01 - Prolog bis Seite 84

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  • Hallo Ihr Lieben,


    hier treffen wir uns ab dem 29 August zur Leserunde zu dem Buch "Die Glücksbäckerin von Long Island" und ich begrüße alle TeilnehmerInnen und ganz besonders Autorin Sylvia Lott, die uns hier zum ersten Mal begleiten wird. Schön, dass Du, liebe Sylvia, mit dabei bist!


    Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Informationen zu Leserunden und auch die neuen Ausführungen zur Netiquette durch.
    Postet hier bitte erst, wenn ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.
    Auch ist es nicht nötig, den Inhalt nachzuerzählen, wir lesen ja alle das gleiche Buch ;)


    Wenn ihr erst ein paar Tage später in die Leserunde einsteigen könnt, gebt bitte ihr hier oder per PN an den Moderator kurz Bescheid.


    Es wäre schön, wenn ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir größtenteils zusammenbleiben können. Grobe Faustregel ist hierbei, dass pro Tag nicht mehr als ein Abschnitt gelesen und dazu gepostet werden sollte! :winken:


    Viel Spaß uns allen beim Lesen und Diskutieren! :winken:



    Hier könnt Ihr zum Inhalt vom Prolog bis Seite 84 schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Ich habe gerade den ersten Abschnitt beendet und finde die Geschichte bis jetzt sehr schön. Ich mag ja Bücher, die auf zwei Zeitebenen spielen, sehr gerne.
    Und dann noch der Kontrast zwischen Ostfriesland und Long Island!


    Ich bin ja zutiefst Süddeutsche, Norddeutschland kenne ich nicht so gut, finde es aber immer spannend, aus historischen Romanen mehr über die Gegend da oben zu erfahren. Dementsprechend interessand fand ich die bisherigen Rückblenden in Maries Vergangenheit.
    Mit einem Mennoniten aus der Münsteraner Ecke war ich vor vielen Jahren auch mal zusammen ;D
    Der Vater reagiert schon ziemlich heftig auf den "drohenden" Schwiegersohn. Lehrer und evangelisch, gleich 2 Dinge, die er nicht in der Familie haben will, da wird die Tochter einfach mal nach Amerika geschickt!
    Aber wie es aussieht, hat Marie ihren Frieden mit ihrer erzwungenen Auswanderung gemacht, sie hat sich neu verliebt und ein Leben aufgebaut, auf das sie mit Stolz und Freude zurückblicken kann.


    Sehr rührend fand ich die Wiederbegegnung mit ihrem "kleinen" Bruder nach mehr als 30 Jahren. Wie schön, dass Jonny ihrer Einladung gefolgt ist!


    Rona ist gerade anscheinend in einer schwierigen Phase, Job verloren, ihr Freund hat sie betrogen, zumindest klang es für mich so, da kommt ihr die Auszeit gerade recht.
    Aber vielleicht wird es auch mehr als eine Auszeit, vielleicht gibt ihr die Begegnung mit ihrer Großtante eine ganz neue Richtung im Leben? Wir werden sehen.
    Ich finde es toll, das Marie ihr von ihrem Leben erzählen will. Oft ist es ja heute leider so, dass wir gar nicht mehr so viel aus dem Leben unserer Großeltern oder gar Urgroßeltern wissen. Ich bin da keine Ausnahme, ich habe zwar noch 2 meiner Urgroßmütter kennengelernt und bis letztes Jahr auch noch alle meine Großeltern gehabt, aber Detaisl aus ihrem Leben? Über vieles reden sie nicht, anderes erschien mir nie besonders spannend - aber es sind Zeitzeugnisse, die irgendwann mit ihnen sterben werden. Aber nun genug, zurück zum Buch.


    Der Käsekuchen macht mich ja sehr neugierig. Ich backe auch gerne Käsekuchen und bisher ist er immer gut angekommen, aber als friedensstiftend habe ich ihn noch nicht wahrgenommen ;) Da fehlt wahrscheinlich Maries besondere Zutat!
    Sehr lustig fand ich ja die Unterhaltung zwischen ihr und Rona, als Rona denkt, die alte Dame wäre schon ein bisschen senil und würde erfundene Geschichten erzählen - ich glaube ja fast, das stimmt alles und selbst die Kennedys haben ihre Cheese Cake wirklich gemocht. Ob der aber tatsächlich die Kubakrise beendet hat? :D


    Ich freu mich schon aufs Weiterlesen!

  • Hallo ihr Lieben,


    ich habe den ersten Abschnitt ebenfalls gelesen, das ging ruckzuck - und nun habe ich Hunger auf Cheesecake. Es ist mein erstes Buch von dir, Sylvia, aber wenn das Buch sich weiterhin so positiv entwickelt, sicherlich nicht mein letztes.


    Als erstes möchte ich das Cover erwähnen, das mir sehr gut gefallen hat, wenn ich das Buch in der Buchhandlung gesehen hätte, hätte ich es in jedem Fall in die Hand genommen.


    Wie Spatzi, gefallen mir Geschichten auf zwei Zeitebenen ebenfalls sehr gut. Sag mal, nach Long Island sind einige Deutsche ausgewandert, oder? Mir fiel beim Lesen ein, daß ich väterlicherseits auch noch irgendwelche Verwandte in Long Island habe, aber da gibt es keinen Kontakt mehr. Ich weiß nur, daß es damals hieß, daß einige Deutsche dort wohnen würden. Ich habe auch keine Ahnung, wann die Verwandtschaft damals in die USA ausgewandert sind.


    Marie gefällt mir sehr gut, vorallem bemerkt man, daß die alte Marie eine deutliche Entwicklung zur jungen Marie damals durchgemacht hat, dadurch wird die Figur authentisch für mich. Das Leben in den USA scheint ziemlich gut für sie gelaufen zu sein, auch wenn es schlimme Schicksalschläge gibt, wie der Tod der Tochter. Aber insgesamt macht sie mir einen zufriedenen Eindruck. Und ich bin gespannt, wer ihr geliebter Ehemann gewesen ist, ob Rudolf wirklich sein Versprechen wahrgemacht hat und irgendwann nach Amerika gekommen ist. Oder ob sie dort einen anderen Mann kennengelernt hat.


    Das Leben der Familie in Ostfriesland war ganz schön hart und arm, da konnte man um jedes Stück Glück eigentlich froh sein und dennoch gönnt ihr Vater Marie das Glück nicht. Im ersten Moment habe ich aufgelacht, wegen der Begründung, warum Rudolf nicht gut genug ist, dabei ist das nur traurig. Aber die Mutter bringt es auf den Punkt: auch wenn Rudolf katholisch wäre, wäre er nicht gut genug, weil er in den Augen des Vaters nicht fähig ist, körperlich zu arbeiten. Mit seinem Beschluß, Maria nach Long Island zu schicken, macht er nicht nur sie unglücklich, sondern auch Johann; kein Wunder, daß er so enttäuscht und zornig ist. Mir hat Maries Mutter gefallen, als sie versucht hat, ihrer Tochter zu helfen.


    Die junge Marie gefällt mir aber auch gut: sie steckt zwar in ihrer strengen Erziehung, aber dennoch begehrt sie auch mal ihrem Vater gegenüber auf, auch wenn das keinen Erfolg hat. Um was für eine geheime Zutat es sich wohl dabei handelt, mit der der Cheesecake seine harmonisierende Wirkung entfaltet? Sie wird doch keine Hanfkekse verwenden ;D
    Das Wiedersehen zwischen Marie und ihrem Bruder zu ihrem 90. Geburtstag war auch sehr schön beschrieben, ich denke, Rona wird durch den Aufenthalt ebenfalls eine Entwicklung durchmachen.


    Ich bin nun sehr gespannt auf Maries weitere Geschichte, denn das, das sie Rona gegenüber schon angedeutet hat, läßt auf einen sehr interessanten Lebenslauf hoffen.


  • Aber wie es aussieht, hat Marie ihren Frieden mit ihrer erzwungenen Auswanderung gemacht, sie hat sich neu verliebt und ein Leben aufgebaut, auf das sie mit Stolz und Freude zurückblicken kann.


    Der Name ihres verstorbenen Mannes wurde bisher noch nicht erwähnt, oder?



    Rona ist gerade anscheinend in einer schwierigen Phase, Job verloren, ihr Freund hat sie betrogen, zumindest klang es für mich so, da kommt ihr die Auszeit gerade recht.
    Aber vielleicht wird es auch mehr als eine Auszeit, vielleicht gibt ihr die Begegnung mit ihrer Großtante eine ganz neue Richtung im Leben? Wir werden sehen.


    Das dachte ich mir auch, vielleicht wird die Begegnung mit Marie ihr Leben verändern. Schließlich will Marie noch irgendwem ihr geheimes Rezept weitergeben.



    Sehr lustig fand ich ja die Unterhaltung zwischen ihr und Rona, als Rona denkt, die alte Dame wäre schon ein bisschen senil und würde erfundene Geschichten erzählen - ich glaube ja fast, das stimmt alles und selbst die Kennedys haben ihre Cheese Cake wirklich gemocht. Ob der aber tatsächlich die Kubakrise beendet hat? :D


    Ich glaube auch, daß Marie die Wahrheit erzählt hat - in jedem Fall könnte man solch einen friedensstiftenden Kuchen öfters mal gebrauchen.

  • Hallo ihr Lieben,


    ich habe heute natürlich nicht nur gebacken, sondern auch die Hälfte des ersten Abschnittes gelesen und bin total angetan von der Geschichte und Sylvias wundervollem Schreibstil. Ich muss gestehen, dass mir das Buch fast durch die Lappen gegangen wäre, weil das Cover und der Titel irgendwie nach Liebesroman schrien und ich so etwas nicht wirklich lese.


    Nun zu meinen ersten Eindrücken:


    Marie lebt also in Amerika und will an ihrem 90. Geburtstag ihren Bruder Johann noch einmal sehen, denn sie muss sich mit ihm aussprechen. Offenbar ist in der Vergangenheit etwas geschehen, dass Marie verursacht hat und dadurch Jonnys Leben verändert hat. Fragt sich nur was?


    Süß beschrieben fand ich die Seniorenresidenz, in der Marie wohnt. Auch im hohen Alter macht sie sich noch zurecht, das fand ich cool. Ihre lila getönten Haare haben mich an meine erste Grundschullehrerin denken lassen, was ja auch irgendwie passt, da Marie früher Aushilfslehrerin gemacht hat. Nur mag ich Marie hier deutlich mehr als den Drachen von Grundschullehrerin damals.


    Ich liebe ja Geschichten, die in der Vergangenheit spielen und so las ich besonders intensiv den Part ab 1932. Das Leben von Marie und ihren Eltern scheint ein sehr hartes, von Arbeit geprägtes Leben gewesen zu sein, wirklich tauschen wollen hätte ich mit denen sicher nicht, aber offenbar waren sie trotzdem irgendwie glücklich.


    Am meisten hat mich berührt zu hören, dass Mutter Tabea 10 Kinder geboren hat, von denen schon jemand tot ist und der Rest weit in die Ferne gegangen ist. Das muss wirklich hart für eine Mutter sein. Den Nebencharakter Jantje Mö fand ich auch speziell, mal sehen ob die alte Frau noch einmal auftaucht.


    Ich bin gerade an der Stelle, wo Freundin Imke tot aus dem Wasser gefischt wird, weshalb ich mal fix weiter lesen werde. Ich wollte nur kurz mein Zwischenfeedback abgeben, denn wenn ich jetzt bis zum Ende des Abschnittes lese, dann bin ich bestimmt zu müde zum Posten.


    Die Geschichte berührt mich jedenfalls jetzt schon total. Ich bin dann :lesen:

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • Hm müde bin ich zwar schon, aber jetzt kann ich auch zum Rest noch etwas schreiben.


    Imke wurde also nicht umgebracht, sondern ist ins Wasser gegangen, weil sie ein uneheliches Kind erwartet hat. Trotzdem grausam und schrecklich, dass sie so einen Weg gewählt hat.


    Die Reaktion vom Vater hätte ich ja noch Verstanden, wenn er es so begründet hätte, dass seine Tochter Gefahr läuft schwanger zu werden und er das unterbinden will, schließlich konnte sie ja bei ihrer Freundin sehen wozu das führt, aber ihr die Liebe zu verbieten, weil Rudolf ein armer Pauker ist und zudem kein Katholik, das finde ich schon sehr heftig. Marie nimmt also die Stelle ihres Bruders ein und Johann soll sich zukünftig um die Eltern kümmern. Ihm bleibt also Amerika verwehrt, das ist Maries gefühlte Schuld, obwohl ja der Vater allein dafür verantwortlich ist und nicht sie.


    Rudolf wurde mir zwischendurch etwas unsympathisch, er wollte so gern mit ihr schlafen, dass er sogar das Kind in Kauf nimmt. Zum Glück ist Marie standhaft. Ich wüsste nicht, ob mir das gelungen wäre. :-[


    Wir erfahren hier bereits, dass Marie ihre kleine Tochter Anna verloren hat, weil diese vom Schulbus überfahren worden ist, was für ein hartes Schicksal einer Mutter. Mich erstaunt, dass sie darüber überhaupt so sprechen kann, Respekt! Ihr ging es dann ja ähnlich wie ihrer Mutter.


    Der Name des Restaurants "Blue Horizon" muss sehr verbreitet sein, denn kürzlich las ich das Buch "Die Insel" von Manuela Martini und da hieß eine Bar, die eine wichtige Rolle im Buch spielt, ebenfalls so.


    Auch wenn mich Maries Vergangenheit extrem interessiert, bin ich natürlich auch gespannt, ob wir mehr über Rona und ihr Leben erfahren...

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)


  • Sehr rührend fand ich die Wiederbegegnung mit ihrem "kleinen" Bruder nach mehr als 30 Jahren. Wie schön, dass Jonny ihrer Einladung gefolgt ist!


    Ja das war rührend beschrieben. Ich konnte mir die beiden "Alten" richtig gut vorstellen.



    Rona ist gerade anscheinend in einer schwierigen Phase, Job verloren, ihr Freund hat sie betrogen, zumindest klang es für mich so, da kommt ihr die Auszeit gerade recht. Aber vielleicht wird es auch mehr als eine Auszeit, vielleicht gibt ihr die Begegnung mit ihrer Großtante eine ganz neue Richtung im Leben? Wir werden sehen.


    Ja es sieht ganz danach aus als wenn diese Reise gerade richtig kommt. So ist sie von allem erst einmal abgelenkt. Job weg und der Freund geht fremd, ist ja auch echt ein wenig viel auf einen Schlag.



    Der Käsekuchen macht mich ja sehr neugierig. Ich backe auch gerne Käsekuchen und bisher ist er immer gut angekommen, aber als friedensstiftend habe ich ihn noch nicht wahrgenommen ;) Da fehlt wahrscheinlich Maries besondere Zutat!


    Das Rezept gibt es auf Sylvias Seite, das habe ich heute entdeckt als ich mir ihre Autorenseite intensiv angeguckt habe. Schau hier: http://www.romane-von-sylvia-lott.de/rezept-extras/


    Ich esse für mein Leben gern Käsekuchen und werde dann auch zahm wie ein Kätzchen, da braucht es keine spezielle Zutat... ;D

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • Hallo Ihr Lieben,
    freue mich über die ersten Postings, vor allem, weil ich sehe, dass ich es hier mit geübten Leserinnen zu tun habe. Keine langweiligen Wiederholungen dessen, was passiert ist, sondern persönliche Eure Eindrücke – wunderbar, davon hab ich auch was! :)
    Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass die Ausgangskonstellation auf meine Familiengeschichte zurückgeht, auch wenn später im Roman dann die pure Fantasie die Regie übernimmt. Meine Urgroßeltern hatten tatsächlich ein Kolonat in Ostfriesland, sie hatten zehn Kinder und mein Großvater war der Jüngste. Es war auch wirklich so, dass fünf seiner Geschwister zwischen den beiden Weltkriegen nach Amerika ausgewandert sind und er ihnen folgen sollte, wenn er alt genug wäre. Nur hat sich seine Schwester Marie in den Dorfschullehrer verliebt etc... Mit den Briefen und Fotos der Verwandten und mit dieser Frage "Was gibt's Neues von den Amerikanern?" bin ich aufgewachsen. Später habe ich sie bzw deren Nachfahren auch ein paarmal besucht. Ja, solche Seniorenresidenzen gibt's dort auch wirklich, und mein Großvater ist tatsächlich mit über Achtzig der erste Mal in die USA zu seinen Geschwistern gereist (allerdings nicht mir mir – aber wozu hat man seine Fantasie ;-)
    Ich hab den Dreh mit der Technik des Antwortens noch nicht richtig heraus, bitte also um Entschuldigung, falls ich das noch was verkehrt mache. Mit dieser Antwort sind jedenfalls alle gemeint, die schon etwas gepostet haben. . (Und nochmal ne ganz doofe Frage: Was sind Spoiler? Ich kenn nur diese Dinger hinten am Auto, früher jedenfalls, in meiner Jugend, meist bei Jungs, die auch einen Fuchsschwanz an der Antenne hatte, aber das ist glaube ich nicht gemeint ::)
    Na, jetzt hoffe ich erstmal, dass Euch das Weiterlesen Spaß macht und wünsche uns allen ein schönes Wochenende!
    Herzliche Grüße, Sylvia


  • Das Leben der Familie in Ostfriesland war ganz schön hart und arm, da konnte man um jedes Stück Glück eigentlich froh sein und dennoch gönnt ihr Vater Marie das Glück nicht. Im ersten Moment habe ich aufgelacht, wegen der Begründung, warum Rudolf nicht gut genug ist, dabei ist das nur traurig. Aber die Mutter bringt es auf den Punkt: auch wenn Rudolf katholisch wäre, wäre er nicht gut genug, weil er in den Augen des Vaters nicht fähig ist, körperlich zu arbeiten.


    Nachdem ich deinen Kommentar las, bin ich noch einmal ins Grübeln gekommen. Ich will jetzt nicht Partei für den Vater ergreifen, aber wenn Marie Rudolf geehelicht hätte, dann hätte sie allein den elterlichen Hof bewirtschaften müssen, wenn Rudolf weiterhin als Lehrer hätte arbeiten wollen und das wäre wohl kaum gegangen. Vielleicht hat der Vater sein Erbe verkommen/ den Bach runter gehen sehen, wenn ein Schwiegersohn da ist, der nicht zufassen kann? Allerdings kann der Vater ja nun wirklich nicht wissen, ob Rudolf hart anpacken kann oder nicht. Hm schwierige Sache...

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • @ Sylvia: Wow na das finde ich ja richtig klasse, wenn dein Roman auf deine eigene Familiengeschichte beruht (also zumindest in Teilen). Jetzt lese ich deinen Roman nochmal mit völlig anderen Augen.


    Nachdem der Vater meines Mannes verstorben ist, haben wir auch erst erfahren, dass es Verwandte seiner Oma gegeben hat, die nach Amerika ausgewandert sind, das fand ich mächtig spannend.


    Nee mit Spoiler sind nicht die am Auto gemeint. ;)


    Spoiler: Wikipedia sagt dazu: "Ein Spoiler (engl. to spoil, „verderben“) ist eine Information, die wesentliche Handlungselemente eines belletristischen Werks, eines Films, eines Videospiels, eines Hörbuchs, eines Sportereignisses oder Folgen einer Fernsehserie zusammenfasst und dadurch dazu geeignet ist, den Genuss am vollständigen Werk zu verderben."


    Einfach erklärt: Hier dürfen wir frei alles schreiben, auch zum Inhalt was bis Seite 84 passiert. Würden wir hier aber bereits über etwas schreiben, was in nächsten Leseabschnitt passiert, dann wäre das für die anderen Mitleser blöd, denn dann erfahren sie etwas was sie noch gar nicht gelesen haben. Dann hätte man gespoilert. Ich hoffe ich habe das jetzt einigermaßen erklärt. :-[

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)


  • Rudolf wurde mir zwischendurch etwas unsympathisch, er wollte so gern mit ihr schlafen, dass er sogar das Kind in Kauf nimmt. Zum Glück ist Marie standhaft. Ich wüsste nicht, ob mir das gelungen wäre. :-[


    Ich muß gestehen, daß mir der Gedanke zwischendurch kam, was denn der Vater dagegen tun will, wenn Marie schwanger wäre - ob das nicht eine Option wäre :-[


    Und danke für den Link zu Sylvias Cheesecake-Rezept.



    Nachdem ich deinen Kommentar las, bin ich noch einmal ins Grübeln gekommen. Ich will jetzt nicht Partei für den Vater ergreifen, aber wenn Marie Rudolf geehelicht hätte, dann hätte sie allein den elterlichen Hof bewirtschaften müssen, wenn Rudolf weiterhin als Lehrer hätte arbeiten wollen und das wäre wohl kaum gegangen. Vielleicht hat der Vater sein Erbe verkommen/ den Bach runter gehen sehen, wenn ein Schwiegersohn da ist, der nicht zufassen kann? Allerdings kann der Vater ja nun wirklich nicht wissen, ob Rudolf hart anpacken kann oder nicht. Hm schwierige Sache...


    Wobei Rudolf aus einer Familie kommt, die auch einen Hof bewirtschaftet, allerdings hat er darauf verzichtet, sein Hof soll später sein Bruder übernehmen - vllt. kann er schon zupacken, aber dann wäre er ja immer noch evangelisch ::) Und Marie kann sich auch nicht mit ihrer Familie überwerfen, die von ihr versuchte Unabhängigkeit machte sie gar nicht glücklich.


    Ich habe mir überlegt, daß es 1932, am Abend vor der Naziherrschaft, für Marie vielleicht ein Glück war, nach Amerika auszuwandern. Um ihre Tante Frieda und deren jüdischen Mann Levy, denen es bis dahin sehr gut geht, mache ich mir Sorgen in den kommenden Jahren.


    @Sylvia:
    Das ist ja sehr interessant, daß die Ausgangssituation biografisch ist. Und ja, nicigirl hat das mit dem Spoiler perfekt erklärt :winken:


  • Ich habe mir überlegt, daß es 1932, am Abend vor der Naziherrschaft, für Marie vielleicht ein Glück war, nach Amerika auszuwandern. Um ihre Tante Frieda und deren jüdischen Mann Levy, denen es bis dahin sehr gut geht, mache ich mir Sorgen in den kommenden Jahren.


    Oh weh ja bei Tante Frieda und ihrem jüdischen Mann könntest du Recht haben, hoffen wir mal, dass ihnen nichts passiert.


    Ich fand schrecklich die Erwähnung Maries, dass im Weltkrieg Johann auf deutscher Seite gekämpft hat und die anderen auf amerikanischer Seite. Schrecklich wenn Geschwister auf einander schießen.


    Für Marie wirklich ein Glück vor Kriegsbeginn wegzukommen, aber in Amerika zu sein und nicht zu wissen wie es den deutschen Verwandten geht ist sicher auch nicht leicht. Alles hat seine guten und schlechten Seiten...

    "Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende" (H.M. Enzensberger)

  • Der Name ihres verstorbenen Mannes wurde bisher noch nicht erwähnt, oder?


    Du hast recht. Ich bin mit den ganzen Brüdern und sonstigen Männernamen wohl durcheinandergekommen.
    Aber irgendwie glaube ich nicht, dass Rudolf wirklich nachgekommen ist.




    Keine langweiligen Wiederholungen dessen, was passiert ist, sondern persönliche Eure Eindrücke – wunderbar, davon hab ich auch was! :)


    Genau so soll es sein, der Autor soll auch was von der Runde haben und nicht nur als Fragen-Beantworter zur Verfügung stehen. Und Inhaltsnacherzählungen sind in einer Leserunde ja wirklich völlig überflüssig, wir lesen das Buch ja alle!

  • Du hast recht. Ich bin mit den ganzen Brüdern und sonstigen Männernamen wohl durcheinandergekommen.
    Aber irgendwie glaube ich nicht, dass Rudolf wirklich nachgekommen ist.


    Das hat Sylvia wirklich geschickt gemacht, denn an der Stelle als vom Krieg erzählt wird - und das ihr Mann und ihre Brüder gekämpft haben, werden nur die Namen der Brüder erwähnt... Aber mir geht es wie Dir: ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass es sich um Rudolf handelt. Marie scheint ja auch recht schnell geheiratet und das Blue Horizon aufgebaut zu haben, denn sie sagt ja selbst, dass der Turm des Restaurantgebäudes 1938 zerstört wurde. Wenn überhaupt hätte ich mir vorstellen können, dass Rudolf wegen der Nazis in die USA geht, denn irgendwo wird ja erwähnt, dass er fortschrittliche Gedanken hat... Die passen sicherlich nicht zum neuen Regime. Es bleibt also spannend! ;D


    Liebe Grüße
    dubh


  • Oh weh ja bei Tante Frieda und ihrem jüdischen Mann könntest du Recht haben, hoffen wir mal, dass ihnen nichts passiert.


    Daran habe ich auch schon gedacht. Ich hoffe, die beiden erkennen rechtzeitig, was da auf sie zukommt, und können Deutschland noch rechtzeitig verlassen.


    Zitat

    Ich fand schrecklich die Erwähnung Maries, dass im Weltkrieg Johann auf deutscher Seite gekämpft hat und die anderen auf amerikanischer Seite. Schrecklich wenn Geschwister auf einander schießen.


    Anfangs war ich überrascht, dass die "Amerikaner" unter den Brüdern überhaupt in den Krieg ziehen, aber es gab zu den Weltkriegen durchaus einen Deutschfeindlichkeit in den Vereinigten Staaten, die unter anderem auch dazu führte, dass deutsche Namen angliziert wurden und die Deutschstämmigen sich betont zum Mainstream bekannten. Vermutlich war es für die drei Brüder auch eine kaufmännische Entscheidung, denn sie hatten alle eine Arbeit, die sie nicht durch Boykott oder ähnliches verlieren wollten...


    Zitat

    Für Marie wirklich ein Glück vor Kriegsbeginn wegzukommen, aber in Amerika zu sein und nicht zu wissen wie es den deutschen Verwandten geht ist sicher auch nicht leicht. Alles hat seine guten und schlechten Seiten...


    Mein Großonkel ist auch zwischen den Weltkriegen in die USA ausgewandert und hat nach dem II. fleißig Care-Pakete geschickt - eine Tatsache, die seinen Eltern sehr geholfen und meinen verwaisten Vater sehr gefreut hat! :) Selbst bei mir gab es die riesigen Pakete regelmäßig (mein Onkel war wie ein Opa für mich und würde glücklicherweise noch etliche Jahre älter als Marie es ist) und ich glaube sie waren für mich so etwas wie für meinen Mann "Westpakete"... ;D
    Was ich damit sagen wollte: ich denke, Marie und ihre Brüder haben auch das ein oder andere in die alte Heimat geschickt... Auch wenn die USA gegen Deutschland gekämpft hat und uns mit hohen Verlusten befreit hat, habe ich den Eindruck, dass sie auch recht schnell wieder zum Helfen bereit war. Glücklicherweise.


    Liebe Grüße
    dubh

    Liebe Grüße

    Tabea

    Einmal editiert, zuletzt von dubh ()

  • nicigirl85 : Vielen Dank für die Spoiler-Erklärung, jetzt hab ich's verstanden :)
    Ja, auch in unserer Familie gab's die Carepakete, meine Mutter hat noch oft davon gesprochen. Im Roman folge ich, was das Verhalten im Krieg angeht, auch weitgehend der wahren Familiengeschichte. Ich denke, dubh hat die Motivation der US-Deutschen, eben gerade zu zeigen, dass sie für ihre neue Heimat auch zu kämpfen bereit sind, gut erklärt. Allerdings waren die Brüder auf beiden Seiten als Soldaten "nur" für die Verpflegung zuständig, sie standen also nicht in vorderster Reihe. Trotzdem wird an solchen Beispielen, wo es direkt durch eine Familie geht, der ganze Wahnsinn des Krieges immer am besten deutlich. Hätte Marie sich nicht in Rudolf verliebt, hätte ihr kleiner Bruder auch auf Seiten der USA gekämpft. Ich finde es immer wieder irre, welche "Kleinigkeiten" unser Leben bestimmen...


  • Ich fand schrecklich die Erwähnung Maries, dass im Weltkrieg Johann auf deutscher Seite gekämpft hat und die anderen auf amerikanischer Seite. Schrecklich wenn Geschwister auf einander schießen.


    Das fand ich auch schlimm.



    Für Marie wirklich ein Glück vor Kriegsbeginn wegzukommen, aber in Amerika zu sein und nicht zu wissen wie es den deutschen Verwandten geht ist sicher auch nicht leicht. Alles hat seine guten und schlechten Seiten...


    Hier hast du leider auch recht :(



    Marie scheint ja auch recht schnell geheiratet und das Blue Horizon aufgebaut zu haben, denn sie sagt ja selbst, dass der Turm des Restaurantgebäudes 1938 zerstört wurde. Wenn überhaupt hätte ich mir vorstellen können, dass Rudolf wegen der Nazis in die USA geht, denn irgendwo wird ja erwähnt, dass er fortschrittliche Gedanken hat... Die passen sicherlich nicht zum neuen Regime. Es bleibt also spannend! ;D


    Stimmt, an die Stelle mit dem zerstörten Turm 1938 hatte ich gar nicht mehr gedacht. Und ja, Rudolf hatte eher fortschrittliche Gedanken, ich hatte die ganze Zeit darauf gelauert, wie seine politische Gesinnung wohl aussehen wird.



    Hätte Marie sich nicht in Rudolf verliebt, hätte ihr kleiner Bruder auch auf Seiten der USA gekämpft. Ich finde es immer wieder irre, welche "Kleinigkeiten" unser Leben bestimmen...


    Ja, durch diese Kleinigkeiten können ganze Lebensläufe komplett verändert werden.

  • Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass ich das Buch mag.
    Wir haben zwei Zeitebenen und zwei gänzlich verschiedene Orte.
    Maries Familie lebt im und vom Moor. Das ist ein hartes Leben und es gelten strenge Regeln. Der Vater von Marie ist besonders verbohrt, keinen Andersgläubigen und schon gar keinen Lehrer. Ich kann mich auch noch an Zeiten erinnern, als die Älteren in der Familie sagten: „Heirate nie einen Evangelischen.“ Die Menschen waren noch lange - bis in die 60er Jahre - so engstirnig.
    Der Vater hatte zu sagen und sein Wort musste befolgt werden. Als Marie sich nicht einfach mehr fügen wollte, wurde sie abgeschoben. Das muss ja ein harter Schlag für ihren Bruder gewesen sein, der immer schon wusste, dass er nach Amerika geht. Nun hat er das Erbe am Bein und ist dafür da, sich um seine Eltern zu kümmern, wenn sie alt sind. Eine ganze Lebensplanung wurde über den Haufen geworfen – eigentlich ja zwei.
    Und nun gibt es nach zig Jahren ein Wiedersehen der Geschwister. Aber in dem Alter sollte man auch nicht mehr zürnen.
    Nach ihren Erzählungen hat sich Marie aber in ihre Situation hineingefunden und doch noch ein erfülltes Leben in Amerika gehabt. Die alte Dame gefällt mir. Sie hat eine sehr realistische Sicht auf alles.
    Rona hat gerade damit zu tun, die Trennung von ihrem Freund zu verarbeiten. Sie trauert dem einerseits nach, andererseits möchte sie aber auch keinen Neubeginn. Gut, dass sie in dieser Ungewissheit auf eine so lebenskluge Frau wie Marie trifft. Rona wollte eigentlich mit der Vergangenheit nichts zu tun haben und merkt nun, dass die Vorfahren und ihre Geschichte ihr doch wichtig sind. Jetzt hat sie noch die Chance, etwas zu erfahren. Mir geht es manchmal so, dass ich über etwas nachdenke und mehr wissen möchte. Aber ich habe niemanden mehr, den ich fragen kann. Da fehlt mir ein großes Stück meiner eigenen Geschichte.
    Und nun hätte ich gerne das besondere Rezept für den Käsekuchen!


  • Ich finde es toll, das Marie ihr von ihrem Leben erzählen will. Oft ist es ja heute leider so, dass wir gar nicht mehr so viel aus dem Leben unserer Großeltern oder gar Urgroßeltern wissen. Ich bin da keine Ausnahme, ich habe zwar noch 2 meiner Urgroßmütter kennengelernt und bis letztes Jahr auch noch alle meine Großeltern gehabt, aber Detaisl aus ihrem Leben? Über vieles reden sie nicht, anderes erschien mir nie besonders spannend - aber es sind Zeitzeugnisse, die irgendwann mit ihnen sterben werden.


    Ich kannte meine Großeltern mütterlicherseits gar nicht, die väterlicherseits kamen erst von Danzig zu uns ins Rheinland als ich schon so ungefähr 10 Jahre alt war. Bei seltenenen Familienfesten habe ich einiges aufgeschnappt, wozu ich heute gerne mehr wüsste. Damals hat mich das nicht interessiert. Da meine Eltern aber sehr früh gestorben sind, ist nun keiner da, den ich fragen könnte. Das ist richtig blöd.


  • Die Reaktion vom Vater hätte ich ja noch Verstanden, wenn er es so begründet hätte, dass seine Tochter Gefahr läuft schwanger zu werden und er das unterbinden will, schließlich konnte sie ja bei ihrer Freundin sehen wozu das führt, aber ihr die Liebe zu verbieten, weil Rudolf ein armer Pauker ist und zudem kein Katholik, das finde ich schon sehr heftig.


    Vorurteile gab es schon immer, nur die Zielgruppe ändert sich.