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    Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de: Denkt daran, dass die Rezensionen für die Verlage die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.


    Wir freuen uns natürlich, wenn der Autor ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.


    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

  • Inhalt:
    Berlin befindet sich im Ausnahmezustand: in Kürze wird in der Hauptstadt der Umweltgipfel tagen, um sich mit den Auswirkungen des Klimawandels zu beschäftigen. Die Stadt hat alle Hände zu tun, die Sicherheit während des Gipfels zu gewährleisten. Ausgerechnet jetzt findet die Polizei in der Berliner U-Bahnstation Potsdamer Platz die Leichen einer Prostituierten und ihres Zuhälters, die Leiche des Mannes weist Verletzungen durch brutale Schläge auf. Kommissar Paul Kalkbrenner geht von einem Mord innerhalb des Rotlichtmilieus aus, als eine weitere Leiche gefunden wird, ebenfalls erschlagen. War der Tote ein Zeuge der ersten Tat oder treibt ein Serienmörder sein Unwesen in Berlin?
    Der junge Leif, der aufgrund von Drogenbesitz zu 60 Sozialstunden bei der Sozialstation für Obdachlose verurteilt wird, kommt durch seine Arbeit in den Tunnel und Bunker unter der Stadt dem Mörder sehr nahe.


    Meine Meinung:
    „Wut“ ist der erste Band um den Berliner Kriminalkommissar Paul Kalbrenner, wobei er auch in anderen Bücher des Autors Gastauftritte hat.


    Wie gewohnt, gestaltet der Autor den Einstieg wieder sehr spannend, so daß ich bereits nach dem Prolog das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die sich permanent abwechseln und damit die Spannung durchgehend aufrechterhalten, außerdem ist die Handlung nicht vorhersehbar. Obwohl es einige Hinweise gibt, bin ich auf die Auflösung nicht gekommen. Der Leser erfährt zwar ungewöhnlich früh, wer hinter den Taten steht, aber das Motiv bleibt sehr lange im Dunkeln, daher hat mich das Ende des Buches überrascht und schockiert; es hat mich noch Tage nach der Lektüre beschäftigt.


    Die Personen sind ebenfalls sehr gut gelungen und detailliert beschrieben mit ihren Stärken und Schwächen. Paul Kalkbrenner ist ein Workaholic, der es besser mit den Toten als mit den Lebenden kann. Seine Ehe steht kurz vor der Scheidung und auch in der Beziehung zu seiner Tochter, die Kunst studiert, steht es nicht zum Besten. Mit seiner Frau verbindet ihn Sprachlosigkeit und Vorwürfe wegen seiner Arbeit, über die er seine Familie vernachlässigt, seine Tochter Jessy ist von ihm enttäuscht, weil er unzuverlässig ist. Außerdem macht ihm seine demenzkranke Mutter Sorgen, die immer wieder aus dem Altenheim wegläuft.
    Jessy ist von ihren Eltern genervt und will so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen.


    Aber auch bei der Ermittlungsarbeit werden ihm Steine in den Weg gelegt: sein Chef verweigert ihm die nötige Hilfe zur Aufklärung der Morde, weil alle Kapazitäten für die Sicherheit bei dem Umweltgipfel abgezogen werden. Wenigstens auf seine Kollegen in der eigenen Abteilung kann er sich verlassen.


    Der junge Leif ist ein Jugendlicher, der sich bisher vom Leben hat treiben lassen: Partys mit den Freunden, Cocktails, bunte Pillen und seine Freundin Alina waren bisher sein einziger Lebensinhalt. Umso mehr ist er geschockt, als er aufgrund seiner Strafe in den Untergrund von Berlin gehen muß, um dort bei der medizinischen Versorgung der Obdachlosen zu helfen. Es ekelt ihn vor dem Dreck, der Armut und der Hoffnungslosigkeit, der er sich dort unten gegenübersieht. Das erste Mal wird ihm bewußt, daß das Leben auch anders aussehen kann.
    Leif und Kalkbrenners Tochter Jessy kennen sich übrigens aus der Schule, können sich aber nicht leiden.


    Der Kontrast zwischen dem Leben über der Erde und dem Leben in den Tunnel und Bunker ist dem Autor sehr gut gelungen, es ist jedes Mal wie der Eintritt in eine andere Welt.


    Spannend finde ich auch das Bonusmaterial des eBook, das von der Geschichte der Tunnel und Bunker unter Berlin handelt.


    Da mir der Thriller wieder sehr gut gefallen hat, bin ich nun gespannt auf die folgenden Fälle von Paul Kalkbrenner.


    Zur Leserunde:
    Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht, mit euch allen im Dunkeln (im wahrsten Sinne des Wortes) zu tappen. Gerade wenn man überhaupt keinen Plan hat, ist das Spekulieren besonders spannend. Lieber Marcel, dir ein herzliches Dankeschön für deine tolle Unterstützung dieser Runde und ich freue mich, wenn wir uns im Juni zu Kalkbrenners zweiten Fall hier wieder lesen :winken:


    Meine Rezension erscheint bei:
    Amazon
    Großes Literaturschock-Bücherforum
    Literaturschock.de
    LovelyBooks


  • Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht, mit euch allen im Dunkeln (im wahrsten Sinne des Wortes) zu tappen. Gerade wenn man überhaupt keinen Plan hat, ist das Spekulieren besonders spannend. Lieber Marcel, dir ein herzliches Dankeschön für deine tolle Unterstützung dieser Runde und ich freue mich, wenn wir uns im Juni zu Kalkbrenners zweiten Fall hier wieder lesen :winken:


    Die Freude lag ganz auf meiner Seite. Danke für diese wunderbare Rezension. ;D

  • Nach kurzem Sammeln nun auch meine Rezi :)


    http://taechl.blogspot.de/2014…wut-von-martin-krist.html
    sowie Amazon, Goodreads und Lovelybooks


    Inhalt:
    Für Kommissar Paul Kalkbrenner geht so gut wie nichts nach Plan, sein Job verhindert wieder einmal, dass er sich mit seiner Tochter Jessy treffen kann, die genau wie seine Noch-Ehefrau daraufhin die Beziehungseiszeit ausrufen. Ihm ist keine ruhige Minute vergönnt, nachdem in einer U-Bahn-Station die Leichen einer Prostituierten und ihres Zuhälters gefunden werden. Dabei steht gerade ein wichtiger Umweltgipfel in Berlin bevor und es herrscht oberste Sicherheitsstufe. Als dann auch noch ein toter Bauarbeiter entdeckt wird, beginnen die Spuren in den Berliner Untergrund zu weisen, eine Welt in der sich vor allem die Obdachlosen zu Hause fühlen.


    Setting und Stil:
    Martin Krist ist Berliner und das merkt man den hervorragend beschriebenen Handlungsorten an. Dazu kommt noch seine Recherche über den Berliner Untergrund und die Infos der Berliner Untergrund e.V., die auch in einem speziellen Artikel am Ende des Buchs vorgestellt werden. Der Thriller verströmt den Duft der Großstadt und es fällt leicht, sich in und unter die Straßen Berlins zu versetzen.
    Relativ kurze Kapitel, die zwischen den Hauptcharakteren hin- und herspringen sorgen für rasante Geschwindigkeit und andauernde Spannung. Einige Szenen erlebt man aus verschiedenen Sichtweisen und es gibt kaum Ruhepausen, so dass es eher schwer fällt, den Thriller aus der Hand zu legen, da man ja eben schnell noch das nächste Kapitel lesen kann.


    Charaktere:
    Paul Kalkbrenner ist ein Kommissar, auf den es von allen Seiten einstürmt, Vorgesetzte, Familie, Kollegen, Presse, alle wollen etwas von ihm, wobei er dies allen nicht unter einen Hut bringen kann. Ihm steht ein ziemlich holpriger Weg bevor, dem man gerne folgt.
    Eine weitere wichtige Figur ist Leif, der ziemlich tief in den Fall hineingezogen wird. Noch jemand, der ziemlich einstecken muss.
    Neben den Herren der Schöpfung gibt es natürlich auf noch die weibliche Seite in Form seiner Tochter Jenny, seiner Frau und seiner Sekretärin. Mit der letzten kommt er gut zurecht, mit dem Rest ist es eher schwierig bestellt.
    Es deutet sich schon an, dass in Kalkbrenner und seinem Umfeld einige Klischees verarbeitet wurden. Nicht wirklich neue Ideen, die trotzdem gut umgesetzt und vermischt wurden und unterhaltsamen Lesestoff ergeben.


    Geschichte:
    Die Geschichte gibt uns einen interessanten Einblick in die Berliner Unterwelt. Eine interessante Handlung bringt viele mögliche Spuren logisch zusammen und man kommt nicht um den einen oder anderen Aha-Effekt drum herum. Die Reaktionen der Charaktere sind nachvollziehbar und der oder die Täter schön geheimnisvoll. Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und sich weiter mit der Handlung befassen einlädt.


    Fazit:
    Einen in Deutschland spielenden Thriller zu schreiben, ist gar nicht so einfach, die die deutsche Polizeiarbeit nicht wirklich für Thrillerstoff taugt. Umso erfreuter war ich, dass mich dieses Buch fesseln und mitreißen konnte. Es hat Spaß gemacht, sich in die mögliche Parallelwelt unterhalb der Berliner Straßen entführen zu lassen und dort in den engen, unbeleuchteten Gängen zu ermitteln. Es ist also der Beginn einer Reihe, die ich Thrillerfans empfehlen kann, die Action lieben, Klischees akzeptieren und den Thrill auf deutschen Straßen faszinierend finden.


    ------------------
    Ich freue mich schon auf den nächsten Kalkbrenner und bin auf jeden Fall mit dabei, gut gemachte Thriller sind bei uns ja nicht so verbreitet.
    Das Spekulieren fand ich auch interessant und Martins aufmerksames Verfolgen unserer Beiträge ebenso. Eine sehr schöne Runde, die ja noch ein bisschen weitergeht.


  • Ich freue mich schon auf den nächsten Kalkbrenner und bin auf jeden Fall mit dabei, gut gemachte Thriller sind bei uns ja nicht so verbreitet.
    Das Spekulieren fand ich auch interessant und Martins aufmerksames Verfolgen unserer Beiträge ebenso. Eine sehr schöne Runde, die ja noch ein bisschen weitergeht.


    Vielen Dank, die Freude lag ganz auf meiner Seite. :)

  • Zum Inhalt:


    Während eines Umweltgipfels in Berlin finden im Untergrund grausame Morde statt. Anfangs schaut es nach
    Mord innerhalb des Rotlichmilieus aus, doch nach und nach entpuppt sich die grausame Wahrheit.
    Zeugen sterben, ein anderer wird es Mordes bezichtigt und die Wahrheit findet sich im Untergrund, der
    eine Welt für die Ausgestoßenen bildet.


    Zum Buch:


    Die kurzen Wechsel und die damit verbundenen Perspektivwechsel haben mir sehr gut gefallen, dadurch wurde es nicht
    langatmig und wir konnten die Handlung aus mehreren Blickwinkeln betrachten.


    Die Charaktere sind gut getroffen, vor allem, da sie auch ihre privaten Probleme haben, also nicht nur strahlende Helden sind,
    allen voran der Ermittler Kalkbrenner, dem seine Familie abhanden, bedingt durch seinen Arbeitseifer, kommt und hinzu kommt noch
    dass er von vielen Seiten Prügel bezieht und sogar von dem Fall abgezogen wird.


    Dass die Geschichte zum Teil in die Untwerwelt Berlins verlegt wurde, trug auch zur Spannung bei. Auch die wahren Hintergründe für die
    Morde lagen lange im Dunklen, zwar zeichneten sich diese etwas zeitig ab aber bis dahin gab es mehrere Ansätze für Spekulationen. Denn
    nach einem gelungenen und spannenden Prolog wurde der Leser geschickt auf eine falsche Fährte geschickt, die sich erst spät als falsch
    erkenntlich zeigte.


    Das Leben in den U-Bahn-Schächten und -Bahnhöfen wurde sehr interessant dargestellt, ob es sich nun so abspielt oder überhaupt, ist ja erstmal
    zweitrangig, aber zumindest wurde hier gut auf Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam gemacht.


    Zur Leserunde:
    Es hat mir wieder viel Spaß gemacht mit euch und dem Autor dem Ende entgegenzufiebern und ich freue mich schon auf den zweiten Fall
    von Paul Kalkbrenner.


    Meine Rezesion gestreut bei:
    - Literaturschock
    - Literaturschock - Großes Bücherforum
    - Lovelybooks
    - Buechereule.de
    - Amazon

  • Meine Meinung


    zum Buch:


    "Wut" war mein 2. Buch von Martin Krist und wie vorher schon "Die Mädchenwiese" konnte mich auch dieser Krimi von Anfang an fesseln.


    Die Protagonisten in diesem Buch waren alle sehr gut ausgearbeitet. Alle sehr verschieden und unverwechselbar.


    Paul Kalkbrenner ein Kommissar der anderen Art.Die Arbeit bei der Polizei steht bei ihm an erster Stelle und ist eigentlich ständig im Vordergrund. Privat bringt er nichts auf die Reihe, seine Ehe zerbricht und auch die Beziehung zu seiner Tochter leidet unter seiner Arbeit.


    Leif ein Student, der aus eigener Dummheit ins Visier der Justiz gerät und später in den Focus eines Mörders.


    Odachlose die in der Berliner Unterwelt und dort ebenfalls einer Hierarchie ähnlich in der "normalen" Gesellschaft leben.


    Die Geschichte fing gleich spannend an, grausame Morde an einer Prostituierten und ihrem Zuhälter, die gleich an Verstrickungen im Rotlichtmilieu denken ließen. Dazu eine Gruppe maskierter Männer, die viel Geld dafür zahlten um sich vorher mit dieser jungen Frau brutal zu vergnügen. Dazu immer wieder Hinweise auf den Umweltgipfel und schon "wusste" ich das es sich nur um Politiker, um Attentate auf diese etc. handeln würde. Doch weit gefehlt, der Autor hat mich hier lange hinters Licht geführt und die Story immer weiter spannend voran getrieben, dass es lange gedauert hat bis ich das ganze durchschaut hatte. Kurze Kapitel und ständige Perspektivwechsel habe die Spannung bis zum Schluss hochgehalten.


    Sehr interessant war Berlin mal von einer anderen Sicht kennen zu lernen. Die Geschichte spielt viel im Berliner Untergrund, in alten U-Bahnschächten, im Labyrinth alter Tunnel und Abwasserkanäle etc.. Hier sind die Obdachlosen untergebracht, die von einer Sozialstation versorgt werden, ansonsten aber kaum im Bewusstsein der Menschen "oben" existieren.


    Noch mal großes Lob an Martin Krist, der nicht nur einen spannenden Krimi geschrieben hat, sondern auch auf Missstände der menschlichen Gesellschaft hinweist ohne den erhobenen Zeigefinger. Missstände nicht der der Obdachlosen gegenüber, sondern auch in Menschen gegenüber die ihnen helfen wollen und das durch die Bürokratie oft nicht genügend können.


    Zur Leserunde:


    Vielen Dank an Martin für die vielen Erklärungen und das Begleiten in dieser Leserunde. Jetzt freue ich mich noch mehr ihn im Mai in einer Wohnzimmerlesung treffen zu können :) und natürlich auch auf die weiteren Leserunden hier.
    Es war wieder schön mit euch allen zusammen lesen zu können und eure Kommentare und Spekulationen zu verfolgen. Bis demnächst :winken:

  • So, hier kommt auch noch mein Fazit, das ich wie immer auch bei Literaturschock, Amazon und Lovelybooks verteile:


    Zum Buch


    Inhalt
    Im sommerheißen Berlin herrscht gerade wegen des bevorstehenden Umweltgipfels hohe Sicherheitsstufe als in einer U-Bahnstation ein grausamer Mord an einer Prostituierten und ihrem Zuhälter gemeldet wird. Kommissar Kalkbrenner findet daher schon wieder keine Zeit, sich endlich mit seiner Tochter zu treffen, was die dicke Luft zwischen ihnen nur noch verschlimmert. Dabei wäre eine richtige Aussprache mehr als fällig. Kurz darauf wird, ebenfalls in einem Tunnel, eine weitere Leiche gefunden, diesmal ein Bauarbeiter. Der Druck auf die Ermittler wächst, als ein dritter Mord geschieht, denn in der momentan sowieso schon etwas aufgeheizten Stimmung in der Stadt kann man einen Serienmörder schlecht gebrauchen.


    Gleichzeitig wir der Student Leif wegen Drogenbesitzes zu einer Strafe von 60 Sozialstunden verdonnert, die den Partygänger in die Tiefen der Stadt führt, wo er einen Mitarbeiter der Obdachlosenhilfe unterstützt, die dort unten lebendenden Obdachlosen medizinisch zu versorgen. Erschüttert über den Zustand der oft kranken Menschen, die in Tunneln und Schächten vor sich hin dämmern, wird sein bisheriges Leben noch mehr auf den Kopf gestellt, als er Zeuge eines grausamen Mordes wird. Was ist los im Untergrund von Berlin?


    Meine Meinung
    Dieses Buch ist der erste Teil einer Thriller-Reihe mit Kommissar Kalkbrenner, einem sehr engagierten Ermittler, der sich für die Aufklärung seiner Fälle auch gerne mal mit Vorgesetzten anlegt. Man spürt sehr gut, wie wichtig ihm seine Arbeit ist, aber auch wie sehr er dadurch unter Druck gerät und er seine Familie vernachlässigt. Mit seiner Frau lebt er nicht umsonst gerade in Scheidung und seine Tochter erwartet nichts Gutes mehr von ihm, so oft wie er sie schon versetzt hat. Seine etwas ruppige Art machte es anfangs nicht so leicht, ihn zu mögen, aber mit der Zeit gefiel er mir sehr gut. Und da die mütterliche Sekretärin seines Teams schon immer zu ihm hält, kann er schließlich so schlecht nicht sein. ;)


    Die Charaktere sind insgesamt sehr lebendig beschrieben. Kalkbrenners junger Assistent wirkte gegen Kalkbrenner sehr frisch und sympathisch und sorgte innerhalb des recht düsteren Szenarios für ein paar humorvolle Einschübe. Mit Kalkbrenners Tochter konnte ich sehr gut mitfühlen, während sie versucht, ein eigenständiges Leben aufzubauen. Und auch mit Leif, der durch seine Arbeit mit den Obdachlosen zum ersten Mal die Welt aus einer anderen Perspektive kennenlernt.


    Die Handlung ist durchweg äußerst spannend, was noch durch die kurzen Kapitel und die damit verbundenen häufigen Perspektivwechsel verstärkt wird. Besonders interessant fand ich dabei die Szenen, die sich aus dem Blickwinkel einer anderen Person noch einmal wiederholten. Dieses Stilmittel mag ich besonders gerne.


    Besonders viel Spannung wurde auch durch das Umfeld erzeugt, in dem der Thriller spielt. Berlin ist sowieso schon eine spannende Stadt, die sich hier durch den Umweltgipfel zudem noch in einer besonders angespannten Lage befand, was Kalkbrenner nicht nur mit der Tat, sondern auch mit intriganten Chefs und aufdringlichen Reportern kämpfen lässt. Überraschend war für mich aber, wie sehr die Stadt Berlin untertunnelt ist. Eine riesige Unterwelt aus Tunneln und Bunkern findet sich dort. Wer Interesse hat, kann sogar Führungen buchen, die der Verein Berliner Unterwelt e. V. anbietet (im Nachwort des Buches gibt es interessante Informationen, auch die Homepage dazu ist sehr spannend).


    In diese vorhandene Unterwelt hat der Autor für seinen Thriller nun ein Szenario gesetzt, das die Obdachlosen der Stadt beherbergt. Dies wirkt so real und vorstellbar, dass allein schon dies erschreckend ist, vor allem, da Tunnelmenschen ja in einigen Städten auch vorkommen, warum also nicht auch in Berlin. Die Intensität der beschriebenen Bilder, wenn Leif dort unten hilft, die Menschen zu versorgen, ist dabei schrecklich und traurig zugleich. Und ist Kalkbrenner in den dunklen Gängen unterwegs läuft es einem gerne mal kalt den Rücken hinunter, besonders wenn man keine gute Orientierung hat.


    Mir hat der Thriller sehr gut gefallen. Er bot mir sehr viel Spannung, viele Puzzleteile zum Rätseln, interessante Charaktere und gab aufgrund der dargestellten Schicksale der Obdachlosen auch viel Raum zum Nachdenken. Ich freue mich auf den nächsten Fall!



    Zur Leserunde


    Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, gemeinsam mit euch zu rätseln. Ganz vielen Dank an Dich, Marcel, dass du uns so nett begleitet und mit Informationen versorgt hast. Ich bin froh, endlich mal eins deiner Bücher gelesen zu haben und freue mich dass ich nun noch ein paar vor mir habe. :) Bis zur nächsten Leserunde :winken:

  • Zum Buch


    Sommer in Berlin. Ein Umweltgipfel steht an und die Stadt steht Kopf, Politik und Polizei sind höchst angespannt. Kommissar Paul Kalkbrenner hat noch dazu seine ganz eigenen Probleme. Das Verhältnis zu seiner Tochter Jessy und seiner Noch-Ehefrau Ellen ist äußerst angespannt, da Kalkbrenner immer wieder Verabredungen vergisst und Vereinbarungen nicht einhält. Sein Beruf geht ihm über alles andere, für Privatleben ist keine Zeit.


    Als in einer U-Bahn-Station zwei Leichen gefunden werden, die sich als eine Prostituierte und deren Zuhälter entpuppen, scheint der Fall zunächst klar zu sein, Mord im Milieu. Doch bald kommt es zu weiteren Toten und die Situation spitzt sich immer weiter zu.


    Autor Martin Krist alias Marcel Feige gelingt es schon auf den ersten Seiten, den Leser zu schockieren und zu fesseln. Er beschreibt eine grausame und unheimliche Unterwelt in den Tunneln unter Berlin, die umso furchteinflößender wirkt, als man sich vorstellen kann, dass es unter manchen Großstädten tatsächlich derartige Zustände geben könnte. In Berlin nicht, wie das Nachwort klarstellt. Dennoch wirkt dies alles erschreckend realistisch.


    Kommissar Kalkbrenner ermittelt hier in seinem ersten Fall, das Buch ist bereits 2007 erschienen und nun als ebook neu aufgelegt worden. Der Ermittler wirkt auf den ersten Blick nicht unbedingt sympathisch, ein bisschen mehr Mühe könnte er sich im Umgang mit seiner Tochter schon geben. Andererseits ist sein Aufgeben in seinem Beruf, der für ihn wohl mehr Berufung ist, auch irgendwie bewundernswert. Egal welche Steine ihm von seinem Umfeld und seinen Vorgesetzten in den Weg gelegt werden, er beißt sich in seinen Ermittlungen fest und lässt sich durch nichts davon abbringen.


    Die kurzen Kapitel und schnellen Perspektivwechsel tragen zu einem hohen Tempo der Handlung bei und der Leser wird regelrecht durch das Buch gepeitscht. Am besten nimmt man sich ausreichend Zeit, bevor man damit anfängt, denn es wird schwer, es wieder aus der Hand zu legen!


    Weitere Ermittlungen führt Paul Kalkbrenner in „Gier“ und „Trieb“ durch und ich bin äußerst gespannt, mit was für Fällen er es da zu tun bekommen wird!

  • Wut -Ein Titel, der in jeder Beziehung stimmig ist.


    Dieser Krimi ist der zweite, den ich von dem Autor gelesen habe. Ich wusste also, dass er sehr sorgfältig in der Berliner Unterwelt recherchiert und mit diesem Hintergrundwissen las ich die ersten Seiten dieses Krimis. Es geht in die Katakomben Berlins, eine Welt voller Dunkelheit und Schimmel und mit Bewohnern. Menschen, die aus den U-Bahnhöfen vertrieben werden und aus den Parks, aus Bahnhofshallen und jedem Platz, an dem ihr Anblick die anderen Mitmenschen stört und die nun ihr Leben in den alten Tunneln verbringen, unter ihnen Menschen aller Altersgruppen.
    Diese Szenen waren so plastisch beschrieben, dass ich der Handlung des Buches zunächst nicht mehr folgen konnte, sondern selbst wütend wurde, in der Annahme, dass diese Zustände in Berlin wirklich existieren. Aus meinem Bekanntenkreis hatte ich schon erfahren, dass es eine Aufgabe des Sicherheitsdienstes ist , die „Penner“ aus den U-Bahnhöfen zu vertreiben. Es wäre also durchaus möglich, dass die beschriebenen Szenen realistisch sind. In einem so reichen Land wie unserem macht mich diese Vorstellung wütend. Ich kann nur hoffen, dass hier die der Autor uns nur Möglichkeiten gezeigt hat und solche Zustände nicht existieren - noch nicht und hoffentlich nie.
    Eigentlich hoffe ich, dass diese Wut jeden ergreift, der dieses Buch liest, denn dann gibt es eine größere Chance, solche Zustände zu verhindern.
    Die Handlung ist spannend und zum Teil schon sehr gruslig, wenn man die Bilder zuläßt, die der Autor beschreibt. Die Welt unter Berlin ist ein riesiges Labyrinth von Tunneln in dem man sich sehr schnell verirrt und in denen der Autor eine Gesellschaft ansiedelt, die für Außenseiter absolut gefährlich ist.
    Der ermittelnde Kommissar ist ein Charakter, den der Leser sofort annimmt. Er ist klug, läßt sich nicht viel verbieten und er hat viel Verständnis für die Probleme anderer Menschen. Umso mehr wundert mich, dass Ehefrauen von Polizisten scheinbar keinerlei Verständnis für die Arbeit ihrer Männer aufbringen. Sicher ist es schwer, wenn man sich nicht darauf verlassen kann, dass der Mann/Vater wirklich kommt, wenn er es versprochen hat, aber das kann doch in vielen Berufen passieren und ist keine Böswilligkeit. Gehört das zu den recherchierten Fakten, oder braucht der Autor einfach Kommissare, die Familienprobleme haben? Kalkbrenner, der Ermittler in diesem Krimi, ist ja nicht der Einzige, der mit seiner Arbeit und der Familie Probleme hat. Sind gute Ermittler workoholics, oder die Polizei unterbesetzt?
    Berlin ist hier wieder eine sehr traurige trübe Stadt und ich empfand das ganze Buch sehr trübe was allerdings nicht am Schreibstil liegt, sondern an dem Milieu, in dem der Krimi spielt.
    Geschrieben ist der Krimi wieder in einem Kaleidoskop schnell wechselnder Bilder. Allerdings ist die Verbindung der einzelnen Bilder in diesem Buch gut nachvollziehbar und die Geschichte ist rund.
    Ein spannender Krimi über Wut und mit viel Potenzial zur Diskussion über die Handlung hinaus.




    Vielen Dank an die Leserunde und an den Autor. Sehr froh bin ich, in der Leserunde gelesen zu haben, sonst hätte ich vermutlich nicht so schnell weiter lesen können. (Hab eh schon alle Berliner Bekannten genervt mit Fragen nach den Katakomben und etwaigen Bewohnern. )Vielen Dank für das Bonusmaterial und die vielen Erklärungen.

  • Suse

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