Leserundenfazit, Rezensionen (ohne Spoiler)

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  • Ein wichtiger Punkt der Leserunden sind eure Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein – daher legen wir viel Wert darauf, dass ihr zum Abschluß euer Fazit hier einstellt.


    Zahlreiche Rezensionen hier und die Streuung auf anderen Seiten steigern bei den Verlagen und Autoren die Attraktivität von Leserunden.de: Denkt daran, dass die Rezensionen für die Verlage die "Gegenleistung" für die Freiexemplare sind.


    Wir freuen uns, wenn der/die AutorIn ebenfalls ein Fazit zur Leserunde einstellt.


    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

  • Oscar Falter, Beamter des Scotland Yard, hat eine gewisse Berühmtheit erlangt, als er die Unschuld der vermeintlichen Killerin Lynn Persson bewiesen hat. Dennoch stellt ihn sein Chef auf das Abstellgleis und läßt ihn in eine Abteilung außerhalb des Yards versetzen, die kaum bekannt ist. Dort erhält er den Auftrag, den Abschlußbericht der verschwundenen Agentin Elena Cross ausfindig zu machen, den sie vor ca. 80 Jahren verfasst hat. Der Name Elena Cross ist Oscar nicht unbekannt, ist er doch einer Frau mit gleichem Namen in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs bereits begegnet, die ihm damals das Leben gerettet hat. Nur: die Elena Cross aus den 40er Jahren war nicht viel älter als die Elena Cross von 1886. Ist es nur ein Zufall, daß beide Frauen den gleichen Namen tragen? Mithilfe von Elenas Tagebuch, das er an sich bringt, nimmt er ihre Spur auf – aber nicht jeder scheint mit seiner Suche einverstanden zu sein. Seine Verfolger sind Oscar bereits dicht auf den Fersen ist und wollen ihn um jeden Preis aufhalten.


    Meine Meinung:
    Wie beschreibe ich das Buch am besten, um ihm gerecht zu werden? Es ist eine Mischung aus Ganoven- und Agententhriller, gespickt mit einer Prise Mystik. Nein, das wird dem Buch noch nicht gerecht. Der Autor versteht es auf eine faszinierende Art und Weise, historische Personen, Geschehnisse und Orte in einer fiktiven Art zu verbinden, besser gesagt, richtiggehend miteinander zu verweben, ohne daß störende Brüche oder Unlogiken auftreten. Mir ist nicht klar, wie der Autor über diesen komplexen Plot mit seinem ganzen Personal den Überblick behalten kann – aber er behält ihn!


    Nichts ist zufällig, hinter allem steckt eine Absicht und es hat mir als Leser zunehmend Spaß gemacht, zu spekulieren und diese Rätsel zu lösen. Manchmal lag ich richtig, aber oft genug hat mich der Autor in die Irre geführt und mich mit der richtigen Lösung überrascht.
    Alles hängt miteinander zusammen, was mich aber überhaupt nicht gestört hat, denn es wirkt nicht bemüht konstruiert, sondern es passt einfach zusammen – außerdem darf es bei einem mystischen Thriller auch ruhig etwas anders zugehen als normal. Man muß konzentriert lesen, damit man keine Hinweise übersieht, aber wie schon geschrieben, die Schatzsuche hat mir als Leser ebenfalls einen großen Spaß bereitet.


    Zu Beginn des Buches eröffnet der Autor einige Handlungsstränge, deren Zusammenhang sich natürlich dem Leser zu dem Zeitpunkt noch nicht erschließt: der Prolog beinhaltet die Erinnerungen von Jack the Ripper an sein Zusammentreffen mit Elena. Außerdem geht es um das seltsame Verschwinden von Kindern aus einem Waisenhaus, das Elena aufklären will. Und dann geht es natürlich um Oscar Falter und seine neue Aufgabe. Der Anfang des Buches ist eher düster und melancholisch, was auch an Oscar liegt. Seine Antrittsgespräch mit seinem neuen Arbeitgeber Mr. Potts mutet regelrecht kafkaesk an und ich habe mich gefragt, bei wem er da bloß gelandet ist.
    Seine neue Aufgabe wirft nicht nur bei Oscar eine Menge offener Fragen auf.


    Die düstere und melancholische Atmosphäre wandelt sich allmählich in eine spannende und rasante Suche nach Elena und ihrem Abschlußbericht, hinter dem weit mehr steckt, als Oscar und der Leser anfangs ahnt und das jedem Abenteuer von James Bond locker Konkurrenz machen kann.


    Ein weiteres Highlight des Buches sind seine Charaktere: vielschichtig, undurchsichtig, teilweise skurril und alles andere als zufällig gewählt. Das fängt schon bei Oscar Falter an: er ist ein junger Mann, der seit einer schweren Verletzung bei einem Einsatz vor gut einem Jahr ein verkrüppeltes Knie hat und auf einen Stock angewiesen ist. Allerdings ist der Stock kein gewöhnlicher Stock: in seinem Inneren befindet sich eine scharfe Klinge – ein Geschenk, das er von seinem eheamligen Partner und besten Freund nach dem Unfall geschenkt bekommen hat.


    Die Ehe mit seiner Frau Daphne läuft seit einiger Zeit alles andere als gut, sie trauert den guten alten Zeiten nach, als sie noch finanziell in der Lage waren, rauschende Partys zu geben. Auch Oscar hängt in der Vergangenheit fest und steht sich damit selbst im Weg. Durch seine Suche nach Elena bekommt er allerdings ein neues Ziel, das ihn aus seiner Melancholie reisst und nach vorne schauen läßt. Übrigens ist auch der Name von Oscar nicht zufällig gewählt, wenn man sowohl die deutsche als auch die englische Bedeutung seines Nachnamens berücksichtigt.


    Auf seiner Suche begegnet Oscar Fremden und alten Bekannten, aber wem kann er wirklich trauen? Wer sind seine Verbündete, wer seine Verfolger?


    Zum Schluß fallen alle Puzzlestücke an ihren Platz – und gleichzeitig wird eine Brücke geschlagen für den zweiten Band um Oscar: es gibt einen neuen Bösewicht sowie einen Punkt, den Oscar betrifft und der sicherlich im zweiten Teil noch eine Rolle spielen wird. Ich freue mich in jedem Fall sehr auf die Fortsetzung und bin gespannt, mit welchem Rätsel der Autor den Leser dann überraschen wird.


    Zur Leserunde:
    Ich bin wirklich froh, daß ich mich bei dieser Runde angemeldet habe, sowohl die Runde als auch das Buch haben sehr viel Spaß gemacht. Ich bin natürlich auch weiterhin dabei, Meike ist ja schließlich noch unterwegs ;D Lieber matì, herzlichen Dank für deine tolle Unterstützung dieser Runde und ich würde mich riesig freuen, wenn wir uns beim zweiten Fall für Oscar hier wieder lesen würden.


    Meine Rezension erscheint bei:
    Amazon
    Großes Literaturschock-Bücherforum
    LovelyBooks

  • Wow,
    bin total ergriffen wegen der Rezension. Sie ist in ihrer Ausführlichkeit bestimmt äußerst hilfreich für Anhänger des Genremixes. Allein deinen Klappentext finde ich viel gelungener als meinen. Dürfte ich deinen künftig verwenden? ;) Es war und ist immer noch eine sehr angenehme und interessante Leserunde.
    Würde euch alle gerne so bald wie möglich zur Fortsetzung begrüßen dürfen. Dann mache ich mich mal an die Arbeit.

    ---------------------------<br />cheers, matì

  • Er hat mich absolut begeistert.
    Kennst du eigentlich Buchblogs an die ich mich wenden könnte, weil sie dieses Genre bedienen? Selbstverlegen ist ganz schön stressig und ich habe das Gefühl, meine Aktivitäten hätten noch viel mehr Potential.

    ---------------------------<br />cheers, matì

  • Hallo Ihr,


    Ich wollte mich nur mal kurz melden und Bescheid sagen, dass meine Rezension erst Anfang / Mitte nächste Woche kommt. Bin dies Wochenende nur unterwegs.
    odenwaldcollies : wow - so toll geschrieben!



    Würde euch alle gerne so bald wie möglich zur Fortsetzung begrüßen dürfen. Dann mache ich mich mal an die Arbeit.


    Da freue ich mich jetzt schon drauf!

  • Jaaaaa, der Leguan ist sehr passend - ist das nicht die Schauspielerin, die bei Harry Potter die Lehrerin gespielt hat? Die Namen fallen mir natürlich wieder nicht ein, ich habe ein furchtbares Namensgedächtnis.

  • Maggie Smith. Eine der besten wenn es darum geht verschrobene englische Ladies darzustellen. Schon in Harry Potter, noch besser in Downton Abbey oder Gosford Park. Den Hautlappen und die vorgestellte, bebende Unterlippe denke ich mir dazu. Aber ihr trockener, degradierender Humor ist unbeschreiblich.

    ---------------------------<br />cheers, matì

  • Klappentext:
    London im August des Jahres 1966. Das Leben von Oscar Falter wird auf den Kopf gestellt, nachdem der Untersuchungsbeamte von Scotland Yard, eben noch gefeierter Zeuge mit brillanter Beweisführung während eines Strafprozesses vor dem Old Bailey, umgehend zum gescholtenen Beamten degradiert wird. Die routinemäßige Angelegenheit, mit der man ihn daraufhin betraut, gerät zur lebensbedrohenden Aufgabe. Welcher unbekannte Gegenspieler trachtet ihm ein ums andere Mal nach dem Leben? Und welche Absichten verfolgt die Gruppe mysteriöser Menschen, deren Existenz Oscar nie wahrgenommen hatte, die ihn aber schon sein ganzes Leben begleitet? Am Ende seiner Mission stehen zwischen der existierenden Weltordnung und dem apokalyptischen Chaos lediglich er selbst, sein Gehstock und die Sehnsucht nach einer lang verstorben Fremden.


    Inhalt:
    London, 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, Regen, ein Agententhriller in Schwarzweiß – atmosphärisch dicht beginnt der Roman „ein dunkel Licht“. Was als Agententroman beginnt hört als Krimi mit mysteriösen Elementen auf. Und dazwischen findet sich Oscar, der einen neuen Arbeit- und Auftraggeber hat. Oscar, der sich auch gleichzeitig seiner eigenen Geschichte stellen und feststellen muss, dass wenig in seiner bisherigen Biographie so zufällig war, wie er angenommen hatte. Er trifft auf Menschen, die ihm helfen können seinen rätselhaften Auftrag zu lösen und es dennoch nicht tun und auf Menschen, die ihm nicht helfen wollen, aber zur Entwirrung beitragen. Und bei allem ist er nicht allein, er begegnet unter anderem einer Geheimorganisation mit viel Charme, einer liebenswerten Kneipenbesitzerin und deren scheinbar lolitahaften Tochter, ehrenhaften Männern und schrulligen Postbeamtinnen.


    Meine Meinung:
    Ein großartiger Roman bei dem ich das Gefühl habe, je mehr ich ihn beschreibe, desto mehr verliert er seine ihm eigene Komplexität. Die einzelnen Szenen sind so gut aufeinander abgestimmt, dass man sie erst im letzten Moment versteht und es ihrer Bedeutung oft nicht gerecht wird, wenn ich versuche sie nachzuerzählen. Es hat so unglaublich viel Freude gemacht dieses Buch zu lesen, die Entwicklung des Hauptcharakters mitzuverfolgen, herauszufinden wie eines zum anderen passt, mitzufiebern und mitzuhoffen. Solch innovative Gedankenspiele habe ich schon lange nicht mehr gelesen und mit welchem Perfektionismus die einzelnen Schauplätze recherchiert wurden, einfach nur bewundernswert. Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung, auf Spin-offs…einfach auf mehr!


    Zur Leserunde:
    Ich bin sehr glücklich bei dieser kleinen, aber sehr feinen Leserunde dabei gewesen zu sein. Definitiv mein Leserundenerlebnis des Jahres. Es war sehr schön mit euch und vielen, vielen lieben Dank Matí, dass du uns so toll begleitet und uns Einblicke in deine Recherchearbeit und deine bildhaften Vorstellungen der Charaktere gegeben hast. Klasse!

  • Liebe Lärche,
    es ist das Wissen um die Freude, die seine Geschichten den LeserInnen bereiten, das den Autor immer weiter schreiben lässt. Und es sind Rezensionen wie diese, die diese Freude an den Schreiber weiterreichen.
    Vielen Dank. Ich freue mich, dass es dir so gut gefallen hat. Gerne wieder, als Spin-Off, und überhaupt.

    ---------------------------<br />cheers, matì

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen