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  • Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant. :)


    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

  • [size=13pt]Andreas Eschbach – Herr aller Dinge[/size]


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    OA: 2011
    689 Seiten
    ISBN: 978-3785724293


    Inhalt:
    Als Kinder begegnen sie sich zum ersten Mal: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters, und Hiroshi, der Sohn einer Hausangestellten. Von Anfang an steht der soziale Unterschied spürbar zwischen ihnen. Doch Hiroshi hat eine Idee. Eine Idee, wie er den Unterschied zwischen Arm und Reich aus der Welt schaffen könnte. Um Charlottes Liebe zu gewinnen, tritt er an, seine Idee in die Tat umzusetzen und die Welt damit in einem nie gekannten Ausmaß zu verändern. Was mit einer bahnbrechenden Erfindung beginnt, führt ihn allerdings bald auf die Spur eines uralten Geheimnisses und des schrecklichsten aller Verbrechen ... (Quelle: Amazon)


    Eigene Meinung:
    Andreas Eschbach hat wieder einmal eine sehr spannende und wirklich kurzweilige Geschichte geschrieben. Die Spannung hält an bis zur letzten Seite und es gibt in diesem Buch, welches mit der Kindheit der beiden Protagonisten beginnt und in ihrem Leben als Erwachsene endet, keine sich ziehenden Stellen. Die Spannung bleibt gleichmäßig erhalten und die Themen, um die sich diese mysteriöse Geschichte dreht, sind äußerst interessant, durchdacht und regten zum Nachdenken an, ja brachten mich sogar dazu, mich damit näher und intensiver zu befassen. Ich kann dieses Buch jedem nur empfehlen, denn es ist ein wahrer Pageturner, der seinen Abschluss in einem gelungenen und meines Erachtens perfekten Ende findet.


    Diese Leserunde hat wirklich Spaß gemacht.


    Viele Grüße tina

  • Inhalt:
    Das Schicksal geht manchmal seltsame Wege und Charlotte und Hiroshi wachsen anscheinend unter einem besonders hellen Stern dieser kosmischen Macht auf, denn diese scheinbar zufälligen Treffen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.
    Obwohl sie unter völlig verschiedenen Bedingungen aufwachsen und zwischen ihnen Welten liegen, gelingt es den beiden doch eine innige Freundschaft aufzubauen, die Grenzen überwinden kann.
    Hiroshi, der mit starker Armut konfrontiert ist und von dem Wohlstand der Botschaftertochter beeindruckt ist, beschließt diesem Schlamassel ein Ende zu setzen und hat es sich zum Lebensziel gemacht, dass alle Menschen reich sind!

    Eigene Meinung:

    Die Träume des kleinen Jungen berühren das Herz und insgeheim wünscht man ihm für seinen tollkühnen Plan nur das Beste, obwohl die eigene Vernunft weiß, dass manche Wünsche nie in Erfüllung gehen können – egal wie gut der Kern des Ganzen ist. Wird Hiroshi die Möglichkeit haben die Welt mit seinem Ehrgeiz und Herzensgüte zu verändern oder bleiben es Kinderträume, die mit dem Erwachsenenalter zerplatzen?


    „Herr aller Dinge“ war mein erster Eschbach und ich bin noch immer sehr berührt von den Worten des Autors, die das Herz von uns Lesern auf eine ganz spezielle Art berühren.
    Vor den Ausflügen in die Grundlagen der Technik und darüber hinaus sollte man sich nicht erschrecken, denn die Erklärungen sind gut verständlich und werden im weiteren Verlauf auch für Laien immer logischer und faszinierende, sodass man die Szenen nicht mehr missen möchte.
    Ein wirklicher tiefgründiger Roman mit Tränenpotenzial! ;)

    Leserunde:

    Bei dieser komplexen Handlung war ich froh, dass ich meine Gedanken zu den einzelnen Abschnitten mit anderen teilen konnte und ich war sogar ein bisschen stolz, dass meine verstaubten Chemie-Kenntnisse noch für etwas gut waren. :D „Herr aller Dinge“ ist dank der tollen Seitenanzahl und viel Diskussionsmaterial optimal für eine Leserunde. Danke für die nette Begleitung, Herr Eschbach! :)

  • Dieses war mein erstes Buch von Andreas Eschbach und ich war so begeistert, dass es bestimmt nicht mein letztes bleiben wird.


    Der Inhalt ist schwer wiederzugeben, ohne den potenziellen Lesern Spannung zu rauben, oder überraschende Wendungen vorwegzunehmen. Der Buchrückentext selbst spoilert schon, der Klappentext nimmt beinahe das Ende vorweg. (Das ist meine einzige Kritik an dem Buch.) Einige Rezensionen, die ich gelesen habe, in denen der Inhalt wiedergegeben wird, spoilern ebenfalls, so dass man sämtliche Twists der Geschichte erfährt, wenn man sich viele Rezensionen durchliest. Ich werde versuchen zu umreißen, worum es geht, ohne spannende Details zu verraten.


    Die Hauptfiguren sind Hiroshi und Charlotte, die man ab ihrem zehnten Lebensjahr ein paar Jahrzehnte begleitet. Charlotte ist die Tochter eines französischen Botschafters. Hiroshis Mutter arbeitet in der Wäscherei der Botschaft. Die Mütter der beiden versuchen eine Freundschaft zu verhindern. Hauptgrund scheint aus Hiroshis Sicht der Graben zwischen Arm und Reich zu sein. Das bringt ihn auf eine Idee, wie man erreichen könnte, dass alle Menschen reich sind. Diese Idee verfolgt er von nun an mit verbissener Hartnäckigkeit.


    Das Buch war für mich in erster Linie ein klassischer Pageturner. Allerdings lebt es nicht nur von Spannung, es gibt einem auch einiges zu denken und ich habe ein paar interessante Kleinigkeiten über die Welt erfahren, die ich vorher nicht wusste. Sowohl Hiroshi, als auch Charlotte waren mit sehr sympathisch, aber auch die Nebenrollen waren gut besetzt, vor allem Hiroshis Freund Rodney ist ein klasse Typ. Einen richtig fiesen Fiesling gibt es auch. Außerdem gibt es auch die ein oder andere Liebesgeschichte, natürlich jede Menge Action und ein, wie ich finde, großartiger Schluss. Die Geschichte nimmt erst in der zweiten Hälfte richtig Fahrt auf, dennoch war auch der erste Teil für mich schön und auch spannend zu lesen.


    Die Sprache von Andreas Eschbach gefällt mir sehr gut. Großteils ist es eine schlichte Sprache, die "der Handlung nicht im Weg steht", aber ab und zu waren Sätze eingestreut, die mich ahnen ließen, dass er auch anders kann, sein Werkzeug aber eben immer so einsetzt, wie es die Geschichte gerade erfordert.


    Ich bin sehr froh, dass mir diese Lektüre zufällig über den Weg gelaufen ist. So froh, dass ich mich gleich über die anderen Werke des Autors hermachen werde (deren es zum Glück genügend gibt).



    Die Leserunde hat mir großen Spaß gemacht. Obwohl wir ziemlich viele Teilnehmer waren, hatte ich keine totalen Verwirrungszustände. ;D
    Danke an Herrn Eschbach für die nette Begleitung!

  • So, dann bin ich wohl dran :)


    Im Großen und Ganzen kann ich mich meinen Vorschreibern anschließen.


    "Herr aller Dinge" war ein überaus interessantes Buch, mit wenigen Längen und sehr viel Spannung. Es war interessant zu lesen, dass sich anfangs zwei Kinder aus zwei unterschiedlichen Schichten anfreunden und auch Jahre Später noch verbunden sind.


    Durch Hiroshis Weltverbesserungspläne wurden wir mit Technologien und Ereignissen konfrontiert, wird man, zumindest war es so bei mir, zum Nachdenken angeregt, ob es wirklich so gut ist, wenn alles so Eintreten würde, wie es sich Hiroshi ausgedacht hat, so gut er es auch meint.


    Natürlich haben auch die Fieslinge nicht gefehlt, die sich Hiroshis Wissen zunutze machen wollen, was einem den Gedanken kommen lässt, wenn die "zukünftigen" Erfindungen und Entwicklungen in falsche Hände geraten.


    Alles in allem ein gelungenes Buch, dass einem anregt, sich mehr mit der Materie zu beschäftigen.


    Es war auch wieder eine sehr schöne Leserunde mit interessanten Gedanken und Vermutugen, ich freue mich schon auf eine baldige Leserunde mit Andreas Eschbach, falls es eine geben sollte ;)

  • Hallo zusammen.
    So, nun habe ich es doch noch geschafft meine Meinung über „Herr aller Dinge“ noch vor dem Wochenende zum Ausdruck zu bringen…



    Zum Buch:


    Auch dieses Buch war für mich wieder ein typisches Werk aus der Feder von Andreas Eschbach. Aussagekräftig, kurzweilig und voller ansprechender Perspektiven.


    Die Geschichte baut sich zunächst über die freundschaftliche Annäherung der beiden so unterschiedlichen Protagonisten, während ihrer Kindheit in Tokio, auf. Während die wohlbehütete Charlotte, Tochter des französischen Botschafters, ihren Tagträumen über eine Zukunft als Anthropologin nachsinnt, taucht unverhofft der technisch versierte und fast gleichaltrige Hiroshi in ihrem Leben auf. Hiroshi, Sohn einer kleinen Angestellten im Dienst des Botschafters, hat sich der Robotik und deren bastlerischen Experimenten verschrieben. Beim gemeinsamen Spielen im botschaftlichen Garten, hat der junge Tokioter plötzlich eine Idee, wie er die Missstände zwischen Arm und Reich in der gesamten Welt aushebeln kann. Fortan widmet er sein gesamtes Streben diesem einen Ziel. Was er damit heraufbeschwört hätte er sich selbst in seinen schlimmsten Albträumen nicht auszumalen vermocht.


    Einfühlsam und erstaunlich eindringlich zugleich, schaffte es der Autor hier, ein durchweg authentisches Szenario um die Entwicklung der Menschheit zu zeichnen. Stimmungsvoll und logisch aufgebaut gelang es Andreas Eschbach eine sehr komplexe Geschichte zu kreieren, die nicht nur fesselnd war, sondern auch bereichern konnte. Immer wieder horchte ich auf, nickte bestätigend und wusste doch bis fast zum Schluss noch nicht, wie sich all die losen Fäden noch vereinigen sollten. Doch es gelang. Eine bravouröse Reise durch die Abgründe der Menschen. Gespickt mit vielschichtigen Themen und spannenden Szenenelementen war „Herr aller Dinge“ ein sehr interessanter Lesegenuss.



    Zur Leserunde:
    Gerade bei diesem Buch war es für mich ausgesprochen interessant und aufschlussreich mich mit euch allen austauschen zu können. Gerade, da dieses Werk so unglaublich komplex und anregend war, bin ich froh hier auch andere, differenzierende Meinungen gelesen zu haben. Vielen Dank dafür an die gesamte Runde.
    Ein ganz spezielles Dankeschön möchte ich auch an sie, Herr Eschbach, aussprechen. Toll, dass sie sich die Zeit genommen haben uns zu begleiten. Ich hoffe auch ihnen konnte diese Runde ein wenig Freude bereiten. Auf ihre nächsten Bücher freue ich mich schon sehr.


    Meine Meinung wird auch auf amazon, auf der Literaturschock-Hauptseite und in deren Forum, sowie auf facebook nachzulesen sein.


    Grüssle
    Marion :winken:

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

    Einmal editiert, zuletzt von apassionata ()

  • Wie macht man alle Menschen reich? Oder andersherum: Wie schafft man die Armut ab?
    Hiroshi Kato, der Held aus "Herr aller Dinge" glaubt eine Antwort auf diese Fragen zu haben. Schon als 10jähriger hat er eine Idee, wie das zu bewerkstelligen ist, und verliert diese nie aus den Augen. Mit an Besessenheit grenzender Hartnäckigkeit arbeitet er daran, seine Vision wahr werden zu lassen. (So hätte es übrigens im Klappentext stehen müssen ;) , hätte mich neugierig gemacht.)
    Immer wieder kreuzt sich sein Weg mit dem von Charlotte, seiner großen Liebe.


    "Herr aller Dinge" enthält alle Zutaten für einen spannenden und guten Roman. Und diese Zutaten sind so gekonnt gemischt, dass es ein toller Roman geworden ist. Einige Denkansätze verfolgen einen noch eine ganze Weile nachdem man das Buch fertiggelesen hat. Sie bieten außerdem reichlich Diskussionsstoff, nicht nur für eine Leserunde.
    Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, keine Schnörkel, kein Geschwafel, alles einfach und verständlich. Nicht zuletzt deshalb glaubt man fast alles, was der Autor einem da vorsetzt: technische Entwicklungen, Verschwörungen, Intrigen, Ereignisse, Erkenntnisse. In die Figuren kann der Leser sich meist ohne Probleme hineinversetzen. Zwar sind weder Hiroshi noch Charlotte "normal", aber durch die gelungenen Beschreibungen dieser Charaktere wirken sie auf den Leser nach einigen Seiten schon fast wie alte Freunde.
    Der Klappentext suggeriert mehr Liebesgeschichte als wirklich drin ist. Das mag so manchen enttäuschen, ich fand es gut. "Herr aller Digne" ist nun einmal ein Liebesroman, sondern eine komplexe Story über eine faszinierende Idee und die Gefahren und den Segen des technischen Fortschritts.


    Die Auflösung des größten Rätsels des Buches ließ zumindest mich nach Luft schnappen, und das Ende - es passt einfach, anders kann man es nicht nennen.


    Die Leserunde hat Spaß gemacht :winken:
    Danke euch allen, besonders Ihnen, Herr Eschbach. Wir lesen uns hoffentlich schon bald in einer neuen Leserunde.


    ***
    Aeria

    Realität ist nur etwas für Menschen mit zu wenig Phantasie.

  • Sie lernen sich als Kinder im Garten der französischen Botschaft in Tokio kennen: Charlotte, die Tochter des Botschafters und Hiroshi, Sohn einer Angestellten. Das Schicksal führt die beiden auseinander doch als Erwachsene treffen sie sich wieder, verlieren sich und treffen sich nochmals. Das ist ein Teil der Geschichte.
    Vor allem geht es aber um Hiroshis Plan, etwas zu erfinden, das die Armut abschafft und man erlebt fasziniert wird, wie Hiroshis Genialität immer neue Erfindungen hervorbringt und welche Folgen das hat. (Es ist mir nicht möglich, mehr zu schreiben, ohne zu spoilern...)
    Charlotte hingegen erforscht die Menschheitsgeschichte und macht auf diesem Gebiet interessante Entdeckungen.
    Die Geschichte hat einige Überraschungen parat, dazu klasse ausgearbeitete Charaktere bis in die Nebenrollen hinein, ist immer spannend und hat zumindest mich zu weiterführenden Gedanken angeregt. Wir haben das Buch für die Bücherei, in der ich arbeite, angeschafft und ich werde es gerne den Lesern empfehlen.


    Die Leserunde fand ich wieder einmal sehr interessant, das gemeinsame Spekulieren hat meinen Lesegenuss noch verstärkt. danke an alle in der Leserunde und natürlich auch an Sie, Herrn Eschbach!


  • Nur aus Neugier: Wie wird das "Buch des Monats" ermittelt?


    Indem ich das entscheide. Chancen haben alle Bücher, die innerhalb des Vormonats von einem Literaturschock-Mitglied als offizielle Rezension mit voller Punktezahl rezensiert wurde :winken:

  • Indem ich das entscheide. Chancen haben alle Bücher, die innerhalb des Vormonats von einem Literaturschock-Mitglied als offizielle Rezension mit voller Punktezahl rezensiert wurde :winken:


    Danke für die Antwort! Darf ich noch eine Frage anschließen? Mit "offizielle Rezension" meinst du eine Rezension, die auf der Literaturschock-Homepage veröffentlicht wird, nehme ich an...? Entscheidest du, wer das tun kann, z.B. nur langjährige Mitglieder, etc? Oder kann man einfach seine Rezension dort posten, wenn man möchte? Ich denke mir nur, dass das Forum voll von Rezensionen ist und nur wenige davon sind auf der Litschock-HP, was schade ist.

  • In "Herr aller Dinge" erweitert Andreas Eschbach erneut mutig-waghalsig den Kosmos seiner Motive. Ideen des Science Fiction und künftiger Roboter- sowie Nanotechnik werden mit anthropologischen und evolutionsbiologischen Theorien und Wissenschaftskritik überraschend, aber weitgehend stimmig und sehr anregend, wenngleich nicht immer auf dem neuesten Stand, zusammengebracht. In Verbundenheit mit der herausragenden Schreibfähigkeit und dem Stilvermögen des Autors gehen von dem Text nicht nur eine Menge anregender, realer und literarischer Bezüge und intelligenter Vernetzungen aus, sondern steigt auch die Spannung und entsteht ein überzeugender fiktionaler Zusammenhang. Ich habe die Hörfassung an einem Tag hören "müssen", dann in Ruhe den Roman gelesen. Im Nachhinein erscheint mir die Hörfassung arm, da sie um vielen Nebenpersonen und -motive reduziert wurde.


    Denn auch bezüglich der Gestaltung seiner Personen simuliert Eschbach variantenreich und humorvoll mehr oder weniger ironisiert den menschlichen Kosmos, wobei er unterschiedliche Stilebenen benutzt (vergleichbar "Harry Potter"): Während die (Liebes)beziehung der Protagonisten Charlotte und Hiroshi psychologisch klug mit berührenden Zwischentönen entwickelt wird, tritt Charlottens erster Verlobter, James, trotz zunehmender Verlebtheit immer gleich auf als unermüdliche, Milliarden-Dollar-reiche Quelle buntblumig-animalischer sexistischer Plattitüden. Dazwischen liegen z.B. die Figuren von Charlottes Freundin Brenda und Hiroshis Freund Rodney als Ideenträger. Adamson wiederum avanciert im Lauf des Romans kontinuierlich vom scheinbaren Ekel (in den Augen der Leser) zum kongenial sensibel distanzierten Beobachter des Erzählers.


    Beispielhaft für die Komplexität von Eschbachs schriftstellerischer Leistung sei der in "Herr aller Dinge" immanent noch durch eine Sex-Episode James' gebrochene 32 km lange Fußmarsch Charlottes und Hiroshis durch Boston genannnt, über die Concorde Avenue ins sonnenbeglühte Vorland , ausgehend von der "Statue der drei Lügen" (John Harvard - vor der University Hall mit dem Motto: "Veritas"!) über 50m zivilisatorischer Geschichte (1m=100 Jahre) zurück bis zu Lucy, der "ältesten Eva, die die Wissenschaft kennt" (Australopithecus afarensis, aus dem heutigen Äthiopien). Ein Spaziergang, der den Erschöpften im Rückblick mit einem Mal die übergroßen Lücken unseres Wissens - und damit exemplarisch Freiräume für Fragen, Kreativität und vielleicht noch zu erwartende wissenschaftliche Überraschungen - auftut.


    Trotz aller äußerlich wirklich befriedigenden Abrundung der Handlung frage ich mich vor allem angesichts der Provokation der Geschehnisse abschließend doch dringend nach einer übergreifenden Erklärung, welche die subjektive Erklärung der Protagonisten übersteigt! Nach der möglichen (Rück-) Beziehung von Zukunft und Vergangenheit, nach der Erklärung für Aggression (ob bei Aliens oder bei der Menschheit). - Die beiden Sätze der kleinen Charlotte , die sich nicht traut, wie Hiroshi von der Schaukel zu springen, obwohl sie es sich doch so sehr wünscht, am Ende des Prologs bleiben für mich in Teilen rätselhaft: "Charlotte Malroux kannte mehr Vergangenheit als irgendjemand sonst, aber die Zukunft kannte sie nicht. Sie war erst zehn Jahre alt und wusste noch nicht, was für eine Gnade das war." Laut Romanende ist das Entsetzliche aber bereits in der Vergangenheit passiert! -
    Vielleicht deutet diese Rätselhaftigkeit auf eine Potenz zur Weiterführung der Thematik hin.


  • Danke für die Antwort! Darf ich noch eine Frage anschließen? Mit "offizielle Rezension" meinst du eine Rezension, die auf der Literaturschock-Homepage veröffentlicht wird, nehme ich an...? Entscheidest du, wer das tun kann, z.B. nur langjährige Mitglieder, etc? Oder kann man einfach seine Rezension dort posten, wenn man möchte? Ich denke mir nur, dass das Forum voll von Rezensionen ist und nur wenige davon sind auf der Litschock-HP, was schade ist.


    Ich verschiebe die Antwort auf morgen, weil ich das direkt in die FAQ von Literaturschock aufnehmen werde :winken:
    Kurzform: Rezensieren kann jeder, denn es gibt nicht nur offzielle Literaturschock-Rezensionen, sondern auch die von Besuchern. Unterschied: Die Besucherrezensionen müssen von Aldawen oder mir freigeschaltet werden. Die offiziellen Rezensionen stammen von Mitgliedern, von denen ich weiß, dass sie regelmäßig gute Rezensionen abliefern. Aber generell kann jeder da mitmachen, der nicht nur drei Sätze zu einem Buch schreibt. Wer also mag, darf sich gerne bei mir melden (roulade?) :winken:

  • Hallo zusammen,


    nun kommt zum Abschluss der Runde natürlich auch noch meine Rezension. Ich brauche dafür eben immer etwas länger, weil ich immer meine die Handlung noch etwas sacken lassen zu müssen. Nun ja, die Runde war einfach toll. Hier gab es ja auch einiges zu diskutieren und viele Dinge konnte man sicherlich unterschiedlich werten. Ich denke manch einer hatte auch mehr Ahnung von der Technik und Robotik als ein anderer, aber so ist das eben in einer solch gemischten Runde. Mir hat es wieder einmal Spass gemacht und ich danke Leserunden.de für die Organisation der Runde und Herrn Eschbach für die tolle Begleitung hier.


    Und hier nun meine Rezension:


    Hiroshi Kato ist der Sohn einer Wäscherin. Charlotte ist die Tochter des französischen Botschafters. In Japan lernen sie sich kennen und freunden sich an. Hiroshi erkennt bei seinen Besuchen in der Botschaft die Unterschiede zwischen Reich und Arm. Er ist ein aufgeweckter Junge und schnell wächst in ihm eine Idee, die sein Leben prägen soll: Er wird es schaffen, dass alle Menschen reich sind. Reichtum hat schließlich nichts mit Geld zu tun, sondern mit ganz anderen Dingen.


    Charlotte hat eine besondere Gabe. Sie kann beim Berühren von Gegenständen deren Vergangenheit fühlen und so gelingt es ihr Hiroshi etwas über seinen ihm unbekannten, amerikanischen Vater zu berichten.


    Die Wege der Kinder trennen sich recht schnell, aber Hiroshis Gefühle für Charlotte sorgen dafür, dass es zu weiteren Begegnungen kommt. Sie können sich nicht voneinander lösen, aber auch nicht wirklich zueinander finden, diese beiden Personen, die als Kinder einen Lebenstraum hatten, den sie zumindest noch im Studium beide weiterverfolgen. Charlotte beschäftigt sich mit der Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter, sie studiert Paläontologie und Hiroshi beschäftigt sich am Massachusetts Institute of Technology mit dem Thema Robotik. Während des Studiums treffen sie aufeinander, doch es kommt zu einem Missverständnis und so trennen sich die Wege der Protagonisten erneut.


    Hiroshis Leben ist geprägt von seiner Forschungsarbeit. Er verfolgt zielstrebig seine Ideen und lässt sich nicht von seinem ursprünglichen Ziel abbringen. Hier kommt auch die Nanotechnologie ins Spiel. Andreas Eschbach gelingt es dem Leser die technischen Zusammenhänge nahe zu bringen ohne den Nichtwissenschaftler zu überfordern. Hier fällt es dem Leser leicht zu lernen und zu verstehen und gleichzeitig Verwunderung zu entwickeln über die Möglichkeiten das Unmögliche möglich zu machen.


    Charlotte verliert ihren Traum zeitweilig aus den Augen. Sie lässt sich treiben und es scheint als fühle sie sich ausgelastet mit dem was sie tut. Erst nach einiger Zeit bemerkt sie, dass es ihr doch gut tut, den alten Wunsch wieder aufleben zu lassen. Schließlich nimmt sie an einer Expedition teil bei der es zu einem Zwischenfall kommt.


    „Herr aller Dinge“ das ist eine Liebesgeschichte, ein wissenschaftlicher Roman, Science Fiction und vieles mehr. Diese Geschichte lässt sich nicht in ein Genre Schema packen, aber dafür gelingt es ihr Leser jeden Genres zu packen.


    Der Mensch ist neugierig, er forscht und erfindet neue Technologien. Was diese bewirken können ist nicht immer vollkommen klar und ob alle ihre Auswirkungen erkannt werden, das ist zu bezweifeln. Genau das wird auch in diesem Buch sehr deutlich.


    Mit vielen überraschenden Wendungen und langsam aber stetig ansteigendem Spannungspotential führt Andreas Eschbach den Leser seines Buches zu einem grandiosen, unfassbaren und auch traurigen Ende. Immer wieder wird an unterschiedlichsten Stellen und auf verschiedene Art und Weise die Thematik Reich und Arm aufgegriffen. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und mit ihr die Beziehung zwischen Hiroshi und Charlotte.


    Wer Unterhaltung auf hohem Niveau sucht, der ist hier genau richtig.

  • :winken:
    Der Autor dankt allen Teilnehmern der Leserunde für das ausführliche Feedback, hofft, es hat Spaß gemacht, und kehrt zurück an seinen Schreibtisch, um das nächste Buch zu schreiben.


  • :winken:
    Der Autor dankt allen Teilnehmern der Leserunde für das ausführliche Feedback, hofft, es hat Spaß gemacht, und kehrt zurück an seinen Schreibtisch, um das nächste Buch zu schreiben.


    Ich freue mich schon auf weitere Werke aus ihrer Feder und wünsche viel Erfolg.
    Viele Grüssle
    Marion :winken:

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

  • Hey,
    ich konnte mich auch endlich mal aufraffen... :-[


    „Herr aller Dinge“ ist ein komplexer Roman, in dem das Leben der beiden Protagonisten durch Perspektivenwechsel verfolgt wird. Der Leitgedanke, die Kluft zwischen Arm und Reich, wird zunächst durch die aus dem reichen Hause stammende Botschaftertochter Charlotte und durch den aus dem Arbeitermilieu kommenden Hiroshi dargestellt. Durch ihre Freundschaft erkennt Hiroshi schon im Kindesalter, dass man die Armut bzw. den Reichtum abschaffen muss um eine gerechte Welt für alle zu erhalten. Er hat sogar einen Plan für diesen utopischen Weltverbesserungsgedanken…
    Der Autor springt in seiner Erzählweise immer wieder zu anderen Personen, was mir besonders gut gefallen hat. So erlebt man die Geschichte und deren Zusammenhängen aus verschiedenen Sichtweisen, auch wenn Hiroshis Anteil der größte ist.
    Die Geschehnisse der Geschichte selbst habe ich immer als eine reale Möglichkeit erlebt, da technischen Details auch für Laien in Kurzform erklärt worden sind. Ich bin in dieser Thematik aber auch völlig ahnungslos, so dass ich vielleicht manche Sachen etwas blauäugig hingenommen habe. Trotzdem ist es mir wichtig, dass die Geschichte nicht völlig ins Unglaubwürdige abdriftet auch wenn es „nur“ ein Unterhaltungsroman sein soll. Dies ist Herrn Eschbach hier wunderbar gelungen. Außerdem findet man unterschwellig immer mal wieder aktuelle Themen zum Nachdenken. Mir ist anhand des Beispiels wie kompliziert es ist, Hiroshis Idee für eine Tasse Kaffee umzusetzen, bewusst geworden, wie viele einzelne Arbeitsschritte nötig sind, damit ich mir morgens einen Tasse Kaffee kochen kann. Die viele Arbeit dahinter nimmt man in unserer heutigen Wegwerf- und Geiz-ist-geil-Gesellschaft kaum noch wahr und schätzt sie vor allem auch nicht. Ein weiteres Beispiel ist das Auftauchen von Lamita in einer Nebenhandlung. Sie wird aus einem Dritte-Welt-Land aus einer Nähfabrik gerettet. Da kann man sich mal ganz nebenbei Gedanken über seinen eigenen Anziehsachenkonsum machen und auf wessen Kosten das geht. Die Geschichte um Lamita wird jedoch im Roman nur kurz erwähnt und auch ohne erhobenen Zeigefinger, so dass der Leser selbst entscheiden kann, ob er es einfach überließt oder sich über diesen Punkt Gedanken machen möchte.


    Mein Fazit: Ein sehr spannender Roman, den ich auf jeden Fall weiterempfehle!


    P.S.:
    Hiroshi behauptet: Schmutz ist einfach nur Materie an der falschen Stelle. :totlach:

  • Mein Fazit bin ich euch noch schuldig.. :-[


    Inhaltsangabe von amazon:
    Als Kinder begegnen sie sich zum ersten Mal: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters, und Hiroshi, der Sohn einer Hausangestellten. Von Anfang an steht der soziale Unterschied spürbar zwischen ihnen. Doch Hiroshi hat eine Idee. Eine Idee, wie er den Unterschied zwischen Arm und Reich aus der Welt schaffen könnte. Um Charlottes Liebe zu gewinnen, tritt er an, seine Idee in die Tat umzusetzen und die Welt damit in einem nie gekannten Ausmaß zu verändern. Was mit einer bahnbrechenden Erfindung beginnt, führt ihn allerdings bald auf die Spur eines uralten Geheimnisses und des schrecklichsten aller Verbrechen ...


    Meinung:
    Mit „ Herr aller Dinge“ habe ich einen Autor entdeckt, der sich nicht scheut, Science Fiction Elemente mit moralischen Fragen zu verknüpfen, ohne dabei den erhobenen Zeigefinger zu schwingen. Andreas Eschbach hat sich einer interessanten Frage gewidmet, nämlich der nach Reichtum für Jedermann und einen sehr interessanten Lösungsansatz geformt, der durch diverse wissenschaftliche Einschübe einen authentischen Rahmen gefunden hat. Sprachlich hat mich das Buch komplett überzeugt und obwohl ich nach dem Klappentext zu urteilen eine völlig andere Geschichte erwartet hätte, war ich positiv überrascht und habe mit Charlotte und Hiroshi zwei außergewöhnliche Protagonisten kennen gelernt, die ich auch gerne noch länger begleitet hätte!


    Die Leserunde war begleitet von wilden Spekulationen und besonders die Alien-Hypothesen waren amüsant und das gemeinsame Lesen hat Spaß gemacht.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen