Allgemeine Fragen an Manuel Charisius

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  • Hallo Manuel,


    ich mache einfach mal den Anfang mit meinen Fragen:


    Wahrscheinlich wurde Dir diese Frage schon gefühlte 1000mal gestellt, aber ich stelle sie Dir trotzdem: Kommst Du selbst noch dazu etwas zu lesen und wenn ja, was?


    Beurteilst Du - seitdem Du selbst Autor bist - die Bücher von Kollegen kritischer oder mit mehr Nachsicht?


    Hast Du selbst schon Rezensionen geschrieben?


    Schöne Grüße,
    Bettina

    Liebe Grüße,<br />Bettina<br /><br />Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte, aber man verwechselt meistens den Ankauf der Bücher mit dem Aneignen ihres Inhalts.<br /><br />Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph (1788 - 1860)

  • Hallo Manuel, nachdem oben die Frage nach deinen Lesegewohnheiten steht: liest du eher ebooks, oder Papierbücher, oder hält es sich die Waage? Hast du Präferenzen?

  • Hallo, Bettina, hallo, Vorleser,


    ui, interessante Fragen. :daumen: Aaaalso ...



    Wahrscheinlich wurde Dir diese Frage schon gefühlte 1000mal gestellt, aber ich stelle sie Dir trotzdem: Kommst Du selbst noch dazu etwas zu lesen und wenn ja, was?


    Ja, zum Lesen komme ich durchaus nach wie vor -- das muss einfach sein. Lesen ist für mich nicht nur Unterhaltung, sondern gehört mit zum Autorenalltag. Wenn nötig, nehme ich mir die Zeit dafür.


    Auf eine bestimmte Art der Lektüre bin ich dabei kaum festgelegt. Ich lese Belletristik (fast) jeder Art, sofern sie mich inhaltlich/thematisch anspricht, ebenso wie Sach- und Fachbücher (dito). In jüngster Zeit habe ich Der Circle von Dave Eggers (als E-Book) beendet, war allerdings nicht sonderlich beeindruckt davon. Demnächst werde ich wohl mit Johannes Mario Simmels Der Stoff, aus dem die Träume sind (gebundene Ausgabe) beginnen, nachdem mich die Verfilmung von Niemand ist eine Insel, die kürzlich im Fernsehen lief, neugierig auf das Werk des Autors gemacht hat. Dazwischen schaue ich aktuell immer mal wieder in die Betrachtungen des Philosophen Hans Blumenberg, die vor einigen Jahren unter dem Titel Löwen bei Suhrkamp erschienen sind. Ich finde es großartig, was Blumenberg so alles über Löwen denkt und formuliert. :daumen:



    Beurteilst Du - seitdem Du selbst Autor bist - die Bücher von Kollegen kritischer oder mit mehr Nachsicht?


    Hast Du selbst schon Rezensionen geschrieben?


    In der Tat habe ich früher häufig (heutzutage eher sporadisch) die Bücher anderer Autoren rezensiert; wobei ich mir des Dilemmas bewusst bin, in dem jede(r) steckt, der/die selbst schreibt und nebenbei Rezensionen verfasst: Der eigene Blickwinkel wird mit zunehmender eigener Schreiberfahrung zwangsläufig kritischer.


    Als Autor Bücher zu lesen ist fast wie einem Kollegen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen -- man vergleicht sich insgeheim mit ihm, überlegt sich, wie das (positive wie negative) Feedback der eigenen Leserschaft auf das Buch, das man liest, ausfallen würde, und ist dabei mit zunehmender Erfahrung als Autor wie als Leser natürlich immer weniger "unschuldig". Das heißt, die intellektuelle Bewertung des Gelesenen steht -- ehrlich gesagt -- schon ein bisschen im Widerstreit mit der rein subjektiven, unbedarften "Ehrfurcht" vor dem fremden Werk.


    Als Autor bin ich also quasi voreingenommen. Deshalb schreibe ich mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen Rezensionen -- etwa, wenn mir ein Buch außerordentlich gut gefallen hat (und ich das nicht nur gefühlsmäßig, sondern auch am Text belegen kann); oder natürlich wenn ich darum gebeten wurde.




    Hallo Manuel, nachdem oben die Frage nach deinen Lesegewohnheiten steht: liest du eher ebooks, oder Papierbücher, oder hält es sich die Waage? Hast du Präferenzen?


    Spontan würde ich sagen, es hält sich die Waage. Ich besitze fast 900 Papierbücher, Tendenz steigend; auf der anderen Seite habe ich im letzten halben Jahr fast nur E-Books gelesen. :verlegen:


    Ich muss sagen, dass ich die Vorzüge von E-Books sehr zu schätzen weiß. Ich kann Hunderte davon auf meinem Reader überall hin mitnehmen. Ob ich nun einen 800-Seiten-Wälzer lese oder ein 300-seitiges Taschenbuch, spielt keine Rolle, der Reader, den ich in der Hand halte, hat immer dasselbe Gewicht. Außerdem hat er eine integrierte Beleuchtung -- ein unschätzbarer Vorteil im Vergleich zum Papierbuch. [Blockierte Grafik: http://www.smiliemania.de/smilie.php?smile_ID=8129]


    Lieben Gruß,
    Manuel

  • Danke dass du die Fragen so ausführlich beantwortet hast. :)


    Ich mag Papierbücher sehr, ich bin schließlich mit ihnen aufgewachsen, aber ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich sie noch hinstellen soll; da bin ich froh über jedes Buch, das als ebook erhältlich ist (sofern es ein reines Textbuch ist).
    Und natürlich sind ebooks zum reisen viel praktischer als Papierbücher. :)

  • Auch ich danke Dir für Deine ausführliche Antwort :).


    Dass Du soviel liest, hätte ich jetzt nicht gedacht. In Interviews mit anderen Autoren hatte ich gelesen, dass diese oft Angst haben, von anderen Autoren in ihrer Arbeit beeinflusst zu werden. Gerade bei Büchern aus dem eigenen Genre. Schön, dass das bei Dir nicht so ist.


    Zitat

    Als Autor bin ich also quasi voreingenommen.

    Ja, das stelle ich mir auch sehr schwierig vor, die Technik des Schreibens außer Acht zu lassen, wenn man selbst Bücher schreibt.


    Ich bevorzuge Papierbücher. Ich finde es toll mich manchmal einfach nur vor mein Bücherregal zu stellen und mir die Buchrücken anzusehen. Beim Blick auf den Reader hat man dieses Feeling nicht ;)

    Liebe Grüße,<br />Bettina<br /><br />Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte, aber man verwechselt meistens den Ankauf der Bücher mit dem Aneignen ihres Inhalts.<br /><br />Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph (1788 - 1860)

  • Hallo Manuel,


    Mich würde interessieren woher dein Interesse an Löwen kommt. Du erwähnst den Philosophen Hans Blumenberg (der mir leider nichts sagt) - was ist für dich das Besondere an dessen Sicht auf die Löwen?

  • Hei Lärche,


    schau mal was hier im Hintergrund im Bücherregal steht:



    Der Löwe ist ja von Alters her ein Sinnbild für Kraft, Mut und Gerechtigkeit, das wussten schon andere Schriftsteller zu nutzen (C.S. Lewis mit Aslan, z.B.).

  • Hallo, Lärche!


    Mich würde interessieren woher dein Interesse an Löwen kommt.


    Ich war schon in meiner Jugend ein "Raubkatzen-Fan" (wie mir jemand in unserer Abizeitung attestierte). Wir haben immer Tiere gehabt -- erst einen Kater, später dann Hunde, nebenbei auch Mäuse, Hamster und zeitweise einen Graupapagei (der meiner 2003 verstorbenen Schwester gehörte). Weshalb man mir auch heutzutage mit einer zugkräftigen Husky-Dame am anderen Ende der Leine auf der Straße begegnen kann. [Blockierte Grafik: http://www.smiliemania.de/smilie.php?smile_ID=8129]


    Speziell Löwen faszinieren mich wohl zum einen natürlich aufgrund ihrer Besonderheiten als Großkatzen -- die Mähne der Kater, das Rudelverhalten usw. --, aber auch (wie Vorleser zu Recht andeutet) dank der vielfältigen Symbolik, die diese Tierart in vielen Kulturen und nahezu allen Epochen begleitet. Zwar ist der Löwe, wie sich bei näherer Beschäftigung mit ihm rasch offenbart, weit entfernt davon, der "König der Tiere" zu sein -- er frisst seine Untertanen und tötet den Nachwuchs fremder Artgenossen. Für mich persönlich zählt er aber dennoch zu den schönsten, faszinierendsten Spezies auf diesem Planeten. Die zu schützen und zu bewahren wir Menschen als unsere Pflicht begreifen sollten.


    Du erwähnst den Philosophen Hans Blumenberg (der mir leider nichts sagt) - was ist für dich das Besondere an dessen Sicht auf die Löwen?


    In den letzten Jahren wurde Blumenberg vor allem durch den nach ihm benannten Roman der (umstrittenen) Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff etwas bekannter. Er hat sich zeit seines Lebens mit Löwen beschäftigt -- auch für ihn stellte die Tierart wohl ein Faszinosum dar, das es nicht zuletzt auch philosophisch zu betrachten galt. Der erwähnte Band ist eine Sammlung von kurzen Schriftstücken Blumenbergs, in der der Löwe mal symbolisch, mal ganz real und zeitweise sogar "unsichtbar" eine Rolle spielt.


    An einer Stelle schreibt Blumenberg so schön:


    Zitat

    Auch ohne naturschützerische Gebärde muß gesagt werden, daß eine Welt ohne Löwen trostlos wäre.


    Kann der Philosoph -- irgendein Philosoph -- sein wissenschaftlich-persönliches Anliegen treffender, unmissverständlicher und löwentreuer ausdrücken? (N.B.: Ich könnte es, aber ich bin ja auch kein Philosoph. [Blockierte Grafik: http://www.smiliemania.de/smilie.php?smile_ID=8129])


    Lieben Gruß,
    Manuel

  • Du hast dein erstes Buch ja über einen Verlag veröffentlicht und jetzt Weltenlied als Self Publisher herausgebracht. Was für Erfahrungen hast du da gemacht bzw. wie unterschiedlich war der Weg bis zur Veröffentlichung?
    Woran arbeitest du gerade?
    Für wie viele Bände ist "Die Saga der Zwölf" konzipiert?
    Und wie wird es mit den Streunern weitergehen?

  • Hallo, Seychella!




    Du hast dein erstes Buch ja über einen Verlag veröffentlicht und jetzt Weltenlied als Self Publisher herausgebracht. Was für Erfahrungen hast du da gemacht bzw. wie unterschiedlich war der Weg bis zur Veröffentlichung?


    Er war jeweils grundverschieden. Bei Verlagsveröffentlichungen dauert generell alles sehr viel länger -- zwischen Vertragsabschluss und Lektorat, Lektorat und Satz, Satz und dem eigentlichen Tag der Veröffentlichung lagen jeweils Monate. Als Selfpublisher lädst du dein E-Book hoch, sobald du einigermaßen damit zufrieden bist -- und von da ab kann es gekauft werden.


    Was viele reine Verlagsautoren nicht gerne hören, mir zumindest aber, mit Erfahrungen auf beiden Seiten, massiv auffällt: Als Selfpublisher fühlst du dich viel weniger macht- und verantwortungslos mit deiner Veröffentlichung. Du kannst deine Verkaufszahlen checken, wann immer du willst (beim Verlag traute sich nicht mal mein damaliger Agent diesbezüglich nachzufragen -- oder er wusste nur zu gut, dass er sowieso keine Antwort bekommt). Du entdeckst einen Fehler im Buch, der dich wirklich stört? Kein Problem, dann lädst du einfach eine neue Datei hoch (der Verlag dagegen ignorierte ca. die Hälfte meiner letzten Korrekturwünsche -- und das Wochen vor der Veröffentlichung, als das Buch noch im Satz war). Du willst das Cover (mit-)gestalten? Dito, kein Problem (der Verlag stellte mich covermäßig vor vollendete Tatsachen).


    Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass man es als Selfpublisher nach wie vor sehr viel schwerer hat, wahr- und ernstgenommen zu werden. Selbst wenn ich WELTENLIED, das es ja bislang nur als E-Book gibt, demnächst drucken lassen würde, hätte ich nur eine verschwindend geringe Chance, damit in die Buchläden zu gelangen -- vom qualitativen Unterschied eines Print-on-Demand-Produkts im Vergleich zum im Offsetverfahren gedruckten Schmöker ganz zu schweigen.


    Auch in puncto Qualitätssicherung haben Verlage immer noch die Nase vorn. Verlagsbücher entstehen im Team, sobald das Manuskript abgegeben ist -- manchmal sogar vorher, noch während des Schreibprozesses. Im Verlag gibt es Lektoren, Setzer, Designer, Vertriebsleute, die dem Autor einiges an Arbeit abnehmen. Ich hab dagegen nur meine eigenen Fähigkeiten, ein Micro-Budget und -- immerhin -- Qindie. 8)




    Woran arbeitest du gerade?
    Für wie viele Bände ist "Die Saga der Zwölf" konzipiert?
    Und wie wird es mit den Streunern weitergehen?


    Die "Saga" wird keine Endlosreihe -- ich schätze mal, drei bis max. fünf Bände wird es geben. Genaueres kann ich noch nicht sagen, weil ich die einzelnen Teilbände dramaturgisch noch nicht überblicken kann.


    Derzeit arbeite ich -- und das wird viele Fans der pelzigen Kämpfer sicherlich freuen -- an einer direkten Fortsetzung von STREUNER. Das Buch schließt chronologisch direkt an den ersten Band an. Es wird einige offen gebliebene Fragen klären und einiges, was eindeutig schien, wiederum in Frage stellen. Erscheinen wird es sehr wahrscheinlich als E-Book in Amazons Selfpublishing-Programm. ;) (Wann, steht noch nicht fest.)


    Lieben Gruß,
    Manuel

  • Hallo Manuel,


    vielen lieben Dank nochmal für deine ausführliche Antwort bzw. Löwen!


    Interessant finde ich, wenn du folgendes schreibst:


    Die "Saga" wird keine Endlosreihe -- ich schätze mal, drei bis max. fünf Bände wird es geben. Genaueres kann ich noch nicht sagen, weil ich die einzelnen Teilbände dramaturgisch noch nicht überblicken kann.


    Wie stellst du es an, dass du nicht den Überblick verlierst? Gibt es da spezielle Tricks, die du nutzt?

  • Hallo, Lärche,


    gern geschehen! [Blockierte Grafik: http://www.smiliemania.de/smilie.php?smile_ID=8128]


    Spezielle Techniken, um den Überblick nicht zu verlieren, habe ich eigentlich nicht. Ich bemühe mich, vieles im Gedächtnis zu behalten; für alles andere nutze ich Zettel und Stift bzw. ein Computerprogramm (MS OneNote oder einfach Text-/Word-Dokumente). Der Nachteil sowohl der Programme als auch der Zetteltechnik ist, dass ich physische Aufzeichnungen notorisch selten aktualisiere, während mein Gedächtnis (mehr oder weniger) in Echtzeit arbeitet. Das ist zumindest meine persönliche Überzeugung. Die aber erfahrungsgemäß auch schon widerlegt wurde. [Blockierte Grafik: http://www.smiliemania.de/smilie.php?smile_ID=8127]


    Lieben Gruß,
    Manuel


  • Derzeit arbeite ich -- und das wird viele Fans der pelzigen Kämpfer sicherlich freuen -- an einer direkten Fortsetzung von STREUNER. Das Buch schließt chronologisch direkt an den ersten Band an. Es wird einige offen gebliebene Fragen klären und einiges, was eindeutig schien, wiederum in Frage stellen. Erscheinen wird es sehr wahrscheinlich als E-Book in Amazons Selfpublishing-Programm. ;) (Wann, steht noch nicht fest.)


    "Streuner" ist nach der guten Erfahrung mit "Weltenlied" auch gleich auf meiner Wunschliste gelandet. Was mich aber nun ganz brennend interessiert (hoffentlich habe ich es nicht übersehen, falls schon darüber gesprochen wurde): Gibt es schon eine Planung für Band 2 zu Weltenlied? (Arbeits-)Titel? Ungefähre Veröffentlichung? :)

  • Hallo, Piranhapudel,


    cool, freut mich sehr, dass dein Interesse an STREUNER geweckt ist! :D


    Die "Saga der Zwölf" möchte ich in nicht allzu ferner Zukunft fortsetzen. Der Plot des zweiten Bandes ist noch in Entwicklung, ein Titel steht noch nicht fest. Ich kann aber so viel sagen: Der zweite Band wird um einiges vielschichtiger und auch ein bisschen düsterer als der erste.


    Lieben Gruß,
    Manuel


  • Heißt das etwa, dass wir auf die Auflösung der Rätsel aus diesem Buch noch Jahre warten müssen? [Blockierte Grafik: http://www.smilies.4-user.de/ablage/138/271.png]


    Nee! :D


    Ich hoffe zumindest nicht. Ich bin ein langsamer Schreiber, das gebe ich zu. Und dann habe ich ja immer mal wieder zeitintensive Texter-Projekte am Laufen. Mein Ziel ist es trotzdem, im kommenden Jahr ein neues Buch herauszubringen -- mindestens. :winken:


  • Meine Rezension kommt umgehend.
    Ich muss nächste Woche ins Krankenhaus und hab noch einiges vorzubereiten zu Hause, damit ich Mann und 2 Hunde ein paar Tage alleine lassen kann. ;)
    Bevor ich ins KH abrücke ist meine Rezi aber hier, versprochen.


    Ich hoffe mal es ist nichts schlimmes und wünsche Dir einen kurzen, erfolgreichen Aufenthalt.