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  • Elise hat mit Chris in London gelebt und sich dort wohl gefühlt. Nun ist sie in Hamburg, schwanger, einsam, kann sich kaum verständigen und Chris ist fast nie da. Sie kämpft aber gegen diese Einsamkeit nicht an. Ich habe den Eindruck, sie pflegt dieses Gefühl.


    Dann geschieht diese seltsame Begebenheit mit dem kleinen Jungen und dem Brief. Mich hat das verwirrt. Es war so in die Geschichte reingeworfen ohne weiteren Bezug.


    Dann ist Elise wieder in USA, Chris auf Reisen. Aber auch jetzt ist sie nicht zu Hause. Für mich ist sie entwurzelt. Sie lässt ihr Kind beim Babysitter und reist, aber das so planlos ohne Ziel, als wäre sie auf der Suche. Diese Reisen werden ermöglicht durch das Erbe, das sie nach dem Tod des Vaters erhielt. Weil er fast schon geizig war, bereitet es ih Genugtuung, das Geld großzügig auszugeben. Die späte Rache?


    Chris scheint sich in seiner Rolle und mit den vielen Reisen wohl zu fühlen. Dann irgendwann hat er gekündigt. Einfach so? Man gibt doch nicht so einen Posten einfach auf und genießt dann jahrelang das Nichtstun, ganz besonders, weil er zur Pflichterfüllung erzogen wurde.


    Dann kommt ein weiteres Kind. Aber führen sie überhaupt ein Familienleben? Auf mich wirkt es, als würden sie nebeneinander leben.


    Weitere Wohnorte, dann Singapur. Dort stirbt Sophie an einem angeborenen Herzfehler. Das Gespräch mit dem Therapeuten ist sehr seltsam. Alle sagen etwas, aber alles ist so zusammenhanglos. Auch hier fühlte ich keine Nähe.


    Beim Lesen fiel mir der Song aus dem Musical "Elisabeth" ein:
    Wir sind wie zwei Boote in der Nacht. Jedes hat sein eig'nes Ziel und seine eigene Fracht.

  • Das war ein langer, aber interessanter und auch abwechslungsreicher Abschnitt, auch wenn es eigentlich nur um Elise und ihre Familie geht.


    Gleich das erste Kapitel fand ich total skurril. Diese alte Frau lässt ihren verwaisten Enkel einfach mit dem Brief zu einer fremden Frau, die nur zufällig den gleichen Nachnamen und einen ähnlichen Vornamen hat und geht dann wieder?
    Der Kleine weiß zum Glück den Weg in diese Schrebergärten, aber das ist schon eine sehr merkwürdige Situation, oder?
    Und dann noch diese Frau im Gewächshaus, die den Brief am liebsten behalten wollte.
    Ich hab mich zwischendurch gefragt, ob Elise das wirklich erlebt, das klingt alles so verrückt.


    Auf jeden Fall war Elise in Deutschland nicht glücklich.
    Aber als sie wieder in den Staaten sind, ist sie es auch nicht. Das ist ein merkwürdiges Familienleben. Chris die meiste Zeit unterwegs und Elise ist geradezu froh, wenn er weg ist. Dann gibt sie das Kind zur Babysitterin und reist herum.
    Ich kann durchaus verstehen, wenn eine Mutter auch mal etwas anderes als Mutter sein will und auch mal eine Auszeit braucht, aber bei Elise wirkt das wie eine Flucht und ich sehe kaum eine Bindung zwischenn ihr und ihrer Tochter.
    So wie sie aufgewachsen ist, finde ich das auch gar nicht so verwunderlich, wirkliche Nähe hat sie ja in ihrer eigenen Familie nicht kennengelernt.
    Chris kennt seine Frau gar nicht wirklich, scheint mir. Aber ob sie sich überhaupt selber kennt?


    Sie bekommen ein zweites Kind, aber Sophie stirbt irgendwann. Das war auch wieder so eine Szene, mit der ich gar nicht gerechnet hatte, ich habe mich zwar gefragt, warum die Familie beim Therapeuten ist, aber dass Sophie tot ist, hat mich dann doch sehr überrascht.
    Der Therapeut ist auch ein komischer Vogel, wie er immer wieder darauf beharrt, dass das Gespräch unbedingt nach seinen Vorgaben abzulaufen hat...


    Ich finde das Buch bisher durchaus faszinierend, aber ich bleibe recht distanziert zu den Personen.


  • Gleich das erste Kapitel fand ich total skurril. Diese alte Frau lässt ihren verwaisten Enkel einfach mit dem Brief zu einer fremden Frau, die nur zufällig den gleichen Nachnamen und einen ähnlichen Vornamen hat und geht dann wieder?
    Der Kleine weiß zum Glück den Weg in diese Schrebergärten, aber das ist schon eine sehr merkwürdige Situation, oder?
    Und dann noch diese Frau im Gewächshaus, die den Brief am liebsten behalten wollte.
    Ich hab mich zwischendurch gefragt, ob Elise das wirklich erlebt, das klingt alles so verrückt.



    Aber als sie wieder in den Staaten sind, ist sie es auch nicht. Das ist ein merkwürdiges Familienleben. Chris die meiste Zeit unterwegs und Elise ist geradezu froh, wenn er weg ist. Dann gibt sie das Kind zur Babysitterin und reist herum.
    Ich kann durchaus verstehen, wenn eine Mutter auch mal etwas anderes als Mutter sein will und auch mal eine Auszeit braucht, aber bei Elise wirkt das wie eine Flucht und ich sehe kaum eine Bindung zwischenn ihr und ihrer Tochter.
    So wie sie aufgewachsen ist, finde ich das auch gar nicht so verwunderlich, wirkliche Nähe hat sie ja in ihrer eigenen Familie nicht kennengelernt.


    Da sie schon aus problematischen Familienverhältnissen stammt, kann sie wahrscheinlich schlecht echte Beziehungen aufbauen. Trotzdem finde ich ihr Verhalten ziemlich egoistisch.

  • Ich finde diesen Abschnitt etwas bedrückend: Elise ist auf der Suche nach Heimat und Geborgenheit, kommt aber irgendwie nie an. Sie sehnt sich nach Selbstbestimmung und fühlt sich zeitweise von ihrer Familie eingeengt, um dann aber doch wieder sich nach der Familie zu sehnen. Sie ist sehr zerrissen. Manchmal kann ich sie verstehen, manchmal schüttel ich den Kopf über sie.
    Elisa kommt mir wie eine Süchtige vor, sie muß sich durch das viele Baden die für sie "widerwärtigen Vorhaltungen" abwaschen, hier liegt noch einiges im Argen, aber es zieht sie immer wieder zurück - und wenn sie nicht in der Nähe ist, dann muß sie regelmäßig telefonieren.
    Sie ist der Meinung, sie hat ihre Familie im Stich gelassen, während Chris das Abstreifen des Bigotten als Befreiung ansieht.


    Mir ist aufgefallen, daß Ivy deutlich öfters erwähnt wird als die Brüder, die eher nur am Rand erscheinen. Ist es deswegen, weil Elise sich ihr näher verbunden fühlt, weil sie evtl. die gleichen Erlebnisse, was die Übergriffe angeht, mit Elise teilt?


    Bei den Zeitsprüngen muß ich etwas aufpassen, aber bisher sind die einzelnen Kapitel doch so untereinander verknüpft, daß ich nicht durcheinander gerate.


    Die alte Frau, die den Jungen mit dem Brief bei Elise läßt, ist ja seltsam bzw. die ganze Situation ist sehr seltsam, spiegelt aber sehr gut ihre Einsamkeit in Hamburg wieder. Die Frau im Gewächshaus ist auch eine komische Person, warum wollte sie den Brief nicht mehr hergeben?


    Elises Mutterliebe läßt etwas zu wünschen übrig, wenn sie heimlich ohne ihre Tochter verreist: auch hier ist sie zerrissen, sie sehnt sich nach ihrer elterlichen Familie, ihre Verbundenheit zur eigenen kleinen Familie ist nicht immer da. Auch die zweite Schwangerschaft bereitet ihr alles andere als Freude, wieder sieht sie sich eingeschränkt, dachte sogar über einen Schwangerschaftsabbruch nach.


    Dann kommt der Sprung in die Zukunft, als Sophie bereits gestorben ist. Die Idee, die Therapiesitzung mit direkter Rede darzustellen, finde ich gut. Auch, daß Sophie als Geist mit dabei ist. Mir kommt es so vor, daß Leah sich in der Familie etwas zurückgesetzt fühlt, während Sophie das Naturtalent war. Das erinnert mich etwas an Chris und Beth. Leah hängt sehr an ihrer gemeinsamen Zeit in London, ich denke, über die Zeit werden wir noch etwas erfahren. Viellelicht hängt sie auch deswegen so an London, weil Sophie zu dem Zeitpunkt noch gelebt hat.


    Auch wenn die "guten Jahre" so positiv dargestellt werden, werden sie Elise irgendwann langweilig. Sind die Jahre so gut, weil Chris mehr daheim ist und damit auch mehr Zeit für seine Familie hat? Weil sie in wieder in Amerika leben und Elise in der Nähe ihrer Familie ist? Er selbst ist natürlich nicht so glücklich mit seiner Arbeitslosigkeit.


    Wenn Elise in der Nachbarschaft ihrer Eltern leben würde, wäre sie dann wirklich glücklicher? Ich bezweifle es.


  • Weil er fast schon geizig war, bereitet es ih Genugtuung, das Geld großzügig auszugeben. Die späte Rache?


    Das kann ich ja noch nachvollziehen, aber sie könnte die Reisen auch mit Leah zusammen unternehmen.



    Chris scheint sich in seiner Rolle und mit den vielen Reisen wohl zu fühlen. Dann irgendwann hat er gekündigt. Einfach so? Man gibt doch nicht so einen Posten einfach auf und genießt dann jahrelang das Nichtstun, ganz besonders, weil er zur Pflichterfüllung erzogen wurde.


    Sein Chef in London muß schon sehr mies gewesen sein, wenn Chris freiwillig kündigt.



    Dann kommt ein weiteres Kind. Aber führen sie überhaupt ein Familienleben? Auf mich wirkt es, als würden sie nebeneinander leben.
    ...
    Beim Lesen fiel mir der Song aus dem Musical "Elisabeth" ein:
    Wir sind wie zwei Boote in der Nacht. Jedes hat sein eig'nes Ziel und seine eigene Fracht.


    Das trifft es sehr gut, so empfinde ich das auch.


  • Ich hab mich zwischendurch gefragt, ob Elise das wirklich erlebt, das klingt alles so verrückt.


    Für mich fühlte sich das auch beinahe unwirklich an.



    So wie sie aufgewachsen ist, finde ich das auch gar nicht so verwunderlich, wirkliche Nähe hat sie ja in ihrer eigenen Familie nicht kennengelernt.
    Chris kennt seine Frau gar nicht wirklich, scheint mir. Aber ob sie sich überhaupt selber kennt?


    Ich denke auch, daß ihre Kindheit und die Übergriffe eine Rolle spielen, daß sie Probleme mit Nähe zu ihrer Tochter hat. Ich glaube auch nicht, daß Elise sich selber kennt.

  • Die unterschiedlichen Erzählperspektiven und -stile gefallen mir sehr gut.
    Ich habe mich schon gefragt, von welchem Außenstehenden die meisten Kapitel eigentlich erzählt werden.
    Auch wenn es keine chronologische Reihenfolge der Erzählungen mehr gibt (zum Glück helfen die Überschriften der Kapitel zur Orientierung bei den vielen Zeit-Sprüngen!), bekommt man einen guten Eindruck von den Entwicklungen, die die einzelnen Figuren auf ihren einzelnen Stationen nehmen und bekommt das ungute Gefühl, dass in ihrem Leben doch vieles gehörig schief läuft und vor allem sich das Gefühl der Einsamkeit und des Nichtdazugehörens sich immer mehr bei Elise festgesetzt hat.
    Ich finde allerdings die Protagonisten insgesamt aber wenig greifbar und werde nicht so richtig warm mit ihnen.


    Sehr bizarr fand ich die Episode in Hannover mit den namensverwandten Kriegssteins – was soll uns diese schon fast surreale Geschichte sagen?
    Mir kam das eher wie ein wirrer Traum vor!


    Die Beziehung zwischen Chris und Elisa ist irgendwie sonderbar, ich finde es schwer einzuschätzen, was sie überhaupt verbindet – sie leben einfach so nebeneinander her und scheinen wenig miteinander zu kommunizieren.
    Elisa liebt es, wenn Chris auf Reisen ist und sie sich ihre Freiräume nehmen kann, was ja auch in Ordnung ist.
    Etwas stutzig macht mich allerdings ihr Verhalten kurz nach der Geburt des Kindes, dass sie dann heimlich selbst alleine wegfährt und ihr Baby bei der Babysitterin ablädt.
    Mir erscheint es so, dass sie hoffnungslos mit ihrer Situation überfordert ist und daher vor der Verantwortung flüchtet.
    Hat Elise durch ihren Missbrauch und die fehlende Unterstützung durch ihre Mutter Probleme, eine richtige Mutter-Tochter-Beziehung und echte Bindung zu ihrer Tochter aufzubauen?
    Wie soll sie eine liebevolle Mutterrolle einnehmen, wenn sie selbst dies nie erfahren hat?


    Chris ist ja wohl in seinem Leben extrem auf Erfolg getrimmt worden und hat durch seine sportlichen und später beruflichen Leistungen auch immer die gewünschte Anerkennung bekommen.
    Der ständige Erfolgsdruck, der auf Chris lastet, ist sicher auch nicht leicht für ihn – war seine plötzliche Kündigung für ihn eine Art Befreiungsschlag und Ausstieg aus dem unerträglichen Hamsterrad?
    Die recht guten fünf Jahre in Atlanta – mir kamen sie irgendwie kein bisschen glücklich vor!
    Ist Elise überhaupt fähig, so etwas wie Glück zu empfinden?
    Und als sich die Langeweile einstellt, flüchten sie wieder ins Ausland!


    Absolutes Highlight war für mich in diesem Abschnitt diese merkwürdige Therapiesitzung in Singapur, die treffenderweise als beinahe absurdes Theaterstück geschrieben ist.
    Die bereits verstorbene Sophie ist hier mit anwesend und gibt ihre Kommentare ab!


    Sehr gut kann man hier herauslesen, was nachher ja auch ganz offen aus gesprochen wurde „Die Familie ist am A....-„!
    Und man ahnt, dass es bei den Kriegsteins schon lange kein echtes Familienleben mehr gibt.
    Hier wird die Verlorenheit und Einsamkeit der einzelnen Charaktere doch sehr greifbar, auch der Schmerz über den unfassbaren Verlust der Tochter.
    Leah tut mir am meisten leid!
    Sie erscheint mir so einsam zu sein, irgendwie heimat- und orientierungslos – hat sie in dieser Familie überhaupt echte Liebe und Geborgenheit kennen gelernt?


  • Die recht guten fünf Jahre in Atlanta – mir kamen sie irgendwie kein bisschen glücklich vor!
    Ist Elise überhaupt fähig, so etwas wie Glück zu empfinden?
    Und als sich die Langeweile einstellt, flüchten sie wieder ins Ausland!


    Mir kamen die Jahre auch nicht so wirklich glücklich vor.


  • Die Beziehung zwischen Chris und Elisa ist irgendwie sonderbar, ich finde es schwer einzuschätzen, was sie überhaupt verbindet – sie leben einfach so nebeneinander her und scheinen wenig miteinander zu kommunizieren.
    Elisa liebt es, wenn Chris auf Reisen ist und sie sich ihre Freiräume nehmen kann, was ja auch in Ordnung ist.


    Mir scheint es auch, dass da keine Beziehung ist. Wie den auch, wenn man eigentlich ständig getrennt ist. Eine Fernbeziehung wäre keine Option für mich. Wozu benötige ich eine Beziehung, wenn der Andere nie da ist?



    Chris ist ja wohl in seinem Leben extrem auf Erfolg getrimmt worden und hat durch seine sportlichen und später beruflichen Leistungen auch immer die gewünschte Anerkennung bekommen.
    Der ständige Erfolgsdruck, der auf Chris lastet, ist sicher auch nicht leicht für ihn – war seine plötzliche Kündigung für ihn eine Art Befreiungsschlag und Ausstieg aus dem unerträglichen Hamsterrad?


    Ich hatte den Eindruck, dass Chris Erfolg und Anerkennung nicht nur braucht, sondern dass es für ihn Lebenselexier ist.

  • Elise tut mir irgendwie richtig leid. Sie ist von ihrem ganzen Leben wohl nicht so richtig überzeugt, nichts macht sie glücklich. Sie ist so ein Mensch, der bestimmt gerne mal zu Depressionen neigt - so wäre es bei mir zumindest, wenn mein Leben und alles darum herum so trist wäre. Ihre Beziehung zu Chris ist nicht wirklich das, was eine Beziehung sein sollte. Irgendwie fehlt dabei die Liebe. Sie sehen sich auch so selten, wie kann man da eine schöne Beziehung aufbauen? Auch gegenüber ihrem Kind ist Elise kalt. Ob auch hier die Liebe fehlt? Ich kann sie meistens gar nicht verstehen, aber manchmal verstehe ich schon, warum sie so ist, wie sie ist.


    Chris ist das volle Gegenteil von Elise. So kommt er mir zumindest vor. Er liebt sein Leben, hat Ziele, braucht Anerkennung und ist gerne im Mittelpunkt.


    Die Zeitsprünge verwirren mich im Moment noch, obwohl die Kapiteleinteilung eigentlich sonst sehr übersichtlich ist. Aber ich glaube das legt sich nach der Zeit noch.


    Einige Jahre später hat Elise ihr zweites Kind mittlerweile schon bekommen, aber sie ist auch schon verstorben. Das ging irgendwie ein bisschen schnell.


    Mal sehen, was der nächste Abschnitt mit sich bringt.

  • Hallo zusammen,


    Eure Eindrücke sind sehr spannend. :)



    Elise hat mit Chris in London gelebt und sich dort wohl gefühlt. Nun ist sie in Hamburg, schwanger, einsam, kann sich kaum verständigen und Chris ist fast nie da. Sie kämpft aber gegen diese Einsamkeit nicht an. Ich habe den Eindruck, sie pflegt dieses Gefühl.


    Diesen Eindruck habe ich allerdings auch. Außerdem habe ich mich gefragt, ob Elise möglicherweise depressiv sein könnte, denn ich habe den Eindruck, dass sie sich im Grunde nur auf die heiße Badewanne freut… Diese Wärme von außen scheint sie auch innerlich zu erreichen - sonst nicht besonders viel. Ich frage mich ebenfalls, ob sie Chris' Antrag am See wirklich aus ganzem Herzen bejaht hat oder ob dies nur ein sehr günstiger "Fluchtweg" für sie war. Ich meine, ja, sie hat irgendwie Gefühle für Chris - aber reichen sie aus?


    Zitat

    Dann geschieht diese seltsame Begebenheit mit dem kleinen Jungen und dem Brief. Mich hat das verwirrt. Es war so in die Geschichte reingeworfen ohne weiteren


    Das war wirklich eine sehr seltsame Situation! Allerdings hat es mich auch berührt, wie Elise den Jungen an ihren Bauch drückt und ihn tröstet… Zeigt sie da Mitgefühl oder ist es vor allem Hilflosigkeit? Ich kann es nicht so richtig einschätzen.
    Aber die Begebenheit an sich ist doch schon ziemlich strange, oder? Da findet die Großmutter des Jungen eine Klingel mit einem Namensschild, schreibt einen Brief an die unbekannte Frau (naja nun, sie denkt ja, es wäre ihre Tochter) und stellt den Jungen dort einfach ab? :o Ehrlich gesagt habe ich kurz überlegt, ob es sich um einen Tagtraum von Elise handeln könnte. Einfach, weil sie sich selbst einsam fühlt und sich so einen "Gefährten" herbeisehnt. Doch die Situation scheint so zu passieren… Ist die Großmutter verwirrt? Und was ist das für eine eigentümliche "Feier" im Schrebergarten? Und dann auch noch diese auf Elise arrogant wirkende Frau im Gewächshaus: warum will sie unbedingt den Brief, den die Großmutter Elise/ Liesel geschrieben hat?




    Aber als sie wieder in den Staaten sind, ist sie es auch nicht. Das ist ein merkwürdiges Familienleben. Chris die meiste Zeit unterwegs und Elise ist geradezu froh, wenn er weg ist. Dann gibt sie das Kind zur Babysitterin und reist herum.
    Ich kann durchaus verstehen, wenn eine Mutter auch mal etwas anderes als Mutter sein will und auch mal eine Auszeit braucht, aber bei Elise wirkt das wie eine Flucht und ich sehe kaum eine Bindung zwischenn ihr und ihrer Tochter.
    So wie sie aufgewachsen ist, finde ich das auch gar nicht so verwunderlich, wirkliche Nähe hat sie ja in ihrer eigenen Familie nicht kennengelernt.
    Chris kennt seine Frau gar nicht wirklich, scheint mir. Aber ob sie sich überhaupt selber kennt?


    Eine ziemlich gute Frage! Ich denke nicht, dass Elise sich selbst kennt. Nach wie vor habe ich das Gefühl, dass sie das Erlebte nicht im Geringsten verarbeitet hat und sich von einer Situation in die nächste flüchtet: sie lebt vor sich hin, zuerst als missionierende Christin, dann als Date eines Auslandsstudenten, dann als dessen Ehefrau und schließlich als Mutter. Ob sie denkt, dass dies die Bahnen sind, die sie einhalten muss? Dass es sich so "gehört"? Oder will sie nur mit allen Mitteln nicht zuhause sein?
    Die Einsamkeit in Deutschland kann ich nachvollziehen. Es ist nicht unbedingt einfach, in einer Großstadt wie Hamburg Freunde kennen zu lernen - schon gar nicht, wenn man die Sprache nicht spricht und kaum vor die Haustür geht. Aber es geht ja weiter, egal wo sie ist.


    Zitat

    Sie bekommen ein zweites Kind, aber Sophie stirbt irgendwann. Das war auch wieder so eine Szene, mit der ich gar nicht gerechnet hatte, ich habe mich zwar gefragt, warum die Familie beim Therapeuten ist, aber dass Sophie tot ist, hat mich dann doch sehr überrascht.


    Da ich vom Tod der Tochter schon wusste, hat es mich nicht allzu sehr überrascht, aber die Tatsache, dass sich die Familie Hilfe sucht, schon. Mich interessiert sehr, wie Elise und Chris mit der Trauer umgehen.


    Die Sprache des Buches gefällt mir nach wie vor sehr gut, auch wenn im zweiten Leseabschnitt nicht mehr aus solch ungewöhnlicher Perspektive berichtet wird. Auch die Zerrissenheit von Elise wird ziemlich gut dargestellt, auch wenn ich ihr selbst nicht näher komme, was es aber vielleicht gerade so realistisch macht, denn Elise lässt ja auch niemanden an sich heran… Aber es liegt auch an ihrer Art, Mutter zu sein, dass ich ihr fern bleibe: sie ist selbst als Kind ein Opfer gewesen und kann nun ihrer Familie nicht immer die Liebe geben, die sie verdient hätte. Ich bin mir sicher, dass dies vor allem daran liegt, dass sie ihre eigene Geschichte niemals aufgearbeitet hat. Ob sie jemals damit fertig wird und dadurch befreiter leben kann? Momentan bezweifle ich es.


    Liebe Grüße
    dubh


  • Aber die Begebenheit an sich ist doch schon ziemlich strange, oder? Da findet die Großmutter des Jungen eine Klingel mit einem Namensschild, schreibt einen Brief an die unbekannte Frau (naja nun, sie denkt ja, es wäre ihre Tochter) und stellt den Jungen dort einfach ab? :o Ehrlich gesagt habe ich kurz überlegt, ob es sich um einen Tagtraum von Elise handeln könnte. Einfach, weil sie sich selbst einsam fühlt und sich so einen "Gefährten" herbeisehnt. Doch die Situation scheint so zu passieren… Ist die Großmutter verwirrt? Und was ist das für eine eigentümliche "Feier" im Schrebergarten? Und dann auch noch diese auf Elise arrogant wirkende Frau im Gewächshaus: warum will sie unbedingt den Brief, den die Großmutter Elise/ Liesel geschrieben hat?


    Nachdem ich nun das Buch beendet habe, kann ich diese Szene immer noch nicht einordnen und beurteilen, sie bleibt weiterhin irgendwie "unwirklich".

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen