02: Seite 42 - Seite 87 (Kap. 171 - einschl. Kap. 202)

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  • Hier könnt Ihr zum Inhalt von Seite 42 bis Seite 87 (Kapitel 171 - einschl. Kap. 202) schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Ui, jetzt habe ich gedacht, ich hinke so hinterher und hole Euch gar nicht mehr ein, aber hier ist ja noch niemand. Dann bin ich ja doch noch im Zeitrahmen. ;D


    Ich habe den zweiten Abschnitt heute in meiner Mittagspause gelesen.
    Ich weiß gar nicht warum, aber obwohl dieser zweite Abschnitt inhaltlich auch sehr traurig ist, hatte ich nicht dieses bedrückende Gefühl wie im ersten Abschnitt. :-\
    Ich weiß nicht, woran es liegt, denn mir tut Romy immer noch schrecklich leid, und ich finde es ganz furchtbar und entsetzlich, dass sie jetzt an der Nadel hängt und anschaffen geht! Und das mit gerade mal 13 oder 14 Jahren! :o Das ist schrecklich traurig! :'(


    Auch zieht sie schon in so frühen Jahren von zu Hause aus. Sie ist doch eigentlich noch ein Kind, scheint aber keine wirkliche Kindheit gehabt zu haben.
    Eigentlich ist da ein Leben auf der Straße schon fast vorprogrammiert - dachte ich jedenfalls. Aber Romy hat mehr oder weniger Glück und landet in der Klinik. Sie macht einen Entzug, und zunächst scheint alles erst mal wieder bergauf für sie zu gehen. Da habe ich mich sehr für sie gefreut.


    Obwohl dieses Buch so schmal ist und relativ wenige Seiten hat, ist so viel drin in dem Buch. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass dünne Bücher oftmals etwas oberflächlich bleiben. Das ist hier überhaupt nicht so, im Gegenteil. Die Geschichte nimmt mich sehr mit.

  • Hallo Ihr Lieben,


    auch dieser Abschnitt ist ganz schön heftige Kost. Am meisten macht mir ja zu schaffen, dass Romy in einem quasi unbeteiligten Ton alles erzählt, was ihr passiert. Sie spritzt sich Heroin, geht auf den Strich, wird auf einem Junggesellenabschied gleich von allen vergewaltigt und schließlich auch noch von ihrem Therapeuten missbraucht... Und erzählt dabei alles so wie wenn es nicht wirklich um sie gehen würde. Aber gerade diese Erzählweise setzt mir noch mehr zu.


    Gut beschrieben, finde ich auch, dass sich Romy wenn sie sich etwas sucht, es dann auch wie eine Süchtige betreibt. Wie das Lesen. Sie liest nicht einfach so wie man denkt, sondern sie versinkt im Lesen, vergisst alles andere, auch ihre beste Freundin und entwickelt auch da eine richtige Sucht.


    Ihre Oma tut mir irgendwie richtig leid. Gerade die Szene, als sie extra vorbei kommt, etwas kocht, aber Romy einfach nichts essen kann. Die Oma ist selber schwer traumatisiert. Da aber bei ihr das darin äußert, dass sie immer Angst vor dem Verhungern hat, denkt und hofft sie mit Essen vieles richten zu können. Leider funktioniert das aber bei Romy nicht.


    Was ich mich ja frage, wie man Romy wirklich helfen könnte. Sie stecken sie zwar in einen Zwangsentzug, aber sie geben ihr nicht das, was sie wirklich braucht. Ich denke das ist immer das Schwierigste bei egal welcher Art von Suchtproblemen. Man bekämpft immer nur die direkte Auswirkung, also z. B. die Heroinabhängigkeit, aber nicht wirklich das, was dazu führt. Bei Romy müsste sich vieles grundlegend ändern, damit sie kein Heroin mehr bräuchte, obwohl ich gar nicht so genau weiß, was das alles wäre. Vertrackte Situation!



    Auch zieht sie schon in so frühen Jahren von zu Hause aus. Sie ist doch eigentlich noch ein Kind, scheint aber keine wirkliche Kindheit gehabt zu haben.
    Eigentlich ist da ein Leben auf der Straße schon fast vorprogrammiert - dachte ich jedenfalls. Aber Romy hat mehr oder weniger Glück und landet in der Klinik. Sie macht einen Entzug, und zunächst scheint alles erst mal wieder bergauf für sie zu gehen. Da habe ich mich sehr für sie gefreut.


    Ich finde es auch erschreckend, dass sie bereits in so jungen Jahren in diesen Teufelskreislauf gerät. Das ist einfach schrecklich. Einerseits finde ich es gut, dass sie weg von der Straße ist, ich weiß aber noch nicht, ob es wirklich weiterhin mit ihr gut geht, oder ob sie nicht selber wieder auf der Straße landet. Zum Glück ist sie zumindest keinem Zuhälter in die Arme gelaufen. Dann wäre ihr Schicksal wohl noch schlimmer geworden.
    Die Geschichte von ihrer türkischen Freundin, die im Meer versenkt wurde, finde ich schon schlimm genug! :o


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:


  • (...)
    Obwohl dieses Buch so schmal ist und relativ wenige Seiten hat, ist so viel drin in dem Buch. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass dünne Bücher oftmals etwas oberflächlich bleiben. Das ist hier überhaupt nicht so, im Gegenteil. Die Geschichte nimmt mich sehr mit.


    Das ist ja schön. Danke. Ich hab Romy und ihre Beschreibungen absichtlich knapp gehalten. Also so, das sie dem Leser immer ein bißchen entgleitet...
    Jedenfalls hab ich das so geplant, dass man sie nie richtig fassen kann... also im Sinne, das man eben Situationen richtig intensiv auserzählt.
    Ich glaube halt, das grade das, was man nicht erzählt und was der Leser sich selbst im Kopf dazu denkt (denken muss, denn vieles deute ich ja nur an) und im Herz dazu empfindet ihn/sie viel intensiver berührt, weil es eben aus einem selbst kommt....


  • (...) Am meisten macht mir ja zu schaffen, dass Romy in einem quasi unbeteiligten Ton alles erzählt, was ihr passiert. Sie spritzt sich Heroin, geht auf den Strich, wird auf einem Junggesellenabschied gleich von allen vergewaltigt und schließlich auch noch von ihrem Therapeuten missbraucht... Und erzählt dabei alles so wie wenn es nicht wirklich um sie gehen würde. Aber gerade diese Erzählweise setzt mir noch mehr zu.


    Der scheinbar unbeteiligte Ton ist dem Heroin geschuldet. Das macht ja nun mal extrem gleichgültig und das wollt ich sprachlich einfangen. Das naiv-kindliche bleibt bei, geht nur ein wenig zurück, aber dafür kommt eben etwas Lakonisches, -und ja auch Abgebrühtes dazu...


    Zum Glück ist sie zumindest keinem Zuhälter in die Arme gelaufen. Dann wäre ihr Schicksal wohl noch schlimmer geworden.
    Die Geschichte von ihrer türkischen Freundin, die im Meer versenkt wurde, finde ich schon schlimm genug! :o


    ja, definitiv. Und die Geschichte mit der versenkten Freundin hat leider auch einen realistischen Hintergrund. Ist allerdings kein Einzelfall, sondern das passiert dort (und ich vermute nicht nur dort, aber ich hab nicht noch weiter in diese Richtung recherchiert).

  • Wie schon befürchtet, ist Romy doch auf dem Strich gelandet. Das Heroin macht sie auch sehr gleichgültig. Im ersten leseabschnitt war sie ja noch sehr humorvoll, hagtte einen unglaublich schwarzen und herrlichen Humor. Der tritt hier sehr in den Hintergrund. Man merkt, wie die Drogen sie verändern und ich finde das wirklich gut umgesetzt. Sie musste unglaublich schnell erwachsen werden und doch blitzt immer wieder ihre Kindheit durch, zum Beispiel mit den zu Ballons aufgeblasenen Kondomen. Genau so würden doch ihre Klassenkameraden mit Kondomen umgehen.


    Mich hat etwas verwundert, dass sie trotz Drogen noch so aktiv ist. Das kenne ich aus meinem Bekanntenkreis anders. Da fährt die kleine Romy einfach nach Istanbul. Das ist schon arg mutig. Dort scheint es ihr ja auch gut zu gehen und doch drängt es sie heim zu Onkel und Oma. So erwachsen sie ist, so sehr braucht sie noch die Familienbande. Außerdem denke ich, dass auf ihr auch der Druck lastet, der Oma nicht noch mehr Kummer zu machen, da sie ja schon so viel erlebt hat.


    Wenn Romy etwas anpackt, dann ganz oder garnicht. Von ihren Großeltern hat sei gelernt, wie schnell sich das Leben wandeln kann und wie sehr man dann alles bereut, was man nicht getan hat. Also lebt sie ihr Leben der Extreme. Sie ist aber unglaublich stark und schafft trotz allem sogar das Abitur. Denn wenn sie lernen will, dann macht sie es. Wie auch lesen. Wenn sie lesen will, dann liest sie und vergisst das normale Leben. Wer weiß, was passiert wäre, wenn dieser Leseflash vor dem Drogenflash gekommen wäre. Hätte sie sich dann vielleicht weiter in die Welt der Bücher gestürzt? Ich glaube, sie wäre immer in den Drogensumpf geraten. Da es so früh war, war sie noch stark genug, um wenigstens den Hauch eines lebens neben den Drogen zu führen. So schlimm das auch klingt.

    Liebe Grüße vom verrückten Kati-Tier

  • Puh, Romy stürzt nun vollständig ab: Heroin und Straßenstrich. Mein Gott, was für eine Kindheit :(


    Als sie mit Mehmet nach Istanbul geht, hatte ich die Hoffnung, daß wenigstens der Straßenstrich Vergangenheit wäre, zumal sie in Istanbul erst so glücklich ist. Aber irgendwie ist sie wie eine Getriebene, außerdem vermisst sie ihre Familie, der gegenüber sie auch ein schlechtes Gewissen hat.
    Wie gleichgültig sie von ihrer Vergewaltigung auf der Party erzählt, und das an ihrem 16. Geburtstag - sie hat mir unendlich leid getan. Und nur alles wegem dem Heroin, das sie so dringend braucht.


    Sehr gut finde ich das Kapitel 183, in dem Romy die Erfahrungen in der Klinik während des Entzugs anreisst: für mich kommt hier sehr gut rüber, wie schwierig der Aufenthalt für sie war. Aber sie schafft den Entzug und integriert sich wieder in ein "normales" Leben. Auch wenn sie es nicht aus eigenem Willen macht, sondern weil es die Anderen von ihr erwarten. Na, ihr Therapeut ist aber auch so eine Marke.


    Daß sie Hava und deren Familie kennenlernt, fand ich sehr schön, ich dachte, es tut ihr sicherlich gut, eine feste Freundin zu haben. Schade, daß sie sie dann über die Bücher so vernachlässigt. Auch beim Lesen neigt Romy zum Extremen, sie inhaliert den Lesestoff wie früher die anderen Stoffe.
    Das Schicksal der früheren türkischen Freundin fand ich auch heftig :o Aber leider häufig genug so üblich, Prostituierte sind lediglich Eigentum ihrer Zuhälter, die mit ihnen machen, was sie wollen.


    Ich befürchte allerdings, daß Romy irgendwann wieder dem Heroin verfallen wird, auch wenn sie sich nun für ein Studium entscheidet und es eigentlich soweit gut aussieht. Aber sie sucht immer was, was sie niemals findet und irgendwann wird die Sucht sicherlich zu überwältigend werden.


  • Ihre Oma tut mir irgendwie richtig leid. Gerade die Szene, als sie extra vorbei kommt, etwas kocht, aber Romy einfach nichts essen kann. Die Oma ist selber schwer traumatisiert. Da aber bei ihr das darin äußert, dass sie immer Angst vor dem Verhungern hat, denkt und hofft sie mit Essen vieles richten zu können. Leider funktioniert das aber bei Romy nicht.


    Bei der Szene mußte ich auch schlucken.



    Was ich mich ja frage, wie man Romy wirklich helfen könnte. Sie stecken sie zwar in einen Zwangsentzug, aber sie geben ihr nicht das, was sie wirklich braucht. Ich denke das ist immer das Schwierigste bei egal welcher Art von Suchtproblemen. Man bekämpft immer nur die direkte Auswirkung, also z. B. die Heroinabhängigkeit, aber nicht wirklich das, was dazu führt. Bei Romy müsste sich vieles grundlegend ändern, damit sie kein Heroin mehr bräuchte, obwohl ich gar nicht so genau weiß, was das alles wäre. Vertrackte Situation!


    Das habe ich mir auch überlegt, aber komme ebenfalls auf keine Lösungen.

  • Das ist ja schön. Danke. Ich hab Romy und ihre Beschreibungen absichtlich knapp gehalten. Also so, das sie dem Leser immer ein bißchen entgleitet...
    Jedenfalls hab ich das so geplant, dass man sie nie richtig fassen kann... also im Sinne, das man eben Situationen richtig intensiv auserzählt.
    Ich glaube halt, das grade das, was man nicht erzählt und was der Leser sich selbst im Kopf dazu denkt (denken muss, denn vieles deute ich ja nur an) und im Herz dazu empfindet ihn/sie viel intensiver berührt, weil es eben aus einem selbst kommt....


    Hier geht es mir wie Rosenprinzessin: die wenigen Seiten sind so voller "Leben", daß ich das Büchlein auch überhaupt nicht als oberflächlich empfinde. Und ja, Ramona, du hast recht, durch das Kopfkino, das entsteht, wenn nicht alles erzählt wird, denke ich viel mehr über Romy und ihr Leben nach.

  • Mir sind vorher noch 2 Dinge eingefallen:


    Als Romy in Istanbul vor der Polizei flüchtet, versagen ihr die Beine und sie kann sie anschließend nicht mehr bewegen, außerdem sind sie gefühllos. Ich nehme an, das kommt vom Heroin, oder?


    Und dann in Kapitel 193, als Romy ihre Oma und Onkel Max fragt, warum sie damals nicht geflohen wären. Ob sie vielleicht in ihrem Innersten den Großeltern vorwirft, daß sie nicht geflohen sind, denn dann wäre vielleicht auch ihr Leben anders verlaufen, da sie die Geschichte des Überlebenden zwar traurig, aber nicht so furchtbar wie die Lagergeschichten findet? Schon unheimlich, wie sie sich danach auf eine mögliche Flucht vorbereitet und die Wörter in den verschiedenen Sprachen auswendig lernt.


  • Als Romy in Istanbul vor der Polizei flüchtet, versagen ihr die Beine und sie kann sie anschließend nicht mehr bewegen, außerdem sind sie gefühllos. Ich nehme an, das kommt vom Heroin, oder?


    Die Szene fand ich auch sehr erschreckend! Ich denke auch, dass das Heroin daran Schuld ist. Ist das eine "normale" Begleiterscheinung?


  • .... Außerdem denke ich, dass auf ihr auch der Druck lastet, der Oma nicht noch mehr Kummer zu machen, da sie ja schon so viel erlebt hat.


    das ist ohnehin Romys Hautproblem... der Oma keine Sorgen machen, sondern möglichst viel Freude...
    also quasi alles wieder gut machen, was Hitler verdorben hat... das ist das, was Romy glaubt tun zu müssen...

  • Die Szene fand ich auch sehr erschreckend! Ich denke auch, dass das Heroin daran Schuld ist. Ist das eine "normale" Begleiterscheinung?


    Das ist eine häufige Begleiterscheinung weniger beim Heroinkonsum, als beim Heroinentzug. Also, dass man Beine plötzlich nicht mehr bewegen kann. Romy ist in dieser Szene zwar nicht primär auf Entzug, aber sie ist weggelaufen und ihr Körper wegen der ganzen Strapazen in einem katastrophalen Zustand... folglich knicken ihr die Beine weg, weil das Wegrennen mehr Energie verbraucht hat, als sie noch hatte... und natürlich auch mehr Heroin..
    Romy war in diesem Moment einfach überfordert und hatte keine Kraft mehr.
    Außerdem zieht es sich ja wie ein roter Faden durch ihr Leben, dass ihr immer genau grade das fehlt, was sie braucht..
    und beim Weglaufen braucht man Beine. ...

  • Und dann in Kapitel 193, als Romy ihre Oma und Onkel Max fragt, warum sie damals nicht geflohen wären. Ob sie vielleicht in ihrem Innersten den Großeltern vorwirft, daß sie nicht geflohen sind, denn dann wäre vielleicht auch ihr Leben anders verlaufen, da sie die Geschichte des Überlebenden zwar traurig, aber nicht so furchtbar wie die Lagergeschichten findet? Schon unheimlich, wie sie sich danach auf eine mögliche Flucht vorbereitet und die Wörter in den verschiedenen Sprachen auswendig lernt.


    also Romys Kindheit st ja massiv geprägt von diesen Verfolgungsgeschichten- und natürlich überlegt sie sich deshalb dauernd, was sie wohl tun könnte, würde, müsste,.. wenn es wieder soweit wäre. Da sie ja die ganze Zeit denkt, ihre Oma irgendwie beschützen zu müssen fließen auch solche absurden Gedanken mit rein.. aber eben auch das Bedauern darüber, dass die Oma eben nicht erfolgreich vor Hitler fliehen konnte... im Grunde dreht sich Romy oft um die Gedanken "was wäre wenn"... und darüber vergisst sie zu schauen, was ist jetzt und was ist jetzt gerade mit mir? so in etwa würd ich das beschreiben...


  • Danke für deine Antworten, Ramona. Das mit dem Beinen ist wirklich heftig :(


    Ja, das hört sich echt übel an.


    also Romys Kindheit st ja massiv geprägt von diesen Verfolgungsgeschichten- und natürlich überlegt sie sich deshalb dauernd, was sie wohl tun könnte, würde, müsste,.. wenn es wieder soweit wäre. Da sie ja die ganze Zeit denkt, ihre Oma irgendwie beschützen zu müssen fließen auch solche absurden Gedanken mit rein.. aber eben auch das Bedauern darüber, dass die Oma eben nicht erfolgreich vor Hitler fliehen konnte... im Grunde dreht sich Romy oft um die Gedanken "was wäre wenn"... und darüber vergisst sie zu schauen, was ist jetzt und was ist jetzt gerade mit mir? so in etwa würd ich das beschreiben...


    So hatte ich das noch gar nicht gesehen. Meine Vermutungen gingen auch in die Richtung, dass Romy sich vielleicht mal wünscht, nicht als "Opfer" betrachtet zu werden und sich selber so sehen zu müssen. Wenn ich richtig weiß, habe ich das mal gelesen, dass sich dieses als "Opfer" fühlen oder auch von anderen als "Opfer" angesehen werden, sich sehr schlimm auf die Menschen auswirken. Und Romy wird hier ja zum einen immer wieder die Geschichte von ihren Großeltern erzählt, die "Opfer" waren und sie selber muss auch immer wieder erleben, dass sie so angesehen wird. Ich habe so das Gefühl, dass die Flucht zum Heroin auch so ein bisschen Aufbegehren dagegen ist. :-\


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:


  • Ich denke, Romy musste sich in irgendetwas flüchten. Schon ihr Großvater konsumiert ja eigentlich Drogen, da ist die Hemmschwelle viel geringer. Mein Vater sagte immer, wenn man was übertrieben heftig macht, also Romy und die Drogen oder das Lesen, dass man es "bis zur Vergasung" macht. Daran musste ich beim Lesen dieses Buches oft denken, denn der Spruch steht für Romys Familie. Durch ihre Großeltern ist die Gefahr der "Vergasung" für sie sehr plastisch. Für mich als kleines Kind hatte der Spruch nie Sinn gemacht. Ich dachte immer, dass es irgendwie schlimm ist, wenn ich abends so lange lese, bis ich furzen muss und habe dann auch immer aufgehört :-[ Bei Romy ist immer die Angst da, dass es morgen zu spät sein könnte. Sie braucht etwas extremes wie die Drogen, um das Gefühl haben, leben hzu können.

    Liebe Grüße vom verrückten Kati-Tier


  • So hatte ich das noch gar nicht gesehen. Meine Vermutungen gingen auch in die Richtung, dass Romy sich vielleicht mal wünscht, nicht als "Opfer" betrachtet zu werden und sich selber so sehen zu müssen. Wenn ich richtig weiß, habe ich das mal gelesen, dass sich dieses als "Opfer" fühlen oder auch von anderen als "Opfer" angesehen werden, sich sehr schlimm auf die Menschen auswirken. Und Romy wird hier ja zum einen immer wieder die Geschichte von ihren Großeltern erzählt, die "Opfer" waren und sie selber muss auch immer wieder erleben, dass sie so angesehen wird. Ich habe so das Gefühl, dass die Flucht zum Heroin auch so ein bisschen Aufbegehren dagegen ist. :-\


    So habe ich das bisher auch gesehen - und war immer überrascht, daß sie sich dennoch so um ihre Oma sorgt, da viele Abhängige sich irgendwann überhaupt nicht mehr um die Anderen scheren (können).



    Mein Vater sagte immer, wenn man was übertrieben heftig macht, also Romy und die Drogen oder das Lesen, dass man es "bis zur Vergasung" macht. Daran musste ich beim Lesen dieses Buches oft denken, denn der Spruch steht für Romys Familie. Durch ihre Großeltern ist die Gefahr der "Vergasung" für sie sehr plastisch. Für mich als kleines Kind hatte der Spruch nie Sinn gemacht. Ich dachte immer, dass es irgendwie schlimm ist, wenn ich abends so lange lese, bis ich furzen muss und habe dann auch immer aufgehört :-[ Bei Romy ist immer die Angst da, dass es morgen zu spät sein könnte. Sie braucht etwas extremes wie die Drogen, um das Gefühl haben, leben hzu können.


    Kati, den Spruch kenne ich auch aus dem Schwäbischen. Ich muß gestehen, für mich war das bisher immer nur eine Redewendung, die ich einfach so angenommen habe, ohne mich jemals zu fragen, wo ihr Ursprung liegen könnte :-[ Das sehe ich nun ganz anders.

  • So hatte ich das noch gar nicht gesehen. Meine Vermutungen gingen auch in die Richtung, dass Romy sich vielleicht mal wünscht, nicht als "Opfer" betrachtet zu werden und sich selber so sehen zu müssen. Wenn ich richtig weiß, habe ich das mal gelesen, dass sich dieses als "Opfer" fühlen oder auch von anderen als "Opfer" angesehen werden, sich sehr schlimm auf die Menschen auswirken. Und Romy wird hier ja zum einen immer wieder die Geschichte von ihren Großeltern erzählt, die "Opfer" waren und sie selber muss auch immer wieder erleben, dass sie so angesehen wird. Ich habe so das Gefühl, dass die Flucht zum Heroin auch so ein bisschen Aufbegehren dagegen ist. :-\


    ja, das ist auch so. Opfer sein macht nicht wirklich Spaß. Selbst dann nicht, wenn man Mitleid bekommt. Weil Mitleid bekommen heisst ja, dass man bedürftig ist und das ist kein starker Zustand, sondern eben eher etwas, wofür man sich schämt. (Ein typisches Beispiel, wo das meist jeder nachvollziehen kann, ist eine Vergewaltigung. Meist schämt sich das Opfer der Vergewaltigung, -dabei müsste sich doch eigentlich der Täter schämen, aber jeder kann intuitiv nachfühlen, dass es so ist...)
    Und zum zweiten Punkt: ja, Heroin ist natürlich in jedem Fall Aufbegehren (auch) gegen die Großeltern, für die man ja immer lieb sein soll, weil sie soviel Böses mitmachen mussten. Und Romy funktioniert ja recht lange normal trotz all dieser Geschichten, die ihr das Leben so schwer machen...
    und last: Heroin gibt Dir ja das Gefühl stark zu sein, unabhängig (gleichgültig gehört dann eben dazu) und glücklich. Jedenfalls so, wie man sich sonst als Opfer nicht fühlt....und darin liegt der Reiz für Romy...