#02 - Seite 90 bis 191 (einschließlich Kapitel 10)

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  • Hier könnt Ihr zum zweiten Abschnitt - bis Seite 191 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Guten Morgen Ihr Lieben,


    gestern habe ich noch einige Seiten des zweiten Abschnitts gelesen und nun erklärt sich, warum Vogler Oppenheimer zu diesem Fall hinzugezogen hat: er selbst halt keinerlei Erfahrung mit Polizeierfahrung und er wählt den ehemaligen jüdischen Kommissar, weil er ihn am ehesten in der Hand hat. Wie schon vermutet, wurde der Hauptsturmbannführer tatsächlich in frühesten Jahren indoktriniert - allerdings weil er es selbst wollte. Seine Kindheit mit dem patriarchalen Vater scheint nicht gerade schön gewesen zu sein und ich verstehe seinen Gang in die frühesten parteipolitischen Organisationen vor allem als Rebellion gegen sein Elternhaus. Was er seinem Vater dann aus Zorn antun lässt, ist allerdings sehr hart. Mit einer einzigen Entscheidung bricht er den so stolzen Lateinlehrer! Doch damit ist sein Weg geebnet: Vogler wird ein Hundertprozentiger, der sich durch Brutalität im Einsatz an der Ostfront auszeichnet... Diesen Eindruck hatte ich bislang (noch) nicht von ihm, denn er geht nach wie vor sehr höflich mit Oppenheimer um. Es gibt ja einen Hinweis, dass Vogler eine zu hohe Dosis Realität in Berlin erhält: könnte ihn das momentan zum Umdenken bringen? Vor allem auch durch Oppenheimer selbst? Ich kann es noch nicht einschätzen, denn Vogler argumentiert in seinen eigenen Überlegungen ja durchaus völkisch...
    Oppenheimer gefällt mir einfach: alleine, wie er nun vorgeht! Sein Auftritt in der Pathologie! Er wirkt auf mich fast so, als wäre er wieder der Alte, wie er so in das Büro des Arztes rauscht und sehr bestimmt spricht. Der redet ihn auch prompt mit "Kommissar" an, obwohl er ihn zwischenmenschlich gar nicht leiden mag. Oppenheimer scheint eine echte Respektsperson zu sein, oder? Da sollte Vogler auch lernen - dass es auch ohne Angst und Schrecken geht!
    Zudem gefällt mir auch, dass es immer mehr über die Figuren zu entdecken gibt: ich hätte beispielsweise nie vermutet, dass Oppenheimer eine Affäre hatte. Und auch nicht, dass er und seine Frau Lisa ein Kind verloren haben... An dieser Stelle habe ich mich überhaupt gefragt, wie alt Oppenheimer wohl ist. Anfang fünfzig vielleicht? Nicht nur, weil Lisa und er schon vor dem Dritten Reich geheiratet, ein Kind bekommen und verloren hatten und Oppenheimer eine Affäre begonnen hatte, sondern auch, weil Vogler ihn mit seinem Vater vergleicht... Woran Sonja dann gestorben sein mag?
    Und warum erzählt Vogler Oppenheimer nichts von dem ähnlichen Mordfall, der sich in Marienfelde zugetragen hat? Warum beschließt er das regelrecht auf dem morgendlichen Platz vor der Kirche dort? Wenn er selbst einen Zusammenhang erkennt, muss er doch ahnen, dass es wichtig ist, diesem zu erwähnen! Und was versucht er damit zu verbergen?


    Soweit erstmal, nun bin ich auf Eure Eindrücke gespannt!


    Liebe Grüße
    dubh


  • An dieser Stelle habe ich mich überhaupt gefragt, wie alt Oppenheimer wohl ist. Anfang fünfzig vielleicht?


    Ich bin davon ausgegangen, dass Oppenheimer knapp vor der Jahrhundertwende geboren wurde. Er dürfte zu diesem Zeitpunkt also Mitte 40 bis Anfang 50 sein.

  • So, gestern abend habe ich also auch den zweiten Abschnitt gelesen. Mit Freude stolperte ich immer wieder über wirklich gelungene "Wortschöpfungen" und Formulierungen (z.B. "Aroma des Todes und der Verderbnis"). Sowas macht mir Spaß beim Lesen.


    Hilfreich und angemessen fand ich den kurzen Ausflug in Voglers Welt, Denken und Fühlen. So können wir die ganze, an sich so ungewöhnliche Situation besser einschätzen. Dass er nicht nur einen guten Ermittler braucht sondern auch einen, den er wegen dessen "Rasse" kontrollieren (und notfalls "abschieben") kann, ist eine in diesem Zusammenhang nachvollziehbare Erklärung, mit der ich gut leben kann. Sein Vorgesetzter war mir in seinen Zweifeln diesbezüglich jedoch ein wenig zu harmlos. Aber das verschlimmert sich sicher noch, nehme ich an.


    Zum Fall:


    Endlich geht es los. Wir bekommen zwei weitere Opfer präsentiert und begleiten Oppenheimer bei dessen ersten Ermittlungsansätzen. Es ist bis Kapitel 10 (selbstverständlich) noch zu wenig, um selbst als Leser sich einen schlüssigen Ermittlungsansatz zu konstruieren. Aber es gibt schon einiges.


    Dass der Täter sich "mit dem Messer" auskennt (sprich: chirurgische Erfahrung zu haben scheint), ist - da bin ich mir sicher - ein wichtiger Hinweis. Dass direkt gegenüber eines der Fundorte eine Metzgerei ist, dagegen sicher nur eine Finte. Interessant sind die konkreten Ermittlungansätze:


    - 3 weibliche Opfer im gebärfähigen Alter, Deutsch, Nazis (vermutlich)
    - Fundorte und vermutlicher Stützpunkt des Täters alle im Süden Berlins
    - Tathergang und Ablageinszenierung offenbar ritualisiert und mit einer Botschaft versehen


    Nach meiner Erfahrung brächte uns die Entschlüsselung der Botschaft am schnellsten weiter. Aber hier tappe ich auch noch im Dunkeln. Das Entfernen bzw. Verstümmeln der Genitalien lässt auf einen sexuellen (bzw. anti-weiblichen) Hintergrund schließen. Und dabei springt etwas ins Auge, was Hilde und Oppenheimer noch nicht erwähnt haben: Alle drei Opfer hatten (zumindest in der Moralvorstellung eines konservativen Täters) "unmoralischen" Sex. Die eine prostituierte sich, die andere schlief mit ihrem Chef und die dritte gebar einen unehelichen Sohn. Ich könnte mir derzeit vorstellen, dass es da einen Zusammenhang gibt.


    Die Ablage der Leichen, deren verstümmelter Schoß gen Kriegerdenkmal weist, könnte darauf verweisen, dass der Täter den Opfern einen sexuellen Moralverrat am kämpfenden Volk vorwirft. Aber noch habe ich das Gefühl, dieser Gedanke ist etwas weit hergeholt, weil doch sehr dünn.


    Die Nägel im Hirn geben mir noch die stärksten Rätsel auf. Damit kann ich noch nicht viel anfangen. Es sei denn, hinter den beiden Ohren ist links und rechts jeweils eine limbische Region, die es symbolisch zu "nageln" gilt. Aber das weiß ich nicht.


    Was zum Schluss jedenfalls stark ins Auge springt, ist die doch sehr heftige Andeutung, dass Hilde etwas mit den Morden zu tun hat. Sie ist chirurgisch qualifiziert, ihr Haus liegt ziemlich genau im Zentrum der drei Ablageorte (wobei ich noch davon ausgehe, dass die Ablageorte primär nach Kriegerdenkmalen und nicht nach Tatortnähe ausgesucht werden, also könnte es im Verlauf des Buches auch mal einen Fundort im Norden Berlins geben), sie hasst Nazis (also auch "Nazi-Schlampen"), und sie könnte alle drei Opfer während einer bei allen dreien denkbar nötigen gynäkologischen Untersuchung kennengelernt haben, die sie selbst ausführte.


    Ferner sind ihre Ängste am Schluss des zehnten Kapitels (S. 187 Mitte) ziemlich eindeutig. Am Ende von S. 189 wird es dann sehr direkt ("Und nun bestand die Gefahr, dass ausgerechnet Oppenheimer vom Sicherheitsdienst der SS benutzt wurde, um Hildes Gesinnungsgenossen auszuschalten"), wobei es hier rein grammatikalisch nicht ganz eindeutig ist, ob "Gesinnungsgenossen" singular oder plural ist.


    Widersprüchlich in dem Zusammenhang sind jedoch zwei andere Aspekte: Einerseits die Klappentextankündigung, dass der Täter laut (noch kommendem) Bekennerschreiben ein linientreuer Nazi ist, und das scheint Hilde ja nicht zu sein. Aber: Ein Bekennerschreiben muss ja auch nicht die Wahrheit sagen, sondern kann eine politische Finte sein. Andererseits erwähnte Harald im ersten Abschnitt, dass Hilde in der Fortsetzung etwas zustößt. Wäre sie also (Mit-)Täterin, käme sie in diesem Buch ungeschoren davon.


    Nichtsdestotrotz scheint sie mehr zu wissen (von den Taten und den Tätern), als sie zugibt. Ich werde schnellstmöglich weiterlesen. Danke, Harald, es ist spannend.

  • Liebe Leserundenfreunde, lieber Harald!


    Endlich kann ich wieder weiterschreiben, wobei ich dazu sagen muss, dass dieser Kriminalroman sich für mich persönlich stark von vielen anderen unterscheidet. Meine Art ihn zu lesen hängt sicherlich mit der Leserunde zusammen, denn wenn ich z.B. an meinen Lieblingsautor denke, Andrea Camilleri, so lese ich ihn für mich viel entspannter und nach so vielen Büchern ist mir sein Stil, Sarkasmus und seine politischen Anspielungen so bekannt, dass ich sie auswendig diskutieren könnte.


    Germania, lieber Harald, ist mit sehr vielen Details geschmückt, insofern ist es nicht nur ein viel aufmerksameres Lesen, sondern auch die verschiedensten Gedanken, die einem beim Lesen kommen, brauchen ihre Zeit. Ich lese diesmal deutlich langsamer, aber mit sehr viel Vergnügen. Dazu kommt auch die Lust über bestimmte Elemente zu recherchieren, was ja toll ist, nur zeitlich den Rahmen der Runde sprengen würde (also später ;-))...


    Zur Handlung: Man sieht wie systematisch und erfahren Oppenheimer arbeitet, er ist sicherlich ein guter Ermittler und wäre vermutlich noch ein besserer, wenn er wieder frei arbeiten könnte.


    In Bezug auf Oppenheimer und seine Frau habe ich mich gefragt, warum die Tochter gestorben ist - vielleicht kommt das ja noch - trotzdem ist es ein weiteres Zeichen des Zusammenhalts, denn Lisa hätte nach der Affäre den "braunen Terror" ja auch als Gelegenheit nützen können um sich zu trennen.


    Vogler und Oppenheimer haben hier eine "schwere Beziehung" miteinander: Vogler kommt mit den Ermittlungen alleine nicht zurecht und Oppenheimer braucht die Legitimation und Sicherheit Voglers um überhaupt ermitteln zu können (müssen)...


    Sehr symbolisch sind die Nägel (später auch zumindest bei einem weiterem Opfer) im Gehörgang - dazu habe ich eine interessante Arbeit gefunden, die sich nicht nur anatomisch mit dem Gehörgang beschäftigt sondern auch mit der Bedeutung des Ohrs in Mythologie und Religion: http://www.students.informatik…uebeck.de/zhb/ediss51.pdf
    Ich bin sehr neugierig, was sich hier ergeben wird, ist es in sexuellen Sinn zu deuten oder geht es um das Gehörte an sich?


    In diesem Abschnitt erfährt man auch mehr über den guten Vogler: seine Absichten, sein Machtstreben, er ist mit der Partei großgeworden und ist ein durch und durch radikaler, brutaler Mensch. Er will Menschen nur für seine Schachzüge benützen und somit ist Oppenheimer in Wahrheit in einer viel größeren Gefahr, zu schnell könnte sich alles gegen ihn drehen.
    Vogler verschweigt einiges, um es erst dann preiszugeben, wenn er selber nicht mehr weiterkommt und somit werden seine persönlichen Ziele klar.


    Als Oppenheimer mit Hilde reflektiert, kommt zur Sprache, ob es sein könnte, dass der Mörder den Ermittlern etwas sagen möchte, vor allem den Parteimitgliedern. Darüber habe ich auch nachgedacht und es bleiben unterschiedliche Fragen im Kopf - Wie ist der Zusammenhang mit den Kriegsdenkmälern? Ist es im Sinne eines Verrats an diesen Opfern?


    Was die Bevölkerung angeht, so ist dieser unendliche Glaube an den Endsieg bei vielen so gewesen, das kleine Detail durch die Aussage Oppenheimers beschäftigt mich: Haben wirklich so wenige Mein Kampf gelesen? Gab es dazu historisch gesehen irgendwelche Vermutungen, wieviele es in etwa gelesen haben dürften?


    Inge Friedrichsens "lediges Kind" bringt einen weiteren Themenblock aufs Parkett - die Lebensborn-Heime, passend zu Cortis Forderung nach einer Geburtenhöchstleistung - gibt es gute Literatur zu diesem Thema, die Du empfehlen könntest Harald, oder Filmausschnitte?


    Vogler gibt irgendwann endlich mehr Informationen preis, Oppenheimer weiß jetzt, dass er es mit einem Serienmörder zu tun hat und so kann man schon weitere Vermutungen aufstellen. Die drei Damen hatten unterschiedliche Lebensstile, was sie allerdings verbindet, ist die Partei (tatsächlich kein herausragender Hinweis für die Zeit, aber auch nicht zu vernachlässigen) und das Hotel. Auch Hildes Bemerkung mit den Fundorten ist ein sehr interessanter Aspekt, mal sehen wie man das in Zukunft nützen kann.


    Voglers Gespräch mit dem Oberführer zeigt, wie schwer es auch bei der SS untereinander war, man sich auch da nie sicher sein konnte, selbst als überzeugtes Parteimitglied, insofern ist dieses Machtstreben und die Radikalität sicher auch nicht ohne Grund.


    Ein weiteres interessantes Detail, dass mir noch nicht in Kriminalromanen begegnet ist, die Erwähnung/Verwendung von psychologischen Theorien in Hinblick auf die Motivsuche (Freud'sche Psychoanalyse und der Behaviorismus), mich freut so etwas immer!


    Ja, jetzt hilft wieder nur weiterlesen und ich wünsche Euch allen einen schönen Abend inzwischen!


  • Was zum Schluss jedenfalls stark ins Auge springt, ist die doch sehr heftige Andeutung, dass Hilde etwas mit den Morden zu tun hat. Sie ist chirurgisch qualifiziert, ihr Haus liegt ziemlich genau im Zentrum der drei Ablageorte (wobei ich noch davon ausgehe, dass die Ablageorte primär nach Kriegerdenkmalen und nicht nach Tatortnähe ausgesucht werden, also könnte es im Verlauf des Buches auch mal einen Fundort im Norden Berlins geben), sie hasst Nazis (also auch "Nazi-Schlampen"), und sie könnte alle drei Opfer während einer bei allen dreien denkbar nötigen gynäkologischen Untersuchung kennengelernt haben, die sie selbst ausführte.


    Ferner sind ihre Ängste am Schluss des zehnten Kapitels (S. 187 Mitte) ziemlich eindeutig. Am Ende von S. 189 wird es dann sehr direkt ("Und nun bestand die Gefahr, dass ausgerechnet Oppenheimer vom Sicherheitsdienst der SS benutzt wurde, um Hildes Gesinnungsgenossen auszuschalten"), wobei es hier rein grammatikalisch nicht ganz eindeutig ist, ob "Gesinnungsgenossen" singular oder plural ist.


    Ja, das ist etwas dass ich nicht mehr erwähnt habe in meinem Kommentar, lieber Thomas, aber ich finde Deine Überlegungen gut und auch nachvollziehbar, denn Hilde fühlt sich deutlich in die Enge getrieben und "kann in Schwierigkeiten kommen" wie es steht, die Frage bleibt ob es eben direkt oder indirekt ist - ich vermute fast, dass es zu leicht wäre, wenn sie die Mörderin ist, wobei Du ja von einer Komplizenschaft ausgehst, wie ich lese.... Hmmm.... Spannnend. :)

  • Ich bin davon ausgegangen, dass Oppenheimer knapp vor der Jahrhundertwende geboren wurde. Er dürfte zu diesem Zeitpunkt also Mitte 40 bis Anfang 50 sein.


    Vielen Dank, ich hatte zwischenzeitlich auch noch mal gerechnet, weil Oppenheimer ja am Ersten Weltkrieg teilgenommen hat und bin jetzt erleichtert, dass ich nicht gänzlich daneben gehauen habe.


    Liebe Grüße
    dubh

  • So, dann kann ich mich jetzt auch mal zum zweiten Abschnitt äussern. Thomas hat schon viele Beobachtungen schön zusammengefasst, die mir auch so oder so ähnlich aufgefallen sind. Schöne Formulierungen habe ich auch gefunden, hevorheben möchte ich hier den Herrn Doktor, der im sitzen stolzieren kann - der Herr ist vor meinem inneren Auge sehr lebendig geworden ;D


    Zu Oppenheimer und Vogeler erfahren wir nun mehr. Vogeler scheint nicht der angenehmste Zeitgenosse zu sein, wenn er seinen eigenen Vater denunziert, allerdings weiß man noch nicht so genau, was da vorgefallen ist. Sehr streng scheint der Vater zumindest gewesen zu sein, ob mehr vorgefallen ist, dass Vogelers Verhalten näher erklärt, wird sich vielleicht noch im Verlauf des Buchs herausstellen. Ansonsten scheint Vogeler mir mit der Situation ziemlich überfordert, von Ermittlungen hat er nicht wirklich Ahnung. Generell macht er mir einen sehr unerfahrenen und jungen Eindruck, er ist jung in die Partei eingetreten, hat sich 'hochgearbeitet', was wohl ein gewisses Maß an Skrupelosigkeit und Egoismus erfordert, aber vor allem auch, auf Befehle zu hören und nicht selbst zu denken, was sich nun bemerkbar macht. Einen 'richtigen' Beruf scheint er nie gelernt zu haben.


    Bei Oppenheimer verstärkt sich bei mir das Gefühl, dass er ein sehr gewissenhafter Ermittler ist und sich richtig in einen Fall verbeisst, wenn es ihn gepackt hat. Jetzt hat er es auch noch mit drei Leichen zu tun. Diese Entdeckung bringt ihn verständlicherweise in Rage, denn ein Serienmörder ist nun mal etwas anderes als ein Einzelfall. Dabei lässt er in seiner Wortwahl alle Vorsicht fahren, was nochmal deutlich macht, wie wichtig ihm der Fall ist.


    Das Verhältnis zu seiner Frau ist mir allerdings nach wie vor nicht so ganz klar, wir erfahren, dass sie ein Kind verloren haben und auch, dass Oppenheimer eine Geliebte hatte, die mittlerweile verstorben ist. Woran, bleibt zunächst (?) unklar. Ganz abgeschlossen scheint die Geschichte für ihn nicht zu sein, sonst hätte es ihn sicher nicht an ihr Grab gezogen.


    Zu den Morden erfahren wir abgesehen von den zwei weitern Leichen noch das Detail mit den Nägeln, die bei lebendigen Leib eingeschlagen wurden, was ich persönlich deutlich gruseliger finde als die Verstümmelungen nach dem Tod. Auch hier muss es eine Bedeutung geben. Ob ihnen die Ohren verschlossen werden sollten? Haben alle drei etwas gehört, was sie nicht sollen? Die Überlegungen von Denise, dass eine mythologische Bedeutung eine Rolle spielen könnte, finde ich auch nicht von der Hand zu weisen.


    Die Fundorte im Süden Berlins würde ich zunächst einmal als Zufall bezeichnen, bis ich eines Besseren belehrt werde. Oppenheimer muss ja auch mal ein paar falsche Fährten verfolgen ;) Auch das Adlon als Verbindungspunkt zwischen den beiden ersten Morden könnte einfach ein dummer Zufall sein, der die Ermittlungen erschwert.


    Interessanter ist es, welche Verbindungen die Frauen haben. Thomas hat es schon sehr schön zusammengefasst: alle jung, im gebärfähigen Alter, Verbindungen zur Partei, aber nicht dem Idealbild der Partei entsprechend. Die eine hat ein uneheliches Kind, die andere ein Verhältnis und die dritte ist vorsichtig ausgedrückt promiskuitiv. Das die ersten beiden Opfer vielleicht auch Verbindungen zu Lebensborn hatten, würde ich nicht ausschließen, so doll war es damals mit Verhütungsmitteln schließlich nicht. Oder eben auch abgetrieben haben. Gerade beim Lebenswandel des ersten Opfers sogar wahrscheinlich, dass da noch irgendwas zu Tage gefördert wird.


    Als ich mehr Informationen zu Lebensborn gesucht habe - erwähnt wird ja ein Heim Nähe Bremen - musste ich feststellen, dass es bei mir im Landkreis ist. Davon hatte ich bis gestern tatsächlich keine Ahnung. Sehr spannend und generell ein interessantes Thema, das hier aufgegriffen wird.


    Und zu guter Letzt - Hilde. Hier bin ich nicht mit Thomas und Denise einer Meinung. Ich glaube nicht, dass Hilde in die Morde verwickelt ist, sondern das sie Angst hat, dass Oppenheimer seine Verfolger nicht abschütteln kann und sie ins Visier der SS gerät. Die Gefahr für sich und auch Leute, zu denen sie Verbindungen hat, ist schließlich nicht von der Hand zu weisen. Übrigens ist sie mir in diesem Abschnitt deutlich sympathischer geworden als im ersten als ihre Hilflosigkeit angesichts der Reichsprogromnacht und ihre erste Begegnung mit Oppenheimer geschildert wird. Dadurch kommt sie für mich viel menschlicher und weniger perfekt rüber.


  • Sehr symbolisch sind die Nägel (später auch zumindest bei einem weiterem Opfer) im Gehörgang - dazu habe ich eine interessante Arbeit gefunden, die sich nicht nur anatomisch mit dem Gehörgang beschäftigt sondern auch mit der Bedeutung des Ohrs in Mythologie und Religion: http://www.students.informatik…uebeck.de/zhb/ediss51.pdf


    Das ist ja höchst interessant.



    Haben wirklich so wenige Mein Kampf gelesen? Gab es dazu historisch gesehen irgendwelche Vermutungen, wieviele es in etwa gelesen haben dürften?


    Ob es wirklich kaum jemand gelesen hat, ist umstritten. Lange Zeit über war es allerdings die vorherrschende Meinung. Es wurde bei meinem Geschichtsstudium auch von den Dozenten so dargestellt. Wenn man mal einen Auszug aus dem Machwerk liest, wird man merken, dass Hitlers Schreibstil nicht gerade zum Schmökern einlädt. Deswegen halte ich es für sehr, sehr wahrscheinlich, dass sich nur wenige da freiwillig durchgequält haben. Allerdings vertritt z.B. Plöckinger da eine andere Meinung:


    http://www.amazon.de/Geschicht…tgeschichte/dp/3486579568



    Inge Friedrichsens "lediges Kind" bringt einen weiteren Themenblock aufs Parkett - die Lebensborn-Heime, passend zu Cortis Forderung nach einer Geburtenhöchstleistung - gibt es gute Literatur zu diesem Thema, die Du empfehlen könntest Harald, oder Filmausschnitte?


    Als Standardwerk zum Lebensborn gilt dieses Buch:


    http://www.amazon.de/%C2%BBLeb…1&keywords=lebensborn+e.v

  • Lieber Harald!
    Danke für die Literaturhinweise, ich habe auch gehört, dass "Mein Kampf" wieder freigegeben werden und nachgedruckt werden soll, nur finde ich kaum Hinweise dazu. Es scheint in diversen politischen Magazinen ein Thema gewesen zu sein - nur scheint es ein juristisches Problem zu geben nach wie vor, der Druck wurde gestoppt. ???

  • In diesem Abschnitt erfahren wir einiges mehr über die Figuren Vogler und Hilde, und auch über Oppenheimer.


    Dass der seine Lisa betrogen hat, hätte ich nicht gedacht. Ich hatte den Eindruck, dass er und Lisa vor dem NS-Regime eine glückliche Ehe geführt haben. Aber der Verlust eines Kindes ist natürlich eine Tragödie, an der viele Ehen zerbrechen. Umso bewundernswerter, dass sie nun in dieser Zeit weiter zusammenbleiben und füreinander einstehen.


    Vogler ist also doch ein hundertprozentiger Nationalsozialist. Trotzdem ist er in der Lage, den Antisemitismus hintenan zu stellen und sich somit eines Experten zu bedienen, wo er keiner ist. Auch wenn das halt nunmal ein Jude ist, wichtiger ist Vogler, Erfolg zu haben.
    Denn es stellt sich auch heraus, dass die Tote nicht das erste Opfer ist und Vogler schon seit einiger Zeit an dem Fall dran ist, ohne bisher groß vorangekommen zu sein.


    Der Besuch in dem Lebensborn-Heim war interessant. Ich habe immer mal wieder Erwähnungen über diese Einrichtungen gelesen, mich aber nie näher damit beschäftigt. Vordergründig ist der Gedanke, dass auch ledige Mütter unbeschadet ihre Kinder zur Welt bringen könne, ja gar nicht so schlecht. Die "züchterischen" Aspekte, die der Doktor dann aber auspackt, lassen das kalte Grausen aufkommen. Aus heutiger Sicht bleibt einem da ja immer nur die fassungslose Frage, wie man auf solche Gedanken kommt.
    Sehr interessant fand ich aber auch Oppenheimers Gedanken bei der Fahrt durch die Landschaft raus zu dem Heim. Er ist ja seit Jahren nicht mehr aus der Stadt herausgekommen und der Kontrast zum ständig durch Bomben bedrohten Berlin muss immens gewesen sein (gerade weil es um Berlin herum ja eigentlich nicht viel gibt, was ein lohnenswertes Ziel für die Bomber dargestellt haben dürfte).


    Am Ende des Abschnitts überrascht Hilde. Die Andeutungen klingen fast so, als hätte sie einen Verdacht oder sogar mehr was den Täter angeht? Stammt er aus den Kreisen, in denen sie früher intensiv verkehrt ist? Also aus den Reihen der NS-Kritiker unter den adligen Militärs?
    Wenn ja, warum dann diese Frauen? Alle hatten mit dem NS-Regime zu tun, wurden sie dafür bestraft? Aber wie Hilde anmerkt, konnte man/frau in dieser Zeit nicht mit dem Regime zu tun haben, wenn sie berufstätig war?


    Die Verstümmelung der Genitalien weist ja auf einen sexuellen Hintergrund der Tat hin. Die Nägel, die durch die Ohren ins Gehirn getrieben wurden, passen da für mich nicht so recht dazu, was steckt hier dahinter?
    Hildes Gedanken kann ich nicht nachvollziehen oder tue mich zumindest sehr schwer damit. Es klingt für mich, als würde sie den Täter schützen wollen, auch wenn er ein Mörder ist. Heißt sie die Taten also gut? Oder will sie einen Bekannten decken?


    Schön, dass hier auch die Frage beantwortet wurde, wie Hilde und Richard sich kennengelernt haben, das habe ich mich im ersten Abschnitt noch gefragt. Es war ein Zufall, aus dem eine langjährige Freundschaft entstanden ist. Wobei ich die Freundschaft nach den letzten Absätzen nun eher hinterfrage, denn Hilde scheint hier ja definitiv Richard hintenan zu stellen, bei wasauchimmer sie nun zu tun gedenkt!

  • Nachdem ich die letzten beiden Tage ein Projekt zu Ende bringen mußte, konnte ich nun endlich weiterlesen. Ja, die Sprachwendungen sind wirklich sehr gelungen - den Doktor, der im Sitzen stolziert, konnte ich mir sehr gut vorstellen.


    Vogler hat tatsächlich keine Erfahrung in Ermittlungsdingen, das dachte ich mir doch schon im ersten Abschnitt. Und weil es sich um einen Serientäter handeln könnte, zieht er Oppenheimer als Fachmann hinzu - auch weil er ihn in der Hand hat, da er Jude ist. Aber es kommt, wie es kommen mußte: sein Vorgesetzter erfährt davon und macht Druck. Ob Vogler wirklich selber daran glaubt, daß ein Jude der Täter ist? Ich denke, das hat er in dem Moment nur gesagt, um seinen Vorgesetzten zu beruhigen.


    Daß wir etwas über Voglers Vergangenheit erfahren, fand ich auch sehr gut: er ist tatsächlich von klein auf in die NS-Maschinerie integriert worden. Daß er seinen Vater denunziert, ist schon heftig und man kann hier gut erkennen, wie ergeben er dem Regime ist. Gut, wir wissen nicht, wie das Verhältnis zu seinem Vater wirklich war. Allerdings stellt sich bei ihm allmählich auch etwas Ernüchterung ein, was seine deutschen Mitmenschen angeht. Ich kann ihn immer noch nicht richtig einschätzen, wie gefährlich er für Oppenheimer werden wird. Wenigstens hat er ihm nun endlich erzählt, daß es noch weitere Morde zuvor gab. Kein Wunder, daß ein Profi wie Oppenheimer entnervt reagiert, als er endlich diese wichtigen Informationen erfährt.
    Achja, und nun wissen wir auch, warum die SS sich um die Morde kümmert.


    Von Oppenheimer erfahren wir hier ebenfalls ein paar persönliche Dinge: daß er eine Geliebte hatte, hätte ich auch nicht gedacht, umso bewundernswerter, wie er und Lisa ihre Ehe retten konnten. Und daß die Beiden ein Kind hatten, welches nicht mehr lebt, fand ich ebenfalls überraschend.
    Als Kommissar ist er voll in seinem Element, das merkt man auch daran, daß ihn Menschen, die er noch von seiner Polizeiarbeit her kennt, direkt mit "Herr Kommissar" anreden. Spannend finde ich auch, daß er den Fall mit Hilde zusammen analysiert, das finde ich eigentlich gut; allerdings scheint Hilde irgendetwas über die Morde zu wissen. Hängt das mit ihrer Tätigkeit als Engelmacherin zusammen? Daß sie in die Morde persönlich verwickelt ist, glaube ich auch nicht, da Harald die Andeutung gemacht hat, daß sie im zweiten Teil wieder auftaucht. Weiß sie wirklich was oder hat sie nur eine starke Vermutung, daß ihre Gesinnungsgenossen damit etwas zu haben könnten? Ich hoffe nur, sie setzt ihre Freundschaft mit Richard nicht aufs Spiel. Daß erwähnt wurde, wie sich die Beiden kennengelernt haben, fand ich auch sehr gut.


    Was den Fall selber angeht: ich habe auch noch keine Ahnung, wer hinter den Morden stecken könnte, aber Thomas' Überlegungen finde ich sehr gut; danke für die übersichtliche Aufstelllung :winken: Ich könnte mir auch vorstellen, daß die Gemeinsamkeit des Ablageortes der Leichen ein Hinweis sein könnte. An Mord aus irgendwelchen Moralvorstellungen habe ich auch gedacht. Aber warum immer diese Denkmäler?
    Wenn der Täter ein überzeugter Nazi ist, hat er dann die Frauen umgebracht, weil sie irgendwann mal abgetrieben haben? Dann könnte Hilde etwas über sie wissen.


    Die Ansichten des Doktors über das "Zuchtprogramm" der Nazis sind wirklich haarsträubend :o


    Harald:
    Vielen Dank für die Literaturhinweise und das Foto zum Hause Kurmark.


  • Oppenheimer gefällt mir einfach: alleine, wie er nun vorgeht! Sein Auftritt in der Pathologie! Er wirkt auf mich fast so, als wäre er wieder der Alte, wie er so in das Büro des Arztes rauscht und sehr bestimmt spricht. Der redet ihn auch prompt mit "Kommissar" an, obwohl er ihn zwischenmenschlich gar nicht leiden mag. Oppenheimer scheint eine echte Respektsperson zu sein, oder? Da sollte Vogler auch lernen - dass es auch ohne Angst und Schrecken geht!


    Ja, er lebt seinen Beruf regelrecht - umso trauriger, daß er ihn nicht mehr ausüben darf.



    Und warum erzählt Vogler Oppenheimer nichts von dem ähnlichen Mordfall, der sich in Marienfelde zugetragen hat? Warum beschließt er das regelrecht auf dem morgendlichen Platz vor der Kirche dort? Wenn er selbst einen Zusammenhang erkennt, muss er doch ahnen, dass es wichtig ist, diesem zu erwähnen! Und was versucht er damit zu verbergen?


    Viellleicht hat Vogler gehofft, daß er durch Oppenheimer die entscheidenden Hinweise bekommen kann, die ihn dann selber auf die richtige Spur führen, damit er die Fälle sozusagen alleine gelöst hat, um seinem Kollegen Graeter eins auszuwischen.


  • Sehr symbolisch sind die Nägel (später auch zumindest bei einem weiterem Opfer) im Gehörgang - dazu habe ich eine interessante Arbeit gefunden, die sich nicht nur anatomisch mit dem Gehörgang beschäftigt sondern auch mit der Bedeutung des Ohrs in Mythologie und Religion: http://www.students.informatik…uebeck.de/zhb/ediss51.pdf
    Ich bin sehr neugierig, was sich hier ergeben wird, ist es in sexuellen Sinn zu deuten oder geht es um das Gehörte an sich?


    Stimmt ja, die Nägel: ich habe vergessen, bei meinem Auftrag auf sie einzugehen. Danke für den Link, Denise, das ist sehr interessant. Warum der Täter die Opfer bei lebendigem Leib nagelt, erschließt sich mir bisher auch noch nicht, vielleicht hat das wirkliche eine mythologische Bedeutung.


  • Sehr interessant fand ich aber auch Oppenheimers Gedanken bei der Fahrt durch die Landschaft raus zu dem Heim. Er ist ja seit Jahren nicht mehr aus der Stadt herausgekommen und der Kontrast zum ständig durch Bomben bedrohten Berlin muss immens gewesen sein (gerade weil es um Berlin herum ja eigentlich nicht viel gibt, was ein lohnenswertes Ziel für die Bomber dargestellt haben dürfte).


    Ja, die Gedanken haben mir auch sehr gut gefallen.




    Am Ende des Abschnitts überrascht Hilde. Die Andeutungen klingen fast so, als hätte sie einen Verdacht oder sogar mehr was den Täter angeht? Stammt er aus den Kreisen, in denen sie früher intensiv verkehrt ist? Also aus den Reihen der NS-Kritiker unter den adligen Militärs?


    Das könnte natürlich auch sein - in jedem Fall scheint sie etwas zu wissen.

  • Die Beiträge hier sind ja immer zeimlich lang. Das erspart mir einen langen Kommentar. Ist ja alles schon gesagt. Es liest sich spannend und ich hatte recht, dass es auch für Vogler shcwierig wird, einen Juden als Berater zuzuziehen. Ich glaube auch nicht, dass das schon das Ende der Probleme dieser Art war. Interessant ist, dass er nicht blauäugig da ran geht und ziemlich selbstvewußt auftritt. Wieso kann er sich das leisten? Wieso hatte er gedacht, das ginge so einfach geheim zu halten? Ich hatte schon gedacht, dass ihn einer der Friedhofswärter anzeigt, denn dort ist Oppenheimer ja noch mit Judenstern aufgetreten. So was bleibt doch nicht geheim. Das ist doch ein absolut interessanter Skandal.
    Was das Vorenthalten der älteren Fälle angeht, kann ich Vogler gut verstehen. Vielleicht dachte er, dass er von Oppenheimer so viel erfährt, dass er dann den anderen Fall für sich verbuchen kann. Der Hauptgrund dafür wird allerdings die Brisans des 2. Falles sein. Wenn Oppenheimer eine andere Berufsauffassung hätte, könnte er leicht gefährliche Infos verbreiten. Ich denke er wollte da sicher gehen, dass er mit einem Profi in jeder Hinsicht arbeitet.


    "Mein Kampf" kann man kaufen. Es gibt sogar die "Führerreden" als Hörbuch. Im Internet alles zu haben. Ich habe mir allerdings von meinem Sohn sagen lassen, es sei so furchtbar geschrieben, dass man es nicht wirklich lesen könne.
    (Die kommentierte Fassung konnte man ja schon lange kaufen)


    Die Andeutungen von hilde gefallen mir gar nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass als Motiv der Morde infrage kommt, dass sie als SS-Liebchen hingerichtet werden (würde zu der Entfernung der Geschlechtsteile passen. ABER ich würde niemanden als meinen Gesinnungsgenossen bezeichnen wollen, der so etwas macht - egal mit wem! SOLLTE Hilde mit dem Mörder/den Mördern in Kontakt stehen und sollte sie diese warnen wäre das für mich unbegreiflich! Ich kann mir aber nicht denken, aus welchem Grund sie Gesinnungsgenossen warnen will, wenn sie nichts mit den Morden zu tun haben.

  • Hallo zusammen,


    hier hat mich das Ende des Abschnitts richtig erschreckt, denn Hildes Gedanken über ihre Sinnesgenossen und der darauf folgende Warnanruf hat mich ganz schön überrascht, besonders, nachdem sie und Oppenheimer gerade so produktiv über die Mordfälle nachgedacht und Rückschlüsse gezogen hatten. Das passt so gar nicht zu meinem bisherigen positiven Eindruck von ihr. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie direkt etwas mit den Morden zu tun haben soll (auch wenn ihre Abtreibungen ganz gut als Verbindung/Motiv zu den getöteten Frauen passen würden) oder sie ihre Sinnesgenossen wegen solch brutaler Morde schützen würde. Ich kann mir vorstellen, dass es eher darum geht, dass etwas anderes bei den Regimegegnern am Laufen ist. Sie dachte ja daran, "dass sich die Sache zuspitzen würde" und das kann ja alles mögliche sein. Entweder etwas, was die Genossen gerade tun oder vorhaben oder eine immer größer werdende Gefahr der Entdeckung. Die Morde müssen damit ja gar nicht gemeint sein. Oppenheimers geplante Untersuchungen könnten dabei vielleicht mehr und mehr zu einer allgemeinen Gefahr für sie werden. Hilde fürchtet vielleicht, dass er Befragungen durchführt und Ergebnisse weitergibt, die bei Oppenheimers Genauigkeit und Scharfsinn bei der SS Alarmglocken in eine andere Richtung zum Läuten bringen könnte, die mit den Morden nichts zu tun haben. Also Oppenheimer durch seine Arbeit quasi zu viel des Guten aufwirbeln könnte, weil die Richtung, in die seine Ermittlungen führen, die "falschen Leute" in Bedrängnis bringen könnte, ganz ohne Verbindung zu den Morden. Ihr Anruf ist vielleicht eine Warnung, dass bestimmte Leute von diesen geheimen Ermittlungen wissen und aufpassen, was sie dem Kommissar sagen, wenn er auftauchen sollte, weil nämlich die SS mithört. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass es sich als so "harmlos" auflöst, denn ich mag Hilde gern und will nicht, dass sie mit den Taten irgendwie in Verbindung steht bzw. die Täter warnt.


    Voglers Hintergründe zeigen nun ein deutlicheres Bild von ihm. Seine Kaltblütigkeit, sein Genießen von Machtgefühlen und seine Handlung gegen seinen eigenen Vater lassen seine vorher gezeigten Gesten von Höflichkeit in einem etwas anderen Licht erscheinen. Ich finde es nun zumindest viel gefährlicher, denn vorher konnte ich noch unbedarfter annehmen, dass er vielleicht gar kein schlechter Kerl ist. Jetzt wirkt er auf mich viel unberechenbarer als vorher. Allerdings habe ich nun auch mehr das Gefühl, dass es ihm hauptsächlich um sich selbst und seine Bedürfnisse, also seine persönliche Macht, geht und weniger um Inhalte, nachdem er sogar über den ein oder anderen ein paar abfällige Bemerkungen gemacht hat. Ich kann mir momentan vorstellen, dass er sich geschickt im Wind drehen kann, wenn es sein muss. Immer in die Richtung desjenigen, der ihm die größte Macht und Einfluss bieten kann, und wenn ein Schiff sinkt, ist er der erste der aufs nächst Schiff setzt. Ich bin echt gespannt auf seine weitere Entwicklung und ob er auch noch eine "sensible" Seite haben wird. Vielleicht kann Oppenheimer ihn ja knacken. ;)


    Das Heim und der dort praktizierende Arzt waren echt gruselig! :o Die Szenen dort konnte ich mir sehr gut als Filmszene vorstellen. Die mit einer derart gruseligen Überzeugung vorgetragenen Pläne und Beschreibungen der Frau und des Arztes mit dazwischen eingespielten Kinderszenen, vielleicht noch untermalt mit Gänsehaut erzeugenden Klängen im Hintergrund. Und das Kind aus dem Osten in hellen Tönen verstört rufend, mit Nahaufnahme des verschrecktem Gesichtsausdruck und einer herrischen schimpfenden Betreuerin, die bedrohlich von oben schaut. Und dann der Junge schließlich alleine und verängstigt zurückgelassen im Abspann. *Puhhhh, Kopfkino aus*


    Oppenheimer blüht während seiner Ermittlungen immer mehr auf und man erkennt, dass er ein sehr guter Kommissar ist. Seine Arbeit fehlt im sichtlich, sogar sein Hirn ist völlig leer und gierig nach Informationen. Ich spüre beim Lesen richtig, wie sich seine Stimmung ändert, es liest sich "glücklicher", während er sich in die Arbeit reinkniet. Die unterschiedlichen Stimmungen hast du toll beschrieben, Harald. Schrecklich, wenn man so in die Ecke geworfen wird, obwohl man gut ist. Und dabei hat er es noch gut, denn er lebt noch. :(


    Das Buch liest sich wirklich sehr spannend und ja, auch ich fand das Bild des im Sitzen stolzierenden Doktors klasse. ;D

  • Heimfinderin:
    Was deine Spekulationen um Hildes Motive angeht, hoffe ich auch, daß es sich schlußendlich als etwas "harmloses" herausstellen wird, daß Oppenheimers Ermittlungen nur etwas tangieren, mit dem Hilde und ihre Gesinnungsgenossen zu tun haben, sie aber nichts mit den Morden bzw. dem Mörder etwas zu tun hat.



    Oppenheimer blüht während seiner Ermittlungen immer mehr auf und man erkennt, dass er ein sehr guter Kommissar ist. Seine Arbeit fehlt im sichtlich, sogar sein Hirn ist völlig leer und gierig nach Informationen. Ich spüre beim Lesen richtig, wie sich seine Stimmung ändert, es liest sich "glücklicher", während er sich in die Arbeit reinkniet. . :(


    Das kam bei mir genauso rüber.


  • Heimfinderin:
    Was deine Spekulationen um Hildes Motive angeht, hoffe ich auch, daß es sich schlußendlich als etwas "harmloses" herausstellen wird, daß Oppenheimers Ermittlungen nur etwas tangieren, mit dem Hilde und ihre Gesinnungsgenossen zu tun haben, sie aber nichts mit den Morden bzw. dem Mörder etwas zu tun hat.


    Ich hoffe das ja auch, aber ich kann mir nichts vorstellen.