Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)

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  • Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt – ein Dankeschön an die Verlage, den Autor und die Organisation. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen – zumindest ein Fazit zur Leserunde (natürlich auch gerne eines von Bernhard) ist immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler in den Rezensionen und verratet nichts Handlungsrelevantes.

  • Guten Morgen,


    und hier der Link zur Buchvorstellung auf Literaturschock.de:


    Bernhard Jaumann - Steinland


    Bernhard Jaumann, der Verlag und natürlich ich würden uns darüber freuen, wenn ihr das Buch im Anschluß an die Leserunde auch dort rezensiert. Es ist dafür keine Registrierung notwendig. Vielen Dank! :winken:


    Liebe Grüße
    nimue

  • So, dann eröffne ich mal den Reigen der Rezensionen:


    Ein spannender Krimi ist Bernhard Jaumann mit „Steinland“ gelungen, ein weiterer Fall für Kriminalinspektorin Clemencia Garises und ihr Team, der wie schon der Vorgängerband in Namibia spielt. Es beginnt mit einem Toten auf der Farm Steinland: Elsa Rodenstein, die Farmerin, beklagt den ihres Mannes. Eine Gruppe junger Schwarzer soll bei einem Raubüberfall den Farmer erschossen und den Sohn entführt haben. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, behauptet aber, es habe sich nur um einen Diebstahl und keinen Mord oder Entführung gehandelt. Zudem scheint Clemencias Bruder in den Fall verwickelt, auch er ist verschwunden. Ein Erpresserbrief bringt die Entführung in Zusammenhang mit der Landreform in Namibia – plötzlich ist die große Politik involviert… Sehr gut gefallen haben mir auch die mystisch angehauchten Einschübe über die Geschichte der Farm.


    Die Geschichte rund um die Farm Steinland ist gut recherchiert, spannend geschrieben und jedes Kapitel wartet mit neuen überraschenden Wendungen auf. Auch wenn man den ersten Band nicht kennt, fiebert man bald mit Clemencia, ihrer Familie und ihrem Team und rätselt über die undurchsichtige Rolle der weißen Farmer. Ganz nebenbei erfährt man viel über die aktuelle Lage in Namibia, die Landschaft und die Geschichte.
    Wer gerne intelligente Krimis in exotischer Umgebung liest, dem kann ich „Steinland“ sehr empfehlen!
    (Da man hier keine Punkte anklicken kann: ich vergebe die volle Punktzahl!)


    Danke für die tolle Leserunde!

  • Eigentlich wollte ich mein Fazit schon längst geschrieben haben, aber wie das manchmal so geht, hat mich das Real Life mal wieder überholt.


    Zum Buch: Auf Farm Steinland wurde der Farmer Gregor Rodenstein von Räubern erschossen, Sohn Thomas ist verschwunden – entführt. Clemencia Garises und ihr Kollege Robinson bekommen allerdings relativ schnell einen jungen Schwarzen, Tobias Kausiku, in die Finger, mit dessen Wagen die Täter unterwegs waren, wie die übrigen Farmer ausgesagt haben. Clemencia muß schnell fürchten, daß auch ihr Bruder Melvin in die Sache verwickelt ist, aber Melvin ist verschwunden. Bei den Ermittlungen stellen sich Clemencia erwartungsgemäß etliche Hindernisse in den Weg, so wird Tobias Kausiku beim Transport zu einem Verhör erst befreit und kurz darauf erschossen. Auch scheint der Minister für Landangelegenheiten besonderes Interesse an der Farm zu haben. Claus nutzt seinen journalistischen Spürsinn und liefert Clemencia einige Anhaltspunkte, aber das Geflecht von Interessen und Lügen wird immer undurchsichtiger.


    Wie schon der Vorgänger Die Stunde des Schakals hat mir auch dieser Band um Clemencia Garises, ihre Familie und Claus Tiedtke gut gefallen. Die Story ist vor dem Hintergrund der Politik verschiedener Staaten im südlichen Afrika sehr glaubwürdig und vermittelt auch Lesern, die Namibia üblicherweise nicht „auf dem Schirm“ haben, einige Einblicke in aktuelle Probleme und deren zwar vielleicht pragmatische, aber nicht unbedingt befriedigende und nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten auch eher zweifelhafte Lösung. An Fragen des Landbesitzes hängt hier eben mehr als ein bloßer Besitztitel, auch um mehr als einen Lebensunterhalt (auch wenn das ein wichtiger Aspekt auch in diesem Roman ist), es geht auch um Fragen von Identität und Heimat sowie von den Grenzen und Möglichkeiten einer Entschädigung für deren Verlust bzw. deren Wiederherstellung.


    Zudem werden unterwegs die (richtigen) Hinweise und (falschen) Fährten schön gestreut, so daß man als Leser zum Mitraten förmlich „gedrängt“ wird. Fast nichts ist so, wie es zunächst scheint, und auch sorgfältige Lektüre und Aufpicken der Puzzlestücken bewahrt einen nicht vor notwendigen Korrekturen durch überraschende Wendungen. Dabei wird die eigentliche Handlung immer wieder durch Blicke auf das Alltagsleben der Familie Garises aufgelockert, die teils durchaus amüsant sind, teils aber auch den Kopf über die Bedingungen schütteln lassen, die in diesem sog. Wohnviertel herrschen. Ich hoffe unter diesen Umständen sehr, daß es noch einen weiteren Fall mit Clemencia geben wird, ich würde ihn mir keinesfalls entgehen lassen.


    Zur Leserunde: Leider ist die Runde durch widrige Umstände doch etwas klein geraten, aber das gemeinsame Spekulieren hat trotzdem Spaß gemacht. Besonders herzlichen Dank auch an Bernhard, der sich die Zeit für uns genommen hat. Ich hoffe, Du hattest auch etwas Vergnügen an unseren Vermutungen, die manches Mal zwar recht treffend, aber manches Mal auch ziemlich von der Lösung entfernt waren ;D


    Schönen Gruß
    Aldawen

  • Hier kommt auch endlich mein Fazit:


    Zum Buch:


    Wie bereits Die Stunde des Schakals ist dieses Buch nicht nur ein sehr spannender Krimi, sondern es verbergen sich hinter der kriminalistischen Handlung politische Gegebenheiten aus Namibia. Im Brennpunkt steht diesmal eine aktuelle, aber umstrittene Landreform, die das Besitzgefälle in Namibia zugunsten der Armen verändern soll. Deutschstämmige Farmer sollen enteignet werden, wehren sich dagegen und sind Opfer von Sabotageakten, deren Ziel offenbar die Beschleunigung der Enteignung ist. Bei einem dieser Sabotageakte kommt der Besitzer der Farm Steinland zu Tode...


    Sehr geschickt und einfühlsam gelingt es Bernhard Jaumann, das Geflecht der Interessen der unterschiedlichen Beteiligten nach und nach zu beleuchten. Auch der Leser, der sich mit den Verhältnissen in Namibia nicht so gut auskennt, kann Verständnis für beide Seiten entwickeln: einerseits die besitzlosen Schwarzen, die noch 20 Jahre nach der Unabhängigkeit ihr Leben in dem ehemaligen Township Katutura fristen und mehr schlecht als recht über die Runden kommen. Auf der anderen Seite stehen die weißen Farmer, die mittlerweile in der 3. oder 4. Generation auf ihrem Land leben und es inzwischen als ihre Heimat ansehen. Die kursiv gedruckten Rückblicke, die Einblicke in die Familiengeschichte der Rodensteins geben, machen diesen Teil der Geschichte des Landes deutlich und tragen dabei zum Verständnis für die weißen Farmer bei, die das karge, trockene Land durch harte Arbeit zumindest so bewirtschaften, daß sie davon leben und einen Beitrag zu Versorgung des Landes leisten können. Das erweckt die Begehrlichkeit von gewissen Elementen, die die Landreform offenbar nur benutzen wollen, um sich selbst zu bereichern.


    Das Buch wird keinen Moment langweilig und hält jede Menge unerwartete Wendungen bereit. Die Einblicke in verschiedene Aspekte des Lebens in Namibia sind wieder sehr interessant. Diesmal liegt der Fokus auf dem Leben der weißen Farmer. Das Leben in Katutura und in Clemencias Familie spielt nicht ganz so eine große Rolle wie in Stunde des Schakals. Dafür erhält ihre Beziehung zu Claus Tiedtke (der eine meiner Lieblingsfiguren ist) mehr Gewicht und Dynamik. Auch die Gemengelage zwischen Clemencia und ihren Kollegen wartet mit einigen Überraschungen auf. Offenbar gibt es bei der Polizei einen Maulwurf und Clemencia weiß nicht, wem sie noch trauen kann. Aus diesem Grund kann sie den Fall nicht aus der Hand geben, wie sie eigentlich sollte, da sie persönlich tiefer in die Ermittlungen verstrickt ist, als sie es für möglich hielt. Die Einblicke in die Arbeitsweise der namibischen Polizei sind auch wieder sehr lesenswert.


    Alle Details rund um den Todes- und Entführungsfall Rodenstein und die nachfolgenden Mordfälle sind so genau und sparsam geschildert, daß der Leser Raum für Spekulationen bekommt, immer wieder Vermutungen hegt, aber dennoch nicht unbedingt auf die richtige Spur gebracht wird. Am Ende wird alles plausibel aufgelöst und obwohl man als Leser gemeinsam mit Clemencia möglicherweise mit der Art der Lösung ein wenig unzufrieden ist, scheint das Ende doch pragmatisch-realistisch und diese Unzufriedenheit gilt keineswegs für das Buch als solches.


    Zur Leserunde:


    Zwar hat mir das Lesen und der Meinungsaustausch wie immer Spaß gemacht. Allerdings hätte ich gern noch ein paar mehr Meinungen zum Buch gelesen. Ich finde es extrem schade, daß diese Leserunde so klein war! :( Ich weiß ja nicht, was das für widrige Umstände sind, die Aldawen erwähnt, aber ich finde es sehr unschön, wenn von den anfangs angemeldeten Lesern (die sowieso nicht viele waren) dann nur noch dreieinhalb übrigbleiben... :( Gerade bei so einer kleinen Runde fehlt mir dafür ehrlich gesagt ein bißchen das Verständnis. Dieses Buch hätte wesentlich mehr Leser verdient.


    Umso mehr möchte ich mich bei Bernhard bedanken, der sich trotzdem Zeit für uns genommen hat. Und zwei Bitten hätte ich noch an Bernhard: 1.) ich würde gern noch einen weiteren Clemencia-Krimi lesen und 2.) etwas länger darf er auch sein, denn dieser war zwar rund und perfekt, aber ich hätte sehr gern noch mehr Zeit mit Clemencia in Namibia verbracht! :)


    Viele Grüße, kaluma

  • Ja, dann hier auch mein Fazit zur Leserunde: Vielleicht sind ein Schauplatz wie Namibia und ein doch eher sperriges Hintergrundthema wie die Landreform nicht so wirklich attraktiv für die großen Lesermassen, doch hätte ich mir natürlich auch eine etwas breitere Beteiligung gewünscht. Umso mehr möchte ich mich bei den aktiven Teilnehmern bedanken, die mit Enthusiasmus und beträchtlichem Spürsinn dem durchaus verzwickten Plot des Romans gefolgt sind. Wie schon beim letzten Mal bin ich wieder überrascht, wie genau ihr Details wahrnehmt und Zusammenhänge rekonstruiert. Insofern ist so eine Leserunde auch ein Ansporn für einen Autor, bei der Planung und Überprüfung des nächsten Krimis noch penibler zu arbeiten. Was das mal angedeutete, mal offener angesprochene Bedauern über das Fehlen eines Happy ends angeht, kann ich allerdings keine Besserung versprechen. Das liegt daran, dass mir ein gesellschaftliches, politisches, menschliches Problem, das sich nach 300 Seiten mal so locker in einer rosa Wolke auflösen lässt, gerade dadurch als Scheinproblem vorkommen würde, für dessen Erkundung ich ungern so viel Lebenszeit vergeuden würde.



    Und zwei Bitten hätte ich noch an Bernhard: 1.) ich würde gern noch einen weiteren Clemencia-Krimi lesen und 2.) etwas länger darf er auch sein, denn dieser war zwar rund und perfekt, aber ich hätte sehr gern noch mehr Zeit mit Clemencia in Namibia verbracht! :)


    zu 1: Die Chancen stehen nicht schlecht. Zu 2: Irgendwie habe ich die Länge ganz automatisch so drin, ich glaube nicht, dass mir ein 700-Seiten-Epos rausrutscht


    Liebe Grüße von
    Bernhard

  • Bernhard Jaumann nimmt uns in seinem neuesten Krimi mit auf Farm Steinland, die von weißen Farmern bewirtschaftet wird und sich gegen den Unmut der schwarzen Bevölkerung durchsetzen muss, da diese ihr Recht auf das Land einfordern. Drei dieser Afrikaner, die in den Townships unter ärmlichen Bedingungen leben, gerieten mit den Farmern wegen eines vermeintlichen Diebstahls in Streit, bei dem sich zwei Schüsse lösten - einer kostete Gregor Rodenstein das Leben und der andere verletzt einen Schwarzen schwer.
    Die Polizei mit Clemencia Garises nimmt die Ermittlungen auf, doch wem kann man glauben, wenn alle nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind?
    Selbst vor Clemencias Familie scheint die Korruption keinen Halt gemacht zu haben, denn ihr Bruder Melvin ist seitdem verschwunden und vieles deutet auf ihn als Mittäter hin. Wie soll die korrekte und stets um Gerechtigkeit bemühte Polizistin reagieren?


    Namibia ist ein Land, über das ist nicht viel weiß und die Landreformen in dieser Gegend sind auch nicht das Thema, das ich mir normalerweise bei einem guten Krimi wünsche, doch erstaunlicherweise bietet es eine gute Grundlage für eine spannende Lektüre.
    Der Autor deckt die Probleme gnadenlos auf und beschönigt sie nicht, sodass man als Leser einen wirklich gut recherchierten Roman genießen kann, der aus der Masse der 08/15 Handlungen ausbricht.
    Mit der Protagonistin bin ich zwar am Anfang nicht warm geworden, da sie mir zu streng in Situationen ist, die eine gewisse Lockerheit aus meiner Sicht erfordern („Cola-Diebstahl“) und dann selbst wiederum bei der eigenen Befangenheit in dem aktuellen Fall nicht die Notleine zieht, doch im großen Showdown zeigt sie eine menschliche Seite, die ihr sehr gut steht und ruhig häufiger durchbrechen dürfte.


    Lieber Bernhard, es tut mit Leid, dass ich nicht so aktiv an der Leserunde teilgenommen habe, wie es das Buch verdient hätte, trotzdem hat es mir Spaß gemacht Namibia von einer Seite zu entdecken, die die Politiker gerne verstecken würden und ich bin gespannt auf Clemencias neuen Fall!

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen