04 - Kapitel 4 (Die Sorgen des Lebens) - (Seite 213 bis 272)

  • Mir gefällt die Schlussszene dieses Kapitels! Von der Form her wirkt sie auf mich wie ein Selbstgespräch, da ich Avrexel, den weisen Raben ja nicht verstehe ;). Aber inhaltlich scheint hier Sprengstoff für die weitere Handlung auf mehreren Ebenen deponiert zu sein. Yeladors wahre Beweggründe, das Verhältnis von Cecano/Nuerta zum Dom, das Verhältnis von Nuerta zu Cecano und natürlich die Rolle des Raben.
    Welche Bedeutung haben Raben in Almadana? Sie tauchen in diesem Band ja häufiger auf. Gehören sie immer zu Boron?


    Schön, dass es ein wenig Raum für Doloresas Charakter gibt! Ich war mir bis zu diesem Kapitel nicht sicher, ob eine neue Umgebung ausreichen würde, um ihre Persönlichkeit in Bewegung zu bringen. Sie wirkte durch ihre gesellschaftliche Machtstellung, die Last des Parasiten, vielleicht auch eine angeborene Neigung zu rigidem Handeln auf mich sehr festgefahren. Ihre Mutter war jahrelang ihre einzige Vertraute. Es ist fast erstaunlich, dass sie sich jetzt sowohl von Raulo als auch von Lerico anrühren lässt, statt erst mal in ihrem sicheren Muster von Misstrauen und Selbstverteidigung zu verharren, bis sich ihre Lage geklärt hat. Sie stürzt sich ja geradezu kopfüber ins Leben!


  • Mir gefällt die Schlussszene dieses Kapitels!


    Danke. :)
    Das "Gespräch" zwischen Nuerta und Avrexel hat auch beim Schreiben viel Spaß gemacht.
    Avrexel ist eine weitere Figur, die wir im Autorenteam sehr geknetet haben, bis sie auf die Bühne durfte. Anfangs war er gar nict im Konzept, danach war er noch nicht einmal ein Rabe ... Später haben wir ihn alle ins Herz geschlossen.



    Welche Bedeutung haben Raben in Almadana? ... Gehören sie immer zu Boron?


    Sie sind eng mit dem Kult Borons verbunden, der für Tod, Schlaf, Vergessen und Schweigen steht. Punin, die größte Stadt Almadas, ist auch Sitz des Haupttempels des nördlichen Ritus des Boron-Kults, dort residiert auch der höchste Priester, der den Titel "Rabe von Punin" trägt. Auch einige der Alveraniare Borons (so eine Art Erzengel) erscheinen häufig in Gestalt von Raben. Die wichtigsten sind Golgari, der die Toten holt, und Bishdariel, der die Träume bringt.



    Schön, dass es ein wenig Raum für Doloresas Charakter gibt! Ich war mir bis zu diesem Kapitel nicht sicher, ob eine neue Umgebung ausreichen würde, um ihre Persönlichkeit in Bewegung zu bringen. Sie wirkte durch ihre gesellschaftliche Machtstellung, die Last des Parasiten, vielleicht auch eine angeborene Neigung zu rigidem Handeln auf mich sehr festgefahren. Ihre Mutter war jahrelang ihre einzige Vertraute. Es ist fast erstaunlich, dass sie sich jetzt sowohl von Raulo als auch von Lerico anrühren lässt, statt erst mal in ihrem sicheren Muster von Misstrauen und Selbstverteidigung zu verharren, bis sich ihre Lage geklärt hat. Sie stürzt sich ja geradezu kopfüber ins Leben!


    Das sind sehr interessante Überlegungen, Frischling! Ich schlage vor, dass wir sie bis zum nächsten Leseabschnitt im Gedächtnis behalten und Doloresas "Irrungen und Wirrungen" dann im Zusammenhang diskutieren, denn da wird sich noch einiges tun ...
    ;)

  • Das sich entwickelnde Verhältnis von Doloresa vorallem zu Lerico(dem selbst sie Respekt zollen muss),fand ich persönlich auch sehr anrührend,weil es einen auch hinter ihre harte Schale blicken läßt und sie ja gerade zu 'menschlich' erscheinen läßt,diese Szenen sind für mich auch der Grund warum Doloresa für mich ein Sympathieträger und eher tragische Figur ist und kein Antagonist(auch wenn sie extrem schnell aus der Haut fährt und ja teilweise auch blutrünstig ist).
    Auch die Sorge ihrer Mutter läßt durchblicken,dass Doloresa vielleicht/wahrscheinlich nicht immer diese 'brutale Person' war,die sie nun ist.


  • Das sich entwickelnde Verhältnis von Doloresa vorallem zu Lerico(dem selbst sie Respekt zollen muss),fand ich persönlich auch sehr anrührend,weil es einen auch hinter ihre harte Schale blicken läßt und sie ja gerade zu 'menschlich' erscheinen läßt,diese Szenen sind für mich auch der Grund warum Doloresa für mich ein Sympathieträger und eher tragische Figur ist und kein Antagonist(auch wenn sie extrem schnell aus der Haut fährt und ja teilweise auch blutrünstig ist).


    Diese Eingangsszene in Kapitel 4 hat mir auch sehr gut gefallen. Wir hatten Doloresa auf dem Gongplatz ja schon anders kennengelernt. Aber hier blüht sie wirklich richtig auf. Sie zeigt das erste Mal Interesse. Ich bin mir nun in ihrer Person nicht mehr so sicher. Vor allen Dingen, frage ich mich nun, wie stark der Parasit sie wirklich beeinflusst.
    Und auch Raul wirkt hier das erste Mal richtig entspannt und sehr sympathisch. Bisher kam er mir immer irgendwie, wie der verbitterte Kriegsveteran vor, der an nichts wirklich Freude hat. Aber nun. Er scheint seine Fechtschule wahrlich zu mögen.
    Über den Auftritt von Dom Lerico habe ich mich sehr gefreut. Den alten Mann habe ich wirklich vermisst.
    Die ganze Szene in San Cardasso ist eine gute Erweiterung des Stadtszenarios. Und damit eine willkommene Abwechslung.


    Zitat

    In der Szene, in der sie in San Cardasso eintrifft, wird auch eine Schwäche von Doloresa gezeigt


    Diese Schwäche hat Doloresa einen großen Pluspunkt bei mir eingebracht. Auf ihre weitere Entwicklung bin ich wirklich gespannt.



    Große klasse fand ich die Szene auf dem Friedhof an Giulianas Grab. Hier lernen wir den ach so fürsorglich um Esfiria besorgten Hernando von einer ganz anderen Seite kennen. Er hat sich den Traumwanderern offensichtlich angeschlossen um den Standesunterschied zwischen Fellachen und Nobleza aufzuheben. Er scheint allen Respekt verloren zu haben. In dieser Verblendung hat er wohl Giulianas Körper angezündet.
    Ich bin sehr neugierig in welche Richtung sich die Traumwanderer weiter entwickeln. Ist es wirklich so eine Art demokratischer Untergrundorganisation? Oder doch eher nur Mittel zum Zweck für ihren Anführer?

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

    Einmal editiert, zuletzt von Torshavn ()


  • Diese Eingangsszene in Kapitel 4 hat mir auch sehr gut gefallen. Wir hatten Doloresa auf dem Gongplatz ja schon anders kennengelernt. Aber hier blüht sie wirklich richtig auf. Sie zeigt das erste Mal Interesse. Ich bin mir nun in ihrer Person nicht mehr so sicher. Vor allen Dingen, frage ich mich nun, wie stark der Parasit sie wirklich beeinflusst.


    :banane:
    Diese Frage stellt ja auch Heimfinderin (in Leseabschnitt 3). Die Frage hat auch mehrere Geschmacksrichtungen:
    - Wie hätte sich Doloresas Charakter entwickelt, wenn der Parasit nie in ihrem Gesicht gelandet wäre?
    - Wie viele (wenn überhaupt welche) ihrer gegenwärtigen Handlungen werden von dem Parasiten dominiert?
    - Wie viel ist einfach auf die Entstellung ihres Gesichts durch den Parasiten zurückzuführen - also auf ihre soziale Ausgrenzung, nicht auf einen übersinnlichen Einfluss?
    - Was würde passieren, wenn der Parasit von heute auf morgen weg wäre? Dann hätte Doloresa noch immer alle Erfahrungen gemacht, die sie in den vergangenen Jahren gesammelt hat, und man würde ihr auch mit dieser Historie im Hinterkopf begegnen. Sie wäre dann nicht mehr entstellt, aber sie wäre noch immer diejenige, die "meinem Vetter die Wange aufgeschlitzt hat" etc.



    Über den Auftritt von Dom Lerico habe ich mich sehr gefreut. Den alten Mann habe ich wirklich vermisst.


    Dom Lerico war, wenn ich mich recht entsinne, im Konzept zunächst nicht enthalten. Die Figur kam mir, glaube ich, spontan in den Sinn, als ich eine Figur brauchte, die bei Edelharts Ankunft mit diesem interagiert. Er hat sich dann aber ganz gut gemacht, finde ich, deswegen haben wir ihn später noch ab und zu verwendet. Sein großer Auftritt mit der Holzscheibe wurde ihm dann auch von uns allen "gegönnt". :)



    Die ganze Szene in San Cardasso ist eine gute Erweiterung des Stadtszenarios. Und damit eine willkommene Abwechslung.


    Wir haben bei der Serie auf einen engen räumlichen Fokus geachtet, sowohl aus dramaturgischen Gründen (die Figuren sollten sich auch ab und zu mal zufällig über den Weg laufen können) als auch, um die Serie einsteigerfreundlich für Neulinge bei Das schwarze Auge zu halten. Bei einer über den gesamten Kontinent verteilten Handlung hätte man sich als Leser in eine Vielzahl von Kulturen hineindenken müssen, so reicht die almadanische aus.
    Trotzdem wollten wir die von Dir angesprochene Abwechslung der Schauplätze bieten, deswegen spielen einige Szenen nicht in Taladur selbst, sondern im Einflussgebiet - in San Cardasso, auf diversen Landgütern oder auch in den Minendörfern Calcato und Premura, wo der Alaun gefördert wird.



    Diese Schwäche hat Doloresa einen großen Pluspunkt bei mir eingebracht. Auf ihre weitere Entwicklung bin ich wirklich gespannt.


    Doloresa war als Figur umstritten, wie ich in dieser Leserunde, glaube ich, schon erwähnte. Leseeindrücke wie Deiner bestätigen mich in der Auffassung, dass es richtig war, sie in der Geschichte zu belassen.
    Auch bei den Lesern polarisiert sie anscheinend stark - man genießt diese Figur oder man verspürt den Drang, die Seiten zu überblättern, auf denen der Name "Doloresa" steht ...



    Große klasse fand ich die Szene auf dem Friedhof an Giulianas Grab. Hier lernen wir den ach so fürsorglich um Esfiria besorgten Hernando von einer ganz anderen Seite kennen. Er hat sich den Traumwanderern offensichtlich angeschlossen um den Standesunterschied zwischen Fellachen und Nobleza aufzuheben. Er scheint allen Respekt verloren zu haben. In dieser Verblendung hat er wohl Giulianas Körper angezündet.


    Eine interessante Interpretation. Wird sie von den anderen Leserundenteilnehmern geteilt?

  • Ich muss sagem,mir aben die ersten Szenen mit den Traumwanderern anfangs nicht so gut gefallen.ingangs empfand ich die Gruppierung irgendwie deplaziert.Aber umso mehr man von ihnen erfährt merkt man,dass es sich (in meinen Augen zumindest) nur um eine Bande Halbstarker handelt,die zum einen der Reiz des Verbotenen lockt,als auch das Prinzip das Sie alle gleich sind innerhalb der Gruppe unabhängig von Stand oder Einfluss der Familie.Das gefahrliche/unberechenbare an ihnen ist allerdings,dass Sie die Auswirkungen ihres Tuns und ihrer 'Streiche'(die für mich eindeutig mehr als nur das sind) gar nicht begreifen (können). So kann Yeledor sie nach seinem eigenen gut dünken einsetzen,wie man an seinem verhalten gegenüber Esfira auch sehen kann,da er seine Interessen über ihr körperliches und geistiges Wohl setzt.

  • Huch, da hat Daroca in ihrem Tagebuch aber mal eine Seite von sich gezeigt, die ich so dann doch nicht erwartet habe. Dass sie ein kleines Biest ist, hat sie ja schon gezeigt, aber richtig ernst habe ich sie bisher trotzdem nicht genommen. War wohl ein Fehler. Das ist ja eine richtige kleine Intrigantin, die vorne lächelt und hintenrum zusticht! Sie kann also nicht nur gut beobachten, sondern auch gut die Menschen wie Spielfiguren herumschieben, zumindest bei Edelhart hat das ja nach Plan funktioniert mit dem Hinweis auf seinen Nebenbuhler. „Fähigkeit zum Verrat ...unverzichtbar“ , soso. ;D



    Ja, das stimmt und meine Gedanken kreisen immer noch um dieses Thema. Mir gefiel der weitere Einblick in Doloresa auch hier wieder gut und ich empfinde es auch hier wieder bestätigt, dass sie ein einsamer und empfindsamer Mensch ist, der wie auch Lerico erkennt, Freunde finden muss, was ihr leider aufgrund des Parasiten und was er aus ihr gemacht hat, sehr erschwert wird. Wenn es überhaupt noch für sie möglich ist. Wir Leser sehen mal ihr Inneres, was für andere nie nach außen sichtbar ist. Die anderen wären vielleicht ganz schön überrascht, wenn sie ihre Gedanken sehen könnten, da sie für sie ja immer nur böse erscheint (was Doms Hund z. B. gar nicht sieht und ein Hund ist immerhin ohne Vorurteile), Aber wenn ich mir jetzt vorstelle, der Parasit verschwindet plötzlich, glaube ich nicht, dass das gleich etwas ändert. Weder bei der gewohnten Abneigung der anderen ihr gegenüber, noch an ihrem Verhalten, das jetzt jahrelang in ihr so verankert ist. Ich glaube, sie müsste erst lernen, sie selbst zu werden, und sie müsste sicher auch lernen, sich nicht mehr hinter dem Parasiten verstecken zu können. Denn ihr aggressives Hau-Drauf-Verhalten ist ja auch viel einfacher, als auf einmal etwas von sich selbst preiszugeben, was ja auch wiederum verletzlich macht, wie es nun mal ist, wenn man mit anderen Menschen eine echte emotionale Verbindung eingeht (und die anderen umgekehrt auch). Ob das nach allem, was passiert ist, überhaupt noch möglich ist? Irgendwie tut sie mir leid. Andererseits habe ich aber auch Angst vor einem erneuten Wutausbruch ihrerseits.


    Sehr interessant finde ich übrigens ihre Angst vor Kellerräumen. Da frage ich mich doch gleich, was das wohl mal ausgelöst hat und komme auf die Vermutung, dass dieses Trauma mit ihrem Verschwinden und der Verbindung mit dem Parasiten zu tun haben könnte. Entweder wurde sie damals längere Zeit in einem dunklen Loch gefangen gehalten, was ein Trauma ausgelöst hat und wo vielleicht auch der Parasit aus der Erde heraus in sie eingedrungen ist. ODER es ist gar nicht Doloresas eigene Angst, die sich da bemerkbar macht, sondern die Angst des Parasiten, der in Bodenlöchern vielleicht nicht existieren kann und deshalb natürlich diese tunlichst meiden will.


    Was die Fehde der Familias betrifft, hat hier Boromeo auch gezeigt, dass er damit eigentlich nicht so viel im Sinn hat, bzw. auch gut ohne diese leben könnte, habe ich so das Gefühl. Und dieses Gefühl hatte ich ja schon bei anderen jungen Familienmitgliedern vorher gehabt. Irgendwie scheint die allgemeine Feindschaft zwischen den Familias auch eine Gewohnheit zu sein, von der nicht mehr jeder weiß, wie sie eigentlich entstanden ist. Vielleicht hatte dies ja irgendwann mal jemand provoziert...


    So und nun komme ich zu den Ferkeln, ...äh Ferkinas. Also dieser Name ist ja unglaublich! ;D Ich hatte ihn beim ersten Lesen gleich im Sinn und spätestens, als sie die dann arme Wärterin so grausam töteten und im Blut „herumsuhlten“ , passte er dann so richtig. ;) Wer mir übrigens dann bei der almadischen Sklavin in den Sinn kam, ist die verschollene Schwester von Doloresa. Diese Sklavin passt ja nicht ganz in diese Truppe und will oder kann sich nicht mehr an ihre Familie erinnern. Verschollene Protagonisten hängen bei mir, wie gesagt, immer sehr hartnäckig im Kopf herum und dann sind plötzlich auftauchende Figuren mit ungewisser Herkunft natürlich DIE Kandidaten für mich. :lupe:


    So, später noch das ein oder andere mehr, jetzt erst mal :abinsbett:


  • Irgendwie tut [Doloresa] mir leid. Andererseits habe ich aber auch Angst vor einem erneuten Wutausbruch ihrerseits.


    Ich nehme es als Kompliment, dass meine Figur einer solch intensiven Betrachtung für würdig erachtet wird und dann auch noch so widersprüchliche Gefühle zu wecken vermag. :)


    Sehr interessant finde ich übrigens ihre Angst vor Kellerräumen. Da frage ich mich doch gleich, was das wohl mal ausgelöst hat und komme auf die Vermutung, dass dieses Trauma mit ihrem Verschwinden und der Verbindung mit dem Parasiten zu tun haben könnte. Entweder wurde sie damals längere Zeit in einem dunklen Loch gefangen gehalten, was ein Trauma ausgelöst hat und wo vielleicht auch der Parasit aus der Erde heraus in sie eingedrungen ist. ODER es ist gar nicht Doloresas eigene Angst, die sich da bemerkbar macht, sondern die Angst des Parasiten, der in Bodenlöchern vielleicht nicht existieren kann und deshalb natürlich diese tunlichst meiden will.


    Alle diese Überlegungen sind plausibel. Inwieweit sie zutreffen, möchte ich aus dramaturgischen Gründen nicht verraten. Jedenfalls ist Doloresa mit all ihren Eigenschaften und ihrem Umfeld eine Figur, die wir verwendet haben, um zwei Haupthandlungsstränge voranzubringen ...


    Was die Fehde der Familias betrifft, hat hier Boromeo auch gezeigt, dass er damit eigentlich nicht so viel im Sinn hat, bzw. auch gut ohne diese leben könnte, habe ich so das Gefühl. Und dieses Gefühl hatte ich ja schon bei anderen jungen Familienmitgliedern vorher gehabt.


    Bei Boromeo und Jazemina kann ich das nachvollziehen - aber auch Doloresa und Daroca zählen ja zum "jungen Gemüse", und bei denen scheint die Abneigung gegen Querellas nicht sehr ausgeprägt ...


    Die Ferkinas habe ich als Kontrapunkt eingesetzt. Während Taladur von feinen Sitten geprägt ist, neigen die Ferkinas zu einem eher schnörkellosen Ansatz, wenn sie ihre Antipathie ausdrücken möchten.



    Wer mir übrigens dann bei der almadischen Sklavin in den Sinn kam, ist die verschollene Schwester von Doloresa. Diese Sklavin passt ja nicht ganz in diese Truppe und will oder kann sich nicht mehr an ihre Familie erinnern. Verschollene Protagonisten hängen bei mir, wie gesagt, immer sehr hartnäckig im Kopf herum und dann sind plötzlich auftauchende Figuren mit ungewisser Herkunft natürlich DIE Kandidaten für mich.


    Auch hierzu sage ich aus dramaturgischen Gründen nichts. ;)


  • Bei Boromeo und Jazemina kann ich das nachvollziehen - aber auch Doloresa und Daroca zählen ja zum "jungen Gemüse", und bei denen scheint die Abneigung gegen Querellas nicht sehr ausgeprägt ...


    Vielleicht ist es bei mir ja beim Lesen falsch angekommen, aber auch die beiden wirken auf mich nicht so allgemein in der Fehde verwurzelt. Eine (wohl anerzogene) Abneigung schon, aber diese Verbissenheit wie z. B. bei Doloresas Mutter spüre ich da nicht. Doloresa hatte ja auch Unverständnis für das Fehde-Verhalten ihrer Mutter gezeigt und betont, sie würde einfach mit dem Schwert kurzen Prozess machen, wenn sie speziell ein Problem mit jemandem hätte. Und da wirkte es auf mich aber so, als würde das jetzt nicht pauschal auf ganze Familien verteilt sein, sondern sie würde mit einzelnen Personen, also auf persönlicher Ebene agieren. Daroca wirkt auf mich auch eher auf persönlichen Vorteil bedacht, der wenig mit der Fehde zu tun hat. Wenn sie dafür nützlich sein kann, ok. Aber sie wirkt auf mich nicht persönlich davon betroffen, sondern würde sicher auch mit dem "Feind" gut Freund sein, wenn es passt. Und auch Amaria wirkte auf mich in ihrer Anfangsszene eher genervt von der ganzen Situation, als wirklich emotional engagiert. Die Sache mit ihrem Pferd z. B. Ist so persönlich, da hätte sie sicher auch ein eigenes Familienmitglied entsprechend angefahren, wenn es ihr das Pferd wegnehmen wollte.


    Was auch immer irgendwann passiert und und warum auch immer an dieser Fehde festgehalten und sie aufrecht erhalten wird, ich habe einfach das Gefühl, die Jüngeren bräuchten sie nicht unbedingt. Warum sollten sie einen maskierten Tanzabend besuchen, um Spaß zu haben, wenn sie wirklich ernsthaft Todfeinde wären? Da würde ich auch maskiert nicht hingehen, wenn mir die Fehde wirklich ernst ist. Ich habe einfach ein bisschen das Gefühl, sie tragen den Streit der Älteren mit, aber nur, weil es dazu gehört und nicht, weil es eine Herzensangelegenheit ist. Die nächste oder übernächste Generation geht vielleicht schon ohne Masken tanzen...


    Aber vielleicht täusche ich mich und es kam bei mir falsch an, bzw. es ist vielleicht schon eigentlich so, aber total sensibel und es braucht nur eine Funken, um auch die evtl. jungen "Abweichler" wieder auf die ja lange vorhandenen Schienen zu heben.


    Wie ist es denn bei denn anderen? Bin ich die einzige, die zeitweise dieses Gefühl hatte?

  • Zitat

    Die Ferkinas habe ich als Kontrapunkt eingesetzt. Während Taladur von feinen Sitten geprägt ist, neigen die Ferkinas zu einem eher schnörkellosen Ansatz, wenn sie ihre Antipathie ausdrücken möchten.


    Die Ferkinas waren für mich eine wirkliche Überraschung, Bernard. Und sie kamen, meines Erachtens, völlig aus dem Nichts. Sie passen so gar nicht in das bisherige Szenario. Und sie sind so ausgesprochene Saukerle, das sich eigentlich kein Almadaner mit ihnen einlassen würde. Was natürlich auch die Frage aufwirft: Wer packiert mit einem solchen Gesindel? Die Ferkinas sind, meiner Meinung nach, eher dazu geeignet, um die Familias gegen einen gemeinsamen Feind zu einen. Ich bin gespannt, welchem Zweck sie dienen.


    Zitat

    Wie ist es denn bei denn anderen? Bin ich die einzige, die zeitweise dieses Gefühl hatte?


    Ich kann Deinen Gedanken schon gut nachvollziehen, Heimfinderin. Die junge Generation scheint eher mit ihren eigenen familaunabhängigen Problemen beschäftigt zu sein. Zumindest die, die mir sofort in den Kopf kommen: Boromeo, Jazemina, Amaria, Doloresa. Auch für Daroca scheint das alles eher ein großes Spiel zu sein. Ich habe auch bei ihr nicht den Eindruck, das sie sich wirklich bewußt ist, das ihr Handeln Tote nach sich ziehen kann.
    Aber da ist immer noch die Eltern- und Großelterngeneration, für die die Querellas sehr sehr real sind. Und die sind trotz aller Konsequenzen jederzeit bereit die Fehden wieder hochkochen zu lassen.
    Dann, glaube ich, ist auch die junge Generation dabei. Denn keiner von ihnen macht auf mich wirklich den Eindruck den rigorosen Ansprüchen ihrer Familas dann noch zu wiederstehen.
    Und Erresto weiß das ganz genau. Deshalb tut er ja alles, um genau das zu verhindern. Bisher ist er in meinen Augen der wirkliche 'Held' der Geschichte.


    Zitat

    Zitat von: Heimfinderin am Heute um 02:14:54


    Irgendwie tut [Doloresa] mir leid. Andererseits habe ich aber auch Angst vor einem erneuten Wutausbruch ihrerseits.


    Ich nehme es als Kompliment, dass meine Figur einer solch intensiven Betrachtung für würdig erachtet wird und dann auch noch so widersprüchliche Gefühle zu wecken vermag. :)


    Doloresa ist auch für mich im Augenblick die interessanteste Figur. Ich finde es unendlich hart, wie Du mit ihr umspringst, Bernard. Jedesmal wenn ich denke sie hat für sich eine Chance der Veränderung gefunden, nimmst Du sie ihr wieder. Sie ist die einzige 'Heldin' für die ich hoffe, das sie einen guten Platz im Leben findet. Obwohl sie wahrscheinlich eher tragisch enden wird.

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

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  • Die Ferkinas waren für mich eine wirkliche Überraschung, Bernard. Und sie kamen, meines Erachtens, völlig aus dem Nichts.


    So soll es auch sein: Der Leser soll das Verhalten der Barbaren als Bruch wahrnehmen, als Blick in eine andere (Gedanken-)Welt.



    Doloresa ist auch für mich im Augenblick die interessanteste Figur.


    :banane:



    Ich finde es unendlich hart, wie Du mit ihr umspringst, Bernard. Jedesmal wenn ich denke sie hat für sich eine Chance der Veränderung gefunden, nimmst Du sie ihr wieder.


    Ich bringe sie in die Positionen, in der die Kolleginnen und Kollegen sie für die nachfolgenden Romane brauchen ... ;)


  • Eine interessante Interpretation. Wird sie von den anderen Leserundenteilnehmern geteilt?


    Hmmm, ich weiß nicht. Das kann schon sein, aber auf mich wirkte die Szene ehrlich gesagt nicht so, als wäre Hernandos Tat eine allgemeine Rebellion gewesen und/oder ein zufällig günstiger Moment, um ein Zeichen zu setzten. Es wirkte auf mich viel mehr viel persönlicher, emotionaler, da Hernando direkt nach Boromeos Bemerkung, er müsse Giuliana ganz schön stark hassen, plötzlich austastet, obwohl er vor dieser Bemerkung einfach nur betreten wirkte. Mir kam bei dieser plötzlichen heftigen Reaktion der Gedanke in den Sinn, er könnte eine besondere Verbindung zu Giuliana gehabt haben. Vielleicht ist sie Schuld an etwas, das Hernandos Familie getroffen hat. Oder die Familie seiner Freundin Debona, die ja Silberschmiedin und Tochter eines Silberschmieds ist und Silber war doch Giulianas Breich, oder? Vielleicht ist da etwas passiert, das Hernando ihr persönlich anlastet? Oder Giuliana hat ihn emotional mal irgendwann ausgenutzt? Sie scheint ja gerne mal Liebhaber zu sich geholt zu haben. Ob sie sich auch mal Fellachen zu sich geholt hat? Oder vielleicht ist ein nicht anerkannter Sohn bei einer der Liebschaften mal entstanden, der auf den Namen Hernando hört? ;) Ja, ich spekuliere gerne ;D , aber dieses Gefühl, es müsste eine persönlich motivierte Sache sein, sitzt einfach fest.


  • Ich muss sagem,mir aben die ersten Szenen mit den Traumwanderern anfangs nicht so gut gefallen.ingangs empfand ich die Gruppierung irgendwie deplaziert.Aber umso mehr man von ihnen erfährt merkt man,dass es sich (in meinen Augen zumindest) nur um eine Bande Halbstarker handelt,die zum einen der Reiz des Verbotenen lockt,als auch das Prinzip das Sie alle gleich sind innerhalb der Gruppe unabhängig von Stand oder Einfluss der Familie.Das gefahrliche/unberechenbare an ihnen ist allerdings,dass Sie die Auswirkungen ihres Tuns und ihrer 'Streiche'(die für mich eindeutig mehr als nur das sind) gar nicht begreifen (können). So kann Yeledor sie nach seinem eigenen gut dünken einsetzen,wie man an seinem verhalten gegenüber Esfira auch sehen kann,da er seine Interessen über ihr körperliches und geistiges Wohl setzt.


    Das ist schon alles richtig aber das wichtigste - in dieser Hinsicht - ist in diesem Kapitel ja wohl, dass sie auf eine Art träumen, die Boron, dem Herrn von Schlaf und Tod nicht wohlgefällig ist. Damit bringt sich Yeledor natürlich in ziemlich Nähe zu Borons erzdämonischem Widersacher Thargunitoth... Oder ist das jetzt zu mittelreichisch gedacht?


  • ..., dass sie auf eine Art träumen, die Boron, dem Herrn von Schlaf und Tod nicht wohlgefällig ist.


    Steile These! ;D
    Ein Aspekt, der mir an der aventurischen Götterwelt gefällt, ist, dass sie ein starkes Element von etwas Ungefährem erhalten hat. In vielen Fantasywelten fragt der Priester seinen Gott im Gebet: "Was willst du?" - und dann bekommt er eine klare Antwort und jeder weiß, was der Wille der Götter ist. Nicht so in Aventurien, erst recht nicht beim Totengott Boron. Da gibt es zwei große, extrem unterschiedliche Auslegungen; den nördlichen Ritus mit Sitz in Punin und den südlichen Ritus mit Sitz in Al'Anfa. Die Leute im Süden interpretieren Boron sogar als Götterfürsten, als "Anführer" der Zwölfgötter, was im Norden Praios ist. Kein Wunder, dass sich Punin und Al'Anfa spinnefeind sind. Für uns als Autoren sehr schön, weil es viel dramaturgisches Potenzial bietet, ist der Umstand, dass Boron persönlich eben nicht mit der Faust auf den Tisch haut und sagt: "Punin liegt richtig, die anderen sind Häretiker!" oder umgekehrt. Er schweigt, und Aventurier wie Leser müssen und dürfen mit der Ambivalenz leben.
    Im aktuellen Zusammenhang: Wer hat letztlich die Autorität, zu entscheiden, ob das, was die Traumwanderer tun, borongefällig ist oder nicht? ;)

  • Boromeo stimmt mir zu, wenn er auf Hernando's "Du hast doch auch auf die Maxime der der Traumwanderer geschworen: keine Grenzen! Wir gehen in das unentdeckte Land!" antwortet: "Das gilt für das Reich der Träume, ja! Wir freveln doch nicht gegen alles, was den Göttern heilig ist." Das heißt doch nichts anderes als "im Reich der Träume freveln wir gegen das, was Boron heilig ist".

  • Zumindest für seine Person: ja. Wenn er es in der Überzeugung tut, Boron zu freveln, dann wird Boron das sicherlich nicht gut heißen.


  • Wenn er es in der Überzeugung tut, Boron zu freveln, dann wird Boron das sicherlich nicht gut heißen.


    Das scheint mir eine sehr moderne, gesinnungsethische Sicht zu sein: Wesentlich ist die Absicht, nicht die Tat ... Das muss bei den aventurischen Gottheiten nicht zwangsläufig der Fall sein. Da kann ich mir vorstellen, dass sie Menschen manchmal wie Spielfiguren verwenden - und ob diese Figuren immer die Spielregeln kennen, nach denen sie bewegt werden, darf bezweifelt werden.
    Wie Boron dazu steht?
    Mir scheint, er schweigt ... ;)
    Yelador wird aber von der Boron-Kirche in Punin gesucht (Gespräch zwischen Raulo und dem Boron-Geweihten), und das scheint ihm unangenehm zu sein. Den Grund, aus dem diese Suche stattfindet, kennen wir noch nicht, aber in einem solchen Umfeld ist der Vorwurf eines Frevels natürlich gut denkbar.

Anstehende Termine

  1. Freitag, 6. Juli 2018 - Sonntag, 22. Juli 2018

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  2. Dienstag, 10. Juli 2018, 21:40 - Dienstag, 24. Juli 2018, 22:40

    odenwaldcollies

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    Caren

  4. Freitag, 13. Juli 2018 - Sonntag, 22. Juli 2018

    odenwaldcollies