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  • Ich bin zwar noch nicht ganz durch, aber es muß schon sehr viel passieren, damit sich meine Meinung noch ändert:
    Das ist das beste Buch, das ich in den vergangenen 36 Monaten gelesen habe. Nicht nur, daß es thematisch genau in dem Genre arbeitet, das ich so liebe (Phantastik mit psychologisch-sozialkritischem Hintergrund), es ist auch noch gut geschrieben und bringt mich dazu, es in die Hand zu nehmen und zu lesen an Orten und zu Zeiten, in denen ich eigentlich anderes zu tun hätte.
    Und ich finde es jetzt schon schade, daß ich es bald aus habe.


    Peter

  • So, JETZT bin ich durch. Meine ursprüngliche Meinung bleibt bestehen, das war absehbar. Das Buch gehört gekauft, gelesen und in großen Feuilletons besprochen.


    Zum Ende hin muß ich einen Teil meiner anfänglichen Kritik zurücknehmen: Die Vampire haben doch mehr als genug Menschliches in sich behalten, um die Story absolut interessant zu gestalten.


    Jetzt kann ich auch die Frage nach Sympathie und Interessanz besser beantworten:
    - Der interessanteste Charakter war Epi. Ihr Forschungsdrang und ihre Versuche, alles zu ratonalisieren, waren mir in dieser Geschichte sehr wichtig.
    - Der sympathischte Charakter war Camilla. Weil sie romantisch war. Weil sie die Kultur als hoch erachtete und bewahren wollte. Weil sie eine bessere Welt wollte. Ihre Rolle war leider nur sehr klein.


    Ich hätte aus Epi keine Medizinstudentin gemacht. Das war ein bißchen der falsche Beruf. Medizinstudenten sind keine kleinen Wissenschaftler.


    Ich hätte ganz zu Beginn die spätere Gruppe der Hauptfiguren nicht miteinander bekannt sein lassen. Das hat dich letztlich gezwungen, die 16%-Quote zu erhöhen. Besser, du hättest ihre Werdegänge voneinander unabhängig geschildert und dann zusammentreffen lassen.


    Ich habe das Buch in einem wahnsinnigen Tempo durchgelesen, was für die Qualität und die erzielte Spannung spricht. Es hätte jedoch an manchen Stellen etwas ausführlicher, insgesamt dicker, sein können. Und die Sache mit Buthan läßt mich jetzt nicht mehr los. Du hast die Spannung kontinuierlich gesteigert und irgendwann war das Buch einfach zu Ende. Das ist schon fast fahrlässige Körperverletzung. ;)


    Peter

  • So, nun möchte ich ebenfalls mein Fazit zu Bernards großartiger Geschichte anbringen! ;D


    Eine rätselhafte Mordserie erfasst die Stadt Köln. Die Behörden und Ordnungskräfte sind zunächst ratlos, die brutalen Morde jedoch nehmen mit jeder weiteren Nacht zu. Und mittendrin stecken der Student Thomas und seine Freunde Doro und Epi sowie deren Bruder Christoph... und sie werden viel tiefer in die Ereignisse verstrickt, als ihnen lieb sein kann...


    Bernard Craws Vampir-Thriller ist rasant und spannend geschrieben. Seine Charaktere sind lebendig (auch wenn sie zumeist untot sind *g*) und facettenreich ausgearbeitet. Die vom Autor kreierte Atmosphäre ist düster und bedrohlich, aber dennoch realistisch und nachvollziehbar. Auch spart Craw nicht mit Vergleichen und Realitätsbezügen, die das Werk auch für einen Leser bzw. eine Leserin interessant machen, der / die für gewöhnlich mit Vampir-Geschichten weniger anfangen kann.


    Besonders hervorzuheben ist die ausgefeilte und exzellent eingesetzte Sprache des Autors. Bernard Craw spielt nicht nur mit Worten, oftmals malt er regelrecht mit ihnen – ohne dass auch nur einen Augenblick Kitsch oder überladene Klischees aufkommen.


    A propos Klischees! Craw bricht mit vielen der in Vampir-Romanen sonst üblichen Darstellungen. Seine Vampire sind nicht sinnlich-erotisch, sondern triebgesteuerte Raubtiere, denen man nicht mit Knoblauch oder Kreuzen beikommen kann. Das ist erfreulich und macht die Handlung spannend und abwechslungsreich!


    Auch spart der Roman nicht mit gesellschaftskritischen und naturwissenschaftlichen Gedanken bzw. Theorien, die den Leser / die Leserin nicht nur zum Weiterlesen in der von Craw kreierten Welt animieren, sondern auch zum Nachdenken über die Welt anregen, in der er / sie tatsächlich lebt.


    Leider nimmt im letzten Drittel des Buches der Anteil der ‚Action-Szenen’ zu – ein wenig zu Lasten der sonstigen Handlung, wie ich finde. Doch das sei dem Autor verziehen, denn auch hier bietet er noch immer großartige Unterhaltung mit oftmals unerwarteten Handlungsfortgängen bzw. –ausgängen.


    FAZIT: ‚Sanguis B – Vampire erobern Köln’ sei jedem Leser und jeder Leserin wärmstens empfohlen, der / die anspruchsvolle, aber dennoch in erster Linie unterhaltsame Romane mögen. Man muss nicht unbedingt ein Freund von Vampir- bzw. Horrorszenarien sein, um Gefallen an Craws Werk zu finden.
    Zu zart beseitet sollte das jeweilige Gemüt allerdings nicht sein, denn Bernard Craw macht wahr, was sein Untertitel verspricht: VAMPIRE erobern Köln!


    Bernard, vielen Dank für diese spannende Geschichte und deinen riesigen Einsatz in dieser Leserunde!!! :klatschen: :klatschen: :klatschen:

  • Leider konnte ich in der Leserunde nicht so aktiv sein wie ich das vorgehabt hatte... es kommt eben immer wieder anders als man denkt :(
    Eine Rezension habe ich aber dennoch geschrieben. Vorab danke an Bernard für seine Interessanten Fragen, Antworten und überhaupt!


    Grüße


    HC


    Meine Meinung:
    Dies ist sicher keine Vampirgeschichte wie viele sie erwarten würden. Hier gibt es keine Vampire a la Lestat und Armand (aus der Chronik der Vampire von Anne Rice). Vielmehr haben Crwas Vampire viel menschlichere und nicht so abgehobene Züge. Sie werden nicht verklärt sondern als das gezeigt was sie sind: Vampire, die sich von Menschenblut ernähren. Für zimperliche Leser sind die Beschreibungen teilweise sicher nichts. Ich persönlich finde das der Roman gerade zu Anfang gerade zu poetische Momente hat wenn einer der Vampire einen Menschen tötet um an sein Blut zu gelangen (aber dies ist wie immer Geschmackssache). Ab etwas der Hälfte des Romanes wurde es mir persönlich zu militärisch. Oft fühlte ich mich an Comuterspiele erinnert. Das hat mir nicht so gut gefallen. Ich bin nicht so der Actionleser und da war mir manchmal ein bissl zuviel dabei.


    Die Figuren fand ich interessant und toll ausgearbeitet. Auch ihre Handlungen sind meist nachvollziehbar. Außerdem gibt es mir so mancher Figur die ein oder andere Überraschung... Eine richtige Beziehung konnte ich jedoch nicht zu ihnen aufbauen. Was vielleicht an den zahlreichen Hauptcharakteren gelegen haben könnte...


    Der Stil liest sich flüssig und angenehm.


    Mir selbst hat sicher Gruselfaktor gefehlt. Auch der gewisse Vampircharme fehlte mir. Mag sein das ich hier von meinem bisherigen Vampirbild (Dracula, Lestat etc.) geprägt bin. Einerseits ist dies durchaus die Stärke des Romans sich eben nicht der ewigen Klischees zu bedienen. Andererseits hat mir das doch irgendwie gefehlt.


    Im großen und Ganzen hatte ich Spaß am Lesen und fand den Roman in sich schlüssig und spannend. Den Schluss fand ich gelungen auch wenn mir gerade das letzte Drittel zeitweise nicht mehr so gut gefallen hat.


    Ich empfehle diesen Roman allen "Vampirfreunden" die mal etwas anderes als den Standard Vampirroman lesen möchten. Wie gesagt mir hat der Roman gefallen. Aber mir haben eben auch Elemente gefehlt. Ein neues Buch des Autors würde ich jedenfalls sicher lesen!

  • Jetzt bin ich glaube ich in der richtigen Stimmung, um mein Fazit zu diesem Roman zu schreiben. :winken:


    Kann es einen realistischen Roman über Vampire geben? Beinhaltet diese Frage nicht schon einen Widerspruch in sich? Sanguis B. - Vampire erobern Köln liefert mir die Antwort auf diese Fragen: Ja, man kann tatsächlich einen realistischen Roman über dieses in der Phantastik angesiedelte Thema schreiben. Diese Aussage lässt bereits erahnen, dass es hier nicht um die übliche Darstellung von Vampiren handelt. Es gibt keine liebesromanschreibenden Romantiker, die beim Liebesspiel mit Menschen ihre Triebe austoben, keine mit Genuss und doch vorsichtig zubeißenden ältere Herren, die auf der Suche nach einer Jungfrau kurz das eigene Schloss verlassen. Nein, Klischees werden gebrochen, in Sanguis B. wird hart und mit deutlichen Bildern geschildert, was passieren kann, wenn der Vampirismus sich plötzlich ausbreitet. Besonders der Anfang des Buches kann zarten Gemütern sehr nahe gehen. Die Vampire in diesem Roman nehmen kaum Rücksicht auf Verluste, wenn sie erst einmal in den Blutrausch verfallen sind. Andererseits behalten sie einen Teil ihrer Menschlichkeit und werden nicht einfach zu rasenden Bestien. Man kann es vielleicht mit "Sie behalten ihren eigenen Charakter" beschreiben. Wer philosophierende Vampire erleben möchte, sollte dieses Buch lesen! Die Story ist geradezu erschreckend realistisch und der Autor schafft es den Leser auf die Seite der Vampire zu ziehen. Dass diese des nachts Menschen reißen, verdrängt man beim Lesen plötzlich und man kann sich über sich selbst gruseln, sobald man bemerkt, auf welcher Seite man eigentlich mittlerweile steht...


    Für ein Buch aus dem phantastischen Genre ist übrigens auch die ausgefeilte und manchmal etwas schnörkelige Sprache zu erwähnen, die mir sehr gut gefallen hat. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass mit zunehmender "Härte" in der Story, auch die Sprache "härter" und direkter wurde - ein ganz subjektiver Eindruck.
    Ein tolles Buch, von dem ich hoffe, dass es keine Fortsetzung erhält, da es ein für mich absolut perfektes Ende liefert. Großes Lob an den Autor, vielen Dank für diese tolle Lektüre! Ich habe den Roman erst gestern wieder weiterempfohlen.


    Abschließend möchte ich mich bei allen Beteiligten für die tolle Leserunde bedanken, es hat mit euch sehr viel Spaß gemacht und Bernard, dein Einsatz war super! :klatschen: Ich würde sehr gerne bald was Neues von dir lesen :)

    Liebe Grüße<br />Ingroscha

    Einmal editiert, zuletzt von Ingroscha ()

  • "Sanguis B." lädt zum mehrmaligen Lesen ein. Zum einen ein spannend und rasant erzählter Roman - was jedoch nicht auf Kosten der schönen, teils sehr bildhaften Sprache geht – lässt einen im weiteren der Realitätsbezug auch noch lange nach Beenden des Buches über die unterschiedlichen philosophischen, gesellschaftlichen und politischen Aspekte der Geschichte nachdenken.
    Es gelingt Bernard Craw äußerst überzeugend, eine "neue" Vampirgeschichte zu erzählen, in dem er allseits bekannte Vampirmythen weder vollkommen außer Acht lässt noch Altbekanntes wiederkäut. Anstatt sich also in der verbreiteten Mischung aus Romantik und Erotik zu verlieren (die durchaus ihren Reiz hat), werden in Sanguis B. alle Anteile des "Vampirlebens" konsequent und realistisch weiter gedacht und was da kommt, lässt einen manchmal schon den Atem anhalten.
    Kurz und gut: Sprache, Spannung, Atmosphäre und die Phantasie des Autors bieten Lesevergnügen rundum. Ich werde sicherlich nach weiteren Veröffentlichungen Ausschau halten.


    Ein herzliches Danke an Bernard für die Begleitung der Leserunde und allen anderen für ihre anregenden Beiträge.


    peter
    Da mache ich mich wohl mal zu Amazon. :)


    Liebe Grüße


    Kirsten

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen