Beiträge von tomorgel

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    Gerade in meinen Notizen hierüber gestolpert. Da wird der Vibel auch erwähnt und beim aufbau der Berunischen Kriegsknechtskompanie haben wir uns tatsächlich ein wenig daran orientiert:


    Eine Kompanie walisischer Bogenschützen hatte 1342 (also zu Beginn des Hundertjährigen Krieges) 110 Mann. Das waren 100 Bogenschützen, organisiert in vier "Züge" mit je einem Vibel (also Zugführer). Das Kommando der Kompanie führte ein Centenar. Zur Kompanieführung gehörten noch ein Kaplan, ein Fahnenträger, ein Feldscher, ein Schreiber, ein Übersetzer. Während die Positionen der Schreiber und Feldschere sowie der Kaplane oft unbesetzt blieben, waren Centenare und Vibel immer vorhanden, es waren also schon echte militärische Ränge (das galt allerdings nur für die Infanterie).
    In Frankreich tauchte ein ähnliches System mit der Heeresreform durch Charles VII. auf (um 1440).
    Vgl. Ian Heath: Armies of the Middle Ages, Volume I, Worthing 1982.


    Da ist mir zum ersten Mal der Name 'Tertys' aufgefallen. Ist das der Name eurer Welt?


    Jep. *g*


    Ja, solche Deutschlehrer wie du die beschreibst, hatten wir auch. Stephan mehr (der hatte mehr Glück), ich weniger.
    Und auf der anderen Seite gab's halt die Sorte, die in elterngesprächen Dinge sagte wie: "Aus Kindern wie Ihren, Frau Orgel, werden später mal Terroristen."


    Gut, heute schreibe ich Fantasy, in der Menschen blutig umkommen ... ganz von der Hand zu weisen ist meine subversive und destruktive Art also nicht. ;)


    Woher habt ihr eigentlich eure militärischen Begriffe entlehnt? Wie z.B. Vibel und Kriegsknechte, klingt nach Dreißigjährigem Krieg?


    Das ist bunt durchmischt.


    Der Vibel ist tatsächlich aus einem alten, schwedischen Manuskript entlehnt, das aus der Zeit kurz vor dem 30jährigen Krieg stammt. Vom reinen Wort her ist er verwandt mit dem Feldwebel oder -weibel, rangtechnisch war er tatsächlich so eine Art "Erster unter Gleichen", Truppführer einer 25-Mann-Einheit von Fußsoldaten und vermutlich am besten mit dem Sergeanten zu vergleichen, nur dass er aus einer Zeit stammt, in der es noch keine offizielle Hackordnung im Militär gab (abgesehen von so offensichtlichen Sachen wie dem anführenden Ritter).
    Der Heetmann, also der Hauptmann, war tatsächlich iner der allerersten Ränge im mittelalterlichen Militär - der Anführer einer Hundertschaft, der eben kein Ritter vorsteht (meist eben dann ein Trupp Landsknechte)
    Nur dass ein echter Landsknecht tatsächlich etwas anderes als ein Kriegsknecht ist - er ist einem Landstrich zugeordnet und kein Berufssoldat.
    Deswegen haben wir sie eben Kriegsknechte genannt, da sie zwar ähnlich aufgestellt sind, aber in der Sache vermutlich sogar eher an die römischen Berufssoldaten anlehnen - oder an die Berufs-Söldner des späteren Mittelalters. wir wollten sie nur insofern von echten Söldnern abheben, als dass sie tatsächlich eine Art Berufsarmee von Berun darstellen und keine freien Söldnerhaufen (die übrigens im novenischen Städtebund an der Tagesordnung sind - und DORT sind sie tatsächlich an den 30jährigen Krieg und besonders die italienischen und südfranzösischen Stadtstaatenfehden angelehnt).


    Bei den Kolnorern haben wir ja auch z.B. den Rang des Jarl, bei dem man schon sieht, dass da eher nordeuropäische Gesellschafts- und Militärstrukturen Pate standen.
    Da sind wir übrigens nicht allein - die "Kerle" (oder "Carls") bei Abercrombie rekrutieren sich ja aus exakt dem selben Fundus.


    Aber wie gesagt: Es sind Anlehnungen, deren Verwendung vor allem gewisse Assoziationen hervorrufen sollen, keine direkten Übernahmen.
    Ich persönlich finde: Je sparsamer man mit echten Neuerfindungen bei solchen Begriffen umgeht, desto mehr Wirkung haben die dann zum einen (das Unterstreicht zum Beispiel ja die Fremdartigkeit des Macouban, das dem Leser ja fremder sein soll als Berun) und desto leichter tun sich die Leute, sich in so einer Welt heimisch zu fühlen. Das macht es (aus meiner subjektiven Sicht) für den Leser einfacher, die exotischeren Bestandteile (wie die Blausteinmagie oder die Bewohner des … okay, Spoilergefahr für den 2. Teil. :D) zu verdauen und zu akzeptieren.
    Zu den dingen, die wir aus den zahlreichen Rezensionen und Kritiken zu Orks v. Zwerge gelernt haben, gehört, dass jeder exotische Name das Risiko birgt, den Leser aus der Geschichte zu werfen. Vertraut klingende (selbst wenn sie, wie "Kriegsknecht", reine Erfindung sind) dagegen werden begrüßt.

    Übrigens:


    vielen herzlichen Dank für diese grandiose Besprechung. Die gibt mir das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. ;D


    Und natürlich danke dafür, dass du dich an unserer Leserunde beteiligt hast. Die macht ohnehin mal wieder richtig Spaß.


    Was mich aber wirklich interessieren würde - du hast auf Amazon 4 von 5 Punkten gegeben (worüber ich mich mit Sicherheit nicht beschwere - das ist eine 4-Punkte-Wertung die mehr wert ist, als viele andere 5er) - was würde dir noch zur vollen Punktzahl fehlen. Wüsste ich schon gern, wo wir gerade am 2. Band sitzen. *g*

    Ich lese massenhaft Zeitschriften zum Thema Mittelalter (G-Geschichte, Damals, PM History und, besonders ergiebig zum Thema Mittelalter und Waffenkunst, die Karfunkel) und habe außerdem ein paar Bücher zum Thema Schwertkampf. Theoretisch bin ich also ein gefürchteter Gegner, praktisch wäre ich im Mittelalter so gut wie tot.


    Tom und ich legen Wert darauf, dass die Kämpfe nicht all zu unrealistisch ausfallen. Heldenhafte Bühnenkämpfe finden wir beide albern und schauen daher immer, dass es ordentlich rüberkommt. Von daher denke ich mal, dass Rollenspiel eher keine gute Inspirationsquelle wäre, da die meisten Systeme wenig realistisch sind (ist ja auch nachvollziehbar, weil sonst auch der stärkste Held viel zu schnell durch einen unglücklichen Treffer getötet würde und der Spielspaß leiden würde).


    Zu der Flüster-Kampfszene hatte ich keine spezielle Inspirationsquelle, hatte mir aber einen Schlagaustausch aus dem Fechtbuch von Thalhoffer angeschaut, damit der Ablauf einigermaßen passte.


    Was mich angeht - neben dem Lesestoff gibt es tatsächlich noch eine (zugegeben leider kleine) Handvoll Filme, die halbwegs als so etwas wie eine realistische Inspiration taugen. Der 13. Krieger natürlich immer wieder, aber auch so Sachen wie "Iron Clad". Allen gemeinsam ist, dass da wenig Bühnenkampf und viel "Straßenschlägerei" enthalten ist. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen aus dem Aikido, in dem ich jahrelang zumindest ansatzweise praktisch lernen konnte, wie schnell und unspektakulär so ein Handgemenge mit Waffen eigentlich vorbei ist. Zumindest die Bewegungsabläufe (die letztendlich gar nicht so unterschiedlich sind, wie in den alten europäischen Fechtbüchern) habe ich also tatsächlich mal gelernt – und dass ich mich aus jedem echten Gefecht definitiv raushalten sollte.


    aber ich denke, wir schreiben beide ähnlich, wie wir auch lesen: Ich zumindest sehe scho nbeim Schreiben einer Szene einen Film vor mir und versuche, die Abläufe und Blickwinkel möglichst einzufangen, ohne mich technisch zu verlabern. elegant flirrende Klingen und das Klirren von aufeinanderschlagenden Schwertern passt da für mich nicht. Das habe ich auch im Training nie erlebt. Das war mehr grunzen, schieben, stochern und Beine wegziehen – und wie mir die Jungs von der Schaukampftruppe Frank&Frey hier aus der Gegend bestätigt haben, ist es das auch im Groben und Ganzen.

    Ich weiß nicht, ob es hier um ein Talent geht. Es wirkte wie direkte Magie. Hier hat sich jemand mit den gleichen Kampfmitteln ausgestattet, weil sie sonst vermutlich wenig Chancen gehabt hätten. Sicher sollte das Massaker niemand überleben, aber es geht ja auch darum, die kaiserlichen zu diffamieren und da kann man ruhig sehen, das einer von ihnen Magie wirkt. Das gibt noch mehr böses Blut und das ist ja schließlich das Ziel.


    Eine Anmerkung: Wenn jemand eine solche Scharade mit irreführender Maskierung durchziehen sollte - wäre es dann nicht ziemlich blöd, KEINE Überlebenden übrig zu lassen?
    Das wäre ja dann wie "Sie sind so tödlich, dass keiner ,der ihnen je begegnet ist, das überlebt hat" - Woher weiß man das dann?
    Augenzeugen sind wichtig! ;)


    aus der Nähe. Aber Fernwaffen gegenüber ist sie vermutlich machtlos. Außerdem kann man auch totgeliebt werden (das Parfüm)


    Was die Fernwaffen angeht: Stimmt. Aber alles hat halt seine Nachteile ...
    Aber das Problem beim Parfum war wohl eher, dass man es nicht steuern oder gar abschalten konnte. Xari hat da gewisse … Vorteile.
    Nein, ihre eigentlichen Probleme damit liegen woanders.


    Das hatte ich nicht so verstanden. Xaris ist wütend, weil er nicht gegangen ist. Die anderen können ihn vermutlich nicht von den Angreifern unterscheiden und Xaris hatte ihm ja prophezeit, dass er als Feind betrachtet werden wird. Aber schließlich rettet ihn sein ERfolg bei Frauen. Wenn er ein Talent hätte, dann wäre er das männliche Gegenstück zu Xaris. ;D


    :D So habe ich das noch gar nicht betrachtet. *g*



    eine Randbemerkung, die für mehr als eine Person gilt:
    Man kann auch mehrere Aufträge haben. Und sogar mehrere Auftraggeber. Oder Motive.
    Geht mir zumindest im RL öfter so. Dann bin ich froh, wenn ich das eine mit dem anderen kombinieren kann. Aber selbst sich widersprechende Aufträge kann man meist irgendwie lösen ...

    Zu Cajetan: Ab Seite 259. Ein Messer, ein Finger und ein Kästchen auf dem Tisch ...


    Aber reine Interessefrage, ohne dass ich es an dieser Stelle weiter kommentieren werde:
    Wie alt ist Sara in euren Augen? Gefühlt?


    In der anderen Leserunde hat man sie ziemlich oft mit Arya Stark verglichen.


    Die Fürstin erkennt Menschen also am Geruch. Schon beeindruckend, das sie sofort, nachdem Marten ihr vorgestellt wurde, erkannt hat, das er ein Sohn des 'alten Löwen von Berun' ist. Aber nicht sehr glaubwürdig, irgendwie.


    ;D


    Witzigerweise ist genau dieser Anteil an ihrer Fähigkeit der Realität entlehnt. Nur nicht der von uns gewöhnlichen Menschen, sondern der von Hunden.
    Hunde können genetische Familienzugehörigkeit genauso leicht erschnüffeln wie z.B. Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Drogen.


    Tatsächlich hat jeder von uns einen "Familiengeruch". Achtet mal drauf, wie es beim Reinkommen in der Wohnung eurer Eltern riecht, wenn ihr nach längerer Abwesenheit mal wieder zu Besuch kommt. Solange es nicht gerade ein Haushalt von exzessiven Rauchern ist, die ganze Wohnung nach Raumparfums oder Putzmitteln riecht oder frischer Essensgeruch alles andere überdeckt, kann man ihn auch als Mensch wahrnehmen, diesen Familiengeruch, der sich (normalerweise) in den Wohnungen von nahen Verwandten tatsächlich ähnelt. hunde haben übrigens die Fähigkeit, diesen Geruch "anzunehmen". Deshalb riechen in einer Familie alle Hunde, vollkommen unabhängig der Rasse, gleich (wenn sie nicht krank oder alt sind).
    Katzen hingegen markieren ja ihr Revier exzessiv - mit Duftdrüsen am Maul (das klassische "Köpfchen geben" oder am After (das "markieren") - und allein anhand diesesDufteskönnen sie zweifelsfrei Individuen unterscheiden.


    Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass Menschen verschiedenen Geschlechts sich aufgrund ihresgenetischen Aufbaus einander entweder "gut riechen" können, oder eben "nicht riechen". Das hat ja nicht zuletzt eine ganz praktische, der potenziellen Fortpflanzungskompatibilität geschuldete Ursache.
    Da also eine genetisch nahe verwandte Familie tatsächlich und real einen nachweislichen Duft-"Fingerabdruck" hat, ist dieser Teil ihrer Fähigkeit beinahe schon der am wenigsten expotische, selbst wenn es so klingen mag. *gg*


    Und der Rest - der ist eben mit Blaustein geboostet. Als Marten den Raum betritt, nimmt sie ihn ja gerade zu sich. ;)

    Ich amüsiere mich gerade über deine Betrachtungen. Ehrlich. :D
    Auch wenn du es als zu düster empfindest - DAS verbuche ich mal unter Geschmackssache - düster war ja von vornherein beabsichtigt.


    Nur eine einzige Anmerkung (diskutieren können wir gern später, außerdem hab ich gerade Hunger und muss erstmal Kinder, Frau und mich mit Essen versorgen. *g*):
    Es geht nicht um die illegitimen Kinder des aktuellen Kaisers, sondern seine illegitimen Geschwister. Sein alter Herr, der alte "Löwe von Berun" und Mann von Ann Revin, war der Schürzenjäger. Über den aktuellen kann man viel sagen - aber Schürzenjäger - SO hat ihn noch keiner genannt.
    Wenn Marten also in diese Kategorie fallen sollte, dann wäre er eines von mehreren Halbgeschwistern des Kaisers (und Barnard Lisst z.B. war ein wenig älter als der aktuelle Kaiser). Und es waren sich nach dem Tod des alten Löwen ja auch nicht alle einig, was die Nachfolge anging...

    Zitat

    Es ist nur die Legende des Rings und die kennen auch nur wenige. Der Hobbit kennt sie nur, weil Gandalf sie ihm erzählt hat und die Elfen kennen sie weil sie helfen, gegen das Böse zu kämpfen. aber deshalb haben sie nicht die gleichen Götter. Allerdings frage ich mich, haben Hobbits Götter? Sicher, aber sie werden m.E. nicht erwöhnt


    Dochdoch, stimmt schon. Ich habe das Material neine Zeitlang verschlungen. Silmarillion, Geschichten aus Mittelerde, Kinder Hurins, ... das ganze Zeug.
    Ja, die Elben haben andere Götter als die Orks, die Zwerge andere als die Menschen - aber alle sind sie Maiar oder eben die 14 Valar und alle stehen unter dem einen großen Oberboss und Schöpfer Illuvatar. Es ist nicht so, dass es da im Norden ein Menschenvolk gibt, die einen komplet anderen Schöpfergott haben und ein komplett anderes Pantheon und weiter im Süden ein drittes Pantheon verehrt wird, das sich auf die weltschöpfende Riesenschildkröte (inklusive Elefanten) beruft. Da ist unsere reale Welt mit rund 4.000 Göttern und etwa über 1.000 Religionen wesentlich komplexer.


    Was Tertys betrifft, lassen wir das momentan bewusst offen und beschränken uns auf die, die lokal an den Handlungsorten verehrt werden (oder wurden) und die für die Geschichte eine Rolle spielen. Auch da gibt es schon genug Uneinigkeit über "Die Wahrheit™".