04: Seite 148 (Fortsetzung) bis Ende

  • Hier könnt Ihr von Seite 148 (ab Regieanweisung) bis zum Ende des Buches schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

    :lesen:   [size=2]"Wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen." Marcus Tullius Cicero[/size]

  • Ich muss sagen, dass ich den letzten Abschnitt leider enttäuschend fand, der Unterhaltungswert war gering. Ich hätte spektakuläreres erwartet...


    Auch theologisch fand ich es schwach. Gott liebt uns alle und vergibt uns alles und wird uns nie verstoßen... Naja...


    Außerdem wird dadurch ja auch ein Großteil dessen, was der Teufel vorher erzählt obsolet...

  • lieber originaldribbler. deine enttäuschung in allen ehren! :-) tut mir natürlich leid! - auch, weil du offensichtlich den "kern" (die letzte wendung) vollkommen übersehen, bzw. nicht für wichtig erachtet hast.... (?) ich erlaube mir hier also für alle weiterlesenden darauf hinzuweisen, dass das was du da beschreibst keinesfalls das eigentliche ende ist.

  • Meinst du den Teil, dass der Mensch noch daran scheitern könnte, diese - sehr leicht zu bekommende Erlösung - anzunehmen? Oder das der Teufel die Vergebung der Menschen benötigt?

  • ja, auch das ist beides darin enthalten. aber braucht der teufel das wirklich? die frage, die bleibt lautet ja: was wollte er denn nun eigentlich? und was hat das mit uns zu tun? was bedeutet das für die, die sich "christlich" nennen? und ist dieser frieden, der in dem liegt, was der teufel den menschen (oder dem menschen?) erklärt hat, tatsächlich so leicht zu bekommen? vielleicht sollten wir die anderen hier erst noch zuende lesen lassen... ;)

  • Das Finale: der Teufel gibt nun seine Version des Neuen Testaments zum besten - und wie er sich an Jesus die Zähne ausgebissen hat, aber in seiner Umgebung gute Angriffpunkte fand. Dann seine große Niederlage, wie Jesus am Kreuz allen vergibt, die ihn dorthin gebracht haben. Das deutet der Teufel als Generalamnestie für alle Menschen zu allen Zeiten. Daraus sollte eigentlich eine große Befreiung bei den Menschen resultieren. ( Dazu fällt mir das Nietzschezitat "Die Christen müssten erlöster aussehen" ein, ein Satz, an dem meiner Ansicht nach viel Wahres dran ist.)
    Gottes Vergebung und Liebe gilt allen - bis auf den Teufel, also frage ich mich (wie Kolbach auf S. 183) was er denn von seiner Interviewaktion hat - vielleicht hofft er letztlich doch auf Vergebung und Dazugehören-Können? Ist mir nicht ganz klar geworden... Was meint ihr anderen?


    Klasse finde ich die Szene mit dem psychiatrischen Notdienst, der Schmelzer sucht und man als Leser/Zuschauer vermutet, er suche den Teufel. Das Verhalten von Katie Meggle kann ich allerdings nicht nachvollziehen.


    Die Schlussrede Kolbachs ist wie eine Predigt gestaltet und für mich ein stimmiger Abschluss des ganzen Buchs/Stücks. Ein Buch/Stück, das auf originelle Art eine große Botschaft rüberbringen möchte - Gefällt mir!


  • Gottes Vergebung und Liebe gilt allen - bis auf den Teufel, also frage ich mich (wie Kolbach auf S. 183) was er denn von seiner Interviewaktion hat - vielleicht hofft er letztlich doch auf Vergebung und Dazugehören-Können? Ist mir nicht ganz klar geworden... Was meint ihr anderen?


    Ich verstehe es so: der Teufel erklärt den Menschen, wie leicht es für die Menschen ist Erlösung zu erlangen und möchte im Gegenzug Vergebung von den Menschen. Er hofft. dass die Menschen die Erlösung annehmen und ihn daran teilhaben lassen ("doppelt"). Aber er riskiert auch, dass die Menschen die Erlösung annehmen und ihn nicht teilhaben lassen ("oder nichts").




