Beiträge von Saltanah

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    Also war es doch Maschke - der war mir alten Krimileserin ja eigentlich zu verdächtig ;) . Aber eine gute Lösung ist es trotzdem. Erstens geht die Realität ja nicht unbedingt krimikonform, sind die Täter oft genug die von Anfang an Hauptverdächtigen und zweitens hat Cay uns eine - finde ich - glaubwürdige Lösung geboten.


    Allerdings dachte ich, als sich gut 30 Seiten vor dem Schluss immer noch keine Lösung abzeichnete, dass Cay den Fall wie in der Realität unaufgelöst lassen würde. Zwar hatte ich das Nachwort schon vorher gelesen und wusste eigentlich, dass im Buch der Täter identifiziert werden würde, fing aber an zu zweifeln und vemutete so halb, ich hätte das Nachwort falsch aufgefasst/erinnert. Und nun bin ich am Überlegen, ob mir das Buch ohne Lösung vielleicht noch besser gefallen hätte. Natürlich wäre das ein eklatanter Verstoß gegen die Krimi"gesetze", da aber dieses Buch sowieso nicht unbedingt ein typischer Krimi ist, könnte ich mir ein solches offenes Ende durchaus vorstellen.


    S. 323, letzter Satz:
    Oh-oh, Cay, was hast du da nur angestellt? Du schrappst da haarscharf an einem meiner meist-gehassten Handlungselemente vorbei, die meinen Blutdruck immer in die Höhe treiben. Dem "Von-den-Toten-Wiederauferstandenen" oder auch "Von-Rechts-wegen-Toten" (damit meine ich Protagonisten, die sich in einer unüberlebbaren Situation befanden, deren Leiche aber nicht gesehen wurde), also Personen, die ich als Leserin aus offensichtlichem Grund für nicht mehr fähig halte, in die Handlung einzigreifen und die dann unter dramatischsten Umständen doch wieder auftauchen. Tot ist tot, finde ich.
    Nun wurde Maschke natürlich nie für tot gehalten, sondern es wurde nur vermutet, er habe Hamburg für immer verlassen. Er "durfte" also wieder auftreten. Trotzdem habe ich mich etwas über diese Szene geärgert. Allerdings muss ich lobend anmerken, dass ich total zusammengezuckt bin. Der Schockeffekt, den Cay wohl erreichen wollte, war gelungen. Gut gemacht also, aber solche dramatischen Szenen sind einfach nicht mein Geschmack.


    Dass Stave überlebt, war in diesem Zusammenhang selbstverständlich, dass Maschke stirbt, eigentlich auch, um ein zufriedenstellendes "Der Mörder hat seine gerechte Strafe bekommen"-Ende zu erreichen. Denn die Beweislage ist ja so dolle nicht, ob sie für eine Verurteilung gereicht hätte, halte ich für zweifelhaft. So ist er nicht nur tot, sondern hat davor, um die letzten Zweifel aus dem Weg zu räumen, sogar noch gestanden. Für mich ist das Ende ein wenig zu rund; meinetwegen hätte Maschke gerne für immer verschwunden bleiben können. Aber auch das ist natürlich Geschmackssache.


    "Dank" dieser häuslichen Gewalt schlägt sich selbst Stave offen auf Ernas Seite, aber wohl wahr: der Ehemann Ernas hat auch mein Mitgefühl. Er verliert nun alles, sogar sein Kind, das Mac Donald mit nach England nehmen möchte.


    Dass Ernas Ehemann nun auch noch brutal wird, ist aus der Situation heraus verständlich, bietet aber Erna und MacDonald einen "sauberen" Ausweg. So wird eben ein brutaler Schläger auch noch des Letzten beraubt, was er hatte, nicht ein psychisches Wrack, das er ja eben auch ist. Das bietet eine einfache Lösung aus einer verfahrenen Situation, in der man sich, wie man sich auch entscheidet, schuldig macht. Andererseits ist die Erna-Geschichte nur eine Nebenhandlung, und ich bin froh, dass sie hier nicht weiter ausgewalzt wurde. Dass Cay hier seinen Lesern viel Arbeit übrig lässt, die sich die Geschichte des zurückkehrenden Ehemannes selbst ausmalen müssen, finde ich gut. Gerade dass im Buch trotz aller Details vieles doch nur angedeutet wurde, statt es auf weiteren 500 Seiten in allen Einzelheiten zu schildern (wie es in historischen Romanen allzu gerne geschieht) gefällt mir.


    Insgesamt hat mir der Krimi aber trotzdem richtig gut gefallen. Den nächsten Band werde ich sicher auch lesen.


    Am Ende noch eine persönliche Frage an Cay: hat die Anouk aus dem Buch ihren Namen nach der Anouk aus der Widmung (diene Tochter, nehme ich an) erhalten?

    :winken:


    Setzt mich bitte auf die Liste der unsicheren Teilnehmer. Das Buch habe ich gestern aus der Bib geholt und dabei festgestellt, dass es dicker ist als ich erwartet hatte. Ich muss noch mal in mich gehen und überlegen, ob ich es wirklich jetzt lesen will.

    Ach je - die Akten sind verschwunden. Musste das wirklich sein? Damit wird tatsächlich ein starker Verdacht auf einen bei der Kripo Beschäftigten gelenkt. Auch mir kam gleich der Gedanke, dass da jemand an Annas Adresse Interesse hat, um eine mögliche Zeugin aus dem Weg zu räumen. Maschke steht da natürlich an erster Stelle. Seine möglichen Beweggründe habe ich ja schon im vorigen Beitrag beschrieben. Als Mörder von allen sehe ich ihn nicht wirklich. Dazu ist er einfach zu unsympathisch und es sind auch noch zu viele Seiten im Buch übrig -> so früh wird der wahre Mörder nicht verdächtigt. ;)


    Es könnte aber auch jemand anderes die Akten geklaut haben, MacDonald z. B. oder ein anderer Polizist. Am liebsten wäre mir die neue Putzfrau im Haus, die noch nicht gelernt hat, dass sie Schreibtische nicht anrühren darf. Sie hat schlicht und einfach aufgeräumt. ;D


    Jedenfalls wundert es mich, dass Stave nicht auf den Gedanken kommt, Anna könne sich in Gefahr befinden. Hat er vielleicht nicht genug Krimis gelesen?



    Dass Ernas Mann ausgerechnet jetzt zurückkehren musste, als sie gerade einen neuen Liebsten gefunden hat, ist für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen. Sicher ist das damals oft genug vorgekommen, aber musste sie unbedingt auch noch schwanger sein? ::)
    Nun ja, mir kam da gleich der Gedanke an Borcherts Drama "Draußen vor der Tür", das Stave dann abends als Hörspiel im Radio hört.


    Falschenhals: Zu "Bottleneck" habe ich gegoogelt und bin auf den mir bisher völlig unbekannten Freistaat Flaschenhals gestoßen. Was der (oder ob der was) mit dem Verschwinden des Mannes zu tun hat, steht natürlich in den Sternen, bzw. auf den letzten Seiten des Buches. Theorien könnte ich genug aufstellen, erspare das aber mir und euch.


    Wieso wurde Maschke eigentlich zu dem Besuch im Kinderheim mitgenommen? Hatte der nichts besseres zu tun, z. B. weitere Ärzten befragen? Apropos Ärzte - hat wirklich keiner von ihnen einen der Toten operiert? Sollte Maschke der Täter sein, wäre es ihm ja ein leichtes, die Aussage eines von ihm befragten verschwinden zu lassen. Er war es ja, der die Ärzte befragte, und wenn ich mich recht entsinne von sich aus die Arbeit auf sich nahm.


    Und noch eine sprachliche Frage an Cay: "Öffnungen für Ohrgehänge" (S. 204). Steht das so im Obduktionsbericht? Mir kommt die Ausdrucksweise sehr ungewöhnlich vor, was aber auch dem zeitlichen oder geographischen Abstand zu tun haben kann. "Löcher für Ohrringe" würde ich es nennen.


    Jedenfalls bin ich gespannt auf die Auflösung und ziehe mich daher gleich mit Buch auf's Sofa zurück.

    Mit der modifizierten Aussage von Anna von Wie-auch-immer (ich kann mir den Namen einfach nicht behalten) ist meine Überlegung, der Mörder würde seine Leichen am Wochenende "auslegen" (jedes Wochenende eine) hinfällig. Da auch die letzte Leiche "um den 20. rum" ermordet wurde, stellt sich mir dringender denn je die Frage, ob die Ermordeten was miteinander zu tun haben. Dafür spricht das Medaillon, das zwei von ihnen tragen. Es könnte sich bei ihnen um eine Gruppe (nicht unbedingt Verwandte) handeln, die erst kürzlich nach Hamburg gekommen - daher kennt sie niemand - und dann leider gleich dem Mörder in die Hände gefallen ist. Oder sind sie etwa nach Hamburg gekommen, mit dem Ziel, den Mörder aufzusuchen? Hat er sie vielleicht - wie auch immer - "eingeladen", sie aufgefordert, zu ihm zu kommen, denn hier bei ihm könnten sie eine Unterkunft finden?


    Da fiele mir dann der verschwundene Mann-dessen-Namen-ich-auch-vergessen-habe, ein. Der muss (wenn die "Gesetze" eines typischen Krimis eingehalten werden) ja etwas mit dem Fall zu tun haben. Er hätte in seinem großen Haus ja genug Platz, um weitere Leute dort unterzubringen. Das wissen diese, schenken ihm und seiner Einladung daher Glauben und reisen an. Aber er veschwand ja schon eine Woche vorher? Vielleicht bereitete er währenddessen einen Platz vor, an den er die zu Ermordenden bringen und sie dort umbringen konnte. Stellt sich die Frage, wieso er die Leichen dort nicht einfach zurückließ. Vielleicht wollte er dort ja weiterhin bleiben (die Frage, wieso er nicht zu seiner Frau zurückkehrt, lasse ich mal außen vor) und versteckte die Leichen daher an wenig frequentierten Stellen. Dabei ist natürlich verwunderlich, dass eine der Leichen (der alte Mann) so weit von den anderen entfernt liegt. Kann es sein, dass er anderswo ermordet wurde? Eine Leiche quer durch die halbe Stadt zu transportieren, ist ja ein wenig riskant.


    Das bringt mich auf den Gedanken, dass der alte Mann nichts mit den anderen 3 zu tun hätte (nur ist da wieder das blöde Medaillon). Oder es war so (meine Phantasie läuft gerade auf Hochtouren ;) ): Er hat wirklich nichts mit den 3 anderen zu tun. Sein Mörder ist ein anderen, nämlich Maschke. Der Mann traf ihn zufällig auf der Straße und begrüßte ihn mit einem herzlichen "Hallo, Herr Herthge! Sie leben jetzt auch in Hamburg?" Verdammt, der hat mich erkannt, denkt sich Maschke, der seine unschöne SS-Vergangenheit hinter sich lassen wollte und daher den Namen eines gefallenen Soldaten (oder eines von ihm umgebrachten) angenommen hatte. Er bringt den Mann also um.
    Ungefähr gleichzeitig wird er zufällig zu den Ermittlungen im anderen Fall zugezogen. Als das Kind gefunden wird, kommt ihm die Idee, er könne seinen eigenen Toten auch dem Serienmörder in die Schuhe schieben, klaut das Medaillon des Kindes und versteckt es bei der Leiche des alten Mannes.
    >:( Das hatte ich mir so schön ausgedacht, und dann fiel mir ein, dass der Mann ja vor dem Kind gefunden worden war. Dann eben umgekehrt: Maschke lässt das vorher geklaute Medaillon am Leichenfundort des Kindes fallen. (Oder er hatte eben mehrere von der Sorte. Das eine hatte ihm der Mann während des Kampfes unbemerkt abgerissen und um eine falsche Spur zu legen, lässt er ein zweites neben der Kindesleiche fallen.)


    So, jetzt höre ich lieber auf, bevor ich erst richtig ins Phantasieren komme. Mehr zu dem Leseabschitt im nächsten Beitrag.


    Maschke war mir schon am Anfang leicht unsympathisch - die Antipathie hat sich ja jetzt bestätigt ... er ist ein Widerling. Das Zusammenschlagen des jungen Mannes nach Gestapo-Art, nur um ein Geständnis zu erpressen fand ich schon verdammt hart.


    Stimmt, echt übel, sein Verhalten. Allerdings ist Staves Verhalten ja auch nicht immer perfekt. Den Vorwurf der Polizeibrutalität kann man ihm auch machen:

    Zitat von S. 111

    Stave, noch immer mit Blutgeschmack im Mund, springt mit den Knien voran auf den Brustkasten des Liegenden.

    Das mag ein nachvollziehbares Verhalten nach dem Schlag ins Gesicht, den er bekommen hatte, sein, aber akzeptabel ist es trotzdem nicht. Damit hätte er den Mann mit ein bisschen Pech auch umbringen können.


    Apropos Maschke: Dauerte die Polizeischule wirklich nur ein Jahr? Er war doch bis Kriegsende Soldat und hat die Polizeischule schon 1946 abgeschlossen? Hm, sehr umfassend kann die Ausbildung da nicht gewesen sein.


    Zur Tätersuche: Aufgefallen ist mir, dass er die Leichen immer am Wochenende oder kurz danach gefunden werden. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob sie erst am Wochenende "ausgelegt" wurden (es wird ja offensichtlich davon ausgegangen, dass sie gleichzeitig ermordet wurden), oder ob sie nur zufällig Montagmorgen, Samstagabend bzw. Sonntagnachmittag gefunden wurden. Wenn das kein Zufall war, erwarte ich die nächste Leiche in ca. einer Woche.


    Zum Foto (das tatsächlich schwarzweiß ist): Das Polizeibild ist schon ziemlich gruselig, auch wenn es, außer den Würgemalen, keine äußeren Verletzungen gibt. Selbst ein Laie erkennt auf den ersten Blick, dass es sich hier um eine Tote handelt.


    Okay, dann verstehe ich die Reaktion besser. Ich hatte mir ein harmloseres Foto vorgestellt.


    Jetzt habe ich auch meinen Zettel mit den Notizen zum Buch wiedergefunden. Zwei Sachen hatte ich mir zum Kapitel "Gefrorener Boden" noch aufgeschrieben:


    Laut Obduktionsbericht lag der "Todeszeitpunkt wohl zwischen dem 18. und 20. Januar, eher am Ende dieser Spanne. Also für uns der 20. Januar als Hypothese" (sagt Stave auf S. 57, bei dem ich nebenbei bemerkt 50 Seiten brauchte, um nicht mehr Steve, also englisch "Stiiw" zu lesen ;D ). Aber die Leiche wurde doch am 20. frühmorgens gefunden, also fällt der 20. als möglicher Todestag weitgehend weg. Nur in den ersten Nachtstunden des 20. hätte der Mord geschehen können, was ja wichtig wird, wenn es später um Alibis gehen sollte.


    Später heißt es dann (S. 59): "Britische Soldaten sind nämlich zur Zeit die einzigen, die Hamburg problemlos verlassen können." Nun ja, so ganz problemlos nun doch nicht. Sollte der Mörder tatsächlich britischer Soldat sein, würde er ganz schnell als Deserteur gejagt werden, falls er einfach so abhaut. Solange er nicht zufällig gerade jetzt Heimaturlaub bekommt, aus der Armee entlassen wird oder woanders stationiert wird, steckt er in Hamburg fest. Seine Bewegungsfreiheit ist ebenfalls eingeschränkt.

    So, gelesen hatte ich diesen ersten Abschnitt schon am Freitag, aber erst jetzt komme ich endlich zum Kommentieren. Blöde Arbeit!


    Auch mir hat die Atmosphäre des zerbombte Hamburg gut gefallen. Kaum vorstellbar, dass diese Stadt mal so aussah und noch unvorstellbarer, dass dort Leute (über-)leben konnten. Ich "kenne" Städte, die in Schutt und Asche liegen zwar von Fotos, Filmen und aus Erzählungen (und natürlich aus Büchern), möchte aber gerne noch mehr über die damaligen Lebensbedingungen erfahren. Mit diesem Wunsch bin ich hier offenbar an der richtigen Adresse. Stadt und Bewohner werden lebendig und und wir erfahren jede Menge Details über die Zustände dort.


    Ich möchte jetzt nicht alles wiederholen, was ihr schon geschrieben habt. Daher möchte ich nur eine Sache erwähnen, über die ich mich gewundert hatte, nämlich, dass von Anfang an um die tote Frau so ein "Brimborium" gemacht wird. Ich meine, was ist schon eine Tote verglichen mit den Millionen, die in den letzten paar Jahren ums Leben gekommen sind? Der Krieg ist gerade erst zu Ende, und Hamburg hat seinen guten Teil davon abbekommen. Wieviele Tausend Hamburger sind allein bei den Bombenangriffen gestorben? Müssten sich alle, die von der Ermordeten überhaupt erfahren nicht eigentlich desinteressiert abwenden und sich wieder dem Kampf ums Überleben widmen?
    So meine ersten Überlegungen.


    Aber: Eigentlich ist es ein Zeichen der trotz allem allmählich wieder einkehrenden Normalität. Die britischen Besatzer sind daran interessiert, in Hamburg ein funktionierendes Gemeinwesen wieder aufzubauen und die Hamburger selbst wollen ebenfalls wieder in geordneten Zusammenhängen zu leben. Dazu gehört eben auch, dass man - egal wieviele Menschen in den letzten Jahren gewaltsam ums Leben gekommen sind - niemanden ungeahndet ermorden darf! Das Leben jedes einzelnen Menschen ist (jetzt wieder) wichtig!
    (Bäh - ich schaffe es nicht, meine Gedanken so klar auszudrücken, wie ich es gerne möchte. Ich hoffe, ihr könnt trotzdem nachvollziehen, was ich meine.)


    Ein weiterer Punkt, über den ich mich gewundert hatte, ist die sofortige entsetzte Reaktion der jüngeren Prostituierten auf das Foto. Sie hat ja direkt gesehen, dass die Frau tot war und noch dazu keines natürlichen Todes gestorben war.. Ich hatte mir den Gesichtsausdruck der Leiche eigentlich ziemlich friedsam vorgestellt und die Würgemale am Hals wurden ja als eher unauffällig beschrieben. Kann man auf einem (nehme ich an) Schwarzweißfoto wirklich auf den ersten Blick sehen, dass die abgebildete Person tot ist?
    Möglicherweise schon - ich kann das Mangels eigener Anschauung nicht wirklich beurteilen.




    Zu dem Kriminalfall kann ich bis jetzt noch nichts sagen, geschweige denn, Vermutungen anstellen,


    Ich habe meinen ersten Verdächtigen schon auf Seite 11 getroffen. Beim ersten Auftauchen von Hauptpolizist Heinrich Ruge (der Stave abholt), dachte ich gleich: "Das ist er!" Der Mörder nämlich. Dann begann ich zu Grübeln, wieso ich auf den Gedanken kam. Schließlich wurde mir klar, dass da an meinem vorletzten gelesenen Krimi liegt, in dem eine Person ganz am Anfang sonderbar nervös agierte, was ich aber schnell wieder vergaß und entsprechend überrascht war, als ausgerechnet diese Person schuldig war. Nervös führt sich auch Ruge auf; vielleicht steckt ja mehr dahinter als Stave vermutet. Allerdings - das gebe ich gerne zu - ist das eine sehr unqualifizierte Vermutung, da ich aber bei Krimis immer gerne frühe Tipps abgebe (meistens falsche ;) ), erwähne ich das hier.



    Ja - direkt auf dem Cover


    Und im Nachwort, das ich natürlich (für mich natürlich, das tue ich immer ;) ) als erstes gelesen habe.



    Insgesamt bin ich also bisher recht angetan vom Buch und wäre es noch mehr, wenn da nicht ein Wehmutstropfen wäre, die Wahl der Erzählzeit nämlich. Ich kann mich mit dem Präsens als Erzählzeit einfach nicht anfreunden und es spricht für's Buch, dass ich sie zumindest zeitweilig vergessen kann. Aber dann werde ich von einem Verb in der (für mich) falschen Zeitform wieder aus dem Lesefluss herausgerissen. Schade. Da der Autor hier zur Stelle ist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um ihn zu fragen: Wieso hast du das Präsens gewählt, Cay?



    Und nun auf zum nächsten Leseabschnitt!


    Falls der Termin das größte Problem sein sollte, ist Dirk sicher einverstanden, dass wir nach hinten schieben (besser als wenn die Leserunde sonst gar nicht zustande kommen würde) :winken:


    Im Bibliothekskatalog wird nun "Voraussichtliche Lieferung 16. Januar" angegeben. Ob es dann auch gleich zur Ausleihe bereit ist, weiß ich nicht. Reserviert habe ich es mir jedenfalls schon mal.

    Hm - die Diskussion zu Dirk Bernemanns Erstling (der kotzenden Unschuld) war ja sehr interessant. Ich habe sie mangels Buch leider nur passiv verfolgen können, aber damals gedacht, auch mal was von ihm zu lesen. Aber da ich bei den letzten Leserunden kläglich versagt habe, weiß ich nicht recht, ob ich mich wirklich anmelden soll.


    Ich sag mal so: Bitte mit einem riesigen Fragezeichen, je nachdem, ob die Ausleihe klappt. Die Bib will das Buch anschaffen, was aber oft sehr lange dauert, und ich glaube nicht, dass die bevorstehende Weihnachtszeit dies direkt verkürzt. Falls es aber rechtzeitig eintrudelt und mir niemand anders es vor der Nase wegschnappt, dann lese ich mit.


    Außerdem konnte er eine noch ungenannte Nebenfigur des Romans überreden, sich hier ebenfalls für die Leserunde anzumelden und Fragen zu beantworten.


    ;D Das klingt ja hochinteressant. Dazu noch der schöne Titel und ein tolles Cover - ich bin versucht, mich hier anzumelden. Aber ich und deutsche Fantasy... Wir finden einfach nicht zueinander. Obwohl ich die Hoffnung nicht ganz aufgeben möchte, dass vielleicht dieses Buch...
    Gibt es irgendwo eine Leseprobe, damit ich mir einen Eindruck von dem Stil machen kann?


    die von mir erwähnte Reportage über einen "Lavagänger" habe ich schon seit längerem vergeblich versucht ausfindig zu machen. Sie muß irgenwann 2003 auf arte gelaufen sein. An einen Titel erinnere ich mich leider auch nicht mehr, da ich sie nicht von Anfang an gesehen habe.


    Schade. Ich hätte sp gerne mehr darüber erfahren.



    Die zweite Sache, auf die ich eingehen möchte, ist das Jahr in dem Hans Kaspar emigrierte: wenn da irgendwo 1944 stehen sollte, muß das ein Fehler sein. Er wird 1940 verschwinden. Damit ist m.E. unwahrscheinlich, daß er mit 42 und als (kriegswichtiger) Stellwerksarbeiter zu der Zeit einen Einberufungsbefehl bekommen hätte.


    Es steht nirgendwo 1944, aber es heißt auf S. 26

    Zitat

    dass der Großvater kurz nach den vierzehnten Geburtstag nicht nur das Land sondern gleich auch den Kontinent verlassen hatte.


    Da Rosa laut Stammbaum 1930 geboren ist, müsste er also 1944 verschwunden sein.

    Hallo allerseits,


    ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, also beginne ich einfach mit meinem ersten Eindruck: Ich bin begeistert! Zu meiner eigenen großen Überraschung, denn der Klappentext bot schon gleich zu Anfang mehrere rote Tücher für mich:
    Henri Helder ::) - bei Protagonisten mit alliterativen Namen unterstelle ich dem Autor sofort, er wolle mit dem "besonderen" Namen Leser anlocken und über Schwächen des Buches hinwegtäuschen. Dass dieser stabgereimte Held dann auch noch einer Eisenbahnerdynastie entspringt, machte die Sache noch schlimmer (für mich). Ich assoziierte Obere Zehntausend, die Reichen, Schönen, Klugen mit jeder Menge Sex Appeal, vermutlich noch gar in Amiland angesiedelt. Alles Sachen, über die ich nicht lesen mag und entschied schnell, dafür kein Geld auszugeben. Weil aber Titel und Cover mich doch reizten, wollte ich andere dafür blechen lassen und machte der hiesigen Stadtbücherei einen Einkaufsvorschlag, zum Glück erfolgreich.


    Die Eisenbahnerdynastie, so stellte ich schnell fest, lebt nämlich nicht in den USA, sondern in Cottbus und gehört auch nicht zu den Besitzern der Bahn, sondern ist ganz banal bei ihr angestellt. Ich lese viel lieber über ostdeutsche Fahrkartenverkäufer als über amerikanische Millionäre. Und der Name? An dem ist nicht der Autor schuld - den haben Henris Eltern verbrochen. ;)


    Der Einstieg über das Nachspiel hatte mich dann gleich für das Buch gewonnen. Wie kann eine ganze Gesellschaft wegen eines Paars Schuhe die Fassung verlieren? Sehr interessante Frage, die zum Weiterlesen zwingt.
    Helder selbst gefällt mir als Person. Er ist so wunderbar normal, unheldenhaft, unspektakulär. Arbeitet (noch?), lebt in einer ruhigen, aber nicht sehr gelungenen Beziehung*, hat seine Jugend hinter sich und könnte eigentlich auch die nächsten Jahrzehnte wie die meisten Menschen auch so dahindümpeln, wenn die Schuhe nicht wären.
    *Toll, wie in einem einzigen Absatz mit dem Brief des Anwalts deutlich gemacht wird, wie es um die Ehe steht. Da braucht nicht ausführlich erzählt werden, dass die beiden sich auseinandergelebt haben - es reicht, dass Helder bei dem Anblick des Briefes erwartet, es handele sich um einen Scheidungsbrief.
    Helders Gedanken zum Beispiel zum Wählscheibentelefon gefallen mir sehr gut. Ich erkenne mich darin wieder ;D . Ein Telefon soll nicht piepsen oder gar Melodien dudeln, sondern "richtig", also durchdringend klingeln und einen Hörer auf die Gabel knallen zu können ist tatsächlich viel befriedigender als auf ein Minitästchen zu drücken. Ich sehe, Helder ist tatsächlich meine Generation.


    Mir gefällt es, wenn ich Informationen indirekt und peu à peu bekomme und sie selbst zusammenpuzzeln muss. Dabei hilft hier der Stammbaum hinten im Buch, auf den ich auf der Suche nach einem Personenverzeichnis, Glossar oder anderen Extras gestoßen war. Auch mir sind die Berufsbezeichnungen, die eher selten in Stammbäumen auftauchen, positiv aufgefallen. Sie (allen voran natürlich der König) reizen meine Phantasie. Aufgefallen ist mir auch gleich ein Widerspruch zwischen dem Stammbaum und den im Buch bisher genannten Verwandtschaftsverhältnissen. Ich bin gespannt, wann und wie das aufgelöst wird. Erst vermutete ich ja einen Fehldruck im Stammbaum, denke jetzt aber, dass der doch stimmt und demnächst ein Familiengeheimnis aufgedeckt werden wird.


    Ebenfalls fiel mir beim Studium des Stammbaumes auf, dass es sich nicht lohnt, nach dem ganz am Anfang zitierten Buch und seinem Autoren zu googeln. "Hans K. Brügg", aus dessen "Von der Kunst des Lavagehens" zitiert wird, ist natürlich der Großvater mit den Schuhen. Was dessen Leben angeht, frage ich mich gerade, wie er 1944, also mitten im Krieg, Europa verlassen konnte. War er nicht Soldat? Gut, vielleicht war er mit seinen da immerhin schon 46 Jahren nicht eingezogen worden oder war in seinem Beruf unabkömmlich, aber wie hat er es rein praktisch geschafft, auszureisen. Das war unter den herrschenden Bedingungen doch wohl nur sehr schwer möglich. Oder war er vielleicht als Soldat in Afrika und ist dort desertiert? Ich denke mal, wir werden genaueres noch erfahren.



    Den Anfang machte eine Reportage über einen echten "Lavagänger" auf Hawaii. Das Bild, der um die Schuhsohlen züngeltenden Flämmchen, war so eindringlich, daß ich mit Hans Kaspar dorthin musste.


    Ich wollte sie schon fragen, wie man auf die Idee eines Lavagängers kommt, aber es gibt sie also wirklich? Wo kann ich diese Reportage finden? Oder mehr Information darüber?