02 - Kapitel 2 (Die Ehre der Familia) - (Seite 83 bis 162)

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  • Über all den tollen Tanz- und Fechtszenen habe ich völlig vergessen, dass es vielleicht einen Mord aufzuklären gibt. Erresto und "Assistentin" hatten bereits zu Beginn des ersten Kapitels ihren Auftritt, aber ich habe es bis zum Beginn des zweiten Kapitels völlig aus den Augen verloren. Erresto wirkt sehr kompetent, also bin ich sehr gespannt, welche Stolpersteine ihm in den Weg gelegt werden!

  • Und da ist mein bisheriger Lieblingsvergleich: 'die heiße Spur, die als Omelett schon zwei Stunden auf dem Teller gelegen hat'. Direkt dahinter liegt 'die vielleicht ferkelnde Sau von Bauer Alrik dem Einfältigen aus Nostria'.
    Jetzt bin ich wieder :lesen: :winken:

  • "Ich trage meinen Hut, also bin ich." Diese Szene mit Boromeo und seinem Hut im strömenden Regen fand ich amüsant, aber überraschend. Boromeo erschien mir bisher nicht engstirnig oder oberflächlich genug gezeichnet, als dass dieses geckenhafte Verhalten selbsterklärend wäre, besonders da parallel dazu seine echte Sorge um Esfiras Gesundheit und Bezug zur Realität ausgebreitet wird. Ich bin gespannt, ob der Hut noch eine Rolle spielen wird oder ob Boromeo sich "einfach nur" um seinen schicken Hut samt Feder Gedanken gemacht hat.


    Der Glashammer im Ingerimmtempel gefällt mir. Er ist so unerwartet, fast unpassend an diesem Ort, wo Esse und Amboss regieren. Meine spontane Assoziation dazu sind die bunten Punkte, die das hereinfallende Tageslicht auf die russigen, vielleicht düsteren Wände des Tempels malt, wenn es den gläsernen Hammer durchdringt. War es Absicht, etwas Buntes, Leichtes als Kontrapunkt in diesen erzenen Raum zu bringen, in dem Metall und Feuer zu Hause sind?


    Natürlich macht mich das Treffen zwischen Fabio und Alrico und die Hintergrundinformationen zu ihrer Beziehung neugierig auf zukünftige Entwicklungen. Alrico scheint gezielt die Schwächung der Tandori zu verfolgen. Woher mag sein Hass, sein Durst nach Rache kommen? Aber vielleicht sind meine Schlussfolgerungen auch zu vordergründig. Ich bin dann mal :lesen:


  • Erresto wirkt sehr kompetent, also bin ich sehr gespannt, welche Stolpersteine ihm in den Weg gelegt werden!


    Eine Menge - das kann ich schon einmal versprechen! Er wird auch an die Grenzen seiner moralischen Überzeugungen kommen ...



    Und da ist mein bisheriger Lieblingsvergleich: 'die heiße Spur, die als Omelett schon zwei Stunden auf dem Teller gelegen hat'.


    Ich erinnere mich, dass dieser Vergleich meinen Lektor zu der launigen Frage animierte, ob man sich den Sprecher mit dem Akzent von Hercule Poirot vorstellen solle ... :D



    Boromeo erschien mir bisher nicht engstirnig oder oberflächlich genug gezeichnet, als dass dieses geckenhafte Verhalten selbsterklärend wäre, ...


    Eitel? Was heißt hier eitel?
    ;)
    Sagen wir so: Er ist ein Almadaner. Was andere Leute als "eitel" empfinden, ist für einen Almadaner ein Ausdruck selbstverständlichen Stolzes. Und gerade der Kaldabreser, das Erkennungszeichen des Mannes von Welt, muss selbstverständlich ...
    Na ja.



    War es Absicht, etwas Buntes, Leichtes als Kontrapunkt in diesen erzenen Raum zu bringen, in dem Metall und Feuer zu Hause sind?


    Mir ging es darum, zu zeigen, dass Ingerimm auch der Gott des Handwerks allgemein ist, nicht nur beschränkt auf das Schmiedehandwerk.



    Alrico scheint gezielt die Schwächung der Tandori zu verfolgen. Woher mag sein Hass, sein Durst nach Rache kommen? Aber vielleicht sind meine Schlussfolgerungen auch zu vordergründig.


    Hierzu schweige ich aus dramaturgischen Gründen. ;)

  • Abschnitt zwei habe ich jetzt gelesen und möchte auch hierzu meine Gedanken teilen.


    Ich möchte mit etwas DSA-Theorie beginnen. Hier finde ich gleich am Anfang spannend, dass Vater und Tochter Amazetti vor einigen Jahren mal verschollen waren und später die Tochter mit dem Parasiten im Gesicht wieder aufgetaucht war. Das ganze wird dann auch noch obendrein von der Ehefrau und Mutter der Familie Cordellsa angelastet, die mit Dämonen im Pakt stehen soll. Irgendwas sagt mir jetzt, dass an meiner Vermutung aus Abschnitt 1 doch mehr dran sein könnte. Mich hatte der Parasit ja an ein Dämonenmal erinnert. Die Krakenform des Parasieten läßt auf die Erzdämonin der Meere Charyptoroth schliessen, dass harte Kampfgebaren Doloresas eher auf den Erzdämon des Krieges Belhalhar. Beides sind aber nicht unbedingt Dämonen die zu einer Handelsfamilie passen. Da wäre für die Familie Cordellsa bestimmt ein Pakt mit Tasfarelel, dem Erzdämon des Handels "gewinnbringender". Trotzdem ist mir unklar ob die Tochter jetzt selber Paktierer ist oder ein Opfer, die einen Dämon am Körper trägt, ähnlich einem Gurgulum (Parasitärer Würgedämon der sicher stellt, dass man das tut was der kontrollierende Magier vom Opfer will).


    Das Jazemina mit Ihrer Schwester zum geheimen Tanzabend bei Nuerta geht hat mir sehr gefallen. Ich mag die umherziehenden Zahoris sehr gerne. Die haben diesen tollen Fantasy Flair der Ultima Rollenspiele die ich auch gerne mag. Das Jazemina dann hier auf Boromeo trifft gibt der Szene die passende würze. Scheinbar ist die Gute trotz anstehender Hochzeit sehr verzaubert von Boromeo.


    Der Gong-Streich von Boromeo und seiner Gruppe war spannend beschrieben. Umso tragischer, dass der Ausgang so unerwartet war für die Gruppe. Der Anschlag auf die Leiche ist im stark gläubigen Mittelreich eine Methode, die ich kaum einer Familenfehde zuordnen will. Da sollte die Angst vor einer Bestrafung des Totengottes die meisten von Abhalten. Insbesondere das die Leiche geschändet wurde durch das öffnen des Brustkorbes, läßt mich nicht an einen Unfall beim Gong-Streich glauben. Auch hier wittere ich eher wieder Paktierer oder generell Schwarzmagierluft.


    Das Kreditabkommen der Familie Tandori war dann wieder ein kleiner Krimi für sich. Zum einen die geliehene Summe von 10.000,- Dukaten war schon irre ( gefühlt ist das so als ob sich einer ca. 1.500.000,- € leiht ) und das ohne vereinbarte Sicherheiten. Und dann die Tatsache, dass der Verleiher garnicht der eigentliche Verleiher ist, sondern nur der Vermittler. Da muss also irgendwer enorme Interessen haben per Schuldschein die Familie Tandori erpressbar zu machen. Das ist ein Wirtschaftskrimi wie ich ihn liebe. Ich hoffe bald mehr über den Strippenzieher lesen zu können.


  • Ich möchte mit etwas DSA-Theorie beginnen. Hier finde ich gleich am Anfang spannend, dass Vater und Tochter Amazetti vor einigen Jahren mal verschollen waren und später die Tochter mit dem Parasiten im Gesicht wieder aufgetaucht war. Das ganze wird dann auch noch obendrein von der Ehefrau und Mutter der Familie Cordellsa angelastet, die mit Dämonen im Pakt stehen soll. Irgendwas sagt mir jetzt, dass an meiner Vermutung aus Abschnitt 1 doch mehr dran sein könnte. Mich hatte der Parasit ja an ein Dämonenmal erinnert. Die Krakenform des Parasieten läßt auf die Erzdämonin der Meere Charyptoroth schliessen, dass harte Kampfgebaren Doloresas eher auf den Erzdämon des Krieges Belhalhar. Beides sind aber nicht unbedingt Dämonen die zu einer Handelsfamilie passen. Da wäre für die Familie Cordellsa bestimmt ein Pakt mit Tasfarelel, dem Erzdämon des Handels "gewinnbringender". Trotzdem ist mir unklar ob die Tochter jetzt selber Paktierer ist oder ein Opfer, die einen Dämon am Körper trägt, ähnlich einem Gurgulum (Parasitärer Würgedämon der sicher stellt, dass man das tut was der kontrollierende Magier vom Opfer will).
    ...
    Insbesondere das die Leiche geschändet wurde durch das öffnen des Brustkorbes, läßt mich nicht an einen Unfall beim Gong-Streich glauben. Auch hier wittere ich eher wieder Paktierer oder generell Schwarzmagierluft.


    Eine interessante Theorie, die mir nach den bisher verfügbaren Informationen auch plausibel erscheint. Vielleicht sogar noch etwas plausibler, als Du vermutest, da die Cordellesa ihren Schwerpunkt nicht unbedingt im Handel haben (im Gegensatz zu den Amazetti) - die Cordellesa sind primär für ihr Gestüt bekannt. Wobei natürlich jede der großen Familias in allen möglichen Bereichen ihre Finger hat. Weiter möchte ich mich dazu aus dramaturgischen Gründen nicht äußern ... ;)



    Scheinbar ist die Gute trotz anstehender Hochzeit sehr verzaubert von Boromeo.


    Mich deucht, sie ist eine Almadanerin ... In dieses Land, auf das Rahja lächelt, kommt Travia nur zum Weinen. ;D



    Da muss also irgendwer enorme Interessen haben per Schuldschein die Familie Tandori erpressbar zu machen. Das ist ein Wirtschaftskrimi wie ich ihn liebe. Ich hoffe bald mehr über den Strippenzieher lesen zu können.


    Da kann ich versprechen, dass dieses Thema auch im weiteren Verlauf eine erhebliche Rolle spielen wird.


  • Erresto und "Assistentin" hatten bereits zu Beginn des ersten Kapitels ihren Auftritt, aber ich habe es bis zum Beginn des zweiten Kapitels völlig aus den Augen verloren. Erresto wirkt sehr kompetent, also bin ich sehr gespannt, welche Stolpersteine ihm in den Weg gelegt werden!


    Gerade gestern habe ich auch mit dem zweiten Abschnitt begonnen.
    Ich hatte Erresto und Kallisto nie ganz vergessen, sondern habe eher darauf gewartet, wann es endlich wieder um die Aufklärung des Mordes ging.
    Dementsprechend hoffnungsvoll las ich die Szene im Palaco Torreda. Sehr schön geschildert aus der Perspektive Errestos. Und dann geht es fast nur um das Pferderennen und das Essen zu Ehren der Toten. Interessant, was wir alles über Erresto erfahren. Mir wurde der Chef der taladurer Wehr noch ein bißchen sympathischer. Aber es wurde auch sehr deutlich, das er jede Menge Angriffsfläche bietet. Er wird es noch richtig schwer haben.


    Gar nicht gefiel mir die Einführung möglicher dämonischer Umtriebe in das Verbrechen. Das macht den Mord an Giuliana 'magisch'. Meines Erachtens Fantasy am falschen Platz. Da läßt sich dann mit Logik schwer argumentieren. Aber vielleicht spielt es ja auch keine Rolle im Zusammenhang mit dem Mord.


    Das Zweite, das mir nicht gefiel: die Szene macht deutlich, wo eine, in meinen Augen, große Schwäche des häufigen Szene- und vor allem Perspektivwechsels liegen kann. In der Wiederholung von Ereignissen, bei denen man kurz vorher als Leser selbst anwesend war. Hier meine ich den Kampf von Doloresa Amazetti auf dem Fest (Seite 90 unteres Drittel).
    Die Wiederholung bringt mir als Leser eigentlich keine neuen Informationen; und die eigentliche Szene liegt noch gar nicht so lange zurück, als das sie mir nicht noch präsent wäre.

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL


  • ... Und dann geht es fast nur um das Pferderennen und das Essen zu Ehren der Toten. ...


    Da wollte ich deutlich machen, wo bei den statusbewussten Taladuri die Prioritäten liegen.



    Gar nicht gefiel mir die Einführung möglicher dämonischer Umtriebe in das Verbrechen. Das macht den Mord an Giuliana 'magisch'. Meines Erachtens Fantasy am falschen Platz. Da läßt sich dann mit Logik schwer argumentieren. Aber vielleicht spielt es ja auch keine Rolle im Zusammenhang mit dem Mord.


    Mir erscheint plausibel, in einer Welt mit den Naturgesetzen, wie sie in Aventurien herrschen, auch die Verwendung von dämonischen oder magischen Mitteln in die Überlegungen zu einem (möglichen) Mordfall mit einzubeziehen. Vielleicht ist es aber beruhigend, dass wir sehr darauf geachtet haben, einen "Deus ex Machina"-Effekt in der Reihe zu vermeiden. Magie und Wunder werden also niemals so eingesetzt, dass sie den Figuren das Denken abnehmen oder verworrene Handlungsknoten zerschlagen und so dem Autor das Ausknobeln einer plausiblen Lösung ersparen.



    Die Wiederholung bringt mir als Leser eigentlich keine neuen Informationen; und die eigentliche Szene liegt noch gar nicht so lange zurück, als das sie mir nicht noch präsent wäre.


    Ich hatte gehofft, dass es interessant wäre, zu erfahren, wie die Taladuri auf so einen Vorfall reagieren. Damit wollte ich auch Doloresas gesellschaftliche Stellung betonen - sie kann so etwas durchziehen, ohne, wie es bei einer einfachen Bürgerlichen der Fall gewesen wäre, direkt verhaftet und zur Rechenschaft gezogen zu werden.


  • Ich hatte gehofft, dass es interessant wäre, zu erfahren, wie die Taladuri auf so einen Vorfall reagieren. Damit wollte ich auch Doloresas gesellschaftliche Stellung betonen - sie kann so etwas durchziehen, ohne, wie es bei einer einfachen Bürgerlichen der Fall gewesen wäre, direkt verhaftet und zur Rechenschaft gezogen zu werden.


    Das war mir als Leser aber zu dem Zeitpunkt schon bewußt.
    Gut funktioniert hat der Perspektivwechsel z.B. als Boromeo und seine Schwester nach ihrem Ablenkungsmanöver im Ingerimmtempel durch die Seitengassen fliehen, und Boromeo in jemanden hineinläuft. Später erzählt uns Erresto wie zwei Personen in Kallista hineingerannt sind in dieser Nacht. Bei der zweiten Schilderung bekomme ich als Leser zusätzliche Infos, die ich vorher nicht hatte. Das hat mich begeistert.


    Ich merke gerade, das unsere Leseabschnitte eigentlich zu lang sind. Wir hätten sie zur besseren Diskussion nochmals unterteilen sollen, was ja 6- 8 Szenen pro Abschnitt durchaus möglich wäre.

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  • Schön, dass die Perspektivenvielfalt an anderer Stelle zu gefallen weiß. :)



    ... als Boromeo und seine Schwester ...


    Da es nicht ganz unwichtig ist: Boromeo und Esfira sind keine Geschwister, sondern entfernte Verwandte. Während Esfira in Taladur im Streitturm ihrer Familia aufgewachsen ist (was einen gewissen Status vermuten lässt), ist Boromeo zwar auch ein Amazetti, aber der Vetter vom Lande ...


  • Schön, dass die Perspektivenvielfalt an anderer Stelle zu gefallen weiß. :)



    Da es nicht ganz unwichtig ist: Boromeo und Esfira sind keine Geschwister, sondern entfernte Verwandte. Während Esfira in Taladur im Streitturm ihrer Familia aufgewachsen ist (was einen gewissen Status vermuten lässt), ist Boromeo zwar auch ein Amazetti, aber der Vetter vom Lande ...


    Stimmt, daran habe ich nicht gedacht. Esfira scheint auch eine Traumwanderin zu sein. Was verbirgt sich dahinter? Ist das eine Art Priesterkaste?


    Sehr schön und wunderbar poetisch finde ich die Szene auf der Hacienda della Estrellas. Das erste Zusammentreffen von Boromeo und Jazemina. Jetzt ist das Romeo-und-Julia- Motiv komplett. Es erweitert den Roman um eine schöne Perspektive.


    Wie setzt sich eigentlich das Militär und die Sicherheitskräfte in Taladur zusammen? Die Familias scheinen ja ihre eigenen kleinen Truppen zu haben. Besteht Errestos Taladurer Wehr tatsächlich nur aus 10 Personen? Scheint mir für eine Bürgerwehr ein bißchen wenig. Oder verstehe ich darunter mehr so eine Art kleine Polizeitruppe?

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    Einmal editiert, zuletzt von Torshavn ()


  • Esfira scheint auch eine Traumwanderin zu sein. Was verbirgt sich dahinter? Ist das eine Art Priesterkaste?


    Wenn ich das beantworten würde, würde ich Euch einen Teil des Spaßes am Lesen nehmen. Die Traumwanderer sind eine Gruppierung, die wir uns für diesen Zyklus ausgedacht haben - alles, was es über sie zu erfahren gibt, lernt man in Die Türme von Taladur, und ich hoffe, die schrittweise Entdeckung trägt zum Lesevergnügen bei.



    Sehr schön und wunderbar poetisch finde ich die Szene auf der Hacienda della Estrellas.


    Vielen Dank! :)



    Wie setzt sich eigentlich das Militär und die Sicherheitskräfte in Taladur zusammen? Die Familias scheinen ja ihre eigenen kleinen Truppen zu haben. Besteht Errestos Taladurer Wehr tatsächlich nur aus 10 Personen? Scheint mir für eine Bürgerwehr ein bißchen wenig. Oder verstehe ich darunter mehr so eine Art kleine Polizeitruppe?


    Erresto ist der Garde-Capitan der Taladurer Wehr, die tatsächlich nur 10 Bewaffnete zählt, wobei manchmal Büttel auf Tagelöhner-Basis zusätzlich angeheuert werden. Der Posten hat viel Prestige, weil derjenige, der ihn bekleidet, auch im Erzenen Rat sitzt, der die Stadt regiert. In Krisenzeiten kann der Garde-Capitan den Notstand ausrufen und damit darum bitten(!), dass ihm weitere Bewaffnete zur Verfügung gestellt werden. Ansonsten sind die 10 Bewaffneten die Stadtgarde, die auch Polizeiaufgaben übernimmt. Die Tatsache, dass es so wenige sind, deutet darauf hin, dass die Familias nicht daran interessiert sind, dass es eine starke öffentliche Gewalt in der Stadt gibt (siehe unten).
    Zusätzlich in Taladur stationiert sind die zwergische Axtschwinger des Grafen. Sie sind keine Polizei, sondern Militär, und nicht für die Stadt zuständig, sondern für die umgebende Grafschaft Waldwacht.
    Jeder Soberan (= Oberhaupt einer Familia) fühlt sich selbst als Fürst und berechtigt und verpflichtet, die eigenen Ländereien, Güter (z.B. Handelstransporte) und vor allem Klienten (= abhängige Personen) zu beschützen. Deswegen kann jede Familia ihre eigenen Bewaffneten haben, und wer als Söldner in die Stadt kommt, wird meist eine Anstellung finden können. Je nachdem, wie heiß die Fehden gerade kochen, gibt es dabei viel zu verdienen oder man muss sich mit ein paar Kupferstücken zufrieden geben. Im ersten Kapitel sind uns einige Bewaffnete der Ernathesa und der Amazetti begegnet, die die jeweiligen Alauntransporte eskortiert haben.
    Ein Sonderfall sind die Tandori. Diese Familia hat das Soldatentum im Blut, ihre Haustruppen sind über die Grenzen Taladurs hinaus bekannt. Wegen des Familienwappens heißen sie "Lilienröcke". Einer davon hat in Edelharts erster Szene in Almada die Nachricht von Giuliana Tandoris Tod überbracht.
    Zum Selbstverständnis jedes Magnaten (Adligen) gehört es, die Ehre der Familia und deren Klienten jederzeit verteidigen zu können, weswegen die allermeisten von ihnen zumindest ein wenig mit dem Degen umgehen können. Das macht sie nicht notwendigerweise zu guten Fechtern oder gar gestandenen Kämpen, aber es führt dazu, dass es eine Menge geschliffenen Waffenstahl in der Stadt gibt.


  • Das Kreditabkommen der Familie Tandori war dann wieder ein kleiner Krimi für sich. Zum einen die geliehene Summe von 10.000,- Dukaten war schon irre ( gefühlt ist das so als ob sich einer ca. 1.500.000,- € leiht ) und das ohne vereinbarte Sicherheiten. Und dann die Tatsache, dass der Verleiher garnicht der eigentliche Verleiher ist, sondern nur der Vermittler. Da muss also irgendwer enorme Interessen haben per Schuldschein die Familie Tandori erpressbar zu machen. Das ist ein Wirtschaftskrimi wie ich ihn liebe. Ich hoffe bald mehr über den Strippenzieher lesen zu können.


    Ja das ist eine sehr gute Szene. Und führt mir so wunderbar vor Augen, wie abhängig die ach so mächtigen Familias vom Gelde sind.
    Aber mal eine Frage: Wie ist diese Summe von 10.000 Dukaten einzuschätzen? Gefühlte 1,5 Millionen kann ja nicht stimmen. Dann wären die Tandoris Pleite und am Boden. Dann würde auch niemand diese Summe in einer Höhle aufbewahren. Was bedeutet die Summe also?

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  • Mir erscheint plausibel, in einer Welt mit den Naturgesetzen, wie sie in Aventurien herrschen, auch die Verwendung von dämonischen oder magischen Mitteln in die Überlegungen zu einem (möglichen) Mordfall mit einzubeziehen. Vielleicht ist es aber beruhigend, dass wir sehr darauf geachtet haben, einen "Deus ex Machina"-Effekt in der Reihe zu vermeiden.


    Das ist schön, das du auf den Gott in der Maschine verzichtest. Aber habe ich dann als Nicht- DSA- Experte eine Chance den Fall im Kopf aufzuklären? Oder bleibt er allgemein zwar nachvollziehbar, aber nicht mitentschlüsselbar? Denn ich denke ich müßte mich dann in DSA- Magiekunde und DSA- Dämonenkunde auskennen? Denn beides funktioniert in jeder Welt anders.
    Obwohl es mir bei diesem Roman wirklich nicht auf die Lösung des Mordes ankommt. Da interessieren mich anderes Sachen mehr. Also nimm es bitte mehr als grundsätzliche Frage.

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  • Aber habe ich dann als Nicht- DSA- Experte eine Chance den Fall im Kopf aufzuklären? Oder bleibt er allgemein zwar nachvollziehbar, aber nicht mitentschlüsselbar?


    Wir haben viel Wert darauf gelegt, dass Die Türme von Taladur für Leute, die Das schwarze Auge nicht kennen, gut lesbar ist. Alle Rätsel, die wir in der Reihe aufwerfen, sind für Nicht-DSA-Kenner zu lösen. Ich habe sogar den Eindruck: leichter zu lösen als für DSA-Experten, weil jemand, der in den traditionellen DSA-Pfaden denkt, vermutlich Spezialitäten aus dem DSA-Hintergrund in seine Überlegungen einbezieht, und die werden sich alle als falsche "Spuren" herausstellen (die allerdings dann nicht von uns als Autorenteam, sondern von der 25jährigen DSA-Historie gelegt wurden).
    Ein Beispiel: Die Traumwanderer. Alles, was man über die Traumwanderer wissen können kann, findet sich in den Büchern von Die Türme von Taladur. Wer diese Romane aufmerksam liest, wird mehr und mehr Hinweise erhalten, ab und zu sicher Dinge erraten, die später bestätigt werden und manchmal auch danebentippen und überrascht sein, wie es wirklich ist. Wer zusätzlich noch viel über Das schwarze Auge weiß, wird vielleicht auf den Gedanken kommen, dass es sich um einen Geheimbund handeln könnte, wie er in dem Rollenspiel-Quellenbuch Verschworene Gemeinschaften beschrieben ist. Er könnte auf Grund der geografischen Nähe spekulieren, dass es sich um einen Geheimbund aus dem Horasreich handelt und dieser Geheimbund gegen den Kaiser Reto des Mittelreichs intrigiert, vielleicht dessen spezielles Familiengeheimnis herausbekommen möchte etc. pp. - All dies ist aber nicht der Fall. Da es in Die Türme von Taladur auch nicht angedeutet wird, kann der "unerfahrene Leser" auch gar nicht auf diese Gedanken kommen - das Hintergrundwissen des DSA-Kenners wird diesem hier zum Stolperstein. Am Ende wird er feststellen, dass unsere Auflösung zwar in den ihm bekannten Hintergrund passt, dieses aber nicht voraussetzt, um als Leser mitknobeln zu können.


  • Aber mal eine Frage: Wie ist diese Summe von 10.000 Dukaten einzuschätzen?


    Ich zitiere einmal Fabios Gedanken aus dieser Szene:

    Zitat


    Die Feder zitterte, als sie die Zahl notierte. Soviel nimmt mancher fleißige Handwerksmeister in drei Jahren nicht ein.


    Die Vergleichsgröße ist also der dreifache Jahresumsatz eines gut gehenden Handwerksbetriebs.
    Anders ausgedrückt: Man könnte zu einem Schneider gehen, ihm 10.000 Dukaten auf den Tisch legen und ihm sagen: "Schneidere mir alles, was du und deine Gesellen in den letzten Jahren fabriziert haben, nochmal und bring es mir in mein Haus." Und der Schneider würde einen Luftsprung machen, weil die 10.000 Dukaten sogar noch übersteigen würden, was er in den letzten drei Jahren eingenommen hat.



    Dann wären die Tandoris Pleite und am Boden.


    Genau diese Überlegung sollte beim Lesen aufkommen! Ich liebe es immernoch, wenn ein Plan funktioniert! ;D
    Wobei es natürlich immer auf die laufenden Einkünfte ankommt, wenn es darum geht, ob jemand wirklich pleite ist. Wenn ich 1.500.000 Euro Schulden hätte, wäre ich definitiv pleite und könnte Privatinsolvenz anmelden. Wenn Bill Gates irgendwo 1.500.000 Euro als Kredit aufnehmen würde, wäre das noch nicht einmal eine Erwähnung wert, weil sein laufendes Einkommen und seine Rücklagen so hoch sind, dass er das mühelos jederzeit wieder abbezahlen könnte. Und die Tandori sind eine sehr einflussreiche Familia, die insbesondere die Zunft der Silberschmiede in Taladur kontrolliert (Giuliana war schließlich, wie wir in einer der ersten Szenen erfahren haben, Zunftmeisterin der Silberschmiede) ...



    Dann würde auch niemand diese Summe in einer Höhle aufbewahren.


    Ich glaube nicht, dass wir wissen, ob das Gold in der Höhle aufbewahrt wurde - es soll dort abgeholt werden, aber vielleicht lässt Alrico es erst kurz vorher dort hinbringen?

  • Gerade gestern habe ich auch mit dem zweiten Abschnitt begonnen.
    Ich hatte Erresto und Kallisto nie ganz vergessen, sondern habe eher darauf gewartet, wann es endlich wieder um die Aufklärung des Mordes ging.
    Dementsprechend hoffnungsvoll las ich die Szene im Palaco Torreda. Sehr schön geschildert aus der Perspektive Errestos. Und dann geht es fast nur um das Pferderennen und das Essen zu Ehren der Toten. Interessant, was wir alles über Erresto erfahren. Mir wurde der Chef der taladurer Wehr noch ein bißchen sympathischer. Aber es wurde auch sehr deutlich, das er jede Menge Angriffsfläche bietet. Er wird es noch richtig schwer haben.


    Sicher bietet er Angriffsfläche. Ihm liegt seine Aufgabe, in Taladur für Ruhe und Frieden zu sorgen, sehr am Herzen. Und dafür ist er mehr als bereit, sich aktiv einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Das platziert ihn deutlich wie ein Leuchtfeuer in der Aufmerksamkeit aller, die in Taladur eigene Interessen verfolgen. Ich halte ihn für smart genug, damit umzugehen. Zumindest traut er sich selbst das offensichtlich zu, sonst würde er die Probleme aussitzen, statt so vorzupreschen ;). Aber natürlich erwarte auch ich den ein oder anderen fiesen Schachzug seiner einflussreichen Mitbürger!



    edit Heimfinderin: Zitatverschachtelung repariert


  • Eine Menge - das kann ich schon einmal versprechen! Er wird auch an die Grenzen seiner moralischen Überzeugungen kommen ...



    Ich erinnere mich, dass dieser Vergleich meinen Lektor zu der launigen Frage animierte, ob man sich den Sprecher mit dem Akzent von Hercule Poirot vorstellen solle ... :D


    Und? Sollte ich? :D Der Ärmste: als Franzose unter die stolzen Spanier gefallen, pardon als Fremder unter die Almadaner ;)



    Edit Heimfinderin: Zitatverschachtelung repariert

  • Ich hatte gehofft, dass es interessant wäre, zu erfahren, wie die Taladuri auf so einen Vorfall reagieren. Damit wollte ich auch Doloresas gesellschaftliche Stellung betonen - sie kann so etwas durchziehen, ohne, wie es bei einer einfachen Bürgerlichen der Fall gewesen wäre, direkt verhaftet und zur Rechenschaft gezogen zu werden.


    Als Leserin erfahre ich durchaus etwas Neues - finde ich ;) -: Errestos Absichten. Was er tun wird, ist noch nicht klar, aber dass er etwas unternehmen wird, darauf können wir uns verlassen. "Sie musste den Tobsuchtsanfällen ihrer Tochter ein Ende machen." Er hat ein klares Ziel vor Augen, das er wohl kaum mit Charme und Höflichkeits-Smalltalk allein erreichen wird!



    Edit Heimfinderin: Zitatverschachtelung repariert

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