Beiträge von dubh

    Bei Mechtild steht eine Teilnahme außer Frage - seit der allerersten Leserunde mit ihr zu „Wer das Schweigen bricht“ zählt Mechtild zu meiner kleinen , feinen Liste sogenannter Auto-buy-Autor*innen.:)

    Kurzum: ich bin sehr gerne mit von der Partie und bewerbe mich um ein Freiexemplar - gerne als eBook (Format ePub).

    Ihr Lieben,


    das Ende war wirklich ganz, ganz großartig! Sonst bin ich ja eigentlich nicht nahe am Wasser gebaut, aber hier lief das ein oder andere Tränchen. Für mich sind diese Szenen in Altona, Lübeck, etc. einfach wunderbar - wenn es für Paul und seine beiden Töchter nach all dem Leid, den Schmerzen und den Traumata neben der Erinnerung an die verlorenen Lieben eben auch so etwas wie inneren Frieden geben kann. Besonders drückt sich das in meinen Augen in dem Moment aus, in dem Peter seiner Familie verkündet, dass wieder Paul aus ihm geworden ist. Paul, der geliebte Sohn von Johann und Lotte. Paul, der liebende Ehemann von Clara. Paul, der wiedergewonnene Vater für Lilian und Ceara.

    Zu gerne hätte ich Gewissheit, dass noch mehr Überlebende dieses Fazit ziehen konnten. Aber ich denke, dass dem leider nicht so ist. Lotte beispielsweise wollte ja auch nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden setzen... wer könnte es ihr verdenken?

    Besonders eindringlich habe ich übrigens die Zeilen von Nathan Fisch empfunden. Dieser gutherzige Mann, der selbst im größten Elend nicht den Blick für andere verliert. Welche Menschlichkeit in einer solchen Hölle!

    Dass Ceara angeboten wurde, ihr bei der Zusammenführung psychologischen Beistand zur Seite zu stellen, zeugt von Professionalität und sehe ich auch als notwendig an, dass man dieses Angebot macht. Das fände ich auch sinnvoll für die (Pflege)angehörigen wie Rhona Ward, für die diese Entwicklung auch ziemlich überwältigend sein muss. Vor allem, nachdem zuvor angedeutet wurde, dass sie womöglich von den Machenschaften eines Cook und Fitzpatrick gewusst haben könnte. Aber die Blumenthals machen es Rhona sehr leicht, sich mit den neuen Umständen anzufreunden; und dennoch hat sie mir ein wenig leid getan, denn trotz aller Freude wird ein wenig Schmerz dabei sein.

    Darüber, dass auch Rhona Unterstützung benötigen könnte, habe ich nie nachgedacht, aber Du hast vollkommen recht! Ich war schon begeistert, dass in den 60ern überhaupt psychologischer Beistand angeboten wird... sicherlich ist das Trauma der Kinder größer, aber ich denke, dass auch Adoptiveltern darunter leiden können, wenn ihre Kinder plötzlich ihre leiblichen Eltern finden.

    Zum Glück lässt vor allen Dingen Ceara keinen Zweifel daran, dass Rhona ihre Mum bleibt. Und Paul zeigt dafür vollstes Verständnis - auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass das auch nicht leicht ist. Eventuell könnte in solchen Fällen Eifersucht eine Rolle spielen, denn immerhin haben die Adoptiveltern das eigene Kind aufwachsen sehen...

    Das war auch bei mir ein wenig der Wermutstropfen, dass Lilian und Sam, nachdem sie Ceara nun endlich gefunden hatten, dann nach Kapstadt gezogen sind. Aber andererseits bin ich natürlich auch froh, dass sie in der Nähe von Lotte, Friedrich und Peter leben.

    Zugegebenermaßen habe ich kurz überlegt, ob Lilian und Sam nicht in der Nähe von Ceara und Aidan hätten bleiben sollen. Oder die beiden Dubliner gleich mit nach Kapstadt übersiedeln hätten können... Aber nein, das wäre alles zu viel des Guten gewesen. Lilian und Sam verwirklichen ihren zuvor gefassten Plan und Ceara und Aidan haben in Irland ihr festes Leben. Aber sie haben sich und regen Kontakt, dazu regelmäßige Besuche. Ich denke, dass ist viel viel mehr als sich alle Beteiligten kurze Zeit zu träumen gewagt hätten!

    Ich habe wirklich die Luft angehalten, wie Ceara auf den Anblick von Schwester und Vater reagieren wird, aber glücklicherweise bekommt sie keine Angst, sondern es fühlt sich alles einfach "richtig" an. Aidan und Sam sorgten aber auch mit ihrer lockeren und offenen Art für eine entspannte Atmosphäre.

    Die Partner der Schwestern haben wirklich das Herz am rechten Fleck! Auch wenn sie Nebenfiguren sind: für mich sind sie kleine Helden. Sie ermutigen Ceara und Lilian immer wieder, Sam sucht und recherchiert tatkräftig mit und überhaupt sind es einfach tolle Kerle.:)

    Die Murphys sind einfach unfassbar, ich hatte ja gehofft, dass wenigstens Mrs. Murphy nichts von den Machenschaften von Cook und Fitzpatrick gewusst hatten, aber dem war nicht so. Schreckliche Familie, kein Wunder, dass die meisten ihrer Pflegekinder keinen Kontakt mehr mit ihnen haben wollen. Dass die Blumenthals mit Sally und Duncan in lockerem Kontakt geblieben sind, fand ich sehr schön.


    Friedrich ist das Beste, was Lotte passieren konnte, er kennt sie ziemlich gut und weiß, dass sie in ihrem Innersten ihr Lebensziel nicht aufgeben kann, auch wenn sie sich das einreden möchte. Und dass Lilian und Sam ebenfalls in das Blue Heart miteinsteigen, macht es natürlich alles noch viel leichter. Ich freue mich sehr, dass Friedrich und Lotte ihre letzten Lebensjahre gemeinsam verbringen möchten. Das machte es dann leichter, als wir Jahre später vom Tod der beiden erfahren.


    Mich hat es auch gefreut, dass Dede bei den Blumenthals geblieben ist und sie gemeinsam die Entlassung von Mandela aus dem Gefängnis erleben durften, was in der Folge endlich diese unmenschliche Apartheid beendete. Traurig war ich aber dennoch, dass man die Brandstifter nie gefasst bzw. herausgefunden hat, um wen es sich dabei handelte. Aber leider ist das realistischer, wie wenn man sie gefasst hätte.

    1. Die Murphys

    Widerliche Gestalten, mehr kann ich dazu nicht schreiben. Alleine, dass sie Emma/Ceara, ein junges, traumatisiertes Mädchen, loswerden wollten... Ich weiß nicht, ob ich so gefasst hätte reagieren können. Andererseits denke ich, dass es viel besser ist, wenn Ceara nun nach vorne blickt und sich über ihre wiedergefundenen Lieben freut, anstatt sich mit Hass im Herzen um die Menschen aus ihrer Vergangenheit zu scheren. Zum Glück hat sie mit ihren Adoptiveltern einen Sechster im Lotto gehabt - das macht im Rückblick sicherlich einiges einfacher.


    2. Friedrich und Lotte

    So schön! Ich fand das Geständnis Friedrichs rührend und ganz schön toll. Lotte liebt ihren Johann sicherlich noch immer, aber sie hat mit ihren beiden nachfolgenden Partnern auch großes Glück. Das freut mich sehr, denn Lotte ist eine tolle, starke Frau, der ich nur das Beste wünschen würde.


    3. Dede

    Diese Mischung aus Stolz und Trauer hat mich zutiefst beeindruckt - ebenso wie der Umgang der Zulu mit ihren Toten. Ich finde es ebenfalls großartig, dass sich weder Lotte noch Dede klein bekommen lassen - auch wenn der Weg bis zum Ende der Apartheid ein langer und steiniger ist...

    Ich muss gestehen, von den Stolpersteinen habe ich in diesem Buch das erste Mal gehört. Das finde ich eine sehr schöne Geste gegen das Vergessen. dubh kennt die Steine bestimmt, da sie auch in Hamburg wohnt.

    Interessant! Für mich sind diese Steine allgegenwärtig, deshalb habe ich umgekehrt nicht auf dem Schirm, dass es diese in anderen Städten nicht gibt.

    Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit komme ich an vielen Stolpersteinen vorbei, die ich allesamt schon mehrfach gelesen habe. Vor allem wenn ich in neuen Ecken unterwegs bin, schaue ich gerne genauer hin, bleibe vor den Häusern stehen und überlege mir nicht selten, wie es damals - als sie das Zuhause der Ermordeten waren - wohl ausgesehen haben. Wie sie dort gelebt haben, was sie wohl gefühlt haben, als sie sich das letzten Mal verlassen haben.

    Für mich sind die Stolpersteine eine lebendige Erinnerung, eine, die nur noch in den seltensten Fällen ein Erinnern an die Person selbst sein kann, wohl aber ein gelungener Anstoß, das Andenken wach zu halten. Die Namen sollten niemals in Vergessenheit geraten und mit der räumlichen Verknüpfung kann die Bindung enger und noch "realer" sein, finde ich.

    Aber ich kann mir vorstellen,dass es auch für ihn eine Achterbahn der Gefühle werden wird.

    Auf jeden Fall! Es deutet sich ja schon an - als Duc den Satz erwähnt, den Emma manchmal mantraartig vor sich hin gesagt hat... Ich denke, dass es sich als Vater immer Vorwürfe macht, weil er seine beiden Töchter auf sich alleine gestellt nach England geschickt hat. Sachlich betrachtet: was hätte er anderes tun sollen? Es war die beste Gelegenheit, Emma und Lilian in Sicherheit zu bringen - sie bei sich zu behalten, wäre viel gefährlicher gewesen! Und wer konnte schon ahnen, dass Emma bei einem Bombardement Londons ums Leben kommt... Aber das sagt sich alles leichter - ich denke, es ist vermutlich die "normale" Reaktion eines liebenden Vaters.

    Was mich erstaunt hat, dass Peter einen Antrag stellen muss um seinen Namen, Paul Blumenthal, wieder tragen zu dürfen.

    Naja, so wie ich es verstanden habe, ist er mit gefälschten Papieren in Südafrika angekommen. Da er zuvor staatenlos war, wird ein Nachweis seines echten Namens schwierig gewesen sein... Heutzutage kannst du auch nicht einfach so in ein Amt spazieren und deinen Namen einfach mal so ändern.

    Also die Pflegeeltern, die Murphys, sind mir irgendwie unsympathisch. Schon wie der Hausherr so völlig gleichgültig meinte, es war normal im Massengrab zu laden bei all den Toten. Sie hätten Emma aber vielleicht auch auf einem Friedhof beerdigen können, wenn sie es gewollt hätten.

    London war damals aber nicht im Normalzustand, sondern in manchen Stadtteilen stark zerstört. Ca. 28.000 Tote in der Zeit des "Blitz" - da sind die Hinweise auf Massengräber aufgrund von Seuchengefahr ziemlich plausibel.

    Und die Sache mit dem verschwundenen Dr. Cook ist auch mysteriös. Wurde er entführt oder hatte er etwas zu verheimlichen. Denn schließlich wurde er polizeilich gesucht.

    Nett fand ich als Duc, ein anderer Pflegesohn der Murphys, zu Lilian kam und von der Zeit, als Emma bei ihnen wohnte, erzählt hat. Vielleicht erfahren sie noch ein bisschen mehr von Euch seiner Schwester.

    Bei Duc wäre ich nicht darauf gekommen, dass es sich um Duncan gehandelt hat - der Duncan, der Emma kurz vor dem Angriff kurzerhand über die Schulter geworfen hat, damit sie rechtzeitig in der U-Bahn-Station angelangen... Toll, dass er sie damals mochte und sich gesorgt hat - damit ist er Lilian, Paul und Sam zumindest eine kleine Hilfe.

    Lotte hat schwer an der Neuigkeit von Lilian und Peter zu nagen. Aber es gibt noch etwas anderes was mich beunruhigt. So wie Friedrich auch, frage ich mich bei der politischen Lage, ob es klug von Lotte ist, Dede aufzunehmen. Aber so ist Lotte, sie kann nicht anders. Das war schon im ersten Teil so, sie lebt für ihre Begegnungsstätte.

    Es ist so bitter, dass Lotte dem Nationalsozialismus entkommen konnte, um nun in einem Land zu leben, dass leider sehr rassistisch ist. Die beiden Staaten und ihre Taten sind nicht zu vergleichen, aber ich stelle es mir dennoch extrem schwierig vor, dass die Blumenthals auch hier wieder Ausgrenzung, Gewalt und Verfolgung miterleben müssen.

    Hallo zusammen,


    nach der großartigen Leserunde zu "Die silberne Spieldose" habe ich mich ganz besonders auf die Fortsetzung und unseren Austausch gefreut. Als ich vorhin das Personenregister gesehen habe, hatte ich kurz Zweifel, ob ich noch alles zusammen bekomme, aber die waren völlig unnötig! Bereits mit dem Prolog steckte ich schon in der Geschichte... Zumal Iris das ja sehr geschickt macht - selbst Leser*innen, die den ersten Roman nicht gelesen haben, werden mit den kleinen Zusammenfassungen die wichtigen Details nachvollziehen können und somit nichts Elementares verpassen. Naja, wobei - mir ist während der Lektüre wieder eingefallen, wie sehr mich der letzte Roman mitgenommen hat, vor allem auch am Ende. Daher hoffe ich natürlich, dass niemand auf die Spieldose verzichtet.;)

    Lillian mit ihrem Vater Paul und ihrer Großmutter zu erleben, hat mich erneut sehr berührt. Wie großartig, dass die drei sich - nach all den Jahren, den Verlusten, dem Schmerz und der Sehnsucht - wiedergefunden haben. Dieser vertraute, liebevolle Umgang... ich mag die Blumenthals einfach sehr, sehr gerne! Gleichzeitig ist es sicherlich auch weiterhin nicht leicht, da die Tatsache, dass sie künftig in Südafrika zusammenleben werden, auch stetig an den immensen Verlust erinnert: die ermordete Mutter Lilians und die bei einem Bombardement getötete Emma. Wobei ich hoffe, dass sich letzteres als ein Irrtum herausstellt! Ich denke, dass es sich bei Ceara um Emma handeln könnte, auch wenn ich nicht weiß, wie sie damals nach Dublin gekommen ist. Die extrem schwere Verletzung stammt von einem Luftangriff - diese Angriffe der Deutschen fanden 1940 bis 1941 in Großbritannien statt. Das Deutsche Reich hat nach dem schnellen Sieg in Frankreich zwar eine Invasion Irlands angedacht, aber diese Pläne wurden verschoben. So kam es nur zu einem irrtümlichen Angriff der Wehrmacht auf Dublin im Frühjahr 1941, aber ich denke nicht, dass Ceara hier verwundet wurde, sondern vermutlich in England. Doch wie kam sie dann in ein Dubliner Krankenhaus? Und hat die Aktion etwas mit dem mysteriösen Abtauchen des Docs zu tun? Vielleicht hat er die "Gunst der Stunde" genutzt und Kinderhandel? Auch wenn ich mir so etwas kaum vorstellen kann/mag, so denke ich, dass es reichlich Menschen gibt, die die Kriegssituation für solch perfide Machenschaften nutzen, um sich zu bereichern. Ich bin gespannt, ob Aiden Ceara dazu bekommt, einen Psychiater aufzusuchen und eine Therapie zumindest zu versuchen...


    Die Murphys (irischer Name, aha!) sind ziemlich nüchtern, wenn auch nicht gänzlich uninteressiert. Ich denke, dass es unter Garantie schlechtere Unterkünfte für Waisenkinder oder Kinder aus sehr schwierigen Verhältnissen gab - vor allem, wenn ich da an so manches Waisenhaus denke. Dennoch war Emma derart traumatisiert, dass sie nicht einfach in eine diesbezüglich nicht geschulte Pflegefamilie gesteckt hätte werden dürfen. Zudem noch als ein Kind von mehreren! Aber das sagt sich natürlich so einfach - aus heutiger Perspektive und ohne den konkreten Blick auf Kriegsopfer und die jüdischen Kinder, die mit den sogenannten Kindertransporten nach Großbritannien kamen.


    Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Auf jeden Fall finde ich es toll, dass Paul sich mit auf die Spurensuche begeben hat!

    Hannah hat als Einzige aus ihrer Familie die Operation Gomorrha überlebt und ist nun in einer Kammer eines Nebengebäudes auf einem Gut in Schleswig-Holstein untergekommen. Als immer mehr Menschen eintreffen, müssen alle Evakuierten und Flüchtlinge zusammenrutschen - auch die junge Frau muss daraufhin ihr winziges Zimmer teilen. Die bereits zweiten Mitbewohner sind drei ehemalige Wehrmachtssoldaten, mit denen Hannah - nach kleineren Startschwierigkeiten - eine vorsichtige Freundschaft beginnt. Alle Bewohner der häufig unbeheizten Kammer sind stark traumatisiert und haben mit sich zu kämpfen - doch sie sind auch ein Stück weit Überlebenskünstler, die alles dafür geben, um irgendwie über die Runden zu kommen. Gemeinsam wird die Schicksalsgemeinschaft versuchen, sich bestmöglich zu unterstützen und so den Hungerwinter 46/47 zu überleben.

    Doch einer der vier macht besondere Sorgen: der junge Mann mit dem roten Schopf, den die anderen beiden - Egon und Freddie - „Fuchs“ nennen, da er kein Wort verlieren mag - nicht einmal seinen Namen. Halb verhungert, wirkt der ehemalige Soldat die meiste Zeit stark in sich gekehrt, abwesend. Trotz dieses Eindrucks schafft ausgerechnet „Fuchs“, Hannah aus ihrer ewigen Trauer und Lethargie zu reißen - mit ihm muss sie nicht reden, aber immerhin leistet er ihr beim Sammeln von Treibholz oder beim Sammeln von Früchten Gesellschaft. Doch als sich Hannah und der „Fuchs“ ganz langsam öffnen, muss die junge Frau erkennen, dass Moritz, wie der „Fuchs“ in Wirklichkeit heißt, nicht bleiben kann…


    Daniela Ohms hat bei diesem Roman extrem viel Fingerspitzengefühl bewiesen. Nicht nur, dass sie die mitunter sehr trostlose Situation der Menschen damals realistisch schildert, sie fängt auch ihre persönlichen Sorgen und Nöte derart gelungen ein, dass mir als Leserin kaum etwas anderes übrig geblieben ist, als berührt zu sein. Dabei empfinde ich das Thema als eine Gratwanderung, da das Leid der Flüchtlinge oftmals instrumentalisiert wurde - darüber darf man in meinen Augen aber niemals vergessen, wer Auslöser des ganzen Elends war. Hier hilft vor allem Hannah als Hauptfigur, die gänzlich unschuldig in diese ganze Situation geraten ist und nun stellvertretend für so viele um ihr Leben und ihre Zukunft kämpfen muss. Anhand der ehemaligen Soldaten zeigt die Autorin die Schuld einzelner im Getriebe des Angriffskrieges und ihren individuellen Umgang damit. Sehr eindringlich sind hierbei vor allem die Rückblenden mit den Erlebnissen Moritz’, die die Grenze zwischen Täter und Opfer verwischen lassen. An wirklich keiner Stelle schont Daniela Ohms ihre Leser*innen, sondern sie beleuchtet die Ereignisse bis hin zu den seelischen Verwundungen, die der Vernichtungskrieg bei fast allen hinterlassen hat.


    Mit „Wie Treibholz im Sturm“ habe ich einen Roman gelesen, der komplett stimmig in sich ist. Perfekt recherchiert, mit wichtigen Details gespickt und gekonnt erzählt, hat der Roman nicht nur alles, um sehr gut zu unterhalten. Nein, meiner Meinung nach ist er auch ein Lehrstück darüber, was Hass, Vernichtungswahn und Krieg mit unschuldigen, jungen Menschen macht. Mit bemerkenswertem Geschick erzählt die Autorin von Schuld, seelischen Schmerzen, Trauer und dem Versuch, mit all dem leben zu können - und trieb mir dabei nicht nur einmal die Tränen in die Augen.


    Ein Roman wie ein Lehrstück - vor allem wenn man nach all den Emotionen beim Nachwort angelangt und begreift, dass Daniela Ohms einen grandiosen wie wichtigen Bogen zu heutigen Flüchtlingsströmen zieht. Ich wünsche mir, dass dieses Buch viele, viele Leser*innen findet!


    Schlicht und ergreifend großartig! Anfang Juni kann ich mit Sicherheit feststellen, dass „Wie Treibholz im Sturm“ zu meinen absoluten Highlights dieses Jahr zählen wird.


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    An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an Dich, Daniela Ohms ! Es war großartig, wie offen und aufmerksam Du uns bei der Lektüre begleitet hast!:* Jetzt wünsche ich Dir erst einmal viel Erfolg mit "Wie Treibholz im Sturm" und natürlich weiterhin viel Freude beim Recherchieren und Schreiben! Und dann freue ich mich zugegebenermaßen auf Deinen nächsten Roman und hoffe sehr, dass wir uns dann wieder hier lesen.

    Der Ermittlungserfolg ist natürlich positiv für Mia - aber dass sie deshalb weiter mit Bordasch zu tun hat, ist keine gute Nachricht. Er wird sie deshalb nicht mehr schätzen und ihr sicher weiterhin massenhaft Steine in den Weg legen. Schließlich hat er ja etwas zu verbergen. Mia hat also noch viel Arbeit vor sich!

    Vielleicht bekommt sie ja Unterstützung. Bordasch ist der Chef, schon klar, aber ich habe den Eindruck, dass die Beliebtheitsskala für ihn nicht exorbitant ausschlägt. Hallberg sieht ihn punktuell kritisch, Sarah sagt zu Mia, dass sie weiß, dass er ein Ar*ch ist... Also mal schauen!

    Wie schon Delora frage ich mich auch, wie es dazu kommen konnte, dass Bordasch zwar einen Kollegen im Dienst erschossen hat, aber trotzdem die Leitung einer Dienststelle übertragen bekommt. Das erscheint mir nicht ganz schlüssig. Vor allem, weil ja anscheinend bekannt war, dass er ein ausgezeichneter Schütze ist.

    Das ist für mich ein kleiner logischer Stolperer in der Geschichte. Andererseits: bei der Postenvergabe ist so ziemlich alles möglich...

    Für mich ist das kein Stolperer. Solche Situationen kann es geben - unübersichtliche, extrem bedrohliche Szenen, Querschläger, etc. Außerdem ist Bordasch ein kluger Karrierist, der sich (nach außen) einfach nichts zuschulden kommen lässt - der weiß, wie er im Zweifel die Leute, die über diesen Posten entschieden haben, um den Finger wickeln kann.

    Ja. Dunkelkinder setzt sich in meinem Kopf zumindest schon fort ... und da geht das mit Bordasch natürlich weiter....

    Sehr gute Neuigkeiten! Wobei ich gestehen muss, dass ich hoffe, dass Bordasch noch ein bisschen mehr Gegenwind verspürt als lediglich von Mia. Der Hinweis, dass er ein ausgezeichneter Schütze ist, lässt der Tod von Lukas Vater in einem mehr als seltsamen Licht erscheinen... Auch wenn es natürlich immer zu unglücklichen Verkettungen kommen kann und bei einer unübersichtlichen Situation jemand getroffen wird, dem die Kugel nicht gegolten hat.

    Hallo Ihr Lieben,


    vielen Dank für Eure Beiträge und Euren Austausch! Ein ganz besonders herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an Dich, Nora Luttmer ! Es war großartig, dass Du Dir die Zeit genommen hast und uns so offen beim Lesen begleitet hast. Jetzt wünsche ich Dir erst einmal alles Gute, viel Erfolg mit "Dunkelkinder" und weiterhin viel Freude beim Schreiben! Ich fände es toll, wenn wir uns zu Deinem nächsten Krimi hier wiederlesen.


    Meine Rezension:

    Mia Paulsen ist zurück in ihrer Heimatstadt Hamburg. Zu sehr hat der jungen Kriminalkommissarin ihr letzter Fall in Berlin zugesetzt, deshalb hat sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Doch ihr erster Arbeitstag ernüchtert sie schon noch wenigen Minuten, nachdem sie erstmals ihrem neuen Vorgesetzten begegnet. Kurz darauf findet sie sich in einem Büro in der Größe einer Abstellkammer wieder - mit einem Stapel alter, noch ungelöster Fallakten auf dem Tisch. Weitestgehend von anderen Kolleg*innen isoliert, macht sie sich auf ins Raakmoor, wo zwei Jahre zuvor ein toter Junge aufgefunden wurde. Bis heute ist das asiatische Opfer weder identifiziert noch als vermisst gemeldet - quasi ein „Geisterkind“…

    Doch kaum ist Mia am damaligen Auffundort angekommen, bricht sie ein und entdeckt auf diesem Wege zwei weitere Leichen. Sie setzt ab sofort alles daran, die beiden Fälle aufzuklären, denn sie ist überzeugt, dass es einen Zusammenhang gibt. Dabei muss sie gegen den Widerstand ihres Vorgesetzten ankämpfen und ahnt zudem nicht im Entferntesten, dass sie mit ihren Emittlungen weitere Kinder in große Gefahr bringt…


    Nora Luttmer hat mit Mia eine kantige Hauptfigur geschaffen, die mich vor allem mit ihrem Biss überzeugen konnte. Auch die Tatsache, dass sie an den Reaktionen ihrer Kolleg*innen durchaus mal zu knabbern hat, fand ich sehr glaubhaft und hat sie mir noch einen Tick sympathischer gemacht als sie es eh schon war. Mia hat ihre Überzeugungen und kann durchaus auch dafür einstehen - auch wenn sie manchmal aufstecken muss.


    Gefallen hat mir aber auch die Wahl der Autorin, die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erzählen. Dabei kommen verschiedenste Figuren - schuldig wie unschuldig - zu Wort und bereichern somit die Handlung. Dabei ist man als Leser*in im Vorteil, da man einen Teil der Zusammenhänge kennt und somit die Ermittlerarbeit Mias im Fokus steht. Was keinenfalls bedeuten soll, dass die Spannung sich in Grenzen hält, denn das Gegenteil ist der Fall - es ist ein Wettlauf mit der Zeit und genau dies erzeugt einen wirklich guten Lesesog.


    Der Kern des Krimis, die Menschen, auf denen der Fall basiert, haben mich wirklich sprachlos gemacht. Ich muss gestehen, dass ich zwar von Menschenhandel und sklavenähnlichen Lebensbedingungen von Illegalen weiß, aber die hier beschriebenen, durchweg glaubhaften Zustände haben mich stellenweise dennoch sprachlos gemacht. Ein extrem wichtiges Thema, dem sich Nora Luttmer hier in Form eines Krimis gewidmet hat. Sehr lesenswert!


    Mia und die Hansestadt Hamburg haben reichlich Potential, deshalb hoffe ich sehr, dass wir noch einiges von der sympathischen Ermittlerin zu lesen bekommen.


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    Thalia.de (Kundin aus Hamburg am 10.06.2018, "Ein toller Krimi mit einem wichtigen Thema")

    März 1920. Rayonsinspektor August Emmerich ist mit seinem Assistenten Ferdinand Winter bei der Abteilung „Leib und Leben“ der Wiener Polizei tätig. Die Hauptstadt der noch jungen österreichischen Republik ist geprägt von den Extremen dieser Zeit: auf der einen Seite Dekandenz, auf der anderen Hunger und Kälte.

    Auch bei der Arbeit haben die beiden Ermittler schon bessere Zeiten gesehen, denn auch wenn Emmerich endlich in der ersehnten Abteilung angekommen ist, so sind sie dort im Grunde zu Schreibtischarbeiten verdonnert. Oder sie müssen auf eine beliebte Schauspielerin acht geben, da diese aufgrund eines Fluches um ihr Leben bangt - während die Kollegen im Fall des ermordeten angesehenen Stadtrates Richard Fürst ermitteln.

    Überraschenderweise findet sich eine Verbindung und Emmerich und Winter entdecken ein mögliches Komplott. Fragt sich nur, wer den beiden, die auf dem Abstellgleis verharren, Glauben schenken soll… Aber Emmerich wäre nicht Emmerich, wenn er seinem Instinkt nicht trauen und die Herausforderung annehmen würde.


    August Emmerich, der durch eine Kriegsverletzung mit einem Bein starke Probleme hat, ist ein unkonventioneller Ermittler, der ab und an durchaus mit seiner persönlichen Situation handert - verständlicherweise, wenn man bedenkt, dass er von seinem derzeitigen Vorgesetzten als Teil der Krüppelbrigade gesehen wird, der man keinen ersthaften Fall anvertraut. Bei all seinem Handeln - so kritisch man es mitunter auch betrachten kann - bleibt Emmerich sehr sympathisch, wenn auch nicht ohne Fehler. Zum Beispiel die Tatsache, dass er seinen Assistenten, den er anfangs (im ersten Fall „Der zweite Reiter“) nicht sonderlich geschätzt hat, immer noch unhöflich duzt, kann man ihm ankreiden. Nicht nett, aber für mich macht das die Figur Emmerich noch einen Tick glaubhafter als sie es eh schon ist.


    Der anfängliche Auftrag für den Rayonsinspektor und Winter ist wirklich hanebüchen - zum Glück lässt es sich auf Emmerichs Art ziemlich rasch lösen. Doch dann entpuppt sich die undankbare Aufgabe unverhofft als eine Verbindung zum aufsehenerregenden Fall, der gerade halb Wien beschäftigt. Natürlich lässt sich Emmerich die Chance nicht entgehen und beschert den Leser*innen somit eine spannende Ermittlung, die nicht nur in die Unterwelt Wiens führt, sondern auch an diverse Orte, die die weit geöffnete Schere des damaligen Lebens verdeutlichen.


    Mich hat die Mischung aus Lokalkolorit und historisch Wissenswertem sehr fasziniert - zusammen mit einem spannenden Fall, der aufgrund der politischen Situation bestens funktioniert und mich rundherum überzeugt hat.


    „Die rote Frau“ ist nicht bloß Krimi, sondern transportiert Fakten und allerlei interessante Details - für mich ein perfekt gelungender historischer Krimi. Hier kommen auch die gesellschaftlichen Zusammenhänge zwischen den Weltkriegen bestens zur Geltung. Chapeau! Ich freue mich auf den dritten Fall um Emmerich - und weitere.


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    Thalia.de (Kundin aus Hamburg am 10.06.2018, "Sehr guter historischer Krimi")

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    Vielen Dank an Euch alle - mir hat diese Leserunde und unser Spekulieren viel Spaß gemacht!:)

    Ein ganz besonders herzliches Dankeschön geht an Dich, Alex Beer - dafür, dass Du uns so toll begleitet hast! Ich wünsche Dir alles Gute und weiterhin viel Freude beim Schreiben und freue mich jetzt schon auf den dritten Fall! Hoffentlich lesen wird uns dann an dieser Stelle wieder.

    Ich komme auch immer mehr zu dem Schluss, dass es vielleicht kein Happy End geben sollte ... ich weiß aber nicht, ob ich es übers Herz bringen werde ... :(

    Oh, ich wünsche mir so sehr ein Happy End für die beiden. Man kann doch trotzdem einen super spannenden Krimi schreiben;)

    Klar, aber die Frage ist doch auch ein bisschen, wie die Chancen damals für ein Happy End standen... Ich denke, nicht halb so gut wie heute.:(

    Ich freu mich aber doch sehr, immer wieder auch Ausdrücke zu finden, die ich schon ewig nicht mehr gehört habe. Gschisti Gschasti und Schnoferl waren meine Lieblingsausdrücke heute! :freu:

    Zugegebenermaßen muss ich manchmal auch ein wenig kichern - vor allem wenn geschimpft wird. Dann lese ich den Satz laut und freue mich über die Begrifflichkeiten.8)

    Alex : ich denke mir schon die ganze Zeit, dass August Emmerich wirklich das Potential hat, ein Fernsehstar zu werden. Gibt es diesbezüglich irgendwelche Pläne? Dafür würde ich mich auch regelmäßig vor den Fernseher setzen!

    Eine phantastische Idee, ysa! Ich schließe mich umgehend an und plädiere für eine Verfilmung.<3

    Schon klar, aber sie haben zumindest nach außen eine Schnittmenge. Oder besser gesagt nach außen tritt nur die MV auf... Der Doc wirkt zumindest anders - sympathisch, mitfühlend und offen. Dennoch frage ich mich, ob er als Arzt in der Rehabilitationsanstalt, die ja ein Faktor zu sein scheint, nicht mindestens Mitwisser ist.

    So gesehen hast du Recht, ich habe es wahrscheinlich ausser acht gelassen, weil ich mir wünsche das er einer von den Guten ist.

    Aber hallo! Immerhin geht es auch um August Emmerichs Bein!

Anstehende Termine

  1. Freitag, 6. Juli 2018 - Sonntag, 22. Juli 2018

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  2. Dienstag, 10. Juli 2018, 21:40 - Dienstag, 24. Juli 2018, 22:40

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  3. Freitag, 13. Juli 2018 - Sonntag, 29. Juli 2018

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  4. Freitag, 13. Juli 2018 - Sonntag, 22. Juli 2018

    odenwaldcollies