Beiträge von dubh

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    Das mit diesem Hirntumor ist ja mehr als verdächtig, vor allem nachdem, was wir durch Böhm erfahren haben, dass er mit dieser Art von Tumor auch schon zu tun gehabt hatte.

    Puh, aber ich muss gestehen, dass ich nicht den blassesten Schimmer habe, wie das alles zusammenhängen könnte! Der Taxikollege erwähnt ja die Kopfschmerzen Otto Lehmanns, aber das klingt bei weitem nicht nach einem aggressiven Hirntumor, oder? Natürlich kennt die Medizin auch heute längst nicht alles - vielleicht ist er so schnell gewachsen, dass die Auswirkungen tatsächlich erst kurz zuvor aufgetreten sind? Das sie aber just erst am Tag der Todesart aufgetreten sind... hm... gemeinsam mit Böhms altem Fall wäre dies tatsächlich ein zu arger Zufall!

    Also wusste Lehmann von seinem tödlichen Leiden? Und hat mit der Kombination Mord/Selbstmord eine geplante Aktion umgesetzt? Dann könnte ich mir allerdings eine Erpressung dahinter vorstellen. Vielleicht ist der Hausarzt derjenige, der ihn angestiftet hat? Um mal rumzuspinnen: wäre es denkbar, dass Lehmann wegen der Kopfschmerzen zum Arzt ist, der erkannt hat, dass sein Patient unheilbar krank ist und ihn deshalb zu Tat angestiftet hat? Oder vielleicht den Lehmann einem anderen als Attentäter quasi empfohlen hat? Wofür der Taxifahrer dann eine ordentliche Entlohnung für seine Familie ausgehandelt hat? Wenn er dies alles so abgemacht hat, erklärt sich das Verhalten seiner Witwe vielleicht auch besser und auch der plötzliche Umzug...

    Oh je, ich sehe schon, ich könnte stundenlang in alle Richtungen spekulieren.


    VolkerKutscher Du machst das gewohnt gemein!;) Ich spekuliere und frage mich andauernd, ob ich irgendein Detail übersehen haben könnte... Vermutlich kommt eh alles anders, nicht wahr?

    Und dass die Paralle zu damals und Otto Lehmann ausgerechnet der Arzt Alexander Wrede ist, ist sicherlich auch kein Zufall. Auch nicht, dass dieser Wrede in der zweiten "Eine andere Geschichte" ebenfalls auftaucht, als Freund von Magnus Larsen, von dem wir denken, dass es sich bei ihm um Johann Marlow handelt.

    Und da ist es auch schon: das erste Detail, das ich überlesen habe! Aber jetzt, wo Du das geschrieben hast, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Alexander Wrede! Nur fügt sich trotzdem noch rein gar nichts zusammen.:boah:

    Wrede, Marlow, Lehmann, Brunner, Ilse Schmeling - wie hängen die bloß alle zusammen? Das Einzige was ich aktuell einleuchtend finde, ist die Tatsache, dass wahrscheinlich Himmler höchstpersönlich (möglicherweise über Heydrich und Sawo) diesen Brunner auf Ilse Schmeling angesetzt hat, damit er irgendwelche Geheimnisse von Hermann Göring herausfindet. Das die beiden sich absolut nicht grün waren, weiß man ja.

    Und wie wir schon vermutet haben: Liang ist tatsächlich Magnus' Sohn! Ob Liang das inzwischen weiß oder hat Larsen/Marlow ihm das bisher verschwiegen?

    Hat Marlow am Ende dieses Abschnitts das Herrenhaus abgefackelt? :o

    Ich gehe schwer davon aus! Als Racheaktion gedacht - er will dem Vater alles nehmen, weil der ihm alles genommen hat. Und vermutlich der erste Schritt in die halbseidene Welt, genauso wie der Raub der Morphiums.

    Der alte Larsen hat den Sohn klein gehalten, ihn mit Erwartungen und Zwängen getriezt und seine große Liebe verächtlich behandelt. All das sind vermutlich die Zutaten, die aus Magnus Larsen einen knallharten Mann gemacht haben, der nun nur noch nach seinen eigenen Regeln spielt.


    Zu Deiner ersten Überlegung: auf diese Antwort bin ich auch sehr gespannt. Aber ich denke durchaus, dass Liang weiß, dass Marlow sein Vater ist. Eventuell hat die Mutter noch etwas gesagt, damit er - nach ihrem Tod - Magnus Larsen vertraut und mit ihm mitgeht.

    Charlys Frust nimmt immer weiter zu - ich kann sie nur zu gut verstehen. Ich dachte auch schon, für sie wäre es sicherlich das Beste, wenn sie dem damaligen Deutschland den Rücken kehren könnte. Oder dass sie irgendwann in den Widerstand gehen wird. Dass Böhm sich als Ausreisehelfer verdingt, damit hätte ich nie und nimmer gerechnet. Ich muss sagen, er steigt gerade in meiner Achtung ganz enorm und ich kann zwischenzeitlich sehr gut verstehen, dass sich Charly mit ihm so gut versteht. Und es ist kein Wunder, dass Charly ihn dabei unterstützen wird. Auch wenn es gefährlich ist, aber wenn sie weiterhin die Hände in den Schoß legen soll, wird sie noch meschugge werden.

    Diese neue "Aufgabe" wird Charly unter Garantie entscheidend prägen! Zum einen, weil sie nun etwas Sinnvolles machen kann, das sie in keinster Form zu hinterfragen braucht - nicht wie ihre bisherige Tätigkeit für Böhm, die nur ein schwacher Trost für ihren alten Berufswunsch ist, und nicht wie die Halbtagsstelle als Anwaltsgehilfin, die ihr täglich vor Augen führt, was sie durch die neuen Gesetze verloren hat... Charly kann mit der Hilfe für ausreisewillige Menschen aktiv eine Form von Widerstand leisten und das wird ihr auch persönlich guttun. Wenngleich das natürlich paradox klingen mag, denn sie begibt sich damit natürlich in höchste Gefahr! Aber so ist Charly nun mal - das Herz am rechten Fleck und ein Gewissen, das über fast allem steht.

    So gesehen ist ihre Warnung Martha Dörings nicht die geringste Überraschung! Und im Nachhinein ist die Entscheidung Böhms eine doppelt weise, denn die Liebschaft von Frau Döring ist nicht nur eine Frau, sondern dazu auch noch jüdisch.:o


    Von Böhm bin ich ebenfalls angenehm überrascht! Ich mochte ihn ja sowieso ganz gerne, aber das er hier jegliche Gesetzestreue über Bord wirft, ist ihm sehr hoch anzurechnen. Hinter unrechten Gesetzen sollte man sich eben nicht verstecken! Da könnte Gereon bald noch einiges von ihm lernen... Vielleicht raufen sich die beiden ja doch noch mal irgendwann zusammen, wer weiß.

    Dass Manskes Aussage Gereon jedoch nicht kalt lässt, ist auch typisch für ihn, das sind die Seiten an ihm, die mir richtig gut gefallen.

    Na, das ist aber auch ein echter Hammer! Da blieb mir beim Lesen auch kurz die Spucke weg, denn damit hätte ich niemals gerechnet. Daraufhin habe ich die Anfangsszene am Anhalter Bahnhof noch einmal gelesen und siehe da: plötzlich haben die unfreundlich abwinkenden Kollegen Lehmanns richtig Sinn ergeben!:totlach:

    Gereon ist und bleibt ein guter Ermittler mit einem noch besseren Instinkt. Ich denke, er bereut schon langsam, dass er keinen Blick auf die Geheimakte werfen konnte. Aber geht er nun zum LKA oder hat er den Biss, geht erneut in Gennats Büro und holt sich die Akte zurück? Ich bin gespannt!

    Und es ist so typisch Gereon Rath, dass er zwar Hitler als den größen Brüllaffen ansieht (eine sehr treffende Beschreibung), aber auch kein Problem hat, unter dem überzeugten Nazi Arthur Nebe zu arbeiten; so etwas würde Charly im Traum nicht einfallen. Rath ist einfach zu bequem und versucht, sich mit denen gegebenen Umständen zu arrangieren.

    Dass er zum LKA wechselt, ist für mich ebenfalls eine arge Überraschung gewesen. Auch wenn er sich vom Buddha den ein oder anderen Einlauf abholen musste, hätte ich nie vermutet, dass er ihm freiwillig den Rücken kehrt. Andererseits kann ich Gereon verstehen, dass er nicht nur irgendwelche unwichtigen Fälle bearbeiten möchte... das ist wahrlich Perlen vor die Säue. Zumindest wäre es das unter normalen Umständen gewesen. So aber frage ich mich, ob es eine gute Entscheidung war, ausgerechnet zu Arthur Nebe zu gehen. Dieser Widerling, der seinen Nazis den Weg zur Machtergreifung mit geebnet hat! Nebe, der später die Einsatzgruppe B kommandiert hat und verantwortlich für Massaker an Juden, Deportation und Ermordung von Sinti und Roma, Menschenversuche in Konzentrationslager, usw. war - ausgerechnet zu diesem Massenmörder und Menschenquäler geht Gereon Rath jetzt?:oX(;(

    Charlys Menschenkenntnis funktioniert eben doch immer einen Tick besser als Gereons...


    Die Abschiedsszene hatte - bis zu Manskes Auftauchen - doch etwas tröstliches. Erika Voss ist wie immer toll und dass der ein oder andere ehemalige Kollege auch noch vorbeischaut, zeigt, dass Gereons Bild von sich selbst auch nicht ganz korrekt ist.

    Gennats Schmallippigkeit hat vermutlich eher etwas mit purer Enttäuschung zu tun, oder? Mal sehen, ob wir von ihm noch was hören. Im Grunde schafft der Buddha bis 1939 das, was Gereon sich vermutlich so vorstellt... Allerdings hat sich Gennat so viel Anerkennung erarbeitet, dass selbst die Nationalsozialisten nicht an ihm rühren.

    Die Akten für Böhm hat Rath allerdings nun doch noch nicht besorgt, oder? Aber ich denke, das wird er noch irgendwie nachholen, denn der Unfall wird ihm sicherlich keine Ruhe geben, bei den Ungereimtheiten, die sich hier nun ergeben.

    Es findet zumindest bislang keine Erwähnung. Aber ich denke, dass Gereon spätestens nach Manskes Aussage noch einmal auf Böhm zugehen wird. Und zuvor wahrscheinlich auch die alten Akten entwendet.

    Vermutlich hätte ich mir an Gereons Stelle in die Hose gemacht, andererseits hätte ich mir gewünscht, dass er wenigstens kurz seinen Blick über die Unterlagen streifen lässt...

    Da merke ich bei mir immer, dass ich in einer anderen Zeit lebe, weil jedes Mal denke: Mach doch eine Kopie. Gleich danach: Mann, bis du blöd.

    :totlach:


    Dazu muss man ja auch bedenken, dass Gereon den Umschlag mitten am Tatort öffnet - das heißt im Grunde vor jedermanns Augen. Kein Wunder, dass er den Umschlag dann rasch unter seinem Anzug verschwinden lässt. Mir hätte man meine Panik vermutlich sowas von in mein Gesicht geschrieben gesehen...:o Zum Glück hat Gereon da schon ein wenig Übung.;)

    Was mir sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass Gereons Persönlichkeit wirklich vielschichtig gezeichnet ist.

    Manchmal ist er ein extremer Kotzbrocken und dann ist er wieder ein angenehmer Zeitgenosse. Besonders gefällt mir jedoch natürlich, dass er nicht jeden Blödsinn der Nazis mitgemacht hat, zum Beispiel den deutschen Gruß schlichtweg verweigert.


    Auch hier tut es mir leid, dass ich ihn erst jetzt mit diesem Band kennenlerne. Seine Entwicklung erscheint mir beachtenswert!:)

    Ja und nein. Eigentlich ist sich Gereon ziemlich treu geblieben. Unpolitisch, aber eben auch nicht empfänglich für Nazi-Gedankengut. Ihm ist das Männchenmachen zuwider, weil er diesen Gehorsam und das Genormte irgendwie nicht leiden kann. Das passt zu ihm, da er schon immer etwas... hm... sagen wir unkonventionell agiert.

    Gereon ist manchmal wirklich ein Trottel - vor allem, was das Zwischenmenschliche angeht, aber eigentlich gefällt es mir, dass er seinen Weg geht und durchaus die richtigen Schlüsse zieht. Ich bin mir sicher, dass er wie Charly denken würde, wüsste er 1935 schon, was da noch kommt...


    Übrigens verweigert er den Deutschen Gruß nicht immer komplett. Er erkennt, dass er manchmal nahezu zwingend erforderlich ist. Aber er laviert sich zumindest an der zackig-überzeugten Variante vorbei.;)

    Der Unfall ist wirklich mysteriös und natürlich hab ich mir lange überlegt, welche Ursachen dahinter stecken könnten. Natürlich ist ein Glioblastom eine mögliche Ursache, aber ich zweifle dran. Nicht zuletzt weil es ein Roman ist... und weil mir da eine Verschwörungstheorie interessanter scheint!

    Mir spukt ebenfalls eine Überlegung nach der anderen durch den Kopf. Wie realistisch ist es, dass Otto Lehmann ein Glioblastom hatte, das sich erst in exakt diesem Moment so drastisch bemerkbar gemacht hat? Hm... Ist es denkbar, dass dieser neue ehrgeizige Gerichtsmediziner das Gehirn von einem anderen Toten hatte und dies Gereon nur "präsentiert" hat?

    Ebenso seltsam ist die Tatsache, dass die Uniform in einem Schließfach liegt und nicht im Büro, wenn das doch so nahe liegt.

    Genau! Warum versteckt er eine SS-Uniform in einem Schließfach? In dieser Zeit war man doch gerade stolz, sich in so einem Teil zu zeigen! Warum wollte er Irene Schmeling also in zivil aufsuchen? Nur, weil er ihr einen Antrag machen wollte und die schwarze Uniform unpassend fand? Dann hätte er sie aber nicht einschließen müssen, oder? Und ich bin mir auch sicher, dass ein SS-Mann seine Zugehörigkeit nicht verdecken möchte - zu keinem Zeitpunkt. Es sei denn, er führt etwas im Schilde und will nicht erkannt/zugeordnet werden...

    Berührend fand ich übrigens die Szene, wo Rath Frau Lehmann die Nachricht überbringt, dass ihr Mann verstorben ist. Die Armut ist erdrückend und keine gut gemeinte Floskel kann sie irgendwie trösten. Sie ist recht realistisch in dieser Angelegenheit.


    Und sehr interessant war auch das Badehaus - die strikte Trennung von Männlein und Weiblein war klar, aber ich wußte nicht, dass zwischen Wannenbad oder Dusche preislich ein Unterschied gemacht wurde bzw dass es dieses Angebot gab. Mich interessiert alltägliche Geschichte sehr!

    Gerade was solche Details angeht, bist Du bei Volker genau richtig! Die historischen Details aus dem Alltag und die Schilderungen der Lebensverhältnisse...

    Ich muss gestehen, dass ich mir nie Gedanken über die Hygiene in den damaligen Zeiten gemacht habe. Aber klar, wenn die Leute damals noch Etagentoiletten hatten: wo sollte die Wanne/ der Waschzuber in solch beengten Verhältnissen sein? Da ist man sicherlich - wenn man es sich leisten konnte - ab und an mal ins Badehaus. Toll finde ich, dass man dabei unterscheiden kann, was man alles möchte, zum Beispiel nur Brause oder ohne Handtuch.

    In der Serie "Babylon Berlin" gibt es auch eine Szene, in der Charly gemeinsam mit ihrer Freundin Greta ins Badehaus geht. Die beiden teilen sich eine halbe Stunde - dabei losen sie aus, wer zuerst in die Wanne darf. Die zweite bekommt zwar das dreckige und schon etwas ausgekühlte Wasser, darf dafür aber länger in die Wanne.:)

    Übrigens ist Fritze einer der Personen, die mich dazu anregen, mich immer wieder bei der Lektüre zu fragen, wie ich wohl gedacht und gehandelt hätte. Eine müßige Frage, schon klar - aber stellt Ihr sie Euch auch?

    Ich stelle sie mir nicht nur bei diesem Buch, sondern habe sie mir bei einer ganzen Reihe Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, gestellt. Aber es ist nun mal so, man kann noch so viel darüber nachdenken "was wäre, wenn...", wissen tut man es doch nur in der jeweiligen Situation.

    Ja, zum einen das. Zum anderen sind wir heutzutage nicht mehr "unvoreingenommen" wie die Menschen damals... Obwohl es selbst heute noch genug Menschen gibt, die all die Fakten, Erkenntnisse und Zusammenhänge leugnen.X(


    VolkerKutscher War das eigentlich auch ein Faktor für Dich? Die Entwicklung der einzelnen Charaktere, ihre Indoktrination und Verführbarkeit aufzuzeigen?

    Aber erstmal zu "Eine andere Geschichte": hier war ich kurz irritiert, weil es um den Ort Marlow geht und nicht um Johann Marlow, wie ich bei dem Buchtitel erwartet habe. Oder doch? Ist der Sohn von Friedrich Larsen vielleicht Johann Marlow, der seinen Namen irgendwann von Magnus Larsen in Johann Marlow geändert hat?

    Mir hat dieser Einstieg extrem gut gefallen und ja, ich denke, dass Magnus Larsen zu Marlow wird. Vielleicht hat er den Namen Marlow später gewählt, um sich zu erinnern, woher er kommt? Keine Ahnung, aber ich bin mir sicher, dass es sich um den späteren Gangsterboss handelt.

    Und dann ist da auch seine spätere rechte Hand... Die Verbindung gibt mir im Übrigen das momentan größte Rätsel auf: handelt es sich bei ihm um den Halbbruder oder gar den Sohn von Marlow?:boah: Das würde das extrem enge Verhältnis der beiden erklären und die Tatsache, dass Marlow Kuen-Yao auch gegenüber den SSlern sehr deutlich in Schutz nimmt.

    Allerdings stellt sich mir die Frage, warum der alte Larsen die Mutter mit ins Deutsche Reich genommen hat... Ich denke, da kommt noch einiges auf uns zu.:)

    Irgendwie habe ich den Verdacht, dass Lehmann gezwungen wurde, mit Brunner in den Tod zu fahren, das würde jedenfalls erklären, dass er anfangs so langsam gefahren ist. Klar, das könnten auch die Schmerzen gewesen sein, aber irgendwas stimmt da nicht. Und Böhms Reaktion auf Raths Aussage mit dem Hirnturmor verstärkt mein Gefühl noch.

    Vielleicht wurde dem Droschkenfahrer versprochen, dass man sich dann nach seinem Tod um dessen Familie kümmern würde bzw. wurde ihm gedroht, dass seiner Familie dann nichts geschehen wird, was eher zu den Nazis passen würde.

    Eine sehr gute Idee, odenwaldcollies! Dass Otto Lehmann gezwungen wurde, kam mir noch nicht in den Sinn... In der Tat würde das das langsame Fahren, die Schweissperlen und die Paranoia sehr gut erklären - der Taxifahrer hat Todesangst. Dann denkt er an seine Familie und beschließt, dass er es machen muss, lässt sich nicht mehr davon abbringen und beschleunigt als hätte er Scheuklappen auf.

    Ob er von seiner Erkrankung wusste und deshalb dachte, dass er eh bald sterben muss?

    Als Rath den Briefumschlag aus Brunners Aktentasche in den Händen hält, war mein erster Gedanke auch, hoffentlich öffnet er ihn, um vielleicht durch ihn Licht in die Sache zu bringen. Mit so einem Inhalt hätte ich auch nie gerechnet, kein Wunder, dass es Gereon ganz anders wird. Ob es klug war, dass er den Brief weitergeschickt hat oder nicht, weiß ich nicht - in jedem Fall scheint das schwer vermintes Territorium zu sein.

    Ich werde vor allem das Gefühl nicht los, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem Gereon zu gerne wissen würde, was eigentlich in der Geheimakte stand... Vermutlich hätte ich mir an Gereons Stelle in die Hose gemacht, andererseits hätte ich mir gewünscht, dass er wenigstens kurz seinen Blick über die Unterlagen streifen lässt...;)

    Übrigens zeigt diese Szene ganz deutlich, dass Gereon die neuen Zeiten durchaus einzuschätzen weiß, er ist halt einfach nur deutlich unpolitisch und zudem weniger direkt betroffen als beispielsweise Charly. Diese Mischung sorgt dafür, dass er sich selbst gegenüber noch rechtfertigen kann, für die Polizei zu arbeiten.

    Eigentlich müsste Charly Martha Döring vorwarnen, denn sonst kommt ihr Doppelleben doch noch heraus.

    Das zum einen, zum anderen steht dann auch Böhm Ärger ins Haus. Keine Ahnung, ob Döring vor Gericht eine Chance hat, da es ja auch bloßer Zufall sein kann, dass seine Detektei die Affäre seiner Frau nicht mitbekommen hat. Andererseits ist der Widerling Parteimitglied und Böhm nicht...

    Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie ernst ihm das alles ist bzw. welche Ziele er genau verfolgt. Ob er sich wirklich mit den Nazis gemein macht, um nun als Legaler seinen Geschäften nachgehen zu können? Oder verfolgt er noch andere Ziele?

    Marlow geht es vor allem um Macht und die Sicherung seiner Interessen. Daher gehe ich davon aus, dass er noch immer nich viel für die Nazis übrig hat, für sich aber erkannt hat, dass er von Vorteil sein könnte, wenn er Mitglied in diesem Verein ist...

    Aber nicht nur die Beeinflussung ist gefährlich, er ist bestimmt bei Befragungen noch nicht so gewieft, dass er eventuell Gefahren erkennen kann und die falschen Antworten gibt. Ihm fehlt ja noch Lebenserfahrung, auch wenn das Leben auf der Straße ihm einiges an Vorsicht mitgegeben hat

    Ja, hier zeigt sich das extrem gefährliche einer Diktatur: in jungen Jahren sieht man lange nicht alle Facetten - Fritze findet die Gemeinschaft, die Abenteuerlust und weitere Dinge bei der HJ per se erst einmal sehr spannend. Sind Kinder/Jugendliche erst einmal angefixt und dadurch noch mehr im Dunstkreis der Propaganda, dann wird es nur noch einfacher, sie zu indoktrinieren... Daher ist es nicht sonderlich verwunderlich, wenn Menschen, die zu Kriegsende Anfang bis Mitte 20 und jünger waren, bis an die Nasenspitze voller nationalsozialistischem Gedankengut waren.

    Fritze ist genau im "richtigen" Alter und er begreift eben nicht, dass es Charly gut mit ihm meint. Er denkt, sie will ihn in seiner Freiheit beschränken, im seine Leidenschaft madig machen.


    Übrigens ist Fritze einer der Personen, die mich dazu anregen, mich immer wieder bei der Lektüre zu fragen, wie ich wohl gedacht und gehandelt hätte. Eine müßige Frage, schon klar - aber stellt Ihr sie Euch auch?

    Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Marlow" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!


    Außerdem wäre es sicherlich für Volker als auch seinen Verlag Piper, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.

    Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

    Mechtild Auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank für Deine Begleitung bei unserer Leserunde. Es hat sehr viel Spaß gemacht - trotz des beinharten Inhalts.

    Außerdem habe ich mich sehr gefreut, Dich gestern kurz kennenzulernen. Ich hoffe sehr, dass nicht nur "Grenzgänger" viele Leser*innen findet, sondern auch viele Menschen den Weg zu einer Veranstaltung mit Dir, denn mir hat Deine Lesung sehr gut gefallen.

    Nun wünsche ich Dir erst einmal viel Erfolg mit Deinem Roman und für Dein nächstes Projekt ebenso viel Freude beim Recherchieren und Schreiben! Und - last but not least - hoffe ich natürlich, dass wir uns dann wieder lesen. Bis dahin alles Gute für Dich!

    Henni ist das älteste Kind der Schönings und lebt mit ihren Eltern und den drei jüngeren Geschwistern in Velda, einem Dorf nahe der Stadt Monschau in der Eifel. Der Vater wurde in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs als Bombenentschärfer eingesetzt, was das Leben in den Jahren nach der Kapitulation trotz seiner Rückkehr nicht besser macht. Als Jugendliche muss Henni daher früh mit anpacken und ihrer Mutter helfen, die Familie über Wasser zu halten...

    Aufgrund der Nähe zur belgischen Grenze ergibt sich schon bald eine Gelegenheit, die die gradlinige wie mutige Henni nach einem weiteren heftigen Schicksalsschlag nicht ausschlagen kann: 10 bis 15 kg Kaffeebohnen bringen den Wochenlohn eines Arbeiters ein und so macht sich die Vierzehnjährige gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern auf den beschwerlichen nächtlichen Weg durch das Hohe Venn hinüber zu einem belgischen Bauernhof.

    Als der Schmuggel auch Banden anlockt und durch das anschließende Aufrüsten des Zolls immer gefährlicher wird, geschieht schließlich ein Unglück. Dieses wiegt so schwer, dass Henni ihre Familie nicht mehr zusammenhalten kann...


    Während Mechtild Borrmann immer wieder von den Ereignissen der Nachkriegsjahre erzählt und dabei vor allem Henni im Mittelpunkt steht, gibt es noch weitere Ebenen, die ihren Teil zum Roman beitragen: zum einen ist die Schilderung von Elsa, einer früheren Nachbarin und Hennis bester Freundin, ganz entscheidend, zum anderen die bruchstückhaften Erinnerungen von Thomas, einem Mann, der inzwischen in Lüttich lebt. Die Autorin schafft mit diesen unterschiedlichen Perspektiven eine in sich verwobene Geschichte, die gleichzeitig zeigt, dass Geschehnisse von verschiedenen Menschen völlig unterschiedlich gesehen und bewertet werden können.

    Als Henni in den 70ern in Aachen der Prozess gemacht wird, haben beispielsweise viele Bewohner Veldas ihre ganz eigene Meinung - die häufig das eigene Handeln in der Nachkriegszeit völlig außer Acht lässt.


    Über die Geschichte selbst will ich nicht zu viel verraten - nur, dass sie sehr spannend ist, weil sie die Ereignisse nur nach und nach offenlegt und man lange im Unklaren ist, was zur Anklage gegen die mittlerweile achtunddreißigjährige Henni geführt hat. Allerdings muss ich auch gestehen, dass die Lektüre ganz und gar keine einfache ist, denn die Erlebnisse von Henni und ihren Geschwistern sind mitunter nur schwer zu ertragen. Dennoch finde ich, dass die Heimerziehung der 50er und 60er Jahre diese Aufmerksamkeit dringend benötigt, hat sie doch für reichlich traumatisierte Menschen gesorgt, die noch heute mit dem Erlebten kämpfen und irgendwie fertig werden müssen. Mechtild Borrmann verleiht diesen Menschen mit ihren fiktiven Romanfiguren eine Stimme und - das ist für mich mit der bedeutsamste Aspekt - erzählt mit einer sehr verdichteten, wunderschön literarischen Sprache eine Geschichte, die mich des Öfteren kopfschüttelnd über dem Buch verharren hat lassen.


    Zitat

    Ihr Lachen ist im Gedächtnis geblieben. Ein Lachen, so voll und satt, dass es jeden Raum ausfüllte und das die Lehrerin gleich im ersten Schuljahr schmutzig nannte, weil es immer ein wenig abfällig klang. Aber das war es nicht.

    Jahre später, als das Gehör empfindsam für Nuancen war, konnten die, die sie gut kannten, es heraushören: die Verzweiflung und den gleichzeitigen Lebenshunger. Diese beiden Gewichte in ihr, die sie ihr Leben lang mit der Präzision einer Apothekerwaage austarieren und halten musste.

    Lange hat die Balance gehalten, indem sie jedem Gramm Lebensfreude das doppelte Gewicht zusprach. Zum Schluss hat auch das nicht gereicht.

    (aus dem Prolog)


    Ein beeindruckender Roman, der mich aufgewühlt hat und der noch lange in mir nachhallen wird.


    Volle Punktzahl und eine unbedingte Leseempfehlung!


    Die Links:

    Literaturschock-Forum

    Goodreads

    Amazon

    (weitere folgen nach Freischaltung)

    Ihr Lieben,


    solltet Ihr die Gelegenheit haben, Mechtild bei einer Lesung in Eurer Nähe zu sehen: geht unbedingt hin! Sie liest ganz, ganz toll!<3

    Ich war gestern mit Herrn dubh bei ihrer Lesung und er war hinterher dermaßen beeindruckt, dass er das Buch heute bereits angefangen hat. Und er ist eigentlich nicht so der Leser...


    Und hiermit kann ich noch eine Runde angeben:

    Ein signiertes Schätzchen


    Eine Übersicht Ihrer Lesungen findet Ihr hier.

    Ich bin noch unentschlossen. Ich habe nämlich auch Karten für seine Lesung am Sonntag in München. Und normalerweise lese ich die Bücher ungern vorher, denn wenn er auch vorne anfängt, dann kenne ich den Text ja schon.

    Hoffentlich bist Du aktuell bei der Lesung. Ich könnte Dich nämlich nachträglich noch mehr beruhigen: Volker verrät definitiv nicht zu viel, sondern macht nur sehr neugierig.8)

    Und auch hier, meine Lieben, bin ich genau wie mit der Wahl meines Schauplatzes wieder volles Risiko gegangen! Ja, ich hätte ein künstliches Ende in die Story hineinschreiben können. Also quasi alle Fäden vernähen und dann in Band 2 nochmals neue Maschen aufnehmen, um ein zweites Pulloverle zu stricken. Stattdessen nahm ich mir die künstlerische Freiheit eines "unfertigen Werkstücks" ...


    Denn wie ist es denn im wahren Leben? Da ist alles fließend, es gibt keinen Anfang und kein Ende. Manchmal stehen wir an einem wichtigen Punkt, einem, der Klarheit verschafft, einen Neubeginn oder eine Wende einleitet. Aber kann man wirklich sagen: Damit ist das Vorleben vorbei?

    Bei einem Roman könnte ich mir genau diese Freiheit nehmen, zu sagen: Auf der letzten Seite ist alles vorbei.

    Liebe Petra, ich bin sehr froh, dass Du es so gemacht hast, wie Du es für richtig hältst! Zum einen, weil es Dein Buch ist und Du mit diesem zuallererst zufrieden sein musst. Zum anderen, weil ich es großartig finde, dass ich mich jetzt auf eine Fortsetzung freuen kann!

    Dass ich mich in diesem Zusammenhang über die lange Wartezeit "beschwert" habe, möchte ich als reine Begeisterung verstanden wissen! Natürlich würde ich zu gerne weiterlesen, weil ich mit den Charakteren mitfiebere und einfach unfassbar neugierig bin, wie es weitergeht... Aber Vorfreude ist bekanntermaßen ja die schönste Freude.:)

    Hannes kommt nun doch noch zurück. Aber es scheint mir so, als er ob er zwei Eisen im Feuer hat. Wenn er sich da mal nicht verbrennt... Allerdings kam es mir eher so vor, als ob Mimi der Grund gewesen wäre für ihn, zurückzukehren. Immerhin hat er doch noch erfahren, wohin es Mimi gezogen hat. Aber zeitgleich macht er auch Eveline Hoffnung. Wobei ich mir hier nicht so sicher bin, ob die beabsichtigt war oder nicht. Immerhin lesen wir das aus Evelines Sicht und die kann sicherlich auch einiges anders deuten, als er es eigentlich gemeint hat.

    Hm, ich denke, er hat tatsächlich zwei Dinge im Kopf: Mimi und die Arbeitsbedingungen in Laichingen, die er ofenkundig von früher bestens kennt. Vielleicht wäre er ohne die Auskunft des Zimmerwirts in Ulm weitergezogen? Ich hoffe jedenfalls, dass Mimi ein gewichtiges Argument für seine Rückkehr gewesen ist.

    Dass er Eveline wirklich Hoffnung gemacht hat, glaube ich nicht. Ich denke auch nicht, dass da wirklich etwas zwischen den beiden war. Eher, dass Eve sich das immer erträumt hat, weil sie in der zu diesem Zeitpunkt schon trostlosen Ehe mit Klaus gefangen war. Möglicherweise hat Hannes mit ihr geflirtet, aber mehr kann ich mir im Moment nicht vorstellen.

    Nun ist Hannes derjenige, der für Eveline sämtliche Hoffnung darstellt. Sie projiziert so viel in ihn, dass er dem sowieso niemals gerecht werden könnte, denke ich. Aktuell fürchte ich vor allem, was mit Klaus wird. Schon klar, dass die beiden Eheleute nicht mehr glücklich miteinander sind, aber ich denke, dass es für Eve extrem schwierig(er) wird, wenn Klaus nicht mehr da ist. Wie soll sie sich dann über Wasser halten?

    Das wird auf jeden Fall noch spannend, denn ohne Hannes - da bin ich mir fast sicher - hätte sich zwischen Mimi und Eveline noch eine schöne Freundschaft entwickeln können. So befürchte ich fast, dass Eifersucht und Neid immer zwischen ihnen stehen wird.

    Ja, das fürchte ich auch. Zickereien, vor allem von Eve aus, weil für sie viel mehr auf dem Spiel steht und ihr Leben so viel trostloser ist als es bei Mimi jemals war oder sein könnte.:(

    Alexander hat Chancen an der Kunstschule angenommen zu werden und ich freue mich enorm für ihn. Ich finde es aber wirklich hart, dass alles an seinem Vater scheitern könnte. Hat er denn wirklich eine so große Macht über ihn? Was ist, wenn er einfach fährt? Und wenn er dann angenommen wird, einfach geht? Okay, einfach wird es nicht, aber möglich. Er ist immerhin ein Mann und wird in Stuttgart sicherlich nicht schief angeschaut, wenn er sich ein Zimmer mietet. Wenn er außerdem ein Stipendium hat und vielleicht als Maler noch das ein oder andere nebenbei verdienen kann, dann braucht er auch keine finanzielle Unterstützung mehr und es wird ihm dort sicherlich wesentlich besser gehen als in der Weberei, wo Gehringer ja schon angedeutet hat, ihn finanziell einfach ausnehmen zu wollen.

    Naja, Alexander ist noch ein Junge, daher könnte ich mir schon vorstellen, dass er Schwierigkeiten bekommen könnte, einfach so ein Zimmer zu finden. Und von welchem Geld? Weder er noch Eve haben das nötige Geld alleine für die Zugfahrkarte... Übrigens fand ich da Anton ganz toll - er hat sofort über mögliche Hilfe sinniert, wenn sie auch nicht korrekt gewesen wäre.

    Ein weiterer Faktor könnte auch ein gewisses Verantwortungsbewusstsein sein, denn ich habe durchaus den Eindruck, dass Alexander sich auch um seine Schwestern kümmert. Außerdem kann Eves Sohn sicherlich auch abschätzen, was es für die Familie bedeutet, wenn er nicht zum kargen Einkommen beiträgt. Keine einfache Situation für einen solch jungen Kerl!

    Apropos Gehringer - die letzte Szene von ihm in der Fabrik war wirklich unmöglich. Er ist ein sehr unangenehmer Zeitgenosse und lässt seine Arbeiterinnen noch nicht mal in Ruhe ihre Mittagspause verbringen. Auch schert ihn Arbeitssicherheit einen Dreck - da ist Paul Merkle wirklich nochmal ganz anders! Paul Merkle hat sicherlich auch seine Fehler, aber er sieht in den Angestellten keine Sklaven sondern auch Menschen. Gehringer sollte sich wirklich ein wenig vorsehen, wenn er weiterhin Arbeitskräfte haben will.

    Das Schlimme ist doch aber auch, dass die Arbeiter*innen das alles hinnehmen - weil sie wissen, dass sie keine Chance gegen einen wie Gehringer haben. Sie brauchen die schmale Lohntüte, für die sie so hart buckeln müssen, im Grunde um jeden Preis! Wahnsinn, wenn man sich das überlegt, oder? Wie gut wir es im Vergleich haben - mit vorgeschriebenem Arbeitsschutz und Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen. Auch wenn bei uns natürlich auch nicht alles Gold ist, was glänzt.


    In diesem Zusammenhang frage ich mich noch mehr, warum Klaus dem eigenen Sohn eine Chance auf eine bessere Zukunft partout nicht zugestehen will. Klaus sollte doch am besten wissen, was Alexander bei Gehringer bevorsteht... Aber wahrscheinlich fürchte er das Infragestellen des eigenen Lebensentwurfs.

    Der Schreiner ist also verstorben - ist doch perfekt für unseren Vincent! Da soll er sich in Ulm oder so eine Lehrstelle suchen und kann dann ein paar Jahre später in Laichlingen seinen eigenen Betrieb auf die Beine stellen. Einen Schreiner wird man ja auf jeden Fall brauchen. Aber so leicht werden wohl für keinen der Jungs in nächster Zeit die Zukunftspläne sein, denn immerhin wartet ein großer Krieg auf sie, wo einige sicherlich als Kanonenfutter für herhalten müssen.

    Oh je, oh je, auch das ist ein ganz und gar nicht schöner Ausblick! Aber zuvor ist natürlich auch die Frage, ob Vincents Eltern ebenso verbohrt sind wie Klaus Schubert...

    Puh, da mutest Du uns ja wirklich etwas zu, liebe Petra Durst-Benning !

    Nachdem die letzten Seiten gelesen waren, musste ich erst einmal dringend recherchieren, wann genau der zweite Band der Saga erscheint. Also ich will meinen, dass der Laichinger Winter härter ist, aber bis April wird das nun für mich auch nicht gerade einfach...:o:)


    Das Ende ist ein echter Cliffhanger! Ich weiss gar nicht, was mich brennender interessiert:

    - Ob Alexander die Aufnahmeprüfung in Stuttgart meistert. Und wenn (hoffentlich!) ja, wie er das anstellt!

    - Ob Hannes wegen Mimi nach Laichingen zurückkehrt oder ob er auch anderes im Schilde führt. Ich hoffe durchaus, dass er Mimi im Kopf hatte, aber ich kann mir ebenso gut vorstellen, dass er die Arbeits- und Lebensbedingungen in seinem Heimatdorf verbessern möchte.

    - Ob die zarte Sympathie, die zwischen Eveline und Mimi angeklungen ist, durch Hannes' Ankunft nun rasch vom Tisch ist. Ich könnte mir vorstellen, dass sich Eve verzweifelt an das bisschen Hoffnung klammert...

    - Ob die letzten Sätze von Klaus andeuten, dass er suizidgefährdet ist und Eve schon bald Witwe sein könnte.

    - Ob Amelie ihre Ankündigung ernst meint.

    - Ob Mimi sich - bedingt durch Hannes - nun vorstellen kann, doch viel länger in der Leinenweberstadt zu bleiben.


    Und das sind nur die drängendsten Fragen!8o

    Ich finde Anton komisch. Auf der einen Seite so freundlich, aufgeschlossen und dann wieder so berechnend und manipulativ. Ich weiß nicht....

    So habe ich es noch nicht gesehen. Vielleicht ist es nur seine verzweifelte Art so sein Leben einen anderen Sinn zu geben. Er möchte so viel und sieht doch keinen Ausweg, da kann man schon mal berechnend und manipulativ werden:)

    Ja, so sehe ich das auch: Anton versucht mit den geringen Mitteln, die er zur Verfügung hat, den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Einmal wahrgenommen werden - mit all seinen Träumen, das wäre für ihn schon schön und dennoch interessieren sich weder seine Eltern noch Christel wirklich für ihn. Seine Menschenkenntnis funktioniert sehr gut, als er auf Mimi aufmerksam wird...

    Jedenfalls flunkert er hie und da mal, aber etwas Schlimmes oder Schlechtes fabriziert er dabei in meinen Augen nicht.

    Wahnsinn, oder? Ein Spaziergang wurde schon als völlig unnötiger Müßiggang gewertet! Wenn man mal bedenkt, wie schwer die Menschen damals geschuftet haben und sich dann nicht einmal ein klein wenig Entspannung gegönnt haben... eigentlich ist es mir ein Rätsel, dass die Leute dennoch schon recht alt wurden.

    Naja, das hängt halt auch mit der schwäbischen Mentalität zusammen

    Ja, ich weiß. Meine Großeltern waren auch so ein Kaliber. Auch meine Mutter meint heute noch, dass sie erst die Beine hochlegen darf, wenn sie wirklich alles erledigt hat. Trotz Schmerzen und der Tatsache, dass man nicht jeden Tag alles putzen muss.:o

    Der Arzt ist zurück und Mimi muss endlich den Tatsachen ins Gesicht sehen. Ihrem Onkel ist nicht mehr zu helfen, sie kann nur noch für ihn da sein.

    Also tatsächlich Tuberkulose. Dazu noch in einem weit fortgeschrittenen Stadium, so dass der Arzt sogar relativ überrascht ist, Josef Stöckle noch am Leben zu wissen. Oh je, oh je.

    Ich hoffe sehr, dass Mimis Onkel nicht allzu sehr leiden muss, sondern einfach friedlich einschlafen kann. Zumal er mit der Situation nun doch sehr zufrieden scheint, nicht wahr? So muss er wahrscheinlich doch nicht alleine sterben.

    Am Tag der Konfirmation läuft Mimis Ausstellung mit den Bildern eigentlich gut, bis dann Gehringer auftaucht und dumme Kommentare abgibt. Schon kippt die ganze Stimmung und keiner traut sich mehr, zu sagen, dass die Bilder schön sind und das wirkt sogar über diesen Tag hinaus.

    Gehringer ist ein wirklich widerlicher Kerl! Er fühlt sich als König von Laichingen - nicht nur, weil ihn die Dorfbewohner so devot behandeln, sondern weil er sich auch selbst für den Größten hält. Sicher, er schafft Arbeitsplätze, aber seinen Gewinn macht er auch auf dem Rücken seiner Arbeiter*innen... Und Luise rechtfertigt die erbärmlichen Löhne der Weber auch noch mit den Kosten für den Flachs, der aus dem Ausland beschafft werden muss! Ein ewiger Kreislauf aus Profit, Gewinnmaximierung und denjenigen, die ganz unten auf der Treppe stehen...

    Dass der Gehringer aber niemandem anderen ein klein wenig Erfolg gönnt, zeugt von seinem schlechten Charakter. Er macht sich nicht nur über die Konkurrenz wie Morlock lustig, sondern auch noch über Mimi Reventlow, die ihm nicht einmal irgendetwas streitig machen könnte. Er nutzt dabei auch noch so scheinheilige Argumente wie christliche Werte - wo sind die denn, wenn es um die unbezahlten Überstunden seiner Arbeiter*innen angeht? All das nur aus Rache, weil Mimi es gewagt hat, ihn in Helenes Laden an seine Kinderstube zu appellieren. Und weil sie sein "Geschäft" mit Josef vereitelt hat... Was für ein blöder Kerl, dieser Gehringer! Wahrscheinlich wird er immer auf der Gewinnerstraße bleiben, dennoch würde ich ihm mal einen ordentlichen Schuss vor den Bug gönnen.

    Gehringer versucht noch einmal an das Atelier zu kommen, doch da kommt er Mimi gerade recht. Ihr wird nun klar, was sie zu tun hat. Aber sie weiß auch, dass sie ihre hausfraulichen Fähigkeiten schulen muss. Es ist aber schön, dass sie ihre Schwächen erkennt und offensiv damit umgeht.

    Da bin ich gespalten. Ich hätte es toll gefunden, wenn eine Frau wie Mimi solche Fähigkeiten gar nicht erlernen muss - wenn sie es nicht selbst wünscht. Nun aber zwingen sie die Umstände und die Liebe zu ihrem Onkel. Ein besserer Grund als eine nicht hundertprozentig gewollte Ehe, schon klar, aber eine Lösung, die allen ihre Freiheiten gelassen hätte, würde mir doch deutlich besser gefallen. Ist aber utopisch, ich weiß!

    Die Szenen mit Luise fand ich jedenfalls gelungen - diese Mimik der Nachbarin, irgendwo zwischen Schmunzeln und blankem Erstaunen!:totlach:

    Luise hat so lange gespart, um sich Wäsche zu kaufen, die sie nie nutzen wird. Schon verrückt.

    Völlig bekloppt. Ist vermutlich so ein Statusding, oder? Heutzutage leisten sich manche Menschen eben ein dickes Auto, das vor der Tür steht und auch etwas aussagt... Die gute Wäsche, die einfach nur im Schrank liegt, scheint da fast noch sinnloser.

    Beim Maienfest stellt sich heraus, dass außer Alexander auch andere Jungen besondere Begabungen haben, aber sich nicht trauen, vom vorgegebenen Weg abzuweichen. Doch Gedanken machen sie sich schon.

    Und ich hoffe so sehr, dass der ein oder andere noch die Gelegenheit hat, aus seinem Talent einen Beruf zu machen! Die Jungs sind toll und ich würde es jedem von ihnen gönnen, nicht nur das eigene Können bestätigt zu sehen, sondern auch aus den alten Traditionen auszubrechen, wenn sie es wollen.

    Hannes hat Laichingen auch den Rücken gekehrt, vielleicht wagt noch jemand diesen Schritt und schafft sich so eine andere Möglichkeit?

    Anton erhält endlich einmal Anerkennung von seiner Mutter, dafür verscherzt er es sich aber mit Christel. Deren Stimmungen schlagen immer wieder schnell um.

    Christel ist eine Pflaume, sorry. Ich denke, dass sie super oberflächlich ist und eigentlich den lieben langen Tag nur hören möchte, was für ein entzückendes Wesen sie ist. Aber ich lasse mich selbstverständlich sehr gerne vom Gegenteil überzeugen!;)