Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)

  • Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (auch eines der Autorin) immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die Mechtilds Buch noch nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!


    Außerdem wäre es sicherlich für Mechtild sowie ihren Verlag Droemer, der uns so freundlich und großzügig Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.

  • In „Die andere Hälfte der Hoffnung“ wird aus drei Handlungssträngen in der „Gegenwart“ und einem in der Vergangenheit eine dramatische Geschichte zwischen Ukraine und Deutschland gestrickt. Dank Mechthild Borrmanns virtuoser Erzähltechnik entsteht daraus ein gehaltvolles Buch, welches den Leser von der ersten Seite in seinen Bann zieht.


    Es geht um Tanja und ihre Freundin Marina, die aus der Ukraine nach Deutschland gekommen sind, um zu studieren und möglichst schnell Geld zu verdienen. Aber sie wurden wie viele andere junge Frauen getäuscht und im „gelobten Land“ wartet ein grausames und beängstigend menschenverachtendes Schicksal auf die beiden Mädchen. Doch Tanja gelingt die Flucht und sie landet bei einem einsamen Bauern, der auf ungeahnte Weise in das Geschehen eingreift.


    Währenddessen versucht ein ukrainischer Polizist herauszufinden, wohin so viele Studentinnen spurlos verschwinden. Er lernt dabei Walentyna, die Mutter eines der Mädchen kennen, und verspricht ihr, dass er die Tochter finden und heil zurück bringen wird. Walentyna ihrerseits wird von der Ungewissheit fast erdrückt und beginnt in ihrer Not die Erlebnisse ihrer Vergangenheit für ihre vermisste Tochter aufzuschreiben. Und diese Geschichte ist mindestens genauso erschütternd, wie die Geschehnisse der Gegenwart.


    Seit meinem ersten Buch von Mechthild Borrmann bin ich eines Besseren belehrt, dass nicht die große Seitenanzahl Kennzeichen eines großartigen Romans sein muss, sondern dass man mit wenigen Seiten und wohlgesetzten Worten mehr aufwühlen und begeistern kann, als manch dicker Schinken. Auch in „Die andere Hälfte der Hoffnung“ (ein kongenialer Titel, wie ich finde) ist es mir so ergangen.


    Man wird sofort in die Geschichte reingeschmissen und hat kaum Zeit Luft zu holen. Die Hauptdarsteller kommen dem Leser ganz schnell ganz nahe und man leidet mit ihnen und hofft und bangt um sie, als wären es langjährige Freunde. Der Kummer, der die meisten von ihnen irgendwann im Buch ereilt oder ereilt hat, ist manchmal fast zu groß, um ihn zu begreifen. Und doch hat man immer das Gefühl, dass es eine Wahrheit in dieser Geschichte gibt, eine Verbindung zu realen Personen einer realen Welt. Deshalb ist es nicht immer leicht zu lesen und man sollte sich Zeit dabei lassen und die einzelnen Kapitel auch verdauen und überdenken.


    Besonders interessant fand ich die Tagebucheintragungen des Lebens von Walentyna. Hier wird ein Stück Zeitgeschichte beschrieben, welches ich noch am Rande in meiner Jugend selbst erlebt habe ohne zu ahnen, wie es wirklich in Russland und der Ukraine abgelaufen ist und was die Menschen im Einzelnen dort erlebt haben. Dabei wird gezeigt, wie der damalige russische Machtapperat Tausende von Menschen missbraucht, im Ungewissen gelassen und mit seinen Maßnahmen und Anordnungen gar zu Krankheit und Tod verurteilt hat. Und noch heute leiden die Menschen unter den Auswirkungen eines Unglücks, welches jederzeit auch jedes andere Land der Welt ereilen könnte – siehe Fukoshima.


    Der letzte Abschnitt löst alle Rätsel, deckt alle Lügen und Unwahrheiten auf, lässt keine Zweifel und keine Fragen zurück. Alle Stränge sind miteinander unlöslich verknüpft, haben ihre Ende und ihren Anfang gleichermaßen gefunden.


    Das Buch ist sicherlich keines, welches man mit glücklichem Gefühl beiseitelegt, weil es teilweise einfach sehr traurig ist und die Menschen im Buch stellvertretend für die realen Menschen Schreckliches erleiden müssen. Aber das aufwühlende Leseerlebnis hat mich dennoch auch zufrieden gemacht, weil es ein Buch ist, welches so viel Tiefgang und Menschlichkeit in sich hat und ich eine Menge Dinge auf eindringliche neue Weise erfahren durfte.


    Dafür möchte ich mich vielmals bei Mechthild Borrmann bedanken – weil sie den Mut zu solchen Büchern hat und die Erzählkraft, um den Leser mitzureißen und zu bewegen. :anbet:


    Die Leserunde hat deutlich gemacht, dass alle ähnlich empfunden haben und man war nicht alleine mit dieser traurig-schönen Geschichte. Vielen Dank für dieses herausragende Leseerlebnis an alle.


    :buchtipp:


    http://wasliestdu.de/rezension/herausragend-und-aufwuehlend
    http://www.lovelybooks.de/auto…8-w/rezension/1117716108/
    http://www.amazon.de/review/R3…nodeID=299956&store=books
    http://www.literaturschock.de/…ex.php/topic,34767.0.html

    :kaffee:

    Nachts am Askanischen Platz - Susanne Goga


    demnächst:

    Die letzte Schlacht - Ulf Schiewe

    Der Mann, der nicht mitspielt - Christof Weigold

    Einmal editiert, zuletzt von gagamaus ()

  • Ein schönes und doch kein schönes Buch - das ist "Die andere Hälfte der Hoffnung" von Mechthild Borrmann. Schön ist es natürlich in der Hinsicht, als dass die Autorin eine grandiose Schriftstellerin ist, die anspruchsvoll, gleichzeitig packend, spannend und mitreißend von der ersten bis zur letzten Zeile zu erzählen vermag und dabei einmal mehr großartige Recherchearbeit geleistet hat. Unschön, doch umso wichtiger ist das Thema: es geht um Menschenhandel und Prostitution zwischen Deutschland und der Ukraine, dem europäischen Land, das derzeit wohl am stärksten im Fokus der Weltpolitik steht.


    Doch hier geht es nur am Rande um Politik, die bei einem solchen Thema natürlich immer eine Rolle spielt - es geht um junge Mädchen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben, auf Bildung nach Deutschland kommen und dort aufs Unmenschlichste ausgebeutet werden, ja gar in den Tod getrieben werden. Sie kommen zwar aus Kiew, doch sie tragen schwer an ihrer Vergangenheit- einer Vergangenheit, die bereits vor ihrer Geburt besiegelt wurde, da die Eltern in unmittelbarer Nähe von Tschernobyl lebten und dort auch arbeiteten. Marina und Tanja sind es, die im Fokus des Romans stehen, zwei junge Frauen, die in Deutschland, am friedlichen Niederrhein, die Hölle erleben - und auf der anderen Seite die ältere Walentyna, die ihre Kindheit in der Nähe von Tschernobyl verbracht hat, später im Reaktor Arbeit fand und von der Katastrophe in vielerlei Hinsicht so geschädigt wurde, dass sie und auch spätere Generationen davon gezeichnet sind. Sie wartet auf die Rückkehr ihrer Tochter Krystyna, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben, ja auf ein Studium oder eine andere angenehme berufliche Zukunft nach Deutschland ging und alles zurückließ - wie sind da die Zusammenhänge.


    Ich als großer Fan der Autorin habe alle ihre bisherigen Spannungsromane gelesen, um nicht zu sagen, verschlungen - am meisten gefiel mir bisher "Der Geiger", in dem es um den sowjetischen Gulag geht, doch dieses so traurige wie faszinierende Buch steht dem in Nichts nach. Ich hatte das Gefühl, viel mehr über die Hintergründe von Tschernobyl zu erfahren als jemals vorher, auch über weitere, das Leben in in der ukrainischen Sowjetrepublik, später dann in der Ukraine betreffende Umstände.


    Und so traurig das Thema auch ist - Mechthild Borrmann schreibt stets mit einer ihr eigenen Zuversicht, auch mit einem gewissen Pragmatismus, der den Leser nach vorne schauen, ihn - mit gewissen Vorbehalten natürlich - optimistisch bleiben lässt. Ein spannendes, aber auch kluges und wertvolles Buch, das ich von Herzen weiterempfehle!



    Ich möchte mich nochmal von ganzem Herzen bei Mechthild und dem Leserunden-Team für die Ermöglichung dieser Leserunde und meiner Teilnahme daran bedanken - es war unglaublich toll: eindringlich, aufwühlend und vor allem bereichernd!

  • Meine Meinung zum Buch:


    Titel: Die Hoffnung stirbt immer zuletzt…


    "Die andere Hälfte der Hoffnung" ist mein erster Roman von Mechtild Borrmann, den ich ohne große Erwartungen begann zu lesen und der mich total überrascht hat. Positiv natürlich.


    Die Handlung wird uns aus drei Perspektiven geschildert. Zum einen begleiten wir Walentyna, die damals den atomaren Unfall um Tschernobyl live miterlebte und nun in der verbotenen Zone lebt, um dort auf ihre verschollene Tochter Kateryna zu warten. Des Weiteren verfolgen wir das Geschehen um Leonid, Ex-Milizmitglied, der nach zwei ukrainischen Studentinnen sucht, die in Deutschland spurlos verschwunden sind. Dabei deckt er Unglaubliches auf. Und zu guter Letzt nimmt der Leser daran teil wie Matthias Lessmann versucht einer flüchtigen Frau zu helfen. Wird es ihm gelingen?


    Mir hat vor allem gefallen, dass die Perspektiven / Handlungsstränge ständig wechseln und immer an den spannendsten Stellen unterbrochen wird, so dass man gar nicht mehr mit Lesen aufhören mag.


    Frau Borrmann greift im Part um Walentyna zur Briefform und lässt den Leser die damaligen Ereignisse um Tschernobyl durch Tagebucheintragungen erleben. Das empfand ich als lesenswerten Kunstgriff und man fühlte sich bald selbst als Tochter angesprochen.


    Die dargestellten Charaktere waren detailliert beschrieben. Man konnte sie sich gut vorstellen, mit ihnen fühlen und sich in sie hineinversetzen.


    Zum Ende des Buches gehen alle 3 Handlungsstränge in einander auf und es bleiben keine Fragen offen.


    Die Geschichte wird vor allem durch Schwermut getragen. Die Handlung ist düster, hat mich oft schlucken lassen, macht traurig und berührt. Das sollte einem vor der Lektüre klar sein, denn das Buch drückt die Stimmung des Lesers total. Mir gefiel dies ganz besonders, da es sehr zum Nachdenken angeregt hat. Die Ereignisse lassen einen definitiv nicht kalt.


    Fazit: Ein tiefschürfender Roman, der bewegt und den ich nur zu gern empfehle. Absolut lesenswert!


    Bewertung: 5/ 5 Sternen


    --------------------------------


    Meine Rezension findet ihr auch hier:


    Amazon: http://www.amazon.de/review/RH25UG2MRH21Y/ref=cm_cr_rdp_perm


    Mein Blog: http://nicigirl85.blogspot.de/…on-mechtild-borrmann.html


    Buechereule.de: http://www.buechereule.de/wbb2/thread.php?threadid=81308


    Goodreads: https://www.goodreads.com/revi…18?book_show_action=false


    Literaturschock: http://www.literaturschock.de/…ex.php/topic,34767.0.html


    Lovelybooks: http://www.lovelybooks.de/auto…8-w/rezension/1117798263/


    Wasliestdu: http://wasliestdu.de/rezension…nung-stirbt-immer-zuletzt


    Und der Literaturschock- Hauptseite


    Mir haben das Buch und die Leserunde wirklich gut gefallen und ein weiteres Buch von Mechtild werde ich auf jeden Fall wieder lesen. ;D

  • @ alle


    Das war wieder einmal eine sehr intensive Auseinandersetzung und ich möchte mich bei euch bedanken, dass ihr euch auf das Thema Tschernobyl eingelassen habt.


    So detaillierte Rückmeldungen bekommt man als Autorin selten und es war für mich besonders interessant, eure Kommentare zu den verschiedenen Abschnitten zu lesen.


    Besonders eure Vermutungen, wie es weitergeht bzw. wie die Erzählstränge zusammengehören, oder wie glaubwürdig die Figuren in ihrem Handeln sind, haben mich beeindruckt.
    Diese Überlegungen sind die gleichen, die ich mir als Autorin im Schreibprozess mache. Da weiß ich zwar wo ich hin will, aber was ich wann erzähle um die Zusammenhänge Stück für Stück ineinander zu flechten, dazu braucht es genau die Überlegungen die ihr euch gemacht habt.


    Auch die Diskussion um Lessmanns Verhalten in Nimwegen kam mir sehr bekannt vor . Ich habe lange darüber nachgedacht, wie sich ein Mann wie er in dieser ihm fremden Prostitutionsszene zurechtfindet, und ob er die Kraft hat, sich den ständigen eindeutigen Angeboten zu entziehen.


    Und last bur not least, freue ich mich sehr über eure positive Bewertung.
    Ganz herzlichen Dank dafür!

  • Das Buch "Die andere Hälfte der Hoffnung" von Mechthild Borrmann ist ein sehr berührendes und aufwühlendes Buch, welches mehrere Themen zur Sprache bringt.
    Es erzählt in drei Handlungssträngen, die Geschichten einer Frau, die die Katastrophe in Tschernobyl erlebt hat; eines Mannes der Miliz und von einen einsamen Mann, der einer jungen ukrainischen Frau hilft. Zur Sprache kommen atomare Katastrophe und ihre Folgen, Korruption und Zwangsprostitution.


    Ich hatte ja schon einiges von den Buch gehört und war deshalb neugierig geworden, obwohl es eigentlich nicht so mein bevorzugtes Genre ist. Deshalb ging ich auch ein wenig skeptisch ans Lesen ran. Aber was ich dann gelesen habe, hat meine Erwartungen sehr übertroffen.
    Mechthild Borrmann schreibt mit einer Sprache, die mich in den Bann gezogen hat. Ich mußte einfach immer weiter lesen. Die Gefühle ihrer Protagonisten sind so lebendig beschreiben, dass ich sie förmlich gespürt habe.
    Ich bin von diesen Roman sehr emotional berührt wurden, er hat mich zum Nachdenken angeregt und auch jetzt läßt er mich noch nicht los. Besonders die Geschichte von Walentyna, hat mich sehr getroffen.


    Es ist ein Roman über Geschehnisse, die den Leser nicht täglich begegnen, die man liest und wenig beachtet, weil sie einen wenig betreffen. Nach diesen Buch wird dies aber bei vielen Lesern nicht mehr so sein.
    Ich kann das Buch nur empfehlen, auch wenn es keine leichte Kost ist und ich mir auch ein anderes Ende gewünscht hätte.


    Danke, liebe Mechthild Borrmann, für dieses berührende Buch!

  • Vielen Dank für dieses bewegende Buch und die schöne Leserunde :winken:


    Das Buch:


    Walentyna lebt in der verbotenen Zone von Tschernobyl. Hier schreibt sie für ihre Tochter Kateryna ihre Geschichte auf in der Hoffnung, dass Kateryna sie bald wird lesen können. Seit einigen Monaten schon hat Walentyna kein Lebenszeichen von ihrer Tochter bekommen. Kateryna ist für ein Auslandssemester nach Deutschland gereist, doch dort verlieren sich ihre Spuren. Was ist mir ihr geschehen? Auch von ihrer Freundin, die mit ihr zusammen nach Deutschland gefahren ist, fehlt jede Spur.


    Mein Leseeindruck:


    "Die andere Hälfte der Hoffnung" ist mein erstes Buch von Mechthild Borrmann, aber es wird sicherlich nicht das letzte sein. Mir hat der packende Schreibstil und diese tiefgreifende Erzählung so gut gefallen, dass ich nun unbedingt mehr von der Autorin lesen möchte.


    Die Geschichte von Walentyna und ihrer Tochter ist mir sehr ans Herz gegangen. Alle Themen, die in diesem Buch angesprochen werden, sind tiefgreifend und berührend. Es geht hier u.a. um das Unglück von Tschernobyl im Jahr 1986. Ich finde es sehr gut, dass dieses Thema endlich einmal wieder aufgegriffen wird, denn es darf nicht in Vergessenheit geraten. Mich hat es sehr betroffen gemacht, diese Geschichte zu lesen, und gleichzeitig war ich total gefesselt und konnte das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen.


    Es gibt drei verschiedene Handlungsstränge, die alle miteinander zu tun haben und immer mehr miteinander verbunden werden, bis sich zum Schluss alles aufklärt. Es bleiben keine offenen Fragen zurück.


    Zurück bleibt nur ein Gefühl der Beklemmung und gleichzeitig aber auch der Hoffnung. Dieses Buch macht definitiv nachdenklich. Ich habe das Buch heute beendet, aber ich bin mir sicher, dass es mich gedanklich noch sehr lange begleiten wird!


    Wer einmal einen packenden, anspruchsvollen, tiefgreifenden und nachdenklich stimmenden Roman lesen möchte, der sollte unbedingt zu diesem Buch greifen!


  • Liebe Mechthild, ich möchte mich auch nochmal bei Dir bedanken für das tolle Buch, Deine interessanten und sehr bereichernden Anmerkungen und natürlich auch für Deine lieben Worte! Es hat - wie immer - trotz des dunklen Themas sehr viel Freude gemacht, dieses so wichtige, aber auch spannende Buch zu lesen, es war noch ein bisschen schöner als sonst - weil es halt in der Leserunde so viele Extras gab.
    Ganz, ganz herzliche Grüße und alles Gute für Dich!

  • So, weil es ja eine Antwort auf Mechthilds Worte war, wollte ich das nicht mischen: aber natürlich möchte ich mich auch nochmal ganz herzlich beim Team von leserunden.de bedanken für Buch und Runde, es war wie immer einfach toll - nein, noch ein kleines bisschen toller :)

  • Ein Wuchtiges Porträt über Menschenhandel





    Sehr schön ist der Bogen von der Ukraine bis nach Deutschland gespannt. Auch die drei Handlungsstränge von der Gegenwart bis in die Vergangenheit in der es in dieser Geschichte geht sind mehr als perfekt miteinander verknüpft. Walentyna die in der verbotenen Zone in der Ukraine lebt , erzählt in ihren Tagebuch Aufzeichnungen von ihrem früheren Leben. Von einer Zeit voller Lügen , von Freude und Leid . Von der Tschernobyl Katastrophe . Den Momenten der Zuversicht und voller Hoffnung. Sie schreibt das ganze für ihre Tochter Kateryna , die es später einmal lesen soll. Sie versucht damit das warten und bangen zu überbrücken. Sie wartet schon lange auf Kateryna , die längst zurück sein soll . Sie ist mit ihrer Freundin Olena , nach Deutschland gereist ist , als Gastleserin. Man hat den Studentinnen , ein Stipendium versprochen...........


    In Deutschland findet Lesmann vor seinem Hof ein halberfrorenes , verängstigtes und erschrecktes Mädchen. Als er sie bei ihrem Selbstmord versucht in letzter Sekunde findet , rettet er ihr zum 2. mal das Leben. Nur mit viel Geduld und langsam gewinnt er ihr vertrauen. Was sie ihm erzählt wirft ihn fast aus der Bahn , denn so etwas ist unvorstellbar für ihn. Er beschließt ihr zu helfen und gerät dabei selbst in große Lebensgefahr. Er wächst über sich selbst hinaus und Tut etwas , das er niemals sich selbst zugetraut hat .................


    Auch der Leutnant einer Sondergruppe Leonid aus der Ukraine macht sich auf die Suche nach den vermissten Studentinnen , er hat es Walentyna versprochen , die vermissten Mädchen zu finden. Er selbst deckt ungeheuerliches auf und gerät in einen Strudel von Machenschaften von größter Politischer Brisanz . Wird er die Mädchen finden , die Uhr tickt unaufhaltsam weiter....



    Die Autorin Mechthild Borrmann schafft es wie in ihren anderen Buch , Der Geiger, den Leser wieder in ihren Bann zu ziehen. Sie erzählt spannend , packend, Einfühlsam und zutiefst bedrückend , von Menschenhandel und Zuhälterei . Den Machenschaften der Regierung während der Tschernobyl Katastrophe , den Lügen, gegenüber den Menschen Authentisch herüber zubringen. Sie verleiht ihren Protagonisten Körper und Seele , sie kommen Bildstark herüber. Das Buch ist realistisch und überzeugend. Man fühlt und Leidet mit, Ein wuchtiges Porträt , das einem Erschüttert und nachdenklich macht.


    " Ein Facettenreiches und Anspruchsvolles Buch "



    Ich werde es auf Lovleybooks , Weltbild , Amazon , wasliestdu , Mayrische und Thalia , EINSTELLEN


    Vielen Dank an die Autorin für dieses Starke Buch und dem Verlag der es Kostenlos zur Verfügung stellte....

  • Hallo Ihr Lieben,


    anschließend möchte ich mich noch einmal bei allen TeilnehmerInnen der Leserunde bedanken - es hat großen Spaß gemacht, mit Euch gemeinsam zu lesen! Vor allem, weil die Thematik so unter die Haut ging, dass es stellenweise richtig gut getan hat, sich mit Euch auszutauschen. Bitte denkt daran, noch Eure Rezension einzustellen und ein kleines Fazit zur Runde wäre auch toll.
    Ein besonders herzliches Dankeschön geht an Dich, Mechtild! Es war sehr schön, dass Du Zeit und Lust hattest, uns zu begleiten. Du hast ein großartiges Buch zu einem wichtigen Thema (naja, im Grunde ist es ja nicht nur eines) geschrieben und es war wirklich bereichernd, das Du uns hier auch "hinter die Kulissen" hast Blicken lassen! Ich finde es mach ein Buch noch "greifbarer", wenn man solche Einblicke - auch zur Motivation - erhalten kann. Vielen Dank dafür! :-* Nun wünsche ich Dir weiterhin viel Spaß beim Recherchieren und Schreiben und ebenso viel Erfolg mit Deinen Büchern - und hoffe sehr, dass wir uns hier mit Deinem nächsten Buch wieder lesen!


    Herzliche Grüße
    dubh

  • Das Buch war für mich mit das beste Buch, welches ich dieses Jahr gelesen habe.
    Vielen lieben dank, dass ich dabei sein durfte. Es war hier meine erste Leserunde und es war einfach sehr interessant.

  • Inhalt:


    Walentyna lebt in der verbotenen Zone Tschernobyls, dort, wo auch jetzt noch alles verseucht ist. Sie wartet auf die Rückkehr ihrer Tochter, die nach Deutschland gegangen und dort verschwunden ist. Dabei beginnt sie, ihre eigene Geschichte aufzuschreiben. Das Leben in der Ukraine, das Reaktorunglück, die Jahre danach...


    Unterdessen versteckt Lessmann auf seinem Hof ein fremdes Mädchen, das auf der Suche nach ihrer Freundin ist. Auch Leonid ist auf der Suche nach einem Mädchen und riskiert dabei so einiges.


    Meine Meinung:


    "Die andere Hälfte der Hoffnung" ist das dritte Buch, das ich von Mechtild Borrmann lese und ebenso wie die Vorgänger bin ich auch von dieser Geschichte restlos begeistert. Borrmann hat ein feines Gespür für Figuren und ihre Erlebnisse, Borrmann kann erzählen, sodass man alles andere vergisst und man vollkommen in die Geschehnisse des Buches eintauchen kann.


    Seit ich als Kind für die Schule das Buch "Die Wolke" gelesen habe, hat mich das Thema Tschernobyl und Atomkraft nicht mehr losgelassen. Deshalb war ich umso gespannter, wie Borrmann damit umgehen wird. Denn auch nach der Katarstrophe in Fukushima wird noch immer auf AKWs gesetzt, die Gefahren, die davon ausgehen, zu sehr ausgeblendet.


    Genau dafür braucht es Bücher wie "Die andere Hälfte der Hoffnung", die uns wieder vor Augen führen, womit wir es eigentlich zu tun haben. Die Autorin schafft es, Bilder in uns entstehen zu lassen, die uns nicht mehr loslassen. Die uns erschaudern lassen. Die uns fragen lassen, ob das wirklich hätte sein müssen.


    Gekonnt webt Borrmann noch eine andere harte Problematik mit ein: Menschenhandel, Prostitution. Dinge, die vor unseren Augen geschehen und die dennoch keiner sieht.


    Dennoch wirkt das Buch nicht überladen. Ein Wohlfühlbuch ist es nicht, nein, das muss es aber auch nicht sein. Die drei Stränge von Walentyna, Lessmann und Leonid verbinden sich zu einem grossen Bild und ergänzen sich wunderbar. Es kommt nicht zu Widersprüchlichkeiten und schlussendlich erfahren wir alles, das es zu erfahren gibt.


    Fazit:


    "Die andere Hälfte der Hoffnung" ist ein starkes, aussagekräftiges Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt. Flüssig und eindrücklich geschrieben zeigt es, dass Mechtild Borrmann eine talentierte Autorin ist, die ihr Handwerk versteht.


    Dieses Buch ging mehr sehr nahe. So nahe, wie schon lange keines mehr. Obwohl es nicht zu dick ist und klar und einfach geschrieben, konnte ich immer nur ein paar Seiten pro Tag lesen. Mehr ging nicht. Die Figuren sind so real dargestellt, dass man ihnen so nahe ist, dass man ihr Leid förmlich spüren kann.


    Trotzdem schafft es Borrmann, nicht ins Theatralische oder Dramatische abzudriften. Ganz grosse Klasse!


    Zur Leserunde:


    Es toll, wieder dabei sein zu dürfen! Leider ging einiges schief und ich hatte die ganze Zeit ein richtig schlechtes Gewissen alles gegenüber :( Aber aus Fehlern lernt man. Aber es ist wirklich toll, die Gelegenheit zu haben, ein Buch zusammen mit anderen und der Autorin zu entdecken. Man wird auf so vieles aufmerksam, das man alleine überlesen hätte. Auch das Rätseln, das hier in diesem Buch einen grossen Teil einnimmt, macht gemeinsam mehr Spass. Vielen Dank an alle!


    Rezension veröffentlicht auf:


    Meinem Blog
    Amazon (wird noch geprüft)
    Büchertreff.ch
    Literaturschock.de
    [url=http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,34767.msg814858.html#msg814858]Literaturschock-Forum[/url]
    Lovelybooks

  • INHALT
    Walentyna lebt in der verbotenen Zone von Tschernobyl. Hier lebt nur, wer nicht anders kann oder wird gezwungen ist, sich zu verstecken. Die alte Frau wartet auf die Rückkehr ihrer Tochter, von der sie seit Monaten nichts mehr gehört hat. Sie scheint spurlos verschwunden – wie viele andere Studentinnen, die im Jahr 2009 angeblich mit einem Stipendium nach Deutschland gegangen sind. Um dem trotzlosen Warten und dem bitter-kalten Winter zu trotzen, beginnt Walentyna ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben.
    (Quelle Droemer-Knaur Verlag)


    MEINE MEINUNG
    Mechtild Borrmann vereint in ihrem neuesten Roman geschickt die realen Ereignisse in Tschernobyl nach der fatalen Reaktorkatastrophe im Jahr 1986 mit dem berührenden Schicksal der Ukrainerin Walentyna und der äußerst aktuellen Thematik Mädchenhandel und Zwangsprostitution in Europa. Dabei schafft sie es hervorragend, die fiktiven und realen Geschehnisse, die sich auf verschiedenen Zeitebenen und in drei unterschiedlichen Handlungssträngen ereignen, glaubwürdig und fesselnd miteinander zu verweben. Erst nach und nach beginnt sich die aus verschiedenen Perspektiven erzählte Geschichte zu entwirren, die vielen Einzelteile fügen sich schließlich zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen, das den Leser sehr betroffen, aufgewühlt und nachdenklich zurücklässt.
    Erzählt wird der Roman hauptsächlich aus wechselnden Perspektiven in der dritten Person, jedoch sind in den Handlungsverlauf auch immer wieder Walentynas sehr persönliche Rückblicke in die Vergangenheit in Tagebuchform eingeschoben.
    Sowohl eigentliche Kriminalhandlung mit Leonid rund um seine Ermittlungen und die korrupte Miliz in der Ukraine, die schockierenden Schicksale der beiden ukrainischen Studentinnen bei den deutschen Mädchenhändlern als auch die Schilderungen der enttäuschenden gesellschaftspolitischen Entwicklungen in der unabhängigen Ukraine sind dabei so spannend und authentisch beschrieben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann, bis alle Hintergründe und Details offen gelegt sind und man schließlich das ganze Ausmaß der Tragödie begreift.
    Jeder Charakter hat seine eigene geheimnisvolle Geschichte und steuert so zum Gesamtbild bei, das zwar teilweise vorhersehbar, aber dennoch am Ende in seiner tragischen Tragweite erschütternd ist.
    Insbesondere die weiblichen Figuren werden sehr tiefgründig charakterisiert und mit ihren Schwächen und Stärken sehr glaubwürdig und lebensnah gezeichnet, so dass der Leser ihr Handeln gut verstehen kann, sich mit ihnen verbunden fühlt und mitleidet. Insbesondere Walentynas Lebensgeschichte berührt sehr, so dass der Leser großen Anteil an ihrem Schicksal, ihren Lebenslügen und geplatzten Träumen nimmt. Voller Hoffnung endlich ein Lebenszeichen von ihrer verschwundenen Tochter zu erhalten, hat sie sich in ihre Heimat zurückgezogen -in die sogenannte „Entfremdungszone“, dem radioaktiv verseuchten Sperrgebiet rund um Tschernobyl, und blickt auf ihr bisheriges Leben zurück.
    Viele weitere Charaktere werden sehr facettenreich und lebendig gezeichnet.
    Trotz aller Widrigkeiten und Widerstände setzt der sympathische Leonid nach seiner Suspendierung von der Miliz seine Suche nach den verschollenen Mädchen in Deutschland fort und geht hartnäckig allen Hinweisen nach. Auch Figur von Matthias Lessmann und seine Entwicklung im Laufe der Handlung sind sehr interessant dargestellt. Nach dem Krebstot seiner Frau lebt der vereinsamte Mann zurückgezogen mit seinen Tieren auf einem Hof nahe der holländischen. Als die junge, vor den Zuhältern flüchtende Frau auftaucht, handelt er instinktiv und selbstlos. Doch wird er immer mehr in die sich eskalierenden Ereignisse hineingezogen und erkennt sich bald selbst nicht mehr wieder.
    Durch den eindringlichen, lebendigen Schreibstil gelingt es Mechtild Borrmann sehr gut, eine zunehmend angespannte, oft düstere Atmosphäre zu vermitteln und dem Leser die emotionalen Nöte der Charaktere sehr nachdrücklich vor Augen zu führen.
    Ein Personenverzeichnis im Anhang erleichtert dem Leser den Überblick über die vielen, anfangs leicht verwirrenden russischen Namen.


    FAZIT
    Mechtild Borrmanns "Die andere Hälfte der Hoffnung" ist ein vielschichtig angelegter, sehr gut recherchierter und einfühlsam geschriebener Roman, der den Leser bis zur letzten Seite bewegt und fesselt. Ein sehr empfehlenswerter Roman, der nicht nur Krimi-Fans begeistern wird.


    ZUR LESERUNDE
    Ich möchte mich auch nochmal bei Mechthild und allen Mitlesern für die tolle, diskussionsreiche Leserunde bedanken, die ich sehr interessant fand! :winken:

  • Anbei noch meine Rezension, für mich war das Buch wieder einmal ein absolutes Highlight!


    Mit „Die andere Hälfte der Hoffnung“ legt Mechtild Borrmann erneut ein beeindruckendes Buch vor, in dem sie geschickt die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft.


    Das Buch teilt sich zu Beginn in drei Handlungsstränge auf. Da ist zum einen Walentyna, eine ältere Frau, die in der verbotenen Zone um den Unglücksreaktor von Tschernobyl lebt.Sie schreibt einen Brief an ihre Tochter, die als Studentin nach Deutschland gegangen ist und dort verschollen scheint. So erleben wir Leser die Geschichte des atomaren GAU quasi hautnah aus Augenzeugensicht mit. Walentyna beschreibt, wie stolz und glücklich sie waren, damals dort arbeiten zu dürfen, wie später das Unglück erst kleingeredet wurde und doch ihr ganzes weiteres Leben beeinflusste. Es sind sehr intensive Beschreibungen, die mir mehr als einmal einen Schauder über den Rücken jagten.


    Parallel hierzu erleben wir mit, wie in Deutschland, nahe der holländischen Grenze, eine junge Frau ihren brutalen Zuhältern entkommt und sich auf den Hof von Matthias Lessmann retten kann. Der Witwer lebt sehr zurückgezogen und spricht oft tagelang nur mit seinem Hund und seinen Schafen. Dennoch fühlt er sich von dem hilflosen Mädchen berührt und gibt ihr bei sich Unterschlupf und Schutz. Sie fasst nach und nach Vertrauen zu ihm und bittet ihn, nach ihrer Freundin zu suchen, die sie in der Gewalt der Zuhälter zurücklassen musste.


    Der dritte Erzählstrang handelt von dem ehrgeizigen ukrainischen Miliz Ermittler Leonid, der mit seiner Abteilung im Falle von zahlreichen verschwundenen Mädchen ermittelt. Er kommt in Kontakt mit Walentyna, die all ihre Hoffnungen, ihre Tochter Kateryna wiederzufinden, in ihn setzt. Doch seinen Vorgesetzten gehen Leonids Nachforschungen zu weit und so muss er sich auch gegen innere Widerstände behaupten und durchsetzen.


    Natürlich weiß man als Leser, dass diese drei Handlungsstränge sicher irgendwie miteinander verbunden sein müssen, doch die genauen Verbindungspunkte ergeben sich erst nach und nach.
    Die Autorin schildert die verschiedenen Schicksale sehr eindringlich und so empfand ich die Lektüre als unglaublich fesselnd, obwohl ich mir allein von der Thematik her das Buch vielleicht nicht unbedingt ausgesucht hätte. Diese Erfahrung habe ich aber schon beim letzten Buch von Mechtild Borrmann (Der Geiger) gemacht und würde inzwischen wahrscheinlich jedes Buch von ihr blind kaufen, ohne überhaupt auf den Klappentext zu schauen, so sehr gefällt mir ihre Art zu schreiben.


    Es ist keine schöne Geschichte, es sind harte und traurige Schicksale, die die Autorin hier beschreibt, Schicksale, die emotional tief nachwirken, auch nachdem das Buch zugeklappt ist. Es ist eine Geschichte voller Schwermut über verlorenes Glück, über den unglaublich menschenverachtenden Umgang der Sowjetunion mit der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl, über den genauso menschenverachtenden Umgang mit Menschen heutzutage im Zusammenhang mit Menschenhandel und Prostitution – aber auch eine Geschichte über Menschen, die nicht aufgeben, die weiterkämpfen, auch wenn sie alleine auf scheinbar verlorenem Posten stehen und so letztlich zeigen, dass man die Hoffnung nie aufgeben darf.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen

Anstehende Termine

  1. Freitag, 23. Februar 2018 - Sonntag, 11. März 2018

    gagamaus

  2. Freitag, 23. Februar 2018 - Sonntag, 11. März 2018

    gagamaus

  3. Freitag, 23. Februar 2018 - Sonntag, 11. März 2018

    Dani

  4. Freitag, 2. März 2018 - Sonntag, 18. März 2018

    Dani