03 - Seite 160 bis 265

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  • Hier könnt Ihr zum Inhalt von Seite 160 bis 265 (ab New York, Juni bis Dezember 1933) schreiben.


    Erster Satz: "Die Mutter der Marx Brothers ist auch Ostfriesin."


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

    Liebe Grüße

    Dani

    Einmal editiert, zuletzt von Spatzi79 ()

  • Hier regnet es seit Stunden sintflutartig, daher habe ich mir noch ein bisschen Sonne im Herzen gegönnt und mit einem Stück Apfelkuchen weitergelesen. Nun lege ich das Buch aber schweren Herzens für heute weg ;)


    In diesem Abschnitt ändert sich viel für Marie - von der Fabrik über den Schönheitssalon bis hin zur größeren Gaststätte mit ihren Brüdern.
    Das ist natürlich nicht nur eine berufliche Entwicklung, sondern vor allem eine persönliche. Sie lernt, mehr aus sich zu machen, auch wenn sie dazu gar nicht zu allzu dramatischen Mitteln greifen muss. Seit sie ihre Schüchternheit überwunden hat, ist ihre liebenswürdige und natürliche Art ihr größtes Kapital. Neben dem Cheese Cake natürlich.
    Wahnsinn, wie sich der Coffee Shop dank des Kuchens entwickelt und vergrößert hat!


    Und wie spannend, dass so viele verschiedene Menschen nun zu ihnen kommen, alles wegen des Kuchens.
    Als Frank da mit seinen Selbstmordgedanken auftaucht, musste ich ja kurz über Maries schlagfertige Vorschläge schmunzeln, aber schnell wird ihr klar, dass der Mann keine Scherze macht. Aber wirklich umbringen wollte er sich wohl auch nicht, er war eben verzweifelt über die Trennung. Gut, dass er bei Marie gelandet ist, bevor er in diesem Zustand wirklich noch eine Dummheit gemacht hätte!


    Tja und da ist nun auch Walter Donague. Reich, gutaussehend, freundlich und charmant - eine gefährliche Mischung! Ich könnte gut verstehen, wenn Marie sich in ihn verliebt! Aber ist so ein Mann nicht wirklich außerhalb ihrer Reichweite? Sie kommen ja aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten und das zählt auch in Amerika.
    Abgesehen davon träumt sie ja weiter von ihrem Rudolf. Dessen Entwicklung, so weit wir sie in den Briefen mitbekommen, gefällt mir gar nicht. "Eine deutsche Frau schminkt sich nicht." Ohje. Er scheint ja voll in der Nazi-Propaganda aufzugehen. Ich glaube immer weniger, dass er derjenige ist, mit dem Marie ihr Glück finden wird.


    In diesem Abschnitt kam auch die Frage auf, was aus Frieda und ihrem Mann geworden ist. Niemand weiß es. Marie hat in Amerika nichts mehr erfahren und ihr Bruder Jonny in Deutschland hatte keinen Kontakt zu der Tante. Das klingt nachvollziehbar, denn Marie hatte ja als einzige dem Kontaktverbot des Vaters getrotzt und sich trotz Friedas jüdischem Ehemann immer mit ihr getroffen. In den 60er Jahren, als sie in Deutschland zu Besuch war, hatte sie kaum Zeit für Nachforschungen und es war wahrscheinlich auch nicht die richtige Zeit, um Fragen nach dem Verbleib einer jüdischen Familie zu stellen. In den Jahren nach dem Krieg wollen ja viele von nichts gewusst haben, ich nehme an, da wäre Marie, selbst wenn sie Fragen gestellt hätte, gegen eine Wand gelaufen.


    Vielleicht kann Rona nun, mit 40 weiteren Jahren Abstand und 2 Generationen weiter, das Schicksal von Frieda und ihrer Familie aufklären.
    Ich denke, sie ist die richtige dafür, denn Marie übergibt ihr im weiteren Verlauf bestimmt noch das Rezept - da gehört es vielleicht auch dazu, das Erbe anzunehmen und herauszufinden, was aus derjenigen geworden ist, die Marie ihren Aufstieg dadurch erst ermöglicht hat.


    Ich finde das Buch total bewegend, es werden so viele Dinge angesprochen, über die man sich Gedanken machen kann. Momentan schwelge ich noch lieber in der Vergangenheit und erlebe Maries Leben mit, aber ich bin schon auch neugierig, wie es mit Rona weitergehen wird!

  • Hallo zusammen,


    Marie schlägt sich unglaublich wacker - ich bewundere sie für ihre Art anzupacken und sich für Nichts zu schade zu sein. Und dadurch gewinnt sie Stück für Stück dazu, denn sie wird selbstbewusster, noch offener und schätzt den Umgang mit den Kunden - sei es zuerst im Schönheitstempel oder dann "Vollzeit" im Wiemky's. Außerdem finde ich sie nach wie vor einfach großartig, denn sie steht zu ihrem Versprechen. Trotzdem fürchte ich, dass das erste Versprechen, das sie brechen wird, das sein wird, welches sie Rudolf gegeben hat. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass die beiden nicht mehr so richtig zusammen passen würden. Rudolf lebt weiter sein Leben, findet Erfüllung in seinem Beruf und möchte mit seinem Theaterstück etwas zu der (vermeintlichen) Aufbruchstimmung beitragen. Marie hingegen hat sich weiterentwickelt, ist erwachsen und selbstbewusster geworden. Sicher passt sie noch nach Ostfriesland, in eine einfache Wohnung und ist in der Lage hart zu arbeiten… Aber wäre sie auch bereit, all die Freiheiten wieder aufzugeben? Auf die Gesichter zu verzichten, die aufleuchten, sobald die Menschen ihren Cheese Cake kosten? Marie ist sich für nichts zu schade, aber als Hausfrau und Mutter kann ich sie inzwischen nicht mehr sehen.
    Dann ist da Walter Donague. Auch wenn ihn vielleicht etwas leicht Verruchtes umgibt: ich mag ihn. Er ist zwar bei seinem ersten Besuch im Wiemky's etwas sehr keck zu Marie, aber ich denke trotzdem, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Offensichtlich muss er nicht abrieten, aber er erscheint mir auch nicht unbedingt in der Welt seines Vaters zuhause. Ob er sich deshalb gleich in der Fire-Island-Clique integriert? Vielleicht langweilt ihn das Leben als reicher Erbe ja und die vielen Starlets an seiner Seite sind nicht mehr als der Versuch eines Zeitvertreibs… Oder hat er sich schon in Marie verguckt? Jedenfalls denke ich nicht, dass er im Auftrag seines Vaters Marie Wiemkes ausspioniert. Dass die von ihm beeindruckt ist, kann ich mir vorstellen - immerhin scheint die halbe Frauenwelt für ihn zu schwärmen. Walter ist allerdings das glatte Gegenteil zu Rudolf - wer sich dann wohl in Maries Herz durchsetzt? ;)
    Dass keiner von den Wiemkes weiß, was mit Frieda Levy und ihrer Familie wurde, stimmt mich traurig. Immerhin hat Marie sie bei ihrem ersten Besuch in der alten Heimat sie gesucht! Alleine die Tatsache, dass schon in den 1960ern niemand etwas über den Verbleib Friedas wusste, macht mir große Sorgen. Wenn der Familie die Flucht gelungen wäre, hätte sie sich doch sicherlich bei Marie gemeldet, oder? Ob Rona etwas über die Levys herausfinden kann? So oder so ist es traurig, denn Frieda war bei Maries Abreise ja schon über 50, von daher ist ein Wiedersehen zwischen Marie und Frieda ausgeschlossen.
    An der ein oder anderen Stelle muss ich aber auch ganz schön schmunzeln: sei es bei den Unwetterplanungen der Geschwister oder den Reaktionen der Brüder auf ihre geschminkte, sehr attraktive Schwester. Jaja, wenn das Heinrich Wiemkes wüsste! Ganz zu schweigen von den Arbeitsplätzen seiner Tochter und deren Bekanntschaften. Oder was denkt ihr, würden Heinrich und Tabea zu einem homosexuellen Frank sagen? ;D


    Bekommen wir die geheime Zutat des Cheese Cakes eigentlich noch zu lesen? Ich bin inzwischen so neugierig - vom Appetit auf Cheese Cake New York Style ganz zu schweigen! :herz:


    Liebe Grüße
    dubh


  • Wahnsinn, wie sich der Coffee Shop dank des Kuchens entwickelt und vergrößert hat!


    Oh, ich sehe das Wiemky's förmlich vor meinen Augen: die Inneneinrichtung sieht aus wie ein klassisches amerikanisches Diner der 30er Jahre, der Blick draußen geht über das Wasser direkt auf Manhattan und es gibt die herrlichsten Dinge: dicke, fluffige Pancakes, French Toast, Eggs Benedict, gegrilltes Gemüse und New York Cheese Cake. Dazu schlechten Kaffee und zu Mittag wechselnde Tagesangebote, die sich an die Rezepte der alten Heimat anlehnen…
    Ganz ehrlich? Ich wäre da auch öfter… und ich habe das Gefühl, dass ich den Fire-Island-Tisch auch ganz unterhaltsam finden könnte. ;D

  • Ich habe mir auch noch den 3. Abschnitt gegönnt, das Buch ist einfach zu herrlich und für Sonntag eine gelungene Entspannung.


    Toll fand ich hier, dass sich Marie neu entdeckt und durch Wally sich ein wenig verändert so rein äußerlich. Das lässt sie neues Selbstbewusstsein erlangen und das gefällt mir.


    Der Käsekuchen hat ja echt magische Fähigkeiten, wenn er die entzweiten Geschwister wieder vereint, Streitigkeiten dadurch geschlichtet werden und er sogar Menschenleben rettet. :o Aus dem Coffee Shop wird ja dank des Kuchens auch ein toller Laden und vergrößert sich, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass nun offiziell Alkohol ausgeschenkt werden darf. Krass was das für Auswirkungen haben kann.


    Zutiefst berührt hat mich, dass Marie gar nicht weiß, ob ihre Tante Frieda den Holocaust überlebt hat oder nicht, denn zuletzt hörten sie 1938 von einander. Ich ahne Böses... :o


    Herrlich sind auch die vielen Nebensächlichkeiten, die am Rande genannt werden und dadurch die Geschichte noch mehr beleben so z.B. das Erläutern der koscheren Lebensweise bei Juden oder dass es in New York bekennende Homosexuelle gibt.


    Etwas genervt (Entschuldigung!!) hat mich der Hype zwischendurch um den Käsekuchen, dass alle Kuchen backen wollen wie Marie und jeder das Rezept haben will. Kann ein Kuchen wirklich so köstlich sein? Gut fand ich hingegen, dass Marie ihr Wort hält und das Rezept nicht verrät und dass sie ehrlich bleibt. Fies, dass die Brüder sie da erst bedrängen, denn es ist ihr Rezept und sie darf entscheiden und wenn jemand zu seinem Wort steht, dann ist das für mich mehr wert als Geld. Mir erschienen übrigens 1000 Dollar recht wenig. ??? ::)


    Rudolf gerät hier ja ein wenig in Vergessenheit und dafür rückt Walter Donague ein wenig in den Vordergrund. Ich hoffe wirklich, dass zwischen ihm und Marie nichts läuft, denn er scheint ein echter Schürzenjäger zu sein.


    Ich werde dann ganz bestimmt morgen im Buch weiterlesen und mir damit den Feierabend versüßen. :lesen:

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • Hallo zusammen,


    gerade ist mir eingefallen, dass ich Johnny über all die Entwicklungen in Red Hook völlig vergessen habe! Mir scheint so, als hätte Marie wirklich keinen Kontakt mehr zu ihm… Sie schreibt Zeilen an die Eltern, lustige Postkarten an ihre alten Freundinnen, ihre Liebesbriefe an Rudolf und ab und an einen Brief an Frieda. Johnny wird nicht erwähnt. Ob er seiner Schwester wirklich noch böse ist? Wenn müsste er ja im Grunde dem Vater böse sein, denn der hat diese unsägliche Entscheidung getroffen - aber Auslöser war natürlich Maries Verliebtheit. Es muss sehr hart sein, wenn der eigene Lebenstraum platzt, weil jemand etwas macht, das man selbst zu keinem Punkt beeinflussen konnte. Ob wir zu Johnnys Gefühlslage noch mehr erfahren werden? Ich könnte mir vorstellen, dass er Jahrzehnte später darüber spricht.



    Etwas genervt (Entschuldigung!!) hat mich der Hype zwischendurch um den Käsekuchen, dass alle Kuchen backen wollen wie Marie und jeder das Rezept haben will. Kann ein Kuchen wirklich so köstlich sein?


    Jaaaa! Ich erinnere mich noch jetzt an den Geschmack auf meiner Zunge, als wir in New York den ersten perfekten Cheese Cake in einem kleinen Deli gekauft haben. Wir mussten noch ein zweites Stück essen! :-[
    In Hamburg gibt es ein kleines Café, das von einer Kanadierin betrieben wird und wenn ich Sehnsucht habe, fahre ich da auch total umständlich hin, nur um ein Stück von ihrem selbst gemachten Cheese Cake zu essen. Der ist großartig - aber in NYC war er trotzdem besser. ;)


    Liebe Grüße
    dubh

  • @ nicigirl85: Danke für die Würdigung der "Nebensächlichkeiten", die mir beim Recherchieren und Schreiben selbst auch immer viel Spaß machen.
    Und: Tja, ist alles relativ. 20 Dollar waren zu der Zeit mehr als ein Monatslohn, den Marie noch kurz zuvor am Fließbahn in der Fabrik verdient hat.
    @ dubh: Schön, dass Du es Dir so plastisch vorstellen kannst, ich hab nach Deinen bisherigen Anmerkungen auch das Gefühl, Du hättest mit der Fire Island-Clique bestimmt viel Spaß 8)
    @ Spatzi79: Freut mich, dass Du schmunzeln mußtest. Freue mich aber auch, an Deinem Kommentar ablesen zu können, dass man wirklich nicht mehr alles an Hintergrund erklären muss, sondern dass erstens der Background zur Zeitgeschichte da ist beim Leser und zweitens in Kombination mit dem Gelesenen zu weiteren eigenen Gedanken führt:
    "Das klingt nachvollziehbar, denn Marie hatte ja als einzige dem Kontaktverbot des Vaters getrotzt und sich trotz Friedas jüdischem Ehemann immer mit ihr getroffen. In den 60er Jahren, als sie in Deutschland zu Besuch war, hatte sie kaum Zeit für Nachforschungen und es war wahrscheinlich auch nicht die richtige Zeit, um Fragen nach dem Verbleib einer jüdischen Familie zu stellen. In den Jahren nach dem Krieg wollen ja viele von nichts gewusst haben, ich nehme an, da wäre Marie, selbst wenn sie Fragen gestellt hätte, gegen eine Wand gelaufen.


    Vielleicht kann Rona nun, mit 40 weiteren Jahren Abstand und 2 Generationen weiter, das Schicksal von Frieda und ihrer Familie aufklären.2

  • dubh : Meinst Du das "Mamalucious" neben dem Hostel für Rucksackreisende zwischen Eimsbüttel und Altona? Das gibt's leider nicht mehr. Ich fand den Cheese Cake zwar auch köstlich, aber doch etwas zu fluffig und leicht. In Berlin soll das "Princess Cheesecake" toll sein, ich war leider noch nicht dort.

  • Oh, ich sehe das Wiemky's förmlich vor meinen Augen: die Inneneinrichtung sieht aus wie ein klassisches amerikanisches Diner der 30er Jahre, der Blick draußen geht über das Wasser direkt auf Manhattan und es gibt die herrlichsten Dinge: dicke, fluffige Pancakes, French Toast, Eggs Benedict, gegrilltes Gemüse und New York Cheese Cake. Dazu schlechten Kaffee und zu Mittag wechselnde Tagesangebote, die sich an die Rezepte der alten Heimat anlehnen…
    Ganz ehrlich? Ich wäre da auch öfter… und ich habe das Gefühl, dass ich den Fire-Island-Tisch auch ganz unterhaltsam finden könnte. ;D


    Ihr Lieben,


    mir gefällt das Wiemky`s auch sehr gut, es ist so sehr Teil und Ausdruck von allem, was sich in diesen Jahren in Amerika und
    besonders in New York entwickelt hat. Es spiegelt auch in seinem Werdegang die Zeit von der großen Depression und der
    Prohibition zu neuer Aufbruchstimmung und Freiheit, in der sich unkonventionelle Lebensformen unter den Künstlern und
    Kreativen etabliert haben, wie in der Clique, die sich regelmäßig dort trifft.
    Der Cheese Cake spielt dabei eine wichtige Rolle, aber er steht auch für Marie`s wachsendes Selbstbewußtsein und ihre Art, sich neue
    Dinge zu eigen zu machen ohne sich zu verbiegen.
    Er stellt auch eine Verbindung her zwischen ihrer Heimat und Amerika und den Frauen ihrer Familie, die das Rezept weitergeben.
    Der Cheese Cake ist die Konstante in einer unruhigen Welt, ein Stück Gelassenheit, Frieden und Heimat, er versöhnt und beruhigt
    die Gemüter. Damit ist er eine wunderschöne Metapher für das Leben an sich - ein Statement für ein besseres Zusammenleben.
    Sehr schön ist die Szene mit dem Beinahe- Selbstmörder Frank, dem der Kuchen gezeigt hat, dass es immer etwas gibt, wofür es
    sich zu leben lohnt.
    Auf der Insel Curacao habe ich so einen unfassbar cremig schmeckenden Käsekuchen gefunden - auch mit Erdbeersauce. :)


  • Ich finde das Buch total bewegend, es werden so viele Dinge angesprochen, über die man sich Gedanken machen kann. Momentan schwelge ich noch lieber in der Vergangenheit und erlebe Maries Leben mit, aber ich bin schon auch neugierig, wie es mit Rona weitergehen wird!


    Mir geht es ganz genauso. Ansonsten ist es bei mir auch meist so, dass ich die Handlung in der Vergangenheit lieber verfolge als die in der Gegenwart, aber was mit Rona noch passiert und dass sie hoffentlich ihr Glück findet, interessiert mich natürlich schon.

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • Das mit Rudolf wird nichts mehr werden: Marie wird immer weltoffener, während er mit der braunen Gesinnung sympathisiert. Ich finde es spannend, die Entwicklung Deutschlands aus dem Blickwinkel von Marie zu erleben, auch wenn sie es "nur" durch Rudolfs Briefe erfährt. Aber mit dem Wissen, was wir über die damalige Zeit haben, wird hier richtig schön deutlich, in welche finstere Zeiten sich Deutschland zurückentwickelt, im Gegensatz zu Amerika. Wobei hier auch längst nicht alles Gold ist, was glänzt, was Marie auch kritisch bemerkt. Aber immerhin gibt es hier so etwas wie eine individuelle Freiheit.
    Ich hoffe ja die ganze Zeit, daß Rudolf endlich eine andere Frau kennenlernt, das wäre dann zwar ein Schlag für Marie, aber schlußendlich besser für sie. Nur gut, daß wir wissen, daß Marie nicht nach Deutschland zurückkehren wird.


    Maries Fire-Island-Freunde würden Rudolf ganz bestimmt schockieren, ein nichtsnutziger Künstler, und dann noch schlimmer: ein Homosexueller, du liebe Güte! Und Marie verdient ihr eigenes Geld, amüsiert sich, hat einen tollen Freundeskreis – wie kann man nur, wo doch das Bild der edlen Geburtsmaschine und dem Heimchen in Deutschland lockt! Inzwischen bin ich froh, daß sie sich damals gegen Rudolfs Annäherungen bis zum Schluß gewehrt hat und sie nicht das Risiko eingegangen ist, schwanger zu werden.


    Die Geschichte mit Frank und seinen Selbstmordansichten, die ihn in das Red Hook gebracht haben, ist köstlich – und dann ist er noch Journalist. Was besseres hätte Marie und ihrem Cheesecake nicht passieren können. War ja klar, daß der Käsekuchen Begehrlichkeiten weckt, was das Rezept angeht, ich mußte die Luft anhalten, als es zwischen Marie, Fritz und Willi zum Streit kommt, weil sie das Rezept nicht an den alten Donague verkaufen will. Aber die Brüder berappeln sich dann doch wieder und besinnen sich darauf, was sie schon erreicht haben.


    Ob es zwischen Walter jr. und Marie funken wird? Hm, Walter scheint mir allerdings ein Frauenheld und kein Kostverächter zu sein, ob das das Richtige für Marie ist? Damit ist er eher was für Wally, die auch immer weiter ihren Weg geht. Ich finde es toll, wie die beiden Freundinnen sich ergänzen.


    Die geheime Zutat in dem Käsekuchen hat wirklich eine durchschlagende Wirkung, ich bin immer am Überlegen, was das sein könnte. Ich bin gespannt, was Rona sagt, wenn sie den Kuchen zum ersten Mal probieren wird.


    Und unsere Befürchtungen, die wir wegen Frieda und ihrem Mann hatten, kommen hier ebenfalls zur Sprache: bei dem Brief von Frieda an Marie mußte ich schlucken, als sie noch die Hoffnung äußerte, daß es so nicht mehr lange weitergeht in Deutschland. Wir wissen es leider besser. Über das Schicksal der Familie ist nichts bekannt und ich bin ehrlich gesagt ein wenig schockiert, daß sich niemand über deren Verbleib erkundigt hat. Ich war hier etwas von Jonny enttäuscht, auch wenn das sicherlich nicht sehr gerecht ist, denn er war als Soldat im Krieg und ich weiß nicht, wie es danach mit ihm und der Familie weiterging, aber dennoch regte sich auch in mir, wie bei Rona, ein wenig Vorwurf. Wenn Rona es nicht angesprochen hätte, wäre das Thema wahrscheinlich nie angesprochen worden. Jonny ist es auch sehr unangenehm, weil seine Generation sich immer wieder der Frage nach der Schuld stellen muß.
    Ich glaube nicht, daß die Levys überlebt haben, jedenfalls nicht Frieda, sie hätte sich doch sonst sicherlich irgendwann bei Marie gemeldet, oder nicht?


  • Wahnsinn, wie sich der Coffee Shop dank des Kuchens entwickelt und vergrößert hat!


    Klasse, nicht wahr?



    Ich finde das Buch total bewegend, es werden so viele Dinge angesprochen, über die man sich Gedanken machen kann.


    So geht es mir auch.



    An der ein oder anderen Stelle muss ich aber auch ganz schön schmunzeln: sei es bei den Unwetterplanungen der Geschwister oder den Reaktionen der Brüder auf ihre geschminkte, sehr attraktive Schwester. Jaja, wenn das Heinrich Wiemkes wüsste! Ganz zu schweigen von den Arbeitsplätzen seiner Tochter und deren Bekanntschaften. Oder was denkt ihr, würden Heinrich und Tabea zu einem homosexuellen Frank sagen? ;D


    Bei den Unwetterplanungen mußte ich auch grinsen: ohja, mich würde ebenfalls interessieren, was Heinrich zu seiner Tochter und ihrem Umgang sagen würde ;D



    Ganz ehrlich? Ich wäre da auch öfter… und ich habe das Gefühl, dass ich den Fire-Island-Tisch auch ganz unterhaltsam finden könnte. ;D


    Ich komme mit ;)



    Du hast recht, der Cheese Cake ist wirklich die Konstante in diesem Buch.


  • Über das Schicksal der Familie ist nichts bekannt und ich bin ehrlich gesagt ein wenig schockiert, daß sich niemand über deren Verbleib erkundigt hat. Ich war hier etwas von Jonny enttäuscht, auch wenn das sicherlich nicht sehr gerecht ist, denn er war als Soldat im Krieg und ich weiß nicht, wie es danach mit ihm und der Familie weiterging, aber dennoch regte sich auch in mir, wie bei Rona, ein wenig Vorwurf. Wenn Rona es nicht angesprochen hätte, wäre das Thema wahrscheinlich nie angesprochen worden. Jonny ist es auch sehr unangenehm, weil seine Generation sich immer wieder der Frage nach der Schuld stellen muß.


    Ich habe es oben schon geschrieben, zu der Thematik der Verdrängung kommt ja speziell bei dieser Familie noch dazu, dass die Kinder eigentlich gar keinen Kontakt zu Frieda und ihrem Mann hatten, weil der Vater dies verboten hat und seine Schwester nach der Heirat ja eigentlich aus der Familie ausgestoßen hat. Nur Marie hat sich dem widersetzt. Jonny kannte Frieda daher wahrscheinlich kaum und so ist es wohl nachvollziehbar, dass er sich nicht näher mit ihrem Schicksal beschäftigt hat.


  • dubh : Meinst Du das "Mamalucious" neben dem Hostel für Rucksackreisende zwischen Eimsbüttel und Altona? Das gibt's leider nicht mehr. Ich fand den Cheese Cake zwar auch köstlich, aber doch etwas zu fluffig und leicht. In Berlin soll das "Princess Cheesecake" toll sein, ich war leider noch nicht dort.


    Ja, genau das meine ich! Den Laden gibt es übrigens noch - ich war erst am Sonnabend da (dank der Lektüre :))! Die Besitzerin hat seit einiger Zeit auf rein vegetarisch bzw. vegan umgestellt, seit dem brummt es noch mehr, habe ich das Gefühl. Der Cheese Cake ist nicht perfekt (vielleicht liegt es an der kanadischen Variante ;)), aber er stillt zumindest Gelüste, finde ich.
    "Princess Cheesecake" kenne ich nicht, dafür aber das Deli (http://www.barcomis.de/filialen/deli/)
    von Cynthia Barcomi nahe den Hackeschen Höfen in Berlin. Ihr Cheese Cake ist auf jeden Fall ein Gedicht - auch wenn ich fürchte, dass sie nicht an Marie heran kommt.


    Liebe Grüße
    dubh

    Liebe Grüße

    Tabea

    Einmal editiert, zuletzt von dubh ()


  • Ich habe es oben schon geschrieben, zu der Thematik der Verdrängung kommt ja speziell bei dieser Familie noch dazu, dass die Kinder eigentlich gar keinen Kontakt zu Frieda und ihrem Mann hatten, weil der Vater dies verboten hat und seine Schwester nach der Heirat ja eigentlich aus der Familie ausgestoßen hat. Nur Marie hat sich dem widersetzt. Jonny kannte Frieda daher wahrscheinlich kaum und so ist es wohl nachvollziehbar, dass er sich nicht näher mit ihrem Schicksal beschäftigt hat.


    Da hast du recht, und wie geschrieben, es ist sicherlich etwas ungerecht, aber in ersten Moment ging es mir wie Rona: der erste (vorwurfsvolle) Gedanke war, warum hat sich keiner für die Levys interessiert?


    Gedanke von mir: "Marie hätte Jonny nach dem Krieg bitten können, nach Frieda zu sehen." Danach fiel mir dann ein: hatten Marie und Jonny zu dem Zeitpunkt wieder Kontakt? Jonny war durch den Krieg und die Verletzung garantiert traumatisiert, es ist nachvollziehbar, daß die Menschen damals das alles erstmal hinter sich lassen wollten. Danach ging es ums Überleben, die Lebensbedingungen direkt nach dem Krieg waren miserabel, da konnte man sich den "Luxus", nach Verwandten zu suchen, die man nicht kennt, einfach nicht leisten.
    Ich habe mich einfach selber ertappt, wie ich der damaligen Generation sofort indirekt die Schuldfrage wieder gestellt habe - und erst dann nachgedacht habe :-[

  • Marie geht ihren Weg mit steigendem Selbstbewusstsein. Fabrikarbeiterin, Empfangsdame, Unternehmerin mit ihren Brüdern zusammen. Dass das Lokal so gut läuft, verdankt sie zwar dem Käsekuchen, doch wahrscheinlich trägt dazu bei, dass die Geschwister freundlich, aufgeschlossen und tolerant sind. Es ist ein Treffpunkt für alle Schichten.


    Ein Glückstreffer war natürlich das Zusammentreffen mit Frank. Das war ein wirklicher Glücksfall. Er hat einen Anstoß gegeben, damit der Käsekuchen bekannt wird.
    Die Wettbewerbe allerorten finde ich schon toll. Das verleiht natürlich noch mehr Anschub für den Betrieb. Es wird ja auch ständig investiert und Arbeitsplätze geschaffen. Das Thema ist ja immer noch aktuell.


    Es gehört viel Rückgrat dazu, das Angebot von Walter Donague abzulehnen. Die Brüder waren verärgert. Das kann ich gut nachvollziehen. Aber ich verstehe genauso gut, dass Marie ihr Versprechen halten will.


    Marie fühlt sich immer noch an Rudolf gebunden, den ich übrigens immer unsympathischer finde. Sie glaubt immer noch an ihre Liebe und eine Zukunft mit Rudolf. Aber warum ist sie dann so nervös, wenn Donague jr. Auftaucht. Sie macht sich selbst was vor.


    Was ist mit Frieda und ihrer Familie geschehen? Hat Marie schon keinen Kontakt mehr oder kam das erst später? Beim Gespräch mit Rona scheint sie das ja doch sehr zu berühren. Vielleicht schafft es Rona ja, die Familiengeschichte zu vervollständigen.


  • Als Frank da mit seinen Selbstmordgedanken auftaucht, musste ich ja kurz über Maries schlagfertige Vorschläge schmunzeln, aber schnell wird ihr klar, dass der Mann keine Scherze macht. Aber wirklich umbringen wollte er sich wohl auch nicht, er war eben verzweifelt über die Trennung. Gut, dass er bei Marie gelandet ist, bevor er in diesem Zustand wirklich noch eine Dummheit gemacht hätte!


    Frank war bestimmt im ersten Moment sehr verletzt und brauchte Zeit, um sich damit auseinander zu setzen. Aber Selbstmord hätte er wahrscheinlich nicht begangen.

  • Mir geht es ganz genauso. Ansonsten ist es bei mir auch meist so, dass ich die Handlung in der Vergangenheit lieber verfolge als die in der Gegenwart, aber was mit Rona noch passiert und dass sie hoffentlich ihr Glück findet, interessiert mich natürlich schon.


    Ihr Lieben,


    beides gehört irgendwie zusammen - die Lebensgeschichte von Marie und die Impulse, die Rona daraus
    für ihr eigenes Leben gewinnt.
    Mir gefällt der Wechsel der Zeitebenen hier sehr gut, weil genug Raum bleibt für die Entwicklungen der Personen
    und auch die Spannung erhöht wird beim Lesen.
    Ich habe oft Probleme mit dem Hin - und Herspringen zwischen Vergangenheit und Erzählgegenwart, aber in dieser
    Geschichte passt es und ist genau richtig.
    Rona und Marie finden auch so allmählich eine gemeinsame Ebene und Verständnis für das Leben der anderen -
    ihre Geschichten verbinden sich und fließen ineinander, spätestens seit Marie ihr geheimes Rezept Rona geschenkt
    hat - es geht dabei um mehr als ein Kuchenrezept, es ist auch eine Anleitung für`s Leben.


  • Trotzdem fürchte ich, dass das erste Versprechen, das sie brechen wird, das sein wird, welches sie Rudolf gegeben hat. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass die beiden nicht mehr so richtig zusammen passen würden. Rudolf lebt weiter sein Leben, findet Erfüllung in seinem Beruf und möchte mit seinem Theaterstück etwas zu der (vermeintlichen) Aufbruchstimmung beitragen. Marie hingegen hat sich weiterentwickelt, ist erwachsen und selbstbewusster geworden.


    So sieht es aus.




    Dann ist da Walter Donague. Auch wenn ihn vielleicht etwas leicht Verruchtes umgibt: ich mag ihn. Er ist zwar bei seinem ersten Besuch im Wiemky's etwas sehr keck zu Marie, aber ich denke trotzdem, dass er das Herz am rechten Fleck hat.


    Mir gefällt er auch, da kann ich Marie gut verstehen.




    An der ein oder anderen Stelle muss ich aber auch ganz schön schmunzeln: sei es bei den Unwetterplanungen der Geschwister oder den Reaktionen der Brüder auf ihre geschminkte, sehr attraktive Schwester. Jaja, wenn das Heinrich Wiemkes wüsste! Ganz zu schweigen von den Arbeitsplätzen seiner Tochter und deren Bekanntschaften. Oder was denkt ihr, würden Heinrich und Tabea zu einem homosexuellen Frank sagen? ;D


    Das hätte ich gerne gesehen. Aber was Heinrichs nicht weiß, das bereitet ihm auch keine schlaflosen Nächte.