Sanguis B. Vampire erobern Köln - 2. Stadium: Ausbruch (Seite 197 bis Seite 258)

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  • 1. Wie muß ich mir diese Wulste vorstellen? Welche Funktion erfüllen sie?


    Upps, die zweite Frage habe ich glatt übersehen.
    Ich denke, sie sind ein zusätzlicher Schutz für die Augen. Ich meine, es gibt eine Stelle, an der ein Vampir nach einem anderen schlägt und die Krallen dabei von diesen Wulsten abgelenkt werden, bevor sie die Augen treffen.
    Dramaturgisch gesehen entfremden sie den Vampir und machen ihn dadurch "monströser" und sie positionieren ihn noch mehr als Raubtier - seine Sicht ist noch ausschließlicher nach vorn (auf die Beute) ausgerichtet als bei einem Menschen und er kann noch weniger seitlich sehen (wie es Fluchttiere tun).


  • Diese Frage finde ich schwierig zu beantworten. "Nötig" setzt einen Zweckbezug voraus. "Nötig - wofür?" Um die Handlung voranzutreiben - wohl nicht.


    Als besonders herausstechend eklige Szene ist mir die Folterung nicht aufgefallen. Beim Gespräch mit dem Mädchen einige Kapitel vorher hat es mich mehr geekelt. Auch gab es m. E. nach einige vom Schockfaktor durchaus gleichzustellende Szenen. Ein bloßes "er wurde gefoltert" wäre auf jeden Fall zu wenig gewesen. Auch zeigte mir die Folterszene, wie sehr man doch als Leser mittlerweile auf der Seite der Vampire steht... Bei dem Militärboss ist das aber ja auch kein Wunder. Der Typ war wirklich ein richtiges rassistisches A..., seine Hinrichtung hat mich z. B. gar nicht geekelt, um es vorsichtig auszudrücken.


    Sehr interessant fand ich die Entwicklung der Beziehung zwischen Doro und Epi. Epi sagt an einer Stelle, dass sie wusste Doro würde sie als Stütze brauchen. Bisher war mir das nicht so aufgefallen. Die kleine Epi ist also scheinbar viel stärker als zuvor gedacht - sie hält sich im Hintergrund, ist nicht so extrovertiert wie Doro. Wird Epi unter dem Verlust von Doro leiden? Sicher ist da noch nicht das letzte Wort gesprochen. ...ich hatte übrigens fest damit gerechnet, Lola würde unterliegen... Danke an Bernard für die überraschende Wendung. Wird sich nun Doros Rudel Lolas anschließen oder wird Epi die "Führung" übernehmen?


    Bernard : Wenn du jetzt fragen würdest, wer am interessantesten ist: Ottmar! Und sympathisch finde ich ihn mittlerweile auch :)


    EDIT: Böse und gut, hm... Die Vampire würde ich eher als Opfer ihrer Krankheit sehen, wobei sicher einige aufgrund ihres Charakters als böse einzustufen wären. Um allerdings festzustellen, wer in welche Kategorie fällt, müsste ich die Personen wesentlich besser kennen und mehr über ihre Hintergründe wissen. Den Militärboss z. B. würde ich momentan als böse einstufen, da er ungerecht über Menschen urteilt. Jedoch weiß ich nicht, was ihn zu dieser Person gemacht hat und warum er solche Ansichten vertritt. Ich weiß noch nicht einmal, ob er vielleicht gelogen hat, als er rassistische Äußerungen vorgebracht hat. Ihn als einen "bösen Menschen" zu beurteilen ist doch eigentlich auch eine Verurteilung, die nach einem solch kurzen Einblick in sein Leben, gar nicht gerechtfertigt ist... Böse und gut, hm...

    Liebe Grüße<br />Ingroscha

    Einmal editiert, zuletzt von Ingroscha ()

  • Die Folterung war von erstaunlicher Grausamkeit. Jemandem die ganze Körperhaut und ein Auge abzufackeln ist sehr harter Tobak. Gewiß verliert es eine gehörige Portion des Schreckens durch den Umstand, daß man als Leser weiß, daß alles wieder geheilt wird, dennoch ist es wohl auch für einen Vampir ziemlich unangenehm. Wie meine Vorposter aber schon anmerkten, gehört so etwas zum Show Don't Tell nun mal dazu. Einfach nur zu schreiben, daß Thomas gefoltert wurde, und wie schrecklich das gewesen ist, wäre billig und unbefriedigend gewesen.


    Peter

  • Allerdings! Und es hätte sicherlich auch nicht diese unangenehmen Gefühle hervorgerufen. Man hätte nur gedacht... ja hm jetzt ist er also gefoltert worden. Stattdessen erfährt man wozu Menschen fähig sein können... eine erfahrung die ich im wahren Leben hoffentlich nicht unmittelbar machen muss.

  • Die Frage nach Gut und Böse ist eine uralte und vielleicht ist der Zeitpunkt, an dem ein Mensch sie sich selbst das erste Mal ernsthaft stellt, der Beginn seines "Erwachsenseins".
    Man kann sie sehr unterschiedlich beantworten und ich bin überrascht und erfreut, dass sich in einem so kleinen Kreis wie dieser Leserunde bereits ein guter Querschnitt findet.
    Man kann sagen: "Gut ist der, der Gutes tut." Dann spielen die Motive keine Rolle, nur das Ergebnis zählt. Vampire töten (unschuldige) Menschen, also sind sie böse.
    Oder auch: "Gut ist der, der Gutes tun will." Es kommt auf die Gesinnung an. Vampire können sich nicht wehren, wenn sie von ihrem Blutdurst überwältigt werden, also sind sie (momentan) schuldunfähig.
    Letztere Position lässt sich noch extremer einnehmen, wenn man sagt, dass nicht nur "momentan überwältigende Einflüsse" wie der vampirische Blutrausch zählen, sondern auch das gesamte bisherige Leben mit all seinen prägenden Einflüssen. "Man kann den Offizier nicht verurteilen, wenn man nicht weiß, welche Umstände in seinem Leben ihn dorthin geführt haben, wo er jetzt steht." Auch das ist eine legitime Position - wer kann schon wissen, wo die Prägung durch Umfeld und Erziehung aufhört und wo der freie Wille beginnt?


    Etwas, was ich an Vampirromanen interessant finde, ist, dass sie solche Fragestellungen ins Extrem ziehen. Das macht es mir leichter, darüber nachzudenken.
    Ein Vampir, der im Blutrausch tötet, ist vielleicht ein ins Extrem gezogener Drogenjunkie, der sich selbst immer mehr in Beschaffungskriminalität verstrickt, dabei sicht selbst, sein soziales Umfeld und auch (zufällige) Opfer in Mitleidenschaft zieht.
    Die Vampire in "Sanguis B." kämpfen um ihr (kollektives) Überleben, wozu sie die bestehende (menschliche) Zivilisation in ihrer Existenz gefährden. Mit einigen (großen) Abstrichen kann man die Situation der Menschen vielleicht auf die "Festung Europa" übertragen, "belagert" von den Hungernden unserer Welt, die auch nichts wollen, als zu überleben - aber wenn man alle Notleidenden aufnähme, bliebe von unserem Leben in (relativem) Wohlstand nichts mehr übrig. Bitte nicht falsch verstehen: Ich sage nicht: "Die hungernden Afrikaner, die mit letzter Kraft Gran Canaria erreichen, sind so etwas wie die Vampire in Sanguis B.", ich sage nur: "Die für einen Vampirroman typischen Motive lassen meine Gedanken wandern."


    Eines jeden Lesers Gedanken wandern woanders hin - und das ist gut so. ;)

  • Hallo!



    Wie steht Ihr zu den menschlichen Charakteren? Erhalten die bei Euch ebenfalls "mildernde Umstände", weil sie gegen ihren Untergang kämpfen und dabei eben extreme Mittel anwenden?


    Absolut! Zumal die Menschen vermutlich gar nicht wissen, daß auch in den Vampiren noch ein Gewissen und menschliches steckt. Zusätzlich werden sie von der Gesamtsituation überrollt und haben vermutlich sehr massive Überlebensängste ;).


    Zitat von "Ingroscha"


    Als besonders herausstechend eklige Szene ist mir die Folterung nicht aufgefallen.


    Echt nicht? "Eklig" ist für mich persönlich auch das falsche Wort, ich fand es einfach extremst grausam. Schmerz empfindet Thomas schließlich trotz aller Selbstheilungskräfte und ich war mir auch gar nicht so sicher, ob er überhaupt wieder geheilt werden würde.


    Zum Thema Gut und Böse: Ist für mich hier nicht so klar abzugrenzen...vermutlich werde ich nach Beendigung des Buchs schlauer sein.


    Gruss
    Bianca


  • Eine Anmerkung zur Folterung: Bernard hat uns bereits mehr geschont als ihr vielleicht glaubt. Er schildert die Ergebnisse der Folterung zwar (ausgerissene Zähne, verbrannte Haut), aber er beschreibt nicht die Situation, in der diese Dinge geschehen. Das ginge nämlich auch, aber dann würden wohl noch viel mehr Leute wegen Brutalität aussteigen.


    Peter


    Da hast du recht, "live" wäre das um Klassen schlimmer gewesen, aber es hat mir auch so gereicht. Folter ist für mich ein absolutes Tabuthema beim Lesen, meine Buchhändlerin weiß das und sagt dann immer, das ist nichts für dich.


    Zu Bernhards Frage, ich würde sagen Doro und Ottmar sind die Bösen, Epi, Thomas, Christoph sind die Guten, aber das ist natürlich sehr schwarz/weiß gemalt, denn eigentlich sind ja alle Vampire die Bösen, weil sie Menschen töten. Und die Menschen sind böse, weil sie Vampire töten.


    Die Vampire als Biowaffe, so können doch nnur Militärs denken, ich hätte mich wegschmeißen können.
    Was Ottmar mit dem Oberst macht, damit stellt er sich auf die gleiche Stufe.
    Doro ist tot, naja wen kümmerts ? Mich jedenfalls nicht.

    Liebgruß buttercup<br /><br />&quot;Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.&quot; Jorge Luis Borges


  • eigentlich sind ja alle Vampire die Bösen, weil sie Menschen töten. Und die Menschen sind böse, weil sie Vampire töten.


    Wie müsste man sich verhalten, wenn man moralisch gut handeln wollte?
    Gäbe es eine Möglichkeit, moralisch gut zu sein, ohne zwangsläufig zum Opfer zu werden?
    Gibt es gute Vampire, die nicht verhungern? Gibt es gute Menschen, die nicht als Nahrung für Vampire enden?


  • Echt nicht? "Eklig" ist für mich persönlich auch das falsche Wort, ich fand es einfach extremst grausam. Schmerz empfindet Thomas schließlich trotz aller Selbstheilungskräfte und ich war mir auch gar nicht so sicher, ob er überhaupt wieder geheilt werden würde.


    Nein, wirklich nicht. Wie Peter schreibt, hätte es wesentlich heftiger werden können, das wäre da richtig eklig. Obwohl, das zerplatzte Auge... :schwitzen: Heute habe ich erst wieder zu meiner Augenärtzin gesagt: Augen sind nicht unbedingt meine Lieblingskörperteile... ::) Alles was mit Augen zu tun hat, finde ich schon recht ...eklig...


    Grausamer fand ich die Szene trotzdem und mir hat Thomas sehr leid getan. :o

  • Entschuldigt, ich bin gerade etwas im Stress. Jetzt arbeite ich meine Zettelchen ab und dann wühle ich mich noch einmal durch alle Beiträge. 8)
    Interessant fand ich (damals, als ich es zum ersten Mal gelesen habe) diesen Vergleich zwischen Vampirrudel und Wolfsrudel, wobei – wie Bernard ja richtig erwähnt – Wölfe einander bei Rangkämpfen selten ernsthaft verletzen. Epi gefällt mir mit ihrem beobachtenden Wesen ziemlich gut. Sie ist etwas abseits und trotzdem mittendrin, wie auch sehr schön bei dem Überfall auf das Hochhaus (und im folgenden Satz) zum Tragen kommt: "Epi hatte noch nie gesehen, wie eine Horde Vampire ein Wohnhochhaus regelrechte stürmte. Und Epi hatte noch nie so sehr und so lange die Beherrschung verloren."
    Die Beschreibung im folgenden hat dann etwas komisch-gruselig-absurdes ... Seufz, und ich bin heute alleine ... ;D


    Also die Folter finde ich auch ziemlich heftig. Grausamer geht wahrscheinlich immer, aber ich male mir das lieber selbst aus ... Zerplatzte Augen ....:o
    Ingroscha : Augen sind mir sehr liebe Körperteile, deshalb mag ich's gar nicht, wenn sie beschädigt werden. ;)


    Liebe Grüße


    Kirsten


    ... das Buch ist jetzt schon hunderte Kilometer Zug mit mir gefahren ...

  • Als Thomas gefragt wurde, ob er eine Biowaffe sei, musste ich ziemlich grinsen. Klischeehaft fand ich das nicht, sondern durchaus „glaubwürdig“, schließlich suchen die Menschen doch genauso nach Ansätzen und Lösungen wie manche Vampire – da probiert man eben alle Möglichkeiten mal durch. Außerdem, wenn ich mir so anschaue, was so in der Realität an Theorien unterwegs ist: der Vampir als Biowaffe ist da doch eher harmlos. ;)


    Die Figuren und ihre unterschiedliche Sichtweise auf das Vampirsein, das finde ich auch sehr gelungen. Da schließe ich mich Imlamnenien an.
    Zum Kampf zwischen Doro und Lola kann ich sagen, dass ich keine Erwartungen an den Ausgang hatte. Für mich hätten beide gewinnen / verlieren können. Dass es mit Doro diejenige getroffen hat, mit der man als Leser bisher eher mehr zu tun hatte, fand ich durchaus mutig / konsequent.


    Gut oder Böse? Meine total vermischten, ziellosen Gedanken dazu ...
    Ein klein wenig bin ich schon im Dilemma, deshalb mag ich Christoph vielleicht auch so gerne und kann seine Schwierigkeiten mit seiner neuen Daseinsform nachvollziehen. Danke übrigens, dass Du ihn noch einmal hast zu Wort kommen lassen, Bernard. :)
    Sagen wir mal so, exzessive Gewaltanwendung heiße ich nicht gut. Wird nur so viel Gewalt angewendet wie nötig, bin ich bei Menschen und Vampiren bereit, ein Auge zuzudrücken.
    Wenn Vampire nur „überleben“ können, wenn sie Menschen töten ... Allerdings überleben sie ja auch, wenn sie Affen oder Delphine ansaugen ... Von daher betrachtet dürfte ich ihr Verhalten nicht gut heißen. Na gut, Affen und Delphine schmecken nicht so gut, aber das wäre wohl kaum ein stichhaltiger Grund stattdessen einen Menschen zu töten. Frage an mich: Würde ich bereit dazu sein, für den Rest meines Lebens Grünkernbratlinge (das ist so ungefähr das Furchtbarste, was mir gerade einfällt) zu futtern, wenn ich damit die Menschheit retten könnte?
    Vielleicht ist das „Menschliche“ an den Vampiren gerade auch, dass manche von ihnen die Entscheidung für das etwas unappetitlichere Tierblut nicht treffen können.
    Trotzdem: In Gut und Böse teile ich die Vampire gar nicht auf, nur in Charaktere mit unterschiedlichen Voraussetzungen, deren Verhalten ich mal mehr, mal weniger und mal überhaupt nicht gut heiße.


    HoldenCaulfield
    Dass man bei der Folter erfährt, wozu Menschen fähig sind, finde ich eine interessante und richtige Sichtweise.


    LG


    Solas


  • Wird nur so viel Gewalt angewendet wie nötig, bin ich bei Menschen und Vampiren bereit, ein Auge zuzudrücken.


    Das ist für mich eine wirklich spannende Frage: Wo sind die "Guten", wo sind die "Bösen" und wo sind die "Normalen"? Und wie breit ist der Bereich "Normale", wie abrupt sind die Übergänge?
    Ich sehe da auch durchaus eine Parallele zwischen "Sanguis B." und Deinem Buch "Die Farbe der Revolution". In "Die Farbe der Revolution" stehen die Protagonisten unter einem sozialen Zwang, hervorgerufen durch die Umstände der Französischen Revolution, in deren Zuge viele Grausamkeiten begangen werden. Sie müssen sich entscheiden, ob sie die Ereignisse aktiv vorantrieben, ob sie ihren Voreil aus der Situation ziehen, ob sie versuchen, dem Geschehen zu entkommen ...
    Bei "Sanguis B." ist es ein biologischer Zwang, nicht primär ein sozialer.
    In beiden Geschichten könnten sich die Betroffenen theoretisch entziehen, aber einfach wäre es in beiden Szenarien nicht. Und hier kommt diese Frage hinein:


    Frage an mich: Würde ich bereit dazu sein, für den Rest meines Lebens Grünkernbratlinge (das ist so ungefähr das Furchtbarste, was mir gerade einfällt) zu futtern, wenn ich damit die Menschheit retten könnte?


    Ein Heiliger würde das wohl tun. Aber nicht jeder ist ein Heiliger. Vielleicht könnte aber jeder einer sein, wenn er wollte? Andererseits bedeutet "Nicht-Heiliger" nicht automatisch "Schurke". Wo beginnt das Mitläufertum, das Sich-treiben-lassen, das Sich-einfach-mit-einer-Situation-abfinden, verdammenswert zu werden? Das ist eine Frage, die man sich üblicher Weise wohl selbst stellen muss, weil sie einem von außen selten gestellt werden wird (wenn man mal von solchen Sachen wie der Entnazifizierung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg absieht).



    Dass man bei der Folter erfährt, wozu Menschen fähig sind, finde ich eine interessante und richtige Sichtweise.


    Ich schließe mich an. Ich würde auch etwas weiter formulieren: "In Extremsituationen zeigt sich, aus welchem Holz ein Mensch geschnitzt ist."
    Wenn man einen Freund wirklich einmal braucht, zeigt sich, was die Freundschaft wert ist, nicht in den 15 Jahren vorher, in denen man gemeinsam spaßige Sachen gemacht hat.
    Im Krieg treten (so sagt man) das Edelste und das Niederträchtigste eines Menschen hervor.
    Und wenn jemand ein Vampir wird, zeigt sich, wie er mit seiner neuen Macht umgeht und ob es primär von seinen Trieben oder von seinem Verstand oder von seinem Gewissen geleitet wird. ;)


  • Das ist für mich eine wirklich spannende Frage: Wo sind die "Guten", wo sind die "Bösen" und wo sind die "Normalen"? Und wie breit ist der Bereich "Normale", wie abrupt sind die Übergänge?


    Ich merke, dass ich mich sperre, Deine Vampire in "gut", "böse" und "normal" aufzuteilen. Obwohl ich das vielleicht könnte, würde ich strenge, moralische Kriterien anlegen: Doros Gewalttätigkeit, Lolas - hm - Herrschsucht, gepaart mit Gewalt. Christoph wäre wohl am einfachsten als "gut" anzusehen, aber auch er unterliegt erst einmal seinen vampirischen Trieben ... und Epi. Epi ist auch gut. Epi ist gleichzeitig auch "normal". Ok, sagen wir mal so, jeder der Vampire geht durch eine Phase, während derer er sich an seinen neuen Zustand gewöhnt, seinen Trieben ausgeliefert ist, aber auch seine ungeheuren Kräfte kennen lernt. Eine Kraft, aus der Verantwortung erwachsen könnte. Was machen sie daraus, ist wahrscheinlich die Stelle, an der man am Einfachsten entscheiden kann in "gut" oder "böse" ... oder sagen wir, Vampire, deren Weg ich gut heiße und solche, bei denen ich es nicht tue. (Dass sie mir sämtlich nicht egal sind, ist Deine Schuld, Bernard!)


    Zitat

    Ich sehe da auch durchaus eine Parallele zwischen "Sanguis B." und Deinem Buch "Die Farbe der Revolution". In "Die Farbe der Revolution" stehen die Protagonisten unter einem sozialen Zwang, hervorgerufen durch die Umstände der Französischen Revolution, in deren Zuge viele Grausamkeiten begangen werden. Sie müssen sich entscheiden, ob sie die Ereignisse aktiv vorantrieben, ob sie ihren Voreil aus der Situation ziehen, ob sie versuchen, dem Geschehen zu entkommen ...
    Bei "Sanguis B." ist es ein biologischer Zwang, nicht primär ein sozialer.


    Ja, da würde ich Dir zustimmen. Interessante Frage, ob jeder ein Heiliger sein könnte, wenn er wollte. Ich habe noch keine Figur beschrieben, die zum Heiligen getaugt hätte. Sie alle waren immer zu sehr in sich, ihrem Leben, ihren Erfahrungen und ihrer Umwelt gefangen und sind über diesen Punkt auch nicht hinausgekommen. Ich würde annehmen, als "Heiliger" müsste man über diesen Punkt hinaus gehen (ich lasse jetzt mal den Kram mit den Wundern und den Heilkräften und so beiseite). Janusz Korczak, der mit seinen Kindern in den Tod gegangen ist, würde ich als jemanden ansehen, dessen Handeln "heilige" Züge hat ... Hm, ich breche hier besser mal ab, bevor es noch verworrener wird (müsste wohl erst einmal die Bedeutung des Wortes heilig für mich klären).
    Zurück auf etwas einfacheres Terrain: Moralisch belastet sich eine Figur für mich mit dem Mitläufertum (eine Situation, die selbstverständlich nicht unumkehrbar ist. Man kann sich ändern, Fehler erkennen). Zum Schurken wird man, wenn man (fortgesetzt) Situationen zu seinem Vorteil ausnutzt, die andere Menschen in Gefahr bringen bzw. aus "niederen" Beweggründen handelt.


    Zitat

    "In Extremsituationen zeigt sich, aus welchem Holz ein Mensch geschnitzt ist."


    Oh ja. In Extremsituation lernt man sich sogar selbst besser kennen und erfährt, ob das Bild, das man von sich selbst hat, auch mit der Wirklichkeit übereinstimmt.


    Liebe Grüße


    Kirsten


  • Wie müsste man sich verhalten, wenn man moralisch gut handeln wollte?
    Gäbe es eine Möglichkeit, moralisch gut zu sein, ohne zwangsläufig zum Opfer zu werden?
    Gibt es gute Vampire, die nicht verhungern? Gibt es gute Menschen, die nicht als Nahrung für Vampire enden?


    Das Problem ist ja, dass sich die Vampire nicht im Griff haben, dass sie die Opfer immer zerfetzen, weil sie vom Blutrausch erfasst werden. Sonst h?tte ich mir vorstellen k?nnen, dass man Freiwillge findet, von denen man jewweil ein wenig saugt, auch wenn man pro Vampir dann vielleicht 10 Menschen br?uchte. Bei der Blutspende gibt man auch einen halben Liter Blut. Wenn man dann noch darauf achtet, dass die Spender Anti-B haben, so dass keine neuen Vampire entstehen k?nnte ich mir eine Koexistenz vorstellen.

    Liebgruß buttercup<br /><br />&quot;Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.&quot; Jorge Luis Borges

  • Suse

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