Beiträge von Emmy

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Ihr Lieben, im September 2012 habe ich mich hier angemeldet

    und in den sechs Jahren so viele interessante Leute kennengelernt,

    spannende Leserunden mitgemacht und mich mit euch ausgetauscht.

    Vielen Dank von Herzen für diese Plattform, die es uns ermöglicht hat, über eine der schönsten Sachen zu reden, die es gibt - dieses unerschöpfliche Reich der kreativen Phantasie, das uns inspiriert und unser Leben bereichert. Ganz lieben Dank vor allem an die Admins, die den Überblick behalten und uns aufmerksam und wohlwollend begleitet haben und die vielen wunderbaren Autoren, die sich engagiert an den Runden beteiligt haben. :danke:


    Ich werde dieses kleine gemütliche Forum vermissen, aber freue mich auch schon auf neue spannende Lesereisen bei Literaturschock.


    Bis bald also :*

    Ich teile eure Ansicht zu Rebecca und fand ihre Reaktion auch sehr heftig und wie Konstantin anmerkte - voller Standesdünkel. Ich bin mal gespannt, wie lange sie braucht und ob sie irgendwann an den Punkt kommt, um Konstantin zu verzeihen. Denn auch wenn er sie viel und oft angelogen hat, so hat er es 100%ig ernst mit ihr gemeint. Er war nicht nur mit ihr zusammen, weil er ein bisschen Spaß haben wollte. Er wollte sie ehrlich heiraten - ganz egal, was für einen Skandal er ausgelöst hätte.

    So ist es und das habe ich ihm auch geglaubt. Wenn jemand einen Fehler macht und nicht die Wahrheit sagt, wäre es trotz aller Enttäuschung angebracht, sich und ihn nach den Gründen zu fragen. Denn seine Gründe waren nachvollziehbar, er hat es für diese kostbare gemeinsame Zeit getan, er wollte ihre noch so neue Beziehung nicht durch Irritationen und sozialpolitische Diskussionen belastet wissen.

    Aber wenn Rebecca mit voller Überzeugung behauptet, sich niemals in einen Adeligen verlieben zu können, ist das sehr dumm, engstirnig und grausam. Was kann ein Mensch dafür, in welche Familie und welche Lebensumstände er hineingeboren wird ? Er kann gar nichts dafür, soll aber bestraft werden wegen dummer Vorurteile ? Was er später aus seinem Leben macht, ob er es mit Sinn erfüllt und sich anständig verhält, seinen Mitmenschen, den Tieren und der Natur mit Respekt und Empathie begegnet - das allein zählt, alles andere ist völlig unwichtig. Das sollte auch Rebecca wissen, immerhin setzt sie sich für ihre Schüler ein, damit die eine höhere Bildung erlangen können.

    Ihr Lieben und liebe Hanna,


    vielen Dank, es hat mir sehr viel Freude gemacht, diesen wundervollen Roman mit euch zu lesen und zu besprechen und ich kann es kaum erwarten, die Fortsetzung zu erfahren. :*

    Meine Rezi bringe ich wie Nadine noch bei Literaturschock und amazon unter.

    Vielen Dank euch allen für diese interessante Runde und ganz besonders an Hanna Caspian für die Begleitung.


    Hier ist mein Fazit:


    Schon seit Generationen lebt die adelige Familie von Auwitz- Aarhayn auf ihrem Landgut in Pommern. Im Sommer des Jahres 1913 stirbt der alte Gutsherr Donatus überraschend durch einen tragischen Unfall beim Holzfällen und damit tritt sein Sohn Adolphis seine Nachfolge an. Das Jahr bringt aber noch weitere Veränderungen mit sich, der neue Kutscher Albert Sonntag wirkt nach Außen hin pflichtbewusst und benimmt sich tadellos, verfolgt aber im Geheimen eigene Ziele, die mit seiner Kindheit im Waisenhaus zu tun haben. Die jüngste Tochter Katharina wird von ihrer strengen und extrem standesbewußten Mutter Feodora in eine Rolle gezwungen, gegen die sie sich zu wehren versucht. Gerade in Adelsfamilien wurde den Töchtern und Söhnen die Kindheit quasi geraubt, sie wurden behandelt wie junge Erwachsene, dazu passt ja auch, dass Katharina bereits seit Jahren ein Korsett tragen muss. Das bedeutet auch im gesellschaftlichen Sinn ein Leben mit strengen Regeln und unter ständiger Kontrolle. Ihre Mutter hat diese Vorstellungen so sehr verinnerlicht, dass sie ihrer Tochter keine Hilfe oder Unterstützung bieten kann auf ihrem schwierigen Weg ins Erwachsenwerden. Der älteste Sohn Konstantin hat viele neue Ideen für eine Modernisierung der Arbeitsabläufe auf den Feldern, womit er leider weder bei seinem Vater noch bei dem alten Gutsverwalter Gehör findet.Dennoch lässt er sich nicht entmutigen und zeigt sehr viel Charakterstärke und Willenskraft, nur in einer sehr privaten Angelegenheit gerät er in einen emotionalen Konflikt.


    Aber nicht nur innerhalb der Adelsfamilie brodelt es und treten alte und neue Probleme zutage, auch unter den zahlreichen Dienstboten gibt es Bösartigkeiten, Intrigen, Betrug und Neid. In diesem spannenden historischen Roman stehen die Konflikte zwischen den Generationen sowie auch innerhalb der Familie im Vordergrund. Die sozialen Spannungen zwischen Dienerschaft und Herrschaft, aber genauso innerhalb des Personals werden hier mit harten Bandagen ausgetragen.

    Es ist sicher kein Zufall, sondern sehr geschickte Dramaturgie, dass die Intrigen und persönlichen Katastrophen unter der Dienerschaft wie eine Spiegelung der familiären Erosion innerhalb der Adelsfamilie wirken. So groß sind die Unterschiede garnicht zwischen "downstairs" und "upstairs" - es sind eben oben genau wie unten alles nur fehlbare Menschen, von denen jeder seine eigene persönliche Tragik in sich trägt und zu bewältigen hat.

    Diese verschiedenen Handlungsebenen und Schicksale verweben sich im weiteren Verlauf zu einem interessanten Muster und entwickeln ihre eigene Dynamik , bis im Juni 1914 das Attentat von Sarajewo Europa erschüttert und letztlich zur Katastrophe des 1. Weltkriegs führt. Diese Bedrohung wirft bereits ihre Schatten voraus und die Karten werden neu gemischt, auch auf dem Gutshof. Wir dürfen uns jetzt auf zwei weitere Bände freuen, in denen diese wunderbar und intensiv erzählte Geschichte weitergeht.


    :buchtipp::danke:

    Die beste Lösung wäre doch, wenn Adolphis sich von ihr scheiden lassen würde.

    Das war ja nicht so einfach, und wäre für Feodora mit sehr vielen Nachteilen verbunden gewesen, denn die Frauen waren bei Scheidungen schon immer in der schlechteren Position. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

    Einfach wohl nicht, aber ich würde es dieser kaltherzigen, grausamen Person sehr wünschen, wenn er irgendwann die Nase voll hat von ihrem Gehabe und sie zum Teufel jagt. :capone:

    Stimmt, man sollte nie in einem solchen Streit auseinander gehen. Denn all die bösen Worte könnten einem bitter leid tun, wenn man keine Möglichkeit mehr hat, sich dafür zu entschuldigen.

    Genau so ist es - wenn es zu spät ist für ein Einlenken, eine Umkehr oder Entschuldigung trägt man die Reue und Trauer ein Leben lang mit sich. Rebecca ist eine so kluge und feinfühlige Frau, ich kann mir nicht vorstellen, dass ihre Wut auf Konstantin lange anhält. Bei beiden hatte ich das Gefühl, dass es ihnen ernst ist mit ihrer Beziehung und sie sich wahrhaftig sehr lieben. Sowas ist sehr selten und wenn man den oder die Richtige/n getroffen hat, sollte man ihn festhalten. Der Name ist Schall und Rauch,die Herkunft nebensächlich - was zählt ist der Charakter

    und das Wesen.

    Rebecca`s Reaktion habe ich als völlig überzogen empfunden. Natürlich war sie zuerst schockiert, als sie dem echten Albert Sonntag begegnet ist und Konstantin auf der Treppe gesehen hat. Diese Reaktion war glaubwürdig und da konnte ich sie noch gut verstehen. Aber wie sie sich einige Tage später verhalten hat, als Konstantin zu einer Aussprache zu ihr in die Schule kam, das war völlig herzlos und unnötig grausam.

    So sehe ich es auch. Ich hab ja schon geschrieben, dass es fast schon weg getan hat wie Konstantin um Vergebung gebeten hat.

    Wenn sie in ihren Gesprächen genau zugehört hätte, wäre ihr aufgefallen dass Konstantin Grenzen zwischen Adel und Arbeiterschicht einreißen würde. Ihm sind die Standesdünkel auch zu wieder. Und Fakt ist doch überhaupt eine, sie lieben sich. Man hätte sich aussprechen sollen und auf vernünftigen Weg versuchen einen gemeinsamen Ausweg zu finden, einen dem eine gemeinsame Zukunft nichts im Wege steht.

    Ganz genau so hätten sie einen Weg finden können, der beiden entspricht. Aber jetzt hat Rebecca ihn so heftig und endgültig von sich gestoßen, dass ich mir große Sorgen um Konstantin mache. Wenn er jetzt an die Front gehen muss für diesen sinnlosen Krieg und fällt, dann wird er sie nie wiedersehen und ihr wird es hinterher sehr leidtun. Da darf ich gar nicht dran denken - ich mach mir große Sorgen !!!:(

    Liebe kann vieles verzeihen und gerade als Lehrerin sollte sie sich auch mit seelischen Nöten auskennen. Sie weiß doch im Grunde ganz genau, dass er ihr seine wahre Identität nur aus dem einzigen Grund verschwiegen hat, weil er Angst hatte, sie zu verlieren und jeden Tag, jede Stunde mit ihr festhalten und geniessen wollte. Er liebt sie über alles und sie stellt ihre Vorurteile über ihre Gefühle.

    Vielleicht braucht sie einfach nur etwas länger, um sich darüber klar zu werden, was sie wirklich will. Immerhin hat sich Konstantin als Schwächling und Feigling erwiesen, da würde ich auch überlegen, ob ich mein Leben mit so jemand verbringen möchte.

    Als Schwächling sehe ich ihn nicht, er hat eine klare Haltung zu den Dingen, auch in den Auseinandersetzungen mit seinem Vater und dem Gutsverwalter zeigt er Willenskraft und Charakterstärke. Bei Rebecca konnte er endlich mal liebevoll und sensibel sein, wie es seinem innersten Wesen entspricht. Er hat sie getäuscht, das ist schon richtig - aber nur, was seine Identität betrifft, in seinem Herzen und seinen Gefühlen war er immer ehrlich. Ich bin von ihr enttäuscht, weil sie sich weigert, sein wahres und ehrliches Ich zu sehen.

    Wow. Wie Rebecca reagiert, wenn sie es rausfindet, war ja abzusehen. Konstantin hätte es ihr definitiv schon sagen müssen bevor er mit ihr an der See war. Kein Wunder, dass sie sich ausgenutzt und beschmutzt vorkommt.

    Ich hoffe allerdings, dass sie s sich doch noch anders überlegt (und dass Konstantin keine weitere Dummheit macht, so wie angedeutet wird).

    Rebecca`s Reaktion habe ich als völlig überzogen empfunden. Natürlich war sie zuerst schockiert, als sie dem echten Albert Sonntag begegnet ist und Konstantin auf der Treppe gesehen hat. Diese Reaktion war glaubwürdig und da konnte ich sie noch gut verstehen. Aber wie sie sich einige Tage später verhalten hat, als Konstantin zu einer Aussprache zu ihr in die Schule kam, das war völlig herzlos und unnötig grausam. Liebe kann vieles verzeihen und gerade als Lehrerin sollte sie sich auch mit seelischen Nöten auskennen. Sie weiß doch im Grunde ganz genau, dass er ihr seine wahre Identität nur aus dem einzigen Grund verschwiegen hat, weil er Angst hatte, sie zu verlieren und jeden Tag, jede Stunde mit ihr festhalten und geniessen wollte. Er liebt sie über alles und sie stellt ihre Vorurteile über ihre Gefühle. Damit ist sie für mich nicht viel besser als Feodora, nur von der anderen Seite betrachtet, wiel sie genauso voreingenommen und unbelehrbar auf die "höheren Stände" blickt wie Feodora auf die "niederen". Beide Haltungen sind zutiefst ungerecht und menschenverachtend. Menschen wie diese beiden, die ihre Ideologie über alles andere stellen, sehen nicht den anderen Menschen in seiner Komplexität und Einzigartigkeit, sondern nur seine jeweilige in ihren Augen "falsche" Schichtzugehörigkeit - und das ist zutiefst inhuman. Vor solchen Fanatikern hatte ich schon immer Angst.

    Was Feodora angeht, so entpuppt sie sich jetzt als wahre Sadistin. Wie sie mit Katharina umgeht, ist nicht mehr tolerierbar, das ist schwere seelische und körperliche Misshandlung. Die beste Lösung wäre doch, wenn Adolphis sich von ihr scheiden lassen würde. Dann könnte sie zurück in ihr geliebtes St. Petersburg, er hätte endlich seine Ruhe vor ihren verbalen Giftpfeilen und für Katharina käme es einer Lebensrettung gleich.

    Die Geschichten mit Matthis und Caspers wirken auf mich wie ein weiteres Indiz für eine Art inneren Zerfall dieser engen hermetischen Welt des Gutshauses. Es ist sicher kein Zufall, sondern sehr geschickte Dramaturgie, dass die Intrigen und persönlichen Katastrophen unter der Dienerschaft wie eine Spiegelung der familiären Erosion innerhalb der Adelsfamilie wirken. So groß sind die Unterschiede garnicht zwischen "downstairs und upstairs" - es sind eben oben wie unten alle nur fehlbare Menschen, von denen jeder seine eigene persönliche Tragik in sich trägt und zu bewältigen hat. Bei dem Hauslehrer ist es Eitelkeit gepaart mit Besserwisserei und der Unzufriedenheit mit seiner gesellschaftlichen Stellung. Er wäre auch lieber der Herr im Haus und hätte das Sagen. Bei Caspers ist es die Spielsucht, aber auch dahinter steht wie immer eine persönliche Konfliktstruktur. Unbewußt versucht er Versagensängste zu kompensieren, wenn er den kurzen, aufregenden Kick erlebt beim Wetten und Spielen. Da gibt es diese Hoffnung, diese Chance auf einen persönlichen Triumph, dem er nicht widerstehen kann. Dennoch war es sehr mies von ihm, sich ausgerechnet an den anderen Dienstboten zu bereichern, die viel weniger Lohn erhalten als er.

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Adolphis den Mumm hätte, sich dazwischen zu stellen, aber ich will es mal hoffen, so lange ich nicht vom Gegenteil überzeugt werde.

    Er scheint seine Kinder zu lieben, also würde ich auch hoffen, dass er etwas täte.

    Das ist auch meine Meinung zu Adolphis. Katharina sollte sich ihrem Vater anvertrauen in der Angelegenheit mit Ludwig. Sie müsste ihm alles genau berichten, damit er sich ein Bild machen kann von diesem Widerling. Er würde seiner Tochter beistehen, da bin ich mir sicher und endlich den Ambitionen seiner Frau klare Grenzen setzen. Diese enorme Belastung kann Katharina nicht alleine tragen, sie braucht einen Erwachsenen an ihrer Seite, dem sie vertrauen kann.

    Adolphis ist kein schlechter Vater, er hat sich nur daran gewöhnt, alles innerhalb der Familie Feodora zu überlassen und sich aus Konflikten herauszuhalten. Genauso verhält er sich auch gegenüber Konstantin, wenn es um das Gut und die notwendigen Modernisierungen geht. Er lässt die Dinge laufen und wählt den für ihn bequemsten Weg. Irgendwann wird er allerdings Stellung beziehen müssen und eine Richtung vorgeben, um die Probleme zu lösen, die sich hinter seinem Rücken zusammenballen. Er wird sich nicht auf ewig aus allem raushalten können.

    Ob der alte Graf sich geweigert hat, wittekind zu bezahlen und er sich deshalb selbst bedient hat?

    Das glaube ich nicht. Ich denke gar nicht mal, dass Wittikind überhaupt was für diesen Dienst bekommen hat.

    Wahrscheinlich hat Pastor Wittekind von Donatus Geld bekommen für seine Vermittlung wie auch für das Waisenhaus, damit Albert dort gut versorgt wird. Irgendwann war genug Zeit vergangen, so dass Wittekind dreist wurde und alles für sich behalten hat. Das Kind Albert war ihm sowieso egal und ich vermute, dass Donatus seinem Sohn Adolphis nichts von dem unehelichen Sohn erzählt hat. Das würde auch den Wunsch erklären, den er kurz vor seinem Tod geäußert hat, als er Wittekind darum gebeten hat, die Wahrheit zu sagen.

    Wie haben euch die Szenen aus St. Petersburg gefallen?

    Ich habe so eine große Lust, dort hinzufahren, seit ich die Szenen geschrieben habe. Bin ja mit dem Finger auf dem Stadtplan abgefahren, wo alles spielt, und was man dort anschauen kann. Reisefieber!

    Mir haben sie sehr gut gefallen. St. Petersburg muß beeindruckend sein. Meine Eltern waren schon einmal dort, ich noch nie.

    St. Petersburg gehört zu diesen magischen Orten mit einer beeindruckenden Historie, vielen legendären Bauwerken und etlichen Mythen. Allein schon das Bild der berühmten "weißen Nächte" hat sich mir schon als Kind eingeprägt. Leider war ich noch nie dort, wie überhaupt in Rußland.

    Bei den Romanszenen hat mir besonders der Stimmungswechsel gefallen, eine neue Leichtigkeit ist spürbar und gleichzeitig werden die Wahrnehmungen intensiver, besonders bei Katharina. Dazu trägt natürlich das Wiedersehen mit Julian bei, diese wundervolle Überraschung. Ich habe mich sehr gefreut für Katharina, endlich darf sie Gefühle zeigen, ohne dass ihre Mutter sie sofort zurechtweist. Julian scheint es tatsächlich ernst zu sein mit ihr, wenn sie auch beide noch zu jung sind für eine Verlobung - aber wer weiß, vielleicht kommen sie noch zusammen, das würde mich sehr freuen für die beiden.

    Auch bei Feodora war eine neue Unbeschwertheit zu spüren, als wäre eine schwere Last von ihr abgefallen. Selbst Adolphis wirkt offener und freier als zuhause. Was doch so ein Ortswechsel manchmal bewirken kann!

    Alexander gefällt mir immer besser, er ist wenigstens ehrlich und sagt, was er denkt - das ist mir immer noch lieber als dieses heuchlerische Rumgesülze von Feodora und die selbstgerechte Besserwisserei von Nikolaus. Kein Wunder eigentlich, dass Adolphis fremdgeht , Feodora wirkt so kalt, dagegen kommt mir sogar der Eiskeller tropisch vor.

    Alexander nutzt nur die falschen Ventile um seinem Zorn Luft zu machen.

    Ich frage mich immer noch, unter welchen Umständen Feodora ihn geheiratet hat. Denn der Wahn von Feodora, ihre Töchter so gut wie möglich zu verkaufen verheiraten, kann ja auch daraus resultieren, weil sie damals unbedingt in ein Herrscherhaus einheiraten wollte. Es ist doch oft so, das Töchter die verlorenen Träume der Mütter ausbaden müssen.

    Das ist ein sehr kluger Gedanke. Feodora ist offensichtlich nicht zufrieden mit ihrem Leben auf diesem Landgut, das für ihr Empfinden in der tiefsten Provinz liegt. Deswegen hat sie auch den Ehrgeiz alles perfekt zu gestalten, den Spleen mit der Orangerie und die Ambition, ihre Kinder in die höchsten Kreise zu verheiraten. Dabei spielt der Charakter der potenziellen Ehekandidaten nicht die geringste Rolle, wenn die adlige Herkunft stimmt. Auch die Gefühle ihrer Kinder sind ihr völlig egal. Sie versucht auch ihre Söhne in diese Richtung zu lenken, aber Katharina trifft es am schlimmsten, weil sie "nur" eine Tochter ist mit dem einzigen Daseinszweck, ihre "Plicht" zu erfüllen und den "richtigen" Mann zu heiraten. Gut möglich, dass Feodora damit eigene Enttäuschungen kompensieren will, zumindest unbewußt.

    Die Szene mit Annabella und Albert bei der Silvesterfeier ist genial erzählt, ich habe sie so lebendig vor mir gesehen wie im Film, ganz großes Kino. :geil:

    Ja, und es hat so viel Spaß gemacht, sie zu schreiben. Es gib Szenen, die sind Schwerstarbeit. Und es gibt Szenen, da kann ich gar nicht so schnell tippen, wie ich sie erzählen möchte. Dazu gehört diese defintiv.

    Das war auch zu spüren, liebe Hanna. Diese Szene entwickelt so viel Eigendynamik, weil alles irgendwie gleichzeitig passiert. Mit der Kamera kann man das einfangen, beim Schreiben ist es schwieriger und das ist dir großartig gelungen.:)

    Ich glaube schon, daß es Zuneigung in dieser Familie gibt. Konstantin zu seinen Geschwistern, Katharina zu Alexander. Ich glaube auch, daß der Vater seine Kinder liebt. Er zeigt es nur nicht.

    Aber richtig zeigen tut es keiner. Auch gegen sie nicht wirklich füreinander ein oder verteidigen sich gegenseitig. Aber wer weiß, vielleicht ist es so und ich sehe es nur nicht.

    Es fällt auch mir schwer, diese Familie zu mögen. Ihre Zusammenkünfte und Familienfeiern wirken so furchtbar anstrengend und formell, ohne jede Herzlichkeit. Wenn sie unter sich sind, könnten sie doch mal die Etikette beiseite lassen und sich ungezwungener benehmen. Aber das würde Feodora nicht dulden in ihrer Dünkelhaftigkeit. Es grenzt an Psychoterror, wie sie Katharina behandelt, ohne jedes Verständnis, völlig blind und taub gegenüber den Wünschen und Vorstellungen des jungen Mädchens. Sie will ihre Tochter immer noch mit diesem perversen Widerling Ludwig verkuppeln, wie krank ist das denn bitte ??

    Alexander gefällt mir immer besser, er ist wenigstens ehrlich und sagt, was er denkt - das ist mir immer noch lieber als dieses heuchlerische Rumgesülze von Feodora und die selbstgerechte Besserwisserei von Nikolaus. Kein Wunder eigentlich, dass Adolphis fremdgeht , Feodora wirkt so kalt, dagegen kommt mir sogar der Eiskeller tropisch vor. Falls Albert sein Sohn wäre, hätte er Feodora bereits von Anfang an betrogen - es wäre möglich sogar, dass sie Bescheid weiß. In diesen adligen Kreisen war es nicht unüblich, dass die Ehemänner Geliebte hatten. Die Szene mit Annabella und Albert bei der Silvesterfeier ist genial erzählt, ich habe sie so lebendig vor mir gesehen wie im Film, ganz großes Kino. :geil: