Beiträge von Emmy

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    Vielen Dank euch allen und besonders Micaela für diese spannende Runde.


    Hier ist mein Fazit:


    Die Jahre nach dem 1. Weltkrieg waren für die deutsche Bevölkerung sehr unsicher und entbehrungsreich. Die Menschen hungerten, viele junge Männer waren gefallen oder in Gefangenschaft und dazu kamen politische Konflikte zwischen extremen Gruppierungen, Straßenkämpfe und Protestmärsche.

    Auch auf dem Gut der Familie von Voss im Alten Land bei Hamburg hat der Krieg und seine Folgen dramatische Veränderungen nach sich gezogen. Der alte Gutsherr Edzard ist schwer krank, seine Frau Caroline tut alles, um ihn zu betreuen und die einzige Tochter Finja

    ist mit der Arbeit auf dem Gut und der Pferdezucht mehr als ausgelastet. Erschwerend kommt hinzu, dass für das Gut kein männlicher Erbe mehr zur Verfügung steht. Der älteste Sohn Gerrit ist vor Jahren nach Amerika ausgewandert und der jüngere Sohn Lennart seit dem Kriegsende verschollen. Diese Vakanz weckt daher Begehrlichkeiten bei Caroline`s Neffen Roland, der sich bereits als neuer Gutsherr sieht und in dreister Manier auf seine Ansprüche pocht. Die Geschichte entwickelt sich dynamisch und bleibt dennoch konzentriert bei den Personen. Sie sind alle in der einen oder anderen Weise vom 1. Weltkrieg und seinen Folgen betroffen und müssen sich in diesen schwierigen Zeiten neu orientieren. Zudem leben sie dort im Alten Land in einer überschaubaren, hermetischen Welt, wo jeder ständig unter Beobachtung steht und den Nachbarn und Dorfbewohnern nichts verborgen bleibt. Das macht die ganze Situation für die Familie sehr belastend, bis eines Tages ein junger Mann auf dem Gut vorstellig wird, der Lennart aus dem Krieg kannte und seine Papiere bei sich trägt. Er heißt Clemens Curtius und sieht dem verschollenen Kameraden verblüffend ähnlich.

    Er macht zudem einen ehrlichen und sympathischen Eindruck und nach einem längeren Gespräch trifft die Gutsherrin Caroline eine folgenschwere Entscheidung, die das Leben der Familie in eine ganz neue Richtung lenkt.

    Wir erleben im weiteren Verlauf der Handlung dramatische Entwicklungen, lernen vielschichtige Personen kennen in atmosphärisch dichter Erzählweise, die diesen historischen Roman auszeichnen und zu einer faszinierenden Lesereise machen.


    :buchtipp:

    Das Ende wurde noch sehr turbulent mit dem Abschied von Clemens und beiden Frauen, die sich in ihn verliebt hatten. Ariana steigt mit ihm in den Zug, habe ich das richtig verstanden? Will sie mit ihm nach Berlin fahren und das Alte Land verlassen? Es gibt auf jeden Fall mehr als genug offene Fragen und lose Handlungsfäden für eine schöne spannende Fortsetzung. Mich würde auch interessieren, wie es mit Finja und Gerrit weitergeht und ob Käthe noch Kontakt aufnimmt zu ihrer Schwester Jenny. Wird Clemens sich von Caroline adoptieren lassen oder will er lieber ein unabhängiges Leben in Berlin?

    Immerhin führte das dazu, dass Finja herausfand, dass Clemens wirklich ihr Halbbruder ist, wie von uns aber ja eigentlich schon feststand. ;) Caroline hat mich hier sehr überrascht, dass sie ihn adoptieren und als ihren Sohn und Miterben anerkennen will. Man merkt deutlich, dass die Trauer ihr sehr zugesetzt hat und sie gar nicht merh sie selbst war in letzter Zeit. Denn eine solche Größe hätte ich ihr nicht zugetraut!

    Das hat mich auch überrascht.

    Von Caroline war ich am Ende auch sehr positiv überrascht. Anfangs wirkte sie so passiv und labil, als sie immer nur bei Edzard am Bett saß und sich für nichts Anderes auf dem Gut interessiert hat. Aber nachdem ihr Mann nicht mehr lebt, entwickelt sie ungeahnte Energie und Entschlußkraft, das hätte ich ihr nicht zugetraut. Es scheint fast so, als hätte Edzard`s Ableben innere Stärke und Autorität in ihr freigesetzt, die vorher blockiert waren.

    Eine weitere Überraschung für mich ist Lennart - wir haben ihn ja nie in der Romanhandlung persönlich kennengelernt, sondern nur reflektiert in Erinnerungen und Schilderungen dritter Personen und da kam er nie sehr sympathisch rüber. Daher wundert es mich sehr, dass er Jenny geheiratet, finanziell jahrelang unterstützt und das Kind somit anerkannt und zu einem offiziellen Erben gemacht hat. Das passt so gar nicht zu dem Bild des oberflächlichen und verantwortungslosen Lennart, das uns vorher vermittelt wurde - wie gesagt aus zweiter oder dritter Hand.

    Er will vielleicht auch nicht zu nahe an den Arzt und vor allem seine Tochter kommen und noch mehr Kontakt zu den beiden haben, als bei ihren Besuchen auf dem Gut , denen er nicht ausweichen kann. Er empfindet Christine als Bedrohung für seinen Seelenfrieden und doch reizt sie ihn, auch weil sie seine Geheimnisse kennt und er seine Liebe zur Musik mit ihr teilen könnte, wenn es nicht so gefährlich wäre für seine Rolle als Lennart. Es ist ein tiefer innerer Konflikt, dem er sich entziehen will, indem er nach Hamburg fährt und sich zudröhnt mit Opium. Es ist - glaube ich - nicht nur der körperliche Schmerz, den er damit unterdrücken möchte, sondern auch die seelische Zerrissenheit seiner gegenwärtigen Situation.

    Schmunzeln musste ich, als Nora Christine die ganzen kleinen Fläschchen und Tinkturen von der Dorfhexe zeigt und die Wirkungen erklärt. Man bedenke, heute sind all die Naturheilmittel wieder im kommen.

    Das hat mir auch gefallen. Natürlich kann sowas nicht die neue Medizin ersetzen, aber dennoch glaube ich, dass man kleinere Wehwehchen damit gut abfangen kann. Allerdings sollte man bei Entzündungen (Lunge, Ohr etc.) dann doch zu Antibiotika greifen. (Meine Meinung. ;) )

    Diese Dorfhexe ist eine interessante Person, sie gefällt mir irgendwie. Ich mag Menschen, die aus dem Raster fallen und sich nicht anpassen oder verbiegen wollen. Außerdem halte ich viel von Kräutermedizin, wenigstens als Ergänzung zur Schulmedizin. Ich habe selbst einen großen Kräutergarten und meine Oma hat früher immer was geerntet, gesammelt, eingekocht, Salben gerührt etc. und uns Kindern hat das auch geholfen. Christine reagiert auf die Tinkturen sehr ablehnend und macht sich lustig über die Frauen, die das herstellen und nutzen - sie ist halt eine typische Arzttochter und ein Kind ihrer Zeit. Allerdings unterschätzt sie dabei die langjährige Erfahrung der Hebamme mit diesen Mitteln und auch die Geschichte der Medizin.

    Clemens geht ein hohes Risiko ein, wenn er so oft nach Hamburg fährt um sich illegal Opium zu besorgen. Vor allem, da er jetzt weiß, dass Roland ihm hinterherschnüffelt. Das Eis, auf dem er sich bewegt, wird immer dünner, vor allem, da es jetzt auch Probleme gibt mit Ariana und Christine, die beide Gefühle für ihn entwickelt haben. Er wollte Ariana die Wahrheit sagen dort im Stall. aber sie wurde von ihren Erinnerungen eingeholt und ihre Emotionen spielten verrückt. Einerseits fühlt sie sich zu dem "neuen" Lennart hingezogen, andererseits blockieren die Erinnerungen an den echten Lennart ihr Vertrauen, was man ja verstehen kann. Das arme Pferd hatte eine Kolik, das habe ich auch gedacht, hoffentlich konnte Finja ihm noch helfen.

    Die alte Geschichte mit Jenny könnte auch noch zum Problem werden für Lennart/Clemens und die Familie.

    Roland wird immer dreister und wendet alle möglichen miesen Tricks an, um noch was abzubekommen vom Vermögen der Familie Voss. gut, dass der Banker die Familie kennt und ihn durchschaut. Vielleicht kann er Caroline Voss auch warnen. Außerdem lässt er Hehlerwaren verkaufen, hat er auch was mit dem Mord an dieser reichen Witwe zu tun? Zutrauen würde ich es ihm.

    Clemens findet sich immer besser rein in seine Rolle als Lennart, vor allem, weil er sich für Ariana zu interessieren beginnt. Sie müsste allerdings spüren, dass er nicht identisch sein kann mit dem oberflächlichen und selbstverliebten Lennart, mit dem sie einst im Pferdestall war .

    Gerrit wird wahrscheinlich auch bald auftauchen, davon können wir wohl ausgehen - aber er wird merken, dass Clemens nicht Lennart ist, dafür kannte er ihn zu gut.

    Das sehe ich genauso wie du, was Clemens betrifft in der Rolle von Lennart. Er bewegt sich auf sehr dünnem Eis, das jederzeit unter ihm einbrechen kann. Ich habe den Eindruck, dass einige Leute schon misstrauisch geworden sind - z.B. der Stallmeister, der Lennart gut kannte - und nur aus Respekt vor der Familie Voss ihren Verdacht nicht offen äußern. Auch bei Ariana habe ich mich gewundert, weil sie nicht bemerkt hat, dass es nicht Lennart ist, der vor ihr steht. Clemens hat einen völlig anderen Charakter, er ist eher introvertiert, spielt Klavier, wirkt sehr gebildet und kann nicht reiten. Auf Dauer kann das nicht gutgehen mit dieser Täuschung.

    Vielen Dank euch allen für diese schöne Runde und ganz besonders an Tereza für die aufmerksame Begleitung.:)


    Hier ist mein Fazit:


    Es ist die Zeit vor Ausbruch des 30-jährigen Kriegs, als die junge Fronicka mit ihrer Mutter am Hof in Heidelberg den ebenfalls noch sehr jungen Kurfürsten Friedrich kennenlernt und eine noch fast kindliche Schwärmerei für ihn entwickelt. Ihr persönliches Schicksal wird in den nächsten Jahren untrennbar mit den politischen und religiösen Konflíkten verbunden sein, die so dramatische Folgen nach sich ziehen werden. Noch ahnt sie nichts davon, aber die erste Enttäuschung ihres jungen Lebens ist die Eheschließung zwischen Friedrich und der jungen und sehr schönen englischen Prinzessin Elisabeth Stuart. Obwohl diese Ehe aus politischem Kalkül angebahnt wurde, scheinen die beiden bald sehr verliebt und glücklich zu sein.

    Fronicka wird eine der vielen Hofdamen von Elisabeth und lebt nun in einer hermetischen und privilegierten Welt mit Bällen, Musik, Theater und kostbaren Kleidern, die für sie bald selbstverständlich wird.

    Als Friedrich dazu gedrängt wird, die böhmische Königskrone anzunehmen, zieht Froni mit dem gesamten Hofstaat nach Prag und erlebt dort schöne, intensive Momente, lernt andere Menschen kennen, die nicht zum engen Kreis des Hofes gehören und erweitert dadurch ihren Horizont. In ihr schlummert eine Abenteuerin, sie ist neugierig , geht Risiken ein und gerät in den folgenden Jahren durch die Wirren des Krieges in viele Situationen, die ihren Blick aus die Welt und das Leben für immer verändern werden.Dieser historische Roman von den Anfängen des 30-jährigen Kriegs hat mir sehr gut gefallen, er überzeugt durch die vielen unterschiedlichen Charaktere und ihre ganz persönlichen Geschichten innerhalb der großen Verwerfungen dieser Jahre.


    :buchtipp:

    Weil diese Ähnlichkeit so oft und eindringlich erwähnt wird und wir außerdem erfahren, dass der Vater Edzard kein Kostverächter war in Bezug auf attraktive Frauen, habe ich den Verdacht, dass Clemens und Lennart möglicherweise Halbbrüder sein könnten. Edzard von Voss könnte die Mutter von Clemens bei seinen Reisen nach Berlin kennengelernt und eine heimliche Affäre mit ihr gehabt haben?

    Ach du Schreck, da könntest du natürlich Recht haben. Daran habe ich noch keine Minute gedacht, aber das wäre die Lösung. Ohje, dann wäre er tatsächlich ein Halbbruder von Finja, Lennart und Gerrit. Caroline zeigte Interesse an Clemens Herkunft, ob sie da noch weiter forschen wird? Dann hätte Clemens womöglich noch Anspruch auf ein Erbe.:o

    Wenn sie tatsächlich Halbbrüder sind, werden wir es erfahren. Die Hinweise haben mich auf diese Spur gebracht, es würde auch passen zu dieser leicht instabilen Familie. Außerdem wäre Clemens als Erbe des Anwesens viel besser als dieser widerliche Roland. Er und Käthe passen sogar irgendwie zusammen - beide sind berechnend und auf ihren Vorteil aus. Dennoch hat sie mir leidgetan, als sie von ihrem Vater so brutal verprügelt wurde :o

    Es ist schon viel passiert in diesem ersten Abschnitt und die Geschichte entwickelt sich dynamisch und bleibt dennoch konzentriert bei den Personen. Sie sind alle in der einen oder anderen Weise vom 1. Weltkrieg und seinen Folgen betroffen und müssen sich in diesen schwierigen Zeiten neu orientieren. Auf dem Gut der Familie von Voss ist es die Tochter Finja, die ihre beiden Brüder ersetzen muss, sie arbeitet hart und muss sich mit den Dienstboten arragieren. Dabei hatte sie ganz andere Ziele und Wünsche für ihr weiteres Leben. Als Clemens auftaucht , der ihrem verschollenen Bruder Lennart so ähnlich sieht, trifft ihre Mutter Caroline eine folgenschwere Entscheidung, die das Leben der Familie in eine ganz neue Richtung lenkt. Weil diese Ähnlichkeit so oft und eindringlich erwähnt wird und wir außerdem erfahren, dass der Vater Edzard kein Kostverächter war in Bezug auf attraktive Frauen, habe ich den Verdacht, dass Clemens und Lennart möglicherweise Halbbrüder sein könnten. Edzard von Voss könnte die Mutter von Clemens bei seinen Reisen nach Berlin kennengelernt und eine heimliche Affäre mit ihr gehabt haben?

    Es gab im Grunde keinen anderen Ausweg für Froni und Marek, als ihren eigenen Weg zu finden außerhalb von Den Haag. Eine gemeinsame Zukunft unter einem Dach mit Elisabeth und Friedrich hätten sie nicht verwirklichen können. Dennoch war die letzte Begegnung zwischen Froni und Friedrich harmonisch und versöhnlich, auch weil er schnell eingesehen hat, dass sie nicht seine Geliebte werden will. Jane hatte sich wohl in Froni verliebt, so habe ich ihr Verhalten interpretiert - sie war schon immer anders als die übrigen Hofdamen und wenig gefallsüchtig. Das also war ihr Geheimnis und am Ende hat auch Froni etwas geahnt.

    Was ist denn aus dem Kater Kasimir geworden, er war wohl nicht dabei, als Lenka zusammen mit Froni und Marek fortgeht? ich habe mich gewundert, weil Lenka ihn so geliebt hat und ihn doch bestimmt nicht zurückgelassen hätte.

    Es passiert so viel in diesem Abschnitt und Froni wird von den Ereignissen immer weiter getrieben zusammen mit ihren Begleitern. Sehr berührt hat mich die Geschichte des jungen Julius, der von den Soldaten mitgenommen wurde gegen den Willen seiner Familie. Das war eine grausame Zeit der Willkür, das Leben eines Einzelnen zählte nicht, auch Kinder wurden geschändet und umgebracht. Lorenz ist noch brutaler und zynischer geworden als damals in Den Haag und Froni hat recht, wenn sie alles unternimmt, um diese Zwangsehe zu verhindern. Sogar Marek bricht für sie seine Grundsätze von Gewaltlosigkeit und das ist in dieser Situation genau richtig. Wenigstens konnten sie Julius retten, das hat mich sehr gefreut.

    Und das Karl so zugerichtet wird, ist ja eigentlich nicht ihre Schuld.

    Nein, das nicht. Aber dass Karl sich nicht für eine neue Liebe öffnen kann, weil er immer noch auf sie wartet, da hat sie schon ihren Anteil dran. Denn dadurch dass sie ihn gebeten hat, auf ihre Mutter aufzupassen, hat sie ihm gleichzeitig suggeriert, dass sie wiederkommen wird, sobald Elizabeth sie in Prag nicht mehr benötigt.

    An dem Krieg und den ganzen Umständen, also der Gewalt und allem, da kann Froni natürlich nichts dafür. Dafür ist sie viel zu unbedeutend. ;)

    Ich denke nicht, dass Karl wirklich auf Froni gewartet hat, aber er ist viel zu anständig, um ihre Mutter alleine zu lassen, auch wenn er im Grunde keine Hoffnung mehr hatte, dass Froni zu ihm zurückkehrt. Er müsste die kranke Frau nicht beherbergen, aber alles andere wäre für ihn undenkbar. Ich bin fast ein wenig in Karl verliebt, schon von Anfang an , merke ich gerade. :* Umso mehr tut er mir leid, dass er jetzt so elend und hilflos ist und nur noch ein Schatten seiner selbst. Wenigstens seinen klugen Humor hat er nicht völlig verloren und er liebt Froni noch immer, das war zu spüren.

    Diese ganze Reise entwickelt sich ganz anders als Froni gedacht hatte - so langsam bekommt sie einen realistischeren Blick auf die Welt, die Menschen und die Grausamkeiten des Krieges. Es ist nicht so einfach, sich zu positionieren für eine Seite, weil es in einem Krieg keine "Guten" oder "Bösen" gibt, sondern nur unendliches Leid und unschuldige Opfer. Sie wird hoffentlich auch begreifen früher oder später, dass es dumm und naiv ist, ständig von den guten Protestanten und den bösen Papisten zu faseln. Marek geht sie damit auch gehörig auf die Nerven, denn er hat immer gewußt, dass die Dinge vielschichtiger und oft widersprüchlicher sind als in den griffiger Parolen der Kriegstreiber.

    Auch für mich ist es problematisch, wie Froni ihre persönlichen Anliegen mit den politischen Zielen des Königspaars verknüpft. Ich kann zwar sehr gut verstehen, dass sie einer drohenden Verbindung mit Lorenz entfliehen will und gleichzeitig die Möglichkeit bekommt, Marek wiederzusehen - allerdings kommt mir ihre politische Mission ein wenig merkwürdig vor. Friedrich ist leicht zu manipulieren, das haben auch Elisabeth und seine Berater ausgenutzt, daher geht er ohne große Diskussionen auf Froni`s Vorschlag ein, quasi in seinem Auftrag nach Prag zu reisen. Für sie ist diese Reise Flucht, Abenteuer und Hoffnung auf ein Leben mit Marek.

    Nein, das ist sie nicht, aber ein wenig mehr von der klugen und realistischen Jane würde mir bei Froni auch gefallen. Sie wirkt oft ein wenig kindlich auf mich, als hätte ihr die Zeit gefehlt, erwachsen zu werden. Vielleicht kam sie zu früh mit ihrer Mutter an den Heidelberger Hof und kannte daher nur ein Leben innerhalb dieser hermetischen, künstlichen Welt des Adels. Sie neigt aber auch dazu, Meinungen anderer Leute auszublenden, die einen realistischeren Blick auf das Leben und die politische Lage haben, als die Speichellecker am Hof des Königspaars. Mir hat aber ihre Liebe zu dem alten Hund Henry gefallen und dass sie ihn würdevoll bestatten wollte. Sie ist schon ein liebes, sympathisches Mädel, allerdings sollte sie auch mal Dinge kritischer hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden - so wie Jane.

    Die sehr intelligente Jane ist eine ziemlich untypische Hofdame. Junge Mädchen wurden damals nicht dazu erzogen, sich eine eigene Meinung zu bilden, sondern dazu, auf Autoritäten zu hören. Froni ist noch zu jung, um völlig selbständig zu denken. Sie muss erst einmal erleben, wie alle Autoritäten um sie herum gewaltig Scheiße bauen.^^

    Jane kam mir auch sehr emanzipiert vor in diesem Kreis um Elisabeth. Bei Froni habe ich immer das Gefühl, dass sie schon ihre eigenen Gedanken hat, sich aber nicht traut, aufrichtig zu sein zu sich und anderen. Manchmal neigt sie dazu, getroffene Entscheidungen zu hinterfragen , um sich dann gleich wieder zu beschwichtigen, dass sie ja durchaus ihre Gründe hatte. Das klingt nach Selbstzweifel und Unsicherheit - durchaus verständlich in ihrem Alter und ihrem Umfeld.

    Emmy Da hast du mit Froni wohl recht. Allerdings ist sie mit dieser Einstellung sicher nicht allein.

    Nein, das ist sie nicht, aber ein wenig mehr von der klugen und realistischen Jane würde mir bei Froni auch gefallen. Sie wirkt oft ein wenig kindlich auf mich, als hätte ihr die Zeit gefehlt, erwachsen zu werden. Vielleicht kam sie zu früh mit ihrer Mutter an den Heidelberger Hof und kannte daher nur ein Leben innerhalb dieser hermetischen, künstlichen Welt des Adels. Sie neigt aber auch dazu, Meinungen anderer Leute auszublenden, die einen realistischeren Blick auf das Leben und die politische Lage haben, als die Speichellecker am Hof des Königspaars. Mir hat aber ihre Liebe zu dem alten Hund Henry gefallen und dass sie ihn würdevoll bestatten wollte. Sie ist schon ein liebes, sympathisches Mädel, allerdings sollte sie auch mal Dinge kritischer hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden - so wie Jane.

    Avila Ich stimme dir zu, in dem Punkt, dass er ein Tagträumer ist. Er kann sich vermutlich gar nicht vorstellen, zu verlieren.


    Schlimm finde ich dagegen, dass die königlichen Truppen Dörfer plündern und niederbrennen, weil sie ihren Sold nicht erhalten. Daran sieht man ja, dass das Geldproblem von Anfang an vorhanden war und man schon zu Beginn keinen Unterschied zwischen Freund und Feind machte.

    Leider war das im Krieg doch immer so. Die Leidtragenden waren schon immer die Landbevölkerung, egal unter welchem Fürsten.

    Das ist ein gutes Beispiel für die Planlosigkeit dieses Unternehmens des böhmischen Königtums. Noch nicht mal für die Truppen ist das Königspaar bereit, Geld zu investieren und riskiert damit die militärische Niederlage und die Plünderungen bei der Bevölkerung. Aber Bälle, Feste und ständig neue Garderoben müssen bezahlt werden, das scheint ja alles wichtiger zu sein als die Bürger zu schützen. Unfähigkeit und naive Verdrängung wohin man schaut. Marek ist klug und schätzt die Situation völlig richtig ein - er erinnert mich in seiner ruhigen und reflektierten Art an Karl, die beiden haben viel gemeinsam. Leider will auch Froni die Realitäten nicht sehen, sie neigt dazu alles zu verdrängen, was ihr Bild einer heilen Welt bedroht - das kann ein böses Erwachen geben.