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  • Hallo zusammen,


    also ich bin mit dem Ende sehr zufrieden. Dass Judith davon gekommen ist, passt zu der Geschichte - und auch, dass eine Ungewissheit bleibt. Normalerweise bin ich ja dafür, dass bei Krimis am Ende alles "aufgeräumt" ist, aber hier wäre es vielleicht zu viel Friede-Freude-Eierkuchen gewesen.


    Wobei - Chris und Frederick sind in jedem Falle tot, also nichts mit Friede-Freude. Dass gleich beide Brüder sterben müssen, ist für die Familie und die Freunde sicher ganz schrecklich.


    Aber am meisten frage ich mich, wie Paula die Geschichte verarbeitet. Kommt man über so ein Erlebnis jemals hinweg? Sie wurde richtiggehend aufgeschlitzt und auch wenn sie selbst gar nicht viel davon mitbekommen hat, muss das sie lange Zeit verfolgen. Ganz zu schweigen von ihrem Baby, das lebendig begraben wurde - ob da nicht irgendetwas zurückbleibt? So ganz frisch nach der Geburt könnte das bleibende Schäden verursachen. Ich bin zwar keine Medizinerin, aber ich hätte da doch große Bedenken.


    Paula und Konrad sind (wieder) ein Paar, das hätte ich ehrlich gesagt nicht so ganz erwartet. Aber es ist gut, dass Paula nach diesem Erlebnis doch in einer stabilen Beziehung mit dem Vater ihres Kindes leben kann, das wird ihr sicher in die Normalität zurück helfen.


    Mit Daniel kommt noch eine ruhige Figur in die Geschichte - was für ein Glück, dass er zur richtigen Zeit auftaucht. Er kam mir zwar manchmal ein bisschen oberlehrerhaft vor in seinen Erklärungen, aber das waren auch für mich als Leserin wichtige Hinweise. Also verzeihe ich ihm das gerne. ;)


    So, jetzt bin ich mal gespannt auf eure Eindrücke.


  • Für Rick ist Chris' Tod besonders hart, immerhin war er sein bester Freund und die Beiden kannten sich seit Kindheit. Und ich könnte mir vorstellen, daß sich Rick fragt, ob er Chris hätte retten können, wenn er die Wohnung früher gefunden hätte.


    Ich hätte Rick am Ende irgendeine "Belohnung" gewünscht. Er ist der eigentliche Held und rettet alle, aber darüber hinaus geht er leer aus. Paula und Konrad sind zusammen, sein Freund Chris ist tot. Seine Eltern wagen zwar einen Neuanfang aber er selbst hätte auch ein Trösterchen verdient.


    In jedem Fall - ich wüßte nicht, ob ich überhaupt noch in Berlin würde bleiben wollen. Wobei man vor solchen Psychopathen nie sicher ist.


    Das wäre auch meine erste Reaktion: erstmal weg und irgendwo unerkannt versuchen zu leben. Wobei Judith bestimmt allerlei Tricks aufbieten würde, um ihnen wieder auf die Spur zu kommen.



    Jetzt bin ich wirklich gespannt, ob es noch eine Fortsetzung geben wird und wir erfahren, wie es mit Judith weitergeht und ob der kleine Chris weiter von ihr verfolgt wird. Das wäre bestimmt interessant das zu erfahren.


    Ich finde das Ende sehr gut und an eine Fortsetzung habe ich gar nicht gedacht. Ich finde die Bedrohung, die im Raum bleibt, so viel eindrücklicher.


  • Ich hätte Rick am Ende irgendeine "Belohnung" gewünscht. Er ist der eigentliche Held und rettet alle, aber darüber hinaus geht er leer aus. Paula und Konrad sind zusammen, sein Freund Chris ist tot. Seine Eltern wagen zwar einen Neuanfang aber er selbst hätte auch ein Trösterchen verdient.


    Stimmt, irgendwie bleibt er einsam zurück - mit der Aufgabe, weiterhin nach Judith Ausschau zu halten.

  • Stimmt, irgendwie bleibt er einsam zurück - mit der Aufgabe, weiterhin nach Judith Ausschau zu halten.


    Das ist irgendwie das genaue Gegenteil eines "Trösterchens" ;)
    Ihr habt Recht, der arme Rick hätte vielleicht auf der Beerdigung ein nettes Mädchen sehen können oder so. Nicht zu extrem Friede-Freude, aber so, dass man sich die Hoffnung machen kann, dass er vielleicht auch bald glücklich wird :)

  • So, ich bin auch fertig. Ich denke, zum Teil lag es an der Leserunde und der berüchtigten "Schwarm-Intelligenz" ;D , aber wir kamen hier doch schon recht früh auf die Auflösung. Ich fand es nicht unspannend, aber ich rätsele lieber bis zum Schluss bei einem Krimi.


    Rachel war also Judith und ihr Ziel das Baby von Paula und Konrad. Nach allem, was sie in ihrer Jugend durchgemacht hat, war sie wohl immer eine labile Person und die Trennung von Stefan hat ihr dann den Rest gegeben.
    Mit Frederik hatte sie leichtes Spiel und hat so alle Informationen über die Gruppe erhalten, so dass sie ihren Plan umsetzen konnte. Am Ende sind er und Chris tot, alle anderen überleben gerade so.


    Ich habe zwischendurch kurz überlegt, ob Daniel wirklich vertrauenswürdig ist, der tauchte mir etwas zu plötzlich auf und war dann auf einmal der ideale Ansprechpartner für Rick. Ohne ihn wäre die Polizei sicher nicht so schnell zur Stelle gewesen und wer weiß, ob Paula, das Kind und Rick dann noch gerettet hätten werden können. Tritt er vielleicht in einem nächsten Buch als Hauptfigur auf? So ein Polizeipsychologe ist ja schon interessant!


    Dass Chris einfach in die Wohnung gegangen ist, war natürlich dumm, aber er konnte nicht wissen, wie gefährlich Rachel/Judith ist. Als Rick aber denselben Fehler macht, habe ich doch ein wenig entsetzt den Kopf geschüttelt. Auch dass Daniel ihn da alleine reingehen lässt, nur weil er einen Parkplatz suchen muss. Meine Güte, hätte er den Wagen halt in zweiter Reihe stehenlassen, da ging es doch um Wichtigeres!
    Und oben hätte ich sie beide dann am liebsten in die richtige Richtung geschubst, damit sie Chris noch rechtzeitig finden. Aber da er wohl an der Halsschlagader verletzt worden war, ist er sicher schnell verblutet. Seinen Tod fand ich ziemlich traurig und unnötig und mir tun die Eltern wahnsinnig leid, die beide Söhne auf einen Schlag verloren haben.


    Sehr schön fand ich, dass Paula und Konrad sich zusammengesetzt und eine Lösung gefunden haben. Der kleinen Familie gehts also gut. Wobei ich zugegebenermaßen an Paulas Stelle schon ein Problem mit Konrads Verhalten damals hätte. Ja, er war 15 und ein dummer Teenager, aber ein Mädchen schwängern konnte er, ihr dann zur Seite stehen aber nicht. Und er hätte es Paula sicher nie erzählt, wenn das alles nicht passiert wäre.
    Und vor allem ist Judith entkommen. Ich hätte da keine ruhige Minute und würde um mich und mein Kind fürchten, dass sie es nochmal probieren könnte... :o

  • Bin schon durch :)


    Das Ende war sehr spannend!
    Es hat mich auch gefreut, dass ich nicht alles vorhersagen konnte, aber doch schon hier und da einen richtigen Riecher hatte ;)
    Manchmal werfen Autoren ja am Schluss alles über einen Haufen oder man weiß schon in der Mitte des Buches, wer mit wem zusammenkommt.


    Es tat mir leid um Chris. Wahrscheinlich wurde deswegen auch noch die Verabredung mit der Kollegin dazwischengeschoben, um dessen sicher zu sein ;)
    Schön fand ich das gemeinsame Grab mit seinem Bruder, obwohl sich die beiden nach außen hin nicht so nahe standen, denke ich, dass es das einzig richtige war. Die armen Eltern …


    Sehr gut fand ich auch die Entwicklung der Liebe von Rick zu Paula. Von "am Handtuch schnuppern" über "masturbieren" zu "glücklich sein, wenn sie es ist". Am Anfang des Buches wurde mal erwähnt, dass Rick es eher mit "Weibergeschichten" oder so hat, davon habe ich im Buch aber gar nichts gemerkt (also auch nicht an seinem Verhalten generell den Frauen gegenüber).
    Und ich denke, ihm wird der Unterschied bewusst, wie man mit dem Tod eines nahen Menschen tatsächlich abschließen kann, im Gegensatz zu seiner kleinen Schwester, deren Tod er sich eigentlich nur zur Verdrängung einredet.


    Makabererweise hat dieser Zwischenfall Konrad bestimmt gut getan (von grausigen Verletzungen mal abgesehen): ich kann mir vorstellen, dass er sich endlich mal darüber im Klaren ist, was am meisten für ihn zählt. Es wurde ja in der Leserunde schon diskutiert, dass das eine schwierige Entscheidung sei, zwischen Karriere und Familie. Obwohl ich immer dafür bin, dass ein Vater im Zweifelsfall bei seinem erstgeborenen Säugling bleibt (nachdem er es ja schon versprochen hatte), hätte mich dieser einfache Sinneswandel bei ihm nicht so schnell überzeugt.
    Im Nachhinein erfahren wir leider von Konrad so gut wie gar nichts mehr, was seit dem Angriff in ihm vorging.
    Sein schlechtes Gewissen hat ihn wahrscheinlich dazu getrieben, sich mitten im Streit mit Paula mit Judith zu treffen.


    Generell hört die Sicht in die Charaktere mit dem Schlimmsten auf: Paula, als sie gerade aufgeschnitten wird; Rick, als er denkt, er hätte Paula's Baby nicht retten können; Chris, als er so langsam verblutet (wobei das natürlich klar ist); Konrad als letztes, als er ins Koma verfällt.


    Wie die Polizei außen vorgelassen wurde und dann doch bei dem Fall mitmachte, hat mich sehr überzeugt! :daumen:
    Normalerweise hat man ja einen hysterischen Charakter, der nicht davon abzubringen ist, zur Polizei zu rennen. Oder man hat Polizisten, die sich von sich aus aufdrängeln.
    Hier ist es mit dem Freund von Konrad's Mom sehr geschickt gelöst worden. Er ist weder stumpfer Handlanger, noch der Superheld schlechthin. Er spielt Rick insoweit in die Karten, dass er ihn beruhigt, mit ihm zusammen überlegt und als Rick dann abhaut, von selbst auf die Lösung/den Friedhof kommt.


    Über Judith kann man wohl noch Wochen grübeln. Klar, wie es dazu kam und warum sie das gemacht hat, ist grob klar. Frederick's Freundin hat auch angedeutet, wie sie Chris' Bruder für sich gewinnen konnte.
    Aber da sie bei den Eltern rausgeflogen zu sein scheint, wie versteckt sie sich ohne ihn? Woher nimmt sie das Geld?
    Funktioniert sie als Krankenschwester "normal"? Hat sie ihre Phasen von Wahnsinn, die sie die meiste Zeit verstecken kann? Was wäre damit passiert, wenn sie mit Stefan eine Familie gegründet hätte? Sie muss doch vorher schon irgendeinen Tick gezeigt haben, der wäre doch mit einem eigenen Baby nicht verschwunden … ich finde solche Gedanken immer gruselig.


    Zur Hotline:
    Die Finanzierung ist mir nicht ganz klar. Muss es für das Buch auch nicht, da ich weiß, dass es sowas gibt, also wird es auch irgendwie finanziert. Dennoch ist mein Mathematikerherz ein bisschen hochgehüpft, als einer von Euch losgerechnet hat ;D
    Die Idee, die mit Chris anfängt: phantastisch. Nicht überdreht, bodenständig und dennoch unsicher in der Umsetzung. Man braucht Überzeugung, um sowas durchzuziehen. Die hatte Chris und das passte auch wunderbar zu seinem Charakter. Auch, dass man ihn wenig 'greifen' konnte. Am Anfang wusste ich nicht so recht, was ich von ihm halten sollte. Im Laufe der Zeit hat er mir dann total gefallen, weil er mich eben nicht stur überzeugen wollte, sondern für das eingetreten ist, was ihm wichtig ist: die Hotline. Deswegen auch ein bisschen die Verdrängung, als der erste Anruf kam.
    Rick war natürlich genau der Richtige dafür: als einer der einzigen Kerle bei der Hotline spontan mitfühlend.
    Wie Konrad da überhaupt arbeiten konnte, kann ich mir nicht vorstellen. Wahrscheinlich als Gegenpol für Paula. Paula, die an das Gute im Menschen glaubt und das auch mit der Arbeit bei der Hotline umsetzen will. Irgendwo im Buch hat sie sich mal Gedanken um ihre Zukunft gemacht, ich weiß gar nicht mehr, ob sie da noch bei der Hotline war…

  • Nachdem ich Eure Beiträge gelesen habe:


    Ich könnte auch nicht mit einem Menschen wie Konrad. Die meiste Zeit des Buches schon nicht. Das ist jetzt nicht böse gemeint und ich nehme ihm die Sache mit 15Jahren auch nicht übel - vor allem bei Judith's Eltern, da hätte er wahrscheinlich sowieso nicht viel ausrichten können.
    Aber dass er sowas Paula nie erzählt - vielleicht hat es mit Paula zu tun, die gerade wegen ihrer Erfahrung mit ihrer leiblichen Mutter bewusst positiv auf's Leben eingestellt ist. Da hätte wahrscheinlich auch ich Bedenken, ihr von so einem Verhalten zu erzählen.
    Was mir vor allem aufgestoßen ist, ist dieses bewusst Entscheidungen über den Haufen werfen oder hinauszögern, bis es jemand anderes abnimmt. Aber das ist eher so ein persönliches Ding bei mir ;)
    Paula ist von dem Guten im Menschen überzeugt, so wahrscheinlich auch bei Konrad. Ich find's gut, dass er durch sie nicht pauschal der Böse der Gruppe wird, das hätte seinen Charakter flacher gemacht.


    Und auch Rick ist nicht leer ausgegangen. Er rennt nicht mehr vor der Situation mit seinen Eltern weg, er macht nicht mehr nur einfach so mit bei der Hotline und er himmelt nicht mehr Paula heimlich an.
    Er hat Grausiges erlebt, Verluste erlitten und doch etwas erreicht: Paula's Glück, das Leben ihres Baby's. Das Glück seiner Eltern. Und die Hotline hat nun endlich eine richtige Bedeutung für ihn, auch wenn sein bester Kumpel für diese Einsicht erst sterben 'musste'.
    Ich fand herrlich, wie er in seinen Gedanken immer einen Kommentar von Chris dazugedacht hat. So ähnlich geht es mir mit meinem kürzlich verstorbenen Großvater auch.


    Judith ist nicht so einschichtig wahnsinnig, wie es den Anschein haben mag: sie hatte Skrupel, Paula aufzuschneiden. Sie hat sie nur erfolgreich verdrängt. Es ist also noch irgendwo etwas menschliches in ihr, was den ganzen Schluss nur umso spannender macht.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen