Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)

  • Ein wichtiger Punkt der Leserunden sind eure Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein – daher legen wir viel Wert darauf, dass ihr zum Abschluß zeitnah euer Fazit hier in der Leserunde und auf der Hauptseite (keine extra Anmeldung notwendig) einstellt.


    Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de: Denkt daran, dass die Rezensionen für die Verlage die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.
    Gerne dürft ihr auch die Links zu den Seiten posten, auf denen ihr die Rezension ebenfalls einstellt.


    Wir freuen uns natürlich, wenn der Autor ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.


    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

  • Dies ist meine erste Leserunde und auch mein erstes Buch von David Safier.


    Mein Beweggrund für dieses Buch war, dass ich sonst überwiegend Fantasy und Science-fiction lese, mich aber unbedingt mal wieder mit Literatur auseinander setzen wollte, die etwas mit meiner Realität zu tun hat. Das Buch hier klang vielversprechend.


    In dem Buch werden verschiedene Aspekte der Judenverfolgung angesprochen. Zum Einen treten alle möglichen Charaktere auf, die es damals wohl gab, zum Anderen werden immer wieder unglaubliche Situationen beschrieben, die es so oder so ähnlich damals gegeben haben konnte. Das alles wird dann in Verbindung mit dem Hauptcharakter Mira gebracht, die das alles durchlebt, durchdenkt, die das Geschehen oder einfach nur die Figuren so mitreißen.


    Die Leserunde fand ich sehr angenehm. Jeder hat (oder hatte) sein eigenes Tempo, konnte so also selber bestimmen, wann zu was gepostet wird. Meistens bin ich meinen ersten Eindruck eher 'losgeworden', bis ich dann später andere Beiträge gelesen habe, die das ganze besser ausformuliert haben oder aber auch meinen Eindruck entkräftet haben. So konnte ich später noch einiges zu meinen Beiträgen erklären oder korrigieren.
    Da ich hier neu bin, ist mir auch der Umgangston sehr positiv aufgefallen, niemand hat sich derbe in den Haaren gehabt oder übelst geschimpft. Am meisten besorgt war ich da meistens um meine eigenen Formulierungen ;)


    Das Buch an sich erscheint mir zu konstruiert. Es werden fast durchgängig die Gefühle und Gedanken von Mira beschrieben, was sehr gut ist. Aber wirklich mitgerissen hat es mich nur an wenigen Stellen.
    Wobei ich jetzt nicht erwartet habe, dass ich die meiste Zeit über entsetzt bin oder heule. Aber ich konnte mich nie richtig hineinversetzen, da ich zeitweise ganz stark das Gefühl hatte, dass diese Personen oder jene Geschehnisse eigentlich nur in der Geschichte drin waren, um erwähnt zu werden. Ich kenne nicht viele Grausamkeiten aus dieser Zeit im Detail, aber einiges war mir durchaus schon bewusst, ohne dass ich mich sonderlich dafür interessiert habe. Deswegen fehlte mir wahrscheinlich auch diese Mitgerissenheit, die es bei anderen Lesern durchaus gegeben haben mochte.
    Vielleicht lag es auch an der eher lockeren Sprache, wie in der Leserunde irgendwann mal angemerkt wurde. Leider fällt mir dazu aber nicht ein, was man hätte anders machen können.


    Ich werde mir jetzt eines der anderen Bücher von Herrn Safier besorgen. Gespannt bin ich schon ;)


    Pina



    EDIT: Wohoo! Habe es endlich geschafft, auch eine Rezension auf Literaturschock.de abzugeben. Leider nur als Besucherrezension. Gleich guck ich mal bei Amazon.de vorbei.
    EDIT2: Boo-ya! Nun auch ebendort.

  • An dieser Stelle "Vielen Dank"! Ich lese natürlich noch weiter hier mit, aber meine Rezension ist schon da:


    Inhalt:
    1942: Die 16-jährige Mira lebt mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Hannah im Warschauer Ghetto. Um zu überleben, schmuggelt sie Waren über die Grenze. Doch die Lage spitzt sich zu, und Mira schließt sich den Widerstandskämpfern an.


    Mein Leseeindruck:


    Die Geschichte von Mira und ihrer Familien sowie ihren Freunden hat mich sehr berührt. Ich habe schon einige Bücher aus der NS-Zeit gelesen, und das Thema an sich ist natürlich schon sehr bewegend und geht unter die Haut. Das ist bei "28 Tage lang" nicht anders.


    Ich habe gehofft, gebangt und gezittert mit Mira. Aber es gab auch sehr schöne Momente, die ein wenig Hoffnung und sogar Glück übermitteln konnten. Auch ein klein wenig Romantik schimmerte manchmal durch. Diese Bandbreite der Gefühle hat mir sehr gefallen!


    Der Schreibstil des Autors ist leicht, flüssig und angenehm, dabei vielleicht sogar ein wenig zu modern für diese Geschichte, die ja im Zweiten Weltkrieg spielt. Mich persönlich hat das aber überhaupt nicht gestört, denn so ließ sich der Roman wirklich sehr flüssig lesen.


    Mira ist eine Hauptfigur, die sehr schön beschrieben wird. Ihre Gedanken, Gefühle und Gewissensbisse bekommt der Leser hautnah mit. Dabei wird Mira nicht nur als die "Gute" dargestellt, sie hat auch viele Fehler und Macken. Aber gerade das macht sie lebendig und authentisch.


    Auch die anderen Figuren im Buch sind gut dargestellt. Für mich waren sie alle glaubhaft und ihre Handlungen und Gedanken nachvollziehbar.


    Insgesamt kann ich sagen, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat. Es ist ein Buch, das nicht nur für jugendliche Leser, sondern auf jeden Fall auch für erwachsene Leser sehr empfehlenswert ist!