    Ein Buch/Stück, das auf originelle Art eine große Botschaft rüberbringen möchte - Gefällt mir!


    Ich hoffe, Jens nimmt es mir nicht allzu böse, aber für mich ist es eher eine Botschaft, die sich in zu wenig Stück versteckt.


    Um das zu erklären: für ein Stück mit einer Botschaft, hat es einfach zu wenig Handlung und für eine reine theologische Schrift zu viel Rahmenhandlung. Beide Varianten hätte ich persönlich besser gefunden. Als diese - aus meiner Sicht - ungünstige Mischung. Der Anfang war stark, weil die Mischung da besser war, danach hat es aus meiner Sicht nachgelassen... (Aber das ist ja eigentlich schon Fazit und gehört hier eigentlich gar nicht rein...)

  • Ich hatte irgendwie ein wenig Angst, daß der Teufel sich um das Neue Testament herumdrückt. Nun wird es besprochen. Ich muß sagen, ich finde es ziemlich virtuos, wie Jens da um die einzelnen theologischen Schlaglöcher herumkurvt. Dabei folgt er - im Groben - dem Lukasevangelium.
    Der Teufel entwirft eine Allversöhnunglehre, der ich mich in weiten Teilen auch verpflichtet fühle. Es ist - rein begriffsmässig - schwerlich vermittelbar, wenn der allverzeihende, allwissende Allmächtige Teile seiner geliebten Schöpfung von Ewigkeit her zur Verdammnis verurteilt hätte.
    Gott muß, um das freie Ego des Menschen zu verstehen, sich selbst eins schaffen und überwinden. Anschließend inkarniert er dieses Ego, um das menschliche Leid verstehen und vergeben zu können. Das könnte so aus der Hegelschen Religionsphilosophie stammen, stammt aber wohl aus Jens eigenem Hirnkasten. Das ist eine elegante Argumentation, Respekt. Das Einzige, was mich daran wirklich nachhaltig stört, ist der Läuterungsgedanke. "Getretener Quark wird breit, nicht stark" heißt es bei Goethe und so verzichte ich gerne auf die Läuterung durch ein wie auch immer geartetes Purgatorium, wenn ich die Erlösung haben kann, derer ich bedarf. Wenn ich meinen Schwächen nach geläutert würde, bliebe von mir nicht mehr viel übrig. Erlösung vom Bösen (in mir) und Vergebung - das ist es, worum im Vater Unser gebeten wird.
    Und am Ende bittet der Teufel um Vergebung. Das passt: Am Tag der Entscheidung wird die Hölle leer sein.
    Wenn wir den Teufel als Metapher für das Böse in uns nehmen, wird auch psychologisch ein Schuh draus. Der Teufel ist keine eigene Person, sondern unser persönlicher Anteil am Übel dieser Welt, unser Schatten. Manchmal ist halt der Nächste, den wir lieben sollen wie uns selbst, die Nase, die uns aus dem Spiegel anschaut. Diesem Menschen zu vergeben ist eben auch sehr schwer. Manch einer würde eine Läuterung im Fegefeuer vorziehen.(Das wäre auch einfacher).
    Dementsprechend will zwar Janine ganz spontan den Teufel trösten, aber Kolberg schafft es nicht sich dahingehend zu überwinden, daß er dem Teufel vergibt. Ist vielleicht etwas viel verlangt.
    Der Teufel vegleicht sich ja auch mit dem verlorenen Sohn, der im Schweinkoben liegt (nicht -trog, wie im Text). Wir wissen aber auch, wie Jesus das Gleichnis zu Ende geführt hat.


    Ein wenig enttäuscht war ich über die Szene mit dem Irrenarzt. Wieso wunderte sich Schmelzer eigentlich darüber das der Scheck nicht gedeckt war? Sind denn die Versprechungen des Teufels anders als hohl? Diese Erfahrung könnte läuternd auf Herrn Schmelzer wirken ;-) Deshalb hätte der Teufel in seinem Sinne gehandelt, wenn er den Scheck gedeckt hätte.
    Der Abgang Teufel mit Trine ist ganz stimmig: Der Böse hat alles, was sich Otto Normalverbraucher wünscht: Reichtum, Luxus, Frauen (die sich selbst als besitzbaren Gegenstand sehen). Aber ihm fehlt das, was er wirklich braucht: Vergebung und vorbehaltlose Zuwendung.


    Ich muß sagen, daß ich das ganze Stück als rein christliche empfinde. Die verweise auf andere Religionen bleiben zu oberflächlich. Das ist - im Stück - durch die Wahl des Ortes zu erklären, denn er war in einem Ort in der deutschen Provinz, wo es keine starke jüdische Gemeinde gibt, so daß durchaus erklärbar ist, warum nicht ein Jude bei der Pressekonferenz war... und auch kein Muslim.
    Einem Juden oder Muslim ist auch die hier getriebene Jesusmystik nicht verständlich. Das ist ja auch nicht schlimm. Es handelt sich beim Interview mit dem Teufel eben um einen innerchristlichen Beitrag - und um keinen, der über die Grenzen des Christentums hinausweist.

  • Hallo,


    ich habe das Stück schon seit 2 Tagen beendet, aber ich bin mir nicht schlüssig, was den Schluss angeht. Ich muss ehrlich zugeben ich habe "mehr" erwartet - der Schluss war für mich eher kurz und unspektakulär. Nun ich fühle mich ein wenig wie so ein "dummes Frauenzimmer", weil für mich die Botschaft nicht so richtig rüberkommt.


    Der Teufel bittet um Vergebung, das ist wohl die Kernaussage - hm. Mir fehlt da ein wenig die "Emotion" in dieser Botschaft, ich kann mich nicht hineinfühlen in des Teufels Sehnsucht und Hoffnung. Auch bin ich ein wenig verwirrt, denn es war doch immer die Rede davon, dass Liebe nicht ohne ihr Gegenstück existieren kann, d.h. das Böse wird es immer geben - und wir sind dann großherzig und gut, weil wir trotzdem vergeben?!
    Das ist so mein Fazit, aber ist es das wirklich?


    Die Szene mit den Notfall-Psychiater hat mir auch nicht so recht Gefallen, die Idee ihn als Spannungselement einzusetzen ist zwar OK, aber ich für meinen Teil hätte auch ohne ihn Leben können. Die Ungewissheit wäre nicht anders gewesen. Und das Schmelzer nun gleich "durchdreht" wegen des Schecks fand ich eher unplausibel.


    Ich fand das Ende ein wenig schade, aber es ist bei dieser Art von Buchthema oft so - vllt. erwarte ich einfach zu viel. Also bitte nicht persönlich nehmen, im Fazit für das Ganze fällt es auch weniger negativ aus. Rundum hat es mir ja doch recht gut gefallen.


    Viele Grüße
    schokotimmi

  • Hallo Ihr Lieben,



    ich habe das Stück schon seit 2 Tagen beendet, aber ich bin mir nicht schlüssig, was den Schluss angeht. Ich muss ehrlich zugeben ich habe "mehr" erwartet - der Schluss war für mich eher kurz und unspektakulär. Nun ich fühle mich ein wenig wie so ein "dummes Frauenzimmer", weil für mich die Botschaft nicht so richtig rüberkommt.


    Da kann ich nur sagen: :five: Mir geht es genauso. Ich habe das Buch auch schon seit 2 Tagen beendet und grüble darüber, was ich jetzt schreiben soll. Der Gedanke, dass sich damit ja nur bestätigt, dass Frauen die Botschaft des Teufels nicht begreifen können, ist mir auch schon gekommen! ::) :P ;D


    Insgesamt lässt mich das Ende auch etwas verwirrt zurück. Wenn ich es richtig verstanden habe, sehe ich es wie du schokotimmi: Der Teufel hofft auch Vergebung, da den Menschen ja bereits von Gott durch Jesus vergeben wurde und sie somit nichts mehr falsch machen können, aber ihm diese Vergebung verwehrt bleibt? :-\ Aber wieso wendet er sich da von allen Menschen ausgerechnet an Kolbach? Oder möchte er, dass Kolbach seine Botschaft weiterträgt und alle Menschen dem Teufel vergeben? :-\


    Wie gesagt ich bin verwirrt. Über die Darstellung, dass nur ein Mann natürlich der beste Ansprechpartner des Teufels sein kann, bin ich auch immer noch nicht wirklich glücklich und die beiden weiblichen Darsteller sind einfach nur hirnlose Puppen geblieben, deren einziger Zweck ist, dass die eine dem Teufel die Nacht versüßt und die andere stellvertretend für alle Sünden der Menschen dastehen darf. Das erinnert mich ein bisschen zu sehr an die Auslegung der katholischen Kirche, wo auch die Frau die Wurzel allen Übels ist und der arme Mann ja nur leiden kann! ::)


    Insgesamt hat das Buch einige gute Denkanstöße, jedoch finde ich es schade, dass das Ende diese nicht wirklich zu Ende führt. Die große Wahrheit ist also, dass der Teufel nach Vergebung sucht? :-\



    Die Szene mit den Notfall-Psychiater hat mir auch nicht so recht Gefallen, die Idee ihn als Spannungselement einzusetzen ist zwar OK, aber ich für meinen Teil hätte auch ohne ihn Leben können. Die Ungewissheit wäre nicht anders gewesen. Und das Schmelzer nun gleich "durchdreht" wegen des Schecks fand ich eher unplausibel.


    Auch hier kann ich mich deiner Meinung komplett anschließen. Die Idee fand ich gut, an der Stelle brachte sie aber für mich keine große Aufregung mehr. Da wäre das Ganze weiter vorne vielleicht noch spannender gewesen, als der Teufel sich noch nicht so entblößt hatte... Dass Schmelzer wegen des ungedeckten Schecks durchdreht, konnte ich auch nicht so ganz nachvollziehen. Wenn dann doch eher, weil seine Frau ihn wirklich betrügt, oder? :-\


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

  • Hallo miteinander,


    die letzten Tage ging es bei mir etwas hektish zu, daher bin ich erst heute dazu gekommen, das Stück zu Ende zu lesen.


    Ich war ja schon gespannt, wann der Teufel endlich zum Neuen Testament kommt - und in diesem Abschnitt habe ich also das Leben Jesu aus der Sicht des Teufels zu sehen bekommen. Ich muss sagen, das fand ich sehr gekonnt gemacht. Und nachdem ich das Neue Testament auch wesentlich besser kenne als das Alte, konnte ich der Erzählung auch sehr gut folgen, ohne nochmal was nachlesen zu müssen.


    Interessant fand ich, dass der Teufel so eifersüchtig oder neidisch auf Jesus war. Er fühlt sich missachtet und ignoriert - und fällt in einen Rausch der Rache, die allerdings nicht süß endet, sondern mit einer noch viel größeren Enttäuschung. Mir erscheint diese Darstellung schlüssig, hier kann ich nachfühlen, wie sich der Teufel gefühlt haben mag.



    Das Einzige, was mich daran wirklich nachhaltig stört, ist der Läuterungsgedanke.


    Dem stimme ich zu! Woher kommt eigentlich die Meinung (die ich anderweitig auch schon gehört habe), dass eine Läuterung zwingend notwendig sein soll, um Gott zu finden/ihm nahe zu kommen/oder wie immer man es nennen will? Warum sollte es nicht möglich sein, dass dies ein Geschenk sein könnte und uns einfach so zufällt?


    Die Szene mit dem Arzt kam für mich auch etwas zu spät in dem Stück. Inzwischen glauben wir ja schon, dass der Teufel auch der Teufel ist. Zu einem früheren Zeitpunkt hätte sie mich eher zum Zweifeln gebracht. Trotzdem fand ich sie eine erfrischende Unterbrechung.


    Grüße von Annabas :winken:

    :lesen:   [size=2]"Wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen." Marcus Tullius Cicero[/size]

  • hallo ihr alle,
    so, bin mal wieder am schreibtisch und habe die letzten einträge und bemerkungen gelesen. und hab als erstes mal auf dem herzen, zwei dinge zu schreiben... also zunächst an die damen, die das gefühl haben durch die figuren in dem stück als "wenig schlau"gebrandmarkt zu sein: oh nein, oh nein! :) :unschuldig: es gibt keinerlei gedankengut dieser art in meinem schreiben! das war und ist natürlich nicht intention des ganzen. selbstverständlich hätte auch eine frau die heldin des stücks sein können. dass die reporterin katie meggle sich im zweiten akt so verhält, hat viel mehr mit psychologie zu tun, als mit frauenfeindlichkeit. und da komm ich auch schon zum punkt: am ende des ersten aktes eröffnet der teufel allen anwesenden wirklich erschütternde wahrheiten über deren leben. es gibt verschiedene möglichkeiten auf sowas zu reagieren, auch im richtigen leben. die meggle tritt aus überforderung die flucht nach vorn an. sie KANN sich ihren erschütternden wahrheiten nicht stellen, also geht sie in diese kranke offensive (und benimmt sich in noch stärkerem maß auf die weise, die der teufel ihr vorgehalten hat). ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kenne eine menge menschen, die das tun. natürlich hat das auch damit zu tun, dass der teufel sie so durchschaut hat und sie es weiß. sie kann vor ihm nicht wegrennen (innerlich), also schlägt sie sich mit allem was sie hat auf seine seite. das bringt mich direkt zu schmelzer. und der ist beileibe nicht deshalb "verrückt geworden", weil der scheck nicht gedeckt war! das wäre doch viel zu platt... er hat nicht verkraftet, was der teufel am ende des ersten aktes über ihn sagt. er flüchtet quasi aus dem opportunismus in die psychose.


    zur großen wahrheit: nein, sie ist nicht explizit, dass der teufel um vergebung bittet, sondern, dass UNS ALLEN vergeben ist und wir frei sind - jenseits von religionen, wissen, tradition, vorstellungskraft. die läuterung von der der teufel spricht ist uns allen zuteil geworden und im grunde (da es ja keine zeit in unserem sinne gibt) schon immer in uns gewesen. dazu kommt: was uns daran hindert, diese innere freiheit anzunehmen, ist der stolz, den wir alle mit uns herumtragen. darum geht es ja über weite strecken des stücks. der clou in diesem sinne ist nun, dass der/das böse selbst ALLES darüber weiß und dennoch den stolz nicht überwinden kann. da wird der teufel zum symbol für viele von und vieles in uns. er ist das personifizierte "ja, aber", das uns das gefühl der freiheit doch stets verwehrt. er spricht über Jesus als stellvertretend leidenden (was sehr christlich ist) und eröffnet den ganzen umfang des aktes am kreuz. dann wird seine verzweiflung deutlich, weil ihm der zugang zum eigentlichen, dem göttlichen stellvertreter, fehlt. und er versucht, kolbach als stellvertreter einzuspannen. es ist die pure verzweiflung des stolzen ego. und dass er kolbach dafür ausgewählt hat ist natürlich kein zufall (er kannte ihn ja vorher schon und wusste, dass er verstehen würde). damit aber nicht genug, stellt sich für kolbach ja nun (wie für viele von uns) die frage, wie wir mit dem gebot von Jesus umgehen, der in der bergpredigt sagte, wir sollen unsere "feinde lieben". ich halte diesen satz für einen der bedeutendsten überhaupt. kein religionsführer oder staatsmann oder philosoph ist je so weit gegangen, das wirklich ernst zu meinen. der gedanke ist doch wirklich ziemlich revolutionär. wird kolbach es können - nach allem was er jetzt erfahren hat? ist es überhaupt möglich? u.a. das sind fragen und innere bewegungen, die ich beim leser und den leserinnen ( ;)) zu hinterlassen gehofft habe, als ich das buch schrieb.


  • die meggle tritt aus überforderung die flucht nach vorn an. sie KANN sich ihren erschütternden wahrheiten nicht stellen, also geht sie in diese kranke offensive (und benimmt sich in noch stärkerem maß auf die weise, die der teufel ihr vorgehalten hat). ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kenne eine menge menschen, die das tun. natürlich hat das auch damit zu tun, dass der teufel sie so durchschaut hat und sie es weiß. sie kann vor ihm nicht wegrennen (innerlich), also schlägt sie sich mit allem was sie hat auf seine seite.


    Also eine "Flucht nach vorne"? Stimmt, ähnliche Situationen habe ich auch schon erlebt. Aber so ganz deutlich ist mir das beim Lesen nicht geworden - vielleicht habe ich Katie Meggle auch nicht genügend beachtet. Ich habe mich immer mehr auf Kolbach konzentriert.



    dass UNS ALLEN vergeben ist und wir frei sind - jenseits von religionen, wissen, tradition, vorstellungskraft. die läuterung von der der teufel spricht ist uns allen zuteil geworden und im grunde (da es ja keine zeit in unserem sinne gibt) schon immer in uns gewesen.


    Einen schöneren Schluss kann es eigentlich nicht geben. :)



    damit aber nicht genug, stellt sich für kolbach ja nun (wie für viele von uns) die frage, wie wir mit dem gebot von Jesus umgehen, der in der bergpredigt sagte, wir sollen unsere "feinde lieben". ich halte diesen satz für einen der bedeutendsten überhaupt. kein religionsführer oder staatsmann oder philosoph ist je so weit gegangen, das wirklich ernst zu meinen. der gedanke ist doch wirklich ziemlich revolutionär. wird kolbach es können - nach allem was er jetzt erfahren hat? ist es überhaupt möglich? u.a. das sind fragen und innere bewegungen, die ich beim leser und den leserinnen ( ;)) zu hinterlassen gehofft habe, als ich das buch schrieb.


    Die eigenen Feinde zu lieben halte ich für eine übermenschliche Leistung. Ich fürchte, ich könnte das nie. ::)
    Aber vielleicht gibt es dazu noch andere Meinungen.


    Grüße von Annabas :winken:

    :lesen:   [size=2]"Wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen." Marcus Tullius Cicero[/size]

  • liebe annabas,


    ja, das ist für mich ein wichtiger teil des ganzen... ist es wirklich möglich, seine feinde zu lieben? im grunde ist alles, was in der bergpredigt steht, dem menschen unmöglich. interessanterweise wird genau das ein wenig später in der bibel thematisiert, als die jünger jesus fragen, wie um himmels willen das alles zu bewerkstelligen sein soll!? und jesus sagt: dem menschen ist es unmöglich, aber bei Gott ist alles möglich. und so geht so manche theologische auslegung soweit, das ganze auf den großen akt der vergebung (also der symbolik der kreuzigung) zu beziehen. womit wir dann auch tendenziell wieder bei der aussage meines buches wären: es ist uns nicht möglich, aber wir sind frei! :) eigentlich hoffe ich, dass fatschbumdidelzong noch einmal hier reinschaut, denn das hat natürlich auch mit dem "läuterungsgedanken" wieder zu tun: nach der aussage meines teufels ( ;)) ist es nicht mehr erforderlich, dass der mensch das übermenschliche von sich selbst verlangt, da im großen schöpfungssinne alles bereinigt ist. erstrebenswert bleiben die liebe und die demut. ganz sicher eine echte herausforderung für uns alle.
    j.

  • Hallo Jens,
    die Läuterung der Schöpfung in einem geschichtlich fortschreitenden, aber in der Ewigkeit aufgehobenen Akt der Selbsterkenntnis des Weltgeistes - das ist mir zu viel Hegel. Da kann ich nicht mit.
    Ich kann auch die mikrokosmische Läuterung des einzelnen Menschen durch sein persönliches Leid nicht mit dem Gedanken eines gnädigen Gottes vereinen: Man kann vielleicht aus freier Wahl Böses tun, aber das Opfer dieser Bosheit hat die Wahlfreiheit nicht.


    In der Konsequenz bin ich aber wieder bei Dir: Ich glaube, daß selbst dem Teufel (als Metapher) am Ende vergeben wird und sich selbst für mich chronischen Querkopf noch ein Plätzchen im Himmelreich finden wird.


    Den Teufel als Gestalt halte ich für eine unglückliche Verquickung von heidnischen Elementen, falsch verstandener Askese uns ins Christentum eingeflossenen Manichäismus. Der erste "Teufel" war der Ariman aus dem zoroastrischen Glauben: Dieser teilte die Welt eins zu eins in Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Tag und Nacht. Da brauchte es einen Gegenspieler für den guten Ahura Mazda. Über den Manichäismus ist dieser Gedanke dann erst ins Judentum und dann ins Christentum gelangt.... und macht da Schwierigkeiten:
    Wie kann ein allmächtiger Gott einen gleich mächtigen Gegenspieler haben? Das wird mythologisch durch den Krieg im Himmel erklärt: wie die Titanen versuchten die Olympier zu stürzen, so versuchen es auch die gefallenen Engel. Trotzdem bleibt's ein Widerspruch in sich.
    Im Abendland bekommt der Teufel dann noch die Attribute, die ihm die neurotische Sexualmoral andichtet: Die Dauererektion des Priapus, die Hörner und Ziegenfüße der Sartyren, welch letztere sich schließlich zu Pferdefüßen auswachsen.
    Nichts davon steht im Neuen Testament - oder wäre auch nur mit dem Glauben an einen allwissenden und allweisen Gott vereinbar. Jens Teufel nimmt sich wohltuend menschlich aus. Aber will ja auch nicht als Freak in die Presse.


  • dass die reporterin katie meggle sich im zweiten akt so verhält, hat viel mehr mit psychologie zu tun, als mit frauenfeindlichkeit. ...


    es gibt verschiedene möglichkeiten auf sowas zu reagieren, auch im richtigen leben. die meggle tritt aus überforderung die flucht nach vorn an. sie KANN sich ihren erschütternden wahrheiten nicht stellen, also geht sie in diese kranke offensive (und benimmt sich in noch stärkerem maß auf die weise, die der teufel ihr vorgehalten hat).


    ... also schlägt sie sich mit allem was sie hat auf seine seite.


    So etwas hatte ich mir schon gedacht. Mir sind solche Menschen - meist Frauen - schon begegnet. Allerdings überlässt Du diese Persönlichkeitsentwicklung der Phantasie des geneigten Publikums - sie wird nicht im Stück motiviert oder ausagiert.


    das bringt mich direkt zu schmelzer. und der ist beileibe nicht deshalb "verrückt geworden", weil der scheck nicht gedeckt war! das wäre doch viel zu platt... er hat nicht verkraftet, was der teufel am ende des ersten aktes über ihn sagt. er flüchtet quasi aus dem opportunismus in die psychose.


    Dito. Auch hier wird die psychische Entwicklung des Charakters nicht geschildert, mal ganz davon abgesehen, daß ich ich Schmelzers Psychose nicht verstehe. Er weiß doch schon länger, daß er ein Schleimer ist. Da dreht man doch nicht durch, wenn man's ins Gesicht gesagt kriegt.
    Das psychische Umkippen sowohl von Meggle als auch von Schmelzer findet während der Pause statt und wird nicht geschildert, nicht mal in einer Mauerschau, in der andere Personen - vielleicht der Teufel im Gespräch mit Janine - über die eigentliche Aktion berichten.
    Vielleicht wäre auch ganz shakespearisch ein Monolog der entsprechenden Figur notwendig gewesen: Schmelzer, den Scheck in der Hand räsoniert: "Mein oder nicht mein, das ist die Frage. Ob's edler im Gemüt... doch gemütlicher ist's, sein Fähnlein nach dem Wind zu hängen, des' Lied zu singen, wes' Brot ich ess'."

  • Hey,
    ich habe den letzten Abschnitt auch schon vor einer Ewigkeit beendet, aber konnte mich nicht aufraffen hier noch was zu posten. :-[ Sorry! Mir fällt leider einfach nichts Sinnvolles ein, wozu ich hier noch im Thread meinen Senf dazugeben könnte...


    Schade fand ich, dass bis auf Kohlbach alle anderen Figuren nur noch Randfiguren waren und für mich gar keine richtige Persönlichkeit geworden sind. Mit hätte da wohl ein Zwiegespräch zwischen dem Teufel und Kohlbach besser gefallen.
    Die Idee mit dem Psychiater und den Sanitätern fand ich ganz lustig. Aber leider war die Luft aus dem Gag schon heraus, weil wir ja schon direkt im ersten Abschnitt überlegt haben, was es mit diesen Personen aufsich haben könnte. Somit fehlte leider der Überraschungseffekt.


    Grüße foenig

  • Suse

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