#08 - Kapitel 27 bis Nachwort (Seite 468 - Ende)

  • So, nachdem ich nun den Schluss und auch das Nachwort gelesen habe, verstehe ich, warum Minnies Geschichte in den letzten Kapiteln so viel Raum einnimmt und nicht die eines ihrer Geschwister. Aber da es Minnies Urenkelin (?) war, die den Anstoß für dieses Buch gab, ist das natürlich logisch.


    Die arme Minnie - ihr und ihrem Rudolph war nicht so viel Glück beschieden, wie Emilia und Carl. Weder wirtschaftlich noch gesundheitlich. Wenigstens waren ihre Eltern immer für sie da, so dass die Kinder versorgt waren.
    Dass man Carola nach Hamburg geschickt hat, ist so eine Sache, die ich gar nicht nachvollziehen kann, was hat man sich dabei nur gedacht? Wenn die Tante ein Kind ihres Bruders adoptieren wollte (was ja durchaus sinnvoll klingt bei einem Witwer mit 5 kleinen Kindern), warum hat man ihr dann nicht das Baby gebracht? Oder am besten 2 Geschwister zusammen, dann wäre die Trennung nicht ganz so hart, weil sie immer noch einander gehabt hätten. Aber ausgerechnet Carola, die Älteste, allein in ein fremdes Land zu fremden Leuten zu schicken... das klingt noch härter als es damals für Emilia war, als sie nach Hamburg zu Onkel und Tante ziehen musste. Eine schöne Geste allerdings, dass Carl sie gebracht hat und sie so wenigstens die Überfahrt noch nicht alleine durchstehen musste.


    Eine hübsche Abrundung für den Roman ist es, dass Emilas Enkelin nun den Enkel ihres damaligen Verehrers Martin Amsinck heiratet. Auch wenn nicht bekannt ist, ob Martin und Emilia sich damals kannten, vorstellbar ist es und wie gesagt, mir gefällt dieses Ende sehr.


    Emilia muss einen wunderbare und beeindruckende Frau gewesen sein. Diese riesigen, weitverzweigten Familien gibt es ja heute nicht mehr so oft, aber ich stelle mir vor, wie sie ihr Leben lang für ihre 8 Kinder und die wahrscheinlich unzähligen Enkel da war - eine schöne Vorstellung!


    Ich glaube, ich muss mir nun unbedingt die beiden genannten Bücher um Anna te Kloot besorgen, auch wenn diese Familie hier im Buch nicht so gut wegkommt, meine Neugier ist geweckt!

  • Zitat

    Die arme Minnie - ihr und ihrem Rudolph war nicht so viel Glück beschieden, wie Emilia und Carl. Weder wirtschaftlich noch gesundheitlich.


    Wenn die Ernte nicht zerstört worden wäre, wäre vermutlich alles anders gekommen. Aber so standen sie vor den Scherben ihrer Existenz. Das ist bitter.


    Ich war unsagbar traurig über den Tod von Minnie.


    Zitat

    Wenigstens waren ihre Eltern immer für sie da, so dass die Kinder versorgt waren.


    Ja, und das wo es ihnen finanziell ja auch nicht soooooooooooo gut ging.


    Zitat

    Dass man Carola nach Hamburg geschickt hat, ist so eine Sache, die ich gar nicht nachvollziehen kann, was hat man sich dabei nur gedacht?


    Ich hätte es auch schöner gefunden wenn 2 Kinder adoptiert worden wären.


    Zitat

    Emilia muss einen wunderbare und beeindruckende Frau gewesen sein. Diese riesigen, weitverzweigten Familien gibt es ja heute nicht mehr so oft, aber ich stelle mir vor, wie sie ihr Leben lang für ihre 8 Kinder und die wahrscheinlich unzähligen Enkel da war - eine schöne Vorstellung!


    Emilia war eine sehr starke Persönlichkeit - und das hat auch mir sehr gut gefallen. Ein Leben in der Gesellschaft ihrer Tante und ihres Onkels wäre für Emilia eine große Strafe gewesen, dort wäre sie verkümmert, auch wenn sie finanziell gut verheiratet worden wäre.


    Ich hätte gerne noch weitergelesen.

  • Gott sei Dank habe ich dieses Buch heute zu Ende gelesen! Aber nicht, weil ich es schlecht fand. ;D Meine Mutter hatte nichts mehr zu lesen und hat mir "Die Australierin" fast aus den Händen gerissen. :D Gut, dass ich es da schon fertig hatte.


    Beim letzten Abschnitt haben meine Augen leck geschlagen. Als ich hörbar vor mich hin geschnieft habe, meinte meine bessere Hälfte schon: "Schatz, ist alles in Ordnung?"


    Minnies Tod hat mich sehr traurig gemacht. Rudi fand ich zum Ende hin immer unsympathischer und herzloser. Fühlt er sich echt besser dabei, wenn er seine älteste Tochter aus ihrem Umfeld herausreißt und dafür Geld von seiner Schwester erhält, als weiterhin die Hilfe seiner Schwiegereltern anzunehmen? Was für ein Idiot!


    Die arme Carola ... Sie tat mir so leid. Wenn ich nur noch ein einziges Mal den Satz "Es ist zu ihrem Besten." oder auch die Variante "Es eröffnet ihr wundervolle Möglichkeiten." gelesen hätte, wäre ich geplatzt. Ich hab das dem Rudi auch gar nicht abgekauft. Es war für ihn bloß eine bequeme Lösung. Der Rubel rollt und man muss sich auch keine Gedanken mehr darum machen, ob das Kind ihrem Vater immer noch die Schuld am Tod der Mutter gibt. Sie ist ja weit genug weg. IDIOT!

  • Gerade weil mich das auch so berührt hat - auch dieser familiäre Kreislauf UND weil ICH weiß, wie es mit der Familie weiter gegangen ist, wird es ein weiteres Buch geben.


    Im Frühjahr des nächsten Jahres bei Aufbau. Ich freue mich sehr darüber, dass ich diese Familiengeschichte noch ein wenig weiter erzählen darf.

  • :'(:'( 
    Ein unerwarteter Tod, eine Geschichte die sich wiederholt und doch wendet sich irgendwie alles zum Guten.


    Die meiste Zeit hab ich geweint, weils schön war, weils traurig war. Ganz egal. Minnie heiratet und dennoch steht ihre Zukunft unter keinem guten Stern.
    Wie Jasmin schon schreibt, fand ich gegen Ende hin Rudolph auch nur noch unsympathisch und herzlos. Ging es ihm von Anfang an nur ums Geld oder hat ihn der Tod von Minnie doch zu sehr mitgenommen, dass er durch seine Kinder an sie erinnert wird und das eben nicht erträgt? Wir wissen es nicht und es ist vielleicht auch besser so.


    Das Carola weggeschickt wird, fand ich ganz besonders für Emma schlimm. Nicht nur, dass es ihre Lieblingsenkelin war, sie erlebt ihre eigene Geschichte auch wieder. Und sie kann nichts weiter machen, als zu hoffen, dass alles gutgeht. Tante Tilly ( ;D) scheint ja dann doch eingelenkt zu haben, jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, gelesen zu haben, dass Carola verstoßen worden ist.


    Zitat

    Emilia muss einen wunderbare und beeindruckende Frau gewesen sein. Diese riesigen, weitverzweigten Familien gibt es ja heute nicht mehr so oft, aber ich stelle mir vor, wie sie ihr Leben lang für ihre 8 Kinder und die wahrscheinlich unzähligen Enkel da war - eine schöne Vorstellung!


    Das finde ich auch klasse! Emma war für ihre Lieben da, ohne wenn und aber. Sie ist ihren Weg gegangen. Mich hätte nur interessiert, ob sie noch einmal was von Tante und Onkel gehört hat.


    Es war eine sehr tiefgreifende Geschichte, die mich wirklich berührt hat! Danke ulli, dass du uns hast daran teilhaben! :-*


    PS: Das Emma noch 12 Jahre ohne ihren Carl gelebt hat, hätte ich nicht gedacht. Aber sie hatte ein wirklich anstrengendes, aber schönes Leben. Ich hoffe, sie hatte einen schönen, ruhigen Lebensabend.


  • Wie Jasmin schon schreibt, fand ich gegen Ende hin Rudolph auch nur noch unsympathisch und herzlos. Ging es ihm von Anfang an nur ums Geld oder hat ihn der Tod von Minnie doch zu sehr mitgenommen, dass er durch seine Kinder an sie erinnert wird und das eben nicht erträgt? Wir wissen es nicht und es ist vielleicht auch besser so.


    Ehrlich gesagt, habe ich mir um Rudolph gar keine so großen Gedanken gemacht. Ich fand es zwar schäbig von ihm, seine älteste Tochter wegzuschicken und sie so ihrer geliebten Großmutter "wegzunehmen" und ich kann auch nicht nachvollziehen, dass er ausgerechnet Carola geschickt hat und alleine.
    Aber böse Absichten oder dass es ihm nur ums Geld ging, habe ich nicht angenommen.
    Sein Leben ist furchtbar schiefgelaufen, er hatte so große Pläne und ist damit komplett untergegangen, musste seinen Traum vom Weingut begraben, einen Job annehmen, den er sich nie gewünscht hat und hat auch noch seine geliebte Frau verloren, die Schwiegereltern haben ihn unterschwellig ja doch immer daran erinnert, dass er gescheitert ist... ich hätte nicht mit ihm tauschen mögen, er tat mir wirklich eher leid als dass ich ihn hätte verurteilen wollen.

  • Aber selbstlos war sein Handeln nicht. Man kann nicht sagen, dass das Wohl seiner Kinder bei ihm Vorrang hatte. Er hatte bloß keine Lust mehr, in der Schuld seiner Schwiegereltern zu stehen und hat dafür seine älteste Tochter - ja, man kann es so nennen - geopfert.


  • Aber selbstlos war sein Handeln nicht. Man kann nicht sagen, dass das Wohl seiner Kinder bei ihm Vorrang hatte. Er hatte bloß keine Lust mehr, in der Schuld seiner Schwiegereltern zu stehen und hat dafür seine älteste Tochter - ja, man kann es so nennen - geopfert.


    Das stimmt so nicht. Aber ich werde noch nicht erzählen, wie es weiter geht. ;D

  • In meinem letzten Beitrag hab ich davon gesprochen, dass sich Emilias Kreis langsam zu schließen beginnt, und Minnies Kreislinie gerade anfängt, sich zu krümmen. Leider ist aus Minnies Lebenslinie kein Kreis geworden; wohl mehr eine Spirale, die von außen ins Zentrum kurvt und an einem Punkt, wo’s nicht mehr weiter geht, endet. Dieser Punkt, das ist Minnies Tod und Rudolfs Verzweiflung.


    Allerdings –. und da hatte ich ernsthaft Probleme – muss es wohl Rudolfs Verzweiflung gewesen sein, dass er die kleine Carola, gegen ihren Willen, von ihren Geschwistern und von der Großmutter trennt. Wenn mir auch diese Entscheidung schwer zu schaffen macht, halte ich Rudolf nicht für herzlos. Ein herzloser Mensch ist wohl kaum einer solchen Liebe wie seiner zu Minnie fähig.


    Ich vermute jetzt, seine Vorstellungen waren im Prinzip nur Wünsche und Traumbilder. Man muss bedenken, wie viele Jahrhunderte es in Europa gedauert hat, bis aus dem Herumfuhrwerken der bäuerlichen Bevölkerung eine ertragreiche Landwirtschaft geworden ist. Da scheint es mir, eine Illusion zu sein, Ähnliches in Australien, einem Kontinent voller fremdartigem Getier wie giftigen Spinnen, Schlangen und wahrscheinlich auch Fröschen und Lurchen, dies in ein oder zwei Jahren zu schaffen. Ganz abgesehen von dem Getier, welches die Europäer mitgebracht haben. Ich erinnere dabei nur an die lange grassierende Kaninchenplage.
    Rudolf war leider ein Fantast und hatte für seine Ideen nicht den langen (finanziellen) Atem; und die Liebe allein wird einen Fantasten nicht zum Erfolg führen.


    Im Epilog lässt Ulli noch einmal die Härte anklingen, die diese Menschen zu durchleben hatten, die alle Hoffnung auf einen Neubeginn in einem fremden Land setzten. Wer weiß, ob es nicht heute immer noch so ist?


    Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Buch, nach all den vielen Büchern, die ich gelesen habe, noch berühren könnte. Dieses Buch von Ulrike Renk hat mich berührt … sehr sogar. :winken:

    Der Fachverstand wird überall dort eingesetzt, wo der  gesunde Menschenverstand fehlt.

  • Zitat

    Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Buch, nach all den vielen Büchern, die ich gelesen habe, noch berühren könnte. Dieses Buch von Ulrike Renk hat mich berührt … sehr sogar. :winken:


    Das Buch hat mich auch sehr berührt. Eine faszinierende Familiengeschichte. Schön zu hören, dass es weitergeht.


    Allerdings kann ich verstehen, dass man ein Kind "opfert" damit es ihm besser ergeht und auch die anderen eine Chance haben. (Das war ja der Deal). In anderen Ländern werden heute noch Kinder verkauft. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist in Not zu leben, ich lebe im Überfluss, aber ich würde auch wollen, dass es meinem Kind gut geht. Rudolf fühlt sich schuldig und Carola hat ihn nach dem Tod der Mutter gehasst. Es war daher naheliegend, dass er Carola wählt. Vielleicht auch, weil sie ihrer Mutter so ähnlich war.


    Die Erzählung hat gut nahe bringen können, wie schwer das Leben damals war. Eine Fehlentscheidung kostete früher Leben. Sehr bewegend geschildert, wie Rudolf sein Wissen über die Minderwertigkeit des Bodens zurückhält. Auch das Zusammenspiel der Charaktere CArl und Rudolf ist sehr gelungen und führt schlüssig zum tragischen Ende.


    Emma ist wahrlich eine beeindruckende Person gewesen. Von mir aus hätte das Buch doppelt oder dreimal so dick werden können.


  • Allerdings kann ich verstehen, dass man ein Kind "opfert" damit es ihm besser ergeht und auch die anderen eine Chance haben. (Das war ja der Deal). In anderen Ländern werden heute noch Kinder verkauft. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist in Not zu leben, ich lebe im Überfluss, aber ich würde auch wollen, dass es meinem Kind gut geht. Rudolf fühlt sich schuldig und Carola hat ihn nach dem Tod der Mutter gehasst. Es war daher naheliegend, dass er Carola wählt. Vielleicht auch, weil sie ihrer Mutter so ähnlich war.


    Natürlich haben wir es heute besser als es die Leute damals hatten. Aber Carola wegzugeben wäre gar nicht nötig gewesen. Emilia und Carl hatten sich bereit erklärt, sich der Enkel anzunehmen. Carola hätte im Kreise ihrer Lieben bleiben können. Rudi hat auf seinen falschen Stolz gehört.

  • Emilia und Carl hatten sich bereit erklärt, sich der Enkel anzunehmen. Carola hätte im Kreise ihrer Lieben bleiben können. Rudi hat auf seinen falschen Stolz gehört.


    Von seiner Schwester hat Rudolph aber Geld bekommen - im Austausch für Carola.
    Seine Schwiegereltern hätten nur für die Kinder gesorgt, er hätte noch immer leer dagestanden.

  • Von seiner Schwester hat Rudolph aber Geld bekommen - im Austausch für Carola.
    Seine Schwiegereltern hätten nur für die Kinder gesorgt, er hätte noch immer leer dagestanden.



    Da hatte er die Anstellung als Makler schon. Wäre er arbeitslos gewesen, hätte die Sache anders ausgesehen. Aber so ... FALSCHER STOLZ! Und das kriegt Ihr mir auch nicht ausgeredet. ;D

  • Ich glaube, ich muss mir nun unbedingt die beiden genannten Bücher um Anna te Kloot besorgen, auch wenn diese Familie hier im Buch nicht so gut wegkommt, meine Neugier ist geweckt!


    Das habe ich erst jetzt wirklich gelesen - das ist eine komplett andere, auch wahre, Geschichte der Familie te Kloot.
    Das hat nichts mit den Lessings zu tun und hat sich auch viel früher ereignet.


    Ich betrachte es als Geschenk, dass mir diese Familiengeschichten zugetragen wurden - ich finde gerade diese Geschichten, die ja eher Alltag sind und das Leben damals schildern - also keine Königshäuser, sondern Bürger, unglaublich faszinierend, fesselnd.
    Aber auch die Geschichte der Familie Lessing um Emilia ist so ein Geschenk ... dass das nächste Buch eher wieder um die te Kloots gehen wird, find ich doppelt spannend. Ich recherchier mir gerade den Wolf und tauch wieder ein in die Zeit.

  • Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Buch, nach all den vielen Büchern, die ich gelesen habe, noch berühren könnte. Dieses Buch von Ulrike Renk hat mich berührt … sehr sogar. :winken:


    Ich wüsste ganz von dir, WAS dich denn so berührt hat. Ich bin ganz glücklich, DASS es dich berührt hat, aber warum? Das ist so eine Schriftstellerfrage, fürchte ich.

  • Da hatte er die Anstellung als Makler schon. Wäre er arbeitslos gewesen, hätte die Sache anders ausgesehen. Aber so ... FALSCHER STOLZ! Und das kriegt Ihr mir auch nicht ausgeredet. ;D



    Du liegst fast richtig. Als ich die Dokumente, die ich vor einem Monat bekommen habe, las, ist mir ziemlich viel aus dem Gesicht gefallen - Brille, Gebiss, Pappnase .. nein, ich finde es erstaunlich, erschreckend, wie die Familiengeschichte weiter gegangen ist. Aber das Buch muss ich erst noch schreiben. Den Vertrag habe ich schon - es wird also erscheinen.

Anstehende Termine

  1. Freitag, 23. Februar 2018 - Sonntag, 11. März 2018

    gagamaus

  2. Freitag, 23. Februar 2018 - Sonntag, 11. März 2018

    gagamaus

  3. Freitag, 23. Februar 2018 - Sonntag, 11. März 2018

    Dani

  4. Freitag, 2. März 2018 - Sonntag, 18. März 2018

    Dani