Beiträge von Bernard

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    Vielleicht hast Du noch ein drittes und viertes "Opfer" für Dein Manuskript - damit würdest Du die Basis verbreitern.
    Wenn es geht, such Dir am besten Leute, die viel lesen, aber selbst nicht schreiben.


    Dann wäre auch noch interessant, ob einer Deiner Testleser in der "Zielgruppe" für Deine Geschichte ist. Wenn Du einen Pferderoman schreibst, aber einer der Testleser Pferde generell uninteressant findet, dann ist dessen Meinung vielleicht nicht so relevant.


    Lade Deine Testleser zu Bier/Kaffee/Cola ein und versuche herauszukitzeln, warum sie eine Stelle stark oder schwach finden. Manche Passagen sind einfach nur nicht ausführlich genug beschrieben und sind deswegen nicht nachvollziehbar. Mit etwas mehr Informtion kann man sie dann "retten". Das Umgekehrte gibt es natürlich auch.
    Beim Interviewen von Testlesern ist dann wichtig, dass man sie nicht verschreckt. Man darf als Autor also nicht in einer Abwehrhaltung sein und darf nicht der Versuchung erliegen, seinen Text beschützen zu wollen. Sonst machen die Leser dicht und man erfährt nichts mehr - dann bleibt der Text so schlecht, wie er ist. Daher: Autoren weinen heimlich. :'(

    Hallo!


    Ich weiß, das ist eine Frage, auf die man am liebsten ausweichend antwortet. Dennoch stelle ich sie immer gern:


    Welches ist Euer Lieblingsbuch - und warum?


    Um den Anfang zu machen:


    Mein Lieblingsbuch ist Sternenflut von David Brin. Neben einer spannenden Handlung, die man ja in vielen Büchern finden kann, bietet diese Science Fiction Geschichte einen Hintergrund, der mich überzeugt und in seiner Vielschichtigkeit unerschöpflich scheint.
    Als unvollständiger Abriss:
    Vor vielen Millionen Jahren wurde die Galaxis von einer Rasse beherrscht, die inzwischen mythisch verklärt ist, den Progenitoren. Diese haben eine Tradition hinterlassen, die das Leben der raumfahrenden Nationen prägt: das "Liften". Wenn eine raumfahrende Rasse auf einem Planeten eine andere Rasse findet, die das Potenzial für Intelligenz besitzt, greift sie in deren Erbgut ein und "züchtet" sie in Richtung Intelligenz. Diese "Klientenrasse" schuldet dann ihrer "Patronatsrasse" für einen sehr, sehr langen Zeitraum Sklavendienste. Alle bekannten Rassen sind in diesem Geflecht von Klienten-/Patronatsbeziehungen eingebunden, denn eine natürliche Entwicklung von Intelligenz ist unbekannt.
    Bis auf einmal die Menschen auftauchen. Die haben nicht nur selbst den überlichtschnellen Raumflug entwickelt (bei allen anderen Rassen beschränkt sich Forschung darauf, in den gigantischen Datenspeichern der Progenitoren-Bibliothek zu suchen), sondern bereits zwei Klientenrassen auf ihrem Heimatplaneten "geliftet": Delfine und Schimpansen ...
    In "Sternenflut" sind die meisten Protagonisten "Neofins", intelligente Delfine, die die Besatzung eines gestrandeten Raumschiffs bilden. Besonders faszinierend ist dabei die fremdartige Gedankenwelt der Neofins, die in Haikus sprechen, eben nicht wie Menschen denken und meilenweit vom netten Flipper entfernt sind. Überhaupt ist die Schilderung von Nichtmenschen die große Stärke von David Brin.


    So, jetzt seid Ihr an der Reihe.

    Hallo Maren!


    Bei mir ist diese "Unterscheidungsfähigkeit" in den Phasen, in denen ich an einem Text arbeite, etwas verwischt. Das ist so wie bei Hollywood-Schauspielern, die "Method" anwenden - die sind auch außerhalb des Sets in ihrer Rolle, bis der Film abgedreht ist. Wenn die Alexander den Großen spielen, dann sind sie auch beim Autofahren oder Kaffeetrinken ein bisschen so, wie Alexander der Große gewesen wäre, wenn er Auto gefahren oder Kaffee getrunken hätte. Tom Hanks zum Beispiel hat einen Film gedreht, in dem er jemanden spielt, der auf einer einsamen Insel strandet. Dabei hat er, der reale Mensch, erst unheimlich zugenommen (wie die Figur in dem Film, bevor sie auf der Insel landet) und dann gesundheitsgefährdend abgehungert.
    Das Schreiben ist für mich ähnlich. Ich bin in der Stimmung meines Textes, bis er fertig ist. Wenn ich vorher diese Stimmung verliere, ist es für mich sehr schwierig, den Text anschließend weiter zu schreiben. Und da eine Geschichte vom Antagonisten geprägt wird (ohne den gäbe es die Geschichte nicht), befinde ich mich hauptsächlich in dessen Gedankenwelt.
    Da die Stimmung einer Geschichte bei einem langen Text immer etwas "atmet", hervorgerufen durch den Wechsel von fröhlichen, spannenden, schaurigen, dramatischen Szenen, kommt es bei mir auch zu Stimmungsschwankungen, die von meinem Umfeld dann schwer nachzuvollziehen sind. Was das Schreiben an sich dann auch wieder eher unangenehm macht.


    Nur, wie erwähnt: ich möchte gern wissen, wie meine eigenen Geschichten weiter gehen und enden, deswegen schreibe ich sie.

    Hallo Jaqui!


    Das Schreiben ist für mich noch nicht mal ein Job. Im Vergleich zu dem, was ich für meinen eigentlichen Beruf an Gehalt bekomme, fällt das, was ich mit dem Schreiben verdiene, kaum ins Gewicht.


    Zu Deiner eigentlichen Frage:
    Ich bin eher ein Leser als ein Autor. :lesen: Nur gibt es eine Menge Geschichten, die ich gern lesen würde, die es aber auf dem Buchmarkt nicht gibt (oder die ich einfach nicht finde). Die schreibe ich dann selbst.


    Ob das Schreiben einem Spaß machen sollte, ist so eine Frage. In jedem Fall gönne ich es jedem Autor, bei dem es so ist - das stelle ich mir erstrebenswert vor.
    Aber Georges Simenon zum Beispiel brauchte in späten Lebensjahren die Erlaubnis seines Arztes, um schreiben zu dürfen, weil es ihn gesundheitlich stark mitnahm. Nach ärztlicher Freigabe hat er dann seine Bücher in einem Rutsch runter geschrieben. Sowohl in Auflagenhöhe als auch nach der Anzahl der Verfilmungen gilt er als erfolgreichster Autor des 20. Jahrhunderts und ist zudem auch bei Hochliteraten anerkannt, hat also wohl so ziemlich alles erreicht, was man als Autor an Anerkennung bekommen kann.
    Auch Kafka hat sich durch seine Werke gequält, wenn ich mich recht erinnere. Wobei der sich zugegebener Maßen anscheinend durch sein gesamtes Leben gequält hat.

    Das schwankt bei mir sehr stark.
    An einem durchschnittlichen Tag schreibe ich ... gar nicht.
    Wenn ich an einem längeren Text sitze, nehme ich mir vor, wenigstens 5 Seiten pro Tag zu schreiben, was in der Regel auch gelingt bezwihungsweise übertroffen wird. Wenn ich die 5 Seiten nicht schaffe, bin ich mit mir selbst unzufrieden.
    Wenn ich in dem in vorigen Beiträgen erwähnten "Flow" bin, brauche ich für 5 Seiten etwa eine Stunde.
    Wenn ich nicht im "Flow" bin, mache ich zwischen dem reinen Tippen an der Tastatur allerlei Sachen, die in einer Comedy-Sendung sicher gut verwertet werden könnten, mir aber beim kreativen Prozess helfen.
    Kürzere Texte (bis 30 Normseiten) schreibe ich in der Regel in einem Rutsch durch, typischerweise an einem Samstag.


    Im Gegensatz zu den meisten anderen Beiträgen in diesem Thread kann ich allerdings nicht behaupten, dass mir das Schreiben Spaß machen würde. Insbesondere längere Texte sind für mich 10% Spaß und 90% Quälerei. Vor allem bei Texten aus dem Horror-Bereich dehnt sich die Quälerei auch auf mein soziales Umfeld aus. Schließlich wird so eine Geschichte von dem Antagonisten geprägt - der hat einen Plan, der will irgendetwas erreichen, und zwar etwas ziemlich Übles, und seine Methoden sind auch erst frei ab 18. Da der Antagonist die Geschichte prägt, befinde ich mich gedanklich in seinem Kopf. Ihn muss ich verstehen. Ihn muss ich nachvollziehen können. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass ich mich mehrere Stunden am Stück in diesem gedanklichen Zustand befinde, ist vermutlich nachvollziehbar, dass ich da nicht auf Kommando vollständig umschalten kann ... Nicht sehr angenehm ...
    Ich schreibe nicht gern, sondern ich habe gern geschrieben. Die fertige Seite ist alle Mühen und Entbehrungen wert und motiviert mich, die nächste in Angriff zu nehmen.

    Hallo!


    In Köln gibt es eine ganze Reihe von Amateurlesungen. Das Prinzip ist dabei, dass mehrere meist eher unbekannte Autoren aus ihren Texten lesen. Oftmals sind diese Texte noch unveröffentlicht, es wird also aus dem Manuskript vorgetragen. Mitmachen kann jeder. Die Texte müssen selbst verfasst sein.
    Die Vorträge schwanken stark in Qualität und Quantität. Wenn man Pech hat, sind nur zwei oder drei Autoren da und die Lesung ist schnell zu Ende. Das habe ich allerdings das letzte Mal vor vier Jahren erlebt. Generell ist in den kalten Monaten eher mehr los als in den warmen.


    Folgende regelmäßige Termine sind mir bekannt:


    Jeden Montag, 23:30 - 0:30: Dichterstunde im Café Storch, Aachener Straße 17
    Es gibt einen Lesehocker. Wer auf dem Hocker sitzt, darf lesen. Manchmal ist er hart umkämpft, manchmal dauert es auch eine Weile, bis sich jemand traut.
    Besonders empfehlenswert ist die Trinkschokolade.
    Das Publikum ist gemischt, 20 - 30 Leute, wenn man so will: Boheme.


    Jeden Donnerstag, 20:00 - ca. 23:00, Café Duddel, Zülpicher Wall 8
    Die "Literatur um 8" ist aus meiner Sicht der Szenetreff in Köln. Gelesen wird in einem Hinterzimmer, das auch vom Solana-Theater genutzt wird. Hauptsächlich studentisches Publikum, in der Regel ca. 40 Zuhörer, manchmal über 50, dann stehen sie auf dem Gang. Man meldet sich eingangs beim Moderator und bekommt dann einen 10-Minuten-Abschnitt zugewiesen, in dem man lesen darf. Man kann auch nachmelden, wenn die Veranstaltung schon läuft. Wenn man ganz sicher sein möchte, dass man die Gelegenheit zum Vorlesen bekommt, sollte man das vorab unter (0221) 130 08 98 klären.


    Am 4. Sonntag im Monat ab 20:00, Blue Shell, Luxemburger Str. 32
    "Lesung auf dem Billardtisch" mit Mikrofon vor Kneipenpublikum. Auch hier meldet man sich vor Beginn beim Moderator an, aber das Zeitlimit ist verhandelbar - ich hatte schon mal einen Slot von 30 Minuten.
    Achtung: Ich bin mir nicht sicher, ob diese Veranstaltung momentan nur Sommerpause hat oder ob sie ganz eingestellt wurde.



    Zudem gibt es immer wieder Leseevents von einzelnen Autoren oder Autorengruppen, die in den Kölner Programmzeitschriften angekündigt werden.


    Ich möchte mich beim lesen entspannen, und das kann ich eher mit dem, was man wohl als Trivialliteratur bezeichnet.


    Ich wollte gar nicht die Diskussion lostreten, was Literatur und was Trivialliteratur ist.
    Diese Einteilung halte ich ohnehin für künstlich.


    Nehmen wir Goethes "Faust".
    In der Geschichte führt jemand ein satanistisches Ritual aus, um anschließend mit dem Leibhaftigen auf Reise zu gehen. Das fällt in das Genre "Horror".
    Goethe hat ein Drama geschrieben, weil zu seiner Zeit das Theater das gängige Medium war. Heute wäre es vermutlich eher das Kino.
    Würde Goethes "Faust" heute geschrieben, würde es vielleicht ein Drehbuch für einen Horrorfilm werden.
    Solches Schrifttum wird aber meines Wissens in universitären Germanistik-Seminaren stiefmütterlich behandelt.


    Lassen wir also die Schubladen weg. Ich möchte wissen: Könnt Ihr Gemeinsamkeiten erkennen, die Bücher aufweisen, die Ihr gut findet/ die Euch interessieren?
    Und da gibt es ja schon so manches hilfreiche Posting in diesem Thread. Vielen Dank soweit und ich bin immer noch neugierig auf weitere Stimmen.


    Ich mache mir keine Gedanken darum, wieviel Wahrheit in einem Buch steckt.


    Ich auch nicht.
    Ich kenne auch niemanden, der das macht.
    Das funktioniert auch umso besser, umso weniger es einem bewusst ist, nehme ich an. Wie bei Werbung. Niemand kauft einen Ferrari, weil sich eine Blondine auf der Kühlerhaube räkelt. Trotzdem wird das auf jeder Automobilmesse gemacht. Die unterbewusste Verbindung funktioniert.


    Wenn Hemingway Dich nicht anspricht, könnte das daran liegen, dass die enthaltenen "Wahrheiten" für Dich eben nicht relevant sind.


    Genauso kann ich mir vorstellen, dass Du die Bücher, die Du "interessant" findest, eben aus bestimmten Gründen interessant findest. Ob die Dir bewusst sind, ist eine ganz andere Frage.


    Es gibt ja auch Bücher, die zu Klassikern werden und andere, die nur zur Zeit ihrer Entstehung erfolgreich sind. Manche Themen sind "allgemein menschlich" interessant und andere zielen eher auf aktuelle Fragestellungen.


    Ich denke nicht, dass man Kriterien aufstellen kann, da für jeden etwas anderes ein gutes Buch ist.


    Ich vermute auch, dass die Wirkung eines Buches mehr vom Leser abhängt als vom Schreiber.


    Trotzdem gibt es ja Bücher, die einfach einschlagen. "Die Asche meiner Mutter" zum Beispiel, ein Erstlingswerk mit einer Auflage von über 100 Millionen. Oder "Harry Potter", dessen Autorin mittlwerweile die reichste Frau der Welt ist.
    Es gibt andere Bücher über sozial schwache Familien und auch über Zauberlehrlinge.
    Warum sind die nich alle ebenso erfolgreich?
    Ich glaube auf diesem Niveau nicht mehr an "handwerkliche" Kriterien wie "verwende wenige Adjektive" oder "vermeide Wortwiederholungen". Hemingway zum Beispiel würde bei jedem "Creative Writing"-Kursleiter eine Gänsehaut verursachen, Stephen King wohl auch.


    Könnte es sein, dass die meisten besonders erfolgreichen Bücher auf einer literarischen Ebene "wahr" sind? Für den Leser relevante Gedanken transportieren?
    "Auch Kinder verdienen Respekt" - Harry Potter.
    "Auch im tiefsten Elend soll man beständig leben" - Die Asche meiner Mutter.
    "Es gibt das Übersinnliche" - Stephen King.
    "Männer sind Gefühlsmenschen" - Ernest Hemingway.


    Ich stelle das mal als These in den Raum und freue mich auf Kommentare.

    Hallo!


    Könnt Ihr sagen, was für Euch ein Buch zu einem guten Buch macht?
    Das ist natürlich eine sehr generelle Frage und jede Regel hat 1.000 Ausnahmen, aber dennoch: Im Großen und Ganzen kann man ja vielleicht eine Aussage zu seinem eigenen Lesegeschmack treffen.


    Beispielsweise habe ich mal die Definition gelesen, dass gute Trivialliteratur Bilder im Kopf des Lesers entstehen ließe. Gute Literatur dagegen ließe beim Leser neue Gedanken entstehen, die er ohne die Lektüre nicht gehabt hätte.
    Wäre das ein Kriterium, auf Grund dessen Euch ein Buch gefiele?


    Gespannt auf Antworten,


    Bernard

    Hallo Tanja!


    Ja, ich bin jetzt auch hier. Ob es eine Leserunde gibt, wird sich noch zeigen und richtet sich natürlich danach, ob Interesse besteht. Weratundrina versucht gerade, da etwas zu organisieren.
    Ich drücke ihr die Daumen. :)

    Ich würde mich auch über eine Leserunde zu meinem Buch freuen. ;)


    Vom 12. - 27. Oktober werde ich keinen Internetanschluss in greifbarer Nähe haben, ansonsten bin ich "allzeit bereit".


    Das hört sich extrem interessant an! Ich liebe Stories, in denen Instinkte und Menschlichkeit gegeneinander einen Kampf führen.


    Ich bin natürlich extrem voreingenommen. Dennoch wage ich die Prophezeiung: Wenn das etwas ist, was Du schätzst, wirst Du bei diesem Buch auf Deine Kosten kommen. Der Kampf Instinkt/Verstand; Monster/Mensch ist ein dominierendes Thema. Sämtliche Charaktere machen im Laufe der Handlung eine Wandlung durch, nicht alle in gleicher Weise, aber keine der Figuren "übersteht" die Geschehnisse innerlich unverändert.

    Hallo!


    Ich lese gerade "Fiesta" von Ernest Hemingway. :lesen: Dieses Buch hat einen Ich-Erzähler. Wenn ein Nobelpreisträger das gemacht hat, ist die grundsätzliche Verwendung des Stilmittels wohl über jeden Zweifel erhaben.


    Nur, wie Du schon am Beginn des Threads selbst schreibst: Es ist halt recht schwierig, eine Geschichte mit einem Ich-Erzähler spannend zu erzählen. Das liegt meines Erachtens daran, dass man als Autor auf eine einzige Perspektive festgelegt ist. Wenn in der Story ein Ereignis passiert, bei dem die Figur des Ich-Erzählers nicht anwesend ist, muss man oft akrobatische Klimmzüge machen, um dem Leser die "versäumte" Information nachzureichen - eine andere Figur muss es dem Ich-Erzähler berichten oder Ähnliches. Dabei ist dann aber sofort die Unmittelbarkeit des Erlebens weg, was wieder Spannung rausnimmt.
    Zudem ist die Ich-Perspektive auch selten wirklich notwendig, weil die Identifikation mit der Hauptfigur auch funktioniert, wenn man in der dritten Person erzählt.
    Ich habe mehrere Kurzgeschichten mit Ich-Erzählern geschrieben, dort taucht das Problem mit der "verpassten Handlung" nicht auf, weil der Ich-Erzähler überall dabei ist.
    Ich habe auch einen (unveröffentlichten) Roman mit Ich-Erzähler geschrieben. Dabei habe ich die Geschichte sehr subjektiv aus Sicht dieser Figur geschildert. Anders ausgedrückt: Nicht alles ist "in Wirklichkeit" so passiert, wie es erzählt wird, der Erzähler lässt schon mal Sachen weg, die er (als Figur) nicht erzählen will. Das gibt es noch extremer bei manchen Autoren, in deren Geschichten der Erzähler den Leser bewusst "anlügt" und der Leser dann aus dem Zusammenhang heraus erraten muss, was wirklich passiert ist. Solche Sachen kann man vermutlich nur mit dem Ich-Erzähler machen, aber da reden wir dann nicht mehr über "normale" Geschichten, sondern über etwas sehr Spezielles - und vermutlich auch etwas, was sehr schwierig zu schreiben ist.
    Zum Beispiel gibt es ein Buch über eine Frau, die dämonische Erscheinungen austreibt, die sie sich aber nur einbildet - in Wirklichkeit verfolgt sie unschuldige Menschen. Das wird aber explizit nicht erwähnt, und manche Leser legen das Buch vielleicht aus der Hand und denken hinterher, sie hätten tatsächlich einen fantastischen Horror-Roman gelesen - und nicht eine Geschichte über eine Geisteskranke.


    Alles Gute,


    Bernard

    Hallo.


    In der Regel schreibe ich zu Hause am PC. Nachteil: Seit ich den DSL-Anschluss habe, werde ich doch recht leicht abgelenkt.


    Wenn ich auf Dienstreise bin, schreibe ich auch im Zug oder im Hotelzimmer mit dem Laptop.


    Generell kann ich mir die Geschichte in etwa so schnell ausdenken, wie ich tippen kann, deswegen ist für mich definitiv der Computer die erste Wahl, wenn es ums Schreiben geht. Microsoft Word - ich gestehe: Ich liebe dieses Programm.


    Alles Gute,


    Bernard