sie auch wieder lächeln kann.
    Dass Karol noch gerettet werden muss, fand ich wunderbar. Er hat sie gerettet und nun rettet sie ihn. Das ist eine gute Voraussetzung für eine gleichberechtigte Beziehung. Der Prinz, der von der Prinzessin gerettet wird, ist eine Geschichte, die viel zu selten erzählt wird. Allerdings habe ich ganz fest mit dem Dornröschenkuss gerechnet. Das ist ein so klassisches Märchenmotiv! Da war es fast ein wenig enttäuschend, dass Mina "nur" den Schlüssel küsst. Diese Szene ohne Schlüssel - was für ein wunderbarer erster Kuss!


    Das Augenzwinkern besteht darin, dass Karol sagt, der Schlüssel wäre ja im Prinzip nie mehr als ein Zeichen, ein Symbol gewesen. Das sind ja letztlich all diese Dinge in Märchen, all diese magischen Gegenstände etc - nur Symbole. Und Karol erinnert den Leser kurz daran, deshalb das Ganze nicht zu wörtlich zu nehmen, sondern eben hinter diese Symbole zu schauen. Nu ja, so hatte ich es mir jedenfalls gedacht ;-)


    Es stimmt natürlich, dass die Dinge in Märchen Symbole sind, aber gleichzeitig funktionieren sie auf der Erzählebene eben auch als "echte" Gegenstände. Warum war der Schlüssel, der eigentlich nichts aufschließt, nicht von Anfang an ein Ring?


    Vielleicht liegt es daran, dass ich das Buch so sehr "zerstückelt" gelesen habe, aber ich fand den Epilog fast ein wenig lang. Natürlich ist es schön, dass alle Fäden des Prologs wieder aufgenommen und zu einem Ende geführt werden, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr finde ich, dass es zu viel weitere Informationen gibt. Es sind natürlich nur Anspielungen, aber in meinem Kopf waren sehr schnell viele Bilder vom Krieg, von den Zwangsarbeitern in Schleswig-Holstein, von den Schlachtfeldern der Weltkriege, von den Vernichtungslagern, in denen unzählige "Fahrende" umgebracht wurden. Und momentan überwiegt deutlich die Bitterkeit über die Süße, wenn wir bei "bittersüß" bleiben wollen. Und das ist schade, denn diese nur allzu realen Schrecken vernichten auch bei mir - und eben nicht nur in der Geschichte - den Zauber.
    Mal sehen, wie ich das in ein paar Tagen finde, wenn es noch etwas mehr gesackt ist.


    Das Nachwort fand ich sehr schön. Ich liebe es, wenn in phantastischen Romanen am Ende noch einmal auf das, was auch in der Realität wahr ist, hingewiesen wird. Und das hier war sehr informativ und auch recht ausführlich. Nur bei den Sagen hätte ich mir vielleicht ein bisschen mehr Infos gewünscht, aber da gibt es dann ja immer noch Lilachs Blog.

  • Naja, mit dem Schlüssel ... Es kann auch in Märchen nicht immer alles genau so sein, wie man es erwartet, finde ich. Und der Schlangenkönig ist nunmal eine Schlange, es hätte nicht zu ihm gepasst, Mina zu etwas zu verhelfen, was ihr so direkt hilft. Übrigens sollte der Schlüssel ganz ursprünglich mal eine kleine goldene Wiege sein; so ist es, wenn ich mich richtig erinnere, auch in einer der alten Sagen. Die sollte dann nachher, im Epilog, in Oma Minas altem Puppenhaus stehen. Aber mit dem Schlüssel war es doch wesentlich praktischer und naheliegender ;-)

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen