09 - Seite 375 bis Ende (Kapitel "Nebel: von "Müssen es wirklich" bis Ende)

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  • Das Buch endet anders als ich erwartet habe, aber das Ende gefällt mir sehr gut. Ich dachte eher daran, daß Lisanne wirklich den Aufstand proben wird bzw. daß die unsterblichen Paladine eine bedeutendere Rolle spielen werden. Ich hatte damit gerechnet, daß sich bei den Schatten grundlegend etwas ändern würde, vllt. auch, daß Bren bei dem Versuch, Espera zu entführen (schöner und passender Name für das erste Fayé-Kind seit so langer Zeit), umkommt.
    Aber eigentlich bleibt alles beim Alten, die Schatten gewinnen schlußendlich wieder – nein, nicht alles bleibt beim Alten, für die Menschen wird es noch schlechter. Und Lisanne und Bren dürfen weiterhin mit ihren Dämonen der Vergangenheit kämpfen. Bei Bren wird es deutlich, daß er unglücklich ist, es gibt nichts mehr, was ihm etwas bedeutet, außer seinem Hass auf Lisanne.
    Ich hatte nicht gedacht, daß die Osadroi weinen können. Und er gibt auch zu, daß Nalaji recht hatte, als sie ihm sagte, daß seine Liebe zu Kiretta das Beste in ihm sei. Bren möchte das Gefühl des Mitleids und damit die letzte Verbindung zu seinem früheren Leben nicht mehr verlieren, er beschließt sogar, nach Möglichkeit keine Kinder mehr in Zukunft zu ernten.
    Lisanne und Bren müssen mit ihrem Hass aufeinander weiterhin auskommen und ihn beherrschen; sehr clever von Bren, daß er sich absichert.


    Nalaji gehört damit zu denen, die tatsächlich alle drei Bände überleben, sehr erstaunlich für einen Menschen; wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie noch viel Lebensmut haben wird, nachdem nun Narron und Keliator auch tot sind und die Hoffnung auf einen politischen Wandel sich zerschlagen hat.


  • Was ist Euch zu kurz gekommen - und wo hatte die Geschichte ihre starken Momente?


    Zu kurz gekommen:
    Da fällt mir im Moment nur eines ein: ich hätte mir gewünscht, daß die Götter noch mehr in Erscheinung treten und wirken. Bis auf den dritten Teil hatte ich das Gefühl, daß die Götter reine Hirngespinste der Menschen sind, die es gar nicht gibt und damit auch keine Macht haben könnten. Sie waren die gleichen wehrlosen Opfer wie die Menschen.


    Starke Momente:
    Einmal die verschiedenen Perspekiven, in denen du die einzelnen Bände geschrieben hast, finde ich sehr gut, das macht das alles sehr rund. Stark ist auch, daß man bei dir mit allem rechnen muß, was den Lauf der Handlung oder das Schicksal der Charaktere angeht, dadurch wird die Handlung unvorhersehbar und die Charaktere unberechnenbar, geheimnisvoll und bleiben damit spannend.


    Sehr gelungen fand ich auch, wie du dem Leser die Schattenherren immer näher führst, daß man teilweise das Gefühl hatte, jetzt würde man sie verstehen, ja, es entstand so was wie eine Vertrautheit, um dann zack, wieder eine eklige Handlung der Osadroi einfliessen zu lassen, die den Leser vor den Kopf stößt und er bemerkt, daß er doch gar keine Ahnung hat ;D


    Stark war natürlich die durchgängige Spannung durch alle drei Bände. Achja, und toll fand ich auch die Faszination von Lisanne, die irgendwie nicht zu greifen war, weil sie sich weiter entwickelte und überraschte.


    Meine persönliche Hitliste:
    1. Platz: Band 2
    2. Platz: dichtgefolgt von Band 3
    3. Platz: Band 1

  • Die Welt fällt in die Schatten. Und diesmal wurden weitere Reiche unterworfen. Gibt es noch irgendwelche "freien" Menschenländer? Ich fürchte nicht.
    Aber jedes andere Ende wäre unglaubwürdig gewesen.


    Mit Bren konnte man sehr schön die Verwandlung und den Übergang von einem Diener der Schatten zu einem Osadro mitverfolgen. Besonders spannend waren dabei seine Emotionen und seine eigene Reflexion am Ende. Hier wurde deutlich, auch durch Lisanne, was man aufgibt wenn man in die Schatten tritt. Dieser Schritt ist nicht zu unterschätzen. Man verliert nicht nur die Gnade der Götter, man gibt auch vieles auf, was einem das Leben als Mensch erst lebenswert gemacht hat.


    Ehrlich gesagt stellt sich mir nun die Frage: Wann geht es weiter. Ich finde die Vorstellung, dass Du mit diesem Band enden möchtest wirklich nicht schön. Vor uns liegen doch noch so viele spannende Dinge die ungeklärt sind und die wir noch entdecken können. Beispielsweise Brens außergewöhnliche Fähigkeiten.


    Der Abschluss, als Bren sein Zeichen in Lisannes Gesicht hinterlässt, macht deutlich dass Bren und Lisanne für die Ewigkeit verbunden sind und wie sie einander brauchen. Helion hat Lisanne neuen Schwung gegeben. Nur ihr Hass auf Bren ist ihr nun geblieben. Die Szene hatte sogar etwas "Kitsch" in meinen Augen. Bren hinterlässt sein Brandzeichen auf Lisanne.
    Und auf ihre Weise scheinen die beiden einander zu benötigen und daraus entwickelt sich vielleicht so etwas was man als Liebe unter Osadroi bezeichnen kann. Genährt durch ihren Hass.
    Außerdem, und das erkennen die beiden langsam, haben sie gewisse Ähnlichkeiten.


    Ich hätte gerne noch mehr von Jitarra gelesen, vielleicht auch etwas aus ihrer Sicht?
    Ich versuche mir vorzustellen wie sie nun gemeinsam mit Bren seine unbekannten Fähigkeiten erkundet.


    Man hätte die Bücher sicher noch ausschweifender gestalten können, mir gefällt es jedoch auch so sehr gut.
    Das mit den Göttern finde ich zum Beispiel gut gemacht. Sie sind da, aber man muss an sie glauben und sie zeigen sich nur dezent. Es passt zu unserer realen Welt. Denn auch hier gibt der Glaube an einen Gott oder an Göttern vielen Menschen Kraft auch ohne dass dieser Gott / diese Götter sich machtvoll zeigen müssen.
    Ich hatte immer den Eindruck, dass die Götter vor vielen Jahrtausenden sehr aktiv in die Welt eingegriffen haben und sich dann dazu entschieden haben, die Welt den Menschen zu geben und sich selbst zurück zunehmen. Sie haben den Menschen die Freiheit gegeben selbst zu entscheiden.
    Was für mich vielleicht ein wenig zu kurz gekommen ist: Die dunkle Magie. Was ist möglich, wie wird sich gewirkt, usw. Das könnte für mich nun gerne in einem 4. Band mit Bren durch Jitarra erkundet werden! ;)


    Ich möchte eigentlich gar keine Hitliste erstellen, jeder Band für sich hat seine Berechtigung. Jedoch empfinde ich Band 2 und 3 als eine Geschichte, welche durch Band 1 eingeläutet wird. Durch Band 1 taucht man sanft in die Schattenwelt ein, dieser Band ist so gesehen Wegbereiter für die Geschichte aus den Folgebänden.


    Gut fand ich dass du dich konsequent an deine Welt gehalten hast und nicht zum Ende hin das Unmögliche (Sieg der Menschen) möglich gemacht hast. Auch der gerne am Ende gesetzte Hoffnungsschimmer bleibt aus. Die Fayé werden unter keinen Umstände etwas tun was ihrer Tochter schadet und die Menschen alleine sind so geschwächt, dass sie nicht mehr auf die Beine kommen denke ich.
    Du lässt deine erschaffen Welt tatsächlich in die Schatten fallen.


    Ich bin nur traurig, dass es vorbei ist :'(


  • Ehrlich gesagt stellt sich mir nun die Frage: Wann geht es weiter. Ich finde die Vorstellung, dass Du mit diesem Band enden möchtest wirklich nicht schön. Vor uns liegen doch noch so viele spannende Dinge die ungeklärt sind und die wir noch entdecken können. Beispielsweise Brens außergewöhnliche Fähigkeiten.


    Genau das wollte ich auch noch fragen, Bernd, ob es vielleicht doch noch Hoffnung gibt, daß wir irgendwann über das weitere Schicksal von Lisanne und Bren etwas erfahren werden?


  • Genau das wollte ich auch noch fragen, Bernd, ob es vielleicht doch noch Hoffnung gibt, daß wir irgendwann über das weitere Schicksal von Lisanne und Bren etwas erfahren werden?


    Ich sehe Die Schattenherren als abgeschlossene Geschichte. Für mich wird die Trilogie weniger durch die Handlung als durch die Motive zusammengehalten, und die sind aus meiner Sicht umfassend behandelt worden. Deswegen habe ich keine Pläne für eine Fortführung der Erzählung um Bren und Lisanne.
    Vielleicht werde ich das in ein paar Jahren anders sehen - aber nur, wenn ich ein Kribbeln in den Fingern verspüre und mir denke: "Mensch, darin steckt eine besondere Geschichte!" - so, wie es mir auch erging, als ich die Trilogie konzipiert habe.

  • :'(


    Ich würde mich ja gerne wie ein kleines Kind auf den Boden werfen und sagen "ich will aber" :D Leider wird das nichts bringen.
    Auf diese Weise kann man sich immerhin selbst ausmalen wie es weiter geht.
    Und wir können uns immerhin auf Schattenkult freuen. Dies spielt doch in der selben Welt oder?
    Gibt es dazu denn nun auch schon einen passenden Thread?


  • Ich hatte nicht gedacht, daß die Osadroi weinen können.


    Blättere vielleicht noch einmal in Feind und schau Dir den letzten Satz des Buchs an ... ;)



    ich hätte mir gewünscht, daß die Götter noch mehr in Erscheinung treten und wirken.



    Ich hätte gerne noch mehr von Jitarra gelesen, vielleicht auch etwas aus ihrer Sicht?
    ...
    Was für mich vielleicht ein wenig zu kurz gekommen ist: Die dunkle Magie. Was ist möglich, wie wird sich gewirkt, usw.


    Hier kann ich einen Werbeblock für Schattenkult einschieben. Wie der Titel vermuten lässt, thematisiert der Roman die theologischen Aspekte meiner Fantasywelt. Primär geht es um die Finsternis, aber auch die Götter und ihre Anhänger spielen eine wesentliche Rolle. Und Magie und Finsternis sind ab einem bestimmten Punkt ein und dasselbe ...



    Und auf ihre Weise scheinen die beiden einander zu benötigen und daraus entwickelt sich vielleicht so etwas was man als Liebe unter Osadroi bezeichnen kann. Genährt durch ihren Hass.


    Liebe genährt durch Hass ... Wow ... Die finstere Logik meiner Leserinnen übertrifft mittlerweile meine eigene! :D



    Jedoch empfinde ich Band 2 und 3 als eine Geschichte, welche durch Band 1 eingeläutet wird.


    Da ist einiges dran. In meinem ersten Konzept passte Die Schattenherren in ein Buch und erzählte im Wesentlichen die Geschichte, die wir jetzt in Knecht und Herr haben. Mein Literaturagent meinte aber, das Material könne so nicht angemessen erzählt werden und ich solle über eine Trilogie nachdenken. Nach anfänglicher Skepsis gefiel mir das gut. Die ursprüngliche Geschichte wurde zu Band 2 und 3, und der Silberkrieg, der ursprünglich zur Vorgeschichte gehörte, bekam ein eigenständiges Buch.


    Ich greife einen Beitrag aus einem früheren Leseabschnitt auf:


    Wobei ich mir aber vorstellen kann, dass er, wenn er sie jetzt nicht gleich getötet hätte, sie irgendwann vergessen hätte, bzw. ihn ihr Schicksal kalt gelassen hätte.


    Jetzt, wo Ihr das Ende kennt und Lisannes Erläuterungen dazu gehört habt, was ihr Helion bedeutete und wie sie ihre Gefühle gegenüber Bren sieht - wie schätzt Ihr diese These ein?

  • Ja, das Ende ist logisch und typisch Bernd. Wie in Sanguis B spielst Du wiedermal mit dem Leser und läßt so einen kleinen Funken Hoffnung in die Schwärze fallen, denn das Kind der Faye lebt.
    Auch wenn wir alle wissen, dass diese Tatsache nicht mehr ins Gewicht fällt. Die Schattenherren haben gesiegt und nun stehen sich Bren und Lisanne gegenüber. Wie Lisanne ihr Gefühl für Helion beschreibt, zeigt nur wie leer das Leben der Osadroi ist (ich denke immer an das Lied des Vampirfürsten aus dem Tanz der Vampire).
    Wenn Helion erwacht wäre, wäre er dann noch so interessant geblieben? Eigentlich hat Bren ihr einen Gefallen getan, denn sie wird etwas fühlen und vielleicht lange und es ist eine Erinnerung, die noch nicht einmal die ihre ist, aber sich eben nicht mehr verändern wird. Bei Bren habe ich nicht das Gefühl einer ebenso starken Empfindung. Er hat die Leere noch nicht so gespürt. Mit der Brandmarkung Lisannes hat er aber dafür gesorgt, dass sie zumindest beide nicht völlig vergessen. Inwiefern sie sich an das Gefühl erinnern werden? Wer weiß. Schpn das Mitleid mit den Kindern war nur noch eine Erinnerung und ich denke seine guten Vorsätze werden auch nicht lange halten.
    Können nicht lange halten. Er würde wie Velon als schwach gelten.


    Gewundert hat mich die Handlungsweise des Schattenkönigs. War Velon doch nicht so wichtig? Hat e wirklich nichts von den Machenschaften Lisannes gewußt? Oder ist er nur ein guter Stratege. Durch seine Befehle scheint er das eindeutig zu sein, wenn er Bren und Lisanne immer zusammen Aufträge gibt. Die beiden halten sich gegenseitig in Schach.


    Übrigens gefällt mir die Idee mit der Liebe aus Hass geboren ganz gut. Es gibt ja so was wie eine Hassliebe.
    Die beiden passen jedenfalls gut zusammen und ein Kind haben sie auch schon ;D


  • Wie Lisanne ihr Gefühl für Helion beschreibt, zeigt nur wie leer das Leben der Osadroi ist


    Schön, dass das rüberkommt. :) Aus einer gewissen Perspektive sind die Osadroi tragische Gestalten - wobei die Frage ist, ob sie nicht genau das verdient haben.



    Schpn das Mitleid mit den Kindern war nur noch eine Erinnerung und ich denke seine guten Vorsätze werden auch nicht lange halten.
    Können nicht lange halten. Er würde wie Velon als schwach gelten.


    Ich denke auch, dass er es sehr schwer haben wird, diese Regung zu bewahren und danach zu handeln. Andererseits hat Bren bislang sowohl entschlossen als auch pragmatisch agiert. So wie Widaja "der Tod der Unsterblichen" ist und Lisanne "die Schöne", wird Bren vielleicht "der Milde" - natürlich nach den Maßstäben der Osadroi.



    Gewundert hat mich die Handlungsweise des Schattenkönigs. ... Oder ist er nur ein guter Stratege. Durch seine Befehle scheint er das eindeutig zu sein, wenn er Bren und Lisanne immer zusammen Aufträge gibt. Die beiden halten sich gegenseitig in Schach.


    Eine kluge Eigenschaft der Schattenkönige: Sie herrschen durch ihre Untergebenen. Sowohl nach außen - die Stärke der Schattenherzöge etc. etabliert das Imperium - als auch nach innen - solange die Fürsten untereinander rivalisieren, tun sie sich nicht zusammen, um die Herrschaft der Schattenkönige infrage zu stellen.



    Die beiden passen jedenfalls gut zusammen und ein Kind haben sie auch schon ;D


    :totlach:

  • Hallo zusammen,


    das Ende hat mir auch gut gefallen, auch wenn ich wie odenwaldcollies mit einer anderen Entwicklung gerechnet habe. Ich hatte ja auch den Gedanken, Lisanne könnte noch Pläne verfolgen und das Ende für sich gestalten. Aber andererseits ist es so konsequent und richtig, wie es geendet hat, denn die Schattenkönige sind die, die "das Leben" bzw. die Herzen in der Hand haben und irgendein wundersamer Aufstand einer einzelnen Osadra, der die Schattenkönige und ihre Welt in den Abgrund stürzen würde, wäre ja fast märchenhaft gewesen. ;D


    Nein, ich finde das Ende insgesamt sehr konsequent: es bleibt wie es ist. Die Schatten herrschen weiter, die Fayé bleiben wo sie sind und das Schicksal der Menschen bleibt finster. In anderen Geschichten würden vielleicht kleine Hoffnungsschimmer zur Wende führen, das Gute siegen und die Bösen ihre Strafe bekommen oder zumindest geschwächt werden. Hier nicht, denn die Welt ist wie sie ist und da gibt es keine Wunder, sondern nur finstere Realität. Punkt.


    Im ersten Moment überraschend, weil so lange und intensiv, war das Gespräch zwischen Bren und Lisanne. Die beiden Gegner haben hier ja ein richtig gutes "Abschlussgespräch" geführt und auch mir kam der Gedanke, dass die beiden ein nettes Pärchen abgeben, sozusagen eine verschärfte Form von "was sich liebt, das neckt sich". ;D Ich hatte es tatsächlich auch so empfunden, dass der tiefe Hass hier mit der Zeit vergleichbar wird mit einer besonderen Art von Liebe. Die Schatten können ja keine positiven Gefühle ausleben in ihrer Finsternis. Um also eine Paar-Beziehung eingehen zu können, bleibt ihnen als vergleichbare Alternative zur menschlichen Liebe der gefühlsintensive Hass. Und ja, beim Erwähnen des Kindes, um das ausgerechnet die beiden sich kümmern sollen, hatte ich den gleichen Gedanken wie Rhea: ein Kind haben sie also auch schon. :D



    Ich greife einen Beitrag aus einem früheren Leseabschnitt auf:


    Jetzt, wo Ihr das Ende kennt und Lisannes Erläuterungen dazu gehört habt, was ihr Helion bedeutete und wie sie ihre Gefühle gegenüber Bren sieht - wie schätzt Ihr diese These ein?


    Ich habe nun am Ende eher den Eindruck, dass Bren sie sich ganz bewusst im Gedächtnis behalten wird, so wie Lisanne Helion. Denn es ist für Bren in Zukunft sicher das einzige, was seine immer stärker werdende Leere etwas füllen wird. Er wird sich das Bild von Kiretta vielleicht ganz bewusst in sich verankern, um wenigstens eine Sache zu haben, die er mit sich herumtragen kann und ihm in den nächsten Jahrhunderten als fester Bestandteil seines Lebens begleiten soll, um sich nicht ganz in der Leere zu verlieren. Und zusätzlich wird es seine besondere "Beziehung" zu Lisanne aufrecht erhalten und ihn nicht unvorsichtig werden lassen. Im Prinzip wird das Bild von Kiretta ihn "lebendig" halten, aber eher vom Verstand her, glaube ich. Würde er sich Kiretta und die Erinnerungen an sie nicht bewusst bewahren wollen, so glaube ich schon, dass er mit der Zeit aufhören würde, an sie zu denken.



    Wenn Ihr hier angekommen seid, ist nicht nur das Ende des Buchs, sondern auch die letzte Seite der Trilogie erreicht. Deswegen fände ich es schön, wenn Ihr nicht nur zu dem Buch selbst, sondern auch zur Trilogie selbst einen Gesamteindruck schildern könntet. Was ist Euch zu kurz gekommen - und wo hatte die Geschichte ihre starken Momente?


    Zu kurz gekommen sind mir ein bisschen Widaja und Gadior. Ich habe darauf gewartet, dass die beiden noch mehr in Erscheinung treten. Gadior ist dies zwar kurz, aber es ging dann nicht weiter. Und gerade auf Widaja wurde ich im zweiten Buch doch sehr neugierig und hätte gerne mehr von ihr erfahren, doch man hat immer nur in Nebensätzen von ihr gelesen. Das fand ich etwas schade.


    Besonders stark fand ich immer wieder die Momente, in denen die Schatten ihre Finsternis konsequent demonstrierten. Nicht, weil ich ihr Verhalten toll finde, sondern weil sie dabei immer wieder zeigten, wer sie sind, egal wie sehr ich als Leser vielleicht immer wieder hoffte, sie könnten gnädig sein, oder überrumpelt werden oder besiegt werden oder einfach mal eine milde Minute haben. Solche Regungen und Hoffnungen werden ja immer mal wieder in Büchern erfüllt, weil ein Bösewicht vielleicht mal dem Guten zuhört und ein Einsehen hat, eine plötzlich Anwandlung von Gnade und Mitleid auslebt oder einfach ein Loch in der Rüstung hat. Aber hier nicht!!! In anderen Geschichten hätte Kiretta bestimmt genug Überzeugungskraft gehabt und Lisanna zu einem Bündnis überreden können, aber hier eben nicht! Kiretta, im Baum verwachsen, hat jede Hoffnung darauf zunichte gemacht und mich Leser mal wieder in die Schranken gewiesen. Und derart gab es einige starke Momente, stark in ihrer Gnadenlosigkeit.


    Die Trilogie insgesamt hat mir sehr gut gefallen. Das erste Buch wirkt insgesamt gesehen tatsächlich wie eine Einführung , um die Welt kennenzulernen. Buch 2 und 3 waren dann eine Geschichte, die in die Tiefe ging. Es hat mir dabei sehr gut gefallen, die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven zu erfahren, vor allem, weil ich dabei selbst unterschiedliche Positionen eingenommen habe und erschreckenderweise sogar zwischenzeitlich mal Sympathien oder zumindest Faszination für den ein oder anderen Schatten entwickeln konnte.

  • Zu kurz gekommen sind mir ein bisschen Widaja und Gadior. Ich habe darauf gewartet, dass die beiden noch mehr in Erscheinung treten. Gadior ist dies zwar kurz, aber es ging dann nicht weiter. Und gerade auf Widaja wurde ich im zweiten Buch doch sehr neugierig und hätte gerne mehr von ihr erfahren, doch man hat immer nur in Nebensätzen von ihr gelesen. Das fand ich etwas schade.


    Besonders stark fand ich immer wieder die Momente, in denen die Schatten ihre Finsternis konsequent demonstrierten. Nicht, weil ich ihr Verhalten toll finde, sondern weil sie dabei immer wieder zeigten, wer sie sind, egal wie sehr ich als Leser vielleicht immer wieder hoffte, sie könnten gnädig sein, oder überrumpelt werden oder besiegt werden oder einfach mal eine milde Minute haben. Solche Regungen und Hoffnungen werden ja immer mal wieder in Büchern erfüllt, weil ein Bösewicht vielleicht mal dem Guten zuhört und ein Einsehen hat, eine plötzlich Anwandlung von Gnade und Mitleid auslebt oder einfach ein Loch in der Rüstung hat. Aber hier nicht!!! In anderen Geschichten hätte Kiretta bestimmt genug Überzeugungskraft gehabt und Lisanna zu einem Bündnis überreden können, aber hier eben nicht! Kiretta, im Baum verwachsen, hat jede Hoffnung darauf zunichte gemacht und mich Leser mal wieder in die Schranken gewiesen. Und derart gab es einige starke Momente, stark in ihrer Gnadenlosigkeit.


    Die Trilogie insgesamt hat mir sehr gut gefallen. Das erste Buch wirkt insgesamt gesehen tatsächlich wie eine Einführung , um die Welt kennenzulernen. Buch 2 und 3 waren dann eine Geschichte, die in die Tiefe ging. Es hat mir dabei sehr gut gefallen, die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven zu erfahren, vor allem, weil ich dabei selbst unterschiedliche Positionen eingenommen habe und erschreckenderweise sogar zwischenzeitlich mal Sympathien oder zumindest Faszination für den ein oder anderen Schatten entwickeln konnte.


    Da kann ich mich voll und ganz anschließen!!!


  • Ich sehe Die Schattenherren als abgeschlossene Geschichte. Für mich wird die Trilogie weniger durch die Handlung als durch die Motive zusammengehalten, und die sind aus meiner Sicht umfassend behandelt worden. Deswegen habe ich keine Pläne für eine Fortführung der Erzählung um Bren und Lisanne.
    Vielleicht werde ich das in ein paar Jahren anders sehen - aber nur, wenn ich ein Kribbeln in den Fingern verspüre und mir denke: "Mensch, darin steckt eine besondere Geschichte!" - so, wie es mir auch erging, als ich die Trilogie konzipiert habe.


    Aaaaaaalso - es gibt sehr wohl noch einen guten Grund für eine Fortsetzung, da noch eine Perspektive fehlt. Du hast uns mit der Trilogie die Blickwinkel der unter den Osadroi leidenden Menschen, die Anhänger der Schatten und schließlich die Schatten selbst geliefert. Was noch fehlt sind die Fayé. Ihren Blickwinkel haben wir noch nicht abgearbeitet, es muss also noch ein Buch her. :belehren:;)