Beiträge von Klusi

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    Hier nun endlich auch meine Rezension:


    Für ihren neuesten historischen Roman hat sich Eva Völler einen sehr interessanten Hintergrund ausgesucht, denn die Geschichte spielt zu der Zeit, als in Amsterdam das „Tulpenfieber“ grassierte. Jeder, der einigermaßen das Geld dafür hatte, spekulierte plötzlich in Tulpenzwiebeln. Es wurden regelrecht Auktionen abgehalten, bei denen es zuging wie an der Börse. In dieser Zeit kommt Pieter als neuer Lehrling zu Rembrandt van Rijn. Pieter ist ein außergewöhnlicher junger Mann. Schon nach wenigen gelesenen Seiten vermutete ich autistische Züge bei ihm, und die Autorin bestätigt dies auch in ihrem Nachwort, dass man bei dem Protagonisten heutzutage vermutlich das Asperger Syndrom feststellen würde. Das ist wohl auch der Grund für Pieters Inselbegabungen, wie man es heutzutage nennt, denn der Junge hat nicht nur großes künstlerisches Talent, sondern seine Leidenschaft gehört daneben der hohen Mathematik. Was ihm dagegen weitgehend fehlt, ist Empathie. Er tut sich schwer damit, Emotionen bei seinem Mitmenschen zu erkennen und ihre Reaktionen einzuschätzen. Dieses mangelnde Gefühl versucht der junge Mann durch höchst komplizierte Berechnungen auszugleichen. Rembrandt erkennt die genialen zeichnerischen Fähigkeiten seines neuen Lehrlings sehr schnell, allerdings hat der Maler andere Probleme. Es kommt zu mehreren Todesfällen, und die Toten haben einiges gemeinsam. Einerseits sind sie alle Tulpenhändler, und sie waren alle Kunden bei Rembrandt, wollten sich vom Meister porträtieren lassen. Auch die Art, wie sie zu Tode gekommen sind, ist gleich und lässt auf Mord schließen. Rembrandt gerät unter Verdacht, denn einige seiner Handlungen sind verdächtig, und er hätte auch ein stichhaltiges Motiv, sich von den verstorbenen Männern trennen zu wollen.

    Pieter nutzt sein mathematisches Genie und erstellt Berechnungen und Diagramme. Er hat sich in den Kopf gesetzt, damit den wahren Täter zu entlarven.


    Pieter ist ein ganz besonderer Protagonist, der durch seine Eigenheiten nicht immer leicht zu verstehen ist, den ich aber innerhalb kürzester Zeit ins Herz geschlossen habe. Die Art, wie ihn die Autorin beschreibt, ist einfach genial und sehr realistisch. Zur damaligen Zeit war der Begriff „Autismus“ noch unbekannt, und die Menschen betrachteten Pieter wohl einfach als Sonderling. Im Haus seines Lehrherrn stößt Pieter nicht gerade auf viel Verständnis, zu fremd ist den anderen Mitgliedern des Haushalts seine Wesensart. Manch einer, der ihm freundlich entgegenkommt, will ihn in Wahrheit nur ausnutzen. Aber er lernt doch einige Menschen kennen, die sich für ihn interessieren und ihm ehrliches Verständnis entgegenbringen.

    Dieser historische Krimi mit seiner vielschichtigen Handlung hat mich von Anfang an gefesselt und nicht mehr losgelassen, denn es gibt so vieles darin zu entdecken. Die beschriebene Zeit mit dem plötzlichen Run auf Tulpenzwiebeln, die Auswirkungen sowie Pieters Berechnungen und Prognosen dazu, fand ich äußerst spannend. Auch die intensiven Einblicke, die man zur damaligen Malerei erhält, sind sehr lehrreich und informativ. Man lernt vieles über die Vorgehensweise und die Gewinnung der benötigten Farben, und es werden Einzelheiten erklärt, die mich künftig alte Gemälde noch einmal mit ganz anderen Augen betrachten lassen.

    Bei den Kriminalfällen folgt man so mancher falschen Spur, denn für mich war die Lösung ganz und gar nicht vorhersehbar. Nicht alles ist so wie es scheint, und in jedem Kapitel warteten neue Überraschungen.

    Nicht zuletzt haben es mir die verschiedenen Charaktere angetan, die so treffend und lebendig dargestellt sind. Da sind neben Pieter natürlich Rembrandt und die Mitglieder seines Haushalts, von denen jeder so seine Geheimnisse hat. Aber auch andere Maler und die Tulpisten, die in der Geschichte eine Rolle spielen, sind sehr ausführlich gezeichnet, auch wenn sie sich nicht immer von ihrer besten Seite zeigen. In der jungen Schankwirtin Mareikje und dem Arzt Dr. Bartelmies hat Pieter verständnisvolle Freunde gefunden – oder scheint das nur so?

    Der Roman ist wundervoll und abwechslungsreich von der ersten bis zur letzten Seite. Man ist nie vor Überraschungen sicher, und immer spielt da auch ein Quäntchen Humor mit. Ich habe dieses wunderbare Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge beendet. Das weinende Auge, weil es nun schon ausgelesen ist und es mir schwer fiel, mich von Pieter und seiner Geschichte zu verabschieden, und das lachende Auge, weil mir diese so ausgesprochen gut gefallen hat. Der Schluss ist ausgewogen und eine Mischung aus fertigen Lösungen und Erklärungen, dabei aber auch reichlich Platz für eigene Gedanken und Träumereien. Sicher wird es für mich nicht beim einmaligen Lesen bleiben, denn ich denke, bei einem Re-Read gibt es noch viel zu entdecken, was man beim ersten Mal vielleicht ganz übersehen hat. Auf jeden Fall ist dieser Roman schon jetzt ein großer Anwärter für meine Jahresfavoriten.


    Ich habe die Rezension auch auf folgenden Seiten gepostet:

    Auf meinem Blog

    Lovelybooks

    Lesejury

    Amazon

    Netgalley

    Literaturschock-Forum

    Goodreads

    Das denke ich auch. Mareikje ist intelligent und hat Einfühlungsvermögen, genau das was Pieter an seiner Seite braucht. Anneke ist hübsch und anziehend, aber sie wäre auf Dauer keine vollwertige (Gesprächs)Partnerin für Pieter.

    Hach war das schön! Nun habe ich die letzten Kapitel inhaliert, und das Ende hat mir sehr gefallen. Mir ging es auch so, dass mir die Szene mit Wolf am Schluss ein paar Tränen der Rührung beschert hat. Ich denke, aus Mareikje und Pieter könnte langfristig doch noch ein Paar werden. Dass hier noch Raum für eigene Phantasien ist, finde ich gut. Pieter ist noch jung und Mareikje gerade mal fünf Jahre älter, wenn man noch ein paar Jährchen wartet, "verwächst" sich dieser Altersunterschied, und Pieter lernt ja enorm dazu, gerade was das Zwischenmenschliche und das Erkennen von Emotionen angeht. Das Verhältnis zwischen den beiden ist etwas ganz Besonderes und ich denke, es ist entwicklungsfähig.

    Die Aufklärung der Morde war ja höchst interessant, was es da noch kurz zuvor an Irreführungen gab, dass sogar Saskia noch verdächtigt wurde. Ich muss gestehen, dass ich ein eher "unbegabter" Ermittler bin, wenn ich Krimis lese. Sehr selten habe ich die richtige Spur, aber die schöne Judith hatte ich schon mal kurzzeitig auf dem Schirm, als sie die Szene in Rembrandts Werkstatt veranstaltete. Wie das aber alles zusammenhing, war mir bis zuletzt nicht klar.

    Was mich nun doch zum Grübeln gebracht hat: es gab doch da dieses Geheimnis, wo Anneke das Ehepaar van Rijn in der Küche dabei belauschte, dass sie mit Bleizucker hantiert haben. Der Grund dafür hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Habe ich da vielleicht etwas überlesen?

    Joost hat glücklicherweise die Pest überstanden und konnte, gerade noch rechtzeitig vor dem Zusammenbruch des Tulpenmarktes, die Anteilsscheine seines Neffen und auch die von Rembrandt sehr gewinnbringend veräußern.


    Beim Nachwort musste ich gehörig schmunzeln, liebe Eva. Wie du das so beschreibst mit dem Thema Mathematik, von dem es ja nicht gerade wenig in deinem Roman gibt. Für die Art und Weise, wie du Pieter hochwissenschaftliche Gedankengänge "eingegeben" hast, bewundere ich dich, denn ich will mir gar nicht vorstellen, wie deine Recherchearbeit aussah, um das einigermaßen logisch zu Papier zu bringen. Trotz kompetenter Hilfe musstest du da ja erst einmal eine Basis entwerfen. Ich stelle mir das ungeheuer schwierig vor, denn auch ich gehöre eher zu den mathematisch Unbegabten. Hier halte ich es mit Saskias Einstellung, denn mir reichen die vier Grundrechenarten durchaus auch. ;)


    Nun werde ich meine Gedanken sammeln und mich anschließend an die Rezension machen. Bis dahin danke ich allen Beteiligten der Leserunde für die Denkanstöße und Diskussionen und dir, liebe Eva, für deine geduldige Begleitung der Leserunde und deine ergänzenden Erläuterungen. Auch wenn ich diesmal ein ziemlicher Nachzügler war, hat es mir doch wieder viel Freude gemacht, mit euch zu lesen.

    gagamaus du schreibst

    Muntering fand ich ja schon verdächtig nett. Warum sollte ein erfolgreicher Maler SO nett zu einem noch unbedeutenden Lehrling sein? Gut, er sucht nach einem neuen guten Lehrling aber er behandelt Pieter so zuvorkommend und väterlich, das kommt mir schon wieder verdächtig vor


    Das kommt mir auch alles sehr eigenartig vor. Sicher man wirbt um einen Lehrling vielleicht Mal etwas mehr, aber das ist doch schon anders. Und die Frage ist, ob er all diese Versprechen auch halten würde.

    Seine Art war mir schon fast zu aufdringlich.

    Das habe ich mir auch überlegt. Auch frage ich mich, was er denn wirklich davon hätte, denn er hat Pieter ja versichert, dass dieser seine Bilder selbst signieren dürfte, also könnte Muntering sie nicht als seine eigenen ausgeben.


    Die Spannung nähert sich immer mehr dem Höhepunkt bzw. nun langsam der Auflösung. Es ist verrückt, aber bei jedem neuen Kapitel muss ich die Rangliste meiner Verdächtigen neu sortieren :totlach:

    Pieters Schachzug mit den Tulpen war echt genial. Da hat er einmal, ganz ohne große Berechnungen, genau das Richtige getan.

    Von Joost habe ich mittlerweile den Eindruck, dass ihm viel an seinem Neffen liegt, er aber nie so recht weiß, wie er mit ihm umgehen soll. Zumindest hat er ja nun eine kleine kaufmännische Ader bei Pieter entdeckt, und damit kann er etwas anfangen. Ansonsten tut er viel für Pieter, auch wenn er vermutlich ein Eigenbrötler ist, der Weihnachten lieber allein verbringen möchte und darum ganz erleichtert ist, dass Pieter lieber nicht mit ihm kommen möchte.

    Irgendwie ist mir Pieter einfach noch zu kindisch und Marejke gefühlt so taff und "erwachsen" - ich sehe sie einfach nicht als Liebespaar. Vielleicht noch nicht.

    Er ist ja schon fast 18, aber so wie du schon schreibst, noch ziemlich kindisch. Ob das vielleicht an den so ganz anderen Interessen liegt die er hat. Wahrscheinlich konnte er sich darum in die andere Richtung ( Frauen, Mädchen) nicht so entwickeln wie es andere in seinem Alter tun.

    Als kindisch sehe ich Pieter eigentlich nicht. Er kann halt nicht so gut mit Gefühlen umgehen, was aber meines Erachtens eher mit seiner Besonderheit, mit dem Asperger Syndrom zusammenhängt. Für diese besonderen Menschen sind Gefühle ja oft nicht wirklich nachvollziehbar.

    Marejke musste wohl schneller "erwachsen werden", weil sie nach dem Tod ihres Vaters plötzlich recht viel Verantwortung hatte und auf sich gestellt war. Mir gefällt das Einfühlungsvermögen, das man aus ihren Worten und Handlungen spürt, wenn sie mit Pieter zusammen ist. Sie hat Geduld und Verständnis und nimmt ihn so wie er eben ist. In manchen Szenen hatte ich fast den Eindruck, sie würde ihm mehr als nur Sympathie entgegenbringen.

    das macht Eva Völler sehr geschickt ... ich verdächtige ganz viele Personen immer nur so ein bisschen, es gibt keinen konkreten Hinweis für einen Verdacht (oder er war so geschickt versteckt dass ich es überlesen habe)

    Absolut genial ist das gemacht, genau das soll es sein ,wenn ich nach 10 oder 20 Seiten weiss, wie es ausgeht, brauche ich es nicht lesen:laola:

    Das gefällt mir auch. Wenn ich mir alle Personen so ansehe, dann würde es für mich schneller gehen, diejenigen aufzuzählen, die ich nicht verdächtige. Die Liste der Verdächtigen ist um einiges länger :totlach:

    Das weiß man nicht. Ich schätze ihn aber so ein, dass er das nicht getan hat. Dennoch hätte der Onkel es merken müssen, dass ihm viel an Wolf liegt. Gerade nach so einem Verlust (Eltern, Zuhause ...) war Wolf vielleicht sein einziger Freund und Vertrauter.

    Schon. Aber der Onkel ist an Kinder nicht gewöhnt und dann ist Pieter nicht irgendein Kind, sondern ein sehr besonderes Kind, dem man Gefühle vielleicht auch nicht so einfach im Gesicht ablesen kann. Ich denke nicht, dass Joost es böse meint, ich glaube einfach nur, dass er überfordert ist und versucht, das Beste für seinen Neffen zu tun.

    Die Sache mit Wolf, dass er ihn einfach samt Haus und Inventar verkauft hat, schreibe ich mal einer gewissen Gedankenlosigkeit zu. Ich denke, Pieters Onkel will schon das Beste für seinen Neffen, aber er versteht ihn wohl nicht wirklich bzw. macht sich auch nicht die Mühe, es zu versuchen, hinter Pieters komplizierte Gedankengänge zu schauen.

    Ja, Pieter bringt mich auch öfter zum Schmunzeln. Er hat so eine ganz eigene Art, die Welt zu sehen. Ich habe ihn auch schon richtig ins Herz geschlossen.

    Mir tut es jedesmal leid, wenn wieder eines seiner Bilder einfach zerstört wird, und ich frage mich, was da wohl in ihm vorgeht. Er sagt ja nicht viel dazu, sondern versinkt meist in tiefsinnige Grübelei.

    Absolut amüsant fand ich ja Pieters mathematische Berechnungen zu Annekes Verhalten.:totlach: Sein Gespräch mit dem Arzt fand ich sehr schön. In ihm hat Pieter so etwas wie einen Vertrauten gefunden. Allgemein mag ich den Medicus Bartelmies sehr gerne.

    Hier muss ich mal zwischenfragen, ist Autismus wirklich eine "Krankheit"? Ich dachte bisher eigentlich, dass es sich dabei um eine geistige Besonderheit handelt. Aber eigentlich sind Autisten doch gesund und dabei meist noch hochgradig begabt bzw. besonders intelligent, so war bisher mein Eindruck.

    Hmmm... ich hab nicht gedacht, dass sein Onkel ihn irgendwie "ausnutzen" will. Für mich waren die goldenen Regeln eher Vorsichtsmaßnahmen, damit Pieter nicht von Anfang an, als irgendwie seltsam auffällt. Damit er die Lehrstelle nicht sofort wieder verliert.

    Nein, sein Onkel hat ihn nicht ausgenutzt. Aber indirekt schon manipuliert. Weil Pieter ja nicht mehr so reden konnte, wie ihm der Schnabel gewachsen war und er auch alles tun musste, was man ihm anschafft. Das hätte der Onkel doch wissen müssen, dass Pieter so was eins zu eins umsetzt und nicht differenzieren kann. Auch wenn der Onkel es nicht böse gemeint hat.

    Ich denke, sein Onkel wollte ihn mit dieser Maßnahme schützen und hat nicht berücksichtigt, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann.

    Hallo zusammen,

    Dass Pieter autistisch ist, dieser Gedanke kam mir auch gleich in den Sinn. Ich weiß es nicht genau, aber ich vermute mal, dass dieser Begriff damals noch nicht bekannt war und man die betroffenen Menschen einfach als "seltsam" betrachtete.

    Ich vermute mal, dass das auch der Grund des Paten ist, so ein hohes Lehrgeld zu bezahlen. Er will, dass Pieter, trotz seiner Auffälligkeiten im Verhalten, seinen Lehrplatz behalten kann, um dem Wunsch seines Vaters zu entsprechen, und Talent hat er ja auch.


    Ich habe prima in die Geschichte hinein gefunden und finde die Kulisse des Romans sehr interessant. Dass Holland das Land der Tulpen ist und auch schon früher war, wusste ich zwar, aber wie sich das damals gestaltete und dass es bei so einer Tulpenauktion zuging wie an der Börse, das war mir neu.

    Überhaupt erfährt man viel Interessantes. Wie Bleiweiß gewonnen wird, wusste ich bisher auch noch nicht. Obwohl bekannt, dass es giftig ist, arbeiten die Maler damit. Soviel ich weiß, haben die Frauen auch zum Schminken Bleiweiß verwendet, was es ja nochmal gefährlicher macht, wenn es direkt auf die Haut aufgetragen wird.

    Zuerst einmal möchte ich mich bei allen Beteiligten für die wunderschöne, inspirierende Leserunde bedanken.


    Meine Rezension:
    Gemma war noch ein kleines Mädchen, als sie ihre Eltern bei einem verheerenden Brand verlor. Die traumatischen Erlebnisse von damals verfolgen sie auch drei Jahrzehnte später noch bis in ihre Träume. Ihr Vater, Professor für italienische Renaissance, hatte damals wohl etwas sehr Wichtiges entdeckt, das ihm und seiner Familie zum Verhängnis wurde.
    Plötzlich erhält Gemma mehrere rätselhafte Mails, mit Bruchstücken von Gedichten aus Robert Brownings Feder. Auch ein Schmuckstück erreicht sie von einem anonymen Absender, und so beschließt sie, den versteckten und in gewisser Weise beunruhigenden Hinweisen nachzugehen.
    Bei ihrer Suche nach dem Sinn der anonymen Botschaften wendet sie sich an den Oxford-Professor Sisley Ryland-Bancroft. Nach kurzem Zögern beschließt dieser, ihr zu helfen, denn irgend etwas an der verletzlichen jungen Frau und ihrer Geschichte berührt ihn zutiefst.
    Gemeinsam machen sie sich auf eine lange Reise, die ungeahnte Gefahren und so manche Überraschung mit sich bringt.
    Der Roman spielt auf drei Zeitebenen. Die Rahmenhandlung bildet dabei Gemmas Geschichte, die passenderweise im Präsens erzählt wird. Dazwischen findet man Abschnitte, die ins 19. Jahrhundert, zu dem Dichterehepaar Elizabeth Barrett und Robert Browning, entführen. Weitere Passagen erzählen die anrührende Geschichte von Lucrezia di Cosimo de’ Medici. Diese sind aus der Ich-Perspektive der jungen Lucrezia geschrieben. Bei den beiden historischen Handlungssträngen hat man anfangs den Eindruck, sie hätten recht wenig mit dem aktuellen Geschehen um Gemma zu tun. Es lohnt sich jedoch, hier ein wenig Geduld aufzubringen und sich darauf einzulassen, denn erst nach und nach fügt sich eines zum anderen, bis sich zuletzt alle Puzzleteile passgenau zusammensetzen und ein fertiges Gesamtbild ergeben. Es sind so viele Details in der Geschichte versteckt, die sich erst auf den zweiten oder gar dritten Blick erschließen!


    Mit Gemma und Sisley hat der Roman zwei außergewöhnliche, interessante Charaktere, die einerseits so verschieden wirken und doch die selbe Sprache sprechen. Es sind zwei richtige „Anti-Helden“, die im Lauf ihrer Reise in Situationen geraten, die sie an ihre Grenzen bringen, die sie aber gerade miteinander bestehen können, weil sie gegenseitig ein tiefes Verständnis aufbringen.


    Bildhaft und wunderschön ist die Sprache der Autorin, und die Protagonisten sind so farbig und lebendig dargestellt, dass es ein Leichtes ist, sie und ihre Beweggründe zu verstehen und mit ihnen zu fühlen. Überhaupt spielen Bilder und Farben in der Handlung eine tiefgreifende Rolle, und es hat mir viel Freude gemacht, ein Gemälde bis in seine Details zu erschließen.
    Dies ist ein Buch, das sich lohnt, mehrfach zu lesen, denn erst nach und nach wird man alle Facetten und Zusammenhänge erkennen und so manche Metapher entdecken.
    Darüber hinaus zeichnet sich der Roman durch plastische, farbenprächtige Schilderungen der besuchten Schauplätze aus, was das Lesen zum Genuss macht.


    :buchtipp: :daumen: :daumen: :daumen: :daumen: :daumen:


    Auf den folgenden Seiten habe ich die Rezension ebenfalls veröffentlicht:
    Auf meinem Blog
    Amazon
    Lovelybooks
    Lesejury
    Goodreads
    Thalia
    Weltbild
    und im Bloggerportal

    Ich habe gar nicht so viel damit zu tun gehabt - ich habe die beiden nur zusammentreffen lassen, mich dann gemütlich zurückgelehnt und abgewartet, wie sich das entwickelt. ;)


    gagamaus, ja, spüren kann man es auf jeden Fall schon! ;D
    Liebe Nicole, dann ist das bei dir auch so, dass deine Protagonisten mit der Zeit ein Eigenleben entwickeln? ;) Das habe ich schon manchmal von Autor(inn)en gehört, dass es ihnen mit ihren Helden so ergeht, ich finde das faszinierend.

    Nicht ohne Grund gibt es ja jetzt diese rigiden Feuermelderregeln. Die Dinger sind zwar nicht hübsch aber sie sollen Opfer verhindern und Brände frühzeitig melden.


    Ja, das hat mich auch nachhaltig beschäftigt, wie schnell sich so ein Brand ausbreiten und dabei alles vernichten kann. Ich musste dabei auch gleich an die Rauchmelder denken, die ich erst wenige Tage zuvor vorschriftsmäßig in der Wohnung angebracht habe. Schön sind sie wirklich nicht, aber sie geben ein wenig Sicherheit und sind durchaus sinnvoll und notwendig.

    So, als Schlusslicht bin ich nun auch mit dem Roman fertig geworden. ;D
    Alles hat sich zufriedenstellend geregelt, die drei Handlungsstränge sind am Ende zu einer Einheit geworden. Für mich war das vor allem mit Lucrezias Teil an der Geschichte sehr intensiv und berührend.



    Sabo, das hast du wunderbar geschrieben, und das trifft auch genau mein Empfinden von diesem Handlungsstrang. Lucrezias Schicksal ist mir nahe gegangen, und die Ich-Form war wohl auch aus dem Grund, weil es sich um Lucrezias eigene Aufzeichnungen gehandelt hat.


    Tja, das Versteck im Lüftungsschacht war schon genial! Wie Gemma sich entschieden hat, mit dem Schatz zu verfahren, ist sehr vernünftig und passt gut zu ihr. Wenn man bedenkt, was die Ärmste in all den Jahren gelitten hat, woran letztendlich ja dieser Schatz schuld war, dann kann ich nur allzu gut verstehen, dass sie möglichst Abstand dazu gewinnen möchte, schon um sich und auch ihren Vater zu schützen.


    Dass Clifford sich erst nach all den Jahren dazu entschlossen hat, mit Gemma Kontakt aufzunehmen, ist unverzeihlich für einen Vater, noch dazu, wo die Kleine ja beide Elternteile auf einmal verloren hat. Aber irgendwie kann ich seine Beweggründe doch auch nachvollziehen. Er wusste, dass er nach den Ereignissen nicht mehr in sein bisheriges "normales" Leben zurück konnte, und all die Jahre war er nirgends sesshaft, sondern ließ sich treiben und war obdachlos. Was hätte er Gemma da bieten können? So wusste er sie bei ihrer Großmutter gut aufgehoben, und aus seiner rationalen Sicht war das gut so. Er scheint sie ja doch stärker beobachtet zu haben.
    Ich finde es schön, dass Gemma und ihr Vater doch in gewisser Weise aufeinander zugehen konnten. Ihr wird hier noch einmal viel Stärke abverlangt, aber ich denke, sie kann ihm vergeben. Wieviel ihr an dem (fast) fremden Mann doch liegt und dass sie sich um ihn sorgt, hat sie wohl gemerkt, als sie ihn, bei dem Treffen mit Linda, dort verletzt vorfindet.
    Bei diesem Showdown, der laut Sisley gar keiner ist, ging alles ziemlich schnell. Sisley ist über sich hinaus gewachsen, weil er Gemma in Gefahr sah. Dass Linda sich dann so schnell hat "abfertigen" lassen, hat mich ein wenig gewundert, aber ohne ihr Messer war sie wohl nicht mehr handlungsfähig.
    Dass Linda hinter einigen negativen Ereignissen in Gemmas Umfeld steckte, ist mir vorher gar nicht bewusst geworden, obwohl es ja versteckte Hinweise gab, zumindest bei der Sache mit dem Motorradfahrer. Ich frage mich nur, war es nicht leichtsinnig, diese Fanatikerin einfach gehen zu lassen? Sie könnte ja immer wieder in Gemmas Leben aufkreuzen und Unfrieden stiften, und sie ist ja der Meinung, Gemma hätte den Schatz. Dass Gemma diesen längst aus ihrem Umfeld entfernt und sicher untergebracht hat, weiß Linda ja nicht. Ich denke, da können wir uns selbst noch ein wenig zusammenspinnen.
    Dieses Weiterspinnen der Geschichte wird mir aber besonders mit Gemma und Sisley Spaß machen, denn die Beziehung der beiden steht ja noch ganz am Anfang. Liebe Nicole, das hast du wunderbar in Worte gefasst, mit dem neuen Land, das Gemma und Sisley betreten und von dem sie nicht wissen, was sie dort vorfinden werden.
    Für uns ist die Geschichte zu Ende, für das junge (sehr außergewöhnliche) Paar beginnt nun eine neue, hoffentlich glückliche!