#06 - Seite 405 bis zum Ende (Teil IV)

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  • Eigentlich war doch nur Sullivan sauer auf ihn, weil er ihn nicht gerettet hat …


    Das war auch nicht das Schlimmste. Er hat jahrelang den Feinden gedient. Dass das aus der Not heraus entstand, zählt erst mal gar nichts. Wie bei dem Teil der Bounty-Mannschaft, der nur deshalb auf dem Schiff geblieben ist, weil im Boot kein Platz mehr war. Sie galten erst einmal als Meuterer und mussten ihre Unschuld beweisen, und das war sehr schwierig. (Ich habs nicht mehr genau auf dem Schirm, aber alle haben das auch nicht geschafft.)


    Zitat

    Das kann ich mir irgendwie nur sehr schwer vorstellen.


    Quinssy geht die Kolonie über alles, und Noelle war trotz allem eine Sklavin. Ein Untermensch. Die dachten so. Gestern erst hab ich irgendwo gelesen, als man früher austesten wollte, wie Eltern von geistig Behinderten auf den Vorschlag, sie zu töten, reagieren, und die meisten stimmten zu. Das war keineswegs im dritten Reich, sondern 1920. Da passt auch rein, dass ich jetzt eine Doku über die Südpolexpedition anno 1911 geguckt hab, da meinte Reinhold Messner, dass das heute gar nicht mehr so möglich wäre. Weil die Leute damals so dermaßen knallhart gegen sich und andere waren (allein die Tötung der Hunde als Nahrungsmittel). So sanftmütig, wie wir heute ticken, hat die ganze Menschheit noch nie getickt. Das in einem Buch zu vermitteln, ist natürlich schwierig.


  • Die Harnsteine ziehen sich durchs ganze Buch, von ganz am Anfang in London über den Gouverneur bis zu Beaver am Schluss.


    Ich würd ja am liebsten noch ein Buch über die Dingelchen schreiben. Ich find das ungeheuer faszinierend. ;D

  • Danke Sabine, so habe ich das gar nicht gesehen. Obwohl ich ja oft historische Romane lese, müsste mir das eigentlich bewusst sein. Früher gingen die Menschen anders mit ihren Kindern um. Aber ich verdränge das immer ...

  • Und bei den milchkaffeebraunen Kindern ist auch noch Potential .... :totlach: :totlach:


    Ja die Kinder würden Potenzial für neue Abenteuer liefern.


    Die Bilder habe ich jetzt erst gesehen, ein Traum.

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)


  • Wow, das war ja noch ein ganz schönes hinundher bis zum Happy End!
    Was für ein Pech für Seth, dass ausgerechnet Sullivan jetzt auftaucht. Plötzlich sind die Vorzeichen umgekehrt, Noelle ist nun frei und keine Sklavin mehr und dafür Seth ein Gefangener, der hingerichtet werden soll!


    Mit Pauken und Trompeten Richtung Untergang, dachte ich als Sullivan aufgetaucht ist - auch wenn es irgendwie klar war, dass Seths Vergangenheit noch ein Nachspiel haben wird.
    Dass die beiden dann die Rollen tauschen, war eine tolle Wendung, auch wenn mir Seth natürlich leid getan hat. Aber es zeigt, wie schnell auch ein Fortschritt alle Vorzeichen ändern kann: die Briten schaffen quasi im Handumdrehen die Sklaverei ab.


    Zitat

    Aber Noelle ist so mutig! Wie sie da zum Schiff rudert bzw. schwimmt, sich nicht abweisen lässt, und so am Ende sogar zu Seth vorgelassen wird - ich hatte ja echt Angst um sie, bei all den rauhen Männern. Auch wenn sie jetzt offiziell keine Sklavin mehr war, hätte es ja doch sein können, dass man sie nicht direkt als "Lady" ehrenvoll behandelt!


    Aber hallo! Das war richtig mutig von Noëlle, aber ebenso leichtsinnig, denn die Seeleute betrachten sie vielleicht nicht (mehr) als Sklavin, aber dafür als Frischfleisch, was die Chose nicht unbedingt besser macht. Und was macht das Weihnachtsmädchen? Es rennt direkt in die Höhle des Löwen... Aber ich vermute jetzt einfach mal, dass die Männer auch ganz schön baff waren, wie sie sich da in ihrem nassen Kleid an Bord schwingt. 8)


    Zitat

    Letztlich hätte aber auch ihr Einsatz nichts gebracht, wenn der andere Kapitän nicht eingegriffen hätte.
    Die Harnsteine ziehen sich durchs ganze Buch, von ganz am Anfang in London über den Gouverneur bis zu Beaver am Schluss.


    Ein Lob auf den Harnstein! ;D Auch wenn ich zugegebenermaßen ganz froh war, dass uns dieses Mal die Operationsdetails erspart wurden... ;) Wie groß war eigentlich Beavers Stein? Bei Quinssy musste ich ja ganz ehrlich schlucken: hühnereigroß! :o Wie konnte der Gouverneur da bloß auf gute Sterne warten?


    Zitat

    Nicht schön ist der Gouverneur mit Noelles Mutter umgesprungen. Aber die Auflösung gefällt mir, das "lange Elend" tauchte ja immer mal wieder in der Geschichte auf und so erklärt sich nun ihre Rolle.


    Ich liebe diese Details, die die Geschichte zu stimmig und rund machen! Da läuft nichts ins Leere, sondern es gibt einen tollen Wink am Ende... Großartig!


    Liebe Grüße
    dubh

  • Beavers Stein? Keine Ahnung?


    Astrologie war ja weit verbreitet und als, ähm, Wissenschaft akzeptiert, nicht so wie heute, wo es eher ein Spleen ist.

  • Ich bin schon ein paar Tage fertig mit dem Buch, komme aber leider erst jetzt zum Posten.


    Das Ende des Buches lässt doch so einiges offen. Wie geht es mit Seth und Noelle weiter? Da hat man als Leser natürlich viel Spielraum für eigene Gedanken. Wer weiß, wenn das Buch richtig gut läuft, wäre doch bestimmt nochmal eine Recherchereise drin. Oder bist du, Sabine, generell kein Freund von Fortsetzungen?


    Noelle nimmt wirklich einige Gefahren auf sich, um zu Seth zu kommen. Aber was macht man nicht alles aus Liebe. Obwohl ich sagen muss, dass mir alles doch ein wenig zu reibungslos ging. Ich hätte bei weitem mit mehr Schwierigkeiten gerechnet. Schiffsbesatzungen sind in der Regel bestimmt nicht so zimperlich mit Frauen.


    Ich finde es aber toll, dass Noelle, auch nachdem sie erfahren hat, dass Seth nicht ganz ehrlich zu ihr war, trotzdem noch zu ihm hält. Das ist wirklich wahre Liebe.


    Was mich wirklich überrascht hat, war, dass Quinssy Noelles Vater und das lange Elend Noelles Mutter sind. Damit habe ich so überhaupt nicht gerechnet. Klar, kam mir auch bei der Szene als Seth auf das Q aufmerksam wurde, der Gedanken, dass Quinssy eventuell der Vater sein könnte. Diesen Gedanken habe ich aber direkt wieder verworfen, da sowohl Quinssy als auch Helene hellhäutig sind. Auf die Idee, dass da noch eine dritte Person mit im Spiel sein könnte, bin ich überhaupt nicht gekommen. Damit hast du mich wirklich überrascht, Sabine.


    Ja, ja, die Harnsteine. Sie sind überall ;D Sabine, sei mir aber nicht böse, wenn ich deine Abhandlung darüber nicht lesen werde - ist irgendwie nicht so mein Thema ;)


  • Ich hätte bei weitem mit mehr Schwierigkeiten gerechnet. Schiffsbesatzungen sind in der Regel bestimmt nicht so zimperlich mit Frauen.


    Wobei die Männer sicherlich auch ganz schön überrumpelt waren: schwingt sich da einfach so eine ehemalige Sklavin an Bord... Zumal sie - zumindest in meinem Kopf ;) - sehr draufgängerisch und forsch agiert hat!


    Zitat

    Ich finde es aber toll, dass Noelle, auch nachdem sie erfahren hat, dass Seth nicht ganz ehrlich zu ihr war, trotzdem noch zu ihm hält. Das ist wirklich wahre Liebe.


    Ich denke sie hat ein Gespür, dass Seth ehrlich mit ihr ist, dass er sie wirklich sehr gerne hat. Und sie ist alleine, hatte zum ersten Mal das Erlebnis, dass sich jemand um sie kümmert (Hugo als ihre Familie ausgenommen) und solche Gefühle für sie zeigt - das hat ganz sicher Eindruck auf sie gemacht. Sie liebt Seth und konnte ihm das auch nicht so einfach sagen - ich denke, sie hat Mitgefühl für Seth und ist mit einer Erklärung, warum er ein anderer ist, zufrieden...


  • Klar, kam mir auch bei der Szene als Seth auf das Q aufmerksam wurde, der Gedanken, dass Quinssy eventuell der Vater sein könnte.


    Ich hatte ja befürchtet, dass jeder denkt, aha, der ist der Vater, also muss die Mutter schwarz sein. Ihr seit nämlich immer so fürchterlich gewieft. ;D

  • Endlich ist Noelle frei. :klatschen: Dass sie jedoch die Tochter von Quinssy ist, das hätte ich nie gedacht. Das hat mich wirklich überrascht - aber hat mir gut gefallen.


    Was ich jedoch eigentlich gar nicht mag, sind offene Enden. Was ist denn jetzt mit Seth und Noelle? Werden sie ein glückliches und langes Leben miteinander haben? Oder wird Setz nicht begnadigt? Einige Leser denken da vielleicht gerne weiter und verlassen sich auf ihre Fantasie, ich jedoch hätte gerne mehr erfahren, denn offene Enden mag ich leider überhaupt nicht. Ein einziger Satz hätte da schon geholfen, aber so... Schade.


    Aber ansonsten war das Buch wirklich toll und ich habe es genossen, es zu lesen.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen