Beiträge von Emmy

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Die sie offensichtlich nicht erwidert. Mir ist Robert ziemlich suspekt

    Mir gefällt Robert. Ich glaube, er erkennt die sozialen Mißstände und wird versuchen, darauf in der Öffentlichkeit aufmerksam zu machen.

    Leider wehrt Babette alle Versuche von Robert ab, sich ihr zu nähern. Er geht dabei nicht rücksichtslos vor, sondern sehr vorsichtig und indirekt - so habe ich seine Werbungsversuche zumindest wahrgenommen. Er hatte bereits tiefere Gefühle für Babette entwickelt, die sie aber leider barsch zurückweist und daher kühlen auch seine Empfindungen für sie allmählich wieder ab - was man ja verstehen kann. Er will auch nicht vor den anderen Dienstboten als Trottel dastehen und so geht er innerlich auf Distanz zu Babette, nicht ohne Bedauern und Sorge um ihr Schicksal.

    Er hat außerdem ein kritisches Bewußtsein, was gesellschaftliche Ungerechtigkeiten angeht und das wird weiter in ihm gären und konkreter werden, sobald er Gruppierungen gefunden hat, die sich politisch und in sozialen Fragen einmischen. Wir alle wissen, dass solche Veränderungen nicht von heute auf morgen passieren und es immer ein langer Weg ist, aber wenigstens versuchen wird er das, da bin ich mir sicher.

    Schon länger wollte ich hier mal erwähnen, wie gut mir Edgar gefällt - er ist ein richtig patenter Kerl, er hat einen Plan, er ist klug, hat Humor und vor allem ist er ein zuverlässiger Freund für Victor. Zudem ist er ein sehr kreativer Künstler und Geschäftsmann - falls daraus was wird mit ihm und Dorothea, hätte sie einen wunderbaren Mann an ihrer Seite. Das wäre auch für die Familie von Braun von Vorteil mit einem ehrlichen und geschäftstüchtigen Schwiegersohn wie Edgar, nachdem der einzige Sohn Albrecht leider eine große Enttäuschung ist.

    Der Einbruch in Wilhelm`s Büro ist zwar gewagt, aber in dieser Ausnahmesituation eine gute Idee von Victor. Mit Edgar`s Hilfe gelingt das auch problemlos und das Dunkel um die finanzielle Lage der Familie und Firma lichtet sich ein wenig. Vielleicht können sie das später als Druckmittel gegen von Braun einsetzen, der Wilhelm offensichtlich zu riskanten Investitionen gedrängt hat, wobei er viel Geld verloren hat.

    Die Frage ist auch, ob die jungen Frauen damals genügend aufgeklärt waren um zu ahnen, dass sie schwanger sein könnten?

    Ja, ich nehme auch an, daß Judith das gar nicht bewußt ist!

    Meistens wußten die Dienstmädchen früher besser Bescheid über diese Vorgänge als die "vornehmen" Töchter. Allerdings halte ich Judith nicht für ganz so naiv, als dass sie nicht wüsste, wie man schwanger werden kann und ab wann es sichtbar wird. Sie ist ja auch in anderen Lebensbereichen eher realistisch und sieht Dinge und Menschen meistens wie sie sind und nicht wie sie sich wünscht, dass sie sein müssten. Aber in diesem ganz speziellen Fall neigt sie dazu, ihre Ahnungen zu verdrängen, weil sie momentan eh genug Probleme hat und vielleicht auch unbewußt, um die Nähe zu Victor und sein Vertrauen nicht zu gefährden.

    Es ist gut, dass Victor und Judith keine Geheimnisse voreinander haben und sich gegenseitig vertrauen. Sie hätte ihm auch von ihrem intimen Kontakt mit Max erzählen sollen, er hätte es verstanden, da bin ich mir sicher. Weil er auch aus eigener Erfahrung weiß, dass keiner immer alles richtig machen kann, hätte er Verständnis für ihre Situation gehabt. Es wäre auf jeden Fall besser, als wenn er es irgendwann durch Zufall erfährt. Er hat auch gleich den Verdacht, dass finanzielle Gründe im Vordergrund stehen bei Wilhelm und will der Sache auf den Grund gehen. So bekommt Judith endlich Unterstützung und muss sich nicht länger alleine fühlen mit all ihren Sorgen. Außer Dora und Dorothea (der sie aber nicht alles erzählen kann) hatte sie bisher niemanden, dem sie sich anvertrauen konnte.

    Währenddessen vergnügen sich Max und Hélène in Venedig und irgendwie gönne ich es den beiden auch - obwohl man ihre Flucht auch kritisieren kann. Sie tun einander gut, Max wirkt viel reifer und weniger oberflächlich als früher in Stuttgart und für Hélène ist es wie ein Erwachen - endlich darf sie erfahren, wie es sich anfühlt, mit einem Mann zusammenzusein, den sie begehrt und der ihre Sinne wecken kann. Sie sollen diese Zeit genießen, so lange es geht, ganz ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, das wünsche ich vor allem Hélène. Die Künstlerin Hermione hat sie vielleicht dazu inspiriert, auf ihre verborgenen Wünsche und Sehnsüchte zu hören und die Schönheiten des Lebens wahrzunehmen, den Augenblick genießen. Es ist ohnehin alles vergänglich und die Zukunft kommt schnell genug....

    . Außerdem müsste doch auch Hélène merken, wer Max ist, spätestens wenn sie seinen Nachnamen erfährt und irgendwann wird sie ihn sicher auch fragen, aus welcher Gegend in Deutschland er kommt ?

    Ja, aber sie weiß ja nicht was zwischen ihm und Judith passiert ist

    Das wird er ihr vermutlich auch nicht erzählen, aber wenn sie erfährt, dass er aus ihrem ehemaligen Umfeld stammt mit dieser Nähe zu ihrer Familie, wäre das auch verwirrend für sie. Es sei denn, beide beschließen irgendwann, ein völlig neues Leben zu beginnen und Stuttgart komplett hinter sich lassen? Das werden wir vielleicht noch erfahren..

    Es ist schon erstaunlich, dass Max in Riva ausgerechnet auf Hélène trifft, nachdem er sich aus Stuttgart verdrückt hat. Wie lange wird das Geld wohl reichen, das er seinem Vater geklaut hat? Denn eine Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen, sehe ich für ihn dort erstmal nicht - schlauerweise gibt er sich ja auch als Architekturstudent aus. Er ist schon ein richtiger Charmeur und Frauenheld - sogar als er erkannt hat, dass es sich um Judith`s Mutter handelt, flirtet er weiter mit ihr. Hélène ist eine begehrenswerte Frau und in gewisser Weise kann ich verstehen, dass er als jüngerer Mann von ihr fasziniert ist, dennoch bleibt ein übler Beigeschmack - erst die Tochter zu verführen und sich dann mit der Mutter auf eine Affäre einlassen, das ist schon grenzwertig. Außerdem müsste doch auch Hélène merken, wer Max ist, spätestens wenn sie seinen Nachnamen erfährt und irgendwann wird sie ihn sicher auch fragen, aus welcher Gegend in Deutschland er kommt ?

    Babette hat also einen Geliebten! Ich habe mich ja direkt gefragt, ob dass vielleicht unser Max ist? Er soll ein feiner reicher Kerl sein, aber hätte Judith sie dann nicht im Tiergarten erkennen müssen? Hm, ich bin mal gespannt. Robert ist auf jeden Fall eine interessante Person, um aufzuzeigen, wie schwer auch das Arbeitsleben in der Dienerschaft einer reichen Familie war.

    Ich habe eher das Gefühl, dass sich Babette prostituiert, um ihr Gehalt aufzubessern. Viel haben Dienstmädchen damals leider nicht bekommen an Lohn, Kost und Logis galten ja schon fast als ausreichend und Wilhelm war in dieser Hinsicht knauserig, wie wir gesehen haben. Sie wäre nicht das einzige Dienstmädchen gewesen, das in diesen Zeiten ihren Lohn auf diese Weise aufgebessert hat. Wahrscheinlich ist Robert auch deshalb so besorgt um sie und sucht ihre Nähe, um sie zu schützen. Er ist auch ein wenig verliebt in Babette, aber ich vermute, dass sein Beschützerinstinkt auch sehr ausgeprägt ist. Es waren schwierige Zeiten damals und Robert hat schon ganz recht, wenn er gegen diese Art von Ausbeutung und Unterdrückung opponiert, vielleicht wird er sich später mal revolutionären Kreisen anschließen, was allerdings auch nicht ohne Risiken war.

    Judith befindet sich im Gefühlschaos seit diesem denkwürdigen Ball, das ist auch kein Wunder. Sie hat an diesem Abend eine Achterbahn der verschiedensten Emotionen und Begegnungen durchlebt. Schon bei dem Tanz mit Albrecht wird ihr fast übel vor Ekel und dann diese inszenierte "Verlobung" . Sie stand richtig unter Schock nach dieser Szene und hat instinktiv die Flucht ergriffen. Als sie dann auf Max trifft, ist sie seelisch so verwundbar, dass sie sich einfach fallen lässt, in seine Arme, seine Zärtlichkeiten und blendet alles aus, was diesen Moment zerstören würde, auch ihre Zweifel.

    In all dem Durcheinander wirkt Victor wie ein tröstlicher ruhender Pol, der sie ohne viele Worte zu verstehen scheint. Die beiden wären ein ideales Paar, sie ergänzen sich perfekt - er hat den Sachverstand für alles Technische und sie die kreativen Ideen für neue Produktionen in der Schokoladenherstellung. Außerdem würde Victor ihr den Freiraum lassen, sich einzubringen in die Arbeit und sie nicht einengen und auch für ihn wäre es eine glückliche Verbindung nach allem, was er durchgemacht hat. Das würde ich den beiden so wünschen...

    Hallo Annette, Victor hat nicht nur ein Händchen für komplexe Maschinen, er denkt auch mit und sieht den Investitionsstau in der Fabrik. Er erkennt, dass Wilhelm bisher versäumt hat, neue Maschinen und Technologien anzuschaffen und das wird ihn irgendwann einholen, denn die anderen Fabrikanten haben bereits mehr investiert in ihre Betriebe. Die Elektrifizierung ist die Zukunft, das hat Victor klar erkannt. Falls Wilhelm das nötige Kapital fehlt für Neuerungen in seiner Fabrik, gibt es da wohl einen Zusammenhang mit den Heiratsplänen für Judith. Er zieht wahrscheinlich irgendeinen finanziellen Vorteil aus der Verbindung mit von Braun oder erhofft sich günstige Kredite. Jedenfalls ist er in einer schwierigen Situation, familiär und finanziell.

    Vielen Dank, liebe Maria :)

    wenn mir ein Roman gefällt, schreibe ich viel und gerne über meine Eindrücke beim Lesen/Genießen. Deine Schokoladenvilla ist großartig erzählt, du hast eine sehr zeittypische Atmosphäre erschaffen und bleibst doch immer nahe an deinen Personen, die so echt und glaubwürdig agieren und empfinden, dass es eine wahre Freude ist, sie durch das Geschehen zu begleiten.

    Ich habe bei Hélène`s Beschwerden auch gleich an Depressionen gedacht und sehe auch den - zumindest auf den ersten Blick - Egoismus der Betroffenen, der aber aus meiner Sicht mehr eine Art Selbstschutz bedeutet, als den Impuls, sich von allen Menschen distanzieren zu müssen. Es ist ein schwieriges Leiden, meine Mutter hat jahrelang unter Depressionen gelitten und erst viel später habe ich viele Dinge besser verstehen können und in einem anderen Kontext sehen. Jedenfalls denke ich, dass es für Hélène das Beste wäre, sich von ihrer Familie und Stuttgart zu distanzieren, bis sie stabil genug ist und für sich weiß,wie sie ihr weiteres Leben führen möchte - nur so kann eine Heilung für sie gelingen und das würde ich ihr sehr wünschen, denn in ihr schlummert so viel Energie und Lebensfreude.

    Die Charaktere und mit ihnen die einzelnen Handlungsstränge entwickeln sich weiter und wir bekommen jetzt auch einen persönlichen Eindruck von Hélène und den Problemen, die sie von Stuttgart vertrieben haben. Der Kontrast zwischen ihrem kontrollierten und von Standeszwängen bestimmten Leben in Stuttgart und der geistigen wie körperlichen Freiheit in Riva könnte kaum größer sein. Wie sie da am Ufer sitzt und sich so intensiv spürt, ihre Lebenslust und Sinnlichkeit entdeckt, das ist so ein schönes Bild, dass sie mir sofort mehr als sympathisch war. Zudem hat sie die Malerei für sich entdeckt und eine wunderbare, humorvolle Leichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen und heimlichen Verehrern. Das wäre alles unvorstellbar gewesen an der Seite von Wilhelm in ihrem alten Leben und ich habe das Gefühl, dass sie ihren eigenen Weg sucht in einem neuen, ganz anderen Leben und nicht mehr in die Enge der großbürgerlichen Welt zurückkehrt.

    In Stuttgart findet Victor inzwischen seinen Platz im Betrieb und macht sich schnell unentbehrlich durch sein Geschick und sein Talent für Maschinenbau. Zudem entwickelt sich da was zwischen ihm und Judith - noch sehr vorsichtig und verhalten, aber immer wenn die beiden sich begegnen, ist da so eine bestimmte Schwingung und Atmosphäre in der Luft...:love:

    Zitat von Emmy

    Er ist ja der Ansicht, dass Frauen so früh wie möglich standesgemäß verheiratet gehören und somit von der väterlichen Aufsicht direkt der Kontrolle des Ehegatten übergeben werden sollen, egal was die Töchter sich wünschen - das sind ja nur "dumme Frauen", die eh nicht wissen, was gut für ist. Wenn er seine Frau auch so behandelt hat, dann ist es verständlich, dass sie die Flucht ergriffen hat ....

    Du bringst das wunderbar auf den Punkt und es ist durch deine Ausführungen klar, wer hier wirklich einen fehler im Oberstübchen hat.

    Hallo Annette,


    das Verhalten von Wilhelm resultiert aus seiner derzeitigen Situation, er sieht sich mit verschiedenen Problemen konfrontiert und befürchtet, die Kontrolle zu verlieren. Seine Frau ist auf unbestimmte Zeit im Kuraufenthalt, er hat kein Verständnis für ihre Lage oder will es einfach nicht sehen, denn das würde einen Gesichtsverlust bedeuten - er hätte dann als Ehemann und Familienoberhaupt versagt in seinen Augen. Seine Tochter hat eigene Ideen im Kopf und widersetzt sich seinen Vorstellungen und Plänen für ihre Zukunft, diesen Ambitionen versucht er ein Ende zu setzen, indem er sie in die Ehe zwingen will mit einem Mann, deren Namen er ihr aber noch nicht verraten will, weil er ihren Widerstand ahnt. Dann die Zwillinge, die nur Streiche im Kopf haben und keine guten Leistungen in der Schule vorweisen. Wilhelm wird einmal einen Erben brauchen für seine Fabrik, die Existenz, die er sich aufgebaut hat und die er bedroht sieht. Er ist im Grunde überfordert mit der gesamten Situation und das erklärt sein autoritäres Verhalten zumindest in gewisser Weise. Vielleicht wäre er auch gerne freier und großzügiger, aber das lassen die inneren und äußeren Zwänge momentan nicht zu - wer weiß, vielleicht bekommt er ja im weiteren Handlungsverlauf noch eine andere Sicht der Dinge?

    Mich wundert es auch nicht, dass Hélène eine große Distanz zwischen Wilhelm und sich gebracht hat. Ich habe ja schon erwähnt, dass ihr Leiden wahrscheinlich seelische Ursachen hat - die Regeln und der gesellschaftliche Anpassungsdruck spielen wohl eine Rolle, aber vor allem die Erwartungen und die ständige Kontrolle, denen sie in diesem Haus ausgesetzt ist. Aber das werden wir im weiteren Verlauf der Handlung noch erfahren. Das Verhalten von Wilhelm ist selbst für diese Epoche und Gesellschaftsschicht kalt und rücksichtslos gegenüber Judith. Ein Vater, der sich für seine Tochter ein gutes Leben wünscht, würde sie nicht derart unter Druck setzen und fremdbestimmen. Er ist ja der Ansicht, dass Frauen so früh wie möglich standesgemäß verheiratet gehören und somit von der väterlichen Aufsicht direkt der Kontrolle des Ehegatten übergeben werden sollen, egal was die Töchter sich wünschen - das sind ja nur "dumme Frauen", die eh nicht wissen, was gut für ist. Wenn er seine Frau auch so behandelt hat, dann ist es verständlich, dass sie die Flucht ergriffen hat ....

    Es fängt schon sehr spannend und vielversprechend an, sprachlich und inhaltlich begeistert mich die Geschichte um die Familie Rothmann und ihre Schokoladenfabrik in Stuttgart im Jahr 1903. Der Beginn des 20. Jh. war eine Epoche geprägt von Umbrüchen, sowohl in gesellschaftlicher Hinsicht als auch was die technische und industrielle Entwicklung betrifft. Das alles wird hier auch thematisiert und gerade bei Judith spüren wir die gute Energie und Dynamik eines modernen Frauenlebens, was allerdings den Vorstellungen ihres Vaters widerspricht, der noch verkrustet in althergebrachten Vorstellungen von Tradition, Gehorsam und Autorität seine Ziele durchsetzen will. Das wird noch zu spannenden Konflikten und Auseinandersetzungen führen innerhalb der Familie. Judith`s Mutter Hélène ist auch dabei, sich zu befreien aus den Fesseln dieser engen Welt und einer arrangierten, lieblosen Ehe. Ich vermute, dass ihre Beschwerden weniger körperliche, als vielmehr seelische Ursachen haben und ich bin gespannt, ob sie den Mut hat, einen eigenen Weg zu finden. Die Zwillinge sind ja richtig freche Bengel und ich befürchte, dass sie noch einigen Ärger verursachen werden. Allerdings werden die Strafmassnahmen ihres Vaters nichts bringen, weil den Kindern etwas Wichtiges in der Familie fehlt - emotionale Zuwendung, das Gefühl von Geborgenheit, das auch darin bestehen kann, ihnen klare Grenzen zu setzen.