Beiträge von PMelittaM

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    Mir hat es Spaß gemacht, an der LR teilzunehmen, hier nun meine Rezi, die ich auch auf verschiedenen anderen Seiten gepostet habe:


    Die Krankenschwester Marita fühlt sich in ihrem Job nicht mehr richtig wohl, sie würde gerne mehr Zeit mit den Patienten der onkologischen Station, auf der sie arbeitet, verbringen, aber mittlerweile sind die „Patientenverweildauern“ streng reglementiert. Als sie in der Zeitung ein Jobangebot im südfranzösischen Grasse entdeckt, schlägt sie nach kurzer Bedenkzeit zu, zunächst für drei Monate. Der neue Job ist eine große Herausforderung für Marita, sie ist kaum der Landessprache mächtig und ihr Patient erweist sich als etwas schwierig. Doch Grasse, eine Stadt, in der seit Jahrhunderten Parfüm hergestellt wird, landschaftlich schön liegt und umgeben ist von Rosen-, Lavendel- und Jasminfeldern, hat Marita schnell für sich erobert und so muss sie sich schließlich entscheiden: zurück nach Hause oder in Grasse bleiben.


    Schon das Cover stimmt den Leser sommerlich ein und auch im Inneren weiß das Buch zu gefallen, die Buchdeckel sind innen farbig bedruckt, vorne mit Bildern aus Grasse, hinten mit einem Rezept, und die erste Seite eines jeden Kapitels wird von einem Zweig geschmückt. Mit dem Lesen werden weitere Sinne angeregt, die Autorin schafft es, dem Leser das Gefühl zu vermitteln, mitten in den Sonnenstrahlen der sommerlichen Provence zu stehen, man kann Rosen, Lavendel und Jasmin förmlich riechen, die beschriebenen Gerichte schmecken.


    Die Geschichte ist leicht und flott zu lesen, hat mich selbst aber nicht ganz so überzeugt wie die wunderbaren Beschreibungen der Autorin. Marita erschien mir oft sehr naiv, ihre Kompetenz als Krankenschwester mehr als einmal zweifelhaft, Dinge, die für sie schnell offensichtlich hätten sein müssen, hat sie nicht erkannt. Ärgerlich fand ich, dass die offensichtliche Spielsucht eines Charakters heruntergespielt und gegen Ende sogar für eine recht unnötige Aktion benutzt wird.


    In mehreren Einschüben wird aus dem 18. Jahrhundert berichtet, von einem Amrumer Seemann, der sich als Kaufmann in Grasse niederlässt. Man fragt sich schnell, was die Verbindung zu Maritas Geschichte sein könnte, wird aber am Ende ziemlich enttäuscht sein. Im Nachhinein finde ich diese Einschübe unnötig.


    Ansonsten gefielen mir die verschiedenen Charaktere sehr gut, seien es Maritas Patient und sein Sohn, sei es die Haushälterin Ségolène und ihre Familie, sei es der von der Elfenbeinküste stammende Obst- und Gemüsehändler und seine Frau, sie alle sind liebevoll gezeichnet und ebenso wunderbar beschrieben wie Grasse und seine Umgebung. Gefallen hat mir auch, dass man ein paar Hintergrundinformationen über die Welt des Parfüms erhält


    Am Ende ließ mich der Roman ein wenig zwiegespalten zurück, wäre nur die Geschichte, hätte er mich ein bisschen enttäuscht. Aber Marie Matisek hat es geschafft, mich mitten in die Provence zu bringen und fast alle meine Sinne angesprochen, und schon alleine deswegen bin ich froh, den Roman gelesen zu haben. Ich vergebe daher knappe 4 Sterne und eine Leseempfehlung: Lasst euch in die Provence entführen.

    Da ich heute noch Urlaub habe, habe ich den Roman gerade zu Ende gelesen. Noch weiß ich nicht so genau, wie ich ihn letztlich einordnen soll, gerade im letzten Abschnitt hat mir Manches nicht gefallen.


    Da ist zum Einen das Herunterspielen von Georges Spielsucht - und dass Francois ausgerechnet durch ein Pokerspiel - ja, was, geärgert? geläutert? werden soll. Das hätte auch schief gehen können. Mir war schon klar, dass Lucien mittlerweile der Besitzer der Firma sein muss, da er Georges alle Vollmachten entzogen hatte, aber alleine dass Georges sich auf das Spiel um die Domaine einlässt, hat mir nicht gefallen. Letztlich hat das Ganze doch gar nichts gebracht, für niemanden. Dieses Pokern hat mir den Roman etwas vermiest.


    Auch Bos Abschnitte waren letztlich entbehrlich. Da hätte man wohl besser wirklich ein eigenes Buch daraus gemacht. Dass am Ende noch der Bogen geschlagen wurde, ok, aber wirklich Sinn hat es nicht gemacht, da habe ich einfach mehr Zusammenhang erwartet.


    Lucien und Marita als Paar kam mir auch etwas zu schnell und unglaubwürdig. Sicher, man hat es erwartet, aber die Gefühle schienen plötzlich da zu sein, vor allem bei Marita kamen sie mir zu plötzlich. Lucien dagegen hatte ihr ja schon vorher das Parfüm geschenkt, da konnte man eher sehen, dass er sie mag, wenngleich ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum. Ich persönlich fand Marita sehr naiv und ihre Kompetenz erschien mir mehrmals fragwürdig. Dass Lucien aber wieder als Parfümeur arbeiten will, gefällt mir.


    Sehr gut gefallen hat mir die Stimmung des Romans und seine Bilder, egal ob in der Vergangenheit oder im Jetzt, egal ob an der Nordseeküste oder in Frankreich.

    Wieder ein Vergangenheitsabschnitt, Bo ist ein erfolgreicher Händler, aber sein Handel ist auf Lügen, oder sollte ich sagen, Geschichten? aufgebaut. Wahrscheinlich ist er der Vorfahr von Francois, der ein wahrer Hochstapler zu sein scheint. Bei Marita hat er jetzt wohl keine Chance mehr. Offenbar wollte er Zugang zu den Lefleurs? Ich schätze, dass er George ev. erpresst - wegen seiner Spielerei oder wegen seines Geheimnisses? Jedenfalls ist Francois ein Gauner und ganz so unschuldig war er wohl nicht im Gefängnis. Schneeballsystem - darauf fallen leider auch intelligente Menschen herein, die Gier siegt oft ...*kopfschüttel*


    Dass auch Georges Lähmung nicht echt sein soll, kommt mir merkwürdig vor. So etwas kann man doch auf Dauer nicht durchhalten, irgendwann verrät man sich. Und Marita als Krankenschwester müsste das doch merken ...


    Süß Lucien mit seinem für Marita passenden Duft.

    Lesen lässt es sich wirklich richtig gut, ich fliege nur so durch die Seiten.


    Ein bisschen haben wir nun erfahren über die Blütenernte und über die Familie Lafleur. Lucien ist eine "Nase", hat also einen absoluten Geruchssinn, was in der Parfümbranche unbezahlbar ist, trotzdem hat er nun die Firma übernommen. Was wohl Lucien und Georges für Probleme miteinander haben - und was hat Luciens Ex-Frau damit zu tun? Merkwürdig fand ich auch, dass Georges über Herzprobleme klagt und dann friedlich schläft.


    Apropos Georges: Der geht doch nie und nimmer zur Dialyse (eigentlich müsste Marita da klarer sehen, müsste er dann nicht z. B. bestimmte Medikamente bekommen?), ich schätze eher, er hat vielleicht eine Liebschaft? Jedenfalls war er viel fröhlicher danach. Vielleicht besucht er jemanden dort? Übrigens sehe ich das mit dem Internetpoker etwas anders als Marita, auch das kann viel Geld kosten.


    Auf S. 122 hat der Gemüsehändler die Auberginen doppelt in der Auslage, das sollte sicher nicht so sein, oder? Meinen Lesefluss hat es unterbrochen.


    Und Marita hat nun zwei Verehrer: Knut in Deutschland (war eigentlich klar, dass der noch einmal auftaucht) und Francois. Wobei bei Francois womöglich Vorsicht geboten ist, erstens ist er zu schön, zweitens der Cousin von Ségolène und die hat Vorbehalte gegen ihn.

    Das hat mir auch sehr gut gefallen! Allein diese Geste, sich zumindest etwas Zeit zu nehmen und ihr menschliches Verhalten! Leider ist das heutzutage im Krankenhaus schon lange nicht mehr der Fall. :(



    Stimmt. Das mit dem Auto war wirklich brüsk und unhöflich!
    Ich bin gespannt, wann und ob er sich ändert! ;)



    Nun, es gibt in den Krankenhäusern immer noch Personal, dass sich Mühe gibt und versucht, sich Zeit zu nehmen, das sollte man nicht pauschalisieren. Ich spreche aus über 50jähriger Erfahrung als Patient mit etlichen Krankenhausaufenthalten seit frühester Kindheit.


    Ein bisschen kann ich Lafleur schon verstehen, sie stecken mitten in der Hochsaison, es gibt viel Arbeit und wer sagt, dass der Chef nicht selbst mit anfasst? Unglaubwürdig finde ich das nicht, wir wissen einfach noch zu wenig über die Hintergründe. Viel Personal haben wir ja auch noch nicht gesehen und beim Abendessen scheint Marita mit Ségolène auch alleine zu sein. Ich bin mal gespannt, wie sich die Situation weiter entwickelt.

    Bin heute auch gestartet und ruckzuck war der erste Leseabschnitt gelesen. Was mir besonders auffällt, ist der bildhafte Stil, ich stehe regelrecht in den Sonnenstrahlen der sommerlichen Provence (wozu auch das Cover und die tollen Umschlaginnenseiten) ihren Teil beitragen) und rieche Rosen, Lavendel und Jasmin. Auch den Eintopf konnte ich regelrecht schmecken.


    Trotzdem wird es Marita sicher nicht leicht haben, die beiden Herren Lafleur scheinen nicht gerade einfach zu sein, aber ich denke, am Ende wird alles gut sein und Marita sich wohl fühlen, die Stimmung, die der Roman ausstrahlt, geht eindeutig in diese Richtung. Bis dahin bewundere ich Marita für ihren Mut ... Dass sie sich in ihrem Job nicht mehr so richtig wohl fühlt, kann ich verstehen. Krankenschwester ist ein Beruf, der eigentlich Engagement und Zuwendung erfordert, doch der wirtschaftliche Druck unter dem viele Kliniken stehen (oder sich stellen) gebiert solche Monster wie genaue Messungen der "benötigten" Patientenverweildauer. Trotzdem geben viele Krankenschwestern alles und versuchen weiterhin einen menschlichen Krankenhausalltag zu gewährleisten (Weniger Nette gab es unter ihnen übrigens auch schon immer, ich habe beide Arten ausgiebig kennengelernt).


    Ich bin gespannt, welche Bedeutung die Szenen von 1762 haben, ein Amrumer Seemann, der sich offenbar in der Provence niederlässt - sollten die Lafleurs und Marita verwandt sein? Im Moment gehe ich davon aus, dass Bo ev. ein Vorfahr der Lafleurs ist und Marita stammt ja auch von Amrum. Auch diese Szenen sind wunderbar bildhaft geschrieben.

    Na, na jetzt fahrt ihr, aber harte Geschütze gegen Isobel auf. Nun als "Massenmörderin" bzw. Psychopathin würde ich persönlich Isobel eigentlich nicht sehen. Denn sie versucht ja nicht wirklich "in Massen Leute um zubringen oder gar zu lassen" .
    Isobel versucht nur wie sie es schon als Kind getan hat jedem ihren Willen auf zu zwängen. Weil ihr niemand in ihrem Leben die Grenzen aufgezeigt hat.


    Ihr Wille war Gesetz und so handelt Isobel auch noch im Erwachsenenbereich.


    Ich habe Folgendes mal aus Wikipedia kopiert:


    "Psychopathie bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei sind sie mitunter sehr manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen. Oft mangelt es Psychopathen an langfristigen Zielen, sie sind impulsiv und verantwortungslos. Psychopathie geht mit antisozialen Verhaltensweisen einher, so dass oft die Diagnose einer dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann"


    das klingt mir schon sehr nach Isobel! Fehlende Empathie, fehlendes Gewissen,manipulativ, verantwortungslos, antisoziale Verhaltensweisen ....

    Aaron und Cathy sind nach Manchester geflohen und dort untergetaucht. Beide haben Arbeit in einer der Baumwollspinnereien der Stadt gefunden, doch die Arbeitsverhältnisse sind unmenschlich. Als ein Kollege stirbt, nehmen die beiden drei von dessen Kindern bei sich auf, was zusätzliche Probleme bringt. Und dann hat Cathy auch noch einen schlimmen Unfall.


    Isobel und Horaces Ehe ist wie zu erwarten nicht besonders glücklich. Als Horace sich in eine andere Frau verliebt, kann Isobel nicht tatenlos zusehen, leider geht sie dabei buchstäblich über Leichen.


    Der Roman ist die Fortsetzung zu „Die dritte Sünde“ und führt die Geschichte fast nahtlos weiter. Auch in diesem Roman ist wieder alles vorhanden, was schon den Vorgänger großartig machte: Spannung, Intrigen, Erotik und eine große Portion Gesellschaftskritik. Eva-Ruth Landys hat wieder hervorragend recherchiert, was sich u. a. durch sehr informative Fußnoten und ein noch interessanteres Nachwort ausdrückt, sie weiß zudem wunderbar zu erzählen, ihre Sprache ist sehr bildhaft, die Charaktere wirken durchgehend authentisch und der Zeit angemessen. Außerdem bringt sie große Themen der damaligen Gesellschaft in ihre Geschichte mit ein, dieses Mal u. a. die Lebensverhältnisse der Arbeiter in den aufblühenden Industriemetropolen, die sie in Kontrast zu den Verhältnissen der Unternehmer setzt, sie zeigt aber auch auf, welche Bestrebungen zur Verbesserung es gab. Gerade diese Verknüpfung von individuellen Geschichten mit tatsächlichen sozialen Problemen der Zeit, finde ich besonders gelungen.


    Viele Personen des Vorgängerbandes trifft man hier wieder, die Charakterisierungen werden weiter vertieft und es gibt einige neue Nuancen zu entdecken, manch ein Charakter macht auch deutliche Entwicklungen durch und kann nun mit anderen Augen betrachtet werden. Das finde ich sehr spannend, zumal, wenn es, wie hier, nachvollziehbar geschieht. Wie schon im Vorgänger ist man emotional bei den Figuren, Mitleid, Hass, Trauer, Freude, Entsetzen, der Roman löst alle möglichen Gefühle aus …


    Auch in diesem Buch gibt es übrigens wieder explizite erotische Szenen, sie wirken jedoch nie aufgesetzt.


    Insgesamt ein toller zweiter Band, der die Vorfreude auf den letzten Band der Trilogie weckt, dessen Titel „Wege nach Eden“ lauten soll – und bei mir die Hoffnung auf ein Happy End weckt. Wer gute historische Romane liebt, sollte bei dieser Trilogie zugreifen, ich empfehle aber, die Bände der Reihenfolge nach zu lesen.



    Vielen Dank für das Freiexemplar, Dank auch an alle Teilnehmerinnen der LR, es hat Spaß gemacht und ich hoffe, wir treffen uns beim dritten Band wieder. Danke auch an Eva-Ruth für die vielen Hintergrundinfos, die die Lektüre noch ergiebiger machten. Ich freue mich schon auf dein nächstes Buch!

    Ich konnte so gut mit meinen Protagonisten gehen, fand es auch sehr nachvollziehbar, aber das muss ja nicht jedem so gehen. Wichtig ist mir jedenfalls immer, keine eindimensionalen Abziehbildchen entstehen zu lassen, sondern Menschen mit all ihren Brüchen, Fehlern, Fehlentscheidungen, aber auch ihrem Mut und ihrer Hoffnung. Wenn mir das wenigstens ein bisschen gelingt, bin ich zufrieden. Das Leben in all seiner Fülle kann auch der beste Roman nicht abbilden .
    Ein Gedanke war mir noch wichtig: Ich empfand die Industrieepoche als sehr düster und menschenverachtend, eine auswegslose Hölle für die meisten Menschen, die nicht das Glück hatten zur Oberschicht zu gehören. Das wollte ich eben in emotionale Handlung umsetzen.


    Beides auch sehr gelungen, keine Frage!!

    Schon klar, liebe Eva. ;)
    Aber so ein bissl Ansprüche darf man als Leserin an so einen feschen Burschen aus dem Buch ja dann schon auch haben, gell. ;D
    Letztendlich ist es ja auch so... Wenn man sich an den Charakteren in einem Buch nicht "reiben" kann, sprich es werden beim Lesen keine Figurbezogenen Emotionen erweckt, ist dass doch nur der halbe Spaß. :P Ich persönlich liebe Protagonisten, die ich hier und da beim Lesen eben mag schütteln möchte. :popcorn:


    Außer sie handeln dauernd nicht nachvollziehbar ...


    Ich gehe in einem guten Roman immer voll mit - und mich ärgert es dann halt, wenn Handlungsweisen vorhanden sind, bei denen ich denke, Mensch, warum machst du das jetzt. Oft ist es der Dramaturgie geschuldet, sollte aber dann eben nicht überstrapaziert werden. Sicher handelt nicht jeder gleich und Menschen mit Trauma noch mal anders, das ist uns wohl allen klar. Aber auch bei letzteren gibt es Unterschiede, oder? Denn jeder hat ja seine eigenen Entwicklungsgeschichte. Auch da kann man sicher nicht pauschalisieren. Deshalb hätte Aaron auch anders handeln können - und sich Cathy früher offenbaren können, hätte Meredith drüber nachdenken können und eine verletzte Ehefrau wittern können, die sich rächen will ...


    Mir persönlich war es ein bisschen zu gehäuft, ein "ich glaube lieber einer/-m Fremden als meine/-n Liebsten zu fragen" hätte ich besser gefunden.

    Isobel ist wirklich eine gute Schauspielerin oder? Jedes Mal schafft sie es, die Leute auf ihre Seite zu ziehen, egal mit was. Meredith lebt zurückgezogen und hat keine Möglichkeit eine andere Meinung dazu ein zu holen. Meredith kann sich nicht vorstellen, dass so was auch zwischen Mann und Frau im Bett passiert kann und ist entsprechend abgestoßen davon. Sie kennt nur die liebevolle Seite und plötzlich kommt seine, eigene Ehefrau auf sie mit solchen Sachen. Da kann man doch schon Zweifel bekommen oder? Man darf auch einfach die Zeit dabei nicht vergessen in der, der Roman spielt.


    Cathy ist in die Falle von Mrs. Ashworth getappt, weil sie gedacht hat, die gute Frau hilft selbstlos und auch guten Herzen. Nur hat Cathy die Vorgeschichte gar nicht kannte und Aaron sie da auch nicht eingeweiht hat...das Mrs. Ashworth Aaron schon von Anfang an gerne ihn ihrem Bett gesehen hätte. Und aus diesen Unwissen/Unkenntnis der vorhergehenden Geschehnisse konnte Mrs. Ashworth dann ihren Nutzen ziehen.


    Sorry, aber wenn ich jemanden liebe, glaube ich nicht direkt alles, was andere über ihn erzählen sondern höre erst einmal, was er/sie dazu zu sagen hat.


    Und hätte Aaron Cathy direkt aufgeklärt, was Mrs. Ashworth für eine ist, hätte Cathy sich wahrscheinlich etwas anderes überlegt.


    Woran es hier fehlt, ist Kommunikation. Aaron hat überhaupt viel zu viele Alleingänge gemacht. Mir ist allerdings erst später bewusst geworden, dass Cathy auch einiges von früher gar nicht über ihn weiß, ich dachte, sie wüsste über alles Bescheid.

    Zum Ende gab es dann ein paar (vorläufige) Happy Ends (die Vorschau auf den nächsten Band lässt vermuten, dass es bis zu den endgültigen Happy Ends, die es hoffentlich geben wird, die mir der Name des Bandes "Wege nach Eden" jedoch verspricht, noch ein bisschen dauert.


    Havisham wird aus Mangel an Beweisen frei gesprochen, Meredith ist schwanger, Cathy vertraut sich Mary-Ann an (hätte sie meiner Meinung nach ja schon viel früher machen sollen) und sie und Aaron haben wir eine Zukunft.


    Aber Isobel wird keine Ruhe geben. Für mich ist sie ein Stück geisteskrank.


    Klasse fand ich, dass beide, sowohl Havisham als auch Cathy, den Mut hatten, sich jemandem anzuvertrauen und dass dieses Vertrauen nicht enttäuscht wurde. Gruber hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, aus dem Vorgängerband kann ich mich kaum an ihn erinnern. Aber dass Mary-Ann ein feiner Mensch ist, war mir von Anfang an klar. Sicher hat es ihr auch ein bisschen gefallen, Isobel letztlich nicht gewinnen zu lassen, aber das beeinträchtigt nicht meine Meinung über sie. Ich hoffe, sie wird auch im nächsten Band dabei sein und auch dann womöglich wieder Gutes bewirken.


    Neben Isobel besteht ja auch noch weitere Gefahr durch Mrs. Friwell und ihre Leute, denke ich, abgeschlossen ist dieses Thema ja noch nicht.


    Die historischen Erläuterungen sind wieder sehr interessant und ergänzen die Fußnoten perfekt. Mein Buch "Königin Viktoria und ihre Zeit" habe ich herausgesucht, ich habe das von Tingsten, ich habe gesehen, es gibt noch ein zweites mit gleichem Titel aber anderem Autor (bzw. Autoren). Lohnt es sich, sich beide anzuschaffen? Welches würdest du, Eva-Ruth, eher empfehlen?


    Meine Rezension folgt in den nächsten Tagen.

    Rupert verhaftet und im Gefängnis, das geht leider nicht lange gut und er wird brutal von den Mithäftlingen getötet. Es ist einfach nur schrecklich, allein wegen Homosexualität so leiden zu müssen. Und Rupert war so ein Netter ... Und es war tatsächlich Isobel, die ihn angezeigt hat, dieses Miststück!!!


    Auch Aaron ist im Gefängnis und kann nur frei kommen, weil Cathy Mrs. Ashworth bittet, sich für ihn einzusetzen. Und die tut das natürlich nicht uneigennützig. Doch warum hat Aaron Cathy zwar verboten, zu Mrs. Ashworth zu gehen, hat ihr aber nicht gesagt, warum? Jetzt ist Aaron das Liebesspielzeug Mrs. Ashworths. Doch was wäre die Alternative gewesen? Tod im Gefängnis? Tretmühle? Deportation (gab es das damals schon?)? Was wäre schlimmer gewesen? So gibt es doch wenigstens noch eine gewisse Chance, oder? Das Aaron sein Elend im Alkohol ertränkt, kann man nachvollziehen. Und dann vergeht sich auch noch der Butler an Aaron - und Aaron wehrt sich. Was wird nun weiter werden?


    Cathy ist, wie ich schon vermutete, Lehrerin in Mary-Anns Schule geworden. Was eigentlich eine gute Nachricht sein könnte. Doch auch da hängt schon das Damoklesschwert, denn wenn bei der Besichtigung tatsächlich Isobel dabei sein sollte ...


    Diese hat tatsächlich Havisham angezeigt. Im Grunde ohne jeden Beweis und ohne Zeugen (die sind alle abgetaucht) - und trotzdem wird er verhaftet, ausgerechnet in dem Moment, als dieser Meredith von Ruperts Tod berichtet und die beiden beginnen, sich auszusprechen. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass Havisham verurteilt werden könnte. Godfrey wird wohl Isobel helfen. Aber ich finde, es wird Zeit, dass auch sie einmal so richtig leiden muss!! Ich wünschte, sie verlöre alles Vermögen. Wenn Havisham frei kommt, hätte er dann ja auch einen Grund, sie zu verstoßen und sich scheiden zu lassen ...


    Was ich bei Meredith (und später auch Aaron) nicht verstehen kann: Sie glauben jemand Wildfremden Dinge über ihre(n) Liebste(n), die eigentlich unglaublich sind. Warum hat Meredith Havisham nicht gefragt, warum hat Aaron Cathy nicht geglaubt, als sie kam, um mit ihm zu fliehen? Wirklich nachvollziehen kann ich das nicht.


    Haben wirklich die Unternehmer einen Spitzel bei den Chartisten eingeschleust, um diese zu dieser Aktion aufzustacheln? Wer könnte das gewesen sein? Pickett?


    Bin gespannt, wie viel wir in diesem Band noch erfahren werden, viel Buch ist nicht mehr übrig ...


    DAs haben die Arbeiter ja versucht, nach der Ablehnung der Charta durch das Parlament 1839, hat aber nicht geklappt und wurde rüde niedergeknüppelt. Wir befinden uns in der Zeit nach diesem Generalstreikversuch. Außerdem, streik mal, wenn neben dir deine Familie verhungert... Deshalb haben die Gewerkschaften dann später das Konzept der Streikkassen entwickelt. Aber so weit sind wir noch nicht :)
    Warum AAron nicht auf ein anderes Landgut gegangen ist? Nun, das wird ja in Die dritte Sünde von ihm mal thematisiert bevor er auf Cathy am See trifft. Als alleinstehender Wanderknecht ging das vielleicht noch , so ohne Familie und Verantwortung. Aber wir befinden uns in einer Zeit, als die Bevölkerung auch rein Zahlenmäßig plötzlich explodierte ( Warum das so war ist historisch nicht ganz geklärt) Zudem zogen durch die Enclosure die Gutsbesitzer alles Land an sich, die kleineren Höfe verschwanden. Auf einem Gutshof aber einen Arbeitsplatz als Familie zu bekommen war so gut wie unmöglich, da sorgten schon die entrechteten Bauern der Gegend dafür. Als Fremder irgendwo unterzukommen... so gut wie keine Chance, eben nur so als Wanderarbeiter ging das vielleicht. Deswegen zogen ja die Menschen alle dahin wo es Arbeit gab, in die Industrieregionen eben. Außerdem haben speziell Cathy und Aaron natürlich ein großes Interesse daran einfach in der Masse unterzutauchen.


    Danke, jetzt erinnere ich mich wieder. Ist ja doch schon eine Zeit her, seit wir den ersten Band gelesen haben ... Dienstpersonal mit Familie ist, glaube ich, eh ein Problem gewesen ...?


    Ich bin da vielleicht ein bisschen naiv, aber ich frage mich oft, was wäre wenn, wenn wirklich alle an einem Strang zögen/gezogen hätten, alle Juden im Dritten Reich, alle schwarzen Sklaven, alle Fabrikarbeiter .... (zahlenmäßig sind sie solche Gruppen ja meistens überlegen). Ihre Familie sterben/leiden ja auch so und man hat wenigstens die Chance, etwas zu ändern und sich nicht wie Vieh behandeln zu lassen. Aber, wie gesagt, ich habe da leicht reden. Nur, das was Aaron jetzt versucht hat, geht ja schon ein bisschen in diese Richtung ...

    Jede Menge Gewitterwolken hängen über den Köpfen einiger Charaktere und die Spannung steigt!


    Zuerst versucht Aaron Mary aus dem Bordell zu befreien, bringt sich in große Gefahr, greift Ashworth an. Mary flieht später und nun sind sie und Aarons Familie Freiwild für die Männer der Bordellchefin. Und Ashworth ist sicher auch nicht zu unterschätzen.


    Aarons Chartistengruppe läuft in eine Falle und alle werden verhaftet (bis auf Bill, der wird erschossen). Die Strafen dafür mag ich mir im Moment gar nicht ausmalen. Und wie Aaron da wieder herauskommen soll, kann ich mir nicht vorstellen. Dass er aber hier mittun musste, verstehe ich, seine Geduld ist zu Ende und das Einzige was die Arbeiter selbst tun können, ist sich zu wehren. Man fragt sich sowieso, was würde passieren, wenn alle sich zusammentäten und z. B. streikten. Das würde die "Unternehmer" wirklich treffen. Ich frage mich übrigens auch, warum Aaron nicht versucht hat, wieder eine Stelle in seinem alten "Beruf" zu bekommen. Selbst wenn er und Cathy dachten, sie könnten in Manchester ihr Glück finden, ist doch schon längst klar, dass das nicht der Fall ist. Und bei der Arbeit mit Pferden oder auf der Farm war er doch glücklich. Auf Whitfield war er doch auch neu eingestellt worden. Warum haben die beiden diese Möglichkeit nicht in Erwägung gezogen?


    Ruperts Homosexualität ist öffentlich geworden. Wenn da mal nicht Isobel oder Armindale ihre Hände im Spiel hatten. Geschadet wird damit auch Meredith. Dass Horace sofort zu ihr fährt, spricht für ihn, doch wie wird er aufgenommen werden?


    Isobels Rachefeldzug geht weiter, sie wiegelt nun ihren Onkel, den Earl, gegen Horace auf. Gruber allerdings fällt darauf nicht herein. Ob sein Einstehen für seinen Chef etwas gebracht hat?


    Und Armindale ist in Portsmouth unterwegs und hat Eastman aufgespürt, der aber gewarnt ist. Ich bin echt gespannt, ob Armindale hinter Horaces Geheimnis kommt.


    Die Geschichte nimmt immer mehr Fahrt auf und ich bin froh, dass ich nun WE habe und mich ganz dem Lesegenuss hingeben kann ...


    Ein Lichtblick möglicherweise: Mary-Ann will eine Schule für Arbeiterkinder gründen - und benötigt dafür eine Lehrerin. Sicher habe nicht nur ich da sofort an Cathy gedacht?!

    So ist es, so sehe ich ihn auch. Man muss - das ist es ja gerade was ich generell vermitteln möchte, wenn ich historische Romane schreibe - die Menschen eben auch in ihrem gesellschaftlichen Kontext sehen, in dem was die Gesellschaft damals als richtig und erstrebenswert ansah. Dazu empfehle ich jetzt mal das Nachwort , Stichwort Utilitarismus ( wirklich sehr interessant, wenn man sich da mal reinkniet, da geht einem doch so mancher Kronleuchter auf) , da gehe ich da noch mal drauf ein. Unsere Gesellschaft basiert zwar immer noch zu einem gewissen Teil auf den Ideen von damals, hat diese aber längst auch hinterfragt, modifiziert, reformiert. Ein Havisham war, zumal als ausgebildeter Kaufmann aber von Kindheit an auf dieses Denken gepolt. Er merkt dies ja auch sehr selbstkritisch an an De Burghs Totenbett. Tatsächlich begannen damals auch so einige Unternehmer diese Grundhaltung zu hinterfragen. In Deutschland ist zum Beispiel Robert Bosch dafür ein gutes Beispiel, ein ungeheuer engagierter Mann. Gegenbeispiel im Ashworthschen Sinne: Krupp.
    Allerdings feiert mit der Globalisierung der Utilitarismus auch wieder fröhliche Urständ. ( Ich erinnere nur an diesen Unsäglichen Gegenkandidaten zu Obama von den Republikanern. Da konnte man kotzen, bei dem was dieser Kerl und das im Jahre 2012 vom Stapel ließ)


    Wobei der Utilitarismus auch wieder so eine Sache ist, die erst einmal gar nicht schlecht klingt ... Bis man näher drüber nachdenkt.


    Ja, es gibt tatsächlich auch Unternehmer, die sozial denken, Gott sei Dank und die haben ja durchaus auch selbst etwas davon ...


    Ich werde übrigens immer gespannter auf das Nachwort


    Danke, freut mich sehr :) :)
    Es ist eben auch so, dass mich das Thema selbst ungeheuer fasziniert, da ich immer mehr merke wie eng das doch mit uns heute verknüpft ist. Es hilft die Vorgänge und politischen Entwicklungen, die uns heute umtreiben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und besser zu verstehen. Wenn ich dazu ein bisschen beitragen kann, bin ich happy :)


    Das Thema ist schon fast erschreckend aktuell, nur gut, dass wir heute einen Sozialstaat haben und das politische Reglement (zumindest in diesem Bereich) eher positiv zu werten ist.