Beiträge von Andrea

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    Bei Heinrich hat mich am Ersten gestört, dass ich mir denke, dass Anna das auch früher hätte haben können. Einfach eine Ansprache von wegen "Hört mal, ich kann den Betrieb nicht auf normalem Weg retten, wer damit klar kommt, gut, wer nicht, kann gerne gehen." Und Heinrich wäre gegangen, er hat ja lange was geahnt und das immer missbilligt.

    Ha, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Ja, ich denke, wenn Anna das so gemacht hätte, hätte Heinrich sie sicherlich nicht verraten, denn dann hätte er sich auch nicht verraten gefühlt. Aber wer hat schon den Mumm so etwas einfach gerade heraus zu sagen, zumal Anna in diese Schiene ja auch langsam abgeglitten ist. Aber zumindest bevor sie weißes Papier schöpft, hätte sie etwas sagen können. Aber da war sicherlich die Angst, verraten zu werden noch größer. Schon verrückt wie Ehrlichkeit einem auch in der Unehrlichkeit manchmal weiter helfen könnte.

    Das ist eine interessante Sichtweise. Aber dafür hätte Anna wirklich darauf vertrauen müssen, dass niemand sie verrät. Klar, mit großere Wahrscheinlichkeit hätte Heinrich sie nicht verraten. Aber kann man das mit 100%tiger Sicherheit sagen? Vielleicht wäre er stattdessen zu einer öffentlichen Stelle gegangen und hätte sie da der Verletzung von Privilegien angeklagt.

    Wenn man Verbrechen begeht, sagt man halt lieber nur den Leuten Bescheid, die es unbedingt wissen müssen.

    Der Verlag entscheidet immer über den Titel, und der wird danach ausgewählt, was man meint, was sich am besten verkaufen wird. Im historischen Roman ist das seit Jahren ein Titel, der irgendeinen Beruf in der weiblichen Form enthalten muss, entweder einfach für sich oder eben mit dem Zusatz von einem Geheimnis, einem Schwur, einer Tochter oder eventuell auch so was wie Rache, oder so. Das ist dasselbe Prinzip wie dass die Cover von historischen Romanen sehr oft eine Frau auf der linken Seite zeigen mit einer Stadt im Hintergrund. Wenn Verlage einmal so eine Formel gefunden haben, lasse sie sie sehr ungern wieder los ;-)

    Ach das ist ja interessant. Die Autorin arbeit lange an so einem Werk,steckt sehr viel Mühe und Herzblut in sein Projekt und dann darf nicht mit entschieden werden, wieder Titel heißen könnte. Irgendwie unfair. Die Macht der Verlage und auch die Ungerechtigkeit bei der Bezahlung der Autoren, verärgert mich des öfteren mal.

    Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du dich über die Bezahlung ärgerst ;-) aber das mit dem Titel hat schon seinen Sinn. Verlage haben ja nicht umsonst eine Marketingabteilung. Da sitzen Leute, die den Buchmarkt und die aktuellen Trends sehr gut kennen und optimalerweise (Natürlich auch nicht immer. Es gibt immer Leute, die ihren Job nicht gut machen. Das ist dann natürlich ärgerlich.) genau sagen können, wie man ein Buch präsentieren muss, damit Cover und Titel allein schon richtig kommunizieren, um was für eine Art von Geschichte es sich handelt. Dabei geht es nicht mal so sehr darum, dass beides zum Inhalt des Romans passt, sondern mehr darum, dass man so ganz allgemeine Eindrücke vermittelt. In diesem Fall hier z.B.: "Historischer Roman mit Frau in der Hauptrolle, die gegen Wiedrigkeiten ihren eigenen Weg findet." Das ist im Prinzip ein eigenes Sub-Genre des historischen Romans, und man will möglichst, dass Leute, die gerne solche Geschichten lesen, auf den ersten Blick erkennen, dass es sich um eine solche Geschichte handelt. Das entscheidet immerhin, ob man als potenzieller Leser in einer Buchhandlung den Roman dann in die Hand nimmt und den Klappentext liest, wo man dann spezifischere Informationen bekommt.

    All diese Dinge zu wissen gehört aber ja gar nicht zum Job eines Autors. Also, ich kenne mich ein bisschen damit aus, weil ich etwas Entsprechendes studiert habe, aber das hat natürlich nicht jeder Autor. Deshalb ist auch der Autor nicht derjenige, der solche Dinge entscheidet, sondern optimalerweise wird das Ergebenis eben besser, wenn man das Leute machen lässt, deren Job das ist und die deshalb auf professioneller Ebene Ahnung davon haben.

    Deine Überraschung in Bezug auf Johann is großartig :totlach:


    Oh, das mit Annas Vater konnte ja nicht gutgehen! Alle Geldverleiher durchgehen klingt in meinen Ohren ziemlich dumm. Wenn er dann mit allem durch ist, kann er ja schlecht von vorne anfangen, ohne seine Schulden abzubezahlen. Das wird irgendwann auffallen.

    Andrea: Rein interessehalber: Wie viele Geldverleiher gab es etwa zu der Zeit in Nürnberg, gibt es da Quellen?

    Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Vielleicht findet man dazu irgendwas irgendwo in einem Archiv, aber ich habe nichts gefunden. Generell ist die Recherche für diese Zeit und dieses Thema (einfache Leute und Alltagsleben) eher schwierig. Ich muss immer hoffen, dass ich mal irgendwo in einem Nebensatz die Informationen erwähnt finde, die ich brauche. Um zu sehen, wie das mit dem Zoll in Nürnberg funktioniert, hatte ich z.B. per Fernleihe eine Magisterarbeit zum Zollwesen in Nürnberg ausgeliehen. Aber manchmal findet man nicht mal so was, und dann muss man ein bisschen improvisieren.

    Andrea

    Es war wirklich eine schöne Leserunde - kein Wunder bei dem Buch!

    Einzig - der Titel. Ich finde ja, dass er irgendwie gar nicht zur Geschichte um Anna passt. Wer hat diesen Titel eigentlich entschieden?

    Allerdings muss ich zugeben, dass mir kein passenderer Titel eingefallen ist:o

    :)

    Der Verlag entscheidet immer über den Titel, und der wird danach ausgewählt, was man meint, was sich am besten verkaufen wird. Im historischen Roman ist das seit Jahren ein Titel, der irgendeinen Beruf in der weiblichen Form enthalten muss, entweder einfach für sich oder eben mit dem Zusatz von einem Geheimnis, einem Schwur, einer Tochter oder eventuell auch so was wie Rache, oder so. Das ist dasselbe Prinzip wie dass die Cover von historischen Romanen sehr oft eine Frau auf der linken Seite zeigen mit einer Stadt im Hintergrund. Wenn Verlage einmal so eine Formel gefunden haben, lasse sie sie sehr ungern wieder los ;-)

    Was mir hier gut gefallen hat, dass eine Frau und ein Mann eine Beziehung rein platonischer Art pflegen konnten! Es gab hier kein romantisches Knistern, sondern eine loyale Freundschaft, die auf Vertrauen und Verständnis beruhte ohne den ganzen romantischen Schnickschnack!

    Perfekt ausgedrückt! Ich schätze solche Geschichten auch sehr - es gibt sie ja nur selten!

    Es freut mich, dass euch der Teil gefallen hat :-) Ich würde mir auch wünschen, dass es mehr richtige Freundschaften zwischen Männern und Frauen in Geschichten gibt.


    Was mir weniger gefallen hat, war der Titel des Buches "Das Geheimnis der Papiermacherin". Ich finde, der passt so ganz und gar nicht zu dem Buch! Mehr oder minder große Geheimnisse haben ja alle Protagonisten hier. Und eigentlich hat Anna die geringsten Geheimnisse...

    Wer hat den eigentlich entschieden? Das Cover wiederum gefällt mir sehr gut!

    Den Titel hat sich der Verlag ausgedacht. Da hat man als Autor meistens nicht so viel mitzureden. Mein Arbeitstitel war "Die Lumpenschmugglerin", der aber zugegebenermaßen auch nicht herausragend innovativ ist.

    Die Entscheidung zwischen Anna und Bartholomäus ist Johann ganz bestimmt nicht leicht gefallen, aber manchmal muss man sich einfach der Tatsache stellen, dass Leute, die einem mal wichtig waren, sich zu sehr in die falsche Richtung entwickelt haben

    Das war wirklich ein sehr interessantes Kapitel! Mir hat es sehr gut gefallen, wie ähnlich die beiden Brüder eigentlich gedacht haben: jeder wollte den anderen auf seine Seite ziehen. Und im Endeffekt war jeder dazu bereit, den anderen zu opfern.

    Was mich noch sehr interessieren würde - eventuell in einer Fortsetzung: wie war das jetzt mit den Eltern der beiden. Wurde der Vater tatsächlich durch sein treu liebendes Eheweib ins Jenseits befördert? Oder war gar Bartholomäus tatkräftig mit dabei? Nein - das möchte ich mir nicht so vorstellen!

    Das würde ich gerne wirklich aufgelöst wissen!

    Du kannst davon ausgehen, dass ich mir gerade Notizen mache ;-)


    Also, ich kann natürlich keine Fortsetzung versprechen. Es hängt immer davon ab, wie gut sich ein Roman verkauft, ob man dann tatsächlich eine Fortsetzung schreiben darf. Bisher hat die Papiermacherin in dieser Hinsicht ein paar interessante Kapriolen geschlagen, weil sie nämlich kaum im Buchhandel lag (Und nicht in den Buchhandlungen zu liegen, bedeutet oft, dass kaum Leute mitkriegen, dass es den Roman überhaupt gibt.), dafür aber ganz viel in Supermärkten verkauft wurde und jetzt im Weltbildkatalog gelandet ist. Wir werden sehen, wie es sich weiter entwickelt.

    Hui, deine Meinung zu Johann wird wirklich nicht besser :totlach: Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich man einen Charakter sehen kann.


    Ich weiß auch nicht, aber ich habe von ihm einfach auch eine grundnegative Meinung, vermutlich sehe ich das auch eindimensional, aber es ist eben so. Ich finde eben, er hat etwas intrigantes an sich und spielt mit den Leuten, um sich Vorteile zu verschaffen. Vielleicht kommt noch der Punkt, an dem ich anders über ihn denke, momentan habe ich ihn noch nicht.

    Aber ich unterstelle dir mal - auch aufgrund der Kommentare von Anna, dass sie nicht schlau aus Johann wird und ähnliches - dass es von deiner Seite durchaus gewollt ist, dass man kontrovers über Johann denkt.

    Ja, natürlich. Anna erwartet ja auch erst mal eher Schlechtes von Johann. Er ist auch auf jeden Fall als Charakter angelegt, der nicht als der strahlende Held daherkommen soll, sondern ein bisschen zwielichtiger. Mit so einer negativen Meinung wie deiner hatte ich aber wirklich nicht gerechnet. Damit will ich nicht sagen, dass deine Meinung nicht vollkommen legitim wäre. Wie wir jemanden einschätzen, hängt ja ganz viel mit unseren bisher gemachten Erfahrungen und unserer eigenen Persönlichkeit zusammen. Aber es ist sehr interessant zu sehen.

    Doscho Hui, deine Meinung zu Johann wird wirklich nicht besser :totlach: Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich man einen Charakter sehen kann.

    Ja, und zwischen Jackel und Matthias scheint es mächtig gefunkt zu haben. Irgendwie sind die Beiden wirklich niedlich zusammen und durch diese Verbindung ist Anna - was Matthias Loyalität an geht - auch nochmal mehr abgesichert. Matthias mag manchmal mit gezinkten Karten spielen, aber ich habe ihn in den letzten paar Kapiteln auch immer mehr schätzen gelernt. Er ist eine Laberbacke, aber nicht grundverkehrt.


    Ich danke auch Andrea dafür, mal so etwas hineinzubringen, das ist mal erfrischend anders im historischen Roman. Matthias ist vielleicht ein bisschen derb, aber das passt auch gut zu seinem Stand, denke ich :-)

    Solche Kommentare machen mich sehr glücklich :-) Ich habe die Beziehung der beiden in den Roman gemogelt, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen, und dann gehofft, dass sie es durchs Lektorat schaffen. Einfach weil man oft skeptische Kommentare bekommt, wenn man irgendwem erzählt, dass man vorhat, ein gleichgeschlechtliches Paar einzubauen. Irgendwie scheinen die Leute immer direkt zu meinen, man wolle daraus dann ein großes politisches Statement machen, oder was auch immer, und haben Angst, dass das Leser abschrecken könnte. Wenn man es aber einfach macht, stellen sie meistens fest, dass es ja gar keine so große Sache ist (und irgendwie einfach die Realität mehr abbildet als wenn man so tut, als hätte es im Mittelalter keine homosexuellen Menschen gegeben).

    Ich hoffe einfach, wenn es genug solcher positiver Leserrückmeldungen gibt, dass dann die ganze Branche irgendwann aufhört, sich Sorgen zu machen, nur weil irgendwo zwei Charaktere, die sich verlieben, dasselbe Geschlecht haben.



    Für mich ist Götz auch sehr undurchsichtig. Ich frage mich, wo Bartholomäus ihn aufgegabelt hat.

    Ich kann mir vorstellen, dass Götz aus einer etwas höheren Schicht kommt. Und um noch weiter nach oben zu kommen, hat er sich einen Herrn - Bartholomäus - gesucht, bei dem es ihm richtig gut geht. Und Bartholomäus wird die Kontakte haben und einen "Schurken" erkennen. Zwei, die sich gesucht und gefunden haben.

    Ich finde es toll, dass ihr euch darüber Gedanken macht. Mir gefällt diese Theorie sehr gut :-)

    Es freut mich, dass euch das Ende gefallen hat!


    Die Entscheidung zwischen Anna und Bartholomäus ist Johann ganz bestimmt nicht leicht gefallen, aber manchmal muss man sich einfach der Tatsache stellen, dass Leute, die einem mal wichtig waren, sich zu sehr in die falsche Richtung entwickelt haben.


    Was Annas Freunde angeht, muss ich gestehen, dass ich selbst ein großer Fan von Geschichten bin, in denen sich eine Gruppe Freunde findet, die dann durch dick und dünn zusammenhält. Irgendwie ist das so eine schöne Vorstellung, Leute zu haben, auf die man sich absolut verlassen kann, egal was passiert.


    Übrigens, Heinrich hat sicher nicht gedacht, dass er Anna mit seiner Aussage in Lebensgefahr bringt. Und ihr wisst ja, wie Götz ist. Der hat nicht einfach nur nett gefragt.


    Da Bartholomäus ja entkommen ist, ergibt sich hier ein wunderbarer Ansatzpunkt für einen weiteren historischen Roman. Oder was meinst Du, liebe Andrea?

    Ja, da habe ich mir ein Hintertürchen offen gelassen ;) Wir werden sehen, was daraus noch wird. Der nächste historische Roman spielt auf jeden Fall erst mal fast 100 Jahre früher. Für den übernächsten ist aber noch alles offen ;-)

    Ich habe das Gefühl, ich müsste mich dafür entschuldigen, wie viel Nerven euch Annas Vater kostet ;-) Er will unbedingt etwas Hilfreiches tun, weil er ja merkt, dass es Anna in Schwierigkeiten bringt. Dummerweise führt verzweifelter Aktionismus oft nicht zu den besten Ideen.


    Und es begeistert mich, wie zwiegespalten ihr wegen Johann seid!


    Andrea: Was ich noch wegen den Privilegien fragen wollte: war so ein Privileg, Schreibpapier herzustellen, an eine einzelne Person gebunden, an eine Familie oder an einen Betrieb?

    Soweit ich es rausfinden konnte an einen Betrieb. Aber damit natürlich zwangläufig auch an eine Familie, weil die meisten Betrieb ja vererbt wurden.

    Irgendwie habe ich nicht richtig mitbekommen, wie Bartholomäus von Anna Pecht erfahren hat! Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

    Sorry, dass das nicht ganz deutlich geworden ist. Götz sagt am Anfang von Kapitel 16, dass er Matthias beobachtet hat und dabei gesehen hat, wie er Anna und Jackel bei deren Mühle getroffen hat (die Szene, wo die drei sich unterhalten, ist ja am Ende von Kapitel 15 zu finden).

    Ihren Namen rauszufinden, war dann nicht weiter schwer für ihn.

    Und Götz hat ja zudem mitbekommen, wie Annas Vater Jackel gefragt hat, wo Anna ist. Daher die Schlussfolgerung, dass die Anna, um die es da ging, eben auch Anna Pecht ist. Immerhin arbeitet Jackel ja auch genau für sie.

    Das hätte ich Götz wohl etwas genauer erklären lassen müssen.



    Ich freue mich aber auf jeden Fall sehr über die angeregte Diskussion :-)

    Da ich mich vorher eigentlich immer über Autoren schlau mache, die ich lesen möchte, weiß ich, dass das dein erster historischer Roman ist und du eigentlich eher im Fantasy-/Science Fiction-Bereich tätig bist. Daher einfach mal die Frage: Wie kam es dazu?

    Eine weitere Frage wäre: Wie kamst du auf Nürnberg als Handlungsort bzw. was hast du mit dieser Stadt zu schaffen? Wenn ich mir deine Lebensstationen so anschaue, bist du ja eher westlicher orientiert... ;-)

    Und zum Abschluss wieder mal die Klassikerfrage von mir: Was können wir demnächst von dir erwarten? Du hast ja auch in der Runde anklingen lassen, dass du für einen weiteren historischen Roman recherchiert hast. :-)

    Sorry für die späte Antwort. Ich war unterwegs.


    Ich hatte zwischen den Fantasy-Romanen und dem historischen Roman auch noch einen Frauenroman geschrieben, der in der Gegenwart spielt (als Andrea Ulmer). Das hat auch Spaß gemacht, aber ich habe ein bisschen das Fantasy-Feeling vermisst. Leider bekommt mein Agent Zustände, wenn man das Wort "Fantasy" in den Mund nimmt, weil sich das im Moment schlecht verkauft, wenn man nicht gerade George Martin oder Tolkien heißt. Also dachte ich, eigentlich hat ein historischer Roman in Sachen Setting ziemlich viel mit Fantasy gemeinsam. Halt nur ohne Magie. Versuchen wir es also vielleicht mal damit. Eine Idee dafür hatte ich auch schon lange, und dann hat meine Freundin Melanie mich noch ermuntert, die Sache wirklich anzugehen.


    Den Handlungsort habe ich danach ausgesucht, wo es damals viele Papiermühlen und Drucker gab. Nürnberg war eine der ersten Städte mit einer Papiermühle.


    Und als Nächstes kann man tatsächlich noch einen historischen Roman erwarten. Daran schreibe ich gerade. Allerdings ist zwischenzeitlich auch ein Jugendroman für Mädchen von mir erschienen. "Das Leben ist zu kurz für kompliziert", auch wieder unter dem Namen Andrea Ulmer.

    Langsam verstehe ich, warum meine Lektorin so besorgt war wegen dem Mord am Anfang :boah:


    Also, ich finde alle eure Ansichten sehr interessant und will euch auch nicht erzählen, was ihr von den Charakteren zu halten habt.


    Ich hatte halt zwei Dinge im Hinterkopf, als ich Johann den Tuchhändler Stromer habe umbringen lassen:


    1. Seine Erfahrungen bestehen größtenteils aus derselben Erziehung, die seinen Bruder zu dem gemacht hat, was er ist, und dann seiner Zeit im Krieg. Friedliche Lösungen für Konflikte zu suchen stand da nicht so ganz weit oben auf der Prioritätenliste.


    2. Sobald Stromer einmal mitbekommen hatte, dass Johann sich einmischt, konnte man ihn eigentlich nicht mehr mit seiner Familie allein lassen. Eine große Gefahrenquelle bei häuslicher Gewalt sind nämlich Leute, die sich gutmeinend, aber planlos einmischen. Für alles, was solche Helfer tun, wird nämlich das Opfer am Ende bestraft werden. Wenn man sich so einmischt, dass der Täter das mitbekommt, muss man absolut sicherstellen, dass der Täter danach keinen Zugang mehr zum Opfer hat oder zu irgendetwas, über das er dem Opfer schaden kann. Denn ansonsten wird er seine ganze Wut über die Einmischung daran auslassen. Also hatte Johann wirklich nur zwei Möglichkeiten: Stromer beseitigen oder Sybille und ihre Kinder möglichst weit wegbringen. Und bei Letzterem wäre dann die Frage gewesen, wo sie hin gesollt hätten.

    Dass Kurt in der Mühle bleiben durfte, hat mich überrascht. Es spricht für Annas gutes Herz, aber gerade in den Zeiten, wo man auf das Geld achten musste, war ein Arbeiter, der nicht 100 % einsatzfähig war nur unnützer Ballast.

    Hättest du nicht an Annas Stelle ein schrecklich schlechtes Gewissen wegen Kurt? Immerhin hat er sich ja bei der Arbeit verletzt.

    Außerdem gibt es einige Arbeiten, die man auch mit einer Hand machen kann.


    Ich frage mich, was Anna hätte tun müssen, um das Privileg Schreibpapier herstellen zu dürfen zu erhalten?

    Gar nichts. Das Privileg hatte in Nürnberg nur die Kleinweidenmühle, und da gab es wenig dran zu rütteln.


    Die Geschwister Marie und Paul unterstützen Anna so gut sie können. Aber auch sie haben ihre Grenzen. Gut, dass es noch Matthias gibt. Er ist ziemlich clever, gerade die Idee mit den Fässern und den Äpfeln.

    Freut mich, dass Matthias dir gefällt!

    Die ganzen Ideen, wie man Lumpen in die Stadt schmuggeln kann, habe ich übrigens zusammen mit einer Freundin ausgebrütet. Ich hatte nämlich gar nicht so viele Berichte darüber gefunden, wie man früher Waren geschmuggelt hat, nur ein paar Erwähnungen, dass einige Sachen unter weniger wertvollen Waren versteckt hat und Ähnliches. Also haben meine Freundin und ich unsere gesamte kirminelle Energie spielen lassen und an einem Abend sowohl das Feuerholz-Versteck als auch die Sache mit den Äpfeln ausgetüftelt ;-)

    Freut mich, dass du jetzt auch starten konntest, und ich hoffe, das Buch kommt morgen wirklich an!

    Ich wusste gar nicht, dass eine Druckerei nicht ohneweiteres Schreib- und Druckpapier herstellen darf. Wieder etwas gelernt. Bekam man da eine Bewilligung vom Rat?

    Theoretisch ja, aber der Rat hat das Privileg nur der Kleinweidenmühle gegeben. Anna könnte also machen, was sie wollte, die Erlaubnis bekommt sie nicht.


    Deinen Eindruck von den Charakteren finde ich sehr interessant. Ich bin gespannt, was du im weiteren Verlauf der Handlung von den einzelnen Leuten noch denken wirst :-)

    Es freut mich sehr, dass euch der Roman so gut gefällt :-)


    Ich glaube wir ( zumindest ich) unterschätzen Sybille. Die Bedingungen die sie ausgehandelt hat, im Wohnhaus zu bleiben, fand ich pfiffig.

    Nach dem Tod ihres Mannes blühen nicht nur die Kinder auf, da hast Recht. Sybille musste mit ihrem Mann wohl durch eine harte Schule gehen, aber ich denke auch, dass sie eigentlich ganz genau weiß, was sie will. Aber das ist als Frau in dieser Zeit nicht immer einfach.


    Scheidung ist halt schon eine gute Erfindung, die man im Mittelalter leider noch nicht hatte ;-) Ich hatte irgendwann mal ein Buch über Serienmorde im Mittelalter in die Finger bekommen, und einer der wenigen Fälle, in denen Frauen die Mörder waren, war in einem Dorf, in dem sich wohl nach und nach rumgesprochen hat, dass Gift eine gute Methode ist, um einen schrecklichen Ehemann loszuwerden. Es gab halt sonst einfach keine Möglichkeit. Aber ich denke, man muss schon sehr verzweifelt und entschlossen sein, um so etwas durchzuziehen. Und dafür muss man halt schon sehr genau wissen, was man will.



    Ich will einfach nicht glauben, dass Johann der ewige Handlanger für Bartholomäus bleiben will.

    Irgendwie scheint er damit wirklich nicht glücklich werden zu können. Ob er es vielleicht schafft, irgendwann auf einer Stufe mit Bartholomäus zu stehen?

    Denkst du, dann würde er mit dem glücklich werden, was Bartholomäus macht?

    Was mir aber besonders gut gefällt, sind die "Nebensätze" - zB dass nicht jeder jede Art von Papier herstellen durfte. Wer hat das eigentlich geregelt und kontrolliert? Zünfte?

    Funfact: Es gab keine Zünft in Nürnberg. Also, es gab einen kurzen Versuch, Zünft einzuführen, aber dadurch wurden die Handwerker für den Geschmack des Rates viel zu selbstständig, und dann hat man die schleunigst wieder abgeschafft.

    Geregelt wurde das meiste vom Rat (der größtenteils aus Mitgliedern wichtiger Nürnberger Pratrizierfamilien bestand), bzw. vom Rugamt, das extra dafür eingerichtet wurde, diverse handwerkbezügliche Dinge zu regeln und zu überwachen.

    Hallo Andrea - schön, dass Du da bist! Und herzlichen Dank für die Erklärungen! Besonders spannend fand ich folgende Aussage:

    Die Einzigen, die Nürnberg nicht oder nur eingeschränkt verlassen durften, wären Leute, die sogenannten gesperrten Handwerken nachgegangen sind, also sich mit Dingen auskannten, die Nürnberg einen wirtschaftlichen Vorteil eingebracht haben, so dass das Wissen darüber nicht in andere Städte gelangen sollte.

    Welche Handwerke waren gesperrt? Und wer hat das bestimmt? Die betreffenden Handwerker durften Nürnberg nicht verlassen? Wurde das finanziell gewürdigt?

    Der Rat hat das bestimmt. Und das waren ganz viele verschiedene Handwerke. Kompassmacher, Instrumentenbauer, eine bestimmte Art von Drahtzieher und Brillenmacher zum Beispiel. Ein bisschen was dazu kommt auch später noch im Roman vor.

    Und ja, die betreffenden Handwerker durften nicht aus Nürnberg wegziehen und nur sehr eingeschränkt reisen. Ihre Post wurde auch überwacht (vom oben erwähnten Rugamt). Ich bin mir nicht sicher, inwiefern das finanziell gewürdigt wurde. Ich bin gerade dabei, das alles noch mal mehr im Detail zu recherchieren für einen weiteren Roman, und habe schon ein paar Hinweise gefunden, dass es auch in diesen Handwerken durchaus verarmte Meister gab u.ä. Also sonderlich gut kann der Deal nicht gewesen sein, den die da hatten.


    Übrigens, ich habe gestern ganz vergessen, was zu Flugblättern zu schreiben! Ich freue mich total, dass ihr die Flugblätter genauso lustig findet wie ich! Die waren wirklich so was wie die Bildzeitung von damals. Wer sich ein paar angucken möchte, kann einfach mal bei der google Bildersuch "newe zeitung" eingeben. Auf die Art findet man ganz viele.

    Wow, ihr wart ja schon fleißig!


    Erst mal hallo, ich bin die Autorin, und ich freue mich, dass euch der Anfang bisher gefällt :-)


    Da schon ein paar Fragen zu den unterschiedlichen Papiersorten gekommen sind: Ich hoffe, das wird noch klarer, aber prinzipiell war es so, dass in Nürnberg lange Zeit nur die Kleinweidenmühle das Privileg hatte, reinweiße Hadern zu sammeln, also Lumpen von ausreichender Qualität, um Schreibpapier daraus herzustellen. (Die Kleinweidenmühle gab es übrigens wirklich und sie kann in Nürnberg besichtigt werden.) Die anderen Mühlen in der Gegend wurde angewiesen, nur Packpapier herzustellen. Diese Entscheidung wurde getroffen, weil es vorher Streitigkeiten über das Sammeln von Lumpen gab, die man damit klären wollte. Ich bin sicher, der Besitzer der Mühle hat diesen Streit gewonnen, weil er die besseren Kontakt hatte ;-) aber sonderlich viele Details findet man dazu nicht. Das alles ist um die 80 Jahre vor Annas Zeit passiert.


    Wie war das denn, durften Menschen wie Anna nicht einfach so Nürnberg verlassen?

    Ja, durfte sie. Die Einzigen, die Nürnberg nicht oder nur eingeschränkt verlassen durften, wären Leute, die sogenannten gesperrten Handwerken nachgegangen sind, also sich mit Dingen auskannten, die Nürnberg einen wirtschaftlichen Vorteil eingebracht haben, so dass das Wissen darüber nicht in andere Städte gelangen sollte.

    Es war halt nur nicht sonderlich klug, zu diesen Zeiten die Stadt zu verlassen, wie man an der Sache mit den Räubern sieht.


    Jackel gefällt mir. Und habe ich es richtig gelesen, dass er eine Zeichnung von Matthias bei sich hatte? Hegt da einer etwa Gefühle?

    Ich finde es interessant, dass da gleich mehrere von euch drauf stoßen :-) Der Einzige meiner Testleser, der an dieser Stelle dazu eine entsprechende Frage gestellt hat, ist selber bisexuell. Allen meinen anderen Testlesern ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen ;-)