  • Ich kann gar nicht in Worte fassen wie sehr mir dieses Buch gefallen hat und daher wird meine Rezension dem Ganzen ganz bestimmt nicht gerecht. Ich werde dieses Buch auf jeden Fall allen Bekannten, Verwandten etc. empfehlen. Es wird mich wohl noch lange lange beschäftigen.


    Meine Meinung:


    Titel: Was für ein Mensch willst Du sein?


    Von David Safier kannte ich bisher nur die witzige Seite und so war ich doch sehr gespannt auf sein neues Buch, das so anders sein soll. Und genau so ist es auch, anders aber enorm gut, denn es berichtet uns vom Widerstand im Warschauer Ghetto während des 2. Weltkrieges.


    Im Buch lernen wir die 16-jährige Jüdin Mira kennen, die ihre Familie durch das Schmuggeln von Lebensmitteln über Wasser hält. Doch das Leben im Ghetto wird immer gefährlicher. Das junge Mädchen muss mit Verrat, Verachtung und dem Überleben kämpfen, lernt aber auch die Liebe kennen.


    Mit Mira ist Herrn Safier eine Protagonistin gelungen, die ihres gleichen sucht, denn man kann sich als Leser bis in die letzte Faser Miras hineinversetzen, fühlt und leidet mit ihr. Beim Lesen vergaß ich alles um mich herum und mir liefen oft die Tränen und mein Kopf fing das Grübeln an. Die immer wiederkehrende Frage: "Was für ein Mensch willst du sein?" schwirrt einem durch den Kopf und man fragt sich wie man an Miras Stelle gehandelt hätte.


    Die Ereignisse werden aus der Sicht Miras dargestellt.


    Wahre Geschichte ist hier in einen Roman gepackt worden, den ich persönlich liebte und hasste zugleich, denn was dort an Gräueln geschildert wird, lässt einen alles andere als kalt. Man hasst die Gräuel, liebt die handelnden Personen und glaubt immer noch an das Gute im Menschen. Ist dies wirklich existent?


    Fazit: Für mich ist dieser Roman ein Buch, dass man gelesen haben muss und wer sich auch nur ein minimales Bisschen für Geschichte interessiert, der wird von diesem Buch begeistert sein. Ich kann nur meine absolute Leseempfehlung aussprechen. Für mich ganz klar ein Lesehighlight im Jahr 2014.


    Bewertung: 5/ 5 Sternen


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    Meine Rezi zum Buch findet ihr auch hier:


    Mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/p/im-mai-2014.html


    Amazon: http://www.amazon.de/review/R2…QLN8ST/ref=cm_cr_rdp_perm


    Buechereule.de: http://www.buechereule.de/wbb2…ostid=2406723#post2406723


    Literaturschock: https://literaturschock.de/lit…/index.php?thread/33364.0


    Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/auto…1-w/rezension/1095094642/


    Wasliestdu.de: http://wasliestdu.de/rezension…ein-mensch-willst-du-sein

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • Ich möchte mich auch erst einmal ganz herzlich bedanken, dass ich bei dieser tollen Leserunde mitmachen durfte. Es war meine erste Leserunde hier und ich hatte wirklich viel Spaß beim Austausch und hab das Buch total genossen.


    Meine Rezension dazu:



    Inhalt:
    „Was für ein Mensch willst Du sein?


    Die sechzehnjährige Mira schmuggelt Lebensmittel, um im Warschauer Ghetto zu überleben. Als sie erfährt, dass die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden soll, schließt sich Mira dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. Ganze 28 Tage.


    28 Tage, in denen Mira Momente von Verrat, Leid und Glück erlebt.


    28 Tage, in denen sie sich entscheiden muss, wem ihr Herz gehört.


    28 Tage, um ein ganzes Leben zu leben.


    28 Tage, um eine Legende zu werden.“
    (Quelle: http://rowohlt.de/buch/David_S…28_Tage_lang.3010748.html)

    Mira lebt als Jüdin im Warschauer Ghetto und muss dort miterleben, wie die Deutschen mit ihrem Volk umgehen. Ihre Kindheit ist ab dem Zeitpunkt vorbei, als sich ihr Vater das Leben nimmt und ihr älterer Bruder zur Judenpolizei geht, denn ab jetzt muss sich Mira darum kümmern, dass ihre Mutter, ihre kleine Schwester Hannah und sie etwas zu essen haben. Doch während sie mit ihrer Schmuggelei am Anfang noch gut zurecht kommen, spitzt sich die Situation im Ghetto immer weiter zu und irgendwann muss sich Mira entscheiden: Soll sie sich verstecken, oder sich dem Widerstand anschließen und endlich zurückschlagen?


    Doch während Mira noch nicht bereit ist, aktiv gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen, passiert etwas, das ihr Leben noch einmal von Grund auf ändert und sie schließlich doch dazu bringt, sich dem Widerstand anzuschließen. Von da an es für Mira um mehr, als nur ums nackte Überleben, es geht um die Frage: Was für ein Mensch sie sein will.


    Meine Meinung:
    Das Buch beginnt sofort sehr spannend: Mira ist gerade dabei Essen ins Ghetto zu schmuggeln, wird jedoch als Jüdin erkannt und läuft Gefahr getötet zu werden. Dieser Anfang machte es mir leicht, in die Geschichte einzutauchen, denn ich hatte sofort Gänsehaut und fieberte mit Mira mit. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit dem Mädchen weitergeht und was sie noch alles im Ghetto erlebt. Nach dieser ersten spannenden Szene, beruhigt sich die Situation erst einmal wieder und man bekommt Zeit Mira, ihre Familienverhältnisse und ihr Leben im Ghetto kennenzulernen. Ich fand diesen Einstieg sehr gut gewählt, war aber auch froh, dass ich danach erst einmal wieder durchatmen konnte.


    Obwohl die Geschichte dann erst einmal etwas ruhiger wird, merkt man doch, wie sich die Situation im Ghetto langsam zuspitzt. Nach und nach passieren immer mehr schreckliche Dinge, die einem richtig Gänsehaut über den Rücken jagen, die einen, obwohl man schon einiges über dieses Thema gelesen hat, sprachlos zurücklassen und immer wieder die Frage aufwerfen: Wie würde ich in dieser Situation reagieren. Dabei fand ich es wirklich gut, die Geschichte einmal aus Sicht einer Betroffenen zu lesen und doch zu wissen, dass diese Person frei erfunden wurde. So konnte ich mich gut in die Geschichte hineinfühlen und hatte trotzdem den nötigen Abstand. Überhaupt finde ich, dass es David Safier sehr gut gelungen ist, die Balance zwischen Fiktion und realen Geschehnissen und Personen zu halten.


    Der Schreibstil ist trotz dieser schrecklichen Geschehnisse locker und leicht zu lesen. Der Autor bedient sich außerdem einer sehr modernen Sprache, was mancher vielleicht unpassend für die Zeit, in der das Buch spielt, empfindet, ich fand es jedoch nicht störend und da der Autor vor allem auch Jugendliche mit dieser Geschichte ansprechen möchte, trifft er mit dem Schreibstil sicher deren Geschmack.


    Durch den lockeren Schreibstil und die immer weiter ansteigende Spannung, klebt man förmlich an den Seiten und möchte immer weiter und weiter lesen, um zu erfahren, wie die Geschichte für Mira und ihre Lieben endet. Dabei befürchtete ich natürlich das Schlimmste und hoffte doch gleichzeitig das Beste, da mir die Protagonistin schnell ans Herz gewachsen ist und ich nichts lieber wollte, als dass sie heil aus dieser Sache herauskommt.


    Doch bevor man am Ende ankommt, muss man sich durch viele Gefahren begeben, viel Ungerechtigkeit und einige Verluste erleiden und sich immer wieder fragen: Was für ein Mensch möchte ich sein?


    Fazit:
    Dem Autor David Safier ist es in meinen Augen mehr als gelungen den Leser mit seinem Buch „28 Tage lang“ die Geschehnisse im Warschauer Ghetto näherzubringen. Durch Spannung, einen lockeren Schreibstil und einer guten Mischung aus Fiktion und Realität gelingt es ihm auch junge Leser für dieses Thema zu sensibilisieren. Dieses Buch bewegt, rüttelt auf, lässt einen sprachlos und nachdenklich zurück und geht sicher nicht spurlos an seinen Lesern vorbei.


    Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.


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    Meine Links zur Rezension:


    Auf meinem Blog: http://suechtignachbuechern.bl…zension-28-tage-lang.html
    Auf Amazon: http://www.amazon.de/review/R1…3463406403#wasThisHelpful
    Auf lovelybooks.de: http://www.lovelybooks.de/auto…1-w/rezension/1095129945/
    Auf buechereule.de: http://www.buechereule.de/wbb2…ostid=2406852#post2406852
    Auf Leser-welt-forum.de: http://www.leser-welt-forum.de…0-Tage-lang.html#msg60959
    Auf wasliestdu.de: http://wasliestdu.de/rezension…einen-lesern-vorbei-gehen
    Auf katzemitbuch-forum.de: http://www.katzemitbuch-forum.…46-Tage-lang.html#msg6802

  • Hallo Ihr Lieben,


    auch ich möchte mich ganz herzlich für die tolle Leserunde hier bedanken. Es hat wieder sehr viel Spaß gemacht, mit euch zu diskutieren!


    Meine Rezi ist nun auch fertig:


    Spannung und Tränen


    Bücher über den Holocaust sind wichtig und ebenso wichtig ist es, dieses Thema auch der jungen Generation nahe zu bringen. Dies ist David Safier mit „28 Tage lang“ gelungen. Die Tage im Warschauer Ghetto lässt er die 16-jährige Mira aus ihrer Sicht erzählen. Ihre Konflikte, ihre Ängste, ihre Gefühle, ihr Hass, all das erlebe ich hautnah. David Safier hat eine einfache und leicht verständliche Sprache gewählt, die sich in auch den Dialogen widerspiegelt. Mir war das etwas zu „modern“, aber junge Leser werden es mögen, dass Mira so denkt und redet wie sie.


    Mira und ihre Gefährten sind fiktive Personen, zu denen sich einige historische Persönlichkeiten in Nebenrollen gesellen wie z. B. Janusz Korczak. Eindrucksvoll schildert David Safier historisch belegte Ereignisse und einige Male konnte ich nicht weiterlesen, weil mir dir Tränen in die Augen schossen. Dann wiederum hatte ich das Gefühl einen Thriller zu lesen, atemberaubende Spannung lässt mich durch die Seiten fliegen. Allerdings bleibt dabei auch ein etwas befremdliches Gefühl zurück, obwohl David Safier mich ganz am Anfang darauf vorbereitet hat. Während des Lesens stellte sich mir die Frage, ob das wirklich notwendig war. Eine andere Frage begleitete mich die ganze Zeit während des Lesens: „Was für ein Mensch willst du sein“. David Safier stellt die Frage mehrmals, ich konnte es gar nicht vergessen und … ich habe keine Antwort gefunden. Aber ich habe viel nachgedacht und das wird nicht nur mir so ergehen.


    Dieses Buch liest man nicht einfach so, es bleibt sehr viel im Kopf zurück und damit hat David Safier sein Ziel erreicht. Bei Lesern aller Altersklassen. Und deshalb verzeihe ich auch ein paar sprachliche Einfachheiten, die mich zwar beim Lesen gestört haben, aber im Nachhinein unbedeutend sind.

    Fazit: Schwere Kost – spannend und jugendtauglich erzählt.


    Und hier habe ich die Rezension veröffentlicht:


    http://www.eseloehrchen.de/rez…on-david-safier-rezension
    http://www.amazon.de/review/R3…m?ie=UTF8&ASIN=3463406403
    http://www.lovelybooks.de/auto…1-w/rezension/1095140754/
    http://wasliestdu.de/rezension/spannung-und-traenen-0
    http://www.reliwa.de/books/560369?show=reviews
    http://www.buecher.de/shop/bel…/prod_id/39963615/#rating

  • Meine Rezi:


    Ein lebendiges Stück Zeitgeschichte


    Inhalt:
    1942/1943, Polen. Die 16-jährige Mira lebt mit ihrer Mutter und ihrer 12-jährigen Schwester Hannah im Warschauer Ghetto. Seit dem Tod des Vaters ist die Mutter depressiv und apathisch. So bleibt Mira nichts anderes übrig, als selbst Lebensmittel für ihre kleine Familie zu besorgen. Besorgen - das heißt für Mira schmuggeln. Dabei begibt sie sich täglich in Lebensgefahr. Doch damit nicht genug. Als die Deutschen die Räumung des Ghettos und den Abtransport aller Juden anordnen, gibt es kaum noch Hoffnung am Leben zu bleiben. Letztendlich schließt Mira sich den Aufständischen an.


    Meine Meinung:
    David Safier hat nach fünf humorvollen Romanen (u. a. „Mieses Karma“, „Plötzlich Shakespeare“) etwas Neues gewagt. Schon seit vielen Jahren hatte er den Wunsch, dieses Buch zu schreiben, und ich bin sehr froh darüber, dass er es endlich getan hat. Denn es ist einfach rundherum gut gelungen! Das Thema liegt dem Autor sehr am Herzen, sind doch seine Großeltern in Buchenwald bzw. im Ghetto von Lodz umgekommen. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, dass er genau weiß, wovon er hier schreibt.


    Zwar sind die Protagonisten fiktive Personen, doch ist alles, was sie erleben, tatsächlich irgendjemandem damals passiert oder hätte genau so passieren können. Teilweise spielen auch reale Personen eine Rolle wie zum Beispiel Janusz Korczak, der tatsächlich ein Waisenhaus geleitet hat und mit „seinen“ Kindern in den Tod ging.


    Trotz des „schweren“ Themas besticht das Buch durch eine gewisse Leichtigkeit im Erzählstil. Das ist sicherlich auch der jugendlichen Ich-Erzählerin Mira geschuldet und hat mir ausgesprochen gut gefallen. So lässt sich das Buch locker lesen, ohne dass man in Depressionen verfällt, obwohl das angesichts des Erzählten zu erwarten wäre. Der Ernst der Lage kommt dabei trotzdem immer zur Geltung. Diese Gratwanderung hat David Safier in meinen Augen hervorragend bewältigt.


    Mira ist eine tolle Heldin. Sie ist mutig und hat einen starken Überlebenswillen, doch alles im realistischen Rahmen. Sie hat Schwächen und Fehler. Das macht es so einfach, sich mit ihr zu identifizieren und mit ihr zu leiden, zu bangen und zu hoffen. Ihre Entwicklung von einem jungen Mädchen zur Kämpferin wird plausibel dargestellt.


    Mira zur Seite stehen zwei junge Männer, Daniel und Amos. Beide sind ihre Freunde, und ein bisschen spielt auch die Liebe mit. Doch nimmt sie hier zum Glück nicht überhand, zeigt aber, dass auch im Ghetto das Leben zumindest teilweise in gewohnten Bahnen ablaufen kann.


    Die Atmosphäre im Ghetto kann man sich sehr gut vorstellen, die Beschreibungen wirken sehr plastisch und lebendig. Die Straßen und Häuser konnte ich beim Lesen direkt vor mir sehen, ebenso die Personen, ob es nun Mira und ihre Familie waren oder die SS-Soldaten, die jüdischen Polizisten… Sie alle erwachten in meinem Kopf zum Leben.


    Besonders wichtig erscheint mir die Aussage des „verrückten“ Rubinstein: „Jeder ist frei zu entscheiden, was für ein Mensch er sein möchte.“ (S. 45) Und so zieht sich wie ein roter Faden eine Frage durch den Roman: Was für ein Mensch möchtest du sein? In vielen verschiedenen Situation muss Mira sich entscheiden. Und so sollte man als Leser gleich mit nachdenken und sich fragen: Wie hätte ich gehandelt? Was würde ich in einer solchen Lage tun? Was für ein Mensch will ich sein?


    Fazit:
    Ein tolles Buch, ein wichtiges Buch, das die Tage des Widerstands im Warschauer Ghetto lebendig werden lässt und dafür sorgt, dass die Gräuel nicht so schnell vergessen werden.


    Ich möchte dieses Buch uneingeschränkt allen Lesern ab etwa 14 Jahren empfehlen. Auch als Schullektüre könnte ich es mir gut vorstellen.



    Meine Rezi ist auch auf folgenden Seiten zu finden:


    Literaturschock.de
    Großes Bücherforum
    amazon.de
    Leser-Welt-forum.de
    LovelyBooks.de
    wasliestdu.de
    buecher.de
    Buch.de
    Thalia.de
    bol.de

  • Hier kommt mein Fazit - ich werde es aber nur hier und auf Literaturschock posten, da ich zu anderen Foren und Blogs usw. keinen Zugang habe.


    Es war übrigens mein erstes Buch von David Safier.


    Inhalt:


    Die sechzehnjährige Mira schmuggelt Lebensmittel, um im Warschauer Ghetto zu überleben. Als sie erfährt, dass die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden soll, schließt sich Mira dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet.


    Meine Meinung:


    Entgegen der oben zitierten Inhaltsangabe des Verlages geht es in diesem Buch nicht nur um den Aufstand im Warschauer Ghetto, sondern die Vorgeschichte nimmt den größeren Raum ein. Der eigentliche Aufstand wird nur relativ kurz abgehandelt.


    Detailliert werden die Lebensumstände und viele konkrete, historisch überlieferte Ereignisse im Warschauer Ghetto in den Jahren 1942 und 1943 geschildert. Es treten sowohl echte historische Personen auf wie Janusz Korczak, Adam Czerniakow und Mordechaj Anielewicz, als auch fiktive wie die Hauptperson Mira.


    Anhand Miras Erleben entfaltet sich ein ganzes Panorama, eine Mischung als historischen und fiktiven Ereignissen. Es ist interessant, die unterschiedlichsten Reaktionen der Menschen auf die grauenhaften Umstände und Geschehnisse zu lesen, die unterschiedlichsten Handlungsweisen, von Mut bis Feigheit, von ehrenhaftem bis zu niederträchtigem Handeln, von Resignation bis zu erbittertem Überlebenskampf. Dabei wird eines klar: nämlich daß alle diese Verhaltensweisen menschlich sind, und daß es unmöglich ist, ein moralisches Urteil darüber zu fällen oder oftmals auch nur zwischen einer richtigen und einer falschen Entscheidung zu unterscheiden. Räumlich und zeitlich liegt hier alles Menschliche dicht beieinander, und immer wieder stellt sich den Personen des Buches die zentrale Frage: was für ein Mensch möchtest du sein? Auch als Leser stellt man sich diese Frage immer wieder. Wie hätte man selber unter diesen Bedingungen gehandelt? Die Freiheit dies zu entscheiden, ist die letzte Freiheit, die vielen Ghettobewohnern blieb. Viele Situationen im Buch bekommen dadurch eine Eindringlichkeit, daß man sich gut in sie hineinfühlen kann. Leider geht dieser Effekt gegen Ende des Buches immer mehr verloren, die Handlung wirkt zunehmend konstruierter und auch Miras Entwicklung ist nicht immer nachvollziehbar.


    Aufgelockert wird der ernste Teil der Handlung durch Miras ganz normale Jungmädchengedanken, durch ihre Zuneigung zu zwei sehr unterschiedlichen jungen Männern, und durch die Phantasiegeschichten, die sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester ausdenkt und die besonders gegen Ende des Buches eine Art Ruhepol in der zunehmenden Hoffnungslosigkeit bilden.


    Mein größter Kritikpunkt am Buch betrifft die Sprache. Die sprachliche Leichtigkeit, die anfangs den Einstieg ins Buch erleichtert, wird mit Fortschreiten der Handlung immer mehr zu einer seichten und saloppen Sprache, die heutiger jugendlicher Umgangssprache gleicht bis hin zu echten sprachlichen Fehlern. Das wirkt allzu modern für diese Zeit und darunter leidet die Authentizität des Buches leider gewaltig.


    Trotzdem auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, vor allem für junge Leute, die vielleicht noch nicht viel über diesen Abschnitt deutscher Geschichte gelesen haben. Auf jeden Fall wird Geschichte hier lebendiger als in Schulbüchern. Dennoch würde ich persönlich empfehlen, die Lektüre durch das Lesen von Zeitzeugenberichten und auch anderen Romanen zu ergänzen. Ich hätte auch ein etwas ausführlicheres Nachwort mit ein paar Fakten zum Aufstand schön gefunden.

  • Hallo,


    ich habe das Buch noch ein wenig setzen lassen um zu sehen, was mir in Erinnerung davon bleibt. Aber von Anfang an.


    Gemeinsam haben wir hier Miras Geschichte im Warschauer Ghetto gelesen. Freud und vor allem Leid in dieser schweren Zeit und was sie als junge Jüdin alles durchmacht. Wir erfahren von Freunden und Familie, vom Überlebenskampf und Widerstand.


    Die Geschichte beginnt spannend und man ist schnell gefangen, fassungslos und den Tränen nah auf den ersten Seiten, v.a. durch die Leichtigkeit der Sprache. Im Verlauf geht durch diese Leichtigkeit und durch eine Vielschichtigkeit von Verhaltensweisen und Schicksalen, die der Autor hier darzustellen versucht, viel von der Tiefe und dem Gefühl verloren. Ich selbst wurde mit den Hauptpersonen kaum warm, einige Darstellungen war mir zu suspekt und in der Fülle ihres Auftretens unwahrscheinlich.
    Vor allem gegen Ende fühlte man sich Hollywood manchmal näher als dem realem Bezug und das fand ich schade.
    Ich habe das Buch jetzt schon ein paar Tage beendet und muss leider gestehen, dass nicht sehr viel davon bei mir präsent geblieben ist. Es gibt ein paar bewegende Stellen, v.a. die welche sich auf konkrete reale Ereignisse beziehen aber Mira und die um sie erzählte Geschichte verblast sehr schnell.


    Nichts desto trotz ist es ein wichtiges Buch, welches sich als Schulleküre bestimmt eignet und als solche auch zu empfehlen ist.


    Ich mochte mich nochmals für die Leserunde bedanken, der Austausch war rege und v.a. die Unterschiede in den Ansichten haben mir weiter geholfen. Etwas schade fand ich, dass sich Herr Safier nicht ( kaum?) in den einzelnen Abschnitten geäußert hat, aber da geht sicher auch jeder ein wenig anders heran. Auf jeden Fall auch Herrn Safier vielen Dank für ihre Beteiligung und Zeit. Ich hoffe auch eine neutrale Haltung ist ok.


    Viele Grüße
    schokotimmi

  • MEINE MEINUNG
    Nach Büchern wie „Mieses Karma“ oder „Jesus liebt mich“ aus dem humorvollen Genre hat sich der Erfolgsautor David Safier in seinem neuesten Buch mit dem Holocaust und den Ereignissen im Warschauer Ghetto an ein sehr ernstes und beklemmendes Thema herangewagt.
    »28 Tage lang« ist ein hervorragender Roman, der ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte auch für eine jüngere Zielgruppe fesselnd und äußerst eindringlich und glaubwürdig erzählt.
    Der Romantitel nimmt Bezug auf jene 28 Tage im Jahre 1943, in denen die verzweifelte jüdische Bevölkerung im Warschauer Ghetto mit den wenigen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den übermächtigen NS-Gegnern erbitterten Widerstand leisteten. Im Mittelpunkt der Handlung steht allerdings weniger der erwähnte Aufstand, sondern vor allem die Leidensgeschichte der jungen Protagonistin Mira und ihrer Familie und Freunde im Ghetto.
    Aus Sicht der 16-jährigen Ich-Erzählerin Mira erlebt der Leser sehr unmittelbar, wie sich die bedrückenden Lebensumstände im Warschauer Ghetto durch den alltäglichen Nazi-Terror zunehmend verschlimmern. Eindringlich beschreibt Safier in vielen überlieferten Einzelbegebenheiten, auf die er während seiner gründlichen Recherche gestoßen ist, das unvorstellbare Elend und den Hunger, kleine Hoffnungsschimmer, Freundschaft und Mitmenschlichkeit, aber auch Verrat, Selbstbetrug und Resignation. Sehr gelungen schildert Safier die ganze Bandbreite an menschlichen Verhaltensweisen und Überlebensstrategien als Reaktion auf Gewalt, die unmenschlichen Zustände im Ghetto und angesichts des unausweichlichen Todes in den Vernichtungslagern. Hierbei stellt sich auch für den Leser immer wieder die unbequeme Frage, wie man selber in jenen Situationen im Kampf um Freiheit und Menschenwürde entschieden und gehandelt hätte, in denen es eigentlich keine moralisch richtige Wahlmöglichkeit gab. Wie ein roter Faden zieht sich so auch die Frage „Was für ein Mensch möchtest du sein?“ durch das Buch, leitet Mira bei vielen schwierigen Entscheidungen und stimmt auch uns sehr nachdenklich.
    Im weiteren Verlauf der Geschichte zieht dann allerdings das Erzähltempo zunehmend an, die ruhigen, nachdenklichen Episoden geraten in den Hintergrund und die packenden, actionreichen Ereignisse rund um Mira und ihre Gefährten gipfeln schließlich in einem spannungsgeladenen Finale.
    Sehr geschickt baut der Autor die Erlebnisse seiner fiktiven Figuren in die Handlung ein und verwebt diese mit realen Geschehnissen, Fakten und historischen Persönlichkeit wie beispielsweise dem Waisenhausleiter Janusz Korczak oder dem Ghettonarr Rubinstein, die uns als gelungene Nebenfiguren begegnen.
    Mit der sympathischen Mira hat Safier eine interessante, sehr vielschichtige Figur geschaffen, mit der man sich trotz einiger kleiner Schwächen leicht identifizieren kann - mit ihr bangt und leidet. Sehr glaubwürdig wird ihre Entwicklung zu einer kleinen Heldin geschildert. Mutig, mit einem ungebrochenen Überlebenswillen und zunehmend kämpferisch erleben wir sie schließlich bei den Widerstandskämpfern und fiebern entgegen aller Wahrscheinlichkeit einem guten Ausgang für sie entgegen.
    Safier ist es gut gelungen, durch Miras Perspektive eine gewisse Leichtigkeit in die Erzählung zu bringen und die hoffnungslose, allzu bedrückende Stimmung durch abwechslungsreiche und bisweilen auch aufheiternde Episoden abzufangen. Zudem hat er einen für Jugendliche ansprechenden, flüssigen Schreibstil gewählt, der allerdings mit einigen saloppen Formulierungen oft schon sehr modern wirkte, so dass ich etwas Schwierigkeiten hatte mich in die damalige Zeit hineinzuversetzen.


    FAZIT
    Fesselnd und äußerst eindringlich erzählt Safier von den Ereignissen im Warschauer Ghetto und lässt so ein finsteres Kapitel der deutschen Geschichte lebendig werden.
    Ein sehr lesenswerter Roman für Jugendliche ab 14 Jahren zu einem ernsten und beklemmenden Thema, das niemals in Vergessenheit geraten darf!


    ZUR LESERUNDE:
    Ich möchte mich auch noch ganz herzlich für diese tolle, diskussionsreiche Leserunde bedanken, die wirklich sehr anregend und interessant war. :)

  • Hallo zusammen,


    so, nun kommt endlich auch meine abschließende Meinung. Ich muss zugeben, dass mir die Rezension dieses Mal nicht ganz leicht gefallen ist, da mich das Buch etwas zwiegespalten zurücklässt.


    Das Warschauer Ghetto ist nicht gerade häufig Thema eines Romans und dabei ist der mehrere Wochen andauernde Aufstand ein sehr wichtiges historisches Ereignis, ein in dieser Form einzigartiger Widerstand gegen die äußerst grausame und unmenschliche Besatzung der Nazis und die Deportationen in Konzentrationslager. Da die Frauen und Männer völlig unzureichend bewaffnet waren, war ihre Aussicht auf Erfolg relativ gering, deshalb ist es umso überraschender, wie lange sie sich gegen die drückende und bestens bewaffnete Übermacht zur Wehr setzen konnten… Es war wohl der Mut der absoluten Verzweiflung und das Wissen darum, was die Nazis mit ihnen planten.
    Dieses Thema hat mich jedenfalls nicht lange überlegen lassen: ich musste "28 Tage lang" unbedingt lesen, denn auch wenn man die Erzählungen von Marcel Reich Ranicki und seiner Frau und den Bericht von Jan Karski, einem polnischen Widerstandskämpfer, der auch im Warschauer Ghetto war um zu sehen, wie es den Juden dort erging, kennt, so ist auch ein Roman interessant.
    Der Autor David Safier lässt ein 16jähriges Mädchen erzählen, Mira, die mit ihrer Mutter und ihrer kleineren Schwester Hannah im Ghetto lebt. Ihr Vater, ein angesehener Arzt, hat sich einige Zeit zuvor das Leben genommen und die Mutter ist darüber so verzweifelt, dass sich nun Mira um die kleine Familie kümmert. Sie schmuggelt Lebensmittel von der polnischen Seite ins Ghetto und erledigt damit einen lebensgefährlichen Job nach dem anderen. Einziger Lichtblick ist ihr Freund Daniel, der - selbst Waise - im Waisenhaus von Janusz Korczak lebt und mithilft. Doch natürlich bleibt in diesen Zeiten kaum eine Sekunde für einen normalen Moment…
    Doch die Repressionen gegen die schon sehr schwer hungernde Bevölkerung des Ghettos nimmt noch mehr zu und dann gibt es plötzlich ein Gerücht: alle Juden sollen an einem Sammelplatz zusammengetrieben und nach Treblinka deportiert werden. Und so wird die Frage des Überlebenskünstlers Rubinstein "Was für ein Mensch möchtest du sein?" für Mira erst recht eine Überlebensfrage. Sie schließt sich dem Widerstand an und kämpft nun an der Seite von Amos, dem jungen Mann, der ihr zu Beginn schon einmal das Leben gerettet hat. Dabei lädt sie unweigerlich Schuld auf sich - ob nun bei der Beobachtung der Räumung des Kinderheims oder aber beim Töten. Aber es ist keine freiwillige Entscheidung sondern eine, zu der sie fortwährend durch die Umstände im Ghetto gezwungen wird und die sie nicht leichten Herzens trifft.
    Die Tage und Wochen des Aufstandes aus den Augen dieses Mädchens zu sehen, ist beeindruckend und macht nicht nur gelegentlich nachdenklich. Die Frage danach, welcher Mensch man sein möchte, stellt sich auch mir als Leserin immer wieder - was hätte ich getan? Hätte ich mich einfach zur Schlachtbank führen lassen? Hätte ich kämpfen können? Dazu die Schilderungen der beständig sterbenden jüdischen Bevölkerung, die Toten überall, die Verzweiflung, der Hunger, die absolute Todesangst… Auch heute, nach vielen Dokumentationen und Büchern, nach Geschichtsunterrichten und Besuchen von Gedenkstätten und Museen, bleibt die Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten für mich unvorstellbar. Wie konnten Menschen nur so mit anderen Menschen umgehen?
    Die Konfrontation mit Leid und Tod, mit Resignation und Überlebenswille gelingt David Safier sehr gut - gerade deshalb denke ich, dass dieses Buch auch für Jugendliche und als Schullektüre perfekt geeignet ist. Dabei ist das Buch spannend, denn natürlich ist Mira die Heldin des Buches, von der man natürlich unbedingt wissen möchte, ob sie und ihre Freunde und ihre Familie es schaffen, zu überleben.
    Aber - und da liegt leider auch die Krux - Mira ist auch ein wenig zu superheldenhaft ausgestattet. Sie wirkt mir einen Tick zu modern und das liegt nicht nur an der Sprache des Buches. Sie ist der Rettungsanker der Familie und diejenige, die über die kleine Schwester wacht, Schmugglerin, später Widerstandskämpferin, aber zugleich auch ein ganz normaler Teenie, der mich eher an meine Jugend erinnert. Diese Figur ist mir schlicht und ergreifend zu überfrachtet… Das passt wiederum zu der sehr schnellen Geschichte, die zum Ende beinahe Schlag auf Schlag voran getrieben wird. So ist "28 Tage lang" sicherlich ein packendes Buch, aber an der ein oder anderen Stelle finde ich Mira dann doch wenig glaubhaft, zu viel wird in sie projiziert.
    Bleibt festzuhalten, dass dem Autoren ein spannendes Buch geglückt ist, das vor allem durch seine gut recherchierten historischen Fakten und Figuren überzeugt und durch den wirklich sehr bewegenden Blick auf die menschlichen Zustände im Ghetto überzeugt. Noch besser wäre das Buch allerdings, wenn die Sprache zeitgemäßer und die Hauptfigur nicht zu filmreifen Superheldin stilisiert wäre!



    Zur Leserunde:


    Vielen Dank an Euch alle - es war sehr interessant, Eure Eindrücke zu lesen. Gerade auch die Diskussionen um die teilweise kritisch gesehenen Details fand ich sehr spannend.
    Schade fand ich, dass sich Herr Safier hier kaum beteiligt hat und nach wenigen Tagen überhaupt nicht mehr vorbei geschaut hat. Dafür ist dieses Forum ja eigentlich nicht gedacht, aber nun gut. Ich hoffe nicht, dass es an unseren Beiträgen gelegen hat.

    Liebe Grüße

    Tabea

    Einmal editiert, zuletzt von dubh ()

  • Meine Rezension


    Was für ein Mensch willst du sein?


    1943, das Ghetto in Warschau. Die 16jährige Mira schmuggelt Lebensmittel aus dem polnischen Teil der Stadt ins Ghetto, um das Überleben ihrer kleinen Familie zu sichern. Diese besteht seit dem Selbstmord des Vaters nur noch aus Mira, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester. Vor allem für diese kämpft Mira mit aller Kraft, denn ihre Mutter hat sich praktisch schon aufgegeben und ist keine große Hilfe mehr.


    Doch die Schikanen werden immer schlimmer. Immer mehr Menschen werden deportiert, dennoch glauben viele der Zurückbleibenden weiterhin daran, dass es irgendwann vorbei sein wird und nicht mehr schlimmer kommen kann. Das unvorstellbare Grauen der Konzentrationslager lassen viele trotz aller Gerüchte und Berichte nicht an sich heran.


    Obwohl Mira nur um das Überleben ihrer kleinen Familie kämpfen wollte, landet sie letztendlich doch beim Widerstand. 28 Tage lang erheben sich kleine Gruppen von jüdischen Ghettobewohnern gegen die Deutschen, um, auch wenn sie praktisch keine Chance haben, wenigstens einen Teil ihrer Würde wiederzugewinnen und sich nicht wie Schlachtvieh in ihr Schicksal zu ergeben.


    David Safier war bisher durch lustige Unterhaltungsromane bekannt, hier wagt er sich nun auf ein ganz anderes Terrain.
    „28 Tage lang“ ist ein trotz der Thematik leicht zu lesendes Buch, das ich auch und gerade für jüngere Leser sehr empfehlen möchte.
    Der Autor erzählt die Geschichte des Warschauer Ghettos und bindet hier gut gemacht viele historisch belegte Personen und Ereignisse ein. Die Hauptfigur Mira hingegen ist fiktiv und konnte mich als Leser nicht immer ganz überzeugen. Ihre Gedanken und Gefühle gingen mir streckenweise nicht tief genug, an anderen Stellen fand ich sie allerdings durchaus realistisch und sympathisch.


    Weniger gefallen haben mir die Phantasiegeschichten ihrer kleinen Schwester, die auch im weiteren Verlauf immer wieder eine Rolle spielen. Obwohl ich gut nachvollziehen kann, dass sich die Mädchen aus dem alltäglichen Grauen hinausträumen möchten, wirkten diese Einschübe auf mich nicht immer passend zur eigentlichen Handlung und somit an mancher Stelle eher wie Seitenfüller.


    Insgesamt aber ein fesselndes Buch über eine Zeit, die wir niemals vergessen dürfen und eine gute Art, diese Geschehnisse gerade für die jüngeren Generationen unterhaltsam und verständlich zu machen!

  • Ich hoffe meine Anmerkung passt jetzt hier in den Thread. Es ist ne Ergänzung zu meiner Rezi...


    Ich finde es schade, dass die Fantasiegeschichte bei einigen so schlecht weg kommt. Wenn ich mich a dieses Buch erinnere, kommt mir immer auch diese Geschichte in den Sinn, wie wichtig Geschichten, Bilder und Gedanken für uns Menschen sind und für mich strahlt die Geschichte auch Kraft aus. Ich mochte sie...


    Grüße
    schokotimmi

  • Ich mochte den Gedanken dahinter auch. Aber die Abschnitte wirkten auf mich gerade im hinteren Teil des Buches irgendwie wie Fremdkörper. Sind sie ja auch, es ist ja ein "rausträumen" aus der schrecklichen Realität in eine andere Welt. Aber mir war es zu viel davon.

  • Inhalt
    "Warschau 1943: Die sechzehnjährige Mira schmuggelt Lebensmittel, um im Warschauer Ghetto zu überleben. Als sie erfährt, dass die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden soll, schließt sich Mira dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. Ganze 28 Tage. "



    Meinung
    Die Geschichte hat mich zutiefst berührt. David Safier hat fein und detailiert eine Geschichte erzählt, die mich seit der ersten Seite an mitgenommen hat. "28 Tage lang" ist eine bewegende Geschichte mit einem empfindlichen, ernsten Thema. Dieses Thema hat Safier bemerkenswert umgesetzt. Die tragischen, schrecklichen Momente hat er bildhaft gut erzählt, so dass ich sie mir problemlos vorstellen konnte. Er bringt alles authentisch rüber, auch bei den Charakteren, so dass ich mit ihnen fühlen konnte. Ich konnte mich in die Lage von Mira versetzen und ihr Verhalten nachvollziehen. Von Seite zu Seite nimmt sie immer mehr an Bedeutung und Reife. Für ihren jungen Alter verhält sie sich ziemlich erwachsen. Da auch noch die Geschichte aus der Ich-Perspektive geschildert ist, habe ich Mira umso mehr kennen und verstehen gelernt.
    Das Ende hat mich zufrieden gestellt. Ein besseres Ende hätte Safier nicht wählen können. Auch wie der Lauf der Geschichte Gang eingenommen und bis zum Ende nicht an Spannung verloren hat, sollte man schon erwähnen.
    Probleme beim Lesen hatte ich keine gehabt. Auch der Sprachgebrauch hat mir gefallen, da Safier sich doch etwas an der leichten Sprache festgehalten hat.



    Fazit
    Ein gut gelungenes Buch, welches ich auf jeden Fall empfehlen kann. Es ist bewegend, ergreifend und setzt an den Emotionen des Lesers an.


  • Ich hoffe meine Anmerkung passt jetzt hier in den Thread. Es ist ne Ergänzung zu meiner Rezi...


    Ich finde es schade, dass die Fantasiegeschichte bei einigen so schlecht weg kommt. Wenn ich mich a dieses Buch erinnere, kommt mir immer auch diese Geschichte in den Sinn, wie wichtig Geschichten, Bilder und Gedanken für uns Menschen sind und für mich strahlt die Geschichte auch Kraft aus. Ich mochte sie...


    Grüße
    schokotimmi


    Bei mir liegt es daran, dass ich mit Fantasy nichts anfangen kann. Und deshalb konnte mich auch diese Geschichte überhaupt nicht begeistern. Und ehrlich gesagt, habe ich sie auch schon wieder vergessen :-[

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen

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