Beiträge von Klusi

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    So langsam wird das Buch zum richtigen Krimi. ;)


    Dieser ausgelöste Brandalarm im Hotel, der Gemmas schlimmste Ängste wieder hervorbringt und Sisley, der sie an die Hand nimmt und ein Gefühl von Sicherheit gibt. In mir kam die Vermutung hoch, dass das absichtlich ausgelöst wurde – und das bestätigte sich kurze Zeit später dann auch, denn Gemmas Zimmer war völlig durchwühlt und Teile ihrer Sachen zerstört. Die Nachricht auf dem Spiegel – die Drohung – war unmissverständlich. Da sucht jemand etwas ganz Bestimmtes und trachtet Gemma nach dem Leben. Da Sisley Gemmas Handtasche retten konnte, nehme ich mal an, dass es sich um den Ohrring handelt?! Immer mehr glaube ich an meine Theorie mit Morgan Andicott.


    Bei dem Brandalarm hatte ich auch gleich im Hinterkopf, dass das kein Zufall sein konnte, sondern dass jemand Gemma damit in Verwirrung stürzen möchte. Bei so einer Situation möchte ich mir gar nicht ausmalen, was in Gemma vorgeht, nach allem was sie schon in Sachen Brand erlebt hat.




    Weiterreise nach Hawaii, um dort die Suche unter den Obdachlosen weiterzuführen. Dabei treffen sie auf einen Mann, der Gemma den Ohrring abnimmt und sie fragt, wo sie wohnt. Anscheinend kennt er ihren Vater. Hoffentlich wird sie nicht enttäuscht! Auf jeden Fall war die Szene am Strand mit Sisley sehr romantisch, ist er doch auf einmal ein richtiger Draufgänger, der sich traut, Gemma zu küssen. Erst leistet sie noch Widerstand, doch dann fühlt es sich doch richtig an für sie. Im Vorfeld habe ich schon gedacht, sie will ihn von sich stoßen, denn sie hat ja in den letzten Tagen versucht, sich etwas zu distanzieren – die Angst vor Nähe liegt ihr wohl immer noch sehr im Magen.


    Das war fällig und eine schöne Szene. Als Gemma nach dem Brandalarm sagt, sie seien schon zwei seltsame Käuze, antwortet Sisley schon ganz richtig: "Solitäre bitteschön und dazu noch ein ziemlich gutes Team". Solitäre ist in diesem Fall die perfekte Wortwahl für die beiden Einzelgänger, noch dazu wo der Begriff ja auch für einzelne, große Edelsteine verwendet wird.



    Derweil hat Lucrezia das Glück, dass ihr alter Arzt zu ihr kommt und sie gründlich untersucht. Er findet heraus, dass sie vergiftet wurde und sie nicht mehr zu retten ist. Dass Malachit so giftig ist, habe ich nicht gewusst. Und diesen Stein trägt auch Elizabeth Browning ständig bei sich. So sind die Krankheitssymptome der beiden doch gleich und es wundert mich dann auch nicht, dass Elizabeth sich immer schwächer fühlt und so abgemagert ist. Dass Sandro sich um Lucrezia kümmert, finde ich wunderbar, sie hat noch eine kleine Freude, bevor sie sterben muss.


    Dass Malachit dermaßen giftig ist, wusste ich auch nicht. Ich habe gleich mal ein wenig dazu in meiner Steine-Lektüre geschmökert, und da findet man ausdrückliche Hinweise, den Malachit nicht als Wasserstein zu verwenden. Wenn man den Stein nur bei sich trägt, dürfte sich das aber eigentlich nicht auf die Gesundheit auswirken. Ein komisches Gefühl bleibt jedoch. Ich habe eine Azurit-Malachit-Kette, die sehe ich jetzt auch mit anderen Augen und weiß nicht, ob ich den Stein nochmal direkt auf der Haut tragen werde. :o




    Nun bin ich gespannt, wie sich das ganze Puzzle langsam aufdröselt. Ich muss heute unbedingt noch weiterlesen, das Buch macht richtig süchtig – kaum zu glauben, nachdem ich zu Beginn noch so meine Schwierigkeiten hatte… 8)


    Mir fiel der Einstieg auch etwas schwer, und ich habe verhältnismäßig lange gebraucht, mich einzulesen, aber nun bin ich auch an dem Punkt, dass ich am liebsten gleich weiterlesen wollte und mich richtig zwingen musste, nach dem Abschnitt zu stoppen. Das ist doch immer ein gutes Zeichen, wenn man ein Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte! ;D

    Inzwischen hat es mich richtig gepackt. Dieser Abschnitt war für mich der bisher spannendste. Die Geschichte beinhaltet für mich eine Kettenreaktion. Für jede Frage, die sich klärt, werden zwei neue aufgeworfen.


    Dass Gemmas Vater nicht tot sein könnte, ist eines dieser AHA-Erlebnisse, von denen Du am Anfang gesprochen hast, liebe Nicole. Damit hatte ich echt nicht gerechnet, obwohl es im nachhinein natürlich logisch klingt, denn wie sonst sollte man erklären, dass jemand Interesse daran hat, dass Gemma nachforscht. Hat ihr Vater unter dem Namen William Andicott gelebt? Ist Morgan seine Tochter? Warum hat er sich NIE bei Gemma gemeldet?
    So viele Rätsel, die noch auf eine Aufklärung warten.


    Das war auch für mich ein AHA-Erlebnis. Ich bin hier von Gemmas Wissen über den Tod ihrer Eltern ausgegangen, eben vom ersten Eindruck. Dass alles ganz anders gewesen sein könnte, habe ich eher unbewusst registriert. Ich habe mir beispielsweise von Anfang an Gedanken gemacht, was Gemmas Vater wohl zugestoßen sein mag, nachdem er sie in Sicherheit gebracht und abgesetzt hat. Er ist ja zurück gelaufen. Mein Gedanke war, er wollte noch einmal in das Haus, um seine Frau ebenfalls zu retten. Aber die neuen Erkenntnisse werfen auch neue Fragen auf. Wieso ist er, wenn er denn gar nicht bei dem Brand umgekommen ist, so spurlos aus dem Leben seiner Tochter verschwunden? Hier fällt mir im Moment nur eines ein: er wollte sie schützen. Dann frage ich mich: wovor?



    Daß der Besuch im Kommissariat Gemma umgehauen hat, ist gut zu verstehen. Zum Glück kann Gemma sich auf Sisley verlassen, auf seine Unterstützung. Aber trotzdem ist die alte Vertrautheit ein wenig verschoben, denn Gemma ist verletzlicher geworden. Sie hat mit neuen Unsicherheiten zu kämpfen.


    ich habe versucht, mich in Gemmas Lage zu versetzen. Was sie hier alles erfahren hat, bringt ihr ganzes bisheriges Bild, von der eigenen Vergangenheit, von ihren geliebten Eltern, ins Wanken. Die Erkenntnis, dass ihr Vater womöglich noch lebt, muss sehr schmerzhaft für sie sein. Die Bilder aus der Akte müssen sie doch bis in ihre Träume verfolgen.
    Dass Sisley ihr zur Seite steht, mit großem Feingefühl, wie ich finde, ist beruhigend und schön. Wenn ich die Andeutungen richtig verstanden habe, sind sie sich zwischendurch schon einmal sehr nahe gekommen, auch körperlich. Gemmas Gefühle Sisley gegenüber werden jedoch im Moment von den Eindrücken und damit verbundenen Emotionen verdrängt, die auf sie einstürmen, da bleibt momentan für Liebe und Romantik kein Platz. Aber Sisley ist zur Stelle, wenn Gemma ihn braucht. Er hat sich mit ihr zusammen quasi in dieses Abenteuer geworfen, was mir zeigt, wie wichtig sie ihm ist, denn so etwas unternimmt man nicht aus reiner Selbstlosigkeit.

    Als "Alte Kupplerin" habe ich die beiden ziemlich schnell als Paar gesehen. Aber wie Du so schön schreibst, spürt man ja auch ganz schnell, dass die beiden einander gut tun bzw. sich und ihre "Eigenheiten" sehr gut verstehen. "Gleich und gleich gesellt sich gern". ;)


    Mir geht es ja auch so, dass ich die beiden sehr gerne als Paar sehen möchte. Ich habe mich nur erst einmal etwas vorsichtig ausgedrückt, denn man weiß ja noch nicht, was das "Schicksal" (in diesem Fall Nicole) mit ihnen vor hat. ;)


    Gemälde im Gemälde dachte ich auch..aber durch den dicken Holzrahmen sieht es schon aus, wie ein Gemälde, das an der Wand hängt, obwohl eine Aussicht irgendwie schon logischer wäre, der Maler braucht ja Licht und will vielleicht nicht durch ein anderes Gemälde abgelenkt werden..hmmm..
    :)
    Das Gemälde selbst, gefällt mir besser als das spiegelverkehrte Buchcover..hat denn dieses Buch auch etwas mit Lucrezia zu tun?


    Das ist ein interessanter Einwand. Auf die Idee, das könnte ein Gemälde an der Wand sein, bin ich gar nicht gekommen, aber das ist natürlich durchaus möglich. Für den Maler der Dame in Grün wäre es irgendwie "unverbindlicher", denn wenn es ein Gemälde darstellen sollte, würde ihn das nicht auf einen Ort festnageln, wo er das Bild mit dieser Fenster-Aussicht gemalt haben müsste.


    Apropos Gemäldegalerien und speziell unsere grüne Dame - am Sonntag werde ich mich, was schon geplant war, bevor ich mit dem Roman begonnen habe, ins Städel begeben, um mir die Matisse/Bonnard-Ausstellung anzuschauen, bevor sie demnächst schließt!
    Und ratet mal, wohin mich mein Weg zuerst führen wird!? ;D


    Da wünsche ich dir schon mal ganz viel Freude! Es ist nochmal etwas ganz anderes, viel intensiver, wenn man vor dem Gemälde direkt steht.

    Das steht bei mir auch im Regal. Eigentlich nur wegen des Covers - ich musste mir unbedingt die "Dame in Grün" in dieser Form nach Hause holen ... :-[
    Super, dann hast Du ja schon über Alfonso und Lucrezia (und Barbara) gelesen!


    Nein, leider noch nicht! Ich habe das Buch noch nicht allzu lange, und es gehört zu meinen noch unentdeckten Schätzen, die erst noch gelesen werden wollen. Deswegen hat es auch ein wenig gedauert, bis mir klar wurde, dass ich das Buch mit diesem Cover ja sogar im Haus habe. Anfangs dachte ich, ich hätte es nur mal irgendwo im Buchhandel gesehen. Aber nun wandert das Buch postwendend auf meinen "Akut-SuB". ;)

    Inzwischen habe ich mich in der Geschichte "warmgelesen" und kann nun vermehrt und besser auf Details achten.
    Mich fasziniert es, gemeinsam mit Gemma und Sisley und mit euch dieses Gemälde zu betrachten. Zwar liebe ich Gemäldegalerien und besuche sie gerne, aber mangels Fachkenntnis betrachte ich die Bilder dort eher nach "oberflächlichen" Gesichtspunkten. Wieso manche Farben seltener verwendet werden und welche Botschaften ein Maler in sein Bild legen kann, davon habe ich leider viel zu wenig Ahnung. Umso faszinierender finde ich, dass wir dieses Bild mit allen Details so gründlich "auseinanderlegen" und Verbindungen, Zusammenhänge und Zeichen suchen.


    Gemma und Sisley sind ein bezauberndes Paar, auch wenn es momentan noch gewagt ist, sie als "Paar" zu bezeichnen. Aber die sanfte und doch stetige Annäherung lässt schon erahnen, dass hier noch was geht bzw. dass es mit den beiden sicher noch weitergehen wird. Sie verstehen sich einfach zu gut, und wie liebevoll und achtsam sie miteinander umgehen, das zeugt davon, dass sie sich sehr sympathisch sind. Gemma hat in Sisleys Gegenwart eine Art Frieden gefunden; ich habe den Eindruck, sie kann freier atmen und sich in gewisser Weise fallen lassen.


    Die Geschichte mit dem Motorrad macht mir Sorgen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich hier nur um einen zufälligen Unfall gehandelt hat. Dann wäre der Fahrer ja auch erschrocken und vermutlich nicht einfach weiter gefahren.


    Klusi
    Vielleicht wird es dir am Ende der Runde verraten?


    Ich bin inzwischen dahinter gekommen, wie gesagt, es hätte mir keine Ruhe gelassen. Ich wusste, dass mir das Bild schon mal begegnet ist, und ich habe das Buch mit dem entsprechenden Cover sogar selbst im Regal. ;D Allerdings schaut da die Dame in die entgegengesetzte Richtung, und die Landschaft, die man durch das Fenster sieht, ist eine andere.

    nun musste ich doch herzhaft lachen: Als Staubwedel hätte ich den Fächer nun nicht deklariert ;D alleine schon der Stellung der Dame in Grün wegen (dafür hatten die sicher damals schon ihre "Perlen", die das erledigten...


    Historische Romane gehören zu meinen Lieblingsgenres, vielleicht hat es damit zu tun? ;)
    Ich habe auch gleich nach dem Bild im Städel gegoogelt und war dann erleichtert, das ich das richtige Bild fand. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte(n) sich weiterentwickeln!


    Ehrlich gesagt ist mir die Ähnlichkeit erst jetzt aufgefallen, als ich mir das Bild gerade nochmal angesehen habe. Da der Fächer am unteren Bildrand ist, hatte ich ihn bisher komplett übersehen, aber ich muss schon sagen, die Ähnlichkeit mit einem Staubwedel ist wirklich unverkennbar ;D


    Übrigens, seit ich das grüne Bild betrachtet habe, spukt es mir im Kopf herum, wo ich es denn schon gesehen haben könnte, denn es kommt mir sehr bekannt vor. Vermutlich ziert es das Cover eines historischen Romans, aber ich bin noch nicht darauf gekommen, welchen. Das ist wohl eine meiner Marotten, dass ich bei so etwas keine Ruhe geben kann, bis ich eine befriedigende Lösung gefunden habe. ::)

    Hallo liebe Mitlesende, liebe Nicole,


    es tut mir leid, dass ich erst heute schreibe, aber wir hatten zwei Familienfeiern noch zusätzlich zum Jahreswechsel, so dass ich immer mal nur für ein paar Seiten zum Lesen gekommen bin. Erst heute Nacht konnte ich mich endlich richtig auf den Roman einlassen und die Protagonisten kennenlernen. Gemma, die junge Frau mit dem wunderschönen und ein klein wenig altmodischen Namen hat ein schlimmes Trauma erlebt. Mit vier Jahren die Eltern zu verlieren und dabei auch noch einen großen Brand mit zu erleben, das muss so schrecklich sein, dass man es als Außenstehender wohl gar nicht richtig nachvollziehen kann. Dass Gemma dabei Schaden an ihrer Seele genommen hat, ist nur allzu verständlich. Ihren ständigen Kontrolltick, eine Folge von diesen frühkindlichen Erlebnissen, kann ich gut verstehen. Demnach ist sie inzwischen ganz allein auf sich gestellt, abgesehen von wenigen guten Freunden und Nellie, deren geistiger Zustand so treffend beschrieben ist. Überhaupt sind die Protagonisten so toll beschrieben und wirken auf mich sehr sympathisch in ihrer Einzigartigkeit. Liebe Nicole, deine malerischen und detaillierten Schilderungen lassen mir immer wieder das Herz aufgehen! Auch Sisley war mir sofort sympathisch, mit all seinen Eigenheiten und Macken. Er und Gemma sind keine alltäglichen, sondern ganz besondere Charaktere, die den Roman mit Leben füllen.
    Wenn ich mir das so recht überlege, passen die beiden gut zusammen, denn so verschieden sie auch sind, sie haben Verständnis für die Eigenheiten des jeweils anderen. Ich freue mich schon, sie nun nach Frankfurt begleiten zu dürfen. Wie Sisley Gemma gefragt hat, musste ich schmunzeln, das war so gelungen und humorvoll formuliert! ;D
    Zu den Ereignissen, die dazu führten, dass Gemma nach Oxford gereist ist, möchte ich sagen, dass ich auf jeden Fall glaube, dass jemand in Gemmas Apartment war. So viele Kleinigkeiten kann sie sich gar nicht einbilden. Da sie ja ein ziemlicher Kontrollfreak ist, kann ich mir absolut nicht vorstellen, dass sie die Wohnung verlässt, ohne zuzuschließen, und wer Bücher so korrekt sortiert hat, der stellt nicht plötzlich eines falsch ins Regal. Vielleicht ist das Absicht? Vermutlich hängen die Vorfälle ja zusammen und es war derjenige, der ihr auch das Schmuckstück geschickt und die Mails anonym geschrieben hat. Es wird sicher noch spannend, die ganzen Rätsel zu lösen.
    Was die Abschnitte angeht, die in der Vergangenheit spielen, so hat es ein wenig gedauert, mich hinein zu finden, was vermutlich daran lag, dass ich beim Lesen noch ziemlich aufgedreht war. Bevor ich mit dem zweiten Abschnitt starte, möchte ich sie noch einmal konzentriert lesen.


    Ein Satz von Nane brachte mich zum Nachdenken "Früher hatte sie nie darüber nachgedacht, sondern es einfach hingenommen, wie es eben war." S.316
    So geht es mir mit der Lebensgeschichte meiner Oma Elfriede. Jetzt hätte ich ein paar Fragen mehr zu ihren Leben. Und jetzt ist es zu spät. Leider! Aber vielleicht kann mir mein Vati so einiges noch beantworten. Nur die Gefühle meiner Oma kann keiner mir rüberbringen.


    So ähnlich geht es mir auch, liebe Katrin. Leider sind meine Großeltern alle schon früh gestorben, zuletzt meine geliebte Oma, als ich 20 war. Sie hat mir zwar viel erzählt, aber damals hat mich nicht alles SO stark interessiert wie heute. Nun bedauere ich, dass ich ihr nicht mehr Fragen gestellt habe.




    Das in der Nähe von Hof (in Franken) das KZ Flossenbürg lag ... da haben meine Geschichtskenntnisse wirklich eine Lücke. Aber gut man lernt nicht aus.


    Das Lager Hof-Moschendorf war ja quasi "nur" eine Zweigstelle von Flossenbürg, deswegen ist es weitgehend unbekannt. Wegen der Porzellanindustrie waren dort während des Krieges Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht. Später wurde es dann als Durchgangslager für Heimatvertriebene und Kriegsheimkehrer genutzt. Mein Vater hat sich damals dafür engagiert, dass an der Stelle dort ein Mahnmal errichtet wurde, und ich kann mich erinnern, dass er erzählt hat (müsste in den 80er Jahren gewesen sein), dass er Besuch eines Abiturienten bekam, der ihn um ein Gespräch und um über Informationen gebeten hat, weil er seine Facharbeit über das Lager und die Situation dort schreiben wollte. Ich muss mich glatt mal wieder durch unsere Stadtchronik wühlen, denn da werden mir sicher mehr Fragen beantwortet.

    Kurz nach Mitternacht ist meine Rezension auf dem Blog online gegangen, und inzwischen ist sie auch bei Amazon und Lovelybooks zu finden.
    Nun also endlich auch hier:


    :buchtipp:
    In diesem Roman gibt es zwei Handlungsstränge. Einer führt die Leser ins Sudetenland, wo man mit Eva, ihrer Familie, ihrer Freundin Molly und ihrem geliebten Jan die Zeit des 2. Weltkriegs und danach erlebt. Hier erfährt man den Krieg mit seinen Schrecken und seine Folgen aus Sicht der Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, weil die Tschechen die verhassten Deutschen nicht mehr in ihrem Land haben wollten. Ich muss gestehen, dass mir die Ereignisse aus diesem Blickwinkel bisher fremd waren, umso stärker hat mich der Roman hier berührt, denn die Charaktere sind so detailliert gezeichnet, die Schicksale der Menschen so eindringlich dargestellt, dass man sich dem einfach nicht entziehen kann. Brigitte Riebe hat ihre fiktiven Figuren in ein nur allzu reales Umfeld gestellt, und was sie da erlebten, macht mich betroffen.


    Der zweite Handlungsfaden verläuft in der Gegenwart. Marlene Auberlin führt am Bodensee, nach dem Tod ihrer Mutter Eva, das Familienunternehmen, eine gut gehende Schnapsbrennerei, weiter.
    Nach Evas Beerdigung übergibt Marlene ihrer Nichte Nane, die zur Trauerfeier angereist ist, einen Umschlag mit dem Vermächtnis der Großmutter. Als Nane die Aufzeichnungen liest, wird sie mit mehreren tragischen Familiengeheimnissen konfrontiert. An ihr ist es nun, Licht in das Dunkel der Vergangenheit zu bringen und einiges zu klären. Nane, die bei ihrer Ankunft mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, findet hier, in ihrer alten Heimat zu einer neuen Sichtweise ihres Lebens und ihrer Familie. Sie begegnet Menschen, denen sie vertrauen kann und die sehr wichtig für sie werden. Die Ruhe, Schönheit und Klarheit des Bodensees helfen ihr, die Vergangenheit ihrer Familie aufzuarbeiten und Entscheidungen zu treffen, die ihr weiteres Leben stark beeinflussen werden.


    Beide Handlungsebenen haben mich fasziniert und sehr berührt. Vor allem bei der Schilderung von Evas dramatischer Vergangenheit musste ich oft schlucken. Die Autorin hat gründlich recherchiert und in ihrem Roman nichts übertrieben oder aufgebauscht, denn die Wahrheit war schrecklich genug, und ähnliche Schicksale wie die hier geschilderten gab es zuhauf.
    Ich habe schon einige Romane von Brigitte Riebe gelesen, die mir sehr gefallen haben, aber ich finde, mit dieser fesselnden Familiengeschichte hat sie sich selbst übertroffen.
    Hat man einmal mit dem Buch begonnen, so fällt es sehr schwer, es zwischendurch aus der Hand zu legen, denn Evas, Marlenes und Nanes Geschichte lässt einen nicht mehr los.
    Vieles, was die Zukunft der Protagonisten angeht, bleibt offen, aber im positiven Sinn, und ich denke, am Ende können wir unsere lieb gewonnenen Helden beruhigt sich selbst überlassen, denn sie werden das, was auf sie zukommt, gemeinsam meistern. In Gedanken werde ich sicher noch oft bei Nane und ihren Lieben weilen, zu stark hat mich diese großartige Geschichte mit all ihren Schicksalen berührt.


    :herz: :herz: :herz: :herz: :herz:


    Und hier die Links zu den Seiten, wo meine Rezension sonst noch erscheint:
    Auf meinem Blog,
    bei Lovelybooks
    im Randomhouse Bloggerportal
    bei Amazon
    bei der Lesejury
    im Literaturschock-Forum
    bei Goodreads
    bei Thalia
    bei Weltbild

    Diese Empfindung teile ich! Schon von Anfang an hatte ich freundlich-verständnisvolle Gefühle gerade für Marlene. Raue Schale, weicher Kern - was ja immer deutlicher wird.


    Marlene ist zwar etwas eigenwillig, aber das empfand ich auch so, dass sie halt nicht aus ihrer Haut kann. Sie freut sich aufrichtig darüber, dass Nane sie besucht und auch noch etwas länger bleibt. Da sie selbst keine Kinder hat, denke ich, ihre Nichte ist ihr sehr wichtig und lieb.


    Ich habe mir für dieses Leseabschnitt viele Notizen gemacht und auch öfters mal eine alte deutsche Karte zur Hand genommen um zu wissen wo diese ganzen Orte liegen.


    Das ist eine gute Idee, denn mit Hilfe einer Karte kann man die Entfernungen viel besser abschätzen und verfolgen, wo Eva, Lene und Molly überall gelandet sind.


    Leider liege ich mit dem Lesen weiter hinten, was keine Absicht meinerseits ist. Mich hat der Krebs etwas zum erliegen gebracht und mir ging es Tage so schlecht, dass ich im Urlaub nur noch geschlafen habe bzw. zur Behandlung musste und so vieles negative Eindrücke mehr. ABER DAS SOLL HIER KEINE ENTSCHULDIGUNG SEIN!

    Dann konntest du deinen Urlaub gar nicht so genießen, wie du es dir gewünscht hättest. Ich hoffe, es geht dir inzwischen wieder etwas besser und wünsche dir alles Liebe.
    Auch wenn ich mit dem Roman schon durch bin, so schaue ich gerne immer wieder in die einzelnen Threads zu neuen Beiträgen, denn es interessiert mich sehr, wie andere Leser diese Geschichte sehen.



    Was mich erschreckte war die Armbinde mit dem N (Nemec für Deutsch) drauf.
    Innerlich dachte ich mir "ihr seid nicht besser". Ihr habt daraus nichts gelernt und der Mensch lernt meistens nichts daraus, sondern verfährt nach alten Ansichten.


    Irgendwie scheint dieses "Kennzeichnen" in der Natur des Menschen zu liegen. Früher war es der Pranger, an dem ja nicht nur Bösewichte landeten, später gab es Armbinden oder aufgenähte Sterne, und heute übernehmen die Aufgabe des "Zeichnens" oder "Anprangerns" zum Teil die Medien.



    Wer mir im Moment ein bisschen aufstößt ist dieser Raible. Ich kann ihn nicht einordnen. Nur seine Wesensart lässt mich ein bisschen stutzig werden. Mal schauen was dieser Mensch noch für Wesenszüge zeigt und wie sich das entwickelt. Aber irgendwie fühle ich mich da wie Nane unwohl.


    So ging es mir auch mit diesem Mann, liebe Katrin!



    Das mit Evas Mutter tut mir doch sehr leid, weil man in der Nachkriegszeit auf der russischen Seite keine Medikamentenvergabe machte und hier auf der englischen und amerikanischen Seite besser vorgesorgt wurde. Und da war Tuberkulose ein Totesurteil für den Betroffenen, wie mir mein Großvater (er war Arzt in den Kriegsjahren) erzählt hatte. Vor allen ist es sehr schmerzhaft dieses Husten und man ist davon gezeichnet.

    Wenn ich mich recht erinnere, war Tuberkulose auch gegen Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre noch ein ernstes Problem. Damals gab es regelmäßig Reihenuntersuchungen in der Bevölkerung, die Pflicht waren.


    Nane hat doch das ABC von Alice erhalten und es dann abgeschrieben, ähnlich wie dieses hier, oder?


    http://www.suetterlinschrift.de/Lese/Alphabet.gif


    Ich kenne das noch von meiner Oma, es hat eine Weile gedauert, bis ich die bizarren Buchstaben entziffern konnte, aber irgendwann macht es tatsächlich "Klick/Aha" und dann kann man es lesen..


    Wir haben diese Schrift sogar noch in der Schule gelernt, aber es war nur eine sehr kurze Unterweisung, und ich hätte das alles vermutlich bald wieder vergessen, wäre da nicht das Poesiealbum meiner Mama. Das habe ich schon als Kind immer fasziniert betrachtet, und der Großteil der Einträge dort ist in der alten deutschen Sütterlinschrift verfasst. Meine Oma hat noch so ihre Briefe geschrieben und auch von ihrer Freundin welche erhalten, die ich immer lesen durfte.


    Ich weiß schon, was du meinst, liebe Ulrike, und das sind Gedanken, die ich mir auch schon gemacht habe. Wirkungsvoll ignoriert wäre so eine Kundgebung beispielsweise nur, wenn wirklich gar keiner Notiz davon nehmen würde, wenn sie ihre Kundgebung auf einem menschenleeren Platz abhalten würden, aber das wird man nie hinbekommen, denn dazu gibt es einfach zu viele Leute, die neugierig sind und aus diesem Grund mal dort vorbeischauen, und schon fühlen sich die Braunen wieder beachtet.