#05 - Seite 362 - 449 (einschließlich Kapitel 14)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

  • Aber wie groß musste die Verletzung sein, daß er als front-untauglich galt ?
    Mit einer Fleischwunde oder einem glatten Durchschuss hätte er doch nach der Genesung wieder an die Front gemusst, oder ??


    Ja, das schon. Man hat wohl auf so ein Zwischending spekuliert - nicht lebensgefährlich, aber schlimm genug für eine langwierige Genesungsphase - in der Hoffnung, dass der Krieg bis dahin aus wäre. Denke ich zumindest.


    Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass der eine oder andere angesichts des Grauens in den Schützengräben bewusst dauerhafte Schäden in Kauf genommen hat, vielleicht ohne sich darüber ganz im klaren zu sein, was das am Ende wirklich heißt, mit einem fehlenden Arm oder Bein oder Auge leben zu müssen.

    Nicht müde werden,sondern dem Wunder wie einem Vogel die Hand hinhalten.<br />-Hilde Domin-

  • So weit ich das herausgefunden habe, mussten es Verletzungen sein, die nicht in den Lazaretten an der Front, sondern nur in richtigen Krankenhäusern behandelt werden konnten. Ein bisschen war das wie russisches Roulette. Man konnte ja auch "Glück" haben und es reichte doch "nur" für ein Feldlazarett. Oder man hatte "Pech" und es ging weitaus schlimmer aus.


    Valentine hat sicherlich recht: So mancher hat die langwierigen Folgen einer solchen Verletzung/ Verkrüppelung gar nicht bedacht. Es ging nur darum, dem Grauen "vorn" zu entkommen.... Sehr erschütternd!

  • Valentine hat sicherlich recht: So mancher hat die langwierigen Folgen einer solchen Verletzung/ Verkrüppelung gar nicht bedacht. Es ging nur darum, dem Grauen "vorn" zu entkommen.... Sehr erschütternd!


    Im Grunde genommen hatte Ansgar doch nur die Wahl zwischen Pest und Cholera - vermutlich an der Front sterben oder ohne Arm/Bein/Auge leben.


    Aber es gab natürlich auch Soldaten die ihren Tod als eine Heldentat gesehen haben und lieber an der Front gestorben wären als sich selbst zu verstümmeln.


    Unvorstellbar......

  • Hallo zusammen,


    Selma will Gero suchen? Ist sie verrückt? Sie hat immerhin Verantwortung für ein kleines Kind und es herrscht Krieg! :o


    Aber von Anfang an. Gero ist aus dem Krieg nachhause gekommen und hier zeigt sich, wie traumatisiert er ist: ihm steht nicht der Sinn nach Vergnügungen und er kann auch ob der schwärmerischen Darstellungen Grischas nicht den Mund halten. Sicherlich, Grischa ist jung, naiv und von der Kriegspropaganda beeinflusst, aber ich kann Geros Ausbruch gut verstehen - auch wenn keiner der Anwesenden nachvollziehen kann, was innerlich wirklich in ihm vorgeht. Wenn ich nur darüber nachdenke, dass die Menschen, die in der Heimat verblieben sind, mit lächerlichen Aktionen ihre Vaterlandsliebe auszudrücken versuchten, wie beispielsweise, dass sie Worte wie Whiskey oder Camembert nicht mehr verwendeten, während in den Schützengräben sie Menschen elendig verreckten, durch Senfgas schwerste Verwundungen hinnehmen mussten und durch ihre Erlebnisse bis ins Mark erschüttert wurden - um nur einige Grausamkeiten zu nennen… Unfassbar, wenn man das aus heutiger Sicht betrachtet. Und gleichzeitig macht es mich so unendlich dankbar, dass wir im Frieden aufwachsen durften und in einem demokratischen und sicheren Land leben.
    Ansgar (den ich nicht sonderlich mag, zugegeben) ist da ein gutes Beispiel für all die Männer, die selbst schwere Verwundungen fast dankbar entgegen genommen haben, weil sie dann nachhause durften. Ich habe auch schon in Dokumentationen über verschiedene Kriege (II. Weltkrieg, Vietnam) Männer sagen hören, dass sie neidisch waren, wenn ihre schwer verletzten Kameraden abtransportiert wurden. Ich erinnere mich nur halb an eine Aussage eines Soldaten, dessen bester Freund sich absichtlich selbst in den Fuß geschossen hat... Es war die pure Verzweiflung, der Hölle zu entkommen. In meinen Augen kaum vorstellbar. Von daher - wie gesagt - kann ich Geros Ausbruch nur gut nachvollziehen. Zumal er ja eine ziemlich gute Analyse zum Krieg generell macht.


    Dieser Krieg ist wirklich eine Zeitenwende, wenn auch eine unfassbar grausame. 10 Millionen tote, 20 Millionen verwundete Soldaten und rund 7 Millionen zivile Opfer. Zahlen, die beträchtliche Lücken in den Nachkriegsgesellschaften gerissen haben… Ganz abgesehen von den unzähligen traumatisierten Menschen, die auf keinerlei Behandlung oder Rehabilitation hoffen konnten, sondern von heute auf morgen wieder einen Broterwerb finden mussten, um sich und ihre Familien über die Runden zu bringen. Wer das nicht konnte, hatte schlicht und ergreifend Pech.


    Und das noch Schlimmere ist: nur gut 20 Jahre später mündete das in einen noch verheerenderen Krieg mit über 65 Millionen Toten. Angesichts solcher Zahlen bin ich immer wieder sprachlos.


    Tja, und dann will Selma also Gero suchen - was für ein Leichtsinn! Zum Glück hat Meta, die dieses Mal wirklich ebenso geschockt von Selmas Vorhaben ist, da wieder einmal eine sehr gute Idee: Robert. Ich hoffe nun sehr auf ihn!


    Liebe Grüße
    dubh


  • Und das noch Schlimmere ist: nur gut 20 Jahre später mündete das in einen noch verheerenderen Krieg mit über 65 Millionen Toten. Angesichts solcher Zahlen bin ich immer wieder sprachlos.


    Das macht mich immer erst recht fertig. Schlimm genug, was für eine furchtbare "Bilanz" der erste Weltkrieg hat, und dann das, so wenig später, und mit noch viel übleren Folgen.

    Nicht müde werden,sondern dem Wunder wie einem Vogel die Hand hinhalten.<br />-Hilde Domin-

  • Aus heutiger Sicht ist es wirklich erschreckend, wie nah die beiden Weltkriege aufeinanderfolgen und das, wo der Erste doch wirklich die Welt aus den Angeln gehoben und die Menschen in Europa in eine tiefe Krise gestürzt hat. Aber genau darin liegen dann ja auch wiederum die Ursachen für den 2. Weltkrieg.


    Mir ist das eigentlich auch erst im Rahmen der Recherche für den Roman so richtig bewusst geworden, was vielleicht auch daran liegt, dass ich mir inzwischen Zeiträume von 20 und 30 Jahren aus eigener Erfahrung vor Augen führen kann. Und zugleich wird mir dabei bewusst, wie "nah dran" ich dank Großeltern und Eltern noch an beiden Ereignissen bin. Auch das ist mir jetzt so richtig klar geworden. Deshalb wollte ich den Roman auch unbedingt schreiben. Gerade Geros Erfahrungen, die letztlich ein Konglomerat verschiedenster Eindrücke aus Briefen, Tagebüchern, Dokumentationen und Zeitzeugenberichten sind, sind mir deshalb wahrscheinlich so besonders nah gegangen. Es muss ein Alptraum sein, solche Dinge mitzuerleben.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen