Allgemeine Fragen an Stefanie Ross


  • Hallo Steffi,


    wie bist du denn zum Schreiben gekommen? Und war es schwierig, einen Verlag zu finden?


    Hi Heimfinderin.


    Auch wenn es ungewöhnlich klingt: Ich bin durch einen reinen Zufall zum Schreiben gekommen. Wenn überhaupt, habe ich früher kurze, witzige Dinge in bzw. aus der Familie auf höchstens einer Seite festgehalten.


    Dann hat eines Tages eine Freundin mich nach einer Mail an sie gefragt, warum ich nicht selbst schreibe. Wenn das irgendeine Freundin gesagt hätte, hätte ich mich fürs Kompliment bedankt und das Thema wäre erledigt gewesen. In diesem Fall handelte es sich jedoch um eine (bekannte) Autorin. Da habe ich mir dann gedacht: „Warum eigentlich nicht …“ Ich war selbst gespannt, ob ich überhaupt das Durchhaltevermögen habe, einen so langen Text zu schreiben, aber das funktionierte ganz gut. Ich merkte dann aber schnell, dass Schreiben ein Handwerk ist, das man lernen muss. Dabei hatte ich dann aber auch kompetente Hilfe und irgendwann war „Fatale Bilanz“ fertig.


    Dann schien alles wie von selbst zu laufen. Ich fand schnell einen Agenten, der von der Story ganz begeistert war.


    In der Wirklichkeit gibt’s ja nicht so häufig ein Happy End, so gab es auch hier eine ziemlich harte Landung :'(. Die großen Verlage fanden den Plot und den Schreibstil sehr gut. Aber das Genre Wirtschaft und Terroristen sei Männersache >:(. Mir wurde ernsthaft vorgeschlagen, entweder auch den blutigen Serienkiller-Kram zu schreiben oder alternativ wäre es doch eine nette Idee, wenn eine ältere, häkelnde Dame einen Kommissar unterstützen würde … :vogelzeigen:


    Da Schreiben für mich Spaß sein sollte, aber kein Hauptjob, sagte ich brav „Nein, danke“, trennte mich von meinem Agenten und schrieb einfach zum Spaß weitere Geschichten mit meinen Hamburger Ermittlern, Terroristen etc. :)


    Dann beschwerte sich eine Freundin (Lektorin beim Sieben-Verlag) , dass sie endlich mal wieder einen vernünftigen SEAL-Roman aus dem Genre „Romantic Thrill“ lesen möchte. Da es sowas gerade nicht gibt, sollte ich das eben schreiben. Damit könne ich doch an die HH-Krimis anschließen und mich mit Action, Terroristen etc. austoben. Ich war neugierig, ob ich ‚sowas’ überhaupt schreiben konnte, aber das ging problemlos und „Luc – Fesseln der Vergangenheit“ entstand. Parallel bekam ich den Tipp, dass Regionalverlage wesentlich offener für ungewöhnliche Krimiplots sind, als die „Großen“. Das hörte sich für mich gut an und ich schickte dann gleich zwei Manuskripte los: Luc an Lyx und den HH-Krimi an Sutton. Nach dem holprigen Anfang ging es dann wahnsinnig schnell und ich hatte plötzlich zwei Bücher am Start … Die Frage, ob die Verlagssuche schwierig war, muss ich also mit einem klaren Jein beantworten.


    Ups, ist das lang geworden :-[ … aber du hattest gefragt ;D


    Viele Grüße
    Steffi


  • Lieber Roland :winken:,


    ich bin eindeutig eine schnelle Schreiberin. Ich wälze die Szenen solange im Kopf hin und her, bis sie passen und dann geht das Schreiben superschnell. Zum Leidwesen meiner Testleser so schnell, dass ich gern mal ein Wort vergesse. ;D


    "Fatale Bilanz" habe ich im Grunde 3x überarbeitet: Einmal direkt nach dem Schreiben, um die Anfängerfehler aus den ersten Kapiteln rauszuhauen und die Anmerkungen meiner Testleser (und vor allem die inhaltlichen Korrekturen der Experten) reinzunehmen.
    Dann mit etwas Abstand nochmal und dann erst wieder komplett, als es um die Kürzungen ging, um von den kleineren Verlagen nicht sofort abgelehnt zu werden.


    Als die Zusage von Sutton kam, musste ich noch den Regionalbezug reinbringen. Das war's eigentlich.


    Das Lektorat würde ich nicht als Überarbeitung zählen, obwohl da nochmal viel gestrichen/geändert wurde.


    Beim Erstling ist das Überarbeiten wohl immer etwas extremer. Heute reicht mir ein Korrekturgang, bei dem ich selbst nochmal rübersehe und vor allem das Gemotze ;) meiner Testleser und meiner "Experten" an speziellen Stellen berücksichtige.


    Viele Grüße
    Steffi


  • Danke für deine ausführliche Antwort, Steffi. 8)


    Du sprichst davon, dass das nächste Buch fast fertig ist. Wird aus dem Krimi eine Krimi-Reihe?


    Das Buch ist im Prinzip fertig. Allerdings spielt im Moment noch ein (zu großer) Teil im Ausland und es fehlen ein paar Straßennamen ;D. Ich selbst hatte von Anfang an eine Serie geplant und bei einer Lesung in Hamburg (witzigerweise fast direkt dort, wo der Hauptteil des Krimis anfängt) erfuhr ich, dass der Verlag weitermachen will. Bisher sind aber noch keine Details abgemacht ...

  • Liebe Steffi,
    vor allem auf deine ausländischen Straßennamen bin ich schon gespannt ;)
    Mit viel Interesse habe ich gelesen, was du über deine Verlagssuche geschrieben hast. Die Aussage, dass die Themen "Terrorismus" und "Wirtschaft" so ein Männerding sind, und man deshalb kein Buch daraus machen könne, weil Männer bekanntlich nur den "Kicker" und die "Computer Bild" lesen, finde ich sehr typisch. Meine Erfahrung ist auch die, dass kleine Verlage häufig mutiger ihr Programm zusammenstellen, als die großen Publikumsverlage.
    LG Roland


  • Liebe Steffi,
    vor allem auf deine ausländischen Straßennamen bin ich schon gespannt ;)
    Mit viel Interesse habe ich gelesen, was du über deine Verlagssuche geschrieben hast. Die Aussage, dass die Themen "Terrorismus" und "Wirtschaft" so ein Männerding sind, und man deshalb kein Buch daraus machen könne, weil Männer bekanntlich nur den "Kicker" und die "Computer Bild" lesen, finde ich sehr typisch. Meine Erfahrung ist auch die, dass kleine Verlage häufig mutiger ihr Programm zusammenstellen, als die großen Publikumsverlage.
    LG Roland


    Lieber Roland,


    das Männerding war ja noch viel schlimmer: >:( Denn nicht nur, dass Frauen sowas nicht lesen!! Nö, wenn einer darüber schreibt, dann ein Mann >:( Weil frau sich damit sowieso nicht auskennt. Spätestens als es um die Bundeswehr ging, gingen damals sämtliche Schotten runter.


    Hihi, ausländische Straßennamen? Nie nicht!!!


    LG
    Steffi

  • Ich finde das so bescheuert, dass man Themen ausschließt, weil sie angeblich nicht gelesen werden. Klar muss ein Verlag verdienen und hält sich an Bücher, die sich gut verkaufen/verkauft haben. Als Resultat findet man als Leser dann irgendwann nur noch die gleichen Geschichten in immer neuen Varianten. Es gab eine Phase, da habe ich den Klappentext diverser historischer Romane durchgelesen und irgendwann das Gefühl gehabt, all die Bücher schon mal gelesen zu haben. Am Ende hatte ich gar keine Lust mehr drauf und keine mehr gelesen. ::) Man will doch mal was Neues lesen. Und jeder Hype war doch auch mal irgendwann eine neue Idee! :-\


  • Ich finde das so bescheuert, dass man Themen ausschließt, weil sie angeblich nicht gelesen werden. Klar muss ein Verlag verdienen und hält sich an Bücher, die sich gut verkaufen/verkauft haben. Als Resultat findet man als Leser dann irgendwann nur noch die gleichen Geschichten in immer neuen Varianten. Es gab eine Phase, da habe ich den Klappentext diverser historischer Romane durchgelesen und irgendwann das Gefühl gehabt, all die Bücher schon mal gelesen zu haben. Am Ende hatte ich gar keine Lust mehr drauf und keine mehr gelesen. ::) Man will doch mal was Neues lesen. Und jeder Hype war doch auch mal irgendwann eine neue Idee! :-\


    Absolute Zustimmung! Mich (als Leser) nervt diese Gleichschaltung bei den Großen total. Mir geht's da wie dir. Ich habe im Laden ein Buch in der Hand und frage mich, ob ich das schon kenne. Und bei jeder Hype wird soviel von dem gleichen Zeug so schnell auf den Markt gekippt, dass die Qualität extrem leidet. Ich bin ja schon auf die 50 Shades Nachfolger gespannt .... ::)


  • Lieber Roland,


    das Männerding war ja noch viel schlimmer: >:( Denn nicht nur, dass Frauen sowas nicht lesen!! Nö, wenn einer darüber schreibt, dann ein Mann >:( Weil frau sich damit sowieso nicht auskennt. Spätestens als es um die Bundeswehr ging, gingen damals sämtliche Schotten runter.


    Sie hätten es ja unter Pseudonym veröffentlichen können - Stefan Ross ;D

  • Zitat

    Klar muss ein Verlag verdienen und hält sich an Bücher, die sich gut verkaufen/verkauft haben. Als Resultat findet man als Leser dann irgendwann nur noch die gleichen Geschichten in immer neuen Varianten.


    Die Zielgruppe ist ja ein Fetisch nicht nur der Verlage sondern überhaupt der Medienbranche. Tatsächlich führt das ständige Schielen auf die Zielgruppe zum immer mehr vom immer gleichen. Ganz offensichtlich verspricht dieses unternehmerische Sicherheitsprogramm höheren Gewinn als Mut zum künstlerischen Wagnis. Es scheint leider so zu sein, dass viele Leserinnen und Leser bei der Lektüre auf literarische Geborgenheit wert legen und möglichst schon zu Beginn der Lektüre wissen wollen, was auf sie zukommt. :'(


  • Es scheint leider so zu sein, dass viele Leserinnen und Leser bei der Lektüre auf literarische Geborgenheit wert legen und möglichst schon zu Beginn der Lektüre wissen wollen, was auf sie zukommt. :'(


    Andererseits kenne ich viele, die sich darüber ärgern. Die Frage ist nur, wie repräsentativ diese Beschwerden sind. Auf jeden Fall ein Grund zum :'(. Dennoch glaube ich, dass sich in nächster Zeit einiges auf dem Buchmarkt bewegen wird.


    Ich sehe es ja bei mir: Lyx gefiel mein Mansukript, war aber unsicher, ob das militärische und afghanische Thema Erfolg hat. Also der Test als ebook und siehe da: Es hat sich gelohnt :).

  • Ich sehe es ja bei mir: Lyx gefiel mein Mansukript, war aber unsicher, ob das militärische und afghanische Thema Erfolg hat. Also der Test als ebook und siehe da: Es hat sich gelohnt :).


    Das verstehe ich aber irgendwie nicht. ::) Es gibt doch eine Menge Bücher über SEALs und die kommen (sehr) gut bei den Leser/innen an. Und die arbeiten nun einmal beim Militär, warum die Verlage da Angst haben, ist mir irgendwie nicht verständlich. Man kann daraus doch immer noch eine super Story machen und das hat man bei dir und Michelle doch super gesehen.


  • Das verstehe ich aber irgendwie nicht. ::) Es gibt doch eine Menge Bücher über SEALs und die kommen (sehr) gut bei den Leser/innen an. Und die arbeiten nun einmal beim Militär, warum die Verlage da Angst haben, ist mir irgendwie nicht verständlich. Man kann daraus doch immer noch eine super Story machen und das hat man bei dir und Michelle doch super gesehen.


    Wenn ich mich mal kurz einmischen darf, obwohl ich an der Leserunde nicht teilnehme (kenne das Buch ja schon seit eeewigen Zeiten ;D): Vor Jahren hieß es tatsächlich noch bei deutschen Verlagen - Militär und Romantik in einem Buch, nein, das geht nicht. Dementsprechend haben sie auch die Bücher von z.B. Suzanne Brockmann nicht, bzw. erst ab dem Teil übersetzt als das Ganze so verwässert war, dass kaum Militär drin vorkam. Tatsächlich war 2003 mein 'Riskante Nähe' das erste SEAL-Romantik-Buch in Deutschland, dabei hatten schon vorher viele amerikanische Autorinnen solche Bücher veröffentlicht. Und was das Problem mit unseren SEAL-Büchern angeht - das lag nicht nur am SEAL-Thema, sondern vor allem auch daran, dass wir Afghanistan und echte Konflikte mit reingenommen haben und nicht nur über Pseudo-SEALs geschrieben haben. Da war man sich unsicher, ob das den Lesern gefallen würde. Ich würde sagen: Experiment gelungen. :)



    Viele Grüße,


    Michelle


  • Was machst du denn hier? Ab in deine eigene Runde :D. Also, wenn ich mich auch kurz einmischen darf ;). Ich bin mir sehr sicher, dass Luc keine Chance gehabt hätte, wenn nicht schon Michelles Afghanistan Buch geplant gewesen wäre. Vermutlich wäre es dann auf ein Angebot für Jay hinausgelaufen und Luc wäre niemals .. ürgs, fürchterlicher Gedanke.


    Also, als Problempunkte wurden - wie Michelle schon sagte - neben Militär auch der Ort Afghanistan genannt, mit dem der Leser durch die Medien nicht gerade ein potentielles Lesevergnügen verbindet. Aber das es doch geht, haben wir ja bewiesen. :daumen:


    Viele Grüße
    Steffi


    PS Michelle : Komisch, dass noch keiner gemerkt hat, dass du wirklich an allem Schuld bist :-*


  • Wenn ich mich mal kurz einmischen darf, obwohl ich an der Leserunde nicht teilnehme...


    Hallo Michelle! :winken:
    Wie schön, Dich auch hier zu sehen! ;D



    Da ich ja TURT/LE sehr gerne gelesen habe, reizt es mich jetzt auch, LUC zu lesen.
    Wenn ich aber richtig informiert bin, dann gibt es das Buch nur als e-book. :(
    Ist es denn geplant, das Buch auch mal zu drucken? Denn erfolgreich ist es doch...

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    Dani