Allgemeine Fragen an Robert Corvus

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  • Hallo und Moin aus Norddeutschland!
    Es ist zwar eine "Standardfrage", aber mich interessiert immer sehr, woher die Idee zu einem Buch stammt und
    ob es ein schriftstellerisches Vorbild bzw. ein Lieblingsbuch gibt.
    Für mich kann ich immer nur wieder sagen, daß bei mir damals "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende dafür
    gesorgt hat, daß ich dem Lesen und vor allen Dingen der Fantasy "verfallen" bin.
    Ich liebe dieses Buch und es bleibt mein all time favourite! :flirt:
    Meine zweite große Liebe ist wahrscheinlich auch nicht schwer zu erraten...! ;)
    Auf jeden Fall freue ich mich auf das Buch und bin seeeeehr gespannt!

  • Meine Frage Ost zwar sehr ähnlich wie du von Arwen,aber ich stell Sie auch mal trotzdem:
    Mich würde interessieren,was dich inspiriert hat eine eigene Fantasywelt zu erschaffen und welche Einflüsse diese Welt geformt haben. Und vom 'Ablauf' her,hattest du erst die Idee zum Roman u.d hast dann die Welt herum gestrickt,oder war erst die Idee zu der Welt der Schattenherren da und ist die Geschichte dann entstanden?

  • Ich kann gut verstehen, das Autoren, wenn sie sich in einem neuen Genre etablieren wollen, ein anderes Pseudonym wählen. Aber das birgt in meinen Augen auch eine große Gefahr. Denn hat sich der Autor einmal einen guten Ruf erworben, dauert es lange, bis sich herum spricht, das er ein neues Buch nur unter anderem Namen veröffentlicht hat. Das macht zum einen die Arbeit eines Buchhändlers nicht leichter und mir als Leser geht der Text eventuell durch die Lappen.


    'Die Schattenherren 01: Feind' ist ein gutes Beispiel dafür. Schon im Vorschauprospekt vor über einem halben Jahr, hat mich der Titel nicht sonderlich angesprochen. Die Kurzbeschreibung klang schon sehr beliebig, und der Verweis auf George R.R. Martin hat es nicht besser gemacht. Bestellt habe ich es, damit es als Neuheit halt da steht.
    Als es dann kam, war der Titel schon vergessen. Ich nahm das Buch in die Hand, da das Titelbild durch die Reduzierung auf das Schild mit Baummotiv wenigstens ein klein wenig neugierig machte. Dann drehte ich es um: beinahe kein Klappentext vorhanden, der Martin- Verweis. Danach noch der kurze Blick auf die Karte hat mein Urteil gefestigt: kein detailiert ausgearbeitetes Land. Uninteressant. Roman zugeklappt und ab ins Regal gestellt.


    Erst als ich erfuhr, das das Buch von Dir ist, Bernard, habe ich ihm eine zweite Chance gegeben, da ich Dich als guten Autor kennengelernt habe. In meinem Beruf braucht man einfach ein paar Orientierungspunkte. Dazu gehört auch ein eingeführter Autorenname. Im Fantasygenre gibt es so viele Bücher, da gehört schon einiges dazu um mich als Leser zugewinnen und der Buchhändler in mir schaut noch schneller darüber hinweg. Und das obwohl ich ein ausgesprochener Fan des Genres bin.


    Was hat Dich denn dazu bewogen innerhalb der Fantasy ein neues Pseudonym zu wählen? Ein guter Serienautor zu sein, ist doch in dem Genre kein Nachteil, sondern eher eine Auszeihnung

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

  • Auch von meiner Seite aus ein herzliches Willkommen zur Leserunde. Ich freue mich sehr, dass Ihr Euch für mein Buch Feind interessiert.


    Um mich vorzustellen, nutze ich die Frage, die Torshavn bereits Eröffnungs-Diskussionsfaden stellte und hier wiederholte:


    Ich kann gut verstehen, das Autoren, wenn sie sich in einem neuen Genre etablieren wollen, ein anderes Pseudonym wählen. Aber das birgt in meinen Augen auch eine große Gefahr. Denn hat sich der Autor einmal einen guten Ruf erworben, dauert es lange, bis sich herum spricht, das er ein neues Buch nur unter anderem Namen veröffentlicht hat.
    ...
    Was hat Dich denn dazu bewogen innerhalb der Fantasy ein neues Pseudonym zu wählen? Ein guter Serienautor zu sein, ist doch in dem Genre kein Nachteil, sondern eher eine Auszeihnung.


    In meinem Personalausweis steht Bernd-Otto Robker. Ich bin so lange Fantasy-Fan, dass ich in der Schule meinen Klassenkameraden erklären musste, was Fantasy überhaupt ist. Mit 16 trat ich in einen überregionalen Fantasyclub ein, in dessen Vereinsmagazin ich meine ersten Erzählungen veröffentlichte. In diesem Club wählte sich jeder einen Fantasy-Namen, der für solche Veröffentlichungen genutzt wurde. Meiner war Chak. Schon damals beteiligte ich mich über diesen Verein hinaus mit Kurzgeschichten an der regen Amateur-Szene und benutzte dafür das Pseudonym Bernard Craw. Mit 16 fand ich es cool, ein englisch klingendes Pseudonym zu haben, vorwiegend, weil beinahe alle Autoren, die ich las, und beinahe alle Filme, die ich gern anschaute, aus dem angloamerikanischen Raum kamen. Unter den Filmen, die mich besonders beeindruckten, war auch The Crow, dessen Titel ich für mein Pseudonym lautmalerisch abwandelte.
    Ich schrieb dann etwa 25 Jahre alle fiktionalen Texte, die nicht im Rahmen des Fantasyclubs erschienen, unter dem Pseudonym Bernard Craw. Zuerst waren das Veröffentlichungen im nichkommerziellen, später dann auch im kommerziellen Bereich. Einen Vampirthriller, der schon in einer Leserunde Thema war, drei Romane für die Science-Fiction-Reihe BattleTech und sieben Romane für die Fantasy-Reihe Das schwarze Auge konnte ich veröffentlichen, dazu entstanden Kurzgeschichten, Erzählungen, Artikel und noch viel Material, das in unterschiedlichen Graden der Fertigstellung auf meiner Festplatte schlummert und auf den Dornröschenkuss wartet.
    Feind ist der erste Roman, der unter dem Pseudonym Robert Corvus erscheint. Der Grund für das neue Pseudonym war, ganz unmittelbar betrachtet, die dringende Bitte des Verlags. Sie kam aus dem Marketing. Wir haben hier verschiedene Pro- und Contra-Argumente diskutiert und auch die Meinung von Dritten eingeholt. In der Tat sprachen meine bisherigen Veröffentlichungen und meine bestehende Webseite für eine Beibehaltung von Bernard Craw. Allerdings wogen diese nicht eben schwer, wenn ich mich recht entsinne, wurde die bestehende Webseite sogar als gewichtigeres Argument gesehen im Vergleich zum bestehenden Bekanntheitsgrad. Das liegt an der Kombination von Auflagenzahlen (die in den benannten Reihen deutlich niedriger sind als in einem Publikumsverlag) und Marktdurchdringung (diese Reihen werden kaum über den Buchhandel verkauft, dafür sehr stark über (Rollen-)Spieleläden und Onlineshops). Entsprechend unbekannt ist "Bernard Craw" im Buchhandel.
    Wir haben die Argumente gründlich abgewogen und dann entschieden, ein neues Pseudonym zu wählen, das weniger "Tippfehler-anfällig" ist (ich weiß nicht mehr, wie oft ich Verfasser von Online-Rezensionen angeschrieben und gebeten habe, meinen Namen zu korrigieren, das "h" in der Mitte herauszunehmen oder dem Nachnamen ein "a" statt ein "o" zu gönnen) und mit dem ich auch grafisch mehr machen kann. Wie dieses Pseudonym lautet, war allein meine Entscheidung. "Corvus" ist das lateinische Wort für "Rabe", sodass ich auf meiner neuen Webseite mit Rabenmotiven spielen kann. Anfangs tat ich mich mit dieser Entscheidung schwer, aber inzwischen bin ich froh, dass ich mich überzeugen ließ. Es fühlt sich nach einem frischen Aufbruch an, wenn ich den Namen auf dem Titelbild sehe.
    Stand der Dinge ist, dass ich in Shared-World-Projekten unter Bernard Craw schreibe (was ich auch künftig fortführen möchte), während ich Romane in eigenständigen Welten unter Robert Corvus veröffentlichen möchte. Diese Differenzierung soll auch eine Orientierung für die Leserschaft sein. Außerdem benutze ich Bernard Craw als Experimentierfeld, um Dinge wie mein neues Videoblog auszuprobieren. Natürlich gibt es sowohl eine Internetpräsenz zu Bernard Craw als auch eine Internetpräsenz zu Robert Corvus.
    Wie kann ich nun von diesem Überblick auf Feind überleiten? - Am besten so: Auf Seite 5 findet Ihr drei Namen von Menschen, ohne die es dieses Buch nicht gegeben hätte - denn sie haben an meine Geschichten geglaubt, als nur wenige sonst es taten (und phasenweise gehörte nicht einmal ich selbst zu diesen wenigen). Sie haben in den letzten fünfundzwanzig Jahren meine Texte veröffentlicht - ob sie nun unter Chak, Bernard Craw oder - sehr selten - Bernd Robker erschienen. Ich hoffe, an diesen Geschichten bin ich als Autor gewachsen, sodass Feind Euch nun einige unterhaltsame Momente bereiten kann.


    Bevor das hier allzu rührselig wird, wünsche ich Euch ganz einfach, nichtsdestoweniger aus vollem Herzen: Viel Spaß mit Feind!


  • Hallo und Moin aus Norddeutschland!


    Moin moin! Ich bin gebürtiger Niedersachse - sturmfest und erdverwachsen, wie es im Landeslied heißt. :D



    Es ist zwar eine "Standardfrage", aber mich interessiert immer sehr, woher die Idee zu einem Buch stammt und
    ob es ein schriftstellerisches Vorbild bzw. ein Lieblingsbuch gibt.


    Ich habe kein schriftstellerisches Vorbild in dem Sinne, dass ich sage: "So wie dieser oder jener möchte ich gern schreiben." Es gibt aber viele Schriftsteller, die ich sehr gern lese und von denen ich glaube, dass sie in ihrem jeweiligen Bereich den Maßstab für alles Folgende setzen. George R. R. Martin gehört in der Fantasy dazu, David Brin und Isaac Asimov in der Science Fiction, Clive Barker im Splatter. Michael Crichton im Wissenschafts-Thriller, in der Lyrik Friedrich Schiller, was die Beherrschung der deutschen Sprache angeht: Franz Kafka.
    In der Kategorie "bestes jemals gelesenes Buch" gewinnt bei mir Sternenflut von David Brin. Das ist ein Science-Fiction-Roman, der dadurch besticht, wie glaubhaft sich der Autor in die Denkweise nichtmenschlicher Wesen hineinversetzen kann und eine exotische Gesellschaft zu schildern vermag. Vor Sternenflut war mein Lieblingsbuch lange Jahre Jenseits von Afrika von Tania Blixen. Dabei handelt es sich um die Lebenserinnerungen einer dänischen Schriftstellerin bezogen auf die Jahre, die sie in Kenia gelebt hat und dort versuchte, sich mit einer Kaffeeplantage eine Existenz aufzubauen. Als ich einmal in Kenia war, habe ich ihr dortiges Anwesen besucht.
    Woher die Idee zu einem Buch stammt, das ist eine schwierige Frage. Ich finde die Gesellschaft von kreativen Menschen immer inspirierend, genauso auch Geschichten, egal ob im Kino oder im Buch oder ob sie mir erzählt werden. Häufig ertappe ich mich dabei, zu überlegen, welche andere Geschichte herausgekommen wäre, wenn diese oder jene Wendung anders ausgefallen wäre, oder wie eine Nebenfigur die Geschichte erlebt haben könnte. Auch Musik ist für mich sehr inspirierend. Irgendwann ist der Moment da, in dem die erste Idee einer Geschichte greifbar ist. Meist materialisiert sich diese als eine Szene (oft ein Bild aus einer Anfangsszene, meist wirklich wie ein Standbild oder Foto in meinem Kopf) und eine Stimmung, von der die Geschichte getragen sein soll. An diesen Kern setzt sich dann alles andere an, wie bei einem Schneeball, der immer größer wird.



    ... "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende ...Meine zweite große Liebe ist wahrscheinlich auch nicht schwer zu erraten...!


    Die unendliche Geschichte habe ich geliebt. Ich habe sie in einem Zug durchgelesen.
    Aufgrund Deines Nicks tippe ich für das zweite Werk auf Der Herr der Ringe. Ohne dieses Buch wäre die Fantasy von heute gar nicht wiederzuerkennen, das steht fest. Ich kann allerdings nicht widerstehen, Terry Pratchett zu zitieren: "Wenn du zwölf Jahre alt bist und nicht glaubst, dass Der Herr der Ringe das beste Buch aller Zeiten ist, dann ist vermutlich etwas falsch mit dir. Wenn du allerdings sechzehn Jahre alt bist und immer noch glaubst, Der Herr der Ringe sei das beste Buch aller Zeiten, dann ist ganz sicher etwas falsch mit dir." :D
    Fühle Dich nicht gefoppt - ich werde wegen der Bücher, die ich mag, auch oft belächelt - schließlich bin ich einer der ganz wenigen männlichen Twilight-Fans ... ;)



    Auf jeden Fall freue ich mich auf das Buch und bin seeeeehr gespannt!


    Das freut mich und ich hoffe, dass Feind Dich nicht enttäuschen wird.



    Mich würde interessieren,was dich inspiriert hat eine eigene Fantasywelt zu erschaffen und welche Einflüsse diese Welt geformt haben. Und vom 'Ablauf' her,hattest du erst die Idee zum Roman u.d hast dann die Welt herum gestrickt,oder war erst die Idee zu der Welt der Schattenherren da und ist die Geschichte dann entstanden?


    Ich habe mir immer schon eigene Fantasywelten (oder allgemeiner: Fantasiewelten, es konnte auch Science Fiction oder Märchen sein) ausgedacht, sogar schon in der Grundschulzeit, wenn ich begründen musste, warum die Ritter auf einem meiner Bilder gestreifte Gesichter hatten. Die Einflüsse, die diese Welten formen, sind einerseits meine Vorlieben, also die Frage, in welche Welten ich mich gern hineindenke, und andererseits die Erfordernisse der Geschichte, also die Frage, vor was für einem Hintergrund die Geschichte, die ich erzählen möchte, besonders gut zur Geltung kommt.
    Bei den Schattenherren war zuerst die Stimmung klar, die in der Geschichte herrschen sollte. Ich habe die Welt dann so ausgearbeitet, dass sie diese Stimmung erzeugt. Ab einem recht frühen Punkt gehen Geschichte und Hintergrund dann allerdings eine Wechselwirkung ein. Damit eine Welt konsistent ist, müssen vielleicht bestimmte Faktoren hinzugefügt werden (bis zu welchen Grenzen ist die Welt bekannt und warum nicht darüber hinaus? Bei den Schattenherren gibt der Seelennebel einen wesentlichen Teil der Antwort auf diese Frage). Diese neuen Elemente können dann so starkes Interesse bei mir wecken, dass ich sie in der Geschichte erkunden möchte (Wieso ist der Seelennebel undurchdringlich? Welches Verhältnis haben die Figuren in dem Roman zu dieser Erscheinung?). Beim Konzipieren und auch beim Schreiben des Manuskripts bin ich selbst ein Entdecker, und ich stelle mir auch gern vor, dass es irgendwann Leserinnen und Leser geben wird, die mir auf einer solchen Entdeckungstour folgen möchten.
    Womit wir bei Euch wären. ;)

  • Hallo Bernd!
    Herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort!
    Ich fühle mich keineswegs "gefoppt" und mein Mann und mein Sohn werden jubilieren, denn bisher hielten sie sich für die einzigen männlichen Twilight-Fans im gesamten Universum...! ;)
    Mein Junior ist gerade 12 Jahre alt geworden, hat "Der Herr der Ringe" auch schon gelesen und das Buch für "gut" befunden (keine überschwengliche Begeisterung aber - OT - "Ganz spannend"...)! ;D
    Seine Highlights sind "Eragon", die "Tinten-Trilogie" von Cornelia Funke, "Harry Potter" ( ;)) und zur Zeit gerade aktuell die "Panem-Reihe"
    Was mich an "Der Herr der Ringe" so faziniert ist diese komplexe, bis ins Detail erschaffene Welt und das diese Welt, die Völker und ihre Geschichte, die Sprachen und Gedicht bzw. Liedertexte aus dem Kopf eines einzelnen Menschen stammen.
    Aber das Zitat von Herrn Pratchett gefällt mir, daß passt zu ihm...! *ggg*
    .
    Du hast geschrieben, daß dich auch Musik inspiriert.
    Mich würde interessieren welche das ist?
    Ich selber habe beim Lesen meistens leise Musik im Hintergrund laufen...
    Meistens etwas von Dead Can Dance bzw. Lisa Gerrard, ruhige Sachen von Ella Fitzgerald oder auch gerne schöne Filmmusik...


  • Du hast geschrieben, daß dich auch Musik inspiriert.
    Mich würde interessieren welche das ist?


    Ich höre gern laute Musik für Leute mit langen Haaren.
    8)
    Bei Feind war das zumeist The Vision Bleak. Das Lied A Curse Of The Grandest Kind vom Album Set Sail to Mystery lief oft in Endlosschleife auf meinem Kopfhörer. Vom Headbangen am Schreibtisch muss ich übrigens abraten - die Beule war ziemlich groß.
    :spinnen:
    Wenn es beim Schreiben gut läuft, regele ich die Lautstärke nach und nach hoch. 50/100 brauche ich für einen stimmungsvollen ersten Wurf, bei 100/100 + Mitsingen entstehen meine Glanzpunkte.


    Beim Lesen und beim Korrigieren habe ich es allerdings lieber still.

  • Kannst Du vielleicht noch ein bißchen mehr zu Deinem Konzept erzählen? Ich habe gerade gesehen, das der zweite Band dann sogar Jahrhunderte später spielen soll. Das klingt nach drei unabhängigen Romanen in der selben Welt? Wieso hast Du diese (mir sehr sympathische) Form des Fantasyzyklus gewählt?


    Die Formulierung "Jahrhunderte später" war eine Unschärfe, die wir später noch eingefangen haben. Richtig ist "ein halbes Jahrhundert" später. Ich hoffe, das steht jetzt auch in den Online-Katalogen so drin.
    Trotzdem ist ein halbes Jahrhundert natürlich eine lange Zeit - allerdings vor allem für Sterbliche. ;) Ich möchte anhand meiner Figuren gern zeigen, dass es etwas völlig anderes ist, ob man einfach nur ein paar Jahre älter wird, oder ob man bei völliger geistiger und körperlicher Fitness unsterblich ist (sofern es keine Gewalteinwirkung gibt). Das soll einerseits durch die Handlungen der Schattenherren deutlich werden, aber auch durch die Konzeption der Handlung, indem ich diesen großen Sprung zwischen erstem und zweitem Band mache.
    Hmmmm ....
    Ich knobele jetzt schon ein paar Minuten darüber, wie ich etwas mehr zum Konzept der Trilogie erzählen kann, ohne Dinge zu verraten, die die Spannung verderben. Das fällt mir schwer, weil ich glaube, dass die Art, wie die Handlung zusammenhängt (es ist tatsächlich eine einzige, große Geschichte, nicht drei unabhängige Geschichten) etwas speziell ist und die Entdeckung dieser Zusammenhänge für den Leser einen erheblichen Teil des Lesevergnügens ausmachen wird. Ich früchte, ich muss deswegen die Antwort schuldig bleiben ...
    :-\

  • Zitat

    Die Formulierung "Jahrhunderte später" war eine Unschärfe, die wir später noch eingefangen haben. Richtig ist "ein halbes Jahrhundert" später. Ich hoffe, das steht jetzt auch in den Online-Katalogen so drin.


    Libri spricht noch von Jahrhunderten. Das heißt aber, auch wenn es nur fünfzig Jahre sind, muss ich mich schon mal darauf gefasst machen, das viele liebgewonnene Figuren nicht mehr dabei sein werden.


    Zitat

    Ich knobele jetzt schon ein paar Minuten darüber, wie ich etwas mehr zum Konzept der Trilogie erzählen kann, ohne Dinge zu verraten, die die Spannung verderben. Ich früchte, ich muss deswegen die Antwort schuldig bleiben ...


    Ist schon OK, Bernd. Wann wird denn dann der dritte Band kommen? Auch noch in diesem Jahr?

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

    Einmal editiert, zuletzt von Torshavn ()


  • Das heißt aber, auch wenn es nur fünfzig Jahre sind, muss ich mich schon mal darauf gefasst machen, das viele liebgewonnene Figuren nicht mehr dabei sein werden.


    Darauf muss man sich - unabhängig von der Handlungszeit - in meinen Romanen immer gefasst machen. Unter zwölf Toten fange ich ein Buch gar nicht erst an.
    >:D



    Wann wird denn dann der dritte Band kommen? Auch noch in diesem Jahr?


    Stand der Planung (die noch nicht final ist): Es wird ein Dezember-Titel. Nach der Logik der Buchbranche wird der Roman dann Mitte November ausgeliefert, damit jede Buchhandlung, die ihn anbieten möchte, ihn auch wirklich im Dezember hat - und man sich den Abschluss der Trilogie zu Weihnachten schenken kann. ;)
    Die Rohfassung des Manuskripts ist fertig, ich habe sie letzte Woche ins Vorlektorat gegeben.


  • Darauf muss man sich - unabhängig von der Handlungszeit - in meinen Romanen immer gefasst machen. Unter zwölf Toten fange ich ein Buch gar nicht erst an.
    >:D


    Ich merke, ich sollte mehr von Dir lesen. Gib mir bitte einen Tipp. Welches Deiner Bücher würdest Du mir empfehlen?

    Literatur erweitert unser Dasein...Durch das Lesen großer Literatur werde ich zu tausend Menschen und bleibe doch ich selbst. CSL

  • Was habe ich da auf dem Rundgang im Bücherregal entdeckt....????!
    KARL MAY!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :-*8):herz::jakka: :freu: :five: :flirt:
    Meine Sammlung umfaßt zwei ganze lange Regale und ich liebe die Geschichten bis heute!!!
    Und da wir nur ca. 1 Stunde mit dem Auto nach Bad Segeberg brauchen, pilgern wir mit unseren Freunden und
    den Jungs jedes Jahr zum Kalkberg zu den Karl May-Festspielen.
    Da sind schon meine Eltern mit mir als Kind hingegangen und ich habe das große Glück gehabt, den großartigen
    Pierre Brice live als Winnetou sehen zu dürfen! :herz:


  • Bei Feind war das zumeist The Vision Bleak. Das Lied A Curse Of The Grandest Kind vom Album Set Sail to Mystery lief oft in Endlosschleife auf meinem Kopfhörer. Vom Headbangen am Schreibtisch muss ich übrigens abraten - die Beule war ziemlich groß.
    :spinnen:


    ;D


    Jetzt habe ich es endlich geschafft, dieses Lied anzuhören. Die Sprechstimme ist zwar nicht mein Fall, aber instrumental fand ich es gut. Kann mir schon gut vorstellen, dass das inspiriert. :)


    Seit ich vom Headbangen mal einen fiesen, steifen Nacken hatte, muss das Klopfen mit den Handflächen und kleine nickende Bewegungen reichen. Irgendwie haben die Schmerzen geprägt. :D

  • Ich habe mal eine Frage zu dem Titel. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber bei mir mit großer Wirkung. Das Wort "Feind" so für sich alleine ist irgendwie ungewöhnlich und ich tendiere immer wieder dazu, insgeheim an "Der Feind" oder "Feinde" zu denken, wenn ich das Buch in die Hand nehme und auf den Titel schaue. Dieses "Feind" steht für mich gefühlsmäßig so seltsam "unvollständig" und "alleine" da. Ist das bewusst so gewählt und geht es nur mir so, darüber immer wieder zu stolpern?


  • Ich habe mal eine Frage zu dem Titel. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber bei mir mit großer Wirkung. Das Wort "Feind" so für sich alleine ist irgendwie ungewöhnlich und ich tendiere immer wieder dazu, insgeheim an "Der Feind" oder "Feinde" zu denken, wenn ich das Buch in die Hand nehme und auf den Titel schaue. Dieses "Feind" steht für mich gefühlsmäßig so seltsam "unvollständig" und "alleine" da. Ist das bewusst so gewählt und geht es nur mir so, darüber immer wieder zu stolpern?


    Da bist du nicht allein: irgendwie habe ich auch immer "Der Feind" im Kopf.


  • Das Wort "Feind" so für sich alleine ist irgendwie ungewöhnlich und ich tendiere immer wieder dazu, insgeheim an "Der Feind" oder "Feinde" zu denken, wenn ich das Buch in die Hand nehme und auf den Titel schaue. Dieses "Feind" steht für mich gefühlsmäßig so seltsam "unvollständig" und "alleine" da. Ist das bewusst so gewählt und geht es nur mir so, darüber immer wieder zu stolpern?


    Allein steht Ihr damit nicht. Mein Lektor sagt auch dauernd Der Feind - "Wir haben gerade soundsoviel Exemplare von dem Feind ausgeliefert" etc.*
    Diese empfundene Unvollständigkeit ist ein Nebeneffekt meines Bestrebens, prägnante Titel zu haben. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass das Buch in Bücherforen bei der alphabetischen Sortierung nicht in der Masse der Titel untergeht, die mit "Der", "Die" oder "Das" beginnen, sondern bei "F" einsortiert wird, was mir besser gefällt.
    Bei Buchtiteln habe ich ja nun ein bisschen Erfahrung. Mein erster Roman heißt Sanguis B. Vampire erobern Köln. Zum Glück hat mich der Verleger zu dem Titelzusatz Vampire erobern Köln überredet. Ohne den wäre es nämlich ganz übel geworden. Das lateinische Wort Sanguis ist natürlich kaum geläufig, entsprechend kann es sich beinahe niemand merken, der von dem Buch gehört hat und es gern bestellen möchte.
    "Haben Sie Dangibus B?"
    "Ist das ein Vitaminpräparat? Sie sind in einem Buchladen."
    "Nein, das ist ein Buch. Sangilibus oder Sanginis oder so, mit B hinten."
    Wonach soll der Buchhändler suchen? Nach "B"? Oder nach meinem Autorennamen? Das Thema hatten wir hier ja schon: "Bernhart Crow? Finde ich nicht im Computer. Vielleicht gibt es das Buch nicht mehr ..."
    Was aber wohl gut funktioniert hat: "Bestellen Sie mir bitte dieses Buch. Der Titel ist Dingens B mit den Vampiren in Köln."
    Vampire - Köln - klappt.
    Meine Lektion: Keine exotischen Begriffe. Nichts Kompliziertes. Etwas, das man sich merken kann, also bitte prägnant.
    Es gibt nichts Prägnanteres als einsilbige Wörter.
    Feind.
    Knecht.
    Und auch der Titel zu Band 3 wird diesem Schema folgen, wie es aussieht.


    * Bei Die Türme von Taladur ist es übrigens umgekehrt - da wird das führende Die gern weggelassen, und die Leute schreiben Türme von Taladur.


  • Diese empfundene Unvollständigkeit ist ein Nebeneffekt meines Bestrebens, prägnante Titel zu haben. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass das Buch in Bücherforen bei der alphabetischen Sortierung nicht in der Masse der Titel untergeht, die mit "Der", "Die" oder "Das" beginnen, sondern bei "F" einsortiert wird, was mir besser gefällt.


    Das kann ich mir gut vorstellen. Allerdings hätte das die Mehrzahl "Feinde" ja auch erreicht. ;) Gerade die Einzahl ohne Titel ist für mich hier (und bei "Kecht" ebenso) auffällig "stolperig", hauptsächlich wohl auch, weil das Wort an sich so kurz ist. Aber das ist gar nicht negativ gemeint, im Gegenteil: wann denkt man schon so oft und lange über einen Buchtitel nach? Damit hast du es doch gerade richtig gemacht! ;D