01: Anfang - Seite 41 (einschl. Kap. 170)

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  • Hallo Ihr Lieben,


    hier treffen wir uns ab dem 28.06.2013 zur Leserunde zu dem Buch "Die radioaktive Marmelade meiner Großmutter" und ich begrüße alle TeilnehmerInnen und ganz besonders Ramona Ambs, die uns hier zum ersten Mal begleiten wird. Schön, dass Du, liebe Ramona, mit dabei bist! :-*


    Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Informationen zu Leserunden und auch die neuen Ausführungen zur Netiquette durch.
    Postet hier bitte erst, wenn ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.


    Es wäre schön, wenn ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir größtenteils zusammenbleiben können. Grobe Faustregel ist hierbei, dass bitte pro Tag nicht mehr als ein Abschnitt gelesen und dazu gepostet werden sollte! :winken:


    Hier könnt Ihr vom Anfang bis Seite 41 (bis einschl. Kapitel 170) schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.


    Ich wünsche uns nun allen viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!


    Liebe Grüße
    odenwaldcollies :winken:

  • hallo, ... nochmal lieben Dank für die Einladung und die besonders nette Begrüßung! :-)
    hoffentlich bring ich mit meinem Forumstalent hier nicht alles durcheinander, will sagen... hoffentlich antworte ich nicht an den falschen Stellen den richtigen Leuten aber zu ganz anderen Inhalten... oder so.. aber falls doch, hab ich hoffentlich wenigstens einen gewissen spaßigen Unterhaltungsfaktor :-)

  • Ich habe gestern abend den ersten Abschnitt gelesen, mußte jetzt aber erstmal meine Gedanken sortieren:


    Die zentrale Frage, die ich mir während des Lesens gestellt habe, war: wieviel Genozid in der Vergangenheit kann ein Kind ertragen? Es läßt sich nicht vermeiden, daß Romy mitbekommt, was ihre Großeltern und Onkel Max während des Dritten Reiches erlebt haben, schließlich sind sie durch diese Ereignisse traumatisiert, die kann man auf keinen Fall einfach so aus dem Gedächtnis streichen. Aber sie kommt damit nicht klar, auch wenn sie ihr eigenes Leben teilweise recht flapsig beschreibt.
    Ich denke, sie möchte einfach ein "normales" Leben wie ihre Freunde/Mitschüler leben, ohne daß die Erinnerungen an Hitler wie ein dunkler Schatten über ihr schweben. Erschreckend, welchen Einfluß seine Greueltaten auch noch auf das Leben der Enkelkinder der Holocaust-Opfer hat.


    Ich frage mich, ob bei Romys Mutter die gleichen Gründe zum Heroin-Konsum und -tod geführt haben? Hätte Romy sich anders entwickelt, wenn sie nicht bei den Großeltern, sondern bei ihren Eltern aufgewachsen wäre ohne die Geschichten von Onkel Max über den Holocaust? Daß ihr Vater sich dann teilweise wegen seiner Kindheit bei ihr ausheult, macht es auch nicht besser.


    Und immer wieder wird betont, daß sie Jüdin ist: egal, ob das Mädchen in der Schule, oder der Lehrer, der sich immer auf die großartigen jüdischen Schriftsteller beruft; ihm ist gar nicht bewußt, daß er damit ihr Judentum noch extra betont und ihr das Gefühl gibt, "anders" zu sein. Zuerst dachte ich noch, naja, er meint es wahrscheinlich nur gut und weiß es nicht besser, aber als dann der Spruch kommt, daß Juden ja auch gut mit Geld könnten, dann war klar, daß er auch nicht frei von Vorurteilen ist.
    Kein Wunder, daß sich Romy mit den Zahlen und Buchstaben so wohl fühlt, weil ihnen egal ist, welcher Nationaliät oder Religion jemand angehört.


    Als ihr Meerschweinchen stirbt, hat Romy mir sehr leid getan: nicht nur verliert sie ihre pelzigen Freund, sondern sie identifiziert sich direkt mit dem Mörder Hitler - das wäre wohl einem "deutschen" Kind eher nicht passiert :(


    Romys Großvater scheint ja eine lustige Marke gewesen zu sein, wenn er im Keller trommelt oder auch bei dem Klingelstreich mußte ich über ihn grinsen - auch wenn man als Kind das natürlich gar nicht lustig findet, wenn der Großvater einen so verrät ;D Schade, daß er relativ früh stirbt.
    Aber Romys Hunger nach einem glücklichen Leben befriedigt sie schon sehr früh, wenn sie an der Farbe im Keller schnüffelt. Das arme Kind. Mit den Drogen kann sie das Negative aus ihrem Inneren fernhalten und ist schneller in der Suchtspirale drin als sie glaubt und sie wird daraus auch nicht mehr so schnell rauskommen, selbst wenn ihr Freund sich nun den goldenen Schuss gesetzt hat.


    Die Vorhaltungen der Oma wie: "Ich wäre in deinem Alter froh gewesen, wenn ich mich hätte frei bewegen dürfen ..." kenne ich auch; meine Mutter hat auch als Kind den Krieg mitgemacht und da hieß es auch oft, wenn ich mal meinen Teller nicht vollständig aufgegessen habe, daß wir froh sein sollen, daß wir keinen Hunger kennen würden. Tja, daraufhin habe ich es dann aus schlechtem Gewissen runtergezwungen. Daher kann ich gut verstehen, daß Romy daraufhin auch nicht mehr tanzt.


    Genial finde ich übrigens die Erklärung dazu, warum das Buch mit Kapitel 135 anfängt.


    Ramona, ich habe auf deiner Amazon-Autorenseite gelesen, daß du in einem jüdisch-katholischen Haushalt aufgewachsen bist: wieviel Inhalt in diesem Buch ist autobiografisch?


    Mir gefällt das Buch bisher sehr gut - auch die zeitlichen Bezüge z.B. zu "Ein bisschen Frieden" oder Tschernobyl finde ich gelungen, da ich damit auch eine Zeitleiste für die Ereignisse habe. Zumal ich 1969 geboren bin und die Zeiten damit auch als Jugendliche mitgemacht habe. Gerade die Bedrohung durch den Kalten Krieg wurde mich damals noch furchtbarer durch die Angst meiner Mutter, daß die Russen wieder nach Deutschland kommen könnten (sie ist Schlesien-Vertriebene).


    Und die Marmelade der Großmutter haben wir auch kennengelernt: hmm, Erdbeermarmelade ist meine Lieblingsmarmelade, vielleicht sollte ich das mit den Holunderblüten auch mal probieren.

  • mir ging es bei dem Buch um vielerlei Dinge. Zum einen wollte ich natürlich einfach eine gute Geschichte erzählen (und realistisch wirken lassen, deshalb auch die aktuellen politischen Bezüge) ;-) zum andern wollt ich tatsächlich zeigen, wie präsent diese Zeit, die so scheinbar lange her ist, in vielen jüdischen Familien noch ist. Bei uns zuhause war das jedenfalls so. (Ich bin jüdisch, weil die Familie meiner Mutter jüdisch war, habe aber einen katholischen Vater, was dazu führt, dass ich eben „beide“ Seiten der Geschichte in der Familie habe, was ich -neben all der Unbehaglichkeiten, die das mit sich bringt- auf jeden Fall inspirierend finde...) Wobei ich eben Traumatisierungen aus dieser Zeit ja nun nicht nur in jüdischen Familien sehe. Sondern in unterschiedlicher Weise natürlich bei anderen auch. Du schreibst ja selbst, Du „kennst“ solche Sprüche wie „sei froh...,wir damals...“.
    Ich denke, das ist etwas, was viele -zumindest die „älteren“ (also mein Jahrgang (1974) und älter) irgendwann gehört haben.
    Außerdem wollt ich aber auch einige Klischees aufbrechen, mit denen ich immer wieder konfrontiert bin. Im positiven wie im negativen. Von nichtjüdischer Seite, aber auch innerjüdisch. Von außen eben oft dieses: alle sind reich, intelligent und gut situiert... aber auch innerjüdisch gibt es Hemmungen über bestimmte Dinge zu reden. Zum Beispiel eben über Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten, oder über Rabbiner, die so sehr in ihre religiöse Welt verstrickt sind, dass sie den Kontakt zu den normalen Leuten verlieren (nicht alle logischerweise, aber eben manche doch..)...dabei gibt es derlei bei uns ganauso wie anderswo auch. Aber literarisch kommt es praktisch nicht vor. Es gibt zwar wieder jüdische Literatur in Deutschland, aber sie erzählt (mit Ausnahme vielleicht von Lena Gorelik, die aber eben auch einen typisch russisch-jüdischen Blickwinkel hat (sehr berechtigt,& sehr gut by the way)) fast immer nur von normalem Leben und normalen Leuten - und weniger von Abgründen...eine jüdische Prostituierte gibts eben tatsächlich nirgends in der Literatur....
    tja, und zur Frage, wieviel autobiographisches in dem Buch steckt, weiß ich immer nicht so recht, was ich antworten soll. Es gibt natürlich keine Bücher ohne autobiografischen Bezug. Selbst in Fantasyromanen verarbeiten Autoren Dinge, die ihnen irgendwie widerfahren sind... aber da wird meist weniger nachgefragt... Also die Figuren von Romys Großeltern sind sehr nah an meinen Großeltern sel. A., die ich sehr vermisse und denen ich auf diese Weise ein bißchen ein Denkmal setzen wollte. Die Geschichte mit dem Klingelstreich beispielsweise ist einfach tatsächlich genauso passiert. Anderes aber habe ich zusammengemixt. Onkel Max zum Beispiel ist eine Kombination von vier Personen, die ich in seiner Figur kumuliert hab...
    aber meine Großmutter hat tatsächlich sehr gute Erdbeermarmelade gekocht. Schade, dass ich kein Rezept habe, sonst hätt ich das vielleicht sogar noch untergebracht....

  • Hallo Ihr Lieben,


    erst mal ein herzliches "Hallo" in die Runde und ganz besonders an dich, liebe Ramona. Schön, dass du uns in dieser Leserunde begleitest. :-*


    Ich habe diesen Abschnitt heute in einem Rutsch gelesen und bin schon richtig gefangen von Romy's Geschichte. Die Erklärung, warum das Buch bei Kapitel 135 beginnt, hat mir auch sehr gut gefallen und ich konnte sie nur nickend bestätigen. Immer gibt es schon vorherige Kapitel des Lebens und selten fängt ein Buch wirklich mit dem allerersten Kapitel an. Interessante Einleitung und mal ganz anders.


    Die drückende Atmosphäre im Haus der Großeltern kommt auch bei mir als Leser an und mir tut Romy wirklich leid. Eigentlich möchte sie ja nur ein ganz normales Leben, muss aber mit diesen drückenden Schatten der Vergangenheit leben und irgendwie wird ihr ja andauernd das Gefühl vermittelt, sie müsste dankbar dafür sein, dass sie überhaupt noch lebt. Furchtbar das! Und wie schrecklich, dass wirklich die Greueltaten von Hitler nicht nur direkte Auswirkungen auf das Leben der Großeltern hatten, sondern bis in die Enkelgeneration weiter reichen. Was für ein Alptraum! Furchtbar finde ich auch, dass sie auch in der Schule sofort quasi immer "gebrandmarkt" wird und immer hervor gehoben werden muss, dass sie doch jüdisch ist. Sie ist doch einfach genauso ein Kind wie alle anderen auch. Als sich ihr bester Freund von ihr abwendet, hat mich das wirklich auch sehr mitgenommen.


    Schlimm, wie sie schon als Kind sich durch die Dämpfe der Farben von ihrem Großvater berauscht und schließlich bei Heroin landet. Ich habe übrigens die Vermutung, dass der Großvater auch high durch die Dämpfe geworden ist und deswegen im Keller zum Trommeln begonnen hat etc. Meine Vermutung ist auch, dass sein Tod auch mit verschuldet ist durch diese Dämpfe, denen er sich da jahrelang ausgesetzt hat.


    Erschreckend finde ich, wie jung Romy ist, als sie mit Heroin anfängt. Bis jetzt geht sie zwar noch nicht auf den Strich, jedoch befürchte ich, dass sie das vielleicht doch bald muss. :o



    Als ihr Meerschweinchen stirbt, hat Romy mir sehr leid getan: nicht nur verliert sie ihre pelzigen Freund, sondern sie identifiziert sich direkt mit dem Mörder Hitler - das wäre wohl einem "deutschen" Kind eher nicht passiert :(


    Das hat mich auch sehr erschüttert, dass Romy sich gleich mit Hitler vergleicht und auch noch Angst hat, dass ihre Oma sie ablehnt, sollte sie erfahren, dass evtl. sie selbst den Tod des Meerschweinchens verschuldet hat. Wie furchtbar!



    Mir gefällt das Buch bisher sehr gut - auch die zeitlichen Bezüge z.B. zu "Ein bisschen Frieden" oder Tschernobyl finde ich gelungen, da ich damit auch eine Zeitleiste für die Ereignisse habe. Zumal ich 1969 geboren bin und die Zeiten damit auch als Jugendliche mitgemacht habe. Gerade die Bedrohung durch den Kalten Krieg wurde mich damals noch furchtbarer durch die Angst meiner Mutter, daß die Russen wieder nach Deutschland kommen könnten (sie ist Schlesien-Vertriebene).


    Die zeitlichen Bezüge finde ich auch sehr gut und sie passen sehr gut in die Geschichte mit hinein.


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

  • Wenige Seiten und doch so viele Gedanken, die aufgeschrieben werden wollen.


    Ich glaube, ich kann kein erstes Kapitel mehr ernst nehmen ;) Denn selbst die Geburt ist ja kein Anfang. Ihr geht ja die Schwangerschaft und Planugs-/Übungsphase voraus. Wir haben zuhause immer rumgealbert, dass ich eine Spätfolge des Krieges bin. Meine Großeltern mütterlicherseits wurden aus dem Sudetenland vertrieben, die väterlicherseits aus Schlesien. Ohne den Krieg hätten sich meine Eltern nie kennengelernt.


    Der Humor, der sich durch das ganze Buch zu ziehen scheint, ist ganz besonders. Ich glaube, ich habe auf jeder Seite gelacht oder gekichert und bin gleich wieder traurig geworden, weil der Hintergrund fast jeden Witzes so traurig ist. Auf Romy lastet nicht nur der normale Wahnsinn des erwachsen werdens sondern auch der Tod der Mutter und der Genozid. Das kann kein Kind ertragen. Bei ihr zuhause scheint die Sonne ja nicht nur gelb, sie scheint eher grau. jede Freude wird überschattet von der geschichte der Großeltern. Das hält kein Kind aus und stimmt so traurig. selbst in der Schule kann sie nicht einfach nur Kind sein, da ihre Lehrer recht unsensibel reagieren. ich erinnere mich noch an den jüdischen Jungen aus meiner Klasse, der einfach aus dem Unterricht durfte, wenn wir über das Dritte Reich gesprochen haben. Wir waren alle recht überrascht, dass wir nichts von seiner Abstammung wussten und unser Lehrer meinte nur, dass wir uns ja auch nicht folgendermaßen vorstellen: " Hallo, ich bin die Kati und ich bin katholisch". Danach war das Kapitel für alle gegessen.


    Was mich wirklich schockiert hat war, wie jung Romy an die Drogen kam. Das war alles so normal für sie. Als ich 12 war, war meine Welt noch heil.

    Liebe Grüße vom verrückten Kati-Tier

  • Die Vorhaltungen der Oma wie: "Ich wäre in deinem Alter froh gewesen, wenn ich mich hätte frei bewegen dürfen ..." kenne ich auch; meine Mutter hat auch als Kind den Krieg mitgemacht und da hieß es auch oft, wenn ich mal meinen Teller nicht vollständig aufgegessen habe, daß wir froh sein sollen, daß wir keinen Hunger kennen würden. Tja, daraufhin habe ich es dann aus schlechtem Gewissen runtergezwungen. Daher kann ich gut verstehen, daß Romy daraufhin auch nicht mehr tanzt.


    Das kenne ich auch von meiner Oma. Auch das Hamstern der Marmelade. Als meine Oma gestorben ist, haben wir den Keller ausgemistet und Marmelade ab 1950 gefunden. ein gesamter Kellerraum war voll. Außerdem viel eingelegtes Obst und Gemüse. Das war auch mit das erste, was sie mir beigebracht hat: Marmelade einkochen, Brot backen, Lebensmittel konservieren.


    nd die Marmelade der Großmutter haben wir auch kennengelernt: hmm, Erdbeermarmelade ist meine Lieblingsmarmelade, vielleicht sollte ich das mit den Holunderblüten auch mal probieren.


    Mach das, es schmeckt unglaublich lecker. ich würde dir ja welche schicken, aber die 10 Gläser von diesem Jahr sind alle schon weg.


    Schlimm, wie sie schon als Kind sich durch die Dämpfe der Farben von ihrem Großvater berauscht und schließlich bei Heroin landet. Ich habe übrigens die Vermutung, dass der Großvater auch high durch die Dämpfe geworden ist und deswegen im Keller zum Trommeln begonnen hat etc. Meine Vermutung ist auch, dass sein Tod auch mit verschuldet ist durch diese Dämpfe, denen er sich da jahrelang ausgesetzt hat.



    Das denke ich auch. Aber kann man ihm das so verübeln? Er scheint ein richtiger Spaßvogel gewesen zu sein und dann drückt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch der Umgang von seinem Bruder und auch seiner Frau mit der Vergangenheit auf ihm. Siehe die Szene mit Romys Geschichtsbuch, als sich ihr Onkel so aufregt und ihr Großvater es einfach darauf belassen will. Ändern können sie es ja nicht mehr

    Liebe Grüße vom verrückten Kati-Tier

  • @Ramona:
    Danke für deine ausführliche Antwort.



    aber auch innerjüdisch gibt es Hemmungen über bestimmte Dinge zu reden. Zum Beispiel eben über Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten, oder über Rabbiner, die so sehr in ihre religiöse Welt verstrickt sind, dass sie den Kontakt zu den normalen Leuten verlieren (nicht alle logischerweise, aber eben manche doch..)...dabei gibt es derlei bei uns ganauso wie anderswo auch. Aber literarisch kommt es praktisch nicht vor. Es gibt zwar wieder jüdische Literatur in Deutschland, aber sie erzählt (mit Ausnahme vielleicht von Lena Gorelik, die aber eben auch einen typisch russisch-jüdischen Blickwinkel hat (sehr berechtigt,& sehr gut by the way)) fast immer nur von normalem Leben und normalen Leuten - und weniger von Abgründen...eine jüdische Prostituierte gibts eben tatsächlich nirgends in der Literatur....


    Stimmt, daran könnte ich mich jetzt auch nicht erinnern, davon gelesen zu haben. Gilt dieses Tabu, über solche Themen zu schreiben, hauptsächlich für Literatur, die in Deutschland herausgegeben wird oder eher generell? Den Namen Lena Gorelik werde ich mir merken.



    Also die Figuren von Romys Großeltern sind sehr nah an meinen Großeltern sel. A., die ich sehr vermisse und denen ich auf diese Weise ein bißchen ein Denkmal setzen wollte. Die Geschichte mit dem Klingelstreich beispielsweise ist einfach tatsächlich genauso passiert. Anderes aber habe ich zusammengemixt. Onkel Max zum Beispiel ist eine Kombination von vier Personen, die ich in seiner Figur kumuliert hab...
    aber meine Großmutter hat tatsächlich sehr gute Erdbeermarmelade gekocht. Schade, dass ich kein Rezept habe, sonst hätt ich das vielleicht sogar noch untergebracht....


    Das mit dem Klingelstreich ist tatsächlich so passiert ;D? Ist ja witzig. Schön, daß die Beiden in dem Buch solch eine Erwähnung finden. Ist schon ulkig, ich verbinde mit meiner Oma auch Erinnerungen an bestimmte Speisen, während der eine Opa mir schwäbische Kartenspiele und der andere Opa Schachspielen beigebracht hat. Der Opa mit dem Schachspiel wohnte allerdings 400 km von uns entfernt, ständige Besuche waren also nicht drin, so daß ich die Schachregeln immer wieder bis zum nächsten Besuch vergessen habe. Er hat sie mir immer und immer wieder neu gelernt, bis ich endlich in einem Alter war, daß ich sie nicht mehr vergessen habe ;D


  • Der Humor, der sich durch das ganze Buch zu ziehen scheint, ist ganz besonders. Ich glaube, ich habe auf jeder Seite gelacht oder gekichert und bin gleich wieder traurig geworden, weil der Hintergrund fast jeden Witzes so traurig ist.


    Ja, dieser Gegensatz ist sehr gut gelungen.



    Was mich wirklich schockiert hat war, wie jung Romy an die Drogen kam. Das war alles so normal für sie. Als ich 12 war, war meine Welt noch heil.


    Das fand ich auch krass.



    Mach das, es schmeckt unglaublich lecker. ich würde dir ja welche schicken, aber die 10 Gläser von diesem Jahr sind alle schon weg.


    Danke für dein Angebot :-* Aber hier in Badisch-Sibirien ist der Holunder jetzt gerade am Blühen, daher kann ich die Marmelade noch machen. Wieviel Holunderblüten auf wieviel Gramm Erdbeeren kommen denn da rein?

  • Danke für dein Angebot :-* Aber hier in Badisch-Sibirien ist der Holunder jetzt gerade am Blühen, daher kann ich die Marmelade noch machen. Wieviel Holunderblüten auf wieviel Gramm Erdbeeren kommen denn da rein?


    Die alten Damen des Ortes sind beim Ernten sehr schnell. Da bleibt für mich wenig übrig :-). Oma nahm für ein kg Erdbeeren eine Dolde.

    Liebe Grüße vom verrückten Kati-Tier

  • Hallo Ihr Lieben!


    Ich bin nun auch endlich soweit; sorry für die Verzögerung. :-[
    Nun, dieser erste Abschnitt hat mich ziemlich traurig gemacht; er wirkte auf mich sehr bedrückend und hat mich an das Buch bzw. den Film "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" erinnert. Den habe ich damals zum ersten mal in der Schule gesehen, und der hat mich damals sehr geschockt. Das sollte vermutlich auch so sein.


    Zwar gibt es auch in diesem Buch einen Sinn für Humor - aber der ist sehr schwarz. Mir fällt da spontan die Szene in der Schule ein, in der Romy von der Lehrerin gefragt wird, was ihre Familie im Zweiten Weltkrieg gemacht hat, und Romy antwortet, von ihnen wurde erwartet zu sterben! Böse, böse.


    Arme Romy. Ich stelle mir vor, dass sie eine sehr bedrückende Kindheit hatte, obwohl ihre Großeltern sie mit Sicherheit sehr geliebt haben!
    Aber richtig geschockt war ich, als ich gelesen habe, wie alt Romy war, als sie mit Drogen in Kontakt gekommen ist! Ich hatte sie mir da schon älter vorgestellt, aber sie war 12! :o Ein Kind!


    Auf diesen wenigen Seiten hat mich das Buch schon sehr gepackt.


    Aber mal etwas anderes... Ist Euch auch aufgefallen, dass dieses Buch einen ganz eigenartigen Geruch hat? Ich habe das Buch beim Lesen schon einige Male etwas weiter von mir weg gehalten, weil ich diesen Geruch überhaupt nicht mag. Ist das die Druckerschwärze?
    Oder geht es nur mir so?

  • Als ihr Meerschweinchen stirbt, hat Romy mir sehr leid getan: nicht nur verliert sie ihre pelzigen Freund, sondern sie identifiziert sich direkt mit dem Mörder Hitler - das wäre wohl einem "deutschen" Kind eher nicht passiert :(


    Ja, die Szene war schon ziemlich traurig. Dass Romy sich mit Hitler vergleicht - ganz schön heftig! :o
    Ich denke, das liegt daran, dass ihre Oma (und vielleicht auch der Opa?) so oft vom Zweiten Weltkrieg und von Hitler sprechen und klagen, oder?
    Romy war ja noch ein Kind und hat wahrscheinlich gar nicht wirklich gewusst, wer dieser Hitler war.


  • Mir fällt da spontan die Szene in der Schule ein, in der Romy von der Lehrerin gefragt wird, was ihre Familie im Zweiten Weltkrieg gemacht hat, und Romy antwortet, von ihnen wurde erwartet zu sterben! Böse, böse.


    Stimmt, das ist rabenschwarz - und ganz schön schlagfertig.



    Aber mal etwas anderes... Ist Euch auch aufgefallen, dass dieses Buch einen ganz eigenartigen Geruch hat? Ich habe das Buch beim Lesen schon einige Male etwas weiter von mir weg gehalten, weil ich diesen Geruch überhaupt nicht mag. Ist das die Druckerschwärze?
    Oder geht es nur mir so?


    Das ist mir bisher nicht aufgefallen, ich habe allerdings gerade eine Erkältung :-[



    Ich denke, das liegt daran, dass ihre Oma (und vielleicht auch der Opa?) so oft vom Zweiten Weltkrieg und von Hitler sprechen und klagen, oder?
    Romy war ja noch ein Kind und hat wahrscheinlich gar nicht wirklich gewusst, wer dieser Hitler war.


    Davon gehe ich auch aus, daß ihr hauptsächlich geläufig war, für was dieser Herr steht.

  • Die zeitlichen Bezüge finde ich auch sehr gut und sie passen sehr gut in die Geschichte mit hinein.


    nochmals danke für die liebe Begrüßung :-)
    wegen der zeitlichen Bezüge bekomme ich übrigens lustigerweise viel Post. Die Leute rechnen teilweise nach und einige "Zeitpunkte" deute ich ja nur an, also beispiesweise den Anschlag auf die Istanbuer Synagoge, die quasi nur als TV_Hintergrund läuft, als Romy das erste Mal Heroin probiert (Seite 27)... bezogen hab ich mich da beispielsweise auf den Anschlag auf die Neve-Shalom-Synagoge am 6. September 1986. Die Leute fragen mich dann immer, gabs da wirklich was oder war das nur fiktives Beispiel...usw.
    Aber jeglicher Bezug in diesem Buch hat einen real-recherschierten Hintergrund, von einfachen Radiomeldungen bis hin zu offensichtlichen Geschehnissen (Mauerfall etc.). Ich hab vor, das nochmal irgendwann en Detail zusammen zu fassen und eventuell auf meine Facebookseite öffentlich einsehbar einzustellen, aber wann ich dafür die Zeit finde, weiß ich grad nicht :-)


  • hihi, das ist schön gesagt. Du bist aber eine sehr nette Spätfolge des Krieges. :)
    Ich hatte ein bißchen auf sowas gehofft. Also darauf, dass den Lesern klar wird, dass es eben (unabhängig von jüdisch oder eben auch nicht) tatsächlich dieses Kriegsgeschehen "Folgen" auch für heute hat... Wer weiß, wenn der eine aus dem Krieg zurückgekommen wär, hätte die Frau zuhause ihre Kinder mit ihm bekommen und heute wären ganz andere Menschen auf der Welt etc... dieses Kopfkino find ich wichtig. Weil es klar macht, wie verkettet und verbunden doch alle Menschen miteinander und eben vor allem die Generationen miteinander sind...
    und was das Alter von Romy angeht.... ich glaube, man wird unterschiedlich schnell erwachsen. Und in bestimmten Gegenden passieren bestimmte Dinge eben früher als anderswo. .. in der Grundschulklasse meines Sohnes war ein Junge, der im Alter von zehn Jahren in der vierten Klasse nach den Ferien plötzlich mit einer Tätowierung am Arm rumgelaufen ist. Einer richtigen, dauerhaften. Da war ich dann auch mal wieder kurz geschockt. So früh hats derlei "zu meiner Zeit" nicht gegeben... aber ist halt offenbar schon so, je nachdem wo und wie Du aufwächst, wirst Du anders geprägt etc...

  • Stimmt, daran könnte ich mich jetzt auch nicht erinnern, davon gelesen zu haben. Gilt dieses Tabu, über solche Themen zu schreiben, hauptsächlich für Literatur, die in Deutschland herausgegeben wird oder eher generell?


    nein, also ich hab mich jetzt tatsächlich auf Literatur in deutscher Sprache bezogen. In amerikanischer Literatur gibts da durchaus einiges zu...
    Und danke für die Geschichte mit dem geduldigen Großvater. Sowas ist immer schön zu lesen...

  • falls ich übrigens mal irgendeine Frage oder einen Einwand übersehen sollte, stupst mich bitte nochmal drauf...
    manchmal überles ich Dinge aus Zeitmangel oder Unaufmerksamkeit... also nicht denken, das ich die nicht beantworten will oder so....
    danke :-)

  • Aber mal etwas anderes... Ist Euch auch aufgefallen, dass dieses Buch einen ganz eigenartigen Geruch hat? Ich habe das Buch beim Lesen schon einige Male etwas weiter von mir weg gehalten, weil ich diesen Geruch überhaupt nicht mag. Ist das die Druckerschwärze?
    Oder geht es nur mir so?


    das Buch riecht definitiv nicht gut und der Druck ist leider auch schlecht... der nennen wir es diplomatisch mal "Duft" verschwindet allerdings nach einigen Tagen... :-)
    (heimlich träum ich ja davon, dass dieses Buch irgendwann mal mit Erdbeermarmeladenduft erscheint, aber soweit ist die Technik wohl noch nicht ... :-\ )