04: Seite 207 - Seite 263 (Teil Vier - einschl. "Weihnachten bin ich zu Hause")

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier könnt Ihr zum Inhalt von Seite 207 bis Seite 263 (Teil Vier "Sophie und Leah - Singapur, 1996" - einschl. "Weihnachten bin ich zu Hause") schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Obwohl Elise ziemlich am Ende dieses Abschnittes meint, dass sie, Chris und Leah ein"eigenes Sonnensystem" bilden, bin ich der Meinung, dass sie außer der Trauer nichts gemein haben. Jeder verbirgt seinen Kummer und stößt die anderen von sich, sobald sie näher kommen.


    Chris ist froh, wenn er sich nicht kümmern muss. Elise schwärmt für Bernhard und fängt ein Verhältnis an, um sich zu heilen.


    Was ist mit Leah? Sie leidet nicht nur, weil Sophie tot ist. Sie war eifersüchtig und ist es selbst jetzt noch und dann macht sie sich Vorwürfe, weil sie eifersüchtig ist. Mit exzessivem Sport versucht sie ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Sie meint, dass sie hätte sterben müssen und nicht Sophie.


    Sie braucht Hilfe. Aber von wem? Der Therapeut ist meiner Meinung nicht der richtige, um ihr zu helfen.

  • Es wäre super, wenn du ein bisschen auf die anderen Teilnehmer wartest! Unsere Faustregel heißt ja, nicht mehr als ein neuer Abschnitt am Tag, damit die Runden etwas mehr zusammenbleiben :winken:


  • Es wäre super, wenn du ein bisschen auf die anderen Teilnehmer wartest! Unsere Faustregel heißt ja, nicht mehr als ein neuer Abschnitt am Tag, damit die Runden etwas mehr zusammenbleiben :winken:


    Ok, aber ich fahre nächste Woche unverhofft ein paar Tage weg und wollte es vorher noch schaffen. Aber ich halte mich zurück.

  • Dieser Teil beschäftigt sich mit der Zeit nach Sophies Tod und wie jeder der Familie versucht, damit umzugehen. Sie schaffen es nicht, über ihre Trauer gemeinsam zu reden oder zu verarbeiten, sobald einer der Drei einen Vorstoß macht, blockt der Andere ab. Schade, daß so wenig Vertrauen untereinander da ist und jeder meint, den Verlust mit sich selber ausmachen zu müssen.


    Leah wird von Schuldgefühlen geplagt, weil Sophie genau zu dem Zeitpunkt starb, als sie von ihrer jüngeren Schwester die Nase voll hatte, weil diese, nach ihrer Meinung, immer die Bessere und Schönere von ihnen Beiden war. Der Rückblick, als Leah mit ihrem Vater und Sophie unterwegs ist, und sich die Beiden über die Funktionsweise von Flugzeugen unterhalten, zeigt deutlich, wie sich Leah manchmal ausgegrenzt vorkam. Leah ist der Überzeugung, sie hätte eher den Tod als Sophie verdient! Wie furchtbar, hoffentlich kommt sie von der Meinung bald weg. Neben der eingebildeten Schuld vermisst sie aber auch den Umgang mit ihrer Schwester, das gemeinsame Lachen usw.


    Toll finde ich den schnellen Perspektivwechsel auf Ko Samui, weil ich so die Gefühle und Ängste der Charaktere in einer gemeinsamen Situation erlebe. In der Ehe von Elise und Chris steht es wirklich nicht zum Besten, es besteht ein Vakuum in der Beziehung. Aber Elise scheint inzwischen mehr "Mutter" zu sein als vor der Geburt von Sophie, habe ich den Eindruck. Sie hat verständlicherweise Angst, daß auch noch die zweite Tochter ihr entgleitet. Die Affäre mit Bernard scheint eine Art Flucht zu sein, die sie immer wieder braucht.


    Christ vermisst seine Tochter, weil sie ihm näher war als Leah, weil sie einem Sohn ähnlicher war, einem Sohn, den er nie hatte.


  • Dieser Teil beschäftigt sich mit der Zeit nach Sophies Tod und wie jeder der Familie versucht, damit umzugehen. Sie schaffen es nicht, über ihre Trauer gemeinsam zu reden oder zu verarbeiten, sobald einer der Drei einen Vorstoß macht, blockt der Andere ab. Schade, daß so wenig Vertrauen untereinander da ist und jeder meint, den Verlust mit sich selber ausmachen zu müssen.


    Natürlich trauert jeder Mensch anders. Aber diese Familie hatte für mich nie einen Zusammenhalt, jeder lebte irgendwie für sich. Da wäre es fast unnatürlich, wenn sie jetzt zusammenrücken würden. Was natürlich schade ist.

  • Natürlich trauert jeder Mensch anders. Aber diese Familie hatte für mich nie einen Zusammenhalt, jeder lebte irgendwie für sich. Da wäre es fast unnatürlich, wenn sie jetzt zusammenrücken würden. Was natürlich schade ist.


    Da hast du recht, ich kann mir auch nicht vorstellen, daß sie irgendwie zusammenkommen.

  • Nach Sophies Tod bricht die Familie noch mehr auseinander. Sie hingen ja nie besonders eng zusammen, aber wenigstens die beiden Schwestern hatten einander.
    Nun scheint keiner mehr so recht zu wissen, wie er mit den anderen umgehen soll.


    Leah trifft der Verlust besonders, sie macht sich Vorwürfe, dass sie Sophie um so profane Dinge wie ihre blonden Locken beneidet hat.
    Sie stürzt sich auf den Sport und trainiert verbissen das Laufen, genau die Sportart, bei der Sophie gestorben ist.


    Weihnachten verbringen sie auf Ko Samui, um den Erinnerungen zu entgehen, aber natürlich funktioniert das nicht. Nur weil Sophie niemals Weihnachten in einem heißen Land verbringen wollte, ist dieses Kontrastprogramm zu den Weihnachten mit ihr nicht wirklich hilfreich, sondern zeigt den Verlust nur umso deutlicher.


    Dass Elise ihre Familie an einen Ort lotst, wo sie den Mann trifft, mit dem sie eine Affäre anfangen will, fand ich auf den ersten Blick wahnsinnig geschmacklos.
    Aber irgendeinen Halt braucht sie und innerhalb ihrer eigenen Ehe findet sie diesen anscheinend nicht. Chris weiß wahrscheinlich auch später von der Affäre, so wie er es auch bei diesem peinlichen Weihnachtsessen gesehen hat. Er lässt es zu und erst als Leah sich aufregt, geht er dazwischen, aber am Ende landen Elise und dieser Bernard doch am Strand. Dessen eigene Frau scheint ihn auf dem Zimmer auch nicht zu vermissen. Es liest sich alles so absurd und zeigt für mich sehr deutlich, wie einsam und verloren diese Menschen alle sind!

  • Dieser Leseabschnitt hat mir sehr gut gefallen, auch wenn er sehr bedrückend war!


    Durch die sich abwechselnden Erzählperspektiven kommt man endlich den Figuren richtig nahe und kann ihr Verhalten immer besser verstehen!
    Sehr seltsam ist auch der gemeinsame Weihnachtsurlaub auf Ko Samui verlaufen – er zeigt doch nur zu deutlich, dass ein Davonlaufen vor den Erinnerungen nicht möglich ist, aber nur durch den Ortswechsel lässt sich der verlorene Familienzusammenhalt auch nicht mehr herstellen!
    Nach Sophies tragischem Tod erleben wir, wie der Familienzusammenhalt sich völlig aufzulösen beginnt – nicht verwunderlich eigentlich, denn er hat ja schon vorher kaum noch bestanden.
    Die Ehe zwischen Elise und Chris ist nun auch endgültig am Ende, denn Elise flüchtet sich in eine Affäre mit Bernard und Chris gibt sich irgendwie geschlagen und toleriert es später sicher auch!
    Sehr viele Gefühle scheint er für Elise auch nicht mehr zu haben und ist erleichtert, wenn er seine Ruhe hat.


    Keinem gelingt es die Trauer gemeinsam in der Familie zu verarbeiten, jeder kapselt sich ab, versucht einen eigenen Weg zu finden mit dem Schmerz und dem Verlust fertig zu werden.
    Echt traurig, denn gerade Leah bräuchte doch dringend Hilfe in dieser Situation!
    Sie hat Schuldgefühle und ist der Meinung, dass eher sie hätte sterben sollen als die von allen geliebte Sophie!
    Nun schämt sie sich ihrer damaligen Gefühle und macht sich Vorwürfe, weil sie doch ständig eifersüchtig auf ihre Schwester war und sich weniger geliebt fühlte.
    Man könnte fast meinen, dass sie auch den Tod sucht, so exzessiv und rücksichtslos trainiert sie auf einmal – sehr beängstigend!
    Ich konnte sehr gut verstehen, dass Elise große Angst um ihre Tochter bekommen hat.


  • Dass Elise ihre Familie an einen Ort lotst, wo sie den Mann trifft, mit dem sie eine Affäre anfangen will, fand ich auf den ersten Blick wahnsinnig geschmacklos.
    Aber irgendeinen Halt braucht sie und innerhalb ihrer eigenen Ehe findet sie diesen anscheinend nicht. Chris weiß wahrscheinlich auch später von der Affäre, so wie er es auch bei diesem peinlichen Weihnachtsessen gesehen hat.


    Ich mich anfangs auch sehr gewundert und diese ganze Weihnachtsfeier als ziemlich abgeschmackt empfunden - vor allem, da Elise noch betont durch ihre Affäre mit Bernhard schließlich ihre Ehe mit Chris gerettet zu haben! ;D



    Ja, Rebecca scheint es auch nicht groß zu stören.


    Ich hatte auch fast den Eindruck, dass sie mit dieser Art Arrangement keine Probleme hatte ... ;D

  • Hallo zusammen,


    dieser Abschnitt handelt also von der Zeit nach Sophies Tod und davon, wie alle versuchen, damit umzugehen. Es ist ziemlich bedrückend zu lesen, wie die einzelnen Personen immer mehr zu Einzelkämpfern werden - obwohl sie sich ja schon früher nicht übermäßig nahe standen. Leah tut mir richtig leid, wie sie einerseits mit ihrer Eifersucht kämpft und andererseits wirklich ernsthaft davon überzeugt ist, dass sie anstelle von Sophie den Tod verdient hätte. Wie schrecklich, dass sie so etwas denkt! :(
    Elise hingegen zieht es vor, mit einem anderen Mann eine Affäre zu beginnen - vielleicht aus Selbstschutz, ja, aber es ist auch sehr viel Eigensinn dabei. Sie müssen doch alle mit dem Verlust umgehen - warum sucht sie so weit entfernt von ihrer Familie die Lösung, die keine ist? Ich verstehe sie immer weniger - auch wenn ich natürlich begreife, dass einiges ihrem Schmerz geschuldet ist.
    Bei Chris habe ich das Gefühl, dass er erleichtert ist, wenn er sich um möglichst wenig kümmern muss. Und er trauert um Sophie, weil sie sich besonders nahe standen - genau dieses Wissen, das Leah immer so eifersüchtig werden ließ…
    Von daher stimmt die Aussage Elises, dass die Drei ein Sonnensystem sind, schon irgendwie: alle kreisen um ihr eigenes Unvermögen, mit dem anderen zu sprechen, sich auszutauschen und gemeinsam zu trauern. Sie sind überhaupt nicht in der Lage, auf den jeweils anderen einzugehen und die schwierige Lage gemeinsam durchzustehen. Alleine die Flucht vor der Erinnerung nach Ko Samui zeigt deutlich, wie verloren die einzelnen Familienmitglieder sind, denn Weihnachten im sonnigen Paradies zeigt sehr anschaulich, welche Lücke der Tod Sophies bei ihnen allen gerissen hat…


    Oh je, ein wenig Angst habe ich vor dem Ende - ich gestehe.


    Liebe Grüße
    dubh


  • Von daher stimmt die Aussage Elises, dass die Drei ein Sonnensystem sind, schon irgendwie: alle kreisen um ihr eigenes Unvermögen, mit dem anderen zu sprechen, sich auszutauschen und gemeinsam zu trauern.


    Das ist wirklich ein anschauliches Bild, und wie in einem Sonnensystem, berühren sie sich nicht.

  • In diesem Abschnitt haben wir etwas mehr über die Zeit nach Sophies Tod erfahren. Wie die Familienmitglieder damit umgegangen sind, etc. Jeder trauert anders, das ist klar, aber ich finde schon, dass sie vielleicht mehr miteinander hätten reden sollen. So ist die Familie total kaputt gegangen, was ich sehr schade finde. Sowas hätte Sophie sicherlich nicht gewollt.


    Auch bei Elise geht es weiterhin bergab. Jetzt kann sie ihre Ehe endgültig begraben, denn sie beginnt eine Affäre, die Chris irgendwie total egal ist. Das ist ja mal wirklich eine seltsame Ehe, die die beiden da haben (hatten).


    Dieser Abschnitt war wirklich sehr bedrückend. Niemand ist mit seinem Leben so richtig zufrieden und ich fühle mich, als würde ich direkt mit drin stecken, weil in diesem Abschnitt alles so genau beschrieben worden ist, als hätten sich die Charaktere bei mir ausgeheult.


  • Auch bei Elise geht es weiterhin bergab. Jetzt kann sie ihre Ehe endgültig begraben, denn sie beginnt eine Affäre, die Chris irgendwie total egal ist. Das ist ja mal wirklich eine seltsame Ehe, die die beiden da haben (hatten).


    Umso erstaunlicher ist es, daß Elise der Meinung ist, mit dieser Affäre ihre Ehe gerettet zu haben.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen