Sanguis B. Vampire erobern Köln - 2. Stadium: Ausbruch (Seite 197 bis Seite 258)

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  • Da ich während meiner Krankheit zumindest Zeit hatte, um zu lesen, möchte ich - insbesondere da ich fürchte, dass ich aus beruflichen Gründen zu Beginn der Woche wenig Zeit zum Posten finden werde - schon einmal meine Eindrücke zu diesem Teil des Buches festhalten.
    Ich hoffe, es ist niemand böse, wenn ich hiermit Teil 4 der Leserunde zu Bernards Buch 'eröffne'...


    Ich finde es interessant wie sozusagen jeder (Haupt-)Charakter eine andere Sichtweise auf das Vampir-Sein darstellt. Epi stellt hierbei (aus meiner Perspektive) die biologisch-medizinische Sichtweise dar, während Thomas und besonders Christoph doch eher die ethisch-moralische vertreten.
    Doro und Ottmar hingegen geben sich desillusioniert und ihrem 'Sein' entsprechend trieb- bzw. instinktgesteuert.
    Interessant und in der Darstellung, wie ich finde, sehr geschickt!!!


    Wenn jedoch die Vampire nach Ottmars Berechnungen und bei dem augenblicklichen Tempo ihrer Verbreitung den Untergang der Menschheit (wg. der fehlenden Möglichkeiten einer Koexistenz von Mensch und Vampir) herbeiführen sollen bzw. müssten, frage ich mich doch, wie bzw. wann der erste Vampir der Weltgeschichte entstanden ist. Bei diesem Tempo kann dies ja kaum schon Hunderte von Jahren her sein... Oder, Bernard?! ???


    Das Massaker in dem Wohnhaus fand ich extrem abstoßend - insbesondere da sich nun auch Epi an so etwas beteiligt. Innerhalb dieser extrem ekeligen Szenen erinnert mich die Mehrheit des Rudels bzw. der Vampire an Hyänen!


    Der Gedanke, dass Vampire eine vom Feind eingesetzte Bio-Waffe sein sollen, hat mich laut zum Lachen gebracht! Lächerlich! Noch nicht einmal ein Angehöriger der Streitkräfte sollte auf so einen albernen Gedanken kommen!!!! Denn wer sollte diese Bio-Waffe denn auf lange Sicht kontrollieren und aus den eigenen Reihen fernhalten???!
    Sorry, Bernhard, aber da hast du für meinen Geschmack ein wenig zu tief in die Klischee-Kiste gegriffen!


    Auch fand ich die Folterungen an Thomas extrem ekelig! War es denn nötig deinen Lesern diese abstoßenden Zeilen zuzumuten?
    Weiterhin habe ich mich hier gefragt, ob es Vampiren - vielleicht aufgrund des fehlenden Blutkreislaufes?! - nicht mehr möglich ist, beim Überschreiten einer gewissen Schmerzgrenze das Bewusstsein zu verlieren.


    So so, die Menscheit ist - aus der Sicht der Vampire - nun also reduziert auf 'Beute' und man denkt gar an Reservate einzurichten, in denen man dann von Zeit zu Zeit bequem speisen kann?! Das ist allerdings ein schauriger Gedanke, insbesondere da dies in der Realität mit Tieren ja durchaus praktiziert wird. Ich erinnere da nur an diese Wild-Reservate, wo Mann und Frau mit dem nötigen Kleingeld ihren Löwen oder ähnliches Schießen können, ohne dass das Tier eine wirkliche Chance zur Flucht hätte...


    Der Zweikampf zwischen Doro und Lola ist sehr spannend - und besonders der Ausgang unerwartet!
    Was wird nun aus Thomas, Epi & Co, da Lola sich durchgesetzt hat?


    Ich muss schnell weiterlesen!!! :lesen:


  • Wenn jedoch die Vampire nach Ottmars Berechnungen und bei dem augenblicklichen Tempo ihrer Verbreitung den Untergang der Menschheit (wg. der fehlenden Möglichkeiten einer Koexistenz von Mensch und Vampir) herbeiführen sollen bzw. müssten, frage ich mich doch, wie bzw. wann der erste Vampir der Weltgeschichte entstanden ist. Bei diesem Tempo kann dies ja kaum schon Hunderte von Jahren her sein... Oder, Bernard?! ???


    Dies ist eine sehr gute Frage in dem Sinne, als dass die Suche nach der Antwort einen Teil der weiteren Handlung ausmacht. Daher verweigere ich (bis zum letzten Leseabschnitt) die Aussage. :P



    Auch fand ich die Folterungen an Thomas extrem ekelig! War es denn nötig deinen Lesern diese abstoßenden Zeilen zuzumuten?


    Diese Frage finde ich schwierig zu beantworten. "Nötig" setzt einen Zweckbezug voraus. "Nötig - wofür?" Um die Handlung voranzutreiben - wohl nicht. Um die beteiligten Personen zu charakterisieren, Ottmars späteres Handeln vorzubereiten und Thomas' charakterliche Entwicklung nachvollziehbar zu machen - vielleicht schon eher. In dem Buch hätte auch stehen können: "Thomas wurde gefoltert." Ich vermute allerdings, dass das die Leserschaft nicht so intensiv berührt hätte wie die detaillierte Schilderung.
    Zudem ist auch das eine Szene (wie beinahe alle), die ich nicht bewusst konzipiert habe - sie hat sich sozusagen beim Schreiben selbst erzählt. Vielleicht kommt daher mein persönlicher Eindruck, dass sie sich in den Gesamtrahmen der Erzählung passend einfügt. Wobei ich dabei unbestritten der ungeeignetste aller Beurteiler bin ...
    Ich könnte zu der von Dir angesprochenen Passage noch einige weitere Gedanken schreiben, vertage das aber, bis ein paar mehr Meinungen zu diesem Leseabschnitt gepostet sind. Ich werde bei Interesse Eurerseits darauf zurück kommen - falls ich es vergessen sollte, erinnert mich bitte.

  • Auch ich möchte schon jetzt meine Eindrücke zu diesem Abschnitt des Buches posten, da nun leider meine schönen Ferien wieder zu Ende sind und mich wohl eine recht stressige Woche erwartet, in der ich nicht mehr so viel zum Lesen und Posten kommen werde, wie es in der vergangenen Woche der Fall war.


    Man lernt in diesem Abschnitt ziemlich viele neue, interessante Nebencharaktere kennen. Lola ist mir ziemlich unsymphatisch, aber sie scheint auch ziemlich früh angesteckt worden zu sein, da sie zweifellos sehr mächtig und stark ist. Doro scheint ja nun endgültig das Zeitliche gesegnet zu sein - ich muss sagen, dass ich nicht einmal besonders traurig darüber bin, wenn ich an Doros Grausamkeit mit dem kleinen Mädchen im letzten Abschnitt zruückdenke. ;) Aber trotzdem hätte ich nicht erwartet, dass sie in dem Kampf von Lola besiegt wird. Das wird Lolas Macht wohl wiederum stärken - schlecht für Doros Freunde. Mal sehen, wie es mit ihnen und Lola weitergeht.


    Das mit der Biowaffe fand ich auch abwegig, aber diese Frage passte meiner Meinung nach genau zum Charakter dieses Oberst. Er war auch die Figur, dessen Tod ich bisher am wenigsten betrauert habe. Klar zeigt sich hier auch wieder Ottmars Grausamkeit, der eine diebische Freude daran empfand, den Mann auf Video sterben zu sehen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es ihm in erster Linie darum geht, seinen Freund Thomas zu rächen. Zumindest hoffe ich das, denn Ottmar finde ich nach wie vor ganz amüsant. :)


    Auch ich bin schon extrem neugierig darauf, ob es den mysteriösen Ersten wirklich gibt und ob der angebliche Gesandte wirklich von ihm geschickt wurde. Wenn diese Frage erst im letzten Abschnitt geklärt wird, werde ich wohl schneller lesen müssen. ;)


    Die Folterszene von Thomas fand ich auch grausam, aber doch passend, um den Charakter des Oberst zu verdeutlichen, der ganz offensichtlich Spaß daran hat, anderen Wesen Schmerzen zuzufügen. Er scheint ihn ja auch nur um des Folterns Willen zu foltern und nicht, um Antworten aus ihm herauszubekommen, weil er von seiner Schuld ohnehin schon überzeugt ist. Besonders an dem Satz "Thomas konnte sich nicht erinnern, dass der Oberst innerhalb der letzten Stunde auch nur eine einzige Frage gestellt hätte." (S. 228) wird das nur allzu deutlich. Ich bin schon neugierig darauf, welche Auswirkung diese Folter auf Thomas Charakter haben wird.


    Epi hat mich ebenfalls enttäuscht, indem sie sich am Sturm auf das Mietshaus beteiligt hat. Aber immerhin ist sie als eine der ersten wieder zu sich gekommen und immer scheint es den Vampiren eben doch nicht möglich zu sein, ihren Trieb in Zaum zu halten.


    Interessant ist die zum Schluss von dem Herren mit der künstlichen Gelfrisur geäußerte Betrachtungsweise, dass die Vampire die Menschheit immerhin davon abhalten können, sich selbst zu zerstören und die Tiere und Pflanzen dadurch noch eine Chance bekommen. Aber Epi hat schon recht, so schnell werden sich die Spuren der Menschen wohl nicht beseitigen lassen. Außerdem werden auch die Vampire sich sicherlich nicht ausschließlich umweltschützerisch verhalten - wer weiß, was denen so alles einfällt, wenn sie erst einmal eine Art Kultur entwickeln.


    Die Diskussion der Vampire um die einzuführende Gesellschaftsform war für mich ebenfalls sehr interessant zu lesen. Besonders, da die Rudelführer Anhänger der verschiedensten politischen Richtungen sind. Der Punk Ernesto wird eher in Doros Richtung tendieren (auch wenn er nicht allzu viel Ahnung zu haben scheint), andere wollen eine Oligarchie und manche scheint es eher in Richtung Diktatur zu ziehen (natürlich nur mit sich selbst an der Spitze, so schätze ich Lola ein). Ich bin gespannt, wie es sich letztendlich entwickeln wird.
    Die Idee mit den Reservaten für Menschen finde ich auch interessant. Das würde dann bedeuten, dass die Menschen für die Vampire ungefähr das sind, was das Vieh für den Menschen ist, das im Stall steht und seine Schlachtung erwarten muss. Nur dass es den Menschen durchaus bewusst ist, welches Schicksal ihnen bevorsteht...


    Ja ja, die Geschichte wird immer spannender und ich könnte ewig so weiter grübeln und spekulieren, aber ich denke, das reicht nun erst einmal für diesen Abschnitt. Vielleicht kann ich dann vor dem Schlafengehen noch ein paar Seiten lesen. ;)


    Bis bald! :winken:


  • ["Nötig - wofür?" Um die Handlung voranzutreiben - wohl nicht. Um die beteiligten Personen zu charakterisieren, Ottmars späteres Handeln vorzubereiten und Thomas' charakterliche Entwicklung nachvollziehbar zu machen - vielleicht schon eher. In dem Buch hätte auch stehen können: "Thomas wurde gefoltert." Ich vermute allerdings, dass das die Leserschaft nicht so intensiv berührt hätte wie die detaillierte Schilderung.


    Nun, da ich schon ein wenig weiter gelesen habe, stimme ich dir im Bezug auf Ottmars zukünftige Handlungen natürlich zu... Und Thomas' Charakter-Entwicklung?! Wir werden sehen... :P

  • Ich find die Frage an den Autor "war das nötig?" irgendwie komisch. :-\


    Ich geh mal davon aus, dass ein Autor sich über jedes Wort Gedanken macht, erst Recht also über ganze Handlungsstränge. Also war es für ihn so auch nötig.


    Das kann man mögen oder nicht, aber es in Frage zu stellen, kommt bei mir (oder käme bei mir als Autor) irgendwie sehr seltsam an. Eine Leserunde ist doch nicht dazu da, dem Autor Verbesserungsvorschläge zu machen, sondern einfach das Gegebene zu diskutieren und für sich ganz subjektiv zu bewerten.


    Oder hab ich da jetzt einen Denkfehler?


    Die Folterszene war sehr grausam, ja. Aber ich fand sie trotzdem genau richtig, wie sie war. Vielleicht, weil ich das ganze Buch doch mit anderen Vorzeichen lese und ich hier natürlich stark mit Thomas gelitten habe, genau, wie ich bei den ganzen Kämpfen natürlich auf der Seite der Vampire und nicht der Menschen stehe.


    Zum Einzelnen (meinen Eselsohren ;D )
    Man merkt schon beim erstenrichtigen Zusammentreffen von Lola und Doro, dass da die Luft brennt. Der Klügere gibt nach würde ich sagen. Lola war mir ja schon vom ersten Auftreten an unsympathisch. Das gipfelt dann natürlich in der Enthauptung von Doro :'( . Sehr traurig. "schwarze Mäntel tragen nur meine Leute" :o (OK, hier ziehe ich dann direkt wieder meine persönlichen Rückschlüsse auf Deutschlands Vergangenheit - bei sowas gehen gehen mir direkt die Nackenhaare hoch. :o Klar dass sie bei den ersten Gerüchten um den Ersten gleich Panik bekommt und dem Boten gleich die entsprechende Behandlung zukommen lässt.


    Das Treffen der Rudelführer - als würde es diverse Stereotypen von Machtbesessenen und/oder Führungspersönlichkeiten vorführen. Karl ist hier für mich klar der Unsympath (da ist sie wieder, meine Anzug-Phobie ;D ) . Sergio gefällt mir dagegen sehr gut. Franz, na ja, der kommt eher unbedeutend rüber.


    Frage am Rande, die mir auf Seite 251 gekommen ist, als das Stichwort "Herde" fällt: Spielst du eigentlich Vampire in irgendeiner Form, Bernard?


    Bei der Illustration vom nächsten Abschnitt bin ich mir gar nicht so sicher, wer es sein soll...

    Greetz,<br />Weratundrina<br /><br />...alll I ever wanted, all I ever needed - is here in my arms... DM


  • Ich geh mal davon aus, dass ein Autor sich über jedes Wort Gedanken macht, erst Recht also über ganze Handlungsstränge. Also war es für ihn so auch nötig.


    In genau diese Richtung zielte auch meine Frage. Bislang hat es mir sich noch nicht erschlossen, welche Funktion diese Szene mit ihren sehr detailreichen Schilderungen (die allerdings nicht meinem Geschmack treffen) für den Fortgang der Geschichte hat. Insofern hätte ich von Bernard in dieser Richtung gern einen Tipp gehabt. Ein "zeigt sich später noch" hätte es allerdings auch getan! ;)



    Eine Leserunde ist doch nicht dazu da, dem Autor Verbesserungsvorschläge zu machen,


    Wozu es ja ohnehin zu spät wäre, da das Buch bereits gedruckt ist...


    Aber wie dem nun sei, ich hatte meine Frage gemeint wie oben erläutert - und nicht als Verbesserungsvorschlag oder ähnliches an Bernard.
    Sollte ich sonst irgendjemandem mit meiner Formulierung auf die Füße getreten haben (was ich nicht hoffe!) - sorry!!!! Das war sciher nicht meine Absicht.


    Bernard : Über deine neue Frage möchte ich erst ein wenig nachdenken. Aber ich komme darauf zurück... :winken:

  • Hallo Imlammenien,


    keine Sorge, es ist schon richtig bei mir angekommen.
    Es ist nur, wie dargestellt, schwierig, zu beantworten, ob etwas "nötig" sei, weil man dazu sagen muss, "wozu" es nötig sein soll.
    Ich denke, die detaillierten Schilderungen sind unnötig für den Fortgang der Handlung als solcher.
    Um die Charakterentwicklung voranzutreiben, scheinen sie mir nicht unbedingt nötig (man hätte das auch anders machen können), aber sinnvoll (sie erfüllen einen Sinn für die Charakterentwicklung/ um die Charakterentwicklung insbesondere bei Thomas und Ottmar nachvollziehbar zu machen).
    Sie tragen auch noch zu einem anderen Aspekt bei - aber bevor ich meine Einschätzung dazu äußere, möchte ich gern abwarten, wie weitere Leserinnen und Leser die Szene wahrnehmen. Da möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht beeinflussen.

  • Wenn jedoch die Vampire nach Ottmars Berechnungen und bei dem augenblicklichen Tempo ihrer Verbreitung den Untergang der Menschheit (wg. der fehlenden Möglichkeiten einer Koexistenz von Mensch und Vampir) herbeiführen sollen bzw. müssten, frage ich mich doch, wie bzw. wann der erste Vampir der Weltgeschichte entstanden ist. Bei diesem Tempo kann dies ja kaum schon Hunderte von Jahren her sein... Oder, Bernard?! ???


    Das ist es ja, was ich schon im letzten Abschnitt meinte. Entweder, es muss irgendetwas geben, dass die "Seuche" immer wieder gestoppt hat - darauf wäre ich dann auch sehr gespannt. Oder in der Realtität des Romans sind Doro und Co. tatsächlich die ersten Vampire und Dracula, Anne Rices Vampire etc. nur literarische Fiktion.

    Auch fand ich die Folterungen an Thomas extrem ekelig! War es denn nötig deinen Lesern diese abstoßenden Zeilen zuzumuten?
    Weiterhin habe ich mich hier gefragt, ob es Vampiren - vielleicht aufgrund des fehlenden Blutkreislaufes?! - nicht mehr möglich ist, beim Überschreiten einer gewissen Schmerzgrenze das Bewusstsein zu verlieren.


    Das fand ich gar nicht so schlimm. In manchen historischen Romanen, oder auch anderen Genres, geht es doch weit ekliger zu. Ich bin normalerweise bei Folterszenen immer zart beseitet und überlese solche Seiten flüchtig, aber hier fand ich es nicht so schlimm. Thomas ist zwar der Protagonist und man hat ihn auch auf gewisse Weise gern, aber er ist böse und daher hat er es auch verdient bzw. stehe ich einem Vampir nicht ein solches Empfinden zu, wie einem Menschen. Aber das ist bestimmt nur ein subjektiver Eindruck. Da geht es anderen Lesern sicher auch anders.



    Auch hier möchte ich wieder die Gelegenheit zu einer Frage an Euch nutzen:


    Welche Figuren sind für Euch im moralischen Sinne "gut", welche sind "böse"?


    Dabei meine ich: Euren persönlichen Maßstab, nicht, was in irgendwelchen Codizes als "gut" oder "böse" niedergelegt sein mag.


    Da schließt sich deine Frage ja ganz gut an. In diesem Roman ist das wirklich nicht so leicht zu beantworten. Ganz spontan hätte ich gesagt: Vampire, die blutrünstig morden, sind böse. Die Menschen das Gegenteil, also gut.
    Aber da in Sanguis B. auch schon verschiedene philosophische und/oder theologische Überlegungen angestellt wurden, könnte man natürlich auch fragen, inwiefern die menschliche Rasse ein Ausrotten verdient hätte; sprich: ob vielleicht die Menschheit an sich schlecht ist. Ich teile diese Ansicht nicht, habe auch nicht die nötige Muße genauer darüber nachzudenken, aber das fiel mir eben gerade so ein.
    Zu den Vampiren: sie handeln ja nicht gegen ihre Natur. Kann man das als böse verurteilen? Eigentlich nicht pauschal. Gerade Epi zeigt ja auch weiterhin "gute" Züge, indem sie Kinder verschont und weiterhin an einem Gegenmittel arbeitet. Außerdem hat man als Leser wohl auch einen Hang dazu, den Protagonisten grundsätzlich als "gut" abzustempeln. Mir fällt es jedenfalls schwerer, Thomas als Bösewicht im übliche Sinne zu sehen, als wenn der Roman aus Sicht eines Menschen geschrieben worden wäre.



    Noch etwas ganz anderes, was mir auch erst auf ca. S. 250 aufgefallen ist: Ganz plötzlich schwenkt die Berichterstattung der Zeitungen um: Anfangs wird der Vampirglaube noch als Aberglaube abgetan und auf einmal wird das Wort Vampirismus benutzt, wie etwas, das schon immer selbstverständlich Teil der Welt war. Sicher, die Menschen mussten sich damit auseinandersetzen und können irgendwann nicht mehr umhin, als die Wahrheit zu erkennen. Ich finde es auch gut, dass es so abrupt geschieht. Ich als Leser wurde ja auch so damit konfrontiert, daran zu glauben, dass es mir zunächst gar nicht aufgefallen ist, dass die Zeitungen auf einmal ihre Zweifel abgelegt haben.


    VG
    Claudi


  • Hallo Imlammenien,


    keine Sorge, es ist schon richtig bei mir angekommen.


    Puuuh, da bin ich nun wirklich beruhigt!!!! :)
    Ich HASSE es, wenn ich durch eine blöde Ausdrucksweise falsch verstanden werde. :(



    Sie tragen auch noch zu einem anderen Aspekt bei - aber bevor ich meine Einschätzung dazu äußere, möchte ich gern abwarten, wie weitere Leserinnen und Leser die Szene wahrnehmen. Da möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht beeinflussen.


    Okay, kein Problem! Ich warte gern auf eine (spätere) Antwort von dir, Bernhard - und natürlich die vielen Meinungen von euch allen, liebe Leserundenteilnehmer! :)


    So, nun aber endlich zu deiner letzten Frage!
    Grundsätzlich (insbesondere im realen Leben) sind für mich nur solche Menschen moralisch 'gut', die sich nicht auf Kosten anderer bereichern, sich auf dem Rücken anderer Vorteile verschaffen oder absichtlich persönliche Grenzen anderer überschreiten.
    Hiernach dürfte mir keine deiner Figuren als 'moralisch gut' erscheinen.


    Da es sich aber um Vampire handelt (und die sehe ich jetzt mal hauptsächlich als von ihren Trieben und weniger von moralischen Aspekten gesteuert - wenigstens wenn es darum geht 'Beute' zu machen), bin ich gern bereit hier ein paar Abstriche zu machen. ;)


    Am ehesten moralisch 'gut' kommt mir Christoph vor, denn er reflektiert sein Handeln und Sein und versucht - neben Epi sicherlich von allen Figuren am meisten - Alternativen für sein Handeln zu finden. Auch wenn ihm das letztendlich nicht gelingt.
    Auch Epis Figur interpretiere ich in dieser Richtung, denn auch sie sucht mit ihrer Forschung nach einer Lösung - auch wenn sie zunehmend von dem Wissen getrieben wird, dass auch die Vampire vernichtet sind, wenn die Menschheit ausstirbt. Das würde ich nicht gerade ein eigennütziges Motiv nennen...


    Ottmar und Doro würde ich selbst unter 'vampirischen Gesichtspunkten' als 'moralisch böse' einstufen - spätestens nach der Nummer mit dem kleinen Mädchen!!!!


    Und Thomas?! Tja... der schwebt irgendwo dazwischen... ???


    Aber das ist natürlich nur meine völlig subjektive Einschätzung!

  • Wer ist gut, wer ist böse - sehr interessante Frage.
    Nach meinem Definitionslineal ist derjenige böse, der anderen Menschen Schmerzen zufügt - körperliche oder seelische - um damit eigene Bedürfnisse zu befriedigen, die dazu in keinem Verhältnis stehen. (Ich sehe die Vampire immer noch als Menschen, auch wenn sie sich sehr verändert haben.)
    Der Vampir wird von seinen Trieben und seiner Gier rettungslos beherrscht. Der freie Wille (eigentlich ein paradoxes Gedankenkonstrukt) ist sehr stark eingeschränkt, eine gewisse Schuldunfähigkeit steht somit außer Frage, und daher sind diese Wesen nicht böse im Sinne von böse.


    Peter

  • Hm Doro und Ottmar als böse... hm nach dem ich das Buch jetzt beendet habe würde ich sie nicht so einstufen. Es gibt immer graubereiche. Eigentlich hat jede Figur im Buch graustufen die bei dem einen dunkler sind als bei dem anderen. Das macht für mich gerade Figuren wie Ottmar sehr interessant.

  • Hm nein... eigentlich erhält auch keiner der Charaktere von mir mildernde Umstände. Ich mag z.B Doro zwar oder Lola finde aber ihr Verhalten trotzdem nicht richtig. Genauso geht es mir mir Ottmar auch. Der Zweck heiligt für mich nicht die Mittel.

  • Wenn Ihr mögt, lassen wir einmal jemand anderen zu Wort kommen:


    26. November
    Christoph träumte, und er wusste es. Ihm war klar, dass die roten Nebel, die überall waberten, Boden und Himmel verschluckten, nicht echt sein konnten, dass es kaum der Realität entsprechen konnte, wenn man keinen Halt unter den Füßen spürte und dennoch nicht fiel.
    Obwohl er sich der Illusion bewusst war, war er aufgeregt. Die Schwaden umflossen ein tiefschwarzes, lichtloses Podium. Er starrte gegen die geschlossene Front von hohen Pulten. Hinter einem davon konnte er einen Jungen ausmachen, der eine gestickte Ente auf der Herzseite seiner Robe trug. Weiter hinten gab es noch weitere Gestalten, die auf ihn hinab blickten, die er aber nur als dunkle Schemen ausmachen konnte. Er hatte die Gewissheit, und ihm war schleierhaft, wie er dazu gekommen war, dass diese Richter über die Geschehnisse der letzten Wochen und auch über sein persönliches Schicksal genau informiert waren.
    Schweiß stand ihm auf der Stirn, ein weiterer Hinweis darauf, dass er träumte. Bei dem Versuch, ihn abzuwischen, stieß seine Hand ungeschickt gegen einen Wulst in seinem Gesicht.
    "Ihr wisst doch alles", flüsterte er zunächst, wie, um sich selbst zu überzeugen, dann schrie er es hinaus: "Ihr wisst es doch alles! Ihr wisst doch, dass ich versucht habe, es zu beenden! Aber könnt Ihr allen Ernster ein solches Opfer von mir verlangen? Darf ich denn nicht nach dem streben, was jede Kreatur im Innersten mit Sehnen erfüllt? Was soll ich denn tun? Was denn?"

  • Mildernde Umstände?!
    Nein!


    Da stimme ich HoldenCaulfield absolut zu: Der Zweck heiligt noch lange nicht die Mittel!
    Insbesondere da die Vampire ihr "Wohl" auf dem Rücken anderer suchen, in diesem Fall zu Lasten der Menschen, die sie töten, um selbst zu überleben. Geringfügig anders würde ich die Sache im Bezug auf die Soldaten sehen, die ja immerhin auch als "Aggressoren" auftreten, also ihrerseits Gewalt gegen die Vampire anwenden, die den Tatbestand der Notwehr doch bei Weitem übersteigt.
    Greift ein Vampir jedoch einen 'normalen' (und damit relativ wehrlosen) Menschen an - nein, keine mildernden Umstände!

  • Ich hab da mal zwei "biologische" Fragen zum Vampirismus, wie er sich in diesem Buch darstellt.


    1. Wie muß ich mir diese Wulste vorstellen? Welche Funktion erfüllen sie? In den Illustrationen scheinen sie nicht berücksichtigt worden zu sein.
    2. Da bei den Vampiren alles verheilt, wie steht es mit Ohrringen und Piercings? Wachsen die auch heraus? Da dergleichen nicht erwähnt wird bzw. an einer Stelle was von Blechverzierungen im Gesicht zu lesen war, scheint die Heilerei diese Art von Verletzungen nicht zu betreffen.


    Peter


  • 1. Wie muß ich mir diese Wulste vorstellen? Welche Funktion erfüllen sie? In den Illustrationen scheinen sie nicht berücksichtigt worden zu sein.


    Das ist etwas, was sich unterschiedliche Leser verschieden vorstellen. Eine der Teilnehmerinnen in dieser Leserunde brachte den Vergleich zu den "Buffy"-Vampiren. Die Illustratorin dagegen hat sie sich wie Wellen von Schwellungen vorgestellt - die wirst Du auf den drei Bildern finden, mal dezenter, mal deutlicher. Von Vampir zu Vampir können sie unterschiedlich "wuchtig" ausfallen. Epis sind "fast zierlich", "damenhaft" (S. 86), während die von Senberg "schartig" sind, "als wären sie von Pockennarben zerfressen" (S.70). Gemeinsam ist ihnen, dass sie "knapp unter den Schläfen (beginnen) und ... sich in einem leichten Bogen hinab bis knapp außerhalb der Eckzähne des Oberkiefers (ziehen)" (S. 23).



    2. Da bei den Vampiren alles verheilt, wie steht es mit Ohrringen und Piercings? Wachsen die auch heraus? Da dergleichen nicht erwähnt wird bzw. an einer Stelle was von Blechverzierungen im Gesicht zu lesen war, scheint die Heilerei diese Art von Verletzungen nicht zu betreffen.


    S. 138 (ich kann so etwas recht flott raussuchen, weil ich den Text noch als Datei habe, also nicht wundern).
    Ich schätze, das kommt darauf an, ob diese Dinge bereits vor der Verwandlung da waren oder nicht. Meine Vermutung ist, dass das "Material", das vorgefunden wird, umgebaut (Wulste, Zähne, Klauen), optimiert (Augen, Ohren) und dann erhalten wird. Falls das stimmt, müsste ein Piercingloch, das bereits vor der Verwandlung vorhanden ist, auch erhalten bleiben, während eines, das ein Vampir sich stechen lässt, nur für diese eine Nacht hält. Er kann es natürlich in der nächsten Nacht wieder "reinhämmern".
    Grenzwertig sind wahrscheinlich Piercings, die zum Zeitpunkt der Verwandlung noch "frische Wunden" darstellen - die werden vielleicht "versehentlich" mitge"heilt".