Beiträge von Klusi

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.


    Ich fand Eva in dieser Angelegenheit nicht nur "ein wenig egoistisch", ihre Reaktion war einfach unverschämt und selbstsüchtig. Molly hat immer zu ihr gestanden und nun, da sie sich ein eigenes Leben wünscht, gönnt sie es ihr nicht. Das fand ich einfach schrecklich. Und dann noch ihre Unterscheidung, mit Jan wäre das ja was ganz anderes gewesen - wieso eigentlich?


    Diese Einstellung findet man leider gar nicht so selten, dass Menschen ihre eigenen Gefühle und Probleme als wichtiger ansehen als die ihrer Mitmenschen. Es gibt ja den ach so weisen Spruch "Wenn zwei das gleiche tun, ist da noch lange nicht das selbe." Das Wörtchen "tun" kann man durchaus auch mit "fühlen" oder "die gleichen Probleme haben" ersetzen.

    Was für ein Roman! Ich habe ihn letzte Nacht fertig gelesen, konnte nicht ruhen, bis die letzte Seite gelesen war.
    Da gab es ja noch jede Menge zu klären, und alle wichtigen Fragen und Probleme haben sich dann auch letztendlich aufgelöst. Es kam ja noch ziemlich geballt, und als es den Anschein hatte, dass Hermann Bentele Eva einmal verführt hatte und behauptet hat, Vicky sei seine Tochter, da hat sich kurz Erschrecken bei mir breit gemacht, aber glücklicherweise hat sich auch das in Wohlgefallen aufgelöst. Nun ist mir auch klar, wieso Vicky ihre Heimat verlassen hat. Glücklicherweise war sie so clever, einen Test machen zu lassen. Wieso sich Eva überhaupt auf dieses Schäferstündchen eingelassen hat? Während sie in den Wehen lag und ihr einiges durch den Kopf ging, hat sie es selbst kurz und bündig auf den Punkt gebracht: "Ich mag dich nicht, aber ich begehre dich." Da waren keine Gefühle im Spiel, sondern nur eine starke körperliche Anziehungskraft. Ich denke, ihren Toni hat sie wirklich geliebt, und nur zu gut, dass das Kind wirklich von ihm war. Hermann Bentele hatte da wohl seine ganz eigene Überzeugung und Genugtuung, er wäre der Vater, und ich vermute, die hat er mit ins Grab genommen.


    Nane verhält sich super, bei all den Problemen, die sie selbst hatte. Aber ich bin guten Muts, dass sie diese in den Griff bekommt, mit Hilfe ihrer kleinen Familie und mit Fabios Beistand, denn dass aus den beiden ein Paar wird, ist für mich so gut wie sicher.


    Nachdem Nane Marlene mit den Namen auf dem Zettel konfrontiert hat, konnte diese sich plötzlich erinnern, als wäre ein Damm gebrochen. Ich denke, mit Hilfe ihrer Nichte und ihrer Schwester wird sie es schaffen, die Vergangenheit zu verarbeiten, sich ihr zu stellen und vielleicht auch die bösen Träume hinter sich zu lassen.


    Ich werde noch oft an diese wundervolle und berührende Geschichte zurück denken, und für mich ist dieser Roman ein starker Kandidat für ein Re-Read in ein paar Jahren.
    Nun werde ich erst einmal meine Gedanken zur Geschichte ordnen und meine Rezension pünktlich zum Erscheinungstag, am kommenden Montag, posten. Soviel schon vorab: mir hat das Buch sehr gut gefallen!


    Danke an dich, liebe Brigitte, für die ausgiebige Begleitung der Leserunde und die geduldige Beantwortung unserer Fragen. Danke auch an Leserunden.de für die Organisation dieser schönen Leserunde, und nicht zuletzt auch danke an alle Mitleser hier in der Runde, für den regen und interessanten Austausch. Es hat viel Freude gemacht, und ich werde natürlich noch weiterhin in den einzelnen Beiträgen der Leserunde stöbern und "mitmischen" ;)

    Ja, ich denke, Dir waren schon immer da. Und in Zeiten von "Flüchtlingskrisen" haben sie ihre Chance gesehen und sind noch mehr aus ihren Löchern gekrochen... Und sie treffen ja durchaus einen Nerv, alleine indem sie Ängste schüren oder gleich nutzen.
    Sprich, Nazis finden in solchen Zeiten eben auch reichlich Mitläufer/Protestwähler/oder wie auch immer sie sich schimpfen. ::)


    So sehe ich das auch, diese Meute mit der fäkalienfarbenen Gesinnung (wie überaus passend! ::)) arbeitet mit den Ängsten der Bevölkerung, gerade im Hinblick auf alles Neue, Fremde. Gerade in der aktuellen Situation, wo viele Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen, um Schutz zu suchen, sehen viele ihren persönlichen Wohlstand gefährdet, und da steigen die Rechten voll drauf ein.

    Nun sind mir Eva und Lene nicht nur geistig und im Herzen nahe gekommen, sondern zwar in einer anderen Zeit, aber irgendwie auch räumlich, denn sie waren im Durchgangslager in Hof, in meiner Heimatstadt. Dort, wo das Lager damals war, ist heute eine große Textilfabrik, nur ein Denkmal erinnert daran. Immer wenn ich dort vorbei komme, gehen mir Gedanken durch den Kopf, was sich damals für Schicksale dort abgespielt haben, und nun werde ich auch immer an Eva und Lene denken müssen, wenn ich in die Nähe des damaligen Lagers komme.



    Evas Reise an den Bodensee wurde wieder einmal regelrecht zur Odyssee, denn erst der schwere Abschied von Molly, dann die schreckliche Nachricht bei der Ankunft, dass ihr Vater verhaftet wurde und die erste Begegnung mit Bentele sowie Auberlin. Bentele hat bestimmt Schuld an der Verhaftung, weil Fritz in seinem Auftrag den Schnaps auf dem Schwarzmarkt verkaufen sollte. Bentele ist für mich ein überheblicher und arroganter Kerl, der nur an sich denkt und über Leichen geht. Wie er Lenis Igel gesehen hat, war seine Reaktion allerdings schon recht merkwürdig.

    Das war auch mein erster Gedanke, dass womöglich Bentele an Fritz' Verhaftung schuld war. Als er Lenis Igel aufgehoben hat, ist mir auch eine Gänsehaut über den Rücken gekrochen. Es erhärtet sich immer mehr der Verdacht, dass Bentele die kleine Leni schon einmal gesehen hat, wobei Leni ja keinerlei Anzeichen für ein Erkennen sehen lässt.



    Dagegen gefällt mir Auberlin sehr gut, er hat das Herz am rechten Fleck und verschafft Leni und Eva sogar eine Unterkunft bei Käthe Köberlin. Wie lieb die Frau die beiden aufgenommen hat, das ist mir richtig ans Herz gegangen. Und mir gefällt auch, dass Eva Gelegenheit bekommen wird, bei Auberlin das Brennen wieder aufnehmen zu können, davon versteht sie schließlich etwas.


    Ja, sowohl Auberlin als auch Käthe Köberlin sind zwei große Sympathieträger. Sie begegnen den Neuankömmlingen mit Herz, und sie fangen Eva und Lene quasi auf, als diese so plötzlich wieder vor dem Nichts stehen.



    Die Eröffnung, dass Simon der Vater des kleinen Bens ist, hat mich auch überrascht. Wie kann er eine Frau mit Kind sitzen lassen? Ich verstehe seine merkwürdigen Avancen an Nane nicht, wo er doch weiß, dass er Vater ist und bis vor kurzem noch mit Kati zusammen war.


    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Simon sich in den Gedanken verrannt hat, Nane würde zurück kommen, und es könnte mit ihnen noch etwas werden. Die Zeit bis dahin hat er mit Kati überbrückt, wobei sie vermutlich mit den Gefühlen dabei ist, im Gegensatz zu ihm. Dass er seinen Sohn leugnet, ist seltsam, aber auch das spricht meines Erachtens dafür, dass er sich von Nane noch "etwas" erhofft. Was genau das ist, darauf bin ich gespannt.
    Mein Gefühl sagt mir jedoch, dass Nane bei Fabio besser "aufgehoben" ist. Die beiden kommen sich ja schon sehr nahe, und ich denke, dass hier auch beiderseitige Gefühle vorhanden sind.
    Nanes ganzes Handeln lässt darauf schließen, dass sie eine Entscheidung für ihr weiteres Leben getroffen hat und dass diese Entscheidung für Fabio, für Souki, für Marlene, für Rickenbach und für die Brennerei ausgefallen ist, zumindest deute ich die Zeichen so.



    Jetzt geht es leider in den Endspurt, einerseits bin ich sehr gespannt, was noch alles kommt, andererseits ist das eines dieser Bücher, die nie enden sollten… :winken:

    Mir fällt es auch immer sehr schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen. Das geht mir ähnlich, auch ich bin zwar neugierig auf das Ende, aber wenn ich alles erfahren habe, bedeutet das ja auch, dass der Roman zu Ende ist, und das macht mich jetzt schon ein wenig traurig.


    Also ich habe eher den Eindruck, dass Nane ihre Tante verstehen möchte. Sie versucht herauszufinden, was Vicky und Marlene häufig entzweit, versucht zu begreifen, was Marlene umtreibt und warum sie so gegen die Benteles ist.
    Von Abneigung lese ich da nichts, nur von Suche und Begreifen-Wollen.


    Ja, so sehe ich das auch, und umgekehrt ist es genauso, denn trotz ihrer etwas barschen Art mag Marlene ihre Nichte sehr gerne und ist froh, sie bei sich zu haben, so mein Eindruck.

    Was ich nicht verstehe, ist, daß Nane eine immer größere Abneigung gegen Malene entwickelt. Gibt sie ihrer Tante die Schuld daran, daß ihre Mutter im Auberlinhaus nichts zu sagen hat, daß sie gar nicht dazu gehört?


    Empfindest du das so? Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass Nane ihrer Tante gegenüber eine Abneigung entwickelt. Klar, es gibt Meinungsverschiedenheiten, und Nane fragt sich bei einigen Dingen, wieso Marlene so und nicht anders reagiert, aber grundsätzlich bringt sie ihr doch Zuneigung entgegen, so empfinde ich es zumindest.

    Das Kapitel hat mich richtig mitgenommen. Was Eva, Molly und Lene erlebt haben, ging ganz schön an die Substanz, sowohl körperlich als auch seelisch. In ihrer neuen "Heimat" wird das Leben rein vom Materiellen regiert, wenn man Vogel ansieht. Dass Eva mit dem Schnapsbrennen quasi eine "Waffe" gegen Vogels Zudringlichkeit erhalten hat, gefällt mir gut. Molly hat mir leid getan, denn Eva war sehr ungerecht zu ihr. So vieles hat ihre Freundin für sie getan und war immer für sie da, aber als sie sich in Carl verliebt, reagiert Eva dermaßen bissig. Dr. Carl Schubert als "Augenklappenträger" zu bezeichnen, ist schon gemein, wenn man bedenkt, was der Mann durchgestanden hat. Naja, man muss ihr zugute halten, dass sie es nicht leicht hatte, so dass die Nerven schon blank liegen, aber Molly und alle anderen ja auch nicht!
    Bei der Hellwich hört die Freundlichkeit auf, wenn es um ihre Bequemlichkeit und Ruhe geht. Damals hatte Lene also auch bereits Albträume, in denen Feuer vorkommt. Ich sehe da auch eine Verbindung zu Lidice.
    Lidice ist direkt eine Überleitung zu dem alten Bentele mit seiner Zinnfigurensammlung. Wobei es ja nicht einfach nur Zinnfiguren sind, sondern es werden ja damit ganze Szenen dargestellt, ein Dorf im Feuer. Die Erklärung ist naheliegend, dass es sich auch hier um Ledice handelt. Es würde einiges erklären, wenn Lene und Bentele sich damals begegnet wären, aber ob und wie, das wird sich sicher noch im weiteren Verlauf der Geschichte zeigen. Ein weiteres Rätsel ist die Sache mit den Ohrringen, die sich in Benteles Nachlass befinden und anscheinend für Eva bestimmt waren. Da bin ich echt gespannt, wie es weitergeht. Momentan weiß ich nicht, wie ich die jungen Benteles einschätzen soll. Simon erschien mir anfangs sehr liebenswürdig, aber irgendwie spürt nicht nur Souki, dass hier nicht alles so ist wie es auf den ersten Blick wirkt. Auch Nane scheint das zu bemerken. Er scheint sich sehr sicher gewesen zu sein, dass Nane eines Tages nach Rickenbach zurückkehrt.
    Und dann ertappt sie Martin Raible knutschend mit seiner "Cousine" im Auto. Ob Marlene noch so große Stücke auf ihre "rechte Hand" geben würde, wenn sie das wüsste? ::)


    Auch dieser Abschnitt geht mir sehr an die Nieren, Evas Schicksal begleitet mich ständig in meinen Gedanken.


    Der Stoß in den Bauch und dann Evas Fehlgeburt – wie schrecklich – ihre letzte Verbindung zu Jan ist tot. Was muss diese Frau alles ertragen in so jungen Jahren.

    Da war der zweite Verlust, den ich schon mit bangem Herzen erwartet habe. Nun hat Eva auch noch das Kind verloren, das einzige, was ihr von ihrem geliebten Jan geblieben war. Dass sie weitermacht und sich um ihre Mutter und auch um die kleine Leni kümmert, ist einerseits gut für sie, um nicht daran kaputt zu gehen, aber ich denke, es erfordert auch fast unmenschliche Kraft.

    Weiß Marlene das denn? Ich glaube nicht! Sie war noch klein, als sie zu Eva kam und wird das, was vorher war, verdrängt haben. Doch irgendwo in ihrem Unterbewusstsein gibt es diese Zeit vor Eva noch, das zeigen ihre Albträume, ihre Apfelphobie...
    Das Zerwürfnis der Schwestern, die ja eigentlich keine sind, mag andere Ursachen haben, von denen wir, wenn es denn so ist, bald erfahren werden.


    Ich denke nicht, dass Marlene es weiß. Auch wenn sie zu dem Zeitpunkt der Flucht schon in einem Alter war, wo man schon viele Erinnerungen hat, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie alles, was vorher war, verdrängt hat. Zumindest haben wir jetzt erfahren, woher Marlenes Abneigung gegen Äpfel rührt.
    Die Sache mit der kleinen Katze war ja tragisch, gerade wo Lene durch das Kätzchen angefangen hatte, wieder etwas mehr am Leben teilzuhaben.
    Während der ganzen Zeit wirkt Molly auf mich wie ein Fels in der Brandung. Sie unterstützt Eva wo sie kann und macht sogar Unmögliches möglich. Dass die Papiere unterwegs verloren gegangen sind bzw. gestohlen wurden, kann sich nun als gut erweisen, denn dadurch kann Eva die kleine Leni als ihre Tochter ausgeben, und Molly bezeugt es! Was wird nun aus Julika werden? Wenn sich ihre Krankheit wirklich als TBC herausstellt, sind ihre Überlebenschancen bei ihrem geschwächten Zustand sicher nicht allzu groß.


    danke, liebe Susanne - deshalb stehen die wunderbaren Zeilen von Dieter Bonhoeffer, den die Nazis 1945 ermordet haben, auch als Motto vor diesem Roman:
    "Gegen das Vergessen schützt nur die Liebe."
    Ich persönlich würde hinzufügen: Und das Wissen ...
    alles Liebe von Brigitte - was für eine grandiose Leserunde!!!


    Diese schönen Zeilen waren das erste, was mir an dem Roman gleich aufgefallen ist. Dietrich Bonhoeffer hat es, wie in vielen seiner Schriften, "auf den Punkt gebracht!"


    Nur wenn wir die Vergangenheit KENNEN, können wir eine andere Zukunft bauen. So lautet mein Lebensmotto. Deshalb bin ich Historikerin geworden :)
    Alles Liebe von Brigitte ...


    Das ist ein wahrhaft gutes Lebensmotto, liebe Brigitte! So schwer es uns fällt, den Tatsachen aus dieser schlimmen Zeit ins Auge zu blicken, aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern und möglichst viel zu erfahren, was damals alles geschah, denn das darf auf keinen Fall in Vergessenheit geraten.


    Über die Töchter in diesem Roman kann man noch mehr spekulieren, ist Name wirklich die Tochter eines Fado-Musikers? Nach dem Drama mit Robert Bentele, habe ich mich natürlich auch gefragt, ob dieser Robert Nanes Vater ist und seine Söhne ihre Cousins. Wenn Vicky sich umbringen wollte, war sie vielleicht schwanger von ihm..Oder was passierte auf der Erholung danach im Allgäu? Sollte da eine Schwangerschaft versteckt werden?
    Abbruch? Adoption? Oder einfach nur aus der Schusslinie bringen?
    Das Robert bei ihrer Rückkehr gleich verlobt war, muss Vicky arg getroffen haben. Es muss auch seltsam für Name sein, die Frau zu kennen, für die sich Robert letztendlich entschieden hat. Land und Gut machen wohl attraktiv..


    Es tun sich in diesem Roman wirklich Fragen über Fragen auf. Ich denke, da werden wir noch einige Überraschungen erleben.



    Sorry, dass ich so spät erst poste, aber ich kann das Buch nicht einfach nur so durchlesen. Mir gehen da so viele Sachen im Kopf rum und einiges geht mir auch sehr nah.


    Da geht es mir ähnlich; es passiert so viel, vor allem Schreckliches, dass ich das Gelesene nach jedem Abschnitt erst einmal setzen lassen muss, bevor ich weiter lese.

    Was für ein dramatischer Abschnitt mit tragischem Ende!
    Beim Lesen ist mir wieder so richtig bewusst geworden, wie schlimm diese Zeit damals war. Evas Vater hat sich in einem Gespräch mit ihr geäußert, dass junge Menschen doch sorgenfrei und unbeschwert leben müssten und nicht derartige Bürden auferlegt bekommen sollten. Und viele, die den Krieg überlebt haben, werden dann doch noch Opfer, so wie Jan. Mit dem Krieg war ja leider der Hass noch nicht zu Ende, und sein Tod kommt mir besonders tragisch vor, nicht nur, weil er nun nie von seinem Kind erfährt, sondern weil er ja nicht einmal von Feindeshand gestorben ist.

    Marlene kann nicht die Tochter von Eva sein, denn Eva hatte so früh kein Kind, das hätte sie doch ihrem Tagebuch anvertraut. Marlene müsste um 1940 auf die Welt gekommen sein, dann wäre sie heute 77. Damals war Eva definitiv nicht schwanger, laut ihren Aufzeichnungen hatten sie und Jan erst später eine körperliche Beziehung.
    Wahrscheinlich hat sie die damals etwa 5- Jährige irgendwo auf ihrer Flucht getroffen und sie mitgenommen - das ist meine Vermutung.


    Dass Marlene nicht Evas Tochter ist, vermute ich auch. Ich habe zwar nicht nachgerechnet und auch noch keine größeren Überlegungen dazu angestellt, aber es ist doch so ein Gefühl, denn irgendwo in diesen ersten beiden Abschnitten steht, dass Eva einen doppelten Verlust erlitten hat. Eure Theorien klingen jedenfalls alle auch sehr plausibel.


    Es gibt noch so viele Geheimnisse in dieser Geschichte, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Was es mit der Feindschaft zu den Nachbarn auf sich hat, darauf bin ich auch schon sehr neugierig. Auch woher Marlenes Albträume rühren, die sie ja selbst nicht wahrhaben möchte, interessiert mich sehr und nicht zuletzt Nanes Problem - ob es "nur" eine gesundheitliche Schwäche ist oder ob es da noch einen tieferen Hintergrund gibt. Ich vermute ja letzteres.

    Auf den ersten Blick hatte ich nicht den Eindruck, dass Raible unsympathisch ist! Aber wir sehen ihn ja durch Nanes Augen und durch ihre Empfindungen... Also wird es schon so sein, wie du schreibst, dass er nämlich nichts Gutes im Sinn hat.
    Was mich dann aufmerksam machte, war das Sterile, das irgendwie Seelenlose des Ladens, was besonders augenfällig wurde, als der fröhliche, freundliche Laden der "verfeindeten" Nachbarn dazu in Kontrast gesetzt wurde...


    Ja, der beschriebene Kontrast, auf der einen Seite der "kalte" Laden der eigenen Familie und dann das schöne und gemütliche Ambiente beim Nachbarn, ist mir auch aufgefallen. Dabei wird Eva eigentlich so dargestellt, als wäre sie eine herzliche Frau gewesen, die ja immerhin die Schnapsbrennerei aufgebaut und viele Jahre erhalten hat. Es wäre interessant, ob der Laden diese Kälte schon immer ausstrahlte, oder ob das erst ist, seit sich Eva zurückgezogen hatte und seit Marlene mit Raibles Unterstützung arbeitet. Wobei, so wie ich Marlene bisher kennengelernt habe, gehört sie auch nicht gerade zur gefühlsbetonten Sorte Mensch.

    Hallo liebe Teilnehmer der Leserunde, liebe Brigitte,
    bei manchen Büchern braucht es einen gewissen Anlauf, bis man sich eingelesen hat, zumindest mir geht das oft so. Bei diesem Buch war das nicht der Fall. Die Geschichte hat mich gleich mitgenommen, mitten hinein in die Ereignisse, und sie hat mich nur ungern wieder losgelassen. Sie hat mir eine wahre Bilderflut in den Kopf gezaubert, denn ich liebe die Gegend um den Bodensee. Der schwäbische Dialekt ist für mich ebenfalls sehr vertraut, denn meine Tante lebte mit ihrer Familie im Schwobaländle, und wenn ich als Kind länger als eine Woche bei ihr zu Besuch war, verfiel ich nach und nach selbst in diese Mundart. (Kinder sind da ja anpassungsfähig ;D) Nane war mir von Anfang an sympathisch. Ich vermute, sie hat eine stressige, problematische Zeit hinter sich. Was ich schon sehr schnell vermutete, leidet sie unter Tinnitus; ich stelle mir das sehr unangenehm vor. Dass sie die verletzte Hündin gleich mitgenommen hat, spricht total für sie und ihr gutes Herz. Ob ihre Mutter Letzteres auch besitzt, das habe ich anfangs bezweifelt. Auf den ersten Blick wirkte Vicky recht oberflächlich auf mich, aber als sie dann bei der Beerdigung ihrer Mutter das schöne Lied von Cat Stevens spielte, hat mich das doch berührt. Es sind die kleinen Gesten und Bemerkungen, die mir sagen, dass wohl mehr in ihr steckt als es scheint.



    Schon traurig, das erst die eigene Mutter sterben muß, das die Familie wieder zusammenkommt.
    Deswegen fand ich es auch etwas unfair, dass Vicky gleich Vermutungen zu Evas Granatkreuz machte. Wenn Marlene Eva gepflegt hat und Vicky sich hat nicht sehen lassen, würde ich sagen, es steht auch Marlene zu.


    Was es mit dem Granatkreuz für eine Bewandtnis hat, darauf bin ich gespannt, denn ich denke, die kleine Episode wurde nicht zufällig erwähnt. Mir ist in dem Rückblick zu Evas Jugendzeit aufgefallen, dass auch Jans Tante ein Granatkreuz trug, und ich könnte mir vorstellen, dass es da eine Verbindung gibt bzw. dass es sich um das selbe Granatkreuz handelt, das auf irgend eine Weise bei Eva gelandet ist. Ich bin gespannt...


    Das Wiedersehen mit Nanes Ferienfreund Simon verlief ja sehr freundlich und entspannt. Auch machte Simon nicht den Eindruck, als würde ihn die alte Fehde zwischen den Familien, die es anscheinend gegeben hat und laut Marlene immer noch gibt, nicht weiter belasten. Er ist vermutlich ein Mensch, der eher nach vorne schaut und nicht gerne in der Vergangenheit wühlt.


    Raible, Marlenes "rechte Hand" ist mir nicht sympathisch. Er wirkt etwas undurchsichtig, und auch ich vermute, dass er seine eigenen (egoistischen) Pläne hat, was Marlene und den Betrieb betrifft. So recht war es ihm ja nicht, zu erfahren, dass Nane vor hat, länger zu bleiben.