Allgemeine Fragen an Sandra Lüpkes

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  • Hallo Sandra,


    ich habe eben auf deiner Homepage gesehen, daß "Götterfall" bereits der 9. Wencke-Tydmers-Fall ist. War das von Anfang an geplant, daß es so viele Bücher um Wencke geben wird oder hat sich das durch den Erfolg erst ergeben?


    Wieviele Fälle für Wencke hast du noch geplant oder ist das noch offen?


    Kannst du etwas über deine nächsten Projekte verraten? Ich habe gelesen, daß du kürzlich mit 7 anderen Autoren einen Kriminalroman zusammen geschrieben hast ;D

  • Liebe Leserunde!


    Ich freue mich, dass diejenigen, die sich schon zu Wort gemeldet haben, Wencke mögen, auch wenn sie bei „Götterfall“ in den neunten Fall einsteigen.
    Deswegen hier ein paar Eckdaten zu Wencke:


    Sie wurde 1972 in Worpswede – einem norddeutschen Künstlerdorf in der Nähe von Bremen – geboren. Ihre Mutter Isa ist Künstlerin mit Haut und Haar, war aber auch mal ganz bürgerlich verheiratet mit dem Vater ihrer beiden Kinder Jasper (ist ein paar Jahre älter) und Wencke. Doch nach der Scheidung hat die Mutter das Verhältnis zwischen Vater und Kindern durch ihren unkonventionellen Lebensstil (Künstler-WG, wechselnde Liebschaften, Abneigung gegen verbindliche Verabredungen) erschwert. Wencke kann sich kaum an ihren Vater erinnern, er ist gestorben, bevor sie wieder in Kontakt treten konnten.
    Es gab einen Riesenkrach, als Wencke nach dem Abitur ankündigte, Polizistin werden zu wollen, als einzige Beamtin weit und breit ist sie das schwarze Schaf der Familie.
    Wencke ist mit Ende zwanzig bei der Mordkommission in Aurich/Ostfriesland gelandet, wenig später wurde sie – auch Dank der Frauenquote – Leiterin der Abteilung. Da schaute ihr Kollege und Kontrahent Axel Sanders in die Röhre, er hatte sich stets die besseren Chancen bei der Beförderung ausgerechnet, schließlich ist er wesentlich professioneller und mit mehr Sachverstand an den Ermittlungen beteiligt. Wencke hingegen besticht durch ihre Tatkraft, ihre Intuition und ihren Mut. Im Prinzip ergeben die beiden nur im Team die ideale Mischung.
    Und rein privat auch. Wencke und Axel haben sich nach anfänglichen Kabbeleien (die ersten beiden Bände „Die Sanddornkönigin“ und „Der Brombeerpirat“) ineinander verliebt und auch mal eine Zeit in einer WG gelebt, jedoch nie so richtig Klartext über ihre Gefühle gesprochen. Wenckes Sohn Emil stammt aus einer kurz wieder aufgeflackerten Liebelei mit einem belanglosen Exfreund. Als Wencke ein Stipendium erhält und für anderthalb Jahre in den USA zur Profilerin ausgebildet wird, glaubt Axel, dass der Zug endgültig abgefahren ist und heiratet seine Kollegin Kerstin, die ihm charakterlich zudem wesentlich ähnlicher ist als Wencke. Kerstin ist seit einem Schusswechsel, an dem auch Wencke beteiligt war, seit einigen Jahren blind. Deswegen kann Axel sie nicht einfach so verlassen, auch als er nach Wenckes Rückkehr nach Deutschland (ab 7. Fall „Todesbraut“ ist sie beim LKA Hannover) erkennt, dass die Hochzeit ein Fehler gewesen ist und sein Herz eigentlich nur an Wencke hängt. Seitdem treffen sich die beiden sporadisch, keiner von beiden ist glücklich damit, doch ganz ohne den anderen geht es eben auch nicht.


    Meinen ersten Fall mit Wencke Tydmers habe ich geschrieben, als meine zweite Tochter gerade geboren war und ich wegen der Stillerei oft zuhause war. Jetzt gerade sitzt meine Tochter neben mir und daddelt auf ihrem Smartphone – es liegt nämlich dreizehn Jahre zurück. Damals lebten wir noch auf der Insel Juist, deswegen spielt auch mein erster Kriminalroman „Die Sanddornkönigin“ dort. Ich hatte Glück, damals waren die Verlage auf der Suche nach Lokalkrimis, die zu der Zeit gerade „entdeckt“ wurden. Dass sich aus diesem einfach-mal-so-drauflos-Schreiben einmal eine langjährige Romanreihe entwickeln würde, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Inzwischen hat es sich so eingependelt, dass jedes zweite meiner Bücher ein Wencke-Roman ist, dazwischen schreibe ich auch Sachbücher oder Romane anderer Genre (z.Zt. einen heiteren Insel-Roman). Dann ist es immer so, als hätte ich eine sehr gute Freundin nach langer Zeit wiedergetroffen und wir haben uns immer sehr viel zu erzählen. Viele meiner Fans mögen genau das: Wencke entwickelt sich weiter, wird schlauer oder muss Träume begraben, im Kern bleibt sie sich jedoch immer treu.

  • Vielen Dank auch von mir, das ergibt Sinn und macht sie noch sympatischer als vorher.
    Irgendwie hat sie ja schon viel Erfahrung, ist aber ein wenig ein "Heißsporn" geblieben, oder?


  • Vielen Dank auch von mir, das ergibt Sinn und macht sie noch sympatischer als vorher.
    Irgendwie hat sie ja schon viel Erfahrung, ist aber ein wenig ein "Heißsporn" geblieben, oder?


    Ja, Wencke ist nicht abgestumpft oder routiniert und macht auch immer wieder dieselben Fehler - zum Beispiel sich Hals über Kopf in einen Fall stürzen, auch wenn es gefährlich wird oder, wie bei Götterfall, irgendwie sehr nebulös ist. Aber da sie bislang mit ihrer Methode immer wieder ans Ziel gekommen ist, kann man ihr da keinen Vorwurf machen ;-)

  • Außerdem finde ich es ´wirklich in Ordnung, dass sie die Drohbriefe nicht auf die leichte Schulter nimmt.
    Schade ist, dass sie die Sagen und Mythen nicht mag, aber vielleicht ändert sich das, wenn sie dort ist?
    Ich hoffe, die Mythen werden nicht zu sehr strapaziert, so dass sie dann lieber nichts mehr davon hören will.

  • Hm... momentan schreibe ich ja eine heitere Inselgeschichte, also ganz was anderes.
    Danach wartet ein Drehbuchprojekt auf mich.
    Wann ich mich an Wenckes nächsten Fall setze, weiß ich also noch nicht so genau. Aber - ja - ich habe eine Idee: Ein vom Hals ab Querschnittsgelähmter Mann, der als Motivationstrainer für Frauen gearbeitet hat, wird ermordet. Wencke, die inzwischen halb als Ermittlerin, halb als Kriminalpsychologin arbeitet, ermittelt. Aber ich habe noch keine Ahnung, wo die Geschichte spielt. Eventuell in Göttingen, da bin ich ja geboren, habe aber sonst kaum einen Bezug zu der Gegend.
    Und ich brauche noch ein paar mehr Zutaten für die Story, also noch ein Setting, ein Thema, ein paar schillernde Figuren.
    Ich vergleiche ja das Schreiben manchmal mit dem Kuchenbacken: Man hat eine Handvoll Zutaten, die man in einer bestimmten Reihenfolge und Dosierung zusammen mischt, und dann hofft man, dass das Ganze schön aufgeht, nicht zu fade wird und am Ende gut durch ist.
    Vor "Götterfall" hatte ich folgende Zutaten:
    Der Roman sollte auf Island spielen, es sollte eine nordgermanische Sage vorkommen, die Figur der Silvie Hüffart fand ich spannend, dazu brauchte ich auch eine Geschichte, die zwanzig Jahre zurückliegt und in der Gegenwart endlich gelöst wird (weil ich das bei Jussi Adler-Olsen so mag und auch mal ausprobieren wollte). Ach ja, und meine Lektorin hat sich noch einen gut aussehenden Isländer gewünscht, mit dem Wencke was hat.
    Zwölf Monate habe ich daran gesessen. Es war ein ungewöhnlich anstrengender Schreibprozess, vor allem wegen der verschiedenen Zeitebenen. Da die Spannung und Logik zu halten war schwieriger als gedacht (Hut ab vor Adler-Olsen!).


  • Zwölf Monate habe ich daran gesessen. Es war ein ungewöhnlich anstrengender Schreibprozess, vor allem wegen der verschiedenen Zeitebenen. Da die Spannung und Logik zu halten war schwieriger als gedacht (Hut ab vor Adler-Olsen!).


    ist Dir aber gut gelungen!



    Ach ja, und meine Lektorin hat sich noch einen gut aussehenden Isländer gewünscht, mit dem Wencke was hat.


    Dann ist er wohl nicht der Mörder? Oder hat das die Lektorin erlaubt? Arme Wencke erst von der Mutter dann auch noch von der Lektorin verkuppelt oder umgekehrt :)

  • Spannend, wie aus den Zutaten das fertige Buch wird - ja, ich finde es auch immer spannend, wenn alte und ungelöste Fälle aufgeklärt werden.


    Die neue Romanidee für Wencke hört sich auch wieder gut an, ich bin gespannt, was nachher raus kommt.


  • Ach ja, und meine Lektorin hat sich noch einen gut aussehenden Isländer gewünscht, mit dem Wencke was hat.
    Zwölf Monate habe ich daran gesessen. Es war ein ungewöhnlich anstrengender Schreibprozess, vor allem wegen der verschiedenen Zeitebenen. Da die Spannung und Logik zu halten war schwieriger als gedacht (Hut ab vor Adler-Olsen!).


    Dass die Lektorin schon im Vorfeld bei der Romankonzeption mitwirkt finde ich witzig und dann wird aus der gewünschten Figur noch ein wichtiger Part des Romans. Toll! ;D
    Ich finde, dass Dir das Verweben der verschiedenen Zeitebenen und auch die Auswahl der Hintergrundgeschichte äußerst gut gelungen ist.
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man beim Schreiben bei dieser Komplexität der Geschichte höllisch gut aufpassen muss, damit alles plausibel bleibt!
    Vor allem toll für uns Leser, dass man so gut Miträtseln konnte und trotzdem nie so richtig den Durchblick hatte! ;D

  • Hallo Sandra,
    Das hat doch einen Schauplatz ganz bei mir in der Nähe, aber Leipzig und Umgebung oder Berlin ist wohl nicht in Deinem Lese-plan?


    Pirna scheint hier der einzige Termin im Osten zu sein?


    Liebe Grüße
    Sabine

  • Liebe Rhea,


    ja, leider ist Ostdeutschland nur sehr selten auf meinem Leseplan. Der Wencke-Tydmers-Roman vor "Götterfall" - "Taubenkrieg", erschienen 2011 - spielt zum Beispiel in Schwerin, trotzdem hatte ich nur eine einzige Lesung in Ribnitz-Damgarten, und da kamen nur zehn Leute.
    Keine Ahnung, woran das liegt.


    Liebe Grüße, Sandra

  • Wer organisiert denn die Leserunden? z.B. gibt es ja in Leipzig auch eine Buchmesse und eine Lesenacht und das MDR Literaturcafé und während der Buchmesse in der ganzen Stadt Lesungen.
    Bei uns sind auch immer wénige Leute zu den Lesungen vom SF Club. Komischer Weise, wenn Christian von Aster bei uns liest, kommen wenige, wenn er zum WGT liest, ist das Schauspielhaus inzwischen viel zu klein.

  • Liebe Rhea,


    Lesungen werden vom Verlag und auch von meiner Veranstaltungsagentin angeboten und organisiert. In den meisten Fällen ist es aber so, dass die Buchhandlungen/ Büchereien/ Kultureinrichtungen/ Firmen auf uns zukommen und sich gezielt eine Lesung wünschen.
    Als Krimiautor ist es nicht so einfach, bei den ganz großen Literaturveranstaltungen zu lesen, da muss man entweder Bestseller schreiben oder den Deutschen Krimipreis gewonnen haben. Beides ist mir noch nicht gelungen.
    Doch da ich ja meine Lesungen meist mit Musik anbiete - ich schreibe immer ein eigenes Chansonprogramm zu jedem Roman und verbinde so meine beiden Leidenschaften - habe ich viel zu tun, ca. 50 Lesungen pro Jahr. Aber eben immer im Norden und Westen, und öfter auch in der Schweiz.
    Im Osten und Süden bin ich weitestgehend unbekannt.


    Aber was nicht ist, kann ja noch werden... Ich würde schrecklich gern mal nach Leipzig kommen.


    Liebe Grüße, Sandra

  • Mit dem Preis, das sollte aber dann auch mal was werden. Für mich ist Dein Buch sicher einen wert! Wenn ich statt in einem SF Club in einem Krimiclub wäre, würde ich Dich sofort einladen. Aber vielleicht wird der MDR mal auf Dich aufmerksam. Im Lesecafe werden ja auch Musik und Buch verbunden.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen