Beiträge von Valentine

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    Herzlichen Glückwunsch zum Familienzuwachs!


    Ich wollte mich nur noch mal kurz zur Wort melden: leider habe ich es erst heute zu meinen Eltern geschafft, die als meine persönliche Paketstation fungieren, aber bisher ist mein Buch nicht angekommen :( Ich klinke mich ein, sobald es da ist.


    Und das noch Schlimmere ist: nur gut 20 Jahre später mündete das in einen noch verheerenderen Krieg mit über 65 Millionen Toten. Angesichts solcher Zahlen bin ich immer wieder sprachlos.


    Das macht mich immer erst recht fertig. Schlimm genug, was für eine furchtbare "Bilanz" der erste Weltkrieg hat, und dann das, so wenig später, und mit noch viel übleren Folgen.


    Aber wie groß musste die Verletzung sein, daß er als front-untauglich galt ?
    Mit einer Fleischwunde oder einem glatten Durchschuss hätte er doch nach der Genesung wieder an die Front gemusst, oder ??


    Ja, das schon. Man hat wohl auf so ein Zwischending spekuliert - nicht lebensgefährlich, aber schlimm genug für eine langwierige Genesungsphase - in der Hoffnung, dass der Krieg bis dahin aus wäre. Denke ich zumindest.


    Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass der eine oder andere angesichts des Grauens in den Schützengräben bewusst dauerhafte Schäden in Kauf genommen hat, vielleicht ohne sich darüber ganz im klaren zu sein, was das am Ende wirklich heißt, mit einem fehlenden Arm oder Bein oder Auge leben zu müssen.

    Bei den beiden könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es klappt. Wenn man gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet und beide das wirklich wollen, funktioniert das doch bestimmt ganz gut.


    Aber ob er damit gerechnet hat, dass gleich der ganze Arm ab muss? Eine gruselige Vorstellung, so eine schwere Verletzung zu provozieren, weil das Grauen um einen herum noch schlimmer ist als dieser "kalkulierte" Schmerz...


    Allerdings. Und es war wohl auch nicht "geplant", dass er den Arm komplett verliert. Er hatte es nur auf eine Verletzung angelegt, die schlimm genug ist, dass er nach Hause darf.

    Dann kommt hier auch noch meine Rezi (auf Literaturschock hab ich sie auch schon eingestellt und werde sie noch bei amazon.de posten).


    Als Selma, jung, hübsch und selbstbewusst, mit ihrer wohlhabenden Familie den Sommer 1913 in Baden-Baden verbringt, könnte das Leben für sie nicht angenehmer sein. Gut, ihren Verlobten Gero hätte sie gern an ihrer Seite gehabt, doch immerhin hat er ihr sein nagelneues Auto geschickt, und sie genießt es, mit ihrem Bruder Spritztouren zu unternehmen, Galadinners und Bälle zu besuchen, ihre neue Freundin Constanze zu treffen und es sich einfach gutgehen zu lassen. Nicht einmal die spießige Mutter kann ihr die gute Laune verderben, und als sie den charmanten französischen Fotografen Robert kennenlernt, kann sie dem Kribbeln im Bauch nicht widerstehen und lässt sich auf einen heftigen Flirt mit ihm ein.


    Gerade mal ein Jahr später liegt die Welt, die Selma kannte, in Trümmern. Nicht nur, weil sie persönlich einige Tiefs erleben musste, sondern weil das Unfassbare geschehen ist - nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo hatte man die Gefahr eines Krieges noch großspurig weggeredet, doch nur wenig später stehen sich Deutschland und Frankreich in den Schützengräben gegenüber. Selma muss um Gero und ihren Bruder bangen und fragt sich auch, was aus Robert geworden ist. Und auch wenn Berlin weit weg von der Front ist, machen sich die Auswirkungen des Krieges auch im zivilen Leben immer mehr bemerkbar.


    Was wie eine locker-leichte, romantische Dreiecksgeschichte beginnt und mir fast ein bisschen zu seicht wirkte, entwickelt sich nach und nach zu einem beklemmenden Porträt dieses ersten weltumspannenden Krieges. Selma, anfangs ein verwöhntes, großspuriges Töchterchen aus reichem Hause, die gar nicht immer so sympathisch wirkte, muss, wie auch ihre Freunde und ihr Bruder, schneller erwachsen werden, als ihr lieb ist, als der Krieg ausbricht.


    Heidi Rehn punktet mit guter Recherche und vielen kleinen, interessanten Details sowohl zum Krieg als solchem als auch über die Zeit zwischen 1913 und 1920, so dass die Atmosphäre förmlich mit Händen zu greifen ist, was mir in einigen Kapiteln über die Schrecken des Krieges ziemlich an die Nieren ging.


    Es gab eine Entwicklung, die mich mal kurz die Augen hat verdrehen lassen, weil sie mir erst etwas unrealistisch vorkam, aber letztendlich fügte sich auch diese gut in den Gesamtkontext ein und war für den Plot einfach notwendig. Was mir auch nicht so gut gefallen hat: manche Erläuterungen zum historischen Hintergrund werden den Figuren als wörtliche Rede in den Mund gelegt, was manchmal ein wenig sperrig wirkte.


    Ansonsten habe ich zwar nicht alle Hauptfiguren ich durchgehend gemocht, aber gerade deshalb empfand ich sie als ziemlich authentisch. Dafür sind mir einige Nebenfiguren wie Selmas Bruder Grischa und die resolute Oma Meta sehr ans Herz gewachsen. Ein wenig schade fand ich, nicht mehr über Robert zu erfahren, ich hatte mir noch mehr über seinen Hintergrund erwartet.


    Der Lesezeitpunkt für diesen unterhaltsamen und auch, um ein altmodisches Wort zu gebrauchen, lehrreichen Roman war überdies perfekt, da der 1. Weltkrieg durch die zahlreichen Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns gerade wieder sehr präsent ist.


    4 Ratten gab's dafür von mir.