01: Anfang - S. 79 ("... den Reitern hinterher.")

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  • Hallo Ihr Lieben,


    hier treffen wir uns ab dem 10.01.2014 zur Leserunde zu dem Buch "Klingenfieber" und ich begrüße alle TeilnehmerInnen und ganz besonders Tobias O. Meißner. Schön, dass Du, lieber Tobias, wieder mit dabei bist! :-*


    Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Informationen zu Leserunden und auch die neuen Ausführungen zur Netiquette durch.
    Postet hier bitte erst, wenn ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.


    Wenn ihr erst ein paar Tage später in die Leserunde einsteigen könnt, dann wäre es gut, wenn ihr hier oder per PN an den Moderator kurz Bescheid geben würdet.


    Es wäre schön, wenn ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir größtenteils zusammenbleiben können. Grobe Faustregel ist hierbei, dass bitte pro Tag nicht mehr als ein Abschnitt gelesen und dazu gepostet werden sollte! :winken:


    Hier könnt Ihr vom Anfang bis Seite 79 ("... den Reitern hinterher.") schreiben.
    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.


    Ich wünsche uns nun allen viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!


    Liebe Grüße :schwert:
    odenwaldcollies :winken:

  • Ein Hallo an Tobias und die anderen Leserundenteilnehmer :winken:


    Ich habe letzte Nacht den ersten Abschnitt gelesen, die weiblichen Leser dieser Runde können ja völlig ungefährdet Erenis folgen, uns passiert nichts ;D


    Als erstes fiel mir das Cover positiv auf: ich finde es sehr schön und passend. Erenis finde ich ziemlich cool - o.k. sie ist auch etwas extrem, wenn sie Männer zum Kampf herausfordert, mit dem Ziel, sie zu töten, ohne dabei aber einen Gewinn einzustreichen. Und es ist ihr auch völlig egal, ob sie dadurch verfolgt wird oder nicht. Ihr Männerhass muß schon riesig sein, und ich bin gespannt, warum das so ist. Hat das was mit der Schule zu tun? Dinklepp erwähnt, daß die Schule den Namen eines Mannes trug und im Klappentext wird von einem Meister gesprochen. Die Ausbildung wird garantiert knallhart gewesen sein, ansonsten wäre sie nicht so geworden, wie sie ist. Was ist ihr Ziel? Was treibt sie an? Sie tötet Männer, wie wenn es etwas Alltägliches wäre.
    Eine Diebin scheint sie eher nicht zu sein, sonst hätte sie das entwendete Pferd sicherlich nicht mehr zurückgeschickt.


    Stenrei ist mir sehr sympathisch: ein typischer Jugendlicher, der was von der Welt sehen will und mehr erleben möchte, als das Leben - und seine Eltern - für ihn vorsehen. Seine Zweifel, ob er Erenis ins Ungewisse oder lieber nach Hause in den alten Trott zurückkehren soll, sind authentisch dargestellt. Da ihn das Gewohnte aber anödet, bringt er den Mut auf, sich für das Neue zu entscheiden, das nach Abenteuer riecht, auch wenn er unsicher ist. Unsicher, was ihn erwarten wird, unsicher, was er von Erenis halten soll, unsicher, was Erenis mit ihm machen wird, wenn sie entdeckt, daß er ihr immer noch folgt und inzwischen ein Schwert trägt.
    Ich mußte ziemlich grinsen, als die Beiden nach Bosel gehen und er unaufhörlich am Quatschen ist ;D Stenreis Zweifel, einerseits von Erenis fasziniert zu sein, andererseits sich zu fragen, warum sie die Männer einfach so tötet, ohne etwas davon zu haben, sind gut beschrieben; außerdem will er nichts Unrechtes tun, er hat (noch) Angst, daß das Schwert bei ihm gefunden wird, obwohl er vom Gesetz her noch keines besitzen dürfte.


    Achja, Erenis Kampftechnik ist toll beschrieben, das hat etwas Ästethisches, ich würde sie gerne mal in Natura kämpfen sehen. Warum die Schwertschule wohl damals abgebrannt ist und danach nicht wieder aufgebaut wurde? Ist der Meister vllt. bei dem Brand ums Leben gekommen? Hat Erenis vllt. etwas mit dem Brand zu tun?

  • :winken: Tobias, :winken: Mitleser_innen!


    Schon nach der Widmung muss ich mich hier als unwissend verorten. Ich kenne weder Agnes de Chastillon, die Rote Sonya, Jirel of Joiry noch Raven, die Schwertmeisterin. Die Namen lassen mich an Fantasy-Figuren denken, und nach einmal googeln lande ich bei Robert E. Howard und bin fast ein bisschen traurig, weil mir schon so oft der Gedanke gekommen ist, dass Namen in der Fantasy Programm oder Symptom sind. Mit der Roten Sonya bin ich auf dieses Interview mit Tobias gestoßen, die Figuren sind also Erenis literarische Vorfahrinnen.
    Sind die dazugehörigen Romane denn lesenswert? Hat eine_einer von euch sie gelesen? Mich stoßen schon die Cover ab, aber es ist natürlich eine Positionierung, und mit einem anderen literarischen Vorwissen hätte ich Klingenfieber vermutlich ganz anders zu lesen begonnen.


    Boule de suif habe ich ebenso nicht gelesen, das sollte ich vielleicht beizeiten nachholen!


    Aischylos als Motto, schön! Vor einigen Jahren habe ich mit der Orestie und Jelineks Lebewohl gearbeitet, leider ziemlich erfolglos, da ich keinen Zugang zu beiden gefunden habe und sie nicht richtig in Verbindung setzen konnte. Allerdings ist mir gerade die Sprache in Erinnerung geblieben und gefällt mir auch in diesen drei Zeilen wieder sehr gut, diese blumige Brutalität. :blume:


    Es fällt mir noch etwas schwer, meine Gedanken zu ordnen. Die erste Seite stößt eine_einen ja direkt in die Geschichte und auch in eine Position, aber dazu später.


    Stenrei, schon wieder einer dieser Namen! In meinem Wortschatz gibt es dazu nur eine Verknüpfung: "Hahnrei". Schon interessant, weil der "Hahnrei" der "Gehörnte" ist, der betrogene Ehemann, beziehungsweise schon de facto eine entmachtete männliche Figur. Spannend ist, dass "Hahnrei" scheinbar heute der Betrogene ist, veraltet aber auch der Betrügende sein kann.

    Zitat von http://de.wiktionary.org/wiki/Hahnrei

    Der Ehebrecher findet sich im dialektischen hochdeutschen reihisch, reisch und reinisch ‚brünstig‘ sowie im ebenfalls dialektischen hochdeutschen reihen ‚sich paaren (inbesondere in Bezug auf Vögel)‘ und weiterhin im althochdeutschen reiniscāri und reiniscros oder wreiniscros ‚Deckhengst‘ wieder.


    So falsch sind meine Assoziationen wohl nicht, denn Stenrei wird schon gleich als Voyeur eingeführt. So zeigt sich die Dichotomie zu Erenis schon im Namen, ist ihrer doch der edlere. Ich muss mich konzentrieren um nicht "Eris" zu lesen - die griechische Göttin der Zwietracht. ;) Im Gegensatz zu Stenrei ist sie auch übersexualisiert, schon in der einführenden Szene, die ihr eine überdimensionierte Körperlichkeit verschafft. Und sie wird zum Objekt, zum Objekt der Begierde für Stenrei, und es ist schade, dass sie sich nicht gegen diese Darstellung wehren kann - sie ist zu Beginn keine Kriegerin, keine Kämpferin, sondern der Fokus liegt auf ihrem Frau-sein.

    Zitat von http://www.fantasy-fans.eu/news/klingenfieber-interview-mit-meiner/n8776/

    Was richtet es eigentlich mit einem an, wenn man zwar jeden Mann im Kampf bezwingen kann, die Welt an sich aber dennoch von Männern und ihren Wünschen dominiert bleibt?


    Bisher folge ich Stenreis Entwicklung mit mäßigem Interesse, er ist wahnsinnig stereotyp: Der Besondere in einer Gemeinschaft von Durchschnittlichen, der Träumer (auch wenn er seine Nase nicht in Bücher steckt), der Abenteurer, der sich gleich mal auf einen Quest begibt, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit.
    Und daher finde ich die Position so interessant, in die eine_einer als Leser_in gerät: Ich bin auch Voyeurin, bin auch ein Hammel in der Herde, muss schmerzlich lesen, wie die faszinierende Erenis als gefährliches Sexualobjekt funkensprühend durch eine graue Landschaft wälzt.
    Und dann meine Lieblingsszene bisher:

    Zitat von S. 35

    Aber jetzt blieb Erenis plötzlich stehen, mitten in der Menschengasse.
    "Wer hat dich eigentlich gebeten, für mich zu sprechen?
    Jeder Mann ist ein leichter Gegner für eine Frau."
    Stenrei schluckte. "Was? Ich versuche doch nur zu verhindern, dass..."
    "Scher dich zu deinen Eltern, Junge. Ich brauche keinen Vermittler, der für mich Unsinn quasselt."


    8) Hier erhält sie tatsächlich eine Subjektivät, die ihr das Kämpfen und Töten nicht zu geben vermögen. Bäm, in your face, Stenrei, und auch in your face, mitvoyeurierende_r Leser_in! Das ist die Stärke in dieser Frau, die es sich gefallen lassen muss, dass ihre Brüste nach Milch riechen und ihre engen Hosen ständiges Thema sind, ja, die sogar blöd genug ist, sich in einem Kampf noch das Shirt hochzubinden um bauchfrei zu sein.


    Also ich würde gerade wahnsinnig gerne weiterlesen, aber natürlich freue ich mich auf die Diskussion mit euch und lege schweren Herzens das Buch zur Seite!

    Man ruft einen Namen am Halbengelsee: / &quot;Yklamyley! Yklamyley!<br />Sie ist die Mächtigste von uns allen!<br />Ihr Zauber muss selbst den Sternen gefallen!&quot;<br />&quot;Weshalb? Hat denn eines Gedichts sie entbunden?&quot;<br />&quot;Nein, besser: Sie hat ihren Namen erfunden!&quot; (Tobias O. Naheanrilke, 7. 1. 2011)


  • Hat das was mit der Schule zu tun? Dinklepp erwähnt, daß die Schule den Namen eines Mannes trug und im Klappentext wird von einem Meister gesprochen. Die Ausbildung wird garantiert knallhart gewesen sein, ansonsten wäre sie nicht so geworden, wie sie ist. Was ist ihr Ziel? Was treibt sie an? Sie tötet Männer, wie wenn es etwas Alltägliches wäre.



    Warum die Schwertschule wohl damals abgebrannt ist und danach nicht wieder aufgebaut wurde? Ist der Meister vllt. bei dem Brand ums Leben gekommen? Hat Erenis vllt. etwas mit dem Brand zu tun?


    Interessant, diese Fragen stelle ich mir gerade gar nicht! Ich hoffe allerdings, dass es nicht so kommt, dass eine derartige Kausalität hergestellt wird!



    Stenrei ist mir sehr sympathisch: ein typischer Jugendlicher, der was von der Welt sehen will und mehr erleben möchte, als das Leben - und seine Eltern - für ihn vorsehen. Seine Zweifel, ob er Erenis ins Ungewisse oder lieber nach Hause in den alten Trott zurückkehren soll, sind authentisch dargestellt. Da ihn das Gewohnte aber anödet, bringt er den Mut auf, sich für das Neue zu entscheiden, das nach Abenteuer riecht, auch wenn er unsicher ist. Unsicher, was ihn erwarten wird, unsicher, was er von Erenis halten soll, unsicher, was Erenis mit ihm machen wird, wenn sie entdeckt, daß er ihr immer noch folgt und inzwischen ein Schwert trägt.


    Hier divergieren unsere Meinungen ja sehr! Ich lese ihn bisher als Bühne für Erenis, deren Strahlkraft durch seine Stereotypie verstärkt wird.

    Man ruft einen Namen am Halbengelsee: / &quot;Yklamyley! Yklamyley!<br />Sie ist die Mächtigste von uns allen!<br />Ihr Zauber muss selbst den Sternen gefallen!&quot;<br />&quot;Weshalb? Hat denn eines Gedichts sie entbunden?&quot;<br />&quot;Nein, besser: Sie hat ihren Namen erfunden!&quot; (Tobias O. Naheanrilke, 7. 1. 2011)

  • Yklamyley:
    Ich finde deine Überlegungen zu den Namen hochinteressant. Mir geht es übrigens wie dir, daß ich Erenis auch edler empfinde als Stenrei - Stenrei ist irgendwie härter und holpriger, Erenis eher fliessend und geschmeidig, wie ihre Schwerttechnik.



    Das ist die Stärke in dieser Frau, die es sich gefallen lassen muss, dass ihre Brüste nach Milch riechen und ihre engen Hosen ständiges Thema sind, ja, die sogar blöd genug ist, sich in einem Kampf noch das Shirt hochzubinden um bauchfrei zu sein.


    Ist das nicht vielleicht Taktik von ihr?



    Hier divergieren unsere Meinungen ja sehr! Ich lese ihn bisher als Bühne für Erenis, deren Strahlkraft durch seine Stereotypie verstärkt wird.


    Ich finde Sten deswegen sympathisch, weil ich mich in ihm wiedererkenne, als ich selber 16 Jahre alt war (lange, lange ist es her ;D): alles Bekannte war öde und nervte nur und man wollte was Neues und Tolles erleben. Und seine Art zu staunen, finde ich auch so herrlich naiv-unschuldig. Daher bin ich auf seine weitere Entwicklung gespannt, da ich nicht davon ausgehe, daß Erenis ihn demnächst ungespitzt in den Boden hauen wird.


    Was ich noch vergessen habe zu schreiben:
    Mir gefallen die Querverweise z.B. zu den Grünmenschen mit ihren falkengesichtigen Gottheiten und dem bevorstehenden Kampf mit den Menschen sehr gut, da wir von ihnen bereits in "Barbarendämmerung" erfahren haben. Dadurch bekommen die Bücher eine tolle Mehrdimensionaliät.

  • Oh ich bin unglaublich begeistert.


    Besonders angetan bin ich von Erenis. Stenrei dagegen empfinde ich nur als denjenigen durch den wir auf sie Blicken, denn unser Leben ist soweit von ihrem entfernt wie Stenreis Leben.


    Ich finde ihre sexuelle Ausstrahlung faszinierend. Einerseits denke ich macht sie dies mit Absicht und genießt es von den Männern und Frauen auf diese vorurteilsbehaftete Weise angesehen zu werden, andererseits scheint es ihr egal zu sein, wenn ihr Auftreten negative Auswirkungen hat.
    Auf S.23 wird sie als "Männerverderberin" bezeichnet und es gefällt ihr. Das finde ich sehr spannend und ich hoffe sehr dass wir noch erfahren wie sie sich selbst sieht. Bisher erhalten wir ja lediglich einen Blick von außen auf sie. Sie scheint aber in jedem Fall ein ziemliches Sexobjekt zu sein. Dies zeigt Kaskir ja als er meinte er würde lieber andere Dinge mit ihr tun.
    Ihre Reaktion empfinde ich besonders spannend: "Dann komm her und nimm dir, wonach es dich verlangt." (S.20) Sie macht deutlich, dass ein richtiger Mann sich nimmt was er will. Und ich glaube wenn es ein Mann bei ihr tun könnte (sich neben was er verlangt), würde sie sich dem auf fügen. Sie scheint die Herrausforderung zu suchen.


    Stenrei erscheint mir zeitweise wie ein kleiner Junge und in diesem Zusammenhang auch wie ein ziemlich naiver Heranwachsender. Besonders deutlich wir sein "Kind sein" gezeigt als er mit seinem gefundenen Schwert durch die Gegend stolziert (S.74) und schließlich in das Dorf kommt und seine Stimme verstellt (S.77). Das Schwert ist für ihn ein deutliches Zeichen des "Mann sein" und die tiefere Stimme ebenfalls. Kinder nutzen bei ihren Rollenspielen ab einem gewissen Alter bestimmte Requisiten. Dann muss man zum Pirat spielen tatsächlich eine Augenklappe haben! Und so empfinde ich Stenreis Verhalten: Er spielt er wäre ein Mann!
    Durch das Waffenverbot wird ihm natürlich durch die Gesetzmäßigkeiten das Schwert als Symbol festgelegt, aber er macht sein Erwachsenensein zusätzlich noch deutlich durch die verstellte Stimme. Dies alles zeigt für mich, dass Stenrei noch ganz und gar kein Mann ist, sondern viel mehr noch ein Kind/Heranwachsender und einfach nur "so tut als ob".

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  • Sind die dazugehörigen Romane denn lesenswert?


    Ach, so richtig empfehlen würde ich eigentlich nur den Maupassant. "Boule de suif". Und alles andere von ihm ebenfalls.
    Robert E. Howard hat zwar immer eine gewisse mitreißende Qualität, und die Geschichten um "Jirel of Joiry" sind mindestens literaturhistorisch interessant (weil es in dieser Zeit nur wenige weibliche Autorinnen gab), aber "Raven" ist, denke ich, ziemlicher Trash.
    Dennoch verneige ich mich höflich vor allen, um aufzuzeigen, dass so eine Figur wie Erenis nicht aus dem Nichts kommt, sondern durchaus eine Ahnenreihe vorzuweisen hat.


    :anbet:
    Tobias

  • So, ich bin auch dabei - ich werd wahrscheinlich ein bisschen hinterherzockeln, da ich noch Gotthammer lese und zwei verschiedene Fantasygeschichten kann ich nicht durcheinander lesen :-[


    Aber nun mal zu Klingenfieber.
    Als Stenrei die badende Erenis beobachtet, hab ich schon befürchtet, dass ihm das hinterher bald leidtun wird, wenn sie ihn dabei erwischt ;D Aber das geht ja noch relativ glimpflich für ihn aus.


    Dass sie den starken, aber etwas doofen Typen im Dorf problemlos besiegen wird, war klar, aber dass es sooo schnell geht, hatte ich dann auch nicht erwartet. Ein Streich und er ist erledigt? :o
    Stenrei stellt sich dann aber auch bald die entscheidende Frage: was hat sie davon? Sie verlangt keinen Gegeneinsatz in ihren Kämpfen, geht es ihr also nur ums Töten? Über diese Frage grüble ich nun schon die ganze Zeit. Sie macht aber nicht den Eindruck, als würden ihr diese Siege besonders viel bedeuten, sie triumphiert nicht, freut sich nicht, eigentlich zeigt sie überhaupt keine sonderliche Reaktion, wenn der Gegner tot ist, sammelt sie ihre Sachen ein und zieht weiter. Wenn man sie gehenlässt, ist es gut, wenn nicht, gibt es eben noch mehr Tote.
    Ich hab mir schon überlegt, ob sie eine Aufgabe zu erfüllen hat, so was wie "Töte 1000 Dorftrottel und du steigst in den nächsten Rang auf" oder so :P


    Dass Stenrei Erenis faszinierend findet, ist verständlich. Er ist ein junger Mann, er langweilt sich in seinem Dorf, in dem alles so klein und unbedeutend ist, er will etwas erleben und wird immer klein gehalten... Erenis verkörpert für ihn einen Ausweg in die große weite Welt, und so folgt er ihr.
    Dass sie auf den jungen Begleiter wenig Wert legt, ist aber auch zu erwarten und ich bin gespannt, wie er sich doch noch so nützlich für sie macht, dass sie ihn akzeptiert ;)


  • Stenrei stellt sich dann aber auch bald die entscheidende Frage: was hat sie davon? Sie verlangt keinen Gegeneinsatz in ihren Kämpfen, geht es ihr also nur ums Töten? Über diese Frage grüble ich nun schon die ganze Zeit. Sie macht aber nicht den Eindruck, als würden ihr diese Siege besonders viel bedeuten, sie triumphiert nicht, freut sich nicht, eigentlich zeigt sie überhaupt keine sonderliche Reaktion, wenn der Gegner tot ist, sammelt sie ihre Sachen ein und zieht weiter. Wenn man sie gehenlässt, ist es gut, wenn nicht, gibt es eben noch mehr Tote.
    Ich hab mir schon überlegt, ob sie eine Aufgabe zu erfüllen hat, so was wie "Töte 1000 Dorftrottel und du steigst in den nächsten Rang auf" oder so :P


    Vielleicht versucht sie dadurch die Dörfler aufzurütteln?
    Wenn ich es recht verstehe ist das Frauenbild in dieser Zeit aus unserem Blickwinkel noch etwas rückständig. Frauen erscheinen mir eher unterdrückt.
    Vielleicht möchte sie damit aufräumen und sich so die Zeit vertreiben? Sie beweist damit weibliche Stärke und weist die Männer in ihre Schranken zurück. Dabei ist es noch eindrucksvoller da sie offensichtlich sehr begehrenswert für Männer ist.


  • Vielleicht versucht sie dadurch die Dörfler aufzurütteln?
    Wenn ich es recht verstehe ist das Frauenbild in dieser Zeit aus unserem Blickwinkel noch etwas rückständig. Frauen erscheinen mir eher unterdrückt.
    Vielleicht möchte sie damit aufräumen und sich so die Zeit vertreiben? Sie beweist damit weibliche Stärke und weist die Männer in ihre Schranken zurück. Dabei ist es noch eindrucksvoller da sie offensichtlich sehr begehrenswert für Männer ist.


    Schürt sie aber nicht eher damit den Hass auf Frauen und bestärkt die Männer noch darin, ihre Frauen besser unten zu halten, damit sie nicht so werden wie Erenis? Außerdem glaube ich, daß die Frauen sie eher nicht bewundern, sondern sie vielmehr beneiden und eifersüchtig betrachten, weil sie so sexy und selbständig ist. Frauen sind nunmal so :P

  • Genau, so wie die Reaktionen der Dörfler geschildert werden, reagieren die Frauen alle eher negativ auf sie, nur die Männer bewundern sie - wohl mehr wegen ihres Aussehens und Auftretens als wegen ihrer Kampfkünste ;)


  • Genau, so wie die Reaktionen der Dörfler geschildert werden, reagieren die Frauen alle eher negativ auf sie, nur die Männer bewundern sie - wohl mehr wegen ihres Aussehens und Auftretens als wegen ihrer Kampfkünste ;)

    Na dann sind wir uns ja einig dass sie, falls sie diese Intention verfolgt, nicht sonderlich erfolgreich ist.
    Vermutlich kam mir die Idee, weil mir ihre Rolle besser gefällt als die der anderen Frauen. Zusätzlich habe ich wohl zu viel von den Menschen, die in diesen Dörfern leben, erwartet.




    Schürt sie aber nicht eher damit den Hass auf Frauen und bestärkt die Männer noch darin, ihre Frauen besser unten zu halten, damit sie nicht so werden wie Erenis? Außerdem glaube ich, daß die Frauen sie eher nicht bewundern, sondern sie vielmehr beneiden und eifersüchtig betrachten, weil sie so sexy und selbständig ist. Frauen sind nunmal so :P

    Urks. Ja da sagst du etwas. Viele Frauen sind so.
    Allerdings kommt das in meinen Augen aus der eigenen Unzufriedenheit und wenn man ausreichend über eigene, insbesondere über solche beneidenden und eifersüchtigen, Gedanken reflektiert sollte einem auffallen dass der Grund dafür in einem selbst liegt. Solange man selbst mit sich zufrieden ist kommt auch weniger Neid und Eifersucht zustande, denke/hoffe ich. Zumindest beobachte ich dies bei mir selbst. Je zufriedener ich mit mir selbst bin desto gelassener nehme ich Erfolge/Vorzüge anderer Menschen hin und kann diese dann auch entsprechend wertschätzen - ein wunderbarer Nebeneffekt ist auch: man ist insgesamt zufriedener und ärgert sich weniger.
    Beispielsweise habe ich sehr lange Haare und begegne selten Menschen die längere haben. Wenn dies doch mal der Fall ist habe ich die Wahl ob ich darauf nun negativ (wie die Dorffrauen auf Erenis) oder positiv in meinen Gedanken reagiere und das hat, denke ich, stark mit meinem Selbstbild zu tun. Wenn ich zufrieden und glücklich mit mir selbst bin sind meine Gedanken eher anerkennend und bewundernd.
    Ich meine also, dass die Dorffrauen unzufrieden sind und deswegen negativ auf Erenis reagieren.


    Versteht man was ich mir da wieder zusammenreime? :-[ Ich fürchte ich rede/schreibe verwirrendes Zeug ???

    Einmal editiert, zuletzt von Phy ()

  • Schürt sie aber nicht eher damit den Hass auf Frauen und bestärkt die Männer noch darin, ihre Frauen besser unten zu halten, damit sie nicht so werden wie Erenis? Außerdem glaube ich, daß die Frauen sie eher nicht bewundern, sondern sie vielmehr beneiden und eifersüchtig betrachten, weil sie so sexy und selbständig ist. Frauen sind nunmal so :P


    Das sehe ich genauso. Wenn sie nur ihre Kampfkünste hätte, dann meine ich, dass einige Frauen schon einen ziemlichen Hass auf sie hätten. Einfach weil sie sich nicht in die Rolle der Frau zu dieser Zeit begibt, sondern anders ist. Und wenn sie dann auch noch so toll aussieht und ihr alle Männerherzen zufliegen, dann ist ja klar, dass keine Frau so richtig von ihr überzeugt sein wird, sondern immer negativ über sie denken wird. Ich wäre da genauso ;D

  • Zuerst muss ich nochmal anmerken, wie toll ich das Cover finde. Es sieht in echt noch viel schöner aus als auf den Bildern im Internet und es passt ideal zu dem, was ich bis jetzt gelesen habe.


    Ich bin gleich schön in die Story rein gekommen. Obwohl ich davor noch kein Buch von Tobias gelesen hatte, und deshalb auch seinen Schreibstil noch nicht kannte, war ich gleich Feuer und Flamme. Dieser Roman unterscheidet sich sehr von denen, die ich bis jetzt gelesen habe. Ich glaube es ist auch das erste Mal, dass eine Frau die "Hauptrolle" spielt. Auch wenn diese Frau sehr ungewöhnlich ist, zumindest für die Zeit. Und so richtig nachvollziehen, kann ich auch noch nicht, warum sie ständig tötet. Aber sie wird wohl schon einen Grund dafür haben. Vielleicht erfahren wir diesbezüglich noch mehr.


    Stenrei ist mir bis jetzt auch noch ein Rätsel. Irgendwie ist er das genaue Gegenteil zu Erenis - schüchtern, irgendwie noch so kindlich und nicht sehr mutig, so kommt er mir zumindest vor. Ob er im Laufe des Buches noch ein "richtiger" Mann wird? Bin schon gespannt :)


  • Allerdings kommt das in meinen Augen aus der eigenen Unzufriedenheit und wenn man ausreichend über eigene, insbesondere über solche beneidenden und eifersüchtigen, Gedanken reflektiert sollte einem auffallen dass der Grund dafür in einem selbst liegt. Solange man selbst mit sich zufrieden ist kommt auch weniger Neid und Eifersucht zustande, denke/hoffe ich.


    Ich verstehe, was du meinst, und sehe das genauso - wenn man mit Neid und Eifersucht reagiert, dann sollte man sich überlegen, was man an sich selber ändern könnte, statt gegen das Objekt der Eifersucht zu sein. Aber bei den Dorffrauen habe ich das bisher kaum erkennen können; und wahrscheinlich ist es so, wenn eine Frau dann Erenis doch bewundert, wird sie lieber ihren Mund halten, weil sie sonst Gegenwind von den anderen Frauen aus dem Dorf bekommt.

  • Es fängt ja schon damit an, dass Erenis eine Ortsfremde ist. Dörfler sind immer etwas argwöhnisch gegenüber Fremden, noch dazu bewaffneten. Das liegt in der Natur der Sache.
    Dann ist sie sehr schön. Schöner als die Frauen im Dorf. (Erinnert ihr euch an die zusammengewachsenen Augenbrauen, die in Bosel gang und gäbe zu sein scheinen? ;)) Die Männer gaffen ihr natürlich hinterher. :sabber: Und natürlich sind die Frauen davon nicht begeistert.
    Dann spricht Erenis nur die Männer an. Sie wechselt kein einziges Wort mit Frauen.
    Sie visiert Männer an.
    Fordert sie alle heraus.
    Nimmt einen Antrag an.
    Und tötet dann einen Mann. Vergießt dessen Blut wie das eines Ritualopfers.
    In der Regel sogar das des Stärksten im Dorf. Sie bringt also dadurch das gesamte Dorfgefüge ins Wanken.
    Wie soll man da noch verständnisvoll oder sogar bewundernd reagieren? :haue:


    :lesen:
    Tobias


  • Zuerst muss ich nochmal anmerken, wie toll ich das Cover finde. Es sieht in echt noch viel schöner aus als auf den Bildern im Internet und es passt ideal zu dem, was ich bis jetzt gelesen habe.


    Ich kann Dir nur absolut zustimmen, das Cover finde ich auch total klasse, es erinnert mich in seiner nebulösen Erotik an die legendären Vorspanne zahlreicher James-Bond-Verfilmungen. Und der Einstieg in die Geschichte greift die Covererotik gleich auf, wenn der zunächst fast etwas linkisch anmutende Stenrei der unbekannten Schwertträgerin beim besonders sinnlichen, weil niemals komplett entblößten Bad zuschaut. Überhaupt ist es in diesem ersten Abschnitt eher er, der im Mittelpunkt steht, Erenis lernen wir vielmehr nur durch seine Wahrnehmung kennen. Für mich ist dieser erste Abschnitt vor allem eine Geschichte über das Erwachsenwerden von Stenrei. Schon bis dahin mit seinem Leben im öden, kleingeistigen Ambiente seines Heimatdorfes Bosel hadernd, ist letzten Endes Elenis der Funke, der das Feuer in ihm entzündet, sich endlich daraus zu lösen und sich aufzumachen, vom Jungen zum Mann zu werden. Auch wenn er weiterhin oft noch zögerlich und fast kindlich-ängstlich agiert, wenn es um die Verfolgung der Schwerttänzerin geht, so geht er doch konsequent diesen für ihn neuen Weg. Stärkstes Symbol für sein Heranreifen ist in meinen Augen der Moment, in dem er das Schwert des von Elenis auf dem Feld vor Holster getöteten Fremden aufnimmt, damit etwas nur den Erwachsenen Vorbehaltenes und daher für ihn bisher völlig Verbotenes tut und hiermit obendrein auch schon ein wenig in Elenis' (erwachsene) Fußstapfen tritt. Sie ist für ihn aus meiner Sicht das Synonym der großen weiten Welt abseits des schalen Mikrokosmos Bosel, verheißungsvoll und verlockend einerseits und dennoch brandgefährlich und damit besonders aufregend andererseits, Grundreize für einen heranreifenden Jugendlichen, selbst in der hiesigen Realität. So nimmt es nicht Wunder, dass er immer mehr in ihren Bann gerät, ihr auf Schritt und Tritt folgt. Er kann sich ihrer Unnahbarkeit mit dem Quäntchen Arroganz, dass sie für jemanden wie ihn so unerreichbar und damit auch so unwiderstehlich macht, nicht entziehen.


    Doch was leitet Erenis? Ihre Gier nach Duellen auf Leben und Tod gegen die stärksten Männer aus den Dörfern, die sie heimsucht, bleibt erstmal im spannungsgeladenen Dunkel. Warum sucht sie sich Gegner, und dann nur Männer, solch schlichter Herkunft aus, von denen sie aus meinem Empfinden obendrein mehr oder weniger sicher sein kann, dass sie ihr nicht das Wasser werden reichen können? Denn schnell ahnt man schon, dass die Klingentänzerin ihr blutiges Handwerk absolut perfekt versteht. Eine besondere Herausforderung im Zweikampf kann es also doch nicht sein. Wie Tobias schon schreibt, das ganze wirkt eher wie ein Ritual, dass sie bei jedem Zweikampf abfeiert. Doch auch wenn Erenis bisher trotz aller optischen Reize nicht unbedingt allzu sympathisch erscheint in ihrer schweigsamen bis herablassenden Impertinenz, weigere ich mich noch, sie zu verurteilen für ihr Tun. Spätestens ihr Bemühen, keine Frauen in Mitleidenschaft ziehen zu wollen, lassen bei mir erhebliche Zweifel an ihrer Erbarmungslosigkeit aufkommen und deutet für mich auf eine wohl eher tragische Vorgeschichte hin, die sie zu ihrem männermordenden Feldzug treibt.


    Von Erenis genauso fasziniert seiend wie Stenrei :herz:
    Thorsten

  • Eines habe ich auch noch vergessen zu schreiben, was daran liegt, daß ich inzwischen schon ein paar Bücher von Tobias gelesen habe: der Schreibstil und die Sprache sind auch hier wieder sehr bildhaft und toll.
    Das fängt schon bei dem ersten Satz an: "Wie ein Schwarm goldener Schmetterlinge tanzte das Licht über dem Fluss, und in diesem Licht sah Stenrei sie zum ersten Mal."


    ... und schwupps, habe ich schon die komplette Szene vor Augen.


  • Eines habe ich auch noch vergessen zu schreiben, was daran liegt, daß ich inzwischen schon ein paar Bücher von Tobias gelesen habe: der Schreibstil und die Sprache sind auch hier wieder sehr bildhaft und toll.
    Das fängt schon bei dem ersten Satz an: "Wie ein Schwarm goldener Schmetterlinge tanzte das Licht über dem Fluss, und in diesem Licht sah Stenrei sie zum ersten Mal."


    ... und schwupps, habe ich schon die komplette Szene vor Augen.


    Da stimme ich Dir absolut zu. Die Bilder die Tobias in den Köpfen seiner Leser zeichnet sind fantastisch und es ist unglaublich eindrucksvoll dass ihm dies mit seiner Sprache immer wieder gelingt.

  • Das Cover find ich übrigens auch total klasse!
    Und Tobias Schreibstil fällt mir wieder sehr positiv auf. Ich mag es wie du mit den Wörtern spielst und nicht einfach nur eine Geschichte erzählst!


    Stenrei ist für mich bis jetzt eher nur die Augen, durch die ich Erenis wahrnehme. Er selber lässt mich noch ziemlich kalt.
    Erenis hingegen ist äusserst faszinierend. Ihr Verhalten ist ganz anders als das welches ich von ihr erwartet hätte. Zum Beispiel nach dam letzten Kampf im Dorf als Stenrei beschreibt, dass ihr Gesicht gar keinen Ausdruck hat. Kein Triumph, Erleichterung etc. Ich frage mich, was sie antreibt. Warum tötet sie die Männer und weshalb bleibt sie so teilnahmslos